Textlyrik im Tierrechtsarchiv > Exit-Stance: Slaughterhouse und They Kill Dogs

Exit-Stance > Slaughterhouse and They Kill Dogs

Siehe in dem Kontext auch > Exit-Stance > The Voiceless Now Have a Voice > https://simorgh.de/about/textlyrik-im-tierrechtsarchiv-anarchopunk-2/

Exit-Stance: Slaughterhouse

Tierrechtspunk > Exit-Stance
https://exit-stance.bandcamp.com/
https://www.discogs.com/artist/314081-Exit-Stance

Exit-Stance – Schlachthaus

Opfer der Wissenschaft; Moral und Gewalt
Opfer des Fortschritts und Opfer des Profits
Du hast die Gefolterten gesehen, die Geschlachteten
Aber dennoch entscheidest du dich, dies zu ignorieren
Tiere leiden und Tiere sterben
Niemand schreit, aber wir alle flüstern warum
Unnötige Experimente im Namen der Wissenschaft
Medizinische Forschung ist ihre Rechtfertigung für ihre Gewalt
Während sie Prestige, Reichtum und Ruhm anhäufen
Das Endergebnis ihrer sadistischen Experimente ist
Noch mehr Tod und Schmerz
Und wir lehren Mitgefühl, Liebe und Fürsorge
Aber mit Folter unter dem Deckmantel des Wissens
Haben diese Gefühle keine Bedeutung
Wenn wir ein misshandeltes Kind sehen, stehen wir schockiert und entsetzt da
Aber ein rauchender Beagle oder ein gliedmaßenloses Kaninchen
werden allzu bereitwillig ignoriert
Tiere werden verbrannt, geschlagen, geblendet
Sadistische Schlachtungen ohne realen Grund
Während man sich abwendet, werden Körper verbrannt
Wissen ist Macht, aber Ignoranz ist Glückseligkeit

Von ‘While Backs Are Turned’ 1985 > https://www.discogs.com/master/241752-Exit-Stance-While-Backs-Are-Turned

Exit-Stance – Slaughterhouse

Victims of science; morality and violence
Victims of progress and victims of profit
You’ve seen the tortured, slaughtered
But still you choose to ignore it
Animals suffer and animals die
Nobody shouts but we all whisper why
Needless experiments in the name of science
Medical research is how they justify their violence
Whilst they amass prestige wealth and fame
The end result of their sadistic experiments is
Yet more death and pain
And we teach compassion, love and caring
But with torture under the guise of knowledge
These sentiments have no bearing
If we see a battered child we stand shocked and appalled
But a smoking beagle or limbless rabbit
Are too easily ignored
Animals burnt, beaten, blinded
Sadistic slaughter given no real reason
While backs are turned, bodies are burned
Knowledge is power but ignorance is bliss

From ‘While Backs Are Turned’

https://www.tierrechte-messel.de/exit-stance-slaughterhouse/

Exit-Stance: They Kill Dogs

Tierrechtspunk > Exit-Stance
https://exit-stance.bandcamp.com/
https://www.discogs.com/artist/314081-Exit-Stance

Exit-Stance – They Kill Dogs

In the name of science, they kill dogs
Testing new detergents to cleanse our bogs
Dumb animals can’t answer back,
How scientific to murder a dog or cat
All in the name of scientific progress
Innocent animals never resist
We’re a nation of dog lovers or so they say
But we condemn them to suffer every fucking day
Distorting innocent animals
To cure what disease
In the name of science and progress
They justify just what they fucking please
And what have they got to show for all this pain and sorrow
Will the slaughter of the innocent make a better tomorrow

In the name of science, they kill dogs
In the name of progress, they kill dogs
In the name of humanity, they kill dogs
In your name, they kill dogs

Von ‘While Backs Are Turned’ 1985 > https://www.discogs.com/master/241752-Exit-Stance-While-Backs-Are-Turned

