pattrice jones: Intersektionalität und Tiere

Mud season at Vine Sanctuary

Intersektionalität und Tiere 

pattrice jones

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Eine allgemeine Information zum Thema: Intersektionalität und Tierrechte von pattrice jones, Mitbegründerin des VINE Sanctuary: ‚Intersectionality and Animals’, Quelle: http://www.nlg.org/sites/default/files/intersectionalabc_0.pdf, (2.3.14). Übersetzung: Palang L. Arani-May, mit der freundlichen Genehmigung von pattrice jones. Eine alternative Version des Originaltextes befindet sich auf: http://blog.bravebirds.org/archives/1553 (2.3.14).

Die Rechtsgelehrte Kimberlé Crenshaw hat den Begriff der „Intersektionalität“ geprägt, als eine Form in der die komplexen und sich unterschiedlich zusammensetzenden Interaktionen zwischen Formen von Unterdrückung verstanden und besprochen werden können. In der gleichen Weise, wie Landvermesser Trigonometrie beherrschen müssen und Ingenieure Differential- und Integralrechnung brauchen, so brauchen Aktivist_Innen die Intersektionalität als konzeptuelles Werkzeug. Ohne dieses Werkzeug ist es nicht möglich, das Problem, das wir lösen wollen, genauer einzuschätzen und es bleibt schwierig, effektive Strategien zu entwickeln.

Die Wechselwirkungen zwischen den Unterdrückungsmechanismen, die Rasse, Geschlecht und Klasse betreffen, bildeten den Ausgangspunkt in den Untersuchungen über Intersektionalität. Seither haben wir viel darüber gelernt, wie diese mit weiteren Faktoren, wie beispielsweise Behinderung oder Nationalität, interagieren. Eine jüngere Entwicklung ist, dass wir nun langsam erkennen, wie diese sich überschneidenden Vorurteile die menschliche Schädigung und Ausbeutung der Natur sowohl ermöglichen als auch verstärkend darauf einwirken. Und heute sehen wir uns mit der dringenden Aufgabe konfrontiert, die nichtmenschlichen Tiere mit in unsere intersektionalen Analysen einzubeziehen.

Aktivist_Innen aus den Bereichen der sozialen- und der Umweltgerechtigkeit müssen lernen zu verstehen, welche grundlegende Rolle der Speziesismus auch in den Unterdückungsformen auf der Intra-Spezies-Ebene spielt. Er legt die Konditionen fest und trägt dazu bei, die vielen Mechanismen aufrecht zu erhalten, mit denen die Menschen einander und die Erde ausbeuten. Gleichzeitig müssen Tierverteidiger_Innen lernen zu verstehen, dass jeder Akt der Gewalt oder der Ungerechtigkeit gegenüber Tieren, innerhalb sozialer und materieller Umstände stattfindet, die ohne ein Verständnis über Intersektionalität nicht hinreichend addressiert werden können.

Mit der Ausdehnung auf eine Einbeziehung von Speziesismus und Tierausbeutung in die Reihe oppressiver Ideologien und Praktiken als Gegenstand der Auseinandersetzung, bietet die Intersektionalität, sowohl den Aktivist_Innen aus dem Bereich der Gerechtigkeitsbewegung für Tiere, als auch denen, die aus den Bereichen sozialer- und Umweltgerechitgkeit kommen, ein tieferes und vollständigeres Verständnis der Systeme, innerhalb derer die jeweiligen Probleme eingebettet sind. Die Möglichkeiten zur Konzipierung und Umsetzung effektiver Strategien werden dadurch erhöht. Ein weiterer vorteilhafter Zusatz ist, dass durch das erweitere Verständnis über die Intersektionalität, neue Wege zur Zusammenarbeit und zum gemeinsamen Wirken, über die Grenzen der einzelnen Bewegungen hinweg, erschlossen werden können

Grundlegende Erkenntnisse

Crenshaw hat das Wort „Intersektion“ [im Englischen bezeichnet eine „intersection“ auch eine Straßenkreuzung“] sehr zutreffend gewählt. Wenn du inmitten auf der Kreuzung zwischen der Main Street und der First Avenue stehst, dann ist es nicht möglich zu sagen, auf welcher der beiden Straßen du dich eigentlich genau befindest – du befindest dich auf beiden gleichzeitig. Wenn man sich Fälle von Diskriminierung gegen farbige Frauen an ihrem Arbeitsplatz anschaut, so bemerkte Crenshaw, dass es häufig nicht möglich ist, zu ermitteln, ob die Diskriminierung aufgrund rassischer oder geschlechtlicher Vorurteile stattfindet – es ist beides zugleich, in Legierungen, die nicht durch einen einfachen Zusatz in vorhersehbarer Weise reagieren.

Die Wechselwirkungen von Rassismus und Sexismus scheinen eher multiplikativ als additiv zu funkionieren. Die Funktionen dieser Interaktionen deaggregieren nicht. Rassische Stereotypien sind genderspeziefisch, und Gewalt gegen Frauen wird durch Rassismus begünstigt.

Sexismus, Rassismus und andere Formen diskriminatorischer Vorurteilshaltungen unter Menschen, tragen nicht nur gemeinsame Züge und teilen gemeinsame Ursachen, sie interagieren auch in sich gegenseitig bestärkender Weise. Leicht nachvollziehbar verdeutlicht das Suzanne Pharrs Beobachtung, dass Homophobie eine „Waffe des Sexismus“ ist. Während es sicherlich stimmt, dass einiges an Vorurteilen gegen Menschen, die sich als LGBTQ definieren, auf Ignoranz zurückzuführen ist, so ist die strukturelle Funktion der Homophobie (und ebenso der Transphobie) die, ein Gendersystem aufrecht zu erhalten, in dem der Mann hierarchisch weiter oben angesiedelt wird. Du musst noch nicht mal schwul sein, um als schwul diskriminiert zu werden und du musst dich auch nicht als transsexuell definieren, um ein Opfer von Transphobie zu werden. Alles was du tun musst, um angreifbar im Sinne dieser Vorurteilshaltungen zu sein, ist, gegen die Regeln der Gender-Rollen zu verstoßen. Das heißt, dass die LGBTQ-Befreiung ein notwendiges Projekt für den Feminismus darstellt, und auch, dass die LGBTQ-Befreiung solange nicht wirklich auf den Weg gebracht werden kann, bis wir es nicht schaffen, den Sexismus aufzulösen.

Ökofeministische Gelehrte wie Lori Gruen und Marti Kheel haben erklärt, dass eine „Logik der Dominierung“ das eurozentrische Denken nicht nur im Bezug auf Rasse und Gender, sondern auch im Bezug auf die Erde und die Tiere strukturiert. Diese Logik unterteilt die Welt künstlich (und falscherweise) in einander entgegengesetzte Dualismen – männlich versus weiblich, Mensch versus Tier, Kultur versus Natur, Vernunft versus Gefühl, usw. – und spricht der einen Seite solch eines Paares eine Übergeordnetheit zu. Die Bedingungen jeder jeweiligen Seite der hierarchichen Kluft sind untereinander verbunden: Männer werden als rationaler betrachtet, Frauen und farbige Menschen rückt man näher zur Natur, Gruppen von Menschen werden gedemütigt, indem man sie mit Tiernamen benennt.

Wenn du eine Struktur dekonstruieren willst, dann musst du die Bindeglieder defunktionalisieren. So müssen Aktivist_Innen die einen möglichst großen Effekt erzielen wollen, sich darauf konzentrieren an den Schnittstellen, den Intersektionen, zu arbeiten, idealerweise so, dass ein ein spürbarer Fortschritt bei einem spezifischen Problem erzeugt wird, während gleichzeitig, parallel dazu die Struktur des sich überkreuzenden Unterdrückungssystems dabei unterminiert wird.

Wenn es nicht möglich ist, solch eine Intersektion zu ermitteln, an der man ansetzten kann, dann sollte die Intersektionalität nichtsdestotrotz bei der Wahl der Taktiken und der Rhetorik im Bewusstsein bleiben, damit das eigene Ziel nicht unbeabsichtigt untergraben wird, indem man aus Versehen an der Unterdrückung anderer Teil hat.

Seine intersektionale Arbeit vorbereiten

Jedes neue Werkzeug erfordert etwas Praxis in der Anwendung. Das trifft im Falle der Intersektionalität ganz besonders zu, indem wir herausgefordert sind, Muster zu verstehen, Beziehungen zu erkennen und komplexe Interaktionen zwischen verschiedenen Variablen analysieren zu müssen. Diejenigen von uns, die ihre Ausbildung in den USA oder in Europa durchlaufen haben, wurden dazu erzogen, genau in die andere Richtung zu denken, und sie müssen daher eine affirmative Anstrengung unternehmen, um in Begriffen der Gemeinsamkeiten statt der Unterscheidungen, der Kontexte statt der Abstraktionen und der Systeme statt der Individuen zu denken.

Hier sind einige einfache Beispiele zur praktischen Ausübung:

–         Stellt euch zwei Formen der Unterdrückung vor, wie etwa den Sexismus und den Speziesismus, und versucht einmal zu beschreiben, in welcher Weise diese beiden Unterdrückungsformen sich überschneiden.

–         Denkt an eine Problematik, wie die der Gefängnisse oder Zoos, und versucht zu identifizieren, wie viele Formen der Oppression sich innerhalb derer überschneiden.

–         Stellt euch eine Unterdrückungstaktik vor, wie etwa die Stereotypisierung oder Zwangsarbeit, und versucht die Art und Weisen zu identifizieren, in der solch eine Taktik in unterschiedlichen Formen der Unterdrückung angewendet wird.

–         Denkt an das Ziel einer Unterdrückungsform, wie etwa die Profitnahme oder die Reproduktionskontrolle, und überlegt wie dieses über Wege unterschiedlicher Formen von Unterdrückung erzielt wird.

–         Stellt euch die Auswirkungen einer Unterdrückungsform vor, so wie die emotionale Gleichgültigkeit, die notwendig ist zum Fleischessen. Versucht die Art und Weisen zu identifizieren, in denen solch eine Auswirkung einen Rückkopplungseffekt hat, der sich unterstützend auf andere Unterdrückungformen auswirkt.

Bitte bedenkt, dass ihr euch, während ihr versucht diese Übungen durchzuführen, dazu auch etwas informieren müsst. Ihr könnt nicht von euch erwarten, die Beziehungen zwischen Speziesismus und Rassismus beispielsweise zu erkennen, wenn ihr eigentlich gar nicht viel über Rassismus Bescheid wisst!

Vorläufige Ergebnisse

Aktivist_Innen haben eigentlich gerade erst damit begonnen, die Intersektionen zwischen Speziesismus und anderen Formen der Unterdrückung zu skizzieren. Doch bereits jetzt sind die Ergebnisse spannend und potentiell sehr nützlich. Hier sind nur einige Beispiele davon, was wir dabei lernen können, wenn wir die Übungen oben anwenden, bei denen wir über die Beziehungen zwischen der Ausbeutung von Tieren und sozialer- und Umweltungerechtigkeit nachdenken:

–         Das Dreigestirn der Rechtfertigungsversuche der Tierausbeutung – wer die Macht hat, hat auch die Rechte; wir haben Fähigkeiten, die nicht; und, es ist Gottes Willen – sind allesamt Scheinargumente, die auch eingesetzt werden um soziale Ungerechtigkeiten wegzureden (oder sich dem Rechtfertigungsdruck jeglicher Kritik zu entziehen). Diese Arten des Denkens führen letztendlich zu Kriegen, zu Diskriminierungen und den weiteren Übeln.

–         Sexismus und Speziesismus sind über eine solange Zeitspanne hinweg miteinander verquickt – bis zurück zu den Zeiten in denen sowohl Töchter als auch Milchkühe beide als Besitz des männlichen Haushaltsvorstands betrachtet wurden – so dass keines der beiden voll verstanden werden kann, ohne den Bezug zum anderen herzustellen.

–         Das, was man als „Reprozentrismus“ [die Fokussierung auf die Reproduktion] bezeichnet, ist nicht nur ein Grundprinzip in der Tierausbeutung, sondern es spielt auch eine zentrale Rolle im Patriarchat und im Kapitalismus. Die unaufhörliche Reproduktion (von Menschen, Tieren und Gütern) hat uns bis an den Rand einer planetaren Katastrophe gebracht.

–         Das psychologische Manöver, mit dem die Menschen sich höher gestellt haben als, und entfernt haben aus den Ökosystemen, um beides Land und Tiere in „Besitz“ umzuwandeln, der gekauft und verkauft werden kann, befestigt nicht nur die speziezistische und environmentale Plünderungsmentalität, auch führt diese Psycholgie zu der Art von Individualismus und Entfremdung, die man als Schlüsselfaktoren des Kapilalismus und anderer Problematiken bezeichnen kann.

–         Speziesismus erscheint uns als etwas so normales, dass das Spezies-Privileg dadurch noch unsichtbarer funktioniert, als das Weißseins- oder das Männlichkeitsprivileg. Die Unsichtbarkeit dieses Privilegs ist damit eine Angelegenheit gemeinsamen Interesses für unterschiedliche Bewegungen.

–         Schlachthausarbeiter, Vivisektoren und selbst die durchschnittlichen Fleischesser, sagen oft direkt, dass sie über das Leid, das sie verursachen, „einfach nicht nachdenken“. Die geistige Gewohnheit des Nichtnachdenkens-über-Leid, begünstigt auch soziale Ungerechtigkeit, so wie wenn Konsumenten einfach nicht über das Leid unterbezahlter und sogar versklavter Arbeiter nachdenken möchten.

Hier sind einige der Art und Weisen, in denen sich spezifische Formen der Tierausbeutung mit sozialer- und Umweltungerechtigkeit überschneiden:

–         Die Milchproduktion bedarf der Zwangsschwängerung von Kühen, deren Kälber ihnen kurz nach der Geburt wieder weggenommen werden. Diese physische und emotionale Gewalt an weiblichen Tieren zur Generierung von Profiten, bringt  Produkte hervor, die durch die äußerst Machtvolle und hochsubventionierte Milchindustrie z.B. in den USA, das ganze öffentliche Schulsystem beliefern, obgleich die Mehrheit farbiger Kinder laktoseintolerant ist.

–         Zoos waren anfänglich Repräsentativprojekte herrschender Imperien, in denen man Menschen und Tiere zusammen ausstellte. Weitherhin sind Zoos ein Zeugnis der ultimativen menschlichen Hubris, indem dort postuliert wird, man könne Ökosysteme künstlich nachspielen – eine Afrikanische Savanne in Philadelphia! Ein arktisches Meer in Florida! – und gefährdete Tierarten dadurch „retten“, indem man sie nicht in ihre Habitate zurückführt, sondern deren Reproduktion kontrolliert.

–         Zirkusse und andere Einrichtungen, in denen Tiere zu Unterhaltungszwecken eingesetzt werden, sind ebenso Spektakel menschlicher Kontrolle über die Natur. Viele solcher Veranstaltungen, wie Hahnenkämpfe und Rodoes, demonstrieren auch gesellschaftlich konstruierte Männlichkeit.

