Wölfe und Tierrechte

Das ökopolitische Grundproblem der großen Prädatoren ist das des Mangels an freiem Lebensraum für nichtmenschliche Tiere insgesamt, es ist das Problem von immer weniger werdendem natürlichem Habitat.

Tierrechte und „der Wolf“ als Zielscheibe von Speziesismus

Die Mär vom bösen Wolf

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Gerade in der Diskussion über Wölfe zeigt sich so viel über die Probleme, die der Mensch eigentlich mit seiner eigenen Spezies hat. In solch einer Aussage gehe ich davon aus, dass Speziesismus (zumindest speziesistische Rhetorik und speziesistische geistige Brandstiftung) immer wieder auf Nichtmenschen dasjenige projiziert, was Menschen in Wirklichkeit an sich selber ablehnen oder hassen. So finden wir häufig aufschlussreiche Anthropomorphismen, die eine positive wie eine negative Bezugnahme auf Nichtmenschen überlagern können, in den Behauptungen und Annahmen, die Menschen über nichtmenschliche Seinswelten produzieren. Bilder zum Beispiel, welche die Gesellschaft klassischerweise produziert von … „der Kuh“, bis zu „dem  Hasen“, „dem Wurm“, „dem Geier“, „der Ameise“ … : allen erdenkbaren Tiergruppen werden in der menschlichen Reflexion immer wieder ureigene menschliche Eigenschaften attributisiert. Und im Rahmen solcher geistiger Schablonen finden wir auch die vordergründigen gesellschaftlichen Vorstellungen über das Leben von „dem Wolf“ und damit zusammenhängende Streitwerte zum Thema Wolf, natürliche Lebensräume und „Wildnis“.

Die Faktoren, zwischen denen die Frage der Wölfe zerrieben wird, sind unseren Eindruckes nach Themen wie:

  • Landeinnahme durch den Menschen
  • Jagd als speziesistisch menschliches Dominanzverhalten
  • biologisch-historischer Natur- und Artenschutz (indem die „Art“ relativ separiert „erhalten“ wird)
  • die historische Vernichtung und Verdrängung größerer Raubtiere in Europa

Vor dem ökologisch gravierenden Hintergrund betrachtet, dass Wälder zu forstwirtschaftlich und jadgtechnisch durchgeplanten Räumen gemacht wurden, wird die wesentliche Problematik erkennbar in der Frage der Wahrung von Naturraum für große (einst) hier lebende Raubtiere in der Ganzheit ihrer Lebensweisen. Wurde die Rückansiedlung von Wolfsgruppen vor diesem Hintergrund durchdacht? Welchen Raum brauchen Wölfe tatsächlich? Der Streit über die Wölfe hierzulande entzündet sich an dem Raum, den man ihnen bereit ist zuzugestehen, und endet in der Vernachlässigung der Frage, in wie weit Wölfe, als nichtmenschlichen Tiere und nicht allein als „Art“, in ihrem grundsätzlichen Lebensrecht von einer humanzentrischen Gesellschaft anerkannt werden sollten.

Der Streit um die Wahrung von Wölfen und um eine relativ freie Existenz von Wölfen und ihren Rudeln, stellt sich in Regionen wo diese kontinuierlich lebten, wie im Norden der USA beispielsweise, sowie hier, wo Wölfe komplett vertrieben und zu Tode gejagt wurden, in ganz gleicher Weise. Die Mechanismen, denen Wölfe durch menschlich-gesellschaftliche Konstrukte ausgesetzt sind, sind die gleichen zoozidalen Bedrohungen, die andere nichtmenschliche Tiere in unterschiedlicher Ausprägung anbetreffen.

Wölfe und ihre menschlichen Bewunderer und Freunde

Es wäre platt zu sagen, der Wolf repräsentiert für so einige Menschen ein Ideal „männlicher Freiheitsvorstellungen mit Rudel- und Raubtierhierarchie“, wenn aber doch genau diese Art der Symbolik den Wölfen wie ein Fluch menschlich fehlverstandenen Wohlwollens, zweifelhafter Bewunderung und menschlicher Wünsche nach Verbrüderung anhaftet. Wären die Wölfe wirklich in solch einer (wenn auch fragwürdigen) Kategorie mehr aber als ein bloßes speziesistisches Symbol im Walhalla menschlich-narzisstischer Selbstbespiegelungen im ‚tierlichen Gegenüber‘, dann würde eine uns bekannte „männliche“ Solidarität von all den wolfs-affinen Menschen gewiss zum vollsten brüderlichen Einsatz kommen. Doch wer schützt Wölfe? Naturschutzgruppen, Biologen, die an der Arterhaltung interessiert sind, Tierschützer und Tierrechtler, die gegenwärtig leider noch eine Minderheit in der Gesellschaft ausmachen. Die Gründe warum diese Menschen Wölfe schützen möchten, sind aber auch plural.

Viele Leute haben aber doch ein ganz großes „Herz für Tiere“? Interessant ist die Frage: wo in der Geschichte vom wildlebenden- und von dem vom Menschen schließlich gejagten Wolf, bis zum Wolfsnachfahren des „domestizierten“ beim Menschen lebenden Hundes, haben wir eigentlich einen Schnitt gemacht, zwischen dem was wir unter „hündisch“ und dem was wir unter „wölfisch“ verstehen? Um diesen Wendepunkt auszuloten ist es eigentlich egal, wie genau die biologischen Verwandtschaftsgrade dieser Tiergruppen verlaufen sind. Wir ordnen sie zumindest in gegenseitiger Nachbarschaft an und gehen gemeinläufig von einer Verwandtschaft aus. Die einen haben wir in unserer engen Lebensgemeinschaft mit ihnen gedemütigt, indem wir uns zu ihrem sozialen Lebensmittelpunkt erklärten, die anderen peinigen wir im unfreiwilligen Kontakt mit unserer „Zivilisation“ und dem Raub ihrer „Wildnis“.

Den Fuchs, als zu den Hundeartigen (Canidae) gehörend, trifft, ähnlich wie den Wolf, eine speziell geartete Härte menschengemachter Ausgrenzung aus jeglichem Lebensraum und grundsätzliche Einschränkung von Freiheit und Autonomie. Er ist kleiner, wird somit nicht als „bedrohliches Raubtier“ wahrgenommen. Ihn zu jagen wird als Sport und als ein jägerisches Muss vehement legitimiert und propagiert. Weder dem größeren Wolf  (insbesondere wohl weil er sich auffallender im Rudel bewegt) noch dem Fuchs wird Lebensraum zugestanden ohne den Tribut menschlicher Kontrolle und willkürlicher, speziesistisch legitimierter Tötung.

Auf welcher Grundlage versuchen Menschen die Raubtiere des Waldes immer wieder in die Kategorie „vogelfrei“ zu drängen?

Eine tradierte Art geistiger Brandstiftung gegen die Raubtiere „unserer“ Wälder ist prominent in einigen klassischen Kindermärchen zu finden. Warum gerade Märchen und Fabeln so viel an Verunglimpfung von Wolf und Fuchs zuließen, lässt sich nicht logischermaßen erschließen, außer man zieht die Begründung eines alten und kulturell tief-verwurzelten Speziesismus heran. Immerhin, auch greise Frauen wurden in Märchen gerne in regelmäßiger Wiederkehr als „böse Hexen“ verunglimpft. Insofern muss man wissen, dass die Symbolik in Märchen trotz aller Harmlosigkeit mit der Vorsicht kritischer Vernunft zu beurteilen ist. Die Klischees, die sich hinter Metaphern von „gut“ und „böse“ in den klassischen Kindermärchen finden lassen, haben eine stereotypisierende Wirkung, deren Wurzeln sich auf Dichotomien moralischer Sündenbockfunktionen zurückführen lassen könnten.