Exit-Stance – Sie töten Hunde

Im Namen der Wissenschaft töten sie Hunde,
um neue Reinigungsmittel für unsere Toiletten zu testen.
Die stummen Tiere können sich nicht wehren.
Wie wissenschaftlich es doch ist, einen Hund oder eine Katze zu ermorden.
Alles im Namen des wissenschaftlichen Fortschritts.
Unschuldige Tiere wehren sich nie.
Wir sind eine Nation von Hundeliebhabern, sagt man zumindest.
Aber wir verurteilen sie dazu, jeden verdammten Tag zu leiden.
Unschuldige Tiere werden verstümmelt,
Um welche Krankheit zu heilen?
Im Namen der Wissenschaft und des Fortschritts
Rechtfertigen sie, was immer ihnen gerade passt.
Und was haben sie für all diesen Schmerz und dieses Leid vorzuweisen?
Wird das Abschlachten Unschuldiger eine bessere Zukunft schaffen?

Im Namen der Wissenschaft töten sie Hunde.
Im Namen des Fortschritts töten sie Hunde.
Im Namen der Menschlichkeit töten sie Hunde.
In deinem Namen töten sie Hunde.

https://www.tierrechte-messel.de/exit-stance-they-kill-dogs/

[Alle Links, 11.04.2026]

Grundlagen > Speziesismus und Kunst

Grundlagen > Speziesismus und Kunst

Thesen zur Kritik an speziesistischen Kunstkontinuen … 

Ein Mapping ästhetischer Mechanismen in der Normalisierung von Speziesismus … 

Gewalt in der Kunst und Tierobjektifizierung > Speziesismus als Mittel von Ästhetisierung und Kunstschaffung … 


Animalistic Issue

Grundlagen > Speziesismus und Kunst. [Fassung vom 04.02.26]

Thesen zur Kritik an speziesistischen Kunstkontinuen

  1. Speziesismus ist ein gesellschaftliches Grundverhältnis, kein Randproblem

Speziesismus ist kein Missverständnis, keine Unachtsamkeit und kein bloßes Vorurteil, sondern ein strukturelles Gewaltverhältnis, das bestimmt, wessen Leben als moralisch relevant gilt und wessen Körper als verfügbar erscheinen.

  1. Künstlerische Kontinuen, im DACH insbesondere von Nitsch bis zu seinen Ablegern, beruht auf dieser Verfügbarkeit

Ein Kontinuum, die in prominenter Weise im DACH das von H. Nitsch, seinen Schülern und heutigen Anknüpfungspunkten setzt die gesellschaftlich akzeptierte Gewalt gegen nichtmenschliche Tiere (derer es bedarf) voraus. Nicht als Thema, sondern als ontologische Grundlage.

  1. Tierliche Körper erscheinen hier nicht als Unrechtsträger, sondern als Selbstverständlichkeit

Die Gewalt gegen Tiere wird nicht als moralisches Unrecht adressiert, sondern als kulturell verwertbare Gegebenheit behandelt. Dass sie ästhetisch, symbolisch oder rituell „bedeutungsvoll“ gemacht wird, ändert nichts an ihrem Charakter als Gewalt.

  1. Die Frage ist nicht, ob Gewalt „(auch) kritisch gemeint“ ist

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob Gewalt intendiert, reflektiert oder kontextualisiert wird, sondern: Warum gilt Gewalt gegen Tiere überhaupt als bedeutungsoffenes Material? Diese Frage würde sich bei Gewalt gegen Menschen nicht stellen. Dass sie hier gestellt werden kann, ist selbst Ausdruck einer speziesistischen Denkweise.

  1. Kunst fungiert hier als Veredelungsmechanismus gesellschaftlicher Gewalt

In diesen Kontexten wird Kunst nicht zum Ort der Infragestellung, sondern zur ästhetischen Veredelung eines bereits normalisierten Gewaltverhältnisses. Sie macht akzeptabel, was andernorts alltäglich geschieht: die Reduktion lebendiger Wesen auf verfügbare Körper.