–         Die ganz unmittelbare Teilnahme an der Ausbeutung von Tieren, produziert normalerweise nicht nur emotionale Gleichgültigkeit, sondern zugleich auch die Verachtung für Schwache. So sehen wir in Gegenden, in denen industrielle Agrargroßbetriebe und Schlachthäuser angesiedelt sind [und Menschen ihre Arbeitplätze dort finden], gehäuft Fälle von Gewalt gegen Partner und Kinder. Umweltungerechtigkeit siedelt die stark schädigenden Produktionsstätten zumeist in Regionen geringen Einkommens und Gemeinschaften farbiger Menschen an.

Intersektionaler Aktivismus in der Praxis

Einige Beispiele des sich an den Schnittstellen bewegenden Tierbefreiungsaktivismus:

Wir vom VINE Sanctuary haben unsere Pionierarbeit in der Rehabilitierung von Kampfhähnen dazu eingesetzt, den Einsatz von Tieren in der sozialen Gender-Konstruktion zu beleuchten und kritisch zu hinterfragen. Auch haben wir unsere Position als eine LGBTQ-betriebene Organisation geltend gemacht um das „Queering“ in der Tierbefreiung zu fördern.

Das Food Empowerment Project bemüht sich um Zugangsmöglichkeiten zu frischen Erzeugnissen und Milchalternativen für Gemeinschaften farbiger Menschen.

Das Sistah Vegan Project unterstützt den Veganismus als eine antikoloniale, antirassistische und feministische Praxis.

In Polen haben ökofeministische Tierrechtsaktivist_Innen, die mit der Organisation Otwarte Klatki zusammenarbeiten, sich aktiv gemeinsam mit den Bewohner von mehr als 20 Orten in ländlichen Gebieten einsetzt, damit die lokalen Gemeinden eigene erfolgreiche Kampagnen gegen industrielle Pelzfarmen durchführen konnten.

In Brasilien hat sich die Tierrechtsorganisation VEDDAS mit der indigenen Bevölkerung zusammengeschlossen, um eine gemeinsame Kampagne gegen einen geplanten Großstaudamm durchzuführen.

Und schließlich, einige Beispiele von Projekten, die im Bereich der Intersektionen des Speziesismus mit anderen Formen der Ungerechtigkeit, durchgeführt werden könnten:

–         Nahrunsmittelgerechtigkeits- und vegane Organisationen könnten kollaborativ arbeiten, um den Zugang zu frischen Erzeugnissen und Alternativen zu Milchprodukten in Gemeinschaften mit geringem Einkommen zu verbessern.

–         Feministische- und Tierrechtsaktivist_Innen könnten darin zusammenarbeiten sicherzustellen, dass jedes Frauenhaus mit einem Tierheim kooperiert, um sich in gegebenem Falle auch um die Haustiere zu kümmern, die häufig selbst misshandelt wurden, und die oft auch den Grund dafür bilden, warum Frauen damit zögern,  Schutz in einem Frauenhaus aufzusuchen.

–         Aktivist_Innen aus den Bereichen der Behindertenrechte und Tierversuchsgegner könnten zusammenarbeiten, um gemeinsam Kampagnen zu starten gegen die kommerzielle Tierversuchsindustrie, die Tiere ausbeutet während sie keine Sicherheit oder Effizienz von Medikamenten gewährleisten kann.

–         _______ <=== Und hier findet deine Idee ihren Platz! Überleg einmal. Versuch es. Und erzähl uns davon!

pattrice jones is ein Gründungmitglied des VINE Sanctuary: http://www.bravebirds.org/

Lori Gruen: Sollten Tiere Rechte haben?

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Sollten Tiere Rechte haben?

Lori Gruen

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Prof. Lori Gruen: http://www.lorigruen.com/, http://lgruen.faculty.wesleyan.edu/.

Dieser Artikel: ‚Should Animals Have Rights?’ von Lori Gruen ist im Original erschienen auf: https://animalstudiesblog.wordpress.com/2014/01/17/should-animals-have-rights-2/ und https://www.thedodo.com/community/LoriGruen/should-animals-have-rights-396291626.html.

Übersetzung: Palang L. Arani-May, NiceSwine.Info. Mit der freundlichen Genehmigung von Lori Gruen. Revised 08/01/14.

Im Dezember [2014] reichte das Nonhuman Rights Project eine Habeas-Corpus-Klage für vier Schimpansen im Bundesstaat New York ein. Die Klage wurde abgelehnt, aber die Anwälte planen in die Berufung zu gehen. Der Fall hat für viel Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit gesorgt, über die Frage, ob Tieren Rechte zuteil werden sollten.

Diese Woche hat als Reaktion auf diesen Fall – und den Start einer neuen Webseite: The Dodo, die sich allem rund um die Tiere widmet, und in Reaktion auf einen Kommentar von Frank Bruni in der New York Times, in dem der Autor schreibt, dass wir uns nun in einer Ära befänden, in der die Forderung nach der Achtung der Würde anderer Tiere an Zuwachs gewinnt – diese Woche nun, hat der Journalist Damon Linker behauptet: „Nein, Tiere haben keine Rechte.“

Diese jüngste Debatte folgt allgemeinen Diskussionen, in denen die Frage „Sollen Tiere Rechte haben“ generell auf zwei diametrisch entgegengesetzte Reaktionen trifft. Auf der einen Seite finden wir die herablassend Kichernden, die meinen es ginge allein um juristische Rechte, und die finden, dass das absurd klingt. Und auf der anderen Seite sind diejenigen, die meinen, dass die Antwort klar auf der Hand liegt, denn natürlich sollten Tiere moralische Rechte haben, wir Menschen sind immerhin auch Tiere und viele von uns lieben, schätzen und respektieren Nichtmenschen, also warum keine Rechte für sie? Ich denke die Frage ist keinesfalls absurd, aber ich mache mir etwas Sorgen über die Terminologie der „Rechte“. Rechte sind Dinge, die die Machthabenden erteilen, so haftet Rechten immer etwas assimilationistisches an.

Argumente zur Einbeziehung von mehr als der menschlichen Welt als designierten Rechtsträgern in unsere ethischen Überlegungen, neigten bisher dazu, parallel zu den Argumenten zu verlaufen, die den ethischen Belang auf das ausdehnen, was außerhalb derer liegt, die das moralische Zentrum bereits belegen. Historisch haben wir beispielsweise in den USA und in Europa weiße christliche Männer in diesem Zentrum gesehen, und Rechte wurden auf nichtchristliche, nichtweiße Männer zuerst, und dann auch auf Frauen ausgedehnt. Und so wie der Kreis der Rechtsträger wächst, so herrscht auch das Ideal vor, dass die ganze Menschheit einbeschlossen sein soll, gleich welcher Rasse, Nation oder Gender-Identität.

Aber warum an der Speziesbarierre enden? Einige Gelehrte und Aktivist_innen haben das, was alternativ auch als „Speziesismus“, „Humanonormativität“ und „menschlichem Exzeptionalismus“ bezeichnet wird, versucht zu bekämpfen indem sie die Grenze des Kreises um den Menschen herum weiter bewegt haben.

Eine der Hauptstrategien zur Erweiterung des Kreises liegt in der Referenz auf empirische Arbeiten, die gedacht sind aufzuzeigen, dass andere Tiere in Wirklichkeit denen ähneln, die sich im Zentrum befinden, und dass sie daher Rechte verdienen. Um als kohärent und fair zu gelten, sind wir angehalten dazu, gleiche Fälle auch gleich zu behandeln. Wenn man von denen, die sich an den Rändern des Kreises moralischen Belanges befinden, mittels Ethologie und kognitiver Forschung beispielsweise beweisen kann, dass sie einige der Qualitäten aufweisen, die wir an uns selbst schätzen und denen wir Wert beimessen, dann sollten wir diese Qualitäten, erscheinend in anderen Körpern, wessen auch immer, ebenso achten und wertschätzen.

Solche Untersuchungen haben gezeigt, dass viele andere Tiere über reiche soziale Beziehungsgeflechte verfügen, ihre eigene Sicherheit aufs Spiel setzen um bei kranken oder verletzten Familienmitgliedern zu bleiben, damit der Todsterbenskranke nicht alleine sterben wird, dass Tiere um ihre Toten trauern, auf die emotionalen Zustände anderer reagieren, ein normbestimmtes Verhalten aufweisen, manipulativ sein können, täuschen können, symbolische Zeichen verstehen und Kultur weitergeben.

Einige Untersuchungen an Schimpansen und Bonobos zeigen, dass sie über ein ausgeprägtes Bewusstsein ihrer Selbst verfügen, und dass sie sich selbst verstehen, in einem sich über Zeiträume erstreckenden Eigeninteresse. Die Fähigkeit sich selbst zu erkennen als eine Vergangenheit und Zukunft habend, heißt, wie John Locke meinte, eine Person zu sein.

In unserem Rechtssystem gelten Schimpansen nicht als Personen. Kein Tier wird als Person betrachtet und somit auch nicht als Träger von Rechten. Tiere werden stattdessen als Besitz klassifiziert. Der Wunsch diese Klassifikation zu ändern, ist das Ziel, welches das Nonhuman Rights Project motiviert. In einem Rechtssystem, in dem es nur zwei Kategorien gibt um zwischen Lebewesen zu unterscheiden, nämlich der als Person oder als Besitz, ist eine Klassifizierung von Schimpansen als legale Personen akkurater als ihre Einstufung als bloßer Besitz. So ist in einem rechtlichen Zusammenhang verständlich, dass Schimpansen, da sie ähnliche Fähigkeiten wie menschliche Personen aufweisen, bestimmte Rechte haben sollten.

Aber ich habe gewisse Bedenken bei der „Rechts“-Herangehensweise. Rechte sind Forderungen die wir gegeneinander einklagen und die wir verfechten um uns vor Übergriffen anderer zu schützen. Unser Rechtssystem mag so aufgebaut sein, dass wir innerhalb seiner die Rechtsträger als zueinander im Konflikt stehen betrachten. Aber das ist eine sehr pessimistische Sicht darüber, wie wir uns als Einzelne und in unseren Gemeinschaften zueinander verhalten. In der Tat könnte dieses Rahmenwerk, innerhalb dessen wir uns vor anderen Schützen müssen, dazu dienen, eine relativ düstere Sicht über unsere gegenseitigen Beziehungen und denen zu anderen Tieren zu bestärken. Wir bleiben dabei konzentriert auf das, was wir einander abgewinnen können oder wie wir das, was wir haben, schützen können, statt uns auf das zu konzentrieren, wie wir gemeinsam daran arbeiten könnten, das Leben des jeweils anderen zu verbessern.

Wenn wir stattdessen auf das fokussieren, was wir einander und anderen Tieren schuldig sind, dann werden unsere Beziehungen zu einem zentraleren moralischen Belang. Unsere Rolle darin, das Wohl eines anderen Tieres zu fördern oder zu verhindern, wird zu einer Ursache ethischen Bedenkens. Fast alle unserer Handlungen und Entscheidungen affizieren andere Tiere in unterschiedlicher Weise. Ob sie leben oder sterben, ob ihre Jungen eine Zukunft haben werden, ob ihre Lebensräume weiterhin bestehen bleiben werden, hängt davon ab, was wir kaufen, was wir essen und selbst davon wen wir wählen. Keiner will in einer „schlechten“ Beziehung zu etwas stehen, so kann das Denken darüber, in welcher Beziehung wir zu anderen Tieren stehen, und darüber, was wir ihnen schuldig sind, helfen, diese Beziehungen zu verbessern.

Die Herangehensweise der Rechte tendiert auch dazu, dass wir unsere Beziehungen auf diejenigen reduzieren, an denen wir Ähnlichkeiten schätzen, und dass wir dabei wichtige Unterschiede übersehen, die uns dabei helfen könnten, neu zu überdenken wer wertvoll ist und warum.

Wenn das, wonach wir schauen Ähnlichkeiten sind – beispielsweise in dem, wie wir eine gleiche Art von Intelligenz oder kognitiver Fähigkeiten teilen – dann neigen wir dazu, unverwechselbar wertvolle Aspekte im Leben derer, die anders sind als wir, aus dem Sichtfeld zu verdrängen. Und was impliziert so eine Sichtweise für diejenigen Tiere, menschliche sowie nichtmenschliche, die weniger intelligent sind oder deren kognitive Fähigkeiten komplett anders sind als unsere eigenen?

Darauf zu fokussieren, wie sehr andere Tiere uns ähneln, zwingt uns dazu, sie in unser sich nach dem Menschen orientierenden Rahmenwerk einzugliedern; wir erteilen ihnen Beachtung im Punkte dessen, was wir glauben, dass sie mit uns teilen, statt wegen dem, was ihr eigenes Leben bedeutsam und wertvoll im eigenen Lichte macht. Und durch unseren sich nach dem Menschen orientierenden Blick, landen wir schlichtweg dabei, einen Dualismus zu rekonfigurieren oder bestenfalls eine Hierarchie, die unvermeidbar einen „anderen“ finden wird, den sie ausschließen oder ganz unten ansiedeln kann – nämlich diejenigen, die sich wirklich unterscheiden von körperlich-fähigen (able-bodied), mental-fähigen (able-minded) Personen.

Wenn wir über „Rechte“ sprechen, dann sollten wir besonders darauf achten, „andere“ nicht erst zu konstruieren und dann zu ignorieren – andere, d.h einige Menschen und viele Nichtmenschen, die bedeutsame Lebensweisen in dieser Welt erschaffen, aber über andere Befähigungen verfügen, so dass sie nicht als denen ähnlich betrachtet werden [können], die sich im menschlichen Zentrum befinden.

Stattdessen sollten wir darüber nachdenken, wie es ist ein Schimpanse oder ein Huhn oder ein menschliches Kind mit einer kognitiven Eingeschränktheit zu sein, in ihren jeweils einzigartigen Beziehungen zu andern. Indem wir uns ihre Welten aus ihren Perspektiven vorstellen, erkennen wir vielleicht, dass ihr allgemeines Wohl anders gefördert werden müsste, aber dass ihr Wohl nicht weniger wertvoll ist, nur weil sie anders sind.

Bild: Zwei Vögel und Kristallfrau, Farangis Yegane.

Alle Links: 26. Feb. 2014.

 

Acht Tiere. Übersetzung eines Blogeintrags von der Webseite Prof. Gary Franciones vom 10. März 2010: Eight Animals


Acht Tiere

Übersetzung eines Blogeintrags von der Webseite Prof. Gary Franciones vom 10. März 2010: Eight Animals, http://www.abolitionistapproach.com/eight-animals/#.UvU16WJdXTr

Übersetzung ins Deutsche: Tom Bismuth @veganwerden. Mit der freundlichen Genehmigung von Gary Francione.

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Liebe Kollegen:

In den AOL Nachrichten war heute ein Artikel zu lesen mit dem Titel: ‚PETAs Euthanasierate bringt Kritiker zum Verzweifeln’: ‚PETA’s Euthanasia Rates Have Critics Fuminghttp://www.abolitionistapproach.com/media/links/p3174/petas-euthanasia.pdf

Der Bericht erklärt, dass PETA:

[…] mehr als 90 Prozent der an sie in ihrem Haupsitz in Norfolk Virginia übergebenen Hunde und Katzen euthanasiert. Im Jahr 2009 schläferte PETA 2,301 Hunde und Katzen ein – 97 Prozent der Tiere die zu ihnen gebracht wurden – und sie vermittelten nur acht Tiere weiter zur Adoption, nach Angaben der Behörden in Virginia. Und die Rate dieser Tötungen hat sich gesteigert. Innerhalb des Zeitraums von 2004 bis 2008 hat PETA seine Euthanasie um 10 Prozent gesteigert.