Die Rollen, die „der Wolf“ in „Rotkäppchen“ oder in „der Wolf und die sieben Geißlein“ einnimmt, gleichen der eines bösen paedo-nekrophilen Mannes, und haben mit dem Charakter eines Nichtmenschen nicht mal im abstrakten Sinne etwas gemein.

Der Jäger und das anthropomorphe „Gute“ rettet die Opfer vor dem Wolf. Ein grausamer Tod sei das, was der „böse Wolf“ verdient, und so absurd die Leserin die Diskussion über den Bezug zum Märchen jetzt auch finden mag, das Argument zum ethisch-relevanten Ausschluss von Wölfen, baut auf nicht mehr und weniger als der gleichen Absurdität der Rolle des Wolfes auf, wie der in den Märchen. Schauen wir uns gängige Argumente gegen Wölfe in der allgemeinen Diskussion an. Wölfe sollen „nicht hier sein“ oder wenn, nur um gepeinigt oder gejagt zu werden, weil:

Die typischen Argumente aus einem Jagdforum

Meines Erachtens nach kann und wird es mit Wölfen mehr und mehr Probleme in Deutschland geben!

  1. Die BRD ist viel zu dicht besiedelt als dass noch Platz für solch ein Rauptier hier ist!
  2. Mehr und mehr Verluste bei WeideTieren Nutztiere da die natürliche Nahrung irgendwann weniger wird!
  3. Zu viele Erholungssuchende, Spaziergänger, Reiter, Jogger und geocatcher in allen Winkeln der Wälder und Fluren!
  4. Garantierte Angriffe auf Menschen! Siehe 1945-48!

Für den Wolf spricht er war vor vielen Jahren hier mal heimisch genau wie Wisent, Elch und Bär sonnst nicht viel!

  1. Wildbret ist zu kostbar, um es an den Wolf zu verfüttern!

Im Gegenteil ich bin sogar der Meinung/Überzeugung das der Wolf in geringen maßen hier einen Platz hat aber nur wenn er entsprechend bewirtschaftet wird!

Sprich in der Lausitz wo wirklich genug Platz für ein Rudel ist gerne aber genau so sollten Abschlüsse alter kranker und überzähliger Tiere erfolgen wie bei Reh und Schwarzwild! Sowie eine Ausbreitung in die Bevölkerungsreichen Gebiete verhindert werden sollte!

Die Frage ist aus meiner Sicht nicht ob, sondern wie und wieviel….

Mein Standpunkt ist: Wir brauchen in Deuschland keine Illusion einer unberührten Wildlandschaft, da wir das nicht mehr haben. Deshalb erübrigt sich die Einbürgerung von Großprädatoren über ganz Deutschland.

Einige sind erst zufrieden, wenn mit dieser Einbürgerung die letzte Bastion der nicht gesteuerten Fleischversorgung in größerer Menge über unabhängige hartnäckige Freilandhalter entfällt und die zentralisierte Bevölkerungsversorgung garantiert ist. Dann sind wir angreifbar und steuerbar.

Und wer das noch nicht kapiert hat, dem ist nicht zu helfen.

Wie soll das Weidevieh vor solch Mengen geplanter Wölfe geschützt werden?

Technisch nicht machbar.

https://jagderleben.landlive.de/boards/thread/65613/page/1/ (10.01.2019)

Aus Sicht der Seite des Naturschutzes ist „der Wolf“ schützenswert aber verplanbar:

Wo können Wölfe leben?

Wölfe benötigen keine Wildnis. Als anpassungsfähige Tierart können Wölfe in sehr vielen Landschaften leben, solange diese ausreichend Beutetiere und Rückzugsmöglichkeiten für die Jungenaufzucht bieten und der Mensch sie leben lässt. Auf Deutschland bezogen bedeutet dies, dass es in nahezu jedem Bundesland geeignete Wolfsregionen gibt.

Wo in Deutschland leben Wölfe dauerhaft?

Die dauerhaft mit Wolfsrudeln und Paaren besiedelten Bundesländer sind Brandenburg (24), Mecklenburg-Vorpommern (4), Niedersachsen (11), Sachsen (18) und Sachsen-Anhalt (11). In Bayern sind zwei Paare und in Thüringen ein residentes Einzeltier bekannt (Stand April 2017).

Was bedeutet „Entnahme“ und wann darf ein Wolf getötet werden?

Die Entnahme schließt das Fangen aber auch das Töten einzelner Tiere ein. Wenn eine Genehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde des entsprechenden Bundeslandes vorliegt, kann die Entnahme in Einzelfällen durch fachkundige Personen angeordnet werden.

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/15812.html (10.01.2019)

In der Internetdemokratie ist „der Wolf“ eine Frage der Abstimmung:

Ich habe mir die Kommentare durchgelesen, warum diese fragwürdige Petition unterschrieben wird. Dort wird erzählt, dass hohe Zäune und Herdenschutzhunde das “Problem” Wolf nicht löst. DAS STIMMT NICHT!! Gerade Herdenschutzhunde werden erfolgreich seit jahrzehnten gegen Wölfe und sogar Bären eingesetzt! Auch wird behauptet, dass es in den Karpaten zu Übergriffe durch Wölfe auf Menschen kam. Das ist gelogen, es gab NIE Übergriffe in Deutschland und Rumänien von Wölfe auf Menschen. Das hier ist nur ein Teil, was Wolfsgegner an Lügen über die Wölfe verbreiten. Quelle: Bayerisches Landesamt für Umwelt

Dieser Eintrag erhielt 8 „Gegenargumente“. Die Fronten sind verhärtet.

https://www.openpetition.de/petition/argumente/bekenntnis-gegen-den-wolf (10.01.2019)

Lupus ad vos!

Und so lässt sich das Thema nicht diskutieren, sondern es lässt sich nur darüber streiten. Wir haben es auf der einen Seite mit negativen Mythen rund um den Wolf zu tun, die geschürt werden, auf der anderen Seite mit abstrakter Verplanung von Lebewesen auch wenn „gut gemeint“ – die Biologie kennt das Individuum nicht und die sog. „Herausnahme“ von Wölfen ist ethisch aus Tierrechtssicht nicht haltbar – und schließlich haben wir es mit Fragen eines Volksentscheids über die Erwünschtheit oder Unerwünschtheit von einer Gruppe nichtmenschlicher Tiere zu tun.

Die Thematik und die Problematik der Wölfe gehört in die allgemeine Tierrechtsdiskussion. Sie ist kein Randgebiet der Tierrechte. Wölfe sind, wie alle anderen nichtmenschlichen Tiere in fundamentaler Weise vom Speziesismus betroffen. Dies sollte bei unserer Thematisierung ihrer Problematik nicht unter anderen dominierenderen Argumentationssträngen untergehen. Wölfe sind ökopolitisch betrachtet die Opfer der Problematik, dass der Naturraum vom Menschen beherrscht wird und dass die nichtmenschlichen Tiere wie ein „Bestand“ (und wenn sie genutzt werden, wie eine „Ressource“) verplant und gemanagt werden.