  1. Solchen Orten ist nicht zu helfen, weil ihr Fundament nicht kritisch, sondern affirmativ ist

Diese Orte können nicht „umgedeutet“, „kritisch bespielt“ oder „von innen transformiert“ werden, weil sie nur funktionieren, solange die Verfügbarkeit tierlicher Körper gesellschaftlich anerkannt ist. Ihr Bestehen ist abhängig von genau dem, was sie angeblich überschreiten. (…)

  1. Die gesellschaftliche Normalisierung ist ihre eigentliche Lebensgrundlage

Diese Kunstorte leben nicht von Provokation, sondern von Gewöhnung. Von einer Welt, in der Tierkörper alltäglich zu Nahrung, Ware, Forschungsobjekt oder Symbol gemacht werden – ohne dass dies als Unrecht gilt.

  1. Die sakrosankte Kunst schützt den Speziesismus

Die Vorstellung, Kunst stehe jenseits ethischer Bewertung, wirkt hier als Immunisierungsstrategie. Sie erlaubt es, Gewalt zu ästhetisieren, ohne sie moralisch verantworten zu müssen.

  1. Individuelle vegane oder tierfreundliche Haltungen ändern daran nichts

Dass einzelne Besucher:innen oder Beteiligte sich als vegan oder tierethisch verstehen, unterbricht die Struktur nicht. Solange die Grundannahme der legitimen Tierverfügbarkeit nicht angegriffen wird, stabilisiert Teilnahme das System.

  1. Antispeziesistische Kritik verweigert die ästhetische Ausnahme

Wie in unseren Kommentaren im Animalistic Issue [https://www.farangis.de/blog/category/animalistic-issue , 04.02.26] formuliert, geht es nicht um Geschmacksfragen oder Symboldebatten, sondern um eine radikale Verschiebung des moralischen Horizonts: Nichtmenschliche Tiere sind keine Träger von Bedeutungen, sondern Träger von Leben, Interessen und Verletzbarkeit.

In einer speziesistischen Welt ist es erschreckend einfach, Speziesismus zu normalisieren – besonders dort, wo er als Kunst erscheint. Was als ästhetische Grenzerfahrung gilt, ist in Wahrheit die kulturelle Fortsetzung eines Gewaltverhältnisses, das immer wieder aufs neue fudamentalisert werden soll, hier als Ritus und Alltäglichkeit.

Die ästhetische Normalisierung von Tierkörpern in Kunst, Sprache, Wissenschaft und Kultur dient keiner kritischen Reflexion – das wäre ein Widerspruch in sich außer man würde versuchen Gewalt als solche normativ zu „ethisieren“ und damit ideologisch zu legalisieren – sondern reproduziert und verstärkt in logischer und gewollter Konsequenz das speziesistische Gewaltverhältnis, weil systemgegebene Verfügbarkeit tierlicher Subjekte als selbstverständliche Voraussetzung begriffen wird.

Ein Mapping ästhetischer Mechanismen in der Normalisierung von Speziesismus

Kritik der visuellen Veredelung tierobjektifizierender Praktiken in Kunst, Kunstmarkt und Gesellschaft

  1. Grundannahme

Speziesistische Szenen benötigen keine Rechtfertigung mehr.
Sie benötigen ästhetische Infrastruktur.

Diese Infrastruktur sorgt dafür, dass:

  • Gewalt nicht als Gewalt erscheint
  • Objektifizierung nicht als Objektifizierung benannt wird
  • Kritik entweder integriert oder unsichtbar gemacht wird

Das Ergebnis ist kein Streit, sondern Normalität.

  1. Die häufigsten ästhetischen Mechanismen
  2. Ästhetische Veredelung

Mechanismus:
Tierkörper, tierliche Überreste oder tierbezogene Gewalt werden durch Kunstformen (Installation, Fotografie, Performance, Design) in einen Bedeutungsraum überführt, in dem ästhetischer Wert die ethische Frage überlagert.

Wirkung:

  • Gewalt erscheint kultiviert
  • Verfügbarkeit erscheint legitim
  • Kritik gilt als „geschmacklich“, nicht als ethisch

Normalisierungseffekt:
Was schön gerahmt ist, gilt nicht als problematisch.

  1. Symbolische Abstraktion

Mechanismus:
Tierlichkeit wird zur Metapher, zum Zeichen, zum „Material für etwas anderes“ (Tod, Natur, Vergänglichkeit, Ritual, Ursprünglichkeit).