Ich habe mir die Dokumente angesehen, die PETA beim Virginia Department of Agriculture and Customer Services eingereicht hat und fand die Angaben des Artikels aus den AOL Nachrichten dort bestätigt. PETA tötete 681 Hunde und 1620 Katzen. PETA tötete auch 51 „andere Haustiere“.

Das ist eine Gesamtzahl von 2352 Tieren.

Und PETA vermittelte acht Tiere zur Adoption. Acht Tiere.

Das ist eine Schande. „Euthanasie“ ist ein Tod im Interesse des euthanasierten Menschen oder Nichtmenschen. Euthanasie liegt niemals im Interesse eines gesunden Lebewesens.

PETA teilt offensichtlich Peter Singers Anschauung, dass ein relativ schmerzloser Tod nichtmenschlichen Tiere keinen wirklichen Schaden zufügt, da, ungleich zum Menschen, die meisten Tiere nicht über ein Selbst-Bewusstsein verfügen und nicht erfassen können, was es bedeutet „ein Leben zu haben“. Um ein Interesse an deiner fortgesetzten Existenz zu haben musst Du ein Mensch sein. So wurden diesen 2352 Tieren, die PETA getötet hat, nicht wirklich ein Schaden zugefügt. Diesen Tieren war ihr Leben ja sowieso egal. Nichts wurde ihnen genommen als man sie tötete.

Was für ein vollständiger, speziesistischer Unsinn.

Dem Economisch Research Institute ( http://www.abolitionistapproach.com/media/links/p3174/economic-research.pdf ) zufolge vefügt PETA über ein Einkommen von 31.053.316 Millionen Dollar und Vermögenswerte in einer Höhe von 19.759.999 Millionen Dollar.

Wie viel diesen Geldes wurde für Adoptionsprogramme aufgewendet?

Wie viele der mit PETA in Assoziation stehenden Berühmtheiten werben für die Adoption der Tiere bei PETA, statt sich zu entkleiden und „nackt zu gehen“ für die Popularität, die unerschöpfliche Publicity und die Unterstützungskampagnen PETAs?

Acht Tiere? Man würde denken, dass allein die Büroangestellen mehr als diese Anzahl hätten adoptieren können.

Bringen sie dies nun mal zusammen mit PETAs Sexismus (http://www.abolitionistapproach.com/exploiting-exploitation/) und damit, dass PETA Schlachthausdesignern (http://www.abolitionistapproach.com/media/links/p3174/to-slaughterhouse.pdf) und Supermarktketten die „Happy Meat“ und Tierprodukte verkaufen Preise verleiht (http://www.abolitionistapproach.com/media/links/p3174/grocery-chains.pdf ). Es wird einem klar, dass PETA nichts als ein Witz ist, wobei, für die Tiere ein furchtbar tragischer.

Gary L. Francione, 2010.

P.S. Hinzugefügt am 11. März 2010

Gestern Abend schrieb ich folgenden Kommentar auf Twitter:

Temple Grandin erklärt, dass sie „humane“ Einrichtungen bei PETA errichten will um die Tötung tausender „geretteter“ Tiere besser erledigen zu können.

Dies war selbstverständlich gedacht um die Tatsachte zu parodieren, dass PETA Grandin einen Preis verliehen hat und, dass sie sie als eine „Visionärin“ bezeichnen für die Errichtung von Schlachthäusern die PETA lobt.

Eine beachtliche Anzahl von Leuten dachte, dass dieser Kommentar ernst war. Ich finde es erstaunlich, dass PETA sich so weit in die Richtung Tierausbeutung bewegt hat, dass Leute glauben mussten dieser Kommentar sei ernst. Das lässt viel von einer Verwirrung erkennen, die in einer Bewegung herrscht, in der „Tierrechte“ bedeuten, dass „wir 2300 Tiere aufnehmen und alle außer 8 töten.“

Zudem habe ich dies auf Twitter geschrieben:

Der Sender HBO will seine Dokumentation über PETAs Ingrid Newkirk umbenennen von „Ich bin eine Tier“ zu „Ich bin ein Tiere (aber nicht eines derer, die wir ‚retten’ und töten).“

Das was ebenso als zynischer Scherz gemeint, obwohl, es könnte ja möglich sein.

Alle Links: letzter Zugrifff am 7 . Februar 2014.

Vasile Stanescu: Warum es nicht genügt, Tiere zu lieben: eine feministische Kritik.


Warum es nicht genügt, Tiere zu lieben: eine feministische Kritik

Ein Vortrag, der die Ethik der „Tierliebe“ kritisiert, basierend auf feministischen und queeren Theorien. Von Vasile Stanescu.

Originalfassung: http://www.youtube.com/watch?v=nndAHEgwRmM

Übersetzung: Palang Yegane Arani-Prenzel, mit der freundlichen Genehmigung von Vasile Stanescu.

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Hallo. Mein Name ist Vasile Stanescu, und meine Präsentation trägt den Titel: „Warum Tiere zu lieben nicht genug ist: eine feministische Kritik.“ Dies ist ein stark gekürtzter Auszug eines Artikels, der in der nächsten Ausgabe des Journal of American Culture erscheinen wird.  (Why “Loving” Animals is Not Enough: A Response to Kathy Rudy, Locavorism, and the Marketing of “Humane” Meat. Vasile Stanescu , The Journal of American Culture, Volume 36, Issue 2, pages 100–110, June 2013, http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jacc.12017/abstract.)

Dr. Kathy Rudy, eine Professorin für Frauenstudien an der Duke University, hat kürzlich zwei Verteidigungsschriften für den Verzehr von Tieren veröffentlicht. Einen Artikel mit dem Titel „Locavore, Feminismus und the Frage des Fleisches“ [Locavores, Feminism, and the Question of Meat], der im Journal of American Culture erschien, und ein Manuscript in Buchlänge mit dem Titel: „Tiere lieben: Eine neue Form der Tierverteidigung“ [Loving Animals: Toward a New Animal Advocacy].

Das wesentliche Argument in beiden Texten ist, dass die feministische Ethik die Aufzucht, Tötung und den Verzehr von Tieren zulässt, solange man Tiere liebt, und man sie, solange sie leben, gut versorgt.

Zudem behauptet Kathy Rudy, dass man diese Ziele der Fürsorge in den Praktiken des Locavorismus und in der „Humanen“/„Artgerechten“ landwirtschaftlichen Tierhaltung realisieren könnte. Hierzu führt sie die landwirtschaftliche Praxis der Kleinbauerin Catherine Friend als einen Beweis an; als Model dafür, wie solch ein Bauernhof aussehen kann.

In meiner Präsentation heute möchte ich die Aussagen von Kathy Rudy und die Praktiken von Catherine Friend kritisieren, als emblematisch für eine größere Bewegung, die den Feminismus mit Rechtfertigungen für einen fortgesetzten Konsum von Tierprodukten zusammenführen will.

Ganz in Gegenteil dazu glaube ich, dass gerade aus der Position sowohl der feministischen als auch der queeren Epistemologie heraus, wir die Aufzucht und die Tötung ganz gleich welcher Tiere, kritisieren müssen, auch wenn solche Praktiken als „human“ oder „artgerecht“ gekennzeichnet werden.

Teil 1

Die landwirtschaftliche Tierhaltung verletzt die Rechte der Tiere auf die Bildung liebender Beziehungen zu anderen Tieren. In ihrem Manuskript mit dem Titel „Tiere lieben“, stellt Kathy Rudy ihre Aussage zur Disposition, dass nichtmenschliche Tiere fähig sind, Menschen zu lieben. Sie hebt dies auf folgende Weise lobend hervor:

„Ich glaube, dass emotionale Bindungen mit echten Tieren, Verbindungen die auf Liebe und einem gemeinsamen Leben basieren, im Tierverteidigungsdiskurs mit einbeschlossen werden sollten, um eine besser Welt für die Tiere weiter zu erhalten und zu schaffen … bei dieser Herangehensweise an die Tierverteidigung geht es nicht nur um Menschen die Tiere lieben, sondern auch um Tiere die uns ebenso lieben. Hiermit würde man anerkennen, dass Tiere eine Wahl haben, und eine der vielen Walhmöglichkeiten die sie haben, ist liebend zu werden. Liebende Tiere.“ (Rudy, Loving Animals, xii)

Doch wenn Tiere sich dazu entscheiden können, Menschen zu lieben (oder nicht zu lieben), dann können sie sich doch bestimmt auch dazu entscheiden, einander zu lieben? Und wenn Tiere einander lieben können (wie Rudy doch eigentlich selbst argumentieren müsste), dann kann eine humane, „artgerechte“ Agrarpraxis niemals wirklich existieren – auch wenn man den Tieren einen Namen oder ein wenig mehr Platz gibt.

Über das Falsche am ländlichen Bild vom „Happy Meat“ [„glücklichen Fleisch“], hat Alice Walker in ihrem Essay „Bin ich Blue? sagen meine Augen dir dies denn nicht?“ geschrieben [im Englischen bedeutet ‚blue’ sowohl blau als auch traurig]. In dieser Kurzgeschichte erzählt Walker von der Begegnung mit einem Pferd, das jedes der Kriterien aufweisen würde, die Rudy für eine humane, „artgerechte“ Tierhaltung voraussetzt. So trägt dieses Pferd beispielsweise einen Namen, es ist gut genährt, es wurde nicht geschlagen oder „misshandelt“ und es verfügt sogar über zweitausend Quadratmeter an „schöner“ Fläche Land, in denen es umher galoppieren kann.

Dennoch lehnt Walker (die auch glaubt, dass Tiere lieben können und Emotionen haben), die Behandlung von Blue ab, weil das weibliche Pferd in das Blue sich verliebt hat, von ihm getrennt wurde. Hier ist wie Walker das Geschehnis, nachdem Blues Partner weggebracht wurde, beschreibt:

„Eines Tages, nachdem ich in der Stadt gewesen bin, ging ich hinaus um Blue ein paar Äpfel zu geben. Er stand dort, wartend, so dachte ich zumindest, aber nicht unter dem Baum. Als ich den Baum schüttelte und vor dem Apfelregen zurücksprang, bewegte Blue sich nicht. Ich trug einige Äpfel hinüber zu ihm, er schaffte es gerade mal einen halben zu zerbeißen, der Rest fiel zu Boden. Ich fürchtete mich davor in seine Augen zu schauen, denn ich hatte mitbekommen, dass Brown seine Partnerin, nicht mehr da war. Doch nun schaute ich. Wenn ich in der Sklavenschaft geboren wäre und mein Partner verkauft oder getötet worden wäre, dann hätten meine Augen genau so ausgesehen. Die Kinder nebenan erklärten mir, dass Blues Partnerin „zu ihm getan wurde“ (derselbe Ausdruck den die alten Leute gebrauchten, so bemerkte ich, wenn sie über eine Vorfahrin sprachen, die während der Zeit der Sklaverei lebte und die von ihrem Besitzer geschwängert wurde) damit sie sich paaren und sie empfangen würde. Da das nun geschehen war, wurde sie von ihrem Besitzer, der woanders lebte, wieder zurückgeholt.

Wird sie zurückkommen können? Fragte ich. Sie wussten es nicht.“ (Walker, s.u. S. 4-5; auch in Living by the Word)

Und dies ist die Erfahrung, die Alice Walker zu dem Schluss bringt, dass selbst wenn Tierprodukte als „human“ und „artgerecht“ vermarktet werden, es immer noch unethisch ist, sie zu konsumieren.

Teil 2

Alle Formen landwirtschaftlicher Tierhaltung funktionieren mittels sexueller Gewalt. Catherine Friend ist eine engagierte Feministin, die sich einen eigenen kleinen Agrarbetrieb errichtet hat, um damit den traditionellen Gender-Rollen und der Heteronormativität entgegenzutreten. Sie repräsentiert daher auch Kathy Rudys wichtigen Aufruf an „junge Frauen, Schwule und sexuell anders orientierte Menschen“ sich „im Nahrungmittelaktivismus wiederfinden zu können“ (Rudy, Locavores, Feminism, and the Question of Meat, S. 35)

Man würde annehmen, dass indem hier ein „humaner“, „artgerechter“ Standard für den Umgang mit Tieren entworfen werden soll, Handlungen, die ein gewaltsames Erzwingen sexueller Kopulation für ein Weibchen beinhalten, einen Bereich ethischen Bedenkens für sowohl Rudy and auch für Friend darstellen würde.

Jedoch in genau dem Buch, das Rudy als Beispiel dafür anführt, wie ein Bauernbetrieb ihrer Meinung nach wünschenswerter Weise auszusehen hätte, mit dem Titel: „Hit by a Farm“ [etwa: „Auf die Farm gekommen“], halten Friend und ihrer Partnerin Melissa eine weibliche Ziege gewaltsam fest und zwingen sie zu dem, was man eindeutig als nicht-gewollten Sex bezeichnen kann, um dadurch mit ihrem Zuchtprogramm voranzukommen.

In einem Kapitel mit dem Titel „Lasst uns einfach vergessen, dass dies jemals geschehen ist“ beschreibt Friend ihre Maßnahme folgenderweise:

„Als wir bei Mary waren, führten wir Ambrosia [Friends weibliches Schaf] zu dem umgebauten Hühnerhaus in einen Schuppen, der etwa 6 mal 3 Meter groß war mit einer Tür aus rohem Holz, und Bozeman [der Ziegenbock] kam herein gerauscht mit wilden Augen und hochgezogener Lippe bei der Wahrnehmung des Geruchs von Ambrosia. Unsere Ziege warf einen Blick auf diese Kreatur und begann zu laufen. Ich konnte ihr daraus keinen Vorwurf machen. Nicht nur, dass unkastrierte Böcke diesen schwer beschreibbaren unangenehmen Geruch abgeben, nein selbst der Kopf und der Nacken dieses Typen waren ölig, schmierig und überzogen von irgendetwas Fauligem. Ambrosia nahm uns das nicht ab. Wer würde ihr daraus einen Vorwurf machen? Wir schauten fünf Minuten lang dabei zu wie Bozeman sie umkreiste. „Ist das wie Ziegensex normalerweise funktioniert?“ fragte ich schließlich. „Nein“ sagte Mary, „das Weibchen steht normalerweise still. Ambrosia ist wahrscheinlich am Ende ihres Zyklus. Sie kann immernoch schwanger werden, aber sie will wohl nicht still stehen.“ „Ich glaube,“ seufzte Mary „wir müssen sie wohl festhalten.“ Ärgerlich taten wir einen Schritt vor. Melissa griff nach Ambrosias Halsband, doch die riss sich fort. Mary und ich drängten sie in eine Ecke, aber Ambrosia entwischte uns. Schließlich mussten wir alle drei gleichzeitign ran, um sie zu fangen, und dann, unglaublich, hielten wir ihren Kopf und ihren Torso fest, während Bozeman durchgeknallt vor Lust, sich auf sie schwang und begann mit seinen Hüften zuzustoßen. Keiner von uns sagte auch nur ein Wort, während Bozeman sich auf die vor ihm liegende Pflicht konzentrierte und Ambrosia empört grummelte. Ich hielt meinen Atem an um Bozemans Geruch nicht einzuatmen. Schließlich murmelte ich: „Kann ich mich nach dem, immer noch als Feministin bezeichnen?“ (Friend, Hit By a Farm, S. 146)

Der blinde Fleck in sowohl Rudys als auch Friends Denken ist, dass sie die zentralen Punkte des Feminismus, der homosexuellen und qeeren Rechte (wie die der eigenen Kontrolle über das eigene reproduktive Leben und die eigene sexuelle Wahl) nur auf menschliche Tiere beziehen. Doch, wie Carol Adams mit großem Nachdruck betont, sollte der Feminismus nicht einfach an der Speziesbarriere enden, und so sollten es auch nicht schwule, lesbische oder queere Rechte. Weiblichen nichtmenschlichen Tieren sollte die Wahl zustehen, selbst zu entscheiden, wer ihr sexueller Partner sein soll. Punkt!