Die Annahme, dies sei in Hinsicht auf das Selbstinteresse nichtmenschlicher Tiere wenig relevant, ist in sich selbst speziesistisch. Aus Tierrechtssicht gehe ich davon aus, dass alle nichtmenschlichen Tiere freiheitsfähig und nach eigener Autonomie strebend sind, innerhalb ihrer ökosozial eingebetteten gelebten Kulturräume. Nichtmenschen leben ebenso in sozialen und ökologischen Kontexten, und die Bedeutung ihres Daseins für sie selbst und für uns als ihre Mitlebewesen ist prioritär relevant im Sinne gemeinschaftlicher und gemeinsamer Erfahrungen dessen, was gemeinläufig als ethische Faktizitätsebene bezeichnet werden kann.

G. Yegane, Gruppe Messel

Fische und Tierrechte

Fische und Tierrechte

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Die Einstellung zu Fischen weist ganz besonders die Spezifika des Speziesismus auf, die erkennen lassen, dass sich der Speziesismus ganz überwiegend manifestiert in der Einstellung zu tierlichen Lebewesen als Nahrungsmittelobjekten.

Das heißt:

  • Nichtmenschliche (nm-) Tiere werden auf die Ebene eines Lebensmittels reduziert und kulturell in dieser Form einbezogen, in vom Menschen geprägte Lebensstrukturen, die die Nichtmenschen und deren Ökosoziologien gewaltsam dominieren und mit ihren Konstrukten von ‚Deutungshoheit‘ als menschliches Kollektiv beherrschen.
  • Wir können beobachten, dass Fische – und man muss hinzufügen auch andere in Gewässern Lebende nm-Tiere die keine Säugetiere sind – ganz besonders dieser reduzierenden Sichtweise ausgesetzt sind. Beispielsweise wird dies in der westlichen umgangsförmlichen Unterscheidung zwischen „Fisch“ und „Fleisch“ im Volksmunde erkennbar, die sich als Ausdruck dessen verstehen lässt, dass Fische zu essen seltener noch als der sonstige ‚Verzehr‘ nichtmenschlicher Tiere als ethisch problematisch dargestellt wurde. Die primäre Einordnung und Betrachtung von Fischen in unseren Gesellschaften ist immer wieder die eines (potenziellen) Lebensmittels und damit einhergehend die eines Lebewesens, dass quasi einer „Welt für sich“ zugeordnet wird, einer Welt, die mit „unserer subjektiv erlebten Welt als belebten Bewegungsraum“ sehr wenig gemein habe. Das Element der Tiere ist das Wasser, das des Menschen, das Land.
  • Folgende Haltung geht wahrscheinlich allen anderen Formen der Speziesismen, die auf Fische angewendet werden, voraus: „Was für uns ein ‚Lebensmittel‘ ist, mit dem können wir auch alles Weitere machen was unserem Gutdünken, unserem Nutzen und unserer Lust und Laune entspricht“.

Die Tierrechtsbewegung selbst hat höchst problematische Unterscheidungen unter Tieren getroffen

Als nächstes kommt die Problematik im Bezug auf Fische zu tragen, die sogar aus der Tierrechtsbewegung selbst mit herrührt. Bekannte Tierrechtsautoren haben eine seinshierarchische Sichtweise auf die Tierheit immer wieder argumentativ mit getragen und somit das Paradigma der Ähnlichkeit und Nähe zum Menschsein als Argumentationsebene „für“ Tierrechte eingesetzt. Man hat somit fortwährend die gleiche Denkweise übernommen, die durch die hierarchisierenden taxonomischen Zuordnungen der Lebewesen bereits durch die entsprechenden naturwissenschaftlichen Disziplinen festgelegt wurden. Und da sich die wissenschaftlichen Sichtweisen in Hinsicht auf Nichtmenschen mit den Speziesismen aller anderen menschlich-gesellschaftlichen Belange (wie dem religiösen und dem philosophischen Speziesismus zum Beispiel) decken, fiel dieser subtilere Speziesismus in der Tierrechtsdiskussion bei der Unterscheidung der Interessen von Säugetieren im vermeintlichen Unterschied zu anderen Tiergruppen nicht weiter als fragwürdig und arrogant auf. Säugetiere seien entwickelter als Vertebraten die keine Säugetiere sind, usw. und „entwickelter“ heißt dabei, wir ziehen sie in die Gemeinschaft des Menschen als dem-Menschen-ähnlicher als andere Tiere, welche wir somit getrost weiter objektifizieren können. Bekannte Tierrechtprojekte haben sich auf Sortierungen von tierlichen Lebewesen selbst eingelassen, so wurden im Namen der Tierrechte weiterhin künstliche und unnotwendige Unterscheidungen getroffen, die sich immer noch am Homo sapiens als Idealkriterium und dem Maße aller Dinge ausrichten.

Im Kontrast allerdings gibt es auch Herangehensweisen und Argumentationen für Tierrechte und Tierbefreiung die gerade in einer kritischen Haltung betonen, dass die Ähnlichkeit zum Menschen nicht der Maßstab sein darf, dass hingegen der Eigenwert und die Besonderheit eines nichtmenschlichen Tieres entscheidender Faktor zur Berücksichtigung dessen Interessen sein muss. Auch die ethische Praxis in der veganen Bewegung lässt sich nicht mehr auf die verkrusteten Vorstellung von höheren und niedrigeren oder vermeintlich weniger komplexeren Tierlebewesen ein. Wir finden in der Landschaft der Tierrechtsbewegung aber immer wieder diesen einen Scheidepunkt zwischen Humanzentrik und Zoozentrik, bei dem zwischen „komplexeren“ und „weniger komplexen“ Tieren in wertender Weise unterschieden wird, Lebensrechte daraus abgeleitet werden, und die Komplexität, die sich unseren Wertungskriterien entziehen mag, nicht als unbekannte Variable mit einkalkuliert wird.

Kulturanthropologisch sollten wir uns fragen, warum gerade das „Fische essen“ in der Menschheit eine beinahe „geheiligte“ Aktion, wie im Christentum beispielsweise, dargestellt hat, warum man bei allerhand Lebewesen aus dem Meer auch überhaupt von „Meeresfrüchten“ spricht, warum das Meer und das Leben im Meer aus seinen beherbergten Lebewesen etwas dem Menschen so „nützliches“ ohne der Herausforderung jeglichen schlechten Gewissens bei Verletzung dieses Lebens darstellen soll? Woher rühren solche Vorstellungen und Assoziationen?

Interessanterweise finden wir die Vorstellung, der Gebrauch von tierlichen Produkten sei etwas „reines“ und quasi „rituell heilsames“, dem besondere Heilsamkeitsattribute zugesprochen werden, aber auch bei Insektenprodukten wie Honig, Seide oder bei Vögeln deren Eier, Vorstellungen von Blut, einzelnen Organen, Hormonen, Drüsenabsonderungen als etwas dem Menschen als pflegend-heilsam beschiedenes. Eine ganze Landschaft speziesistisch-grausamer Praktiken und ihrer damit verbundenen menschlichen Selbstfürsorgeerwartungen lässt sich als kulturanthropologisches Mapping erfassen.

In Kunst- und Kulturräumen, als Ausdruck menschlicher Selbstverständnisse, sehen wir in gleicher Weise tragische „interessante“ Speziesismen in ihrer besonderen Bezogenheit auf die menschliche Wahrnehmung und Objektifizierung von Fischen, bis hin zur Innendekoration der Räume einiger Menschen, in der der Aquaristik als Hobby und in Zoos mit ihren Aquarien – Fischgefängnisse als menschliche subjektive Erlebnisorte ästhetisierter physischer Reduktion und Beraubung von Tierfreiheit.