Wirkung:

  • Das konkrete Tier verschwindet
  • Leid wird semantisch ausgelagert
  • Das Individuum wird ausgelöscht

Normalisierungseffekt:
Gewalt gilt nicht mehr dem Tier, sondern einer „Idee“.

  1. Ontologische Entleerung

Mechanismus:
Nichtmenschliche Tiere erscheinen nicht als Subjekte mit Interessen, sondern als:

  • Körper
  • Formen
  • Stoffe
  • Relikte
  • Daten

Wirkung:

  • Kein moralischer Adressat bleibt übrig
  • Es gibt niemanden, dem Unrecht geschieht

Normalisierungseffekt:
Was kein Subjekt ist, kann nicht verletzt werden.

  1. Ironisierung und Distanzästhetik

Mechanismus:
Tierobjektifizierung wird ironisch, spielerisch, absurd oder „gebrochen“ dargestellt.

Wirkung:

  • Kritik wird entschärft
  • Verantwortung wird verweigert
  • Ernst gilt als naiv

Normalisierungseffekt:
Wer ernsthaft widerspricht, gilt als humorlos oder dogmatisch.

  1. Ritualisierung und Naturalisierung

Mechanismus:
Gewalt wird als archaisch, rituell, naturhaft oder kulturell notwendig inszeniert.

Wirkung:

  • Geschichte ersetzt Ethik
  • „Schon immer so“ ersetzt Verantwortung

Normalisierungseffekt:
Was natürlich oder uralt wirkt, erscheint unhintergehbar.

  1. Wissenschaftlich-ästhetische Hybridisierung

Mechanismus:
Kunst beruft sich auf Wissenschaft, Forschung, Biologie, Archivierung (z. B. Artscience, Taxidermie, Bio-Art).

Wirkung:

  • Objektifizierung erscheint sachlich
  • Gewalt erscheint neutral
  • Kritik gilt als anti-rational

Normalisierungseffekt:
Was wissenschaftlich wirkt, gilt nicht als ideologisch.

  1. Marktförmige Entpolitisierung

Mechanismus:
Tierobjektifizierende Kunst wird:

  • gesammelt
  • kuratiert
  • gehandelt
  • gebrandet

Wirkung:

  • Kritik stört den Markt
  • Ethik gilt als Externalität

Normalisierungseffekt:
Was verkauft wird, gilt als legitim.

III. Mechanismen auf Seiten der „Gegenseite“

  1. Mit-Normalisierung durch Relativierung

Mechanismus:
Kritische Stimmen argumentieren:

  • „Man muss differenzieren“
  • „Kunst ist ambivalent“
  • „Es geht um Interpretation“

Wirkung:

  • Gewalt wird zur Meinung
  • Unrecht zur Perspektive

Normalisierungseffekt:
Es gibt keinen Standpunkt mehr, nur noch Diskurse.

  1. Integration statt Konfrontation

Mechanismus:
Antispeziesistische Kritik wird eingeladen, aber:

  • nicht zentriert
  • nicht ernst genommen
  • nicht folgenreich

Wirkung:

  • Kritik dient der Selbstlegitimation des Systems

Normalisierungseffekt:
Das System erscheint offen, bleibt aber unverändert.

  1. Unsichtbarmachung radikaler Kritik

Mechanismus:
Positionen, die Tierobjektifizierung grundsätzlich ablehnen, werden:

  • nicht eingeladen
  • nicht zitiert
  • nicht diskutiert

Wirkung:

  • Der Konflikt erscheint kleiner, als er ist

Normalisierungseffekt:
Was nicht sichtbar ist, gilt als nicht existent.

  1. Das strukturelle Kernproblem

Es gibt keine anerkannten Räume für diese Kritik

  • Kein etablierter Kunstkontext erlaubt:
    • die Zurückweisung tierobjektifizierender Kunst als legitimen Standpunkt
  • Kritik darf analysieren, aber nicht verweigern
  • Ablehnung gilt als anti-künstlerisch, nicht als ethisch begründet

Der öffentliche Diskurs bildet das Problem nicht real ab.