Lassen Sie uns keine Haarspaltereien betreiben oder in Euphemismen verfallen: jedes Tierprodukt, ungeachtet dessen ob es gekennzeichnet ist als „Freiland“-Erzeugnis, Bio, Regional oder „artgerecht“, jedes Tierprodukt beinhaltet sexuelle Gewalt. Alles Fleisch und alle Milchprodukte und Eier, sind Produkte vom Menschen sanktionierter sexueller Gewalt, und daher liegt hier ein Verstoß gegen die grundlegendsten Gedanken und Werte feministischer oder queerer Theorie vor, ganz gleich wem solch ein Bauernhof gehört.

Wie Carolyn Zaikowski in einem Essay mit dem Titel „Die Werkzeuge des Herrschers werden niemals auch des Herrschers ‚Rape Rack’ demontieren“ geschrieben hat. [Ein ‚Rape Rack’ bezeichnet eine Vorrichtung, in der Tiere zu ‚Zuchtzwecken’ fixiert werden]

(http://liferoar.wordpress.com/2012/05/16/the-masters-tools-will-never-dismantle-the-masters-rape-rack-feminism-and-animal-rights/)

„Und hier ist die große Frage. Die Frage, die ich nicht wirklich stellen will, weil sie mich zusammenzucken lässt, meine Haut gefrieren lässt und mein Herz mit Schrecken füllt. Dies ist das Thema, durch das ich sowohl mit Feministinnen als auch mit dem Herrschenden immer und immer wieder in Konflikt gerate, vielleicht weil es das Ultimative so klar macht, das wir aber nicht bemerken sollen, nämlich diese erschreckende Verbindung zwischen den Ünterdrückungsformen: Wusstet ihr, dass viele Bauern den Ort, an dem unsere nichtmenschlichen Schwestern künstlich besamt werden, informell ein „Rape Rack“ nennen?

Das ‚Rape Rack’ [etwa: ‚Bock zur Vergewaltigung’].

Sie nennen es tatsächlich das ‚Rape Rack’. Dies ist kein Begriff, den ich konstruiert habe um zu schocken. Dieser Begriff entstammt unserer kollektiven Psyche, und derer der Landwirte. Und irgendeine Variante dieses Geräts, egal wie es genannt wird, ist ganz zentraler Bestandteil aller landwirtschaftlichen Tierhaltung; ob in der Permakultur oder in den Fabrikfarmen, regional oder weit abgelegen, „artgerecht“, human, ganz gleich wie. […] Feministische Visionen können in einer Welt, in der es ‚Rape Racks’ gibt, keine Realität werden. Eine feministische Welt kann keine Welt sein, in der irgendwer, irgendein Leben, ob Mensch oder Tier, männlich oder weiblich, schwarz oder weiß, mit zwei oder vier Beinen, jemals, einfach aufgrund seiner Konstellation zu solch einem Paradigma definiert werden kann.

Schlussfolgerung

Von Liebe zur Gerechtigkeit

Was mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet, ist, dass dieser Ausdruck des Gefühls der Fürsorge für Tiere dazu dient, die schlichte Realität zu maskieren, dass diese Tiere für die vollständige Länge ihres Lebens, allein als eine käufliche und verkäufliche Ware leben, und gänzlich nach der Laune ihrer sogenannten Besitzer zu existieren haben. Solch eine Sichtweise macht ein Thema sozialer Gerechtigkeit, das in den Gedanken der Tier-„Rechte“ einbegriffen ist, zu einem Thema bloßer Wohltätigkeit, die schließlich kompromittiert und nach Willen aufgegeben werden kann.

Diese Position stellt einen ganz besonders besorgniserregenden Fehler in der feministischen Theorie dar, die mich eigentlich gelehrt hat, der Rhetorik der „Liebe“ und „Fürsorge“ zu misstrauen, wenn strukturelle Gewaltsysteme und Unterdrückung ungehindert weiter operieren können. Wie Catharine MacKinnon geschrieben hat, bezüglich der Gleicheit zwischen der „Liebe“ zu Frauen und der „Liebe“ zu Tieren:

„Menschen dominieren Tiere, Männer dominieren Frauen. Beides ist eine Beziehung der Hierarchie, eine Ungleichheit, mit darin- und dazwischenliegenden Besonderheiten und Variationen. Jede Ungleichheit hat ihre eigenen Wurzeln, wird anders ausgespielt und ihr wird mit einem anderen Widerstand begegnet, aber Parallelen und Überschneidungen können hier aufschlussreich sein. Eine auffallende Entsprechung zwischen diesen beiden Hierarchien, ist eine ideologische: trotz der Beweise dessen, dass Männer Frauen sozial dominieren, und Menschen andere Tiere, wird die Tatsache, dass Verknüpfungen zwischen Dominierung und Unterordnung bei diesen beiden bestehen, zumeist negiert. […] Die Verneinung von sozialer Hierarchie innerhalb dieser beiden Beziehungen wird durch eine Sprache von Liebe und Schutz weiter aufrechterhalten, einschließlich bei dem, was wir als die „humanen Bewegungen“ bezeichnen [A.d.Ü. „humane“ ist eine Bezeichnung für ‚Tierschutz’ und ‚tierschützerisch’ im Amerikanischen]. Der Gedanke hierbei ist, dass die Liebe von Männern zu Frauen oder die der Menschen zu Tieren, die sie zu einem vermeintlich beschützerischen Verhalten motiviert, die Dominierung mildert. […] Weder im Falle von Frauen noch im Bezug auf Tiere, hat die Abschaffung einer Missbrauchsform, an der zugrunde liegenden Verteilung von Macht irgendetwas verändert. Frauen zu lieben, ist ein Fortschritt dem gegenüber, sie zu hassen, und ein liebevolles Verhalten zu Tieren, ist ein Fortschritt gegenüber der Gewalt gegen sie, aber nichts von beidem hat sie befreit oder ihrer Existenz in ihrem eigenen Sinne Anerkennung teilwerden lassen. (MacKinnon, Women’s Lives, Men’s Laws, S. 92)

Solange Tiere Besitz sein können, gekauft, verkauft und nach den Launen ihrer sogenannten Besitzer behandelt werden können, wird das Konzept der Tierliebe kaum Auswirkungen haben. Während einige sogenannten „Besitzer“ entscheiden mögen ihre Tiere besser zu behandeln als andere, so verstärkt der Gedanke, dass Tiere überhaupt „besessen“ werden können, doch die Ansicht, dass sie allein als ein menschliches Eigentum existieren, und, als solches, verliert das Konzept der Tierliebe [in jeglicher Form], seine Kraft als eine gesellschaftliche Kritik. Nur wenn wir in Begriffen des nicht allein Tiere liebens denken, sondern auch in Begriffen sozialer Gerechtigkeit für Tiere, können wir damit beginnen, die komplizierten Themen, die die nichtmenschlichen Tiere umgeben, zu navigieren.

Wie bell hooks im Bezug auf den Feminismus schrieb:

Ohne Gerechtigkeit kann es keine Liebe geben. (hooks, Feminism Is for Everybody, S. 149)

Und dasselbe trifft zu, so würde ich argumentieren, für unsere Beziehung mit nichtmenschlichen Tieren.

Quellen:

Adams, Carol J. The Sexual Politics of Meat: A Feminist-Vegetarian Critical Theory, Continuum : New York, 1990. Print.

Friend, Catherine. The Compassionate Carnivore, or, How to Keep Animals Happy, Save

Old Macdonald’s Farm, Reduce Your Hoofprint, and Still Eat Meat. Cambridge, Mass.: Da Capo Lifelong 2009. Print.

Hit by a Farm: How I Learned to Stop Worrying and Love the Barn. New York: Marlowe & Co, 2006. Print.

hooks, bell. Feminism Is for Everybody: Passionate Politics. Cambridge, MA: South End Press, 2000. Print.

MacKinnon, Catharine A. Women’s Lives, Men’s Laws. Cambridge, Mass: Belknap Press of Harvard University Press, 2005. Print.

Rudy, Kathy. “Locavores, Feminism, and the Question of Meat,” The Journal of American Culture. Volume 35, Issue 1, March 2012. Print.

Loving Animals: Toward a New Animal Advocacy. Minneapolis: University of Minnesota Press, 2011. Print.

Walker, Alice. “Am I Blue?” Through Other Eyes: Animal Stories by Women. Ed. Irene

Zahava. Freedom, Calif: Crossing Press, 1988. Print.

Die Anmerkungen in den eckigen Klammern stammen von der Übersetzerin.

3 Fragen an Kim Socha, über ihre neue Publikation: Animal Liberation and Atheism: Dismantling the Procrustean Bed

Ein Interview mit Kim Socha über ihr neu erscheinendes Buch: Animal Liberation and Atheism: Dismantling the Procrustean Bed.

Dieser Text als PDF (der Link öffnet sich in einem neuen Fenster)

Kim Socha: Animal Liberation and Atheism: Dismantling the Procrustean Bed. Erscheinungstermin: 7. Oktober 2014. Verlagsseite: http://freethoughthouse.com/animal-liberation-and-atheism.html; Facebookseite: https://www.facebook.com/AnimalLiberationAndAtheism

Wir finden religiöse Argumente für Tierrechte und die Tierbefreiung relativ häufig in der Literatur über die Tierfrage und die vita animales, den Zustand des Tieres. Argumente hingegen, die die Tierbefreiung von einer bewusst säkularen Perspektive aus betrachten, sind kaum zu finden. In ihrem Buch ‚Animal Liberation and Atheism: Dismantling the Procrustean Bed’ (Tierbefreiung und Atheismus: eine Dekonstruktion des Prokrustesbetts) initiiert Kim Socha diese Diskussion, indem sie untersucht wie das Grundkonzept ‚Religion’ sich auf inhärente Weise antithetisch zur Tierbefreiung verhält. Auch fordert Socha Säkulardenkende dazu auf, die Welt noch ganz anders zu sehen, und zwar vollständig befreit vom kulturellen Ballast der Religionen. ‚Animal Liberation and Atheism’ ist ein Aufruf an alle zur Entwicklung eines ethischen Systems, das von anthropozentrischen und speziesistischen Mythologien befreit ist, um die unnötige Gewalt gegenüber allen Lebewesen und der Umwelt zu beendigen.

Die Autorin:

Dr. phil. Kim Socha von der Indiana University of Pennsylvania, USA, ist die Autorin von Women, Destruction, and the Avant-Garde: A Paradigm for Animal Liberation (Rodopi: 2011) und Mitherausgeberin von Confronting Animal Exploitation: Grassroots Essays on Liberation and Veganism (McFarland Publishing: 2013) und Defining Critical Animal Studies: A Social Justice Approach for Liberation (Peter Lang: 2014). Unter anderem hat sie zu Themen publiziert wie: Latino/a Literatur, Surrealismus, Kritische Tierstudien (critical animal studies) und composition pedagogy. Kim Socha lehrt Englisch und ist aktivistisch tätig im Bereich der Tierbefreiung, transformativer Gerechtigkeit und der Reformierung der Drogenpolitik.

3 Fragen an Kim Socha, über ihre neue Publikation: Animal Liberation and Atheism: Dismantling the Procrustean Bed, und die Notwendigkeit, Atheismus in Beziehung zum Tierrechtsbegriff zu setzen.

N. Eyck: Religionen gründen typischer Weise dasjenige, was man als ihre „positive“ Beziehung zu nichtmenschlichen Tieren bezeichnen kann, auf Gnade und einen gewissen Grad an Mitfühlsamkeit (worin auch die Sorge für das „Tierwohl“ mit einbeschlossen ist). Eigene Tier-Rechte bilden hingegen in den Religionen keine Basis innerhalb der oder für die Mensch-Tier-Beziehung. Allerdings finden wir solche Einstellungen (zumindest welche die ähnlich genug erscheinen) auch in einigen säkularen Philosophien, und zwar die Haltung, dass ein Mensch den nichtmenschlichen Tieren gegenüber nur indirekte Pflichten hat, so dass das nichtmenschliche Tier letztendlich vom Mitgefühl und der Großmütigkeit des Menschen (und der Menschheit im Ganzen) abhängt. Wie kann eine atheistische Herangehensweise an Fragen der Tierbefreiung garantieren, dass Tiere in ihrem eigenen Rechte anerkannt werden, und dass diese Tierrechte echte Rechte sind, die nicht schlichtweg von unserer Mitfühlsamkeit und einer ihnen erteilten Gnade abhängig sind?