Der Fisch, ganz grundsätzlich, gilt dadurch, dass er in der Sphäre des Wassers lebt anscheinen ganz besonders als objektifizierbar, ohne dass man eine Hinterfragung der Objektifizierung befürchten müsse. Es wird sich darauf berufen, dass das „Fische essen“ ja seit aller Ewigkeit in der Menschheitsgeschichte seinen festen ethisch völlig integren Platz gehabt habe. Aber war dieser Platz ethisch wirklich immer gänzlich unhinterfragt? Wenn wir uns die Geschichte des Vegetarismus anschauen, sehen wir, dass Fische genauso in die gleiche ethische Rubrik eingeordnet wurden, wie andere Tiere, welche eben als tierliche Subjekte nicht essbar und einverleibbar sind. Der Vegetarismus, hat keine mysteriöse Unterscheidung zwischen „Fisch und Fleisch“ getroffen.

Der Veganismus und der Vegetarismus unterscheiden sich in ihrer ethisch-praktischen Haltung im Bezug auf Fische und die meisten anderen im Wasser lebenden nm-Tiere nicht – eine Ausnahme bilden die Schwämme, die im Veganismus aber auch in ihrer natürlichen Integrität geachtet werden, denn sie gelten als Tiere und der Veganismus schließt kategorisch alle intentionierte Nutzung von Tierorganismen aus.

Die Haltung Fische seien etwas anderes in ihrem Status als andere Tiere denen Menschen objektifizierend begegnen, hat im Bezug auf die Geschichte des Vegetarismus niemals gestimmt. Die Verharmlosung der Fische-Esserei stammt allein aus dem gleichen speziesistischen Denken, aus dem auch jeder andere ‚Verzehr‘ von Tieren her rührt, nur dass die Speziesismen im Bezug auf Fische ihre ganz eigentümlichen Besonderheiten aufweisen.

Fürsrpecher_in sein für Fische und Tierrechte

Allein andere überzeugen zu wollen mit der ethischen Unhaltbarkeit des Verzehrs von Fischen (und anderen im Wasser lebenden Tieren) auf einer Grundlage der aus den Naturwissenschaften gewonnenen neusten Erkenntnissen, hilft bedingt, denn hier muss zuerst wieder ein nach biologischen Kriterien gültiger Beweis erbracht worden sein auf den ich mich beziehe. Bei dieser Art der Beweisführung wird der Nichtmensch aber kategorisch objektifiziert. Die qualitative Forschung setzt in der Biologie auch immer die Objektifizierung als Instrument zur Annäherung an den Untersuchungsgegenstand voraus ober schließt sie zumindest mit ein.

Im Bezug auf Menschen haben solche Beweisführgen in den emanzipatorischen Bewegungen gegen Unterdrückung und unterdrückerische Systeme niemals eine tragende Rolle gespielt. Frauen hätten kaum widerlegen müssen, dass sie allein biologischerweise erwiesenermaßen „gleichwertig“ oder „nicht minderwertig“ oder „minder fähig“ sind als Männer, das gleich gilt für Menschen mit Behinderung oder für Menschen die aufgrund ethnischer Verschiedenheiten ausgeschlossen wurden von dominanten unterdrückerischen Gruppen von Menschen.

Nichtmenschen nun immer wieder primär ins biologisch Erklärbare und in die biologischen speziesistischen Deutungshoheitsgebiete zu rücken, um sie stückchenweise als dem „Homo sapiens“ in einem oder dem anderen Aspekt ähnlich zu beschreiben, ist noch kein emanzipatorisches Tierrechtsdenken. Denn wieder wird der Maßstab am Menschsein gesetzt, wieder wird die Besonderheit, das Einmaligsein des Nichtmenschen nicht in den zentralen Fokus ethischer Relevanz und Bedeutsamkeit gerückt.

Leider lehnen sich auch die meisten Tierrechtskampagnen noch an die Vergleichsebene der Ähnlichkeit zum Menschen in biologischer Sichtweise als Kriterium an. Es geht aber in Wirklichkeit darum Argumentationsebenen herauszuarbeiten, die die Nichtmenschen wegen ihrer selbst rehabilitieren statt im Vergleich zum Menschen, als Individuen und Gruppen die vor menschlicher Destruktivität geschützt werden müssen durch ethische Übereinkünfte und juristische Rechte. Dazu müssen Nichtmenschen nicht wie Menschen sein. Aller aktivistischer Einsatz sollte den Knackpunkt, an dem die geistig-epistemologische Ebene der Unterdrückung stattfindet, aushebeln, denn sonst bleibt die im Hintergrund wirkende Psychologie des Speziesismus im gesellschaftlichen Selbstverständnis unhinterfragt, unkritisiert und weiterhin wirksam. Es muss möglich sein, den anderen in seiner Besonderheit und auch Verschiedenheit zu erkennen, anzuerkennen, und in dieser Besonderheit, in seiner Einmaligkeit also, zu achten und zu schützen.

Wenn wir über Fische und Tierrechte reden, sollten wir folgende Eckpunkte mit einbeziehen:

  • Fischkonsum: Der Veganismus bietet die Alternativlösungen zum Fischkonsum, im Rahmen ethisch-veganer Diskussionen findet man relevante Berichte, Dokumentationen und Informationen über die Fischindustrien und den Fischkonsum als solchen. In der veganen Bewegung treffen wir praktische Vorstellungen und Reflexionen darüber an, wie Menschen sich vom Fischkonsum in ihrer Lebenspraxis unabhängig machen können, d.h. auch aus gewohnten kulturellen, gesellschaftlich tradierten Praktiken im Alleingang aussteigen zu können.
  • Die Fischerei in all ihren Formen: Die Fischerei sollte nicht allein als ökologisch-nicht-nachhaltig oder in Hinsicht auf die ‚Möglichkeiten unbegrenzter oder hingegen eingeschränkter Ausbeutung durch den Menschen‘ diskutiert werden. Die Fischerei als System und althergebrachte Praxis im kleinen wie im industriellen Maße ist eine Verletzung der Lebensrechte der Fische und der im Wasser lebenden Lebewesen. Es geht um den grundsätzlichen Fehler im menschlichen Denken, dass andere Lebewesen „Lebensmittel“ und „Nutzware“ sein könnten, und dass das Leben anderer Tierarten dem Eigeninteresse der Menschheit unterzuordnen wäre. Diese Haltung ist eine Kampfansage an jegliche pazifistische ethische Vernunft – außer man würde in humanzentrischer Weise den Pazifismus (oder eine „Liebe zum Frieden“) allein als ein im menschlich-sozialen Bereich relevanten Aspekt des Zusammenseins betrachten; eine Haltung der leicht widersprochen werden kann.
  • Angeln: Wird als Freizeitsport betrieben, wird stark romantisiert, ist gleich einen Initiationsritual des humanzentrischen Menschseins.
  • Aquaristik: die private Gefangenschaft, die in der Regel niemals nötig ist und bei der das Leben und der Lebenskontext der im Wasser lebenden Tiere den Wünschen und Privatbedürfnissen von Menschen untergeordnet wird, ohne dabei über die Situation der betroffenen Tiere nachzudenken. Das Lebensziel, die ganze Lebensdimension soll mit ihren Lebensraum minimalst in die eines Menschen verschachtelt werden. Der Mensch nimmt eine omnipotente Rolle ein, die Wasserlebewesen sind völlig abhängig von ihm um zu überleben und sie sind vollständig die Opfer seiner Entscheidung sie gefangen zu halten.
  • Fische und ihre Ökosysteme: Fische gehören in ihre Ökosysteme, dort sind sie zu schützen und nur dort können sie ihren eigenen Lebenszielen (gleich ob diese uns unbekannt sind) nachgehen. Ökosysteme sind nicht unser Besitz, Ökosysteme haben ihre ganz eigene Bedeutung und Relevanz für diejenigen Tiere, die anders leben als Menschen (wenn wir in die Gruppe der Tiere mit einordnen), und sind als solche zu verteidigen und zu schützen.
  • Fische sind Mitlebewesen: Fische spielen in unserem Leben eine Rolle, in dem Leben anderer Tiere, und wir und die anderen Tiere und anderen Lebewesen … spielen in dem Leben der Fische eine Rolle. Es gilt diese Interaktionsebene pazifistisch, respektvoll und fundamental-pluralistisch als Lebensgemeinschaft anzuerkennen und zu fördern.
  • Wasserökologie und Wasserverunreinigung in ihrer Auswirkung auf Fische: Wasser ist das Element der Fische und ihrer Ökologien. Wasser ist niemals einfach unsere „Ressource“, sondern ist Erdelement und Lebensraum der Tiere und Pflanzen im Wasser. Wiederum geht es darum, die Welt in ihren Schwerpunkten für andere Lebewesen zu sehen und somit das Thema Wasser nicht einfach als „Ressourcenfrage“ zu diskutieren, sondern als Lebenselement der Fische und der anderen Lebewesen im Wasser. Alle Lebewesen sind abhängig von der Wasserökologie. Nichtmenschen und die Natur bilden einmalige Kulturräume, die wir als solche anerkennen müssen, um unsere humanzentrische und verheerende Destruktions- und Thanatopolitik in Hinsicht auf die Tierheit, auf Zōon (ζῷον) aufzugeben.