  1. Zusammenfassung

Speziesistische Szenen normalisieren sich nicht trotz Kritik,
sondern durch ästhetische Mechanismen, die Gewalt unsichtbar machen,
Verantwortung diffundieren lassen und radikale Gegenpositionen strukturell ausschließen.

  1. Schlusssatz

Die visuelle Veredelung tierobjektifizierender Praktiken ist keine Begleiterscheinung des Speziesismus, sondern seine kulturelle Wiege.
Solange es keine Räume gibt, die die grundsätzliche Ablehnung solcher Kunst als legitimen Standpunkt anerkennen, bleibt Speziesismus ästhetisch abgesichert – und gesellschaftlich unangetastet.


Gewalt in der Kunst und Tierobjektifizierung

Speziesismus als Mittel von Ästhetisierung und Kunstschaffung

Speziesismus ist kein Randphänomen kultureller Fehlentwicklungen, sondern ein grundlegendes gesellschaftliches Gewaltverhältnis. Er strukturiert, wessen Leben als moralisch relevant gilt und wessen Körper als verfügbar, nutzbar oder bedeutungstragend erscheinen darf. Diese Unterscheidung wirkt tief in soziale Praktiken hinein – in Ökonomie, Wissenschaft, Alltagskultur und in besonderer Weise in die Kunst. Dort wird Speziesismus nicht nur reflektiert, sondern häufig ästhetisch stabilisiert.

Der hier entwickelte Ansatz versteht speziesistische Kunst nicht als Abweichung oder Provokation, sondern als Teil eines kulturellen Kontinuums. Dieses Kontinuum, das paradigmatisch im DACH sichtbar wird bei der Nitsch-Szene, ihren gegenwärtigen Ablegern und Anschlussformen, verweigert die kritische Auseinandersetzung und Thematisierung von Gewalt, und verharrt auf ihrer unhinterfragten Voraussetzung tierlicher Verfügbarkeit.

Nichtmenschliche Tiere erscheinen dabei nicht als moralische Subjekte oder Unrechtsträger, sondern als selbstverständliche Ressource künstlerischer Bedeutungsproduktion.

Entscheidend ist dabei nicht die Frage nach der Intention einzelner Künstler:innen. Ob Gewalt „kritisch gemeint“, symbolisch aufgeladen oder ironisch gebrochen ist, bleibt sekundär. Die eigentliche Frage lautet: Warum gilt Gewalt gegen Tiere überhaupt als bedeutungsoffenes Material?

Warum wird sie als ästhetisch bearbeitbar verstanden, während Gewalt gegen Menschen diese Offenheit nicht besitzt? Dass diese Frage im Kunstkontext gestellt werden kann, ist selbst bereits Ausdruck eines speziesistischen Grundverhältnisses.

In solchen Szenen fungiert Kunst nicht als Ort der Infragestellung gesellschaftlicher Gewalt, sondern als deren Veredelungsmechanismus. Sie verschiebt das Problem von der Ebene ethischer Verantwortlichkeit auf die Ebene ästhetischer Bewertung.

Tierliche Körper, Überreste oder physisch- und typischerweise auf die mentale, geistige Ebene abzielende diskriminatorische bis vollends destruktive Praktiken werden in symbolische, rituelle oder kulturelle Bedeutungsräume überführt, in denen die Gewalt selbst „unsichtbar“ wird, indem die ins Nichtmenschliche verbannt oder gebannt wird.

Was ästhetisch gerahmt ist, gilt nicht mehr als problematisch, sondern als komplex, ambivalent oder diskursiv offen. Zentral für diese Normalisierung sind wiederkehrende ästhetische Mechanismen. Symbolische Abstraktion verwandelt konkrete Tiere in Metaphern für Tod/Geburt, Natur/Anti-Natur oder Vergänglichkeit/Ewigkeit und löscht damit das individuelle Fühlen und Erleben aus.