Kim Socha: Es herrscht die allgemeine Annahme, dass sobald eine Person mal eine säkulare Sicht über das Leben für sich annimmt (als Atheist, Agnostiker oder Humanist), er oder sie zugleich auch die Denksysteme aufgeben würde, von denen der religiöse Diskurs durchtränkt ist. Ich glaube nicht, dass das gezwungenermaßen so stattfindet. In meinem neu erscheindenden Buch Animal Liberation and Atheism: Dismantling the Procrustean Bed [A.d.Ü.: es erscheint bei Freethought House am 7. Oktober 2014, der Titel wäre in Deutsch: Tierbefreiung und Atheismus: eine Dekonstruktion des Prokrustesbetts], zitiere ich einen Abschnitt aus Michel Onfrays Atheistischem Manifest um zu erklären was ich meine: “Säkulares Denken bedeutet kein dechristianisiertes Denken, sondern ein immanentes christliches Denken. Eingebettet in eine rationale Sprache, bewahrt es nichtsdestotrotz die Quintessenz der judeo-christlichen Ethik.“ In anderen Worten heißt das, dass nur weil jemand sein Konzept über Christus aufgegeben hat, er oder sie nicht immernoch wie ein Christ in hierarchischer, anthropozentrischer und speziesistischer Weise denken könnte oder es faktisch noch tut. (Ich befasse mich in dem Buch auch mit anderen religiösen Traditionen, aber um mich hier kurz zu fassen, fokussiere ich in diesem Interview auf das westliche Christentum.) Ich finde es also nicht überraschend, dass säkulare Philosophen ebenfalls die oppresiven Sichtweisen auf andere Spezies übernommen haben, da die, die aus solchen Perspektiven geschrieben haben, in Kulturen aufgewachsen sind, die vom religiösen Denken durchtränkt waren, auch wenn diese Menschen selbst in einem atheistischen Umfeld groß geworden sind. Atheistische Tierbefreier_Innen müssen andere aus ihren Freidenkergemeinschaften aus diesem Grunde auch dazu auffordern, dass man sich dessen bewusst wird, in welcher Weise religiöse Ansichten über die gelebte Realität eventuell übernommen wurden, ganz besonders im Bezug auf nichtmenschliche Tiere. Beispielsweise, die Atheist_innen, die ich kenne (wobei man natürlich nicht alle Atheisten über einen Kamm scheren darf) unterstützen zwar die Homo-Ehe, weil ein Verbot dagegen auf religiösen Ideologien basiert, nichtsdestotrotz finde ich unter Freidenkern einen Mangel an Bewusstsein vor, über die Art und Weise in der Religion ihre Sichtweise auf andere Spezies determiniert hat. Aber, da der Atheismus den Gedanken aus dem Weg schafft, dass Menschen in irgendeiner göttlichen Weise (z.B. durch ihre Seelen) etwas besonderes sind, so denke ich doch, dass hiermit ein Zugang geöffnet wird dazu, Hierarchien einzuebnen und den Mythos menschlicher Überlegenheit zu zerstören. Menschen sind nicht, wie wir jetzt sehen, so besonders wie wir glauben sollten – besonders, im Sinne dass wir von einem Gottschöpfer auserwählt worden sind um der Sterblichkeit zu entfliehen und im Paradies leben zu dürfen, vorausgesetzt wir nehmen an den richtigen Ritualen teil und beten die richtigen Schöpfer an. Wir sind Tiere, und meine Hoffnung ist, dass indem wir uns als solche anerkennen, wir damit einhergehend auch die Leben der anderen Tiere mit mehr Mitfühlsamkeit und Sensibilität betrachten. Auch sie wollen sich in ihrem Leben freuen dürfen, dem Tod aus dem Weg gehen und sich entfalten, bis zum unvermeidbaren Ende, dem alle Wesen unterworfen sind.

N. Eyck: Innerhalb der Geschichte der Naturwissenschaften hat man die Natur (das heißt die Welt) und seine nichtmenschlichen Bewohner als unter ‚dem Menschen’ stehend klassifiziert, und damit ihre Existenz als dem menschlichen Zwecke und Nutzen dienend festgelegt. Wir finden diese Haltungen in ihrem ganz realen Ausdruck vor, bei, angefangen von der Arbeit eines Galenus (in der Antike) bis zu einem Descartes und dann später im linneischen (taxonomischen) Klassifikationsmodell, in dem der Mensch als der „Homo sapiens“, der Mensch als der Wissende, auf der Spitze der Tierreichs ganz alleine thront. Inwieweit können wir davon ausgehen, dass diese Sicht auf nichtmenschliche Tiere entweder durch religiöses Dogma oder ihre vorausliegenden mythologische Traditionen bedingt oder zumindest beeinflusst waren?

Kim Socha: Ich glaube wir haben es da in der westlichen Kultur, oder zumindest in den Vereinigten Staaten, mit einer falschen Dichotomie zu tun, in der die Wissenschaft und die Religion als zwei sich entgegengesetzte Pole des Wissensspektrums vorausgesetzt werden. Ganz im Gegenteil funktionieren Wissenschaft und Religion miteinander oft ganz gut, obgleich sie völlig unterschiedlicher Natur sind, denn sie beide priviligieren die menschliche Auffassung von „Wissen“. Und zwar können so zum Beispiel nur Menschen ein Wissen über Gott haben, Gott „kennen“, und, die Menschen sind dazu gezwungen, ihren „überlegenen“ Intellekt zu gebrauchen, um die Ziele der Menschheit zu vervollkommnen, selbst wenn das heißt eine andere Spezies zu Forschungszwecken zu gebrauchen. (Und natürlich dürfen wir nicht vergessen, dass Menschen, die als weniger intelligent eingestuft wurden, in der Geschichte auch zu Experimentier- und Forschungszwecken eingesetzt wurden.) Als solche, haben die Naturwissenschaften die menschliche Intelligenz sowohl entweder als die einzige Art der Intelligenz betrachtet, die irgendeinen Wert hat, oder aber als den höchsten Grad der Intelligenz – immerhin hoch genug um den Einsatz anderer Spezies in den Wissenschaften zu gerechtfertigen. Jedoch, wenn wir uns die Zeit dafür nehmen würden um zu verstehen wie andere Spezies die Welt begreifen (z.B. Honigbienen), würde es uns schwer fallen müssen, die nichtmenschliche Intelligenz zu verneinen. Und um ehrlich zu sein, mir könnte kaum etwas egaler sein, als die Frage ob Schweine intelligent sind, obwohl sie es sind. Was für mich entscheidend ist, ist dass sie physisch und psychisch leiden, zu Billionen, nur weil Menschen den Geschmack ihres ‚Fleisches’ mögen. Das bei weitem schlimmste Beispiel der Entwertung nichtmenschlicher Intelligenz hat René Descartes vollzogen, indem er Nichtmenschen als „bloße Automaten“ beschrieb.

Ganz gleich wie die religiöse Perspektive der Naturwissenschaftler in der Geschichte verläuft, so würde ich doch dahingehend argumentieren, dass das „religiöse Dogma und mythologische Traditionen“ definitiv die wissenschaftliche Gemeinschaft beeinflusst haben. In der Tat ist das ein Gebiet in dem Wissenschaft und Religion ineinander greifen: in dem Gedanken nämlich, dass Homo sapiens den anderen Spezies überlegen ist. Diese Auffassung finden wir übrigens vor in fast allen großen Religionen: von den abrahamitischen Traditionen hinüber zu den östlichen Religionen, wie dem Buddhismus und dem Jainismus. Vielleicht, so könnte man argumentieren, ist es ja die Natur der Tiere, einschließlich derer des Menschen, ihre eigene Spezies den anderen vorzuziehen, so dass es somit „natürlich“ wäre, Nichtmenschen zu verwenden, um die menschliche Entwicklung voranzutreiben. Ja, manche Spezies leben zum eigenen Überleben von den anderen, aber das ist nicht die ganze Geschichte was den Homo sapiens anbetrifft. Wir haben die Philosophie eines „Lebenskreislaufes“ bis hin zur Unkenntlichkeit verzerrt, indem wir unsere Ökonomien und fast jede kulturelle Institution auf der Ausbeutung anderer Tierspezies aufgebaut haben. Und in diesem Prozess haben wir natürliche Habitate zerstört, Veränderungen in den klimatischen Kreisläufen verursacht und die Auslöschung anderer Spezies zu Wege gebracht. In einem gewissen Sinne betrachte ich die Menschheit als eine „Naturkatastrophe“, aber ich möchte hierbei nicht völlig pessimistisch sein, denn es gibt viele Menschen, die gegen den dominierenden Diskurs ankämpfen und andere dazu auffordern, ihre kulturellen Dispensationen zu hinterfragen, so dass wir den Schaden, den wir als Spezies verursacht haben, anerkennen, und einige Dinge vielleicht wieder gut machen.

N. Eyck: Kann der Atheismus in einer Welt, die nichtsdestotrotz mit ihrem religiösen Erbe zu kämpfen hat, zu einer unumgänglichen Triebfeder in der Tierbefreiungsbewegung werden (und dabei einen erzieherischen und befähigenden Effekt haben)?

Kim Socha: Ich glaube daran, im säkularsten Sinne des Wortes, dass in einer atheistischen Tierbefreiungsbewegung viele Chancen liegen. Tatsächlich können wir die Vermutung auch faktisch belegen, dass die meisten Tierverteidiger Freidenker sind (ein Punkt, den ich ebenfalls in meinem Buch anspreche), selbst wenn viele ihren Atheismus / Agnostizismus / Humanismus nicht unabdingbar mit ihrer Sichtweise auf Nichtmenschen in Zusammenhang bringen. Ich denke dieser Zusammenhang sollte häufiger und bewusster erkannt werden. In der Tat ist das auch der Ausgangspunkt meines Buches, wie auch die Notwendigkeit für Säkulare, die Wahrheit in dieser Beobachtung Onfrays anzuerkennen, dass „säkulares Denken kein dechristianisiertes Denken [ist]“. Ich stehe in keinem völlig unsensiblen Verhältnis zu denen, den religiöse Traditionen wichtig sind, sowohl kulturell als auch spirituell, auch ist mir die Rolle der Religionen in unterschiedlichen sozialen Gerechtigkeitsbewegungen bewusst. Dennoch, um zum Subtitel meines Buches zu kommen – „eine Dekonstruktion des Prokrustesbetts“ –, ich meine, dass die Heranziehung von Religion zur Rechtfertigung der eigenen Opposition gegenüber Unterdrückung nicht nötig ist. Die Reaktionen aus unserem Bauchgefühl heraus, wenn wir einen Menschen unter Hunger leiden sehen oder einen Fuchs sehen, der versucht sich aus einer Fußfalle zu befreien, genügt, um zu wissen, dass wir handeln sollten um dem Lebewesen, das in Not steckt, zu helfen. Warum brauchen wir einen allmächtigen Alles-Überschauenden zur Rechtfertigung unserer Reaktionen auf Gewalt und Not? Weswegen brauchen wir das Versprechen einer ewigen Erlösung als Grund, um daraufhin Maßnahmen gegen unterdrückerische kulturelle Praktiken zu ergreifen? Diese Fragen werden besonders dann relevant, wenn wir uns überlegen, wie oft die „allmächtigen Alles-Überschauenden“ die uns vertraut sind, das menschliche Leben dem Leben anderer Spezies vorziehen. Das Leben kann auch dann Bedeutung haben, und vielleicht sogar mehr noch, wenn man die Idee der Unsterblichkeit aufgibt – ohne einen Glauben an das Übernatürliche. In der allgemeinen Bevölkerung herrscht noch immer ein gewisses Misstrauen (und wiederum mag dies eher auf die USA zutreffen) gegenüber den Gottlosen, auch wenn Studie auf Studie bewiesen worden ist, dass areligiöse Personen nicht irgendwie amoralischer, unethischer oder hedonistischer geartet sind als religiöse Menschen; tatsächlich haben soziologische Studien sogar belegt, dass mehr radikaler Aktivismus und mehr Sensibilität Unterdrückten gegenüber unter den Freidenkern anzutreffen ist. Ich denke das ist so, weil wir nur an ein einziges Leben glauben und weil wir die Notwendigkeit Gutes zu tun, nicht verspüren um uns unseren Platz in einem himmlischen Reich sicherzustellen. Wir wollen nicht leiden, und unsere Eigenakzeptanz als Tiere, die in dieser Welt, in die wir geboren sind, versuchen zu überleben, eröffnet uns ein Tor dazu, andere Spezies in der gleichen Weise zu betrachten. Als solche, können wir unsere Beziehung zu anderen Tieren erkennen und unsere kurze Zeit auf der Erde bedeutsam machen, indem wir die Welt für andere besser gestalten, statt aus Eigennutz unseren Weg zum Himmel zu erklimmen.

N. Eyck: Vielen Dank für dieses Interview Kim Socha!

N. Eyck, die das Interview führte, ist Mitaktivistim beim veganen Tierrechtsprojekt Simorgh.de. Eventuelle typographische Korrekturen werden noch vorgenommen. Übesetzung: Palang LY, NiceSwine.Info.

Dr. Vandana Shiva: Wie das Wirtschaftswachstum zu etwas Lebensvernichtendem geworden ist

Die Göttin Ma’at von Farangis G. Yegane.

Wie das Wirtschaftswachstum zu etwas Lebensvernichtendem geworden ist

Eine Sucht nach Wachstum hat unsere Sorgen über Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und menschliche Würde in den Hintergrund gedrängt. Menschen sind aber keine Wegwerfware – der Wert von Leben liegt außerhalb der wirtschaftlichen Entwicklung.

Dr. Vandana Shiva (http://www.navdanya.org/)

Dieser Artikel ist im The Guardian vom 1. November 2013 veröffentlicht: How economic growth has become anti-life, http://www.theguardian.com/commentisfree/2013/nov/01/how-economic-growth-has-become-anti-life.

Übersetzung: Palang LY, mit der freundlichen Genehmigung von Dr. Vandana Shiva.

Unbegrenztes Wachstum ist die Fantasie von Ökonomen, Unternehmen und Politikern. Man betrachtet es als Maßstab von Fortschritt. Hieraus hat sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das angeblich das Wohl einer Nation bemißt, sowohl als die mächtigste Variable als auch als das herrschendste Konzept unserer Zeit hervorgetan. Dennoch trägt das Wirtschaftswachstum verborgen in sich die Armut, die es durch die Zerstörung der Natur verursacht, die widerum zur Folge hat, dass Gemeinschaften außerstande sind, für sich selbst zu sorgen.

Das wirtschaftliche Wachtstumskonzept wurde als ein Maßstab eingesetzt um während des Zweiten Weltkriegs Ressourcen zu mobilisieren (http://en.wikipedia.org/wiki/Military_production_during_World_War_II#Gross_domestic_product_.28GDP.29). Das Bruttoinlandsprodukt fußt auf der Schaffung einer künstlichen, imaginären Grenze, die unter der Annahme funktioniert, dass, wenn einer etwas produziert das er selbst konsumiert, er eigentlich gar nichts produziert. Tatsächlich bemisst das „Wachstum“ die Umwandlung von Natur zu monetären Werten und von öffentlichem Gut zu Handelsgütern … DIESEN ARTIKEL ALS PDF WEITERLESEN (Link öffnet sich in einem neuen Fenster).

 

Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

Ein Auszug aus:

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren, Präsentation anlässlich der Sistah Vegan Conference 2013.

Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

► Rasse und Spezies sind willkürliche Unterscheidungen die ungefähr in der gleichen Zeit im europäischen Denken entstanden. Beide sind geleitet von phänotypischen Unterscheidungen aber tragen das Gewicht und die Legitimität als seien sie biologisch verwurzelt, und biologisch wird oft gleichgesetzt mit etwas „Fixiertem.“ In der Biologie wird die biologische Speziesdefinition oft als die ultimative Speziesdefinition begriffen. Wenn Gruppen erwiesenermaßen aus Individuen bestehen, die reproduktionstaugliche Nachkommen erzeugen können, dann sind sie eine echte Spezies. Im Freien oder in den Laboratorien ist diese primäre Definition meistens schwer zu testen, so werden noch andere Definitionen als akzeptabler Ersatz verstanden, die auf den morphologischen und phylogenetischen Unterschieden zwischen Gruppen basieren. Doch was die morphologischen und phylogenetischen Speziesdefinitionen tun, ist, dass sie die Kennzeichnungen von Spezies so willkürlich machen, wie das auch in der Rassentheorie handhabe ist. Für beide geht es im Wesentlichen hierum, dass: wenn du ein bisschen anders aussiehst, Dinge ein wenig anders tust, genetisch etwas variierst und sogar auch noch in einer anderer Region als dem Ort der Vergleichsbasis lebst, dann reicht das dazu, deine Gruppe als eine eigene Spezies zu kennzeichnen (und historisch wurde Rasse und Spezies in austauschbarer Weise eingesetzt), bis ein anderer „Experte“ vorbeikommt und etwas anderes behauptet.