G. Yegane, Gruppe Messel

Links auf unserer Seite zu Fischen und im Wasser lebende Tiere:

Der Tierrechtansatz in unseren gefeatureten Texte impliziert alle Tiere und schließt Fische und andere im Wasser lebende Tiere somit immer mit ein.

 

Zoos und Antispeziesismus

Zoos und Antispeziesismus

Gita Yegane Arani (Gruppe Messel), Fotografien: Jan Brüning

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Im Sinne dieser nichtmenschlichen Tierfreunde, deren eigene Namen ich nicht kenne (…), die der Fotograf und Dipl. Soziologe Jan Brüning 1984 im Opel Zoo fotografierte, und im Sinne aller Nichtmenschen, lasst uns das Thema Zoos und Speziesismus verstärkt kritisch in den gesellschaftlichen Diskurs und nachthaltiger, und mit stärkerer Publizität in den allgemeinen veganen Diskurs einbringen! Und auf individueller Ebene: wenn Ihr vegan seid, dann betont ruhig insistent warum genau ihr Zoobesuche ablehnt und für den Schutz der Lebensräume in der naturgegebenen Freiheit seid. [1]

Zoos sind artifizielle Lebensräume in denen das Konzept des Lebensraumes selbst einen vollständig durchverwalteten Prozess darstellt. Das Leben der per Zwang bewohnenden nm-Tiere wird in allen Bereichen durchgeplant und ist für die Menschen ständig kontrollierbar und einsehbar. Der Gedanke des Zoos ist unumgänglich damit verbunden, dass das Leben von nm-Tieren ein über biologisch erklärbare Vorgänge organisierbares und fremdbestimmbares Leben zu sein habe. Die tierliche Autonomie wird den Nichtmenschen kategorisch abgesprochen und es wird auf minimaler Ebene vorgegeben, dass ausreichend Freiräume in der Gefangenschaft gewährleistet seien; Freiräume wiederum, die sich an biologistisch gedachte Determinismen angliedern lassen.

Aber die Würde bleibt auch dem, dem man sie vermeintlich nimmt – und ich glaube, das ist auch ein Grund weshalb Menschen immer wieder in Zoos gehen, so paradox dies klingen mag und so wenig das den Zoobesuch entschuldigt. Menschlicher Voyeurismus im Bezug auf die „Beobachtungslust“ von nm-Tieren ist eine allgemein gesellschaftlich als normal und richtig anerkannte „Neugier“ und eine Art „Lust“ an der vor allem visuellen Interaktion mit nm-Tieren in Gefangenschaft. Was der Mensch hier aber faktisch sieht sind würdevolle, trotz aller Widrigkeit integre, in problematischen bis hin zu grauenvollen Rahmenbedingungen untergebrachte Tierindividuen in Gefangenschaft, die den menschlichen Blicken und Kommentaren und Gebaren ausgeliefert sind. Das würdelose ist der Mensch in diesem Falle und der Rahmen, in denen er/sie die nm-Tiere zwängt.

Über verschiedene Fernsehsendungen wird eine vorgegebene Possierlichkeit der Lebenssituation für nm-Tiere in den Zoos gegenwärtig immer wieder propagiert. Was vermittelt uns solch eine heile-Welt-Aussicht auf die Zoos, warum haben wir Menschen ein Bedürfnis dort eine fiktive vorwiegend heile Welt in der Interaktion zwischen Mensch und nm-Tier zu betrachten?

Wenn ich in den Zoo gehen würde – ich tat dies zuletzt um Diskriminierungsmomente im Kontext Zoo gegenüber Wollschweinen schriftlich zu dokumentieren vor über zehn Jahren – so habe ich unmittelbar eine Form der Beziehung zu den Nichtmenschen, denen ich dort in Gefangenschaft begegne. Jeder von uns hat oder hätte das. Was mache ich aber mit dieser Begegnung, wie ordnen Menschen die Situation Zoo für die Nichtmenschen und sich selber ein?

Zoos sind keine statischen Institutionen, die ihr objektifizierendes Bild, das sie über Nichtmenschen vermitteln, in jeder Weise so aufrecht erhalten könnten. Längst wissen die meisten Menschen, dass die Menagerie ein voyeuristisches Gefängnis ist und dass sie selbst sich wie speziesistische Sadisten verhalten, indem die diese „Normalität“ als solche fortsetzen.

Das echte Problem ist nicht dass Menschen keinen Bezug zu nm-Tieren haben könnten, der in konstruktive Bahnen geleitet werden kann, durch die in der Mensch-Tier-Begegnung entstehende Synergie – man denke dabei an die endlos vielen Tiervideos in den sozialen Netzwerken die höchste Popularität genießen, wenn sie „tierlieb“ und „tierpositiv“ sind. Das grundlegende Problem ist der Analphabetismus über Speziesismus sowie Antispeziesismus respektive, der in der Gesellschaft eklatant vorherrscht. Und an diesem Problem können wir als Tierrechtler_innen was ändern.

Es gibt natürlich die extrem-speziesistischen Menschen, die meinen, was geht mich das an, ich konsumiere, ich arbeite, ich tue was für den (vermeintlichen) „Fortschritt“. Genau das sind aber die Leute, auf deren Einstellungen ein Großteil der gesamten gegenwärtigen Ökodestruktivität zurückzuführen ist. Menschen die meinen, die Erde sei da um ihren Wünschen und Zwecken zu dienen, die das Leben anderer zu instrumentalisieren suchen durch ihre Art „Fortschrittsgedanken“, die im Prinzip nichts anderes wollen als sich die Welt konstant untertan zu machen.