Ontologische Entleerung reduziert Tiere auf Körper, Stoffe oder Relikte, sodass kein moralischer Adressat mehr verbleibt. Ironisierung und Distanzästhetik entziehen der Kritik ihre Dringlichkeit, indem Ernst als naiv oder dogmatisch markiert wird. Ritualisierung und Naturalisierung verlagern Verantwortung in vermeintliche, sicher hierarchisierende Geschichte, Kultur oder gemutmaßte Ursprünglichkeit.

Wissenschaftlich-ästhetische Hybridformen verleihen Objektifizierung den Anschein von Neutralität und Rationalität. Marktförmige Einbettung schließlich entpolitisiert die Praxis vollständig, indem Verkaufbarkeit und Makrtwert als Legitimation fungiert.

Diese Mechanismen wirken nicht isoliert, sondern bilden eine ästhetische Infrastruktur, die speziesistische Praktiken stabilisiert. Sie sorgt dafür, dass Gewalt nicht als Gewalt-/problem erscheint, Objektifizierung nicht benannt wird und Kritik entweder integriert wird oder unsichtbar gemacht bleibt.

Auffällig ist dabei, dass die Normalisierung nicht trotz Kritik funktioniert, sondern häufig durch sie. Relativierende Argumente – etwa der Verweis auf Ambivalenz, Differenzierung oder Interpretationsoffenheit – verwandeln Unrecht in bloße Perspektivfragen. Eingeladene Kritik dient typischerweise der Selbstlegitimation des Systems, ohne dass man strukturelle Konsequenzen zu befürchten meint.

Radikale antispeziesistische Positionen hingegen bleiben ausblendbar, da sie die grundlegende Verfügbarkeit tierlicher Körper infrage stellen, die die Norm unserer Gesellschaften abbilden. Auf eine Abstraktion der Infragestellung der gesellschaftlichen Norm von Tierobjektifizierung lässt sich speziesistischen Kunst niemals ein.

Das strukturelle Kernproblem für Tierrechtler und Antispeziesisten liegt darin, dass es kaum anerkannte Räume gibt, außerhalb der eigenen Bewegung, in denen die grundsätzliche Ablehnung tierobjektifizierender Kunst als legitimer Standpunkt gilt. Kritik darf analysieren, historisieren oder interpretieren – verweigern darf sie nicht. Ablehnung wird als anti-künstlerisch diskreditiert, nicht als ethisch begründet anerkannt. Der öffentliche Diskurs bildet das Problem daher nicht real ab, sondern verzerrt es zugunsten ästhetischer Selbstimmunisierung.

Antispeziesistische Kritik verweigert diese ästhetische Ausnahme. Sie insistiert darauf, dass nichtmenschliche Tiere keine Träger von Bedeutungen sind, sondern Träger von Leben, Interessen und Verletzbarkeit.

In einer speziesistischen Welt ist es erschreckend einfach, Speziesismus zu normalisieren – insbesondere dort, wo er als Kunst erscheint. Was als ästhetische Grenzerfahrung gilt, erweist sich bei näherer Betrachtung als kulturelle Fortsetzung eines Gewaltverhältnisses, das immer wieder neu fundamentalisiert wird: als Ritual, als Symbol, als Alltag.

Die visuelle und kulturelle Veredelung tierobjektifizierender Praktiken ist daher keine Begleiterscheinung des Speziesismus, sondern seine kulturelle Wiege. Solange keine Räume existieren, die die grundsätzliche Ablehnung solcher Praktiken als legitimen Standpunkt anerkennen, bleibt Speziesismus ästhetisch abgesichert – und gesellschaftlich unangetastet.

 

Tiermythologischer Ansatz: Religiöse Tierethik

Überlegung zu …

Tiermythologischer Ansatz: Religiöse Tierethik

Ja, nur wie steht es um ihren Religionsbegriff und welche Religionsgeschichte ist für Sie akzeptabel?