► In meiner Erfahrung ist das, was wir als Tierrechtsaktivist_Innen häufig als Speziesismus kennzeichnen, zumeist nichts anderes als Rassismus, Sexismus und Ableismus der gegen Tiere gerichtet ist. Tier-Agrarkutlur, Aquakultur, Laborversuche mit Tieren, die Haustierhaltung und auch die kommerzielle- und die Freizeitjagd benötigen die Unterdrückung spezifischer Spezies um dadurch bestimmen menschlichen Gruppen einen Vorteil zu verschaffen. Doch die Argumente, die angebracht werden um diese Spezies in der Unterdrückung zu halten, sind nicht so sehr speziesistisch wie sie rassistisch, sexistisch und/oder abelistisch sind. Während Hunde als eine Spezies zur kommerziellen Zucht anvisiert werden, sind es die Hunderassen (die man ansonsten auch als „Züchtungen“ bezeichnet), die als Rechtfertigung und Anreiz zur Fortsetzung der selektiven Nachzucht und zur reproduktiven Kontrolle von Hunden dienen. Und es sind die Rassen, die in einigen Ländern einen Hund dazu prädestinieren getötet zu werden, nur weil er/sie als eine bestimmte Rasse geboren wurde. Ökofeministische Tierrechtsaktivistinnen haben seit Jahren schon betont, dass der Sexismus eine wesentliche treibende Kraft in der Unterdrückung von Tieren in den Agrarindustrien sind, insbesondere der Milch und Eierindustrie, die nicht existieren würden wenn die weibliche Gebärfähigkeit dabei nicht ausgebeutet werden könnte. Selbst Tierrechtsaktivist_Innen spielen in die Fallen des Abelismus hinein, indem sie sozial-kognitive Fähigkeiten von Tieren betonen, in ihrem verzweifelten Versuch Leute dazu zu bewegen, über Tiere einmal nachzudenken. Die Fähigkeiten von Tier-Individuen und Spezies mögen vielleicht den Grund bieten, mit dem wir versuchen zu rechtfertigen wie wir Tiere behandeln. Sobald wir Aktivist_Innen aber einmal dazu imstande sind, das Sozial-Kognitive dort und dann zu erkennen wo es erscheint, dann sollte es doch leichter werden zu begreifen, womit wir hier wirklich arbeiten.

Die ganze Präsentation können Sie hier im PDF Format lesen: http://simorgh.de/yarbrough/yarbrough_weisssein_patriarchat_tiere.pdf

Anastasia Yarbrough ist in beratender und aktivistischer Form in der Tierrechtsarbeit tätig, http://animalvisions.wordpress.comhttp://inneractivism.com.

Anastasia Yarbrough: Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren

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Weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat schaden Tieren

Anastasia Yarbrough, http://animalvisions.wordpress.com/http://inneractivism.com/

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Eine Präsentation von Anastasia Yarbrough anlässlich der ersten Sistah Vegan Konferenz, die am 14. September als Webkonferenz, organisiert von Dr. Amie Breeze Harper, stattfand. Siehe dazu: http://simorgh.de/niceswine/tag/sistah-vegan. Übersetzung: Palang LY, mit der freundlichen Genehmigung von A. Yarbrough.

In dieser Präsentation geht es um die Narrative, die wir über die Unterdrückung von Tieren weitervermitteln. Als Tierrechtaktivist_Innen steht uns die Möglichkeit zu, in unseren Schilderungen tiefer zu gehen und uns nicht allein auf die Tokenisierung der Kämpfe farbiger Menschen und Frauen zu verlassen. Auch müssen wir keine Tokenisierung von Tieren als romantischen Symbolen, die der menschlichen Identität dienlich sein sollen, betreiben. Stattdessen können wir über den tatsächlichen Kampf reden, den Tiere durchfechten müssen, und wir können über ihre Leben sprechen, so gut wir das eben nur können. Wir können ans Licht befördern genau wie sie mit den Bemühungen um Freiheit usw. anderer, menschlicher Gruppen in Verbindung stehen, und zwar indem wir die Geschichten derjenigen Kräfte (und der Identitätsgruppen, die hinter diesen Kräften stecken) schildern, die das Ganze letztendlich miteinander verbinden.

I. Wer ich bin?

Mein Name ist Anastasia Yargrough. Ich arbeite als facilitator consultant, community educator und bin nebenbei auch Musikerin. Ich arbeite nunmehr seit 15 Jahren im tierschützerischen Bereich, und zuletzt, seit etwa 5 Jahren, bin ich im als Sprecherin und organisatorisch in der Tierbefreiungsbewegung aktiv. Ich war im Vorstand des Institute for Critical Animal Studies und bin gegenwärtig im Beirat des Food Empowerment Projects.

Bedanken möchte ich mich ganz besonders bei A. Breeze Harper, die diese Online-Konferenz ermöglicht hat. Bei Adam Weitzenfeld und pattrice jones dafür, dass sie wunderbare inspirierende Gelehrte/Aktivist_Innen sind, die sich auch als gute Zuhörer erwiesen haben wenn es um die Themen ging, mit denen ich mich zurzeit auseinandersetze. Und mein Dank gilt auch all den Aktivist_Innen dort draußen, die sich für eine totale Befreiung einsetzen, selbst unter den enorm schwierigen herrschenden Bedingungen.

II. Warum ich spezifisch über weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat spreche?

► Diese alles durchdringenden und miteinander verwobenen Kräfte stellen in der Tierrechtsbewegung eine tragende Säule dar. Die TR-Bewegung ist auf die eurozentrischen Länder konzentriert und innerhalb dieser Länder ist die Mehrheit ihrer Mitglieder weiß und die Mehrzahl ihrer Führungspersönlichkeiten besteht aus weißen Männern. Folge dessen ist eine Tendenz zum Eurozentrismus, was die ideologische Grundlage für Fragen der Mensch-Tier-Beziehung anbetrifft. Auch ist es nicht selten, tierschützerischen und veganen Kampagnen zu begegnen, die ein europäisches Ideal vermitteln (beispielsweise die Kampagne gegen das Hunde-Essen in China). Der Eurozentrismus macht es Menschen, die nicht weiß sind, schwer zu meinen sie hätten einen Platz innerhalb der Bewegung, insbesondere auch dann wenn deren Tierethik nicht unbedingt dem vorherrschenden „Mainstream“ der Bewegung entspricht. Der Einfluss des Patriarchats wiederum wird besonders dann sichtbar, wenn wir betrachten, dass die Mehrheit der Bewegung zwar aus weiblichen Aktivistinnen besteht, dennoch aber 50% der Führungskräfte in den großen aktiven Tierschutz-Nonprofits allesamt männlichen Geschlechts sind. Wenn es bei den großen Veranstaltungen und Tagungen der Bewegung, wie beispielsweise bei der National Conference in Washington DC, nicht möglich ist diese Themen ernsthaft anzusprechen, und solche Themen sogar als trivial und als nicht wesentlich zur Stärkung der Bewegung abgetan werden, dann haben wir ernsthaft ein Problem.

► Die große Mehrheit von Tierrechtsorganisationen und ihrer Sprecher_Innen vergleichen die moderne Tierrechtsbewegung und zitieren Beispiele aus der antirassistischen und der antisexistischen Bewegung in den USA, ohne wirklich zu verstehen wie Rassismus und Sexismus in Amerika eigentlich funktionieren. Sie nehmen einfach an, dass sie es wüssten, weil sie sich als Aktivist_Innen für eine gleichermaßen unterdrückte Gruppe (die diverse Vielzahl von Lebewesen, die wir gemeinhin subsumierend als „Tiere“ bezeichnen) einsetzen.

◌ Bei der Nationalen Tierrechtskonferenz von 2013 in Washington DC, sagte Norm Phelps [ein bekannter Tierrechtsautor in den USA] in der eröffnenden Plenarversammlung zu den Teilnehmer_Innen, dass die Tierrechtsaktivist_Innen heute die Frederick Douglasse und Harriet Tubmans unserer Zeit sind. Nathan Runkle [der Sprecher der Organisation Mercy for Animals] sagte bei derselben Versammlung, dass die Tierrechtsbewegung der nächste evolutionäre Schritt sei im Vorwärtskommen sozialer Gerechtigkeitsbewegungen; die Tierrechte seien die neue große soziale Gerechtigkeitsbewegung.

► Dieses sich vollständig auf die Lektionen der Kämpfe aus der antirassistischen und den antisexistischen Menschenrechtsbewegungen der Vergangenheit verlassen, ist an sich in keinerlei Hinsicht ein Problem. Beide Bewegungen sind Teile unseres Erbes und wir kommen nicht umhin im Schatten ihrer Geschichte weiterzumachen. Nicht zuletzt sind die hervorragenden Persönlichkeiten dieser Bewegungen unsere Vorfahren und einflussreiche Pioniere für die Bemühungen weltweit um soziale Gerechtigkeit und in Umweltschutzbelangen gewesen. Doch wenn Führungspersönlichkeiten innerhalb der Tierrechtsbewegung bequeme Analysen betreiben, um sie als einen Hebel einzusetzen zur fortgeschrittenen Legitimierung der Tierrechtsbewegung, dann dient das unserer Bewegung nicht, und der entscheidende Punkt wird hier einfach verpasst. Es gibt einen Grund weshalb die Kämpfe der Farbigen, der Frauen und der Tiere sich ähnlich genug sehen, dass der Vergleich zulässig ist. Und diese Gemeinsamkeit liegt in der Verbindung, die gegeben ist durch die systemischen Kräfte, die ihrer aller Unterdrückung nährt und am Fortbestehen erhält. Ein weiterer Redner könnte einmal eine Analyse von jeglichem Winkel innerhalb dieser Matrix betreiben. Heute fokussiere ich auf die Punkte weißen Überlegenheitsdenkens und Patriarchat.

III. Wie weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat Tiere in direkter Weise betreffen.

► Die gleichen Kräften, unterschiedliche Gruppen.

◌ Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat (die ich von hier ab als „weißes Patriarchat“ bezeichnen werde) wurden von Theoretikern aus den Bereichen kritischer Rassenstudien und respektive des Feminismus in den USA seit mehreren Jahrzehnten untersucht. Farbige Menschen mussten sich mit dem Weißsein und Frauen mit dem Patriarchat detailliert auseinandersetzen um überleben zu können. Das Weißsein und das Patriarchat werden kollektiv begriffen als Konstrukte sozialer Identitäten, die sich strukturell über die Zeit hinweg verstärken. Das bedeutet, dass ihre initiale Erschaffung beabsichtigt war, und dass Menschen sich zur Annahme der Identitäten aus freien Stücken entschieden haben. In einer neueren Studie über die Theorie des Privilegs durch den Anarchist Federation’s Women Caucus (den Frauenausschuss der Anarchistischen Föderation) wurde betont, dass Identitätsgruppen wie Männer und Weiße nicht wirklich ihr Privileg aufgeben können, gleich wie sehr Individuen dieser Gruppen das auch möchten. Sie sind in diese Identitäten hineingeboren, in diesen Identitätsgruppen großgezogen worden und sie sind eingetaucht in ein System, aus dem sie nicht aussteigen können oder in dem sie sich überhaupt dazu entscheiden könnten, nicht mehr von diesem zu profitieren. „Du bist für das System, das dir dein Privileg erteilt nicht verantwortlich, nur dafür, wie du darauf reagierst.“ bell hooks hat das weiße Patriarchat häufig assoziiert mit Akten des Terrorismus (nämlich der Sklaverei, der Vergewaltigung, der Folter und den Mord) gerichtet spezifisch gegen schwarze Menschen und schwarze Frauen. Diese Akte des Terrorismus – Sklaverei, Vergewaltigung, Folter und Mord – sind auch das, was auch wir in der Tierrechtsbewegung versuchen wollen abzuschaffen. Es ist keinerlei Überraschung, dass diese Akte allesamt aus dem gleichen System entwachsen. Wie können wir in einer Gesellschaft leben, in der all das geschieht, ohne dass es uns überhaupt etwas ausmacht? Nun ja, zum einen macht sich das weiße Patriarchat nicht sichtbar. Wie irgendein anderes Konstrukt einer sozialen Identität, die ein sozioökonomisches System auf der Basis der Ausbeutung der schwächeren und verletzlicheren Individuen und Gemeinschaften erhält, indem es diejenigen marginalisiert, die den Status quo des „Mainstreams“ stören, in dem systematische Gewalt zum Vorteil privilegierter Gruppen begangen wird, in dem die Gedanken, Körper, Räume und die Reproduktion anderer Gruppen dominiert wird, so ist das weiße Patriarchat eine Institution, die es schafft all dies aufrecht zu halten während es selbst unsichtbar bleibt. Wir müssen uns in ganz bewusster Weise darum bemühen es sichtbar zu machen. In der Tierrechtsbewegung haben wir, wenn wir über die Unterdrückung der Tiere durch Menschen sprechen, Gelegenheiten um weißes Überlegenheitsdenken und das Patriarchat hinter der Ausbeutung, der Dominierung, der Reproduktionskontrolle, der Marginalisierung und der systematischen Tötung sichtbar zu machen. Wir können die Tokenisierung von Tieren als Maskottchen, die tatsächlich dem Zwecke ihrer Ausbeutung und Ermordung dient, benennen. Wir können auf die Tötungen von Tieren, in den Tierheimen und halbwilder und verwilderter Tiere, als Schuldzuweisung auf das Opfer hinweisen. Wir können darüber sprechen, wie wildlebende Tiere marginalisiert werden durch den Verlust ihres Habitats, verursacht durch die Agrarkultur und den sich ausdehnenden Städtebau, und wie „invasive/schädliche“ Spezies ein bequemes Ziel der Schuldzuweisung werden, wobei bei ihnen tatsächlich weder Hauptgrund und –ursache zu suchen sind. Wir können die Reproduktionskontrolle, die Zwangszucht, genetische Manipulation und die in die Sexualität eingreifende Gewalt sichtbar machen, die Institutionen am Leben erhalten wie die Tierversuchslaboratorien, die Tiere involvierende Agrarkultur, die Haustierhaltung, Zoos und Aquarien, Jagdreviere, Aquakultur und die Unterhaltungsindustrien die Tiere einbeschließen. Die Tokenisierung, die Schuldzuweisung auf das Opfer, die Marginalisierung und die Reproduktionskontrolle, sind die Grundpfeiler des weißen Patriarchats. Innerhalb des weißen Überlegenheitsdenkens in Amerika tendiert der Mainstream dazu, sich mit Tieren und farbigen Menschen dann zu identifizieren, wenn sie tot oder auf eine Fast-Unsichtbarkeit reduziert sind. Dadurch wird die Illusion erzeugt, dass wir diese Gruppen tatsächlich respektieren, indem wir sie romantisieren, und die, die sie in Wirklichkeit sind, für uns in unserer Vorstellungswelt in der Weise passend für unsere eigene Identität modulieren, nun wo unsere Vorfahren und Zeitgenossen sie bereits als eine Bedrohung außer Kraft gesetzt haben. Ein wesentlicher Grundpfeiler des weißen Patriarchats ist aber auch die Frage der Bürgerschaft. Die einzig legitimen Stimmen sind diejenigen, die „echte Bürger“ der Gruppe darstellen. Und in der Tierrechtsbewegung stellt dies ein enormes Hindernis dar in den Bemühungen um eine Bewirkung der Anerkennung der Interessen von Tieren durch die Gesellschaft.