Der englische Philosoph Bertrand Russell beobachtete zur Funktionsweise menschlicher Hybris treffend folgenden Zyklus vom Privatmenschen bis zu einem fragwürdigen kollektivistischen Menschheitsgedanken, der alles außer sich in die Nutzbarkeit einer Marginalitätsrolle abrückt:

‚Höflichkeit ist die Praxis, den Teil einer Überzeugung eines Mannes zu respektieren, der sich besonders mit dessen eigenen Vorzügen und denen seiner Gruppe befasst. Jeder Mann ist, wo immer er geht, von einer Wolke beruhigender Überzeugungen eingehüllt, die sich mit ihm wie Fliegen an einem Sommertag bewegen. Einige dieser Überzeugungen beziehen sich auf sein Persönliches: sie bestätigen ihm seine Tugenden und Vorteilhaftigkeiten, die Zuneigung seiner Freunde und den Respekt seiner Bekannten, die rosigen Aussichten seiner Karriere und seine unbeeinträchtigbare Energie trotz seines delikaten Gesundheitszustandes. Als nächstes kommen seine Überzeugungen bezüglich der überlegenen Exzellenz seiner Familie; wie sein Vater die unbeugsame Standhaftigkeit hatte, die heute so selten ist; und seine Kinder mit einer Strenge erzogen hat die man kaum noch unter modernen Eltern findet; wie seine Söhne in den schulischen Sportwettkämpfen vor allen anderen liegen, und seine Tochter ist nicht die Art von Mädchen die eine unkluge Ehe eingehen würde. Dann kommen die Überzeugungen über seine Klasse, die nach seiner Beurteilung sozial die beste ist, oder die intelligenteste, oder die sich moralisch verdienendste all der Klassen in der Gemeinschaft – obwohl darüber eine Einigkeit unter Allen besteht, dass der Erste dieser Vorzüge wünschenswerter ist als der Zweite, und der Zweite mehr als der Dritte. Bezüglich seiner Nation erhält sich jeder Mann bequeme Illusionen, ‚Fremde Nationen, es tut mir leid das zu sagen, geht es so wie es ihnen halt geht.’ So sagte Mr Podsnad, mit diesen Worten einer der tiefsten Gefühle des menschlichen Herzens Ausdruck gebend. Schließlich kommen wir zu den Theorien, die die Menschheit generell lobpreisen, entweder absolut oder im Vergleich zur ‚vernunftslosen, tierischen Schöpfung’. Menschen haben Seelen, aber Tiere haben es nicht; der Mensch ist das ‚rationale Tier’; jede besonders grausame oder unnatürliche Handlung wird als ‚brutal’* oder ‚bestialisch’ bezeichnet (obgleich solche Handlungen tatsächlich unverwechselbar menschlich sind) (1); Gott hat den Menschen nach Seinem eigenen Ebenbild erschaffen, und das Wohlergehen der Menschen ist der letztendliche Zweck des Universums.’ [2]

Aber auf diesen „Menschenschlag“ wollen wir nicht hören, sondern uns auf diejenigen Leute konzentrieren, die offen sind für eine konstruktive soziale und ökosoziale Beziehung zu nm-Tierkulturen und der gesamten natürlichen Gemeinschaft.

Gute Materialien und Ansätze zum Thema Zoos und Antispeziesismus, die wir nutzen können um weltfreundliche Menschen von ihrem ethischen Analphabetismus im Bereich Antispeziesismus wegzubekommen sind meiner gegenwärtigen Meinung und Wissens nach beispielsweise folgende – wobei es natürlich weitaus mehr gibt. Leider sind insbesondere die Texte von Ralph Acampora, der wirklich ein Experte in Sachen Zookritik aus Tierrechtssicht ist, bislang nicht ins Deutsche übersetzt.

Zoos und Intersektionalität:

Zoos waren anfänglich Repräsentativprojekte herrschender Imperien, in denen man Menschen und Tiere zusammen ausstellte. Weiterhin sind Zoos ein Zeugnis der ultimativen menschlichen Hybris, indem dort postuliert wird, man könne Ökosysteme künstlich nachspielen – eine Afrikanische Savanne in Philadelphia! Ein arktisches Meer in Florida! – und gefährdete Tierarten dadurch „retten“, indem man sie nicht in ihre Habitate zurückführt, sondern deren Reproduktion kontrolliert. Aus pattrice jones: Intersektionalität und Tiere; http://simorgh.de/about/pattrice-jones-intersektionalitaet-und-tiere/ , Stand 21.11.2018.

Moving Forward: So where do we go from here, knowing that racial and animal oppression are deeply entangled? We continue to take anti-speciesist stances ourselves. Speciesism occurs when humans are viewed as the superior species, which leads to the exploitation of animals. And so, in response to speciesism, we choose to live vegan lifestyles, through the food we eat, the clothes we wear, the skincare products we use, and our work to end factory farming, circuses, zoos and more. We use whatever resources we have to make a change, http://www.farmsanctuary.org/wp-content/uploads/2016/10/AA_VeganStarterGuide_WebVersion.pdf , Stand 21.11.2018.

Mehr Vegan Society Infos über Zoos

[1] Die Definition des Veganismus gemäß der Vegan Society: Veganism is a way of living which seeks to exclude, as far as is possible and practicable, all forms of exploitation of, and cruelty to, animals for food, clothing or any other purpose. Entertainment: Vegans choose not to support animal exploitation in any form and so avoid visiting zoos or aquariums, or taking part in dog or horse racing. A great alternative is visiting and supporting animal sanctuaries that provide safe and loving homes for rescued animals. https://www.vegansociety.com/go-vegan/definition-veganism , Stand 21.11.2018.

[2] RUSSELL, Bertrand, Sceptical Essays, Unwin Publishers Ltd., London, 1935, pp. 23-24. ‘Politeness is the practice of respecting that part of a man’s beliefs which is specially concerned with his own merits or those of his group. Every man, wherever he goes, is encompassed by a cloud of comforting convictions, which move with him like flies on a summer day. Some of these convictions are personal to himself: they tell him of his virtues and excellencies, the affection of his friends and the respect of his acquaintances, the rosy prospect of his career, and his unflagging energy in spite of delicate health. Next come convictions of the superior excellence of his family; how his father had that unbending rectitude which is now so rare, and brought up his children with a strictness beyond what is to be found among modern parents; how his sons are carrying all before them in school games, and his daughter is not the sort of girl to make an imprudent marriage. Then there are beliefs about his class, which according to his station, is the best socially, or the most intelligent, or the most deserving morally, of the classes in the community – though all are agreed that the first of these merits is more desirable than the second, and the second than the third. Concerning his nation, also, almost every man cherishes comfortable delusions, ‘Foreign nations, I am sorry to say, do as they do do.’ So said Mr Podsnap, giving expression, in these words, to one of the deepest sentiments of the human heart. Finally we come to the theories that exalt mankind in general, either absolutely or in comparison with the ‘brute creation’. Men have souls, though animals have not; Man is the ‘rational animal’; any peculiarly cruel or unnatural action is called ‘brutal’ or ‘bestial’ (although such actions are in fact distinctively human) (1); God made Man in His own image, and the welfare of Man is the ultimate purpose of the universe.’ (1) Compare Mark Twain’s Mysterious Stranger.