(auch: spirituell-instrumentalisierende Tierethik, säkular-religiöse Sinngebung zur Aufwertung religiöser Herrschaftsansprüche)

Definition: Ein Diskursmodus, in dem Tiere nicht primär als autonome Subjekte gelten, sondern als Träger moralischer, spiritueller oder metaphysischer Sinnzuschreibungen für den Menschen. Anerkennung erhalten sie nur, solange sie menschliche Tugenden spiegeln – ihre eigenen Interessen bleiben optional. […]

Beschreibung: Tiere erscheinen als moralische Spiegel, Sinnstifter oder „kosmische Lehrmeister“, sei es religiös oder durch eine modern-naturwissenschaftlich klingende Sprache [von Schöpfung]. Selbst im säkularen Diskurs wird häufig die klassische Logik fortgeführt: Tiere symbolisieren menschliche Tugenden, während ihre politische Autonomie und konkrete Lebenswirklichkeit unsichtbar bleiben. (Autor*innen zeigen offen oder verdeckt, wie Tiere zur ethischen Selbstvergewisserung des Menschen dienen, ohne dass dies gesellschaftlich auffällt – ein Hochgenuss für Feuilleton und Verlag.)

Religiöse Einbettung: Nicht jede spirituelle Sinngebung ist problematisch. Problematisch wird es, wenn Religion von Anfang an hegemonial-anthropozentrisch ist – ein narratives und epistemisches Grundproblem. In solchen Systemen bleiben Tiere Projektionsflächen „menschlicher Moral“. Um Tiere ernst gemeint respektvoll zu adressieren, müsste die Gottesvorstellung nicht menschlich und völlig frei gedacht werden, sodass Tiere als autonome Subjekte auftreten können.

Moralische Zuschreibung und Tiermythologie: In vielen Kulturen und Mythologien standen Tiere auf gleicher oder höherer Augenhöhe mit Menschen und fungierten als ideenstiftende Akteur:innen. Märchen, Fabeln und Tiermythologien zeigen Tiere als eigene Perspektiven, Handlungslogiken, Wissen und Denken lebend, nicht nur als Spiegel menschlicher Moral.

Große abrahamitische Religionen (Judentum, Christentum, Islam) haben diese Praxis weitgehend unsichtbar gemacht, Tiere symbolisch reduziert und vor allem menschliche Ordnung, Tugend und göttliche Normen reflektieren lassen.

Selbst modern-naturwissenschaftlich legitimierte Diskurse übernehmen häufig diese verdeckte Reduktion: Tiere bleiben “entseelte” Instanzen, Projektionsflächen eng gefasster menschlicher Selbstvergewisserung.

Theoretische Einbettung: Kim Socha betont [in Tierautonomie, Jg. 1 (2014), Heft 3, S. 6-10, https://simorgh.de/tierautonomie/JG1_2014_3.pdf , Zugriff 08.03.26], dass selbst modern-säkular geprägte Tierrechtsdiskurse verdeckte religiöse Logiken reproduzieren können. Tiere bleiben in diesen Systemen “entseelt” als Projektionsflächen menschlicher Sinnkonstruktionen, auch wenn die Sprache sachlich oder naturwissenschaftlich klingt.

Kernelemente einer Kritik:

Verdeckte Sinnproduktion: Tiere als Projektion menschlicher Selbstaufwertung.

Instrumentalisierung: Tiere bestätigen bestimmte Vorstellungen über menschliche Tugenden, nicht ihre eigene Autonomie, Ganzheit oder Integrität.

Säkularismus-Problem: Moderne Diskurse übernehmen strukturell religiöse Denkformen – nur diese erscheinen entkoppelt, erweisen sich aber als Folgedenken in der vorangegangenen Spaltung von Seelenbegriff und Körperlichkeit/Materialität.

Mythologische Alternative: In traditionellen Tiermythologien können Tiere autonome Sinn- und Wissens-Träger sein, die in der Abbildung in weiter gefassten Kontextualisierungen als “andere-Perspektiven-einnehmend” geschildert werden.

Kurzthese: Wo Tiere als Träger moralischer oder spiritueller Bedeutung verwendet oder geschildert werden, bleiben sie in bestimmten Traditionen und deren Folgedenken tendenziell entseelt – und werden potenziell zu Projektionsflächen menschlicher Selbstvergewisserung. Interessant ist dabei eine Rest-Askription von „Tugendhaftigkeit“ […], die aber zusammenhangslos verbleibt.