►Das weiße Patriarchat als treibende Kraft in Tierverteidigungskampagnen.

◌ Die Kampagnen von PETA sind berüchtigt wegen ihrer rassistischen und sexistischen Komponenten. Ich werde hier nicht weiter in die Einzelheiten gehen, da eine andere Sprecherin bei dieser Konferenz ihre Analyse der Organisation PETA vorstellen wird. PETA sind jedenfalls ein sehr offensichtliches Beispiel für das weiße Patriarchat als treibende Kraft hinter ihren Zielen und Strategien. Nicht allein in den Öffentlichkeitsstunts der Organisation, sondern auch in ihren Politiken und Praktiken, die Tiere in ganz unmittelbarer Weise anbetreffen. PETA hat eine Geschichte zu verzeichnen, in denen sie mehr ihrer vermeintlich geretteten Hunde und Katzen getötet haben, als sie an ein neues Zuhause vermittelten. Nathan Winograd hat PETA seit Jahren wegen ihrer desaströsen Tierheimunterbringungspraktiken und Vorgehensweisen kritisiert. PETAs Unterstützer_Innen haben daraufhin entgegnet, dass Winograd nicht erwähnt habe, wie viele Tiere man aus den Gefahren, die für sie in überfüllten Tierheimen drohten, extra herausadoptiert habe, und dass es besser für diese Tiere sei einen „gnadenvollen“ Tod zu erleiden, als ein Leben in einen Tierheim zu verbringen, oder was noch schlimmer sei, als ein Leben ohne ein echtes Zuhause. Was mir dies sagt ist, dass für PETA die beste Art einer ethischen Beziehung zu Tieren, auf die wir unter PETAs Richtlinien hoffen könnten, diejenige ist mit toten Tiere, da es ja keine Möglichkeit gibt, alle diese Tiere unter einer kompletten institutionellen Kontrolle zu halten, und es dann effizienter wäre die Tiere einfach zu töten um sich dann auf die Schulter zu klopfen, dass man ja das richtige getan habe, denn man weiß ja schließlich auch genau, was das Beste ist. Das ist weißes Patriarchat.

◌ Verdeckte Nachforschungen bildeten die wesentliche Taktik zur Aufdeckung einiger der schlimmsten Gewaltakte gegen Tiere. Was oft nicht betont wird in solchen Ermittlungen von Tiermissbrauch in Fabrik-Farmen oder bei Kampagnen gegen den Hundekampf oder gegen Hahnenkämpfe oder bei Aufdeckungen des illegalen Handels mit wildlebenden Tierarten, sind die rassifizierten Komponenten die bei diesen Gräueltaten mitschwingen. Die große Mehrzahl derjeniger Menschen, die die niederen Arbeiten verrichten und die illegalen Taten begehen, denen wir immer wieder in den Nachrichten begegnen, und auf die der Zorn und die Empörung der Aktivist_Innen niederprasselt, sind farbige Menschen.

◦ Fremdarbeiter aus Ländern wie Mexiko und Guatemala machen ein Fünftel der Arbeiterschaft in den Agrarindustrien aus. Sie haben typischerweise keinen High School Abschluss und ihre Optionen bei der Arbeitssuche sind daher gering, auch haben sie normalerweise wenig in der Leitung dieser Farmbetriebe zu sagen. Sie sind einfach Hände – oft die blutigen Hände – die 10 bis 12-stündige Schichtdienste verrichten. Der US-amerikanische Imperialismus und Rassismus stößt sie in Jobs wie diese, wo die Möglichkeiten der Wahl dessen, wie man seine Einkünfte bestreitet, gering sind. Sie werden häufiger wegen Grausamkeit gegen Tiere belangt als die Betreiber der Farmen, die die echten Profite aus der Sache schlagen. Und Tierverteidigungsorganisation wissen das, wenn sie Klagen erheben; sie versuchen einfach jeden „Erfolg“, gleich welchen, zu erlangen, wenn er denn nur erlangbar ist. Zum Schluss hilft das den Tieren weder in der Gegenwart noch in der Zukunft, denn es erlaubt es den Shareholdern einer Verantwortlichkeit aus dem Weg zu gehen. Es erlaubt den Geschäftsbetreibern die Sündenbockfunktion den verarmten und oft analphabetischen Wanderarbeitern zuzuschieben, die kaum juristischen Schutz haben, und es sendet eine für die Öffentlichkeit irreführende Botschaft aus, dass man was gegen die „schlimmen Typen“ getan habe, wobei sie in Wirklichkeit einfach nur durch andere Immigranten gleichen Hintergrunds ausgetauscht werden, die dann ebenso den Verstand verlieren werden, mit der Gewalt, die sie stundenlang täglich ausführen müssen.

◦ Hundekämpfe sind so alt wie die zivilisierte Welt selbst. Und Hahnenkämpfe begannen in Europa etwa um das 15. Jahrhundert herum aufzutauchen. Beide dieser Blutsportarten zählten gewöhnlicherweise zu den Aktivitäten wohlhabender Landbesitzer, Handeltreibender und Aristokraten; in anderen Worten: Leute die Geld hatten. Heute werden diese Blutsportarten mit armen farbigen Menschen in Verbindung gebracht. So sehen die Kampagnen gegen diese grausamen Bräuche oft aus wie eine spezifische Strafung Farbiger, nun wo weiße Menschen der Mittel- und Oberschicht kulturell „jenseits“ von solch einem Barbarismus stehen.

◦ Der illegale Handel wildlebender Tierarten ist ein Thema, das nicht allein die Tierverteidigungsbewegung beschäftigt, dieses Thema ist auch bestimmend in Bereichen umweltschützerischer Tätigkeiten. Kampagnen und Berichte betonen die Prozentzahl des illegalen Handels, so dass man sich auf CITES und damit auf juristische und politische Richtlinien berufen kann. Soweit hat das allerdings keinen besonders großen Unterschied erbracht, was die Anzahl von Tieren, lebend oder tot, anbetrifft, die aus ihrem gebürtigen Land oder Wasser herausgeschmuggelt werden. Die Gegenden wo die meisten dieser Aktivitäten stattfinden, liegen in Südostasien und in Subsahara-Afrika. Nachrichtenmedien, Dokumentationen und Kampagnen fokussieren zumeist extensiv auf die Seite der „Wilderei“ im Handel mit wildlebenden Tierarten, die ausschließlich von den farbigen Menschen in den Regionen betrieben wird. Obgleich das Geschäft des Handels wildlebender Tierarten Teile großer krimineller Syndikate bildet, sind die Leute, die wir überall in Bildern und in den Nachrichtenartikeln sehen, diejenigen mit wenig Ressourcen und mit weniger Sagen in den großen Syndikaten – Leute die einfach ausgetauscht werden können, die man einfach zu Sündenböcken machen kann. Es ist weitaus schwieriger die wohlhabenden Konsumenten von Produkten aus wilden Tieren sichtbar zu machen, und es ist schwieriger Reiche in Frage zu stellen, Jagdsitze in Privatbesitz, die vom Geschäft mit dem Handel „exotischer“ Tierarten profitieren, es ist schwieriger amerikanische und europäische Privatinvestoren von Milizen und kriminellen Syndikaten in diesen Regionen anzugreifen, also tut es auch niemand. Es ist weitaus einfacher, arme farbige Menschen zur Verantwortung zu ziehen, die die tatsächliche Gewalt und die tatsächliche Straftat begehen, denn das sind die Plakatkriminellen, und das weiße Überlegenheitsdenken und der Kolonialismus können ungehindert weitermachen, unbemerkt, in ihren systemerhaltenden Funktionen.

◦ Rassismus, Klassismus und Kolonialismus treiben farbige Menschen dazu, sich übermäßig auf die Ausbeutung von Tieren zu verlassen, und weil sie nicht den Schutz durch Wohlstand und Weißsein genießen, tragen diese Leute die Last der Konsequenzen, während die Schwergewichte in Sachen Ermöglichung, ihr Geschäft weiter und wie gehabt betreiben können.

IV. Rassismus und Speziesismus: Sind beide miteinander austauschbar?

► Rasse und Spezies sind willkürliche Unterscheidungen die ungefähr in der gleichen Zeit im europäischen Denken entstanden. Beide sind geleitet von phänotypischen Unterscheidungen aber tragen das Gewicht und die Legitimität als seien sie biologisch verwurzelt, und biologisch wird oft gleichgesetzt mit etwas „Fixiertem.“ In der Biologie wird die biologische Speziesdefinition oft als die ultimative Speziesdefinition begriffen. Wenn Gruppen erwiesenermaßen aus Individuen bestehen, die reproduktionstaugliche Nachkommen erzeugen können, dann sind sie eine echte Spezies. Im Freien oder in den Laboratorien ist diese primäre Definition meistens schwer zu testen, so werden noch andere Definitionen als akzeptabler Ersatz verstanden, die auf den morphologischen und phylogenetischen Unterschieden zwischen Gruppen basieren. Doch was die morphologischen und phylogenetischen Speziesdefinitionen tun, ist, dass sie die Kennzeichnungen von Spezies so willkürlich machen, wie das auch in der Rassentheorie handhabe ist. Für beide geht es im Wesentlichen hierum, dass: wenn du ein bisschen anders aussiehst, Dinge ein wenig anders tust, genetisch etwas variierst und sogar auch noch in einer anderer Region als dem Ort der Vergleichsbasis lebst, dann reicht das dazu, deine Gruppe als eine eigene Spezies zu kennzeichnen (und historisch wurde Rasse und Spezies in austauschbarer Weise eingesetzt), bis ein anderer „Experte“ vorbeikommt und etwas anderes behauptet.

► In meiner Erfahrung ist das, was wir als Tierrechtsaktivist_Innen häufig als Speziesismus kennzeichnen, zumeist nichts anderes als Rassismus, Sexismus und Ableismus der gegen Tiere gerichtet ist. Tier-Agrarkutlur, Aquakultur, Laborversuche mit Tieren, die Haustierhaltung und auch die kommerzielle- und die Freizeitjagd benötigen die Unterdrückung spezifischer Spezies um dadurch bestimmen menschlichen Gruppen einen Vorteil zu verschaffen. Doch die Argumente, die angebracht werden um diese Spezies in der Unterdrückung zu halten, sind nicht so sehr speziesistisch wie sie rassistisch, sexistisch und/oder abelistisch sind. Während Hunde als eine Spezies zur kommerziellen Zucht anvisiert werden, sind es die Hunderassen (die man ansonsten auch als „Züchtungen“ bezeichnet), die als Rechtfertigung und Anreiz zur Fortsetzung der selektiven Nachzucht und zur reproduktiven Kontrolle von Hunden dienen. Und es sind die Rassen, die in einigen Ländern einen Hund dazu prädestinieren getötet zu werden, nur weil er/sie als eine bestimmte Rasse geboren wurde. Ökofeministische Tierrechtsaktivistinnen haben seit Jahren schon betont, dass der Sexismus eine wesentliche treibende Kraft in der Unterdrückung von Tieren in den Agrarindustrien sind, insbesondere der Milch und Eierindustrie, die nicht existieren würden wenn die weibliche Gebärfähigkeit dabei nicht ausgebeutet werden könnte. Selbst Tierrechtsaktivist_Innen spielen in die Fallen des Abelismus hinein, indem sie sozial-kognitive Fähigkeiten von Tieren betonen, in ihrem verzweifelten Versuch Leute dazu zu bewegen, über Tiere einmal nachzudenken. Die Fähigkeiten von Tier-Individuen und Spezies mögen vielleicht den Grund bieten, mit dem wir versuchen zu rechtfertigen wie wir Tiere behandeln. Sobald wir Aktivist_Innen aber einmal dazu imstande sind, das Sozial-Kognitive dort und dann zu erkennen wo es erscheint, dann sollte es doch leichter werden zu begreifen, womit wir hier wirklich arbeiten.

V. Schlussfolgerung

► Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat sichtbar zu machen, ist wichtig um die Unterdrückung von Tieren sichtbar zu machen. Oft stecken diese hinter den Gräueltaten die gegen Tiere begangen werde, wogegen wir schließlich kämpfen.

► Das weiße Überlegenheitsdenken und das Patriarchat beeinflussen die Ziele der Bewegung und der angewendeten Strategien. Wir können evaluieren, wie unsere Ziele und Strategien weitervermittelt werden, und indem wir die Intention hegen diese Kräfte sichtbar zu machen, anzuerkennen was wirklich los ist, indem wir uns unsere eigene Rolle in all dem bewusst machen, können wir die Verantwortung für eingeschlagene Richtungen in der Bewegung übernehmen.

► Nun wo andere Aktivist_Innen Analysen über den Abelismus, Heterosexismus, Cissexismus und Queerness mit einbeziehen, haben wir die Möglichkeit, dass die Tierrechte sich zu einer echten Pioniersfront der intersektionalen Bewegung entwickeln können. Schaffen wir es diese Herausforderung anzunehmen?

Weitere Beispiele weißen Patriarchalismusses:

„Ich hab ihm gerade einen Nasenring angebracht … , so dass er nicht mehr bei seiner Mutter saugt. Er braucht es einfach nicht mehr … . Er wird sich dran gewöhnen. Wir haben es mit den anderen Kälbern auch so gemacht. An dem Ring sind nur einige Zacken, und das ist damit es die Kuh an ihrem Euter stört wenn er versucht zu saugen, sie wird ihn dann wegtreten … . Tja, das ist halt noch so eine weitere spaßige Sache, die du so auf einer Farm machen kannst.“

http://www.youtube.com/watch?v=mOMYfrFKHyE&feature=youtu.be

Malerei: © Farangis G. Yegane

(Eventuelle typografische Korrekturen werden noch vorgenommen.)

Copyright © 2013, Anastasia Yarbrough, Gita Y. Arani-May / Palang LY. Alle Rechte vorbehalten.

 

Animal Place: Helping Hens Rescue (2)

Animal Place: Helping Hens Rescue (2)

Der Teil Eins dieses Features: Animal Place in Kalifornien haben 3.000 Hühner gerettet.

Eine hoffentlich zukunftsweisende Aktion, die konstruktive menschliche Koordination und eine neue ethische Beispielhaftigkeit miteinander verbinden konnte, so wie das nur im Tierschutz möglich ist.

Quelle: http://animalplace.org/helping-hens-rescue. Übersetzung: Palang LY, mit der freundlichen Genehmigung vom Animal Place Sanctuary.

Animal Place leitete im September 2013 die Rettung von 3.000 Hühnern aus einem Eierproduktionsbetrieb in Kalifornien. 1.150 dieser Tiere wurden im Rahmen dieser Rettungsaktion an die Ostküste geflogen, in dem soweit ersten Flug, der in den USA stattgefunden hat, bei dem erwachsene Hühner im Flugzeug transportiert wurden. Ein besonderer Dank gilt der PR-Firma Evolotus (http://www.evolotuspr.com/), die uns dabei half, die Information über diese besondere Aktion in die Welt zu tragen.

7. September 2013: Schaut, in diesem Video seht Ihr, wie unsere Hennen im Flugzeug von Küste zu Küste geflogen werden!

4. und 5. September 2013: Die Hennen verlassen Hayward um 19.15 Uhr und kommen nach einem turbulenten Flug am Elmira Flughafen in New York morgens um 6.30 Uhr an.