Ironie speziesistischer Ungerechtigkeit

Ironie speziesistischer Ungerechtigkeit

Unsere speziesistischen Systeme und Denkstrukturen funktionieren gleich einer Niemandsherrschaft, in der alle schuld sind, weil keiner schuld ist: Religionen, Philosophie, Naturwissenschaften … nichts produziert ursächlich Speziesismus, er scheint einfach aus dem Himmel gefallen zu sein. Es gibt einfach „böse unaufgeklärte Menschen“, bei denen die Empathie noch nicht ausreicht, und andere, die also kognitiv und emotional erleuchtet sind und die nichtmenschliche Tiere daher nun „anerkennen“. Und weiter mit der Ironie: Der willkürlich-emotionale und empathisch begründete Bezug wird sich gewiss auch in den Fundamenten von Religion, Philosophien, Naturwissenschaften niederschlagen! Wahrscheinlich sind die Nichtmenschen selbst aus dem Himmel gefallen und deren Geschichte hängt auf ganz loser Ebene mit derer der Menschheit zusammen … Die Schuldlosigkeit und somit weitreichende Verantwortungslosigkeit scheint einmalig in den Ungerechtigkeitssystemen und ist in dem Maße allein dem systemischen Speziesismus eigen.

Gruppe Messel, Tierautonomie / Animal Autonomy

Was für uns keine Nonhuman-inclusion ist, z.B. …

“Nous ne sommes pas d’accord avec vous, les majorités … “

Antispeziesist zu sein ist häufig ein reines Lippenbekenntnis; das gleiche gilt für Antirassismus, Antisexismus … Diskussionen können so weiter von denjenigen dominiert werden, die bereits über die breitesten und sichtbarsten medialen Netzwerke verfügen. Das Problem selbst hat man doch offenkundig verinnerlicht und man ist bereits vollständig informiert. Und trotzdem ist die antispeziesistische Rhetorik voll von eklatanten Speziesismen.

Gruppe Messel / Tierautonomie, Animal Autonomy

Warum müssen gerettete Nichtmenschen in Lebenshöfen eigentlich begafft und bestreichelt werden bis zum Abwinken. Warum meinen Viele es gäbe keine anderen Möglichkeiten den Nichtmenschen eine vernünftige Wertschätzung zu vermitteln? Woher stammt die Annahme, dass Nichtmenschen unbedingt von Homo sapiens gestreichelt und nicht viel lieber mit nichtmenschlichen Freunden Frieden erleben möchten?

Gruppe Messel / Tierautonomie, Animal Autonomy

 

 

Teufel besucht das Paradies

Wie könnte das „Paradies“ ein Paradies sein, wenn Menschen, die meinen sie hätten einen logischen Herrschafts- und Dominanzanspruch, die anderen Lebensformen, Daseinsformen und Lebewesen ihrer Beherrschungslogik, ihren eigenen Vorstellungen einer Ordnungssystematik manipulativ bis gewaltartig unterdrückerisch begegnen in Denken und Handeln; wenn die Ignoranz gegenüber anderem nichtmenschlichem und menschlichem Lebenssinn das Paradies besiedelt, dann? Diese Überlegungen werden dem vermeintlich „bösen“ Teufel in dieser Geschichte, die uns Farangis von Attar nacherzählt, nicht allzu abwägig erscheinen …

Teufel besucht das Paradies

Farangis G. Yegane: Eine freie Nacherzählung einer Geschichte Fariduddin Attars (ca. 1136 – 1221)

Diese Erzählung als PDF

Gott hatte das Paradies erschaffen, diesen Platz für die Menschen, wo sie sich stets am glücklichsten fühlen könnten. Der von Gott verstoßene Engel, der zum Teufel Iblis wurde, war von großer Neugier geplagt, warum ihm von Gott strengstens verboten wurde den Garten Eden, das Paradies, zu keiner Zeit zu betreten. Der Eingang wurde eifrig bewacht von einer klugen Schlange und einem Pfau von großer Schönheit.

Mit seinem Scharfsinn versuchte Iblis die beiden Paradieswächter zu überlisten, um endlich diesen geheimnisvollen Ort zu erkunden. Wie ein liebenswürdiger hübscher Engel verkleidet begrüßte er täglich die beiden Wächter, bewunderte die Schönheit des Pfaues und die Klugheit der Schlange, was die beiden Tiere sehr erfreute. Da ihr Wächterdienst oft sehr langweilig war, gefielen ihnen die lustigen Gespräche mit Iblis. Dieser konnte seine Neugier kaum bändigen, endlich einmal ins Innere des Paradieses zu gelangen, das noch nicht einmal von einem Engel besucht werden durfte. Die Schlange und der Pfau waren sehr treue Diener Gottes und hatten kein Mitleid mit dem Neugierigen.

Wieder einmal versuchte Iblis die Wächter zu erweichen. Trickreich verwickelte er nun den einen Wächter in ein Gespräch und begann mit der Schlange. Iblis und die Schlange erzählten sich gegenseitig Geschichten über die Schlauheiten und Tricksereien und jeder hielt sich für das klügste Lebewesen. Der schöne Pfau fand solche Unterhaltungen ziemlich albern, weil das Reden über Schönheit für ihn das wichtigste war. Vom vielen Sprechen fühlte er sich ermüdet und setzte sich in eine Ecke des Paradieseinganges, um etwas zu schlafen. Er fühlte sich sicher, dass die Schlange alles unter Kontrolle hatte.

Mit Raffinesse schmeichelte Iblis der Schlange, indem er ihr zutraute schlauer als Gott zu sein. Nun eröffnete er seinen Plan: Iblis könne sich ganz klein machen und die Schlange könnte sich ihr Maul ganz groß machen. Dann wird sich Iblis in ihrem Maul verstecken und – schwups – wären dann beide im Paradies. Wer will nicht schlauer sein als Gott? Also tat die Schlange was Iblis vorschlug.

Jetzt war der Teufel endlich im Paradies angekommen und stand neben Adam um Eva. Es überraschte ihn sehr, dass das Pärchen so gelangweilt auf Gottes herrliche Schöpfung schaute. Alles war reichlich vorhanden, alles so friedlich, alles so ungestört im eigenen Lebensrhytmus, alles war in sich selbst glücklich. Schließlich begannen sie zu jammern über das Leben im Paradies. Vieles wäre hier nicht vorhanden was den Menschen gefällt und von Nutzen ist. Iblis ärgerte sich über die Undankbarkeit und Unzufriedenheit von Adam und Eva und fragte, wie sie sich ein Paradies vorstellen. Beide wollten unbedingt etwas anderes und dazu müsse vorher alles verändert werden. Es sollten die Tiere hier nicht alle frei herumwimmeln, sondern in einer kleinen Ecke des Gartens wohnen und auch leichter einzufangen sein. Einige davon sollten ihre braven Diener werden. Manche wären schon recht nützlich geworden, wie z.B. Esel, Kühe, Hühner, Hunde. Gott hatte doch den Menschen als Krone der Schöpfung bezeichnet, und deshalb dürften sie sich die Schöpfung mit allem Reichtum zum Untertan machen.

Mit wieviel Liebe und Hoffnung hatte Gott das erste Menschenpaar erschaffen. Alle seine Engel versammelte er, damit die dieses Werk seiner Schöpfung anschauen, sich vor den zwei Menschen beugen und sie stets hoch verehren sollten.

Damals hatte Iblis als einziger Engel diese Menschenverehrung verweigert und damit Gott gewaltig erzürnt und wurde aus dem Himmel verstoßen. Ab dieser Zeit endete sein Engeldasein und begann sein Weiterleben als Teufel Iblis. Hier im Paradies erkannte er, dass er damals der klügste aller Engel war und seine Klugheit jetzt in seinem Teufeldasein steckte.