Diskursive Wirkung: Gesellschaftlich anschlussfähig, konfliktarm, moralisch sichtbar. Empathie erlaubt, politische Konsequenz optional. Reproduziert anthropozentrische Machtstrukturen.

Abgrenzung:

Nicht antispeziesistisch: Tiere werden nicht als autonome Subjekte mit eigenen Interessen behandelt.

Nicht radikal säkular: Tiere werden nicht bewusst aus Sinnsystemen gelöst, sondern weiterhin symbolisch aufgeladen.

Radikal säkular ist es, das Animal Sapiens mit einzubeziehen und überhaupt wahrzunehmen. Dann ergibt sich ohnehin eine neue oder andere Epistemik.

 

rev. 08.03.26

Der Ignoramus

“Ich kapiere nicht, dass Tiere denken (…),
also behaupte ich.”

oder besser noch

“Ich begreife nicht, dass das Tier an und für sich denkt (…), also stelle ich einfach die Behauptung an, dass Denken ein ausschließlich menschlicher Prozess wäre.”

“Non intellego animal per se et ex se cogitare (…), ergo simpliciter affirmo cogitare esse processum exclusive humanum.”

 

Leichenschmaus

Wurstmensch, Kampfhasen und sie begleitende schützende Skeletthexen, die man nicht richtig erkennen kann, wenn man ihre Intention und Funktion nicht kennt. Im Märchenwald.

Entwurf 13.10.25

Speziesismus und Geschichte der Degradierungs- und Einverleibungssprache

Es gibt Gründe für und wider: Pflanzliche Lebensmittel mit Namen, die die nekrophil-speziesistische Welt nutzt, für ihren Leichenschmaus.

Vielleicht bagatellisiert man hier sogar Speziesismus, indem man speziesistische Sprache nicht als solche betrachtet. Zudem ist eine eigenständige pazifistische Lebens- inkl. Ernährungsweise etwas, die auf sehr klaren und soliden Füßen stehen kann und dadurch gewinnt. Als könne man auf unschöne Bezeichnungen für Gutes nicht verzichten, beschwert sich eine Menge von Leuten, die vermutlich gehofft hatten, dass Veganismus problemloser im System normalisiert wird.

Man sollte sich mal anschauen, welche Bedeutung speziesistische Terminologien in der Objektifizierung von Tieren einnehmen. Ein Thema, mit dem wir uns befassen und über das wir in diesem Zusammenhang hier nochmal schreiben werden. Nichtleichenteile sollte man nicht nach Leichenteilnahrungsbezeichnungen nennen wollen, sollen, müssen? Warum kann man pflanzliche Nahrung nicht mit passenden Bezeichnungen versehen, die man eben noch prägen kann. Der Schritt, Sprache von Speziesismen zu befreien, kann auch auf die Art und Weise angegangen werden, dass man Bezeichnungen bewusst antispeziesistisch wählt, d.h., dass man die Historie des Merkmals >  ‘Objektifizierung durch Umwandlung in Ware’, auf dem Schirm haben sollte.

Die Umwandlung zur essbaren und nutzbaren Ware, im Zuge definitorischer Objektifizierungen von Tieren, bildet ein Alleinstellungsmerkmal vom Speziesismus, vergleichsweise zu den intramenschlichen Diskriminierungsformen, die sich eher in kontraktualistischen Rahmen bewegen (…).

Die Rhetorik eines “Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei” ist nicht vergessen und wird weiter gefeiert, die Logik der Alternative und des “Ersatzes” geht nur den halben Schritt und lässt sich von Mehrheitsmeinungen vor sich her treiben.

Der Drang, pflanzliche oder leichenfreie Nahrung nach Tierkörperteilen zu benennen (“vegane Wurst”, “pflanzliches Steak”, “Hähnchenersatz”) zeigt, wie sehr die Sprache noch im Fleisch-Denken steckt und wie wenig wir uns mit der Rolle von speziesistischer Normalisierung dieser Art der Nekrophilie als “kulinarischem Kulturgut