Möchtet ihr helfen?

  1. Dann tragt euch für unsere Sanctuary-Sweets Rezeptliste ein und verbannt Eier aus eurem Speiseplan. Wr schicken euch dann jede Woche ein Rezept für ein veganes Frühstück, ein Mittagessen, ein Abendessen und ein Dessert.
  2. Bewerbt euch für eine Adoption von einer der mehr als 2.000 Hennen, die noch in unserem Grass Vally- und im Vacaville-Schutzhof sind (http://animalplace.org/adoption.html).
  3. Hinterlasst einen positiven Kommentar bei einer der VIELEN News-Stories über unsere Rettungsaktion (dies hier sind nur einige!):  SFGateFox40CBS San FranciscoNews10 Sacramento, NBC New YorkUPIThe GuardianChristian Science MonitorMarketWatch.

 

3. September 2013:

Unser FAQ zum Airlift der geretteten Tiere.

1.150 Hennen fliegen mit dem Flugzeug vom Animal Place Sanctuary nach New York, wo sie ihre permamente Unterbringung finden. Dies ist das erste Mal in der Geschichte der USA, dass ein Privatflugzeug gechartert wurde, um Hennen von der West- an die Ostüste des Landes zu fliegen. Die Hennen gehören zu einer Gruppe von 3.000 Hühnern, die wir von einer Eierfarm in Kalifornien gerettet haben. Einer unser Förderer bot an, dass er die Kosten für den Flug übernehmen wolle, und so konnten wir die Tiere mit einem Privatjet fliegen lassen.

„Das ist das erste Mal, das erwachsene Hühner jemals quer durchs ganze Land geflogen wurden,“ sagt Kim Sturla, die Direktorin vom Animal Place. „Ein großzügiger Förderer hat uns den Flug der Hennen von Küste zu Küste angeboten und wir haben bei der Chance gleich zugepackt.“

Die 2-jährigen weißen Leghorn-Hühner stammen aus einer Batteriekäfighaltung, wo sie in Käfigen leben mussten, sie so klein sind, dass die Vögel darin nichtmal ihre Flügel strecken können. In einem Alter von nur acht Tagen wurde ihnen, was in Eierfarmen Routine ist, ein Teil ihrer Schnäbel gekürzt, ohne die Verabreichung eines Schmerzmittels, damit sie sich in den Käfigen später nicht mit ihrern Schnäbeln gegenseitig verletzen würden.

4. September 2013: Die Hühner werden von den beiden Animal Place Einrichtungen, in Grass Valley und in Vacaville, vorsichtig aufgeladen und dann mit einem Laster zum Hayward Exectuive Airport gebracht. Der Abflug ist um 18:45 Uhr und sie werden am 5. September gegen 7.00 in der Früh in New York ankommen.

Neun Schutzhöfe und Tierheime werden die 1.150 Hühner an der Ostküste aufnehmen, sie dort teils weiter zur Adoption vermitteln und teilweise auch permanent in ihren eigenen Einrichtungen unterbringen. Die übrigen 1.850 Hennen können über uns in Kalifornien adoptiert werden. Interessierte sollten sich diebezüglich an uns wenden über unsere Webseite http://www.animalplace.org/.

„Diese Hennen haben so viel durchgemacht,“ sagt Jamie London, die Pflegedirektorin von Animal Place. Jamie begleitet die Hennen auch auf ihrem Flug nach New York und sie führt die Aufsicht über einen reibunglosen Ablauf, damit die Tiere alle wohlbehalten ankommen. „Genau wie Hunde, die aus Hundezuchtbetrieben gerettet wurden, so sind auch diese Hennen aus einem Leben des Elends befreit worden, und sie werden den Rest ihres Lebens nun in friedvollen Umgebungen verbringen können.“

Die Liste der Schutzhöfe und Tierheime, die an der Unterbringung der Hennen beteiligt sind:

Animal Place – retteten 3.000 vor der Vergasung, koordinierten den Flug von 1.150 Hennen an die Ostküstere
Marji Beach, Education Director, Animal Place, Grass Valley & Vacaville, CA, 707-363-7960, 530-798-5114.

Farm Sanctuary – übernehmen 500 Hennen
Susie Coston, National Shelter Director, 607-342-0961, scoston@farmsanctuary.org

WoodstockFarm Animal Sanctuary
Jenny Brown,Director, jenny@woodstocksanctuary.org, 845-679-5955 (office), 845-706-1151 (cell)

Catskill Animal Sanctuary – übernehmen 200 Hennen
Kathy Stevens, Director, 914-388-4984, kathy@casanctuary.org

Happy Trails Farm Animal Sanctuary, Inc. – übernehmen 200 Hennen
Annette Fisher, Director, Annette@happytrailsfarm.org, 330-281-1387 (cell), 330-296-5914 (office)

UPC – übernehmen 50 Hennen
Karen Davis, President, karen@upc-online.org, 757-678-7875

SASHA – übernehmen 100 Hennen
Christine Wagner, Assistant Director, christine@sashafarm.org, 734-428-9617

Lollypop Farm, Humane Society of Greater Rochester – übernehmen 80 Hennen
Joanna Dychton, Farm and Safety Manager, farm@lollypop.org, 585-223-1330 x 266

VINE – übernehmen 20 Hennen
Miriam Jones, sanctuary@bravebirds.org, 802-885-4017

Coming Home Animal Sanctuary – übernehmen 6 Hennen
Laura George, DVM, Executive Director, laura@cominghomesanctuary.org

Animal Place und ihre Erfahrungen mit Großrettungsaktionen von Hühnern aus Legefarmen

Animal Place haben nun schon mehrere Großrettungsaktionen durchgeführt. Letztes Jahr (2012) haben sie in Turlock, Kalifornien, von einer Farm auf der 50.000 Hennen zurückgelassen wurden ohne Futter unf Wasser, 4.460 der Tiere gerettet. In einer Zeitspanne von einem Jahr konnten sie, über eine zur Aktionen eingeleitete Vermittlungkampagne, die meisten der geretteten Tiere vermitteln.

Seit 2010 konnten Animal Place 8.000 Hühner, zumeist aus Eierproduktionsbetrieben, retten und an ein geeignetes Zuhause weitervermitteln. So konnte verhindert werden, dass diese Tiere geschlachtet und irgendeiner Form grausam getötet werden.

Die Farm in Turlock, deren Betreiber anonym bleiben wollten, hatte sich an das Animal Place Sanctuary gewendet, nachdem sie deren Informationsunterlagen zum ‚Rescue Ranch Programm’ erhalten hatten. Im Rahmen dieses Programmes bittet Animal Place Betreiber von Eierfarmen darum, Hennen an den Schutzhof zu übergeben, statt sie zur Schlachtung zu bringen. Bis jetzt war die Farm in Turlock der größte Betrieb, der sich bereit erklärte, einige der Hühner an Animal Place zu übergeben.

Das Motto von Animal Place – bei seinen großen Hühnerrettungsaktionen, sowie bei all seinen Aktionen, in denen es Farmtiere rettet – ist es, mit dem Ziel der Beendigung der Ausbeutung von Farmtieren vor Augen, den Tieren zu helfen, die jetzt leben und die jetzt leiden!

Mehr Videos zur HELPING HENS RESCUE 2013

Und ein sehr schöner Dokumentationsfilm über Animal Places Turlock Rescue 2012:

Infos zur Rettungsaktion Turlock sind auf dieser Animal Place Seite nachzulesen: http://www.turlockrescue.org

 

Sich mit der Idee zu befassen, dass Hinterfragungen von Rasse, Gender und Weißsein, innerhalb des Veganismus, nicht sinnlos sind: Reflektionen über die Sistah Vegan Conference

Sich mit der Idee zu befassen, dass Hinterfragungen von Rasse, Gender und Weißsein, innerhalb des Veganismus, nicht sinnlos sind: Reflektionen über die Sistah Vegan Conference

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Quelle: ‘Engaging with the idea that interrogations of race, gender, and whiteness in veganism is not pointless: Reflections on the Sistah Vegan Conference’ http://sistahvegan.com/2013/09/18/sistah-vegan-conference-recordings-now-available/. Übersetzung: Palang LY, mit der freundlichen Genehmigung von Dr. phil. A. Breeze Harper.

Die Sistah Vegan Webkonferenz fand am 14. September 2013 statt. Sie trug den Titel „Verkörperte und kritische Perspektiven auf den Veganismus von schwarzen Frauen und ihren Verbündeten.“ (Was, du hast die Konferenz verpasst? Keine Sorge, die ganze Konferenz wurde aufgezeichnet und du kannst die Aufzeichnungen erwerben, indem du auf der Webseite zur Konferenz ‚CLICK HERE TO REGISTER’ drückst. Auch wenn die Konferenz nun vorbei ist, so führt dich dieser Link doch zu der Seite, über die man die Sistah Vegan Conference-Aufnahmen erwerben kann: http://sistahveganconference.com/.)

Es waren beeindruckende 8 Stunden. Hier ist ein kleiner Einblick in das, was wir dabei lernten, wörüber wir sprachen und uns gemeinsam austauschten:

–         Wie Veganismus die Reproduktionsgesundheit schwarzer Frauen heilt.
–         Schwarze Frauen, Veganismus und die Herausforderungen durch diskriminatorische Haltungen gegenüber Körpergröße und –masse [‚Sizeism’].
–         Das Patriarchat als Problem in der US-amerikanischen Tierbefreiungsbewegung.
–         PETAs rassifiziert-sexualisierter Einsatz weiblicher Körper, um zum ‚Veganwerden, für die Tiere’ zu ermutigen.
–         Wie der ‚weisse Retterkomplex’ Schwierigkeiten und Stress verursacht für schwarze Frauen innerhalb bestimmter gemeinschaftlicher Veganismus- und Yogapraktiziernder-Räume in den USA.
–         Die Politk industrialisierter und verarbeiteter Babynahrung und die Schaffung einer indigenen veganen Mutterleibsökologie.
–         Die Art und Weise, in der die Sistah Vegan Anthologie so viele von uns dahigehend ermutigt hat, den Weg des Veganismus zu beschreiten.

Ich denke, dass diese Konferenz wichtig ist für eine ganze Anzahl von Leuten, die an kritischen Nahrungsmittelstudien, kritischen Tierstuduen und/oder schwarzen Studien interssiert sind. Dennoch empfehle ich diese Konferenz der beachtlichen Anzahl ‚postrassisch’ denkener Leute (fast immer sind dies weiß-identifizierte Menschen), die mich witerhin mit einer klaren (entweder direkten oder passiv-aggresiven) Wut im Bauch kontaktieren, dass sie es kaum fassen könnten, wie ich behaupten könne, dass Rasse, Geschlecht und Weißsein die vegane Praxis, das vegane Rational und Bewusstsein beeinflussen könnten. Und solche Messages kommen in den Kommertarsektionen meines Blogs, meiner Facebookseiten oder in meiner persönlichen Emailbox an, mit dem Zugeständnis Vieler, niemals etwas über kritische Studien bezüglich Rasse, schwarzer feministischer Theorie oder kritische Weißseinsstudien gelesen zu haben – aber diese Leute sind sich SICHER und ÜBERZEUGT davon, dass bestimmte Fragen im Bezug auf Rasse, Gender und Weißsein im Bereich Veganismus nicht hinterfragt werden sollten. Es mag ihnen nicht bewusst sein, aber man nennt dies (weiße) Selbstberechtigung [(white) entitlement] wenn sie in einer solchen Weise an mich herantreten. Es ist ein Akt diskursiver Gewalt, und es ist das perfekte Beispiel davon, wie Weißsein als ein Kommunikations- und rhetorisches System funktioniert. Diese Kommunikationsmethode ist einfach wirklich nicht harmonisch, nicht heilend und sie steht antithetisch zur Nicht-Gewalt (Ahimsa), die der Veganismus für so viele von uns verkörpert.

Ich kann nur anbieten, dass wenn Leute mit dem oben beschriebenen Kommunikationsverhalten, eine aufrichtige und offene Diskussion über den „Sinn“ dieser Webkonferenz, die Sistah Vegan Anthologie und meine andere auf das Soziologische gründende Forschungsarbeit führen möchten, dass diese Leute sich mal dran setzen sollten Beiträgen der Sistah Vegan Konferenz zuzuhören; vielleicht die Sistah Vegan Anthologie mal lesen sollten und auch meine Masters- und Disserationsarbeit, die in klarer Weise die Relevanz und die Wichtigkeit dessen artikulieren, sich mit kritischen Rassenstudien, schwarzen feministischen-, dekolonialen- und kritischen Weißseinsstudien innerhalb des Veganismus in den USA zu befassen. Ich versichere euch, dass sowohl Harvard (meine Masters These) als auch die University of California (meine Disserationsarbeit), meine Arbeiten nicht als Bestanden abgesegnet hätten, wenn ich sozialwissenschaftliche und rigorose Forschungmethoden und methodologische Herangehensweisen bei meiner intersektionalen Arbeit über Veganismus, Kultur und systemische Unterdrückung, nicht in richtiger Weise angewendet hätte. Ich hätte den begehrten Dean’s Award von Harvard für meine Masters-Thesenarbeit (die jeweils nur einem Kanditaten pro Fachbereich verliehen wird) nicht erhalten, und auch kein zweijähriges Stipendium, um meine Dissertationsarbeit an der Universtiy of California abzuschließen, wenn die entscheidungstragenden Kommitees beider Institutionen der Meinung gewesen wären, dass meine akademischen Untersuchungen über den Veganismus ‚sinnlos’ oder ‚rassenhetzerisch’ (wie von vielen [mis]interpretiert) seien. Bitte emailt mir unter sistahvegan (at) gmail (dot) com wenn ihr Auszüge und/oder Kopien meiner veröffentlichten Arbeiten, meiner Thesenarbeit und/oder meiner Dissertation haben möchtet, um euch mal mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und vor diesem Hintergrund …

gilt ein ausgesprochener Dank all denen, die dies zu einem unwahrscheinlich beeindruckenden Event gemacht haben. Ich freue mich auf das, nächsten Jahres!

Wenn ihr an der Veranstaltung teilgenommen habt und/oder euch die Aufszeichnungen angehört habt, dann postet bitte wie ihr die Konferenz und das Gelernte empfunden habt, und das, womit ihr vielleicht Probleme hattet, oder was euch eventuell überrraschte, usw.

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A.d.Ü.: Und Sinn und Zweck dieser Übersetzung ist es, das Sistah Vegan Projekt wegen seiner internationalen und globalen Wichtigkeit im deutschsprachigen Raum noch weiter bekannt zu machen, und um einige Aktionen des Projekts auch innerhalb des deutschen Sprachraums zu dokumetieren:

Siehe in diesem Zusammenhang …

Eine Info über die Sistah Vegan Anthologie (2010):
http://simorgh.de/harper/die_sistah_vegan_anthologie_2010_s.pdf

Die Kurzzusammenfassungen der Redebeiträge der Sistah Vegan Webconference 2013:
http://simorgh.de/harper/sistahvegan_conference_2013_8bs.pdf

Und in aller Kürze die Programmübersicht der Webkonferenz 2013:
http://simorgh.de/niceswine/wp-content/uploads/2013/09/sistahvegan_conference_programm_1.pdf