Der Garten Eden und seine zwei menschlichen Bewohner sind für Iblis jetzt kein Geheimnis mehr, das ihn stets so neugierig gemacht hatte. Die Schlange war treu an seiner Seite geblieben. Sie öffnete jetzt wieder ganz weit ihr Maul, der Teufel machte sich ganz klein und – schwups – schon hatten beide das Paradies verlassen. Adam und Eva waren so beschäftigt mit ihren Ideen das Paradies zu verändern, dass sie nicht einmal sich Gedanken um diesen merkwürdigen Besucher machten, wo der herkam und wo der hinging. Nicht im geringsten vermuteten sie, dass sie gerade vom Teufel besucht wurden. Der schöne Pfau hatte nichts von dem Unternehmen des Teufels und der Schlange gesehen und gehört. Nach seinem Erwachen beschäftigte er sich wahrscheinlich gleich wieder mit seiner Schönheit.

Edition Farangis 2011

Links:

Teufelsgeschichten aus Denk2Mail

Fruit Without Seeds, related poem by M. Jamali

“Fleisch” als exototalitärer Begriff

Das Konzept „ Fleisch“, das heißt: „die Einverleibung von Teilen des Körpers eines gewaltsam getöteten nichtmenschlichen Tieres“ ist eine Art „exototalitärer“ Begriff, Teil einer Herrschaftsstruktur, die kulturgeschichtlich von „dem Menschen“ unterdrückerisch gegen die Tierheit verwendet wird. Der Lebenssinn nichtmenschlicher Tiere wird darauf reduziert, das deren Tod jederzeit gewaltsam herbeigeführt werden kann, um leiblich, mit ihrer körperlichen Existenz und ihrem Dasein überhaupt, dem Menschen zu dienen und Mittel zum Zweck menschlicher Interessen zu sein. Die Tierheit (so wie der Gesamtraum der ‚Natur“) ist in der Vorstellung und Praxis menschlich-kollektiver Mehrheiten, gewaltsam zu beherrschen und in einer festgelegten Verhältnismäßigkeit zu halten. Die sprachlich ausgedrückte Haltung der Menschen ist dabei Code und funktionaler Bestandteil, der eine kaum hinterfragte Bereitschaft zur Teilnahme an dem geteilten Weltbild signalisiert.

Gruppe Messel, Tierautonomie / Animal Autonomy

Anti-System – Wot No Meat.

Nichtmenschen als Protagonisten erkennen

Manchmal muss ‘Neues’ entstehen, in der Form, dass alte Ambiguitäten ihre Klärung finden können: So müssen wir heute klären, warum “Tier” aus menschlich-moralischem Erwägen über ‘Wert, Sinn, Freiheit, Würde … ‘ die Stellung eines Antagonismus (zum ‘menschlichen Ideal’) von herrschenden Mehrheiten humaner Kulturgebilde zugeordnet bekam.

Gruppe Messel, Tierautonomie / Animal Autonomy

Der erste Weltbienentag, und das ist was Mensch noch immer mit Bienenvolk macht

Radierung: Farangis G. Yegane

Metamorphosis; Is your pain the same, is it more than pain (MP3)

Der 20 Mai 2018 ist der erste Weltbienentag, und das ist was Mensch noch immer mit Bienenvolk macht

Der syrische Skeptiker Al-Ma’arri (973 – 1057 n. Chr.) schreibt:

“Nehmt nicht den Honig, den die Bienen mit Mühe von den Blumen und den duftenden Pflanzen sammeln; sie trugen ihn nicht zusammen damit er für andere sei, auch haben sie ihn nicht als Gabe und Geschenk gesammelt.”

Kaum einer mag sich das vorstellen, aber die Realität dessen, wie wir Menschen mit den fleißigen Baumbestäuber_innen umgehen, bedeutet Bienentod. Und wer außer radikale Antispeziesist_innen und ethische Veganer_innen spricht darüber als tatsächliche Gräuel, die wir an diesen Nichmenschen begehen. Argumentiert wird vom anthropozentrischen Mainstream-Bürger ungefähr so: Es seien ja nur Invertebraten und das ist doch nichts, wenn man ihnen Schmerz zufügt und ihr Dasein objektifiziert. Deren Lebensdimensionen in ihrem eigenen Recht seien ja komplett irrelevant.

Viel an vermeintlicher menschlicher Bienenliebe und -bewunderung drückt sich in einem fortlaufenden Wunsch aus die Tiere auszubeuten als ‘Nutztiere’, ihre Leben und ihre Populationen zu “verwalten” und sie in ihrer gesamten Existenz auf dieser Welt tatsächlich als eine Ressource für menschliche Zwecke zu betrachten. Die Illusionen über den guten Imker sollten schon lange zerstört sein. Und die Inspektion über den “richtigen Umgang” mit den Arten, je nach Zweck, dient auch weniger den Tieren selbst als den Industrien, die schlichtweg ihre Forschungsinteressen (für Elfengebeintürme und Kommerz) vorantreiben. High-Tech invasive Forschung an Bienen ist nicht weniger ethisch dubios als jede andere manipulative und invasive Forschung an Tieren.

Wir brauchen Lösungen im Sinne einer ‘Bee Liberation’, alles andere sind Mogelpackungen

Der Bienenalltag ist nicht nur der Mangel an Wäldern und Wiesen, sondern, schaut – solltet Ihr es noch nicht wissen – mal bei Google nach unter den Suchbegriffen z.B.:

Biene Flügel abschneiden

Biene künstliche Besamung

oder dies hier:

“Die Technik der Spermagewinnung bei den Drohnen. Die verschiedenen Besamungsstationen für Bienen verwenden unterschiedliche Methoden zur Gewinnung von Drohnen-Sperma. Der Kopf des Drohns wird durch Drehen vom Körper getrennt und der Drohn so getötet. [1]

“The drone is stimulated by decapitation” [2]

Oder das Sperma des Drohns wird herausgepresst und dabei stirbt dieser kleine Nichtmensch dann. Wer dazu noch ein Video sehen will, der folge diesem Link auf Youtube (nur zu dokumentationszwecken verlinkt). Es existieren noch weitere Methoden.

Zwar sterben die Drohnen nach der natürlichen Paarung, aber der Unterschied ist klar.

Honig und andere ‘Bienenprodukte’ werden gepriesen und vermarktet als etwas harmloses, sogar als etwas was den Bienen gegenüber eine zweifelhafte “Wertschätzung” ausdrücken würde. Tatsache ist: es die vollständige Ausbeutung und Versklavung dieser Invertebraten.

Bienenvölker (MP3)

they cut your wings of
your artficially inseminated
they electroejeculate you
and they steal your food, your house

they oppress you
and we won’t accept it
no we won’t accept it

you’re more than me
they don’t mind our lives
they kill us for taking our lives

they call us with their names
they call us with their words

** Die zwei Songs als MP4s

Is your pain the same


Bienenvölker

[1] Keiner-Stoehr, Wiebke, Versuche zur Eignung verschiedener Puffer bei der instrumentellen Besamung der Bienenkönigin (Apis mellifera). Giessen 2004, http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1613/pdf/Keiner-StoehrWiebke-2004-06-18.pdf , Stand 18.05.2018.

[2] D.P. Abrol, Beekeeping: A Compressive Guide To Bees And Beekeeping, 2013, S. 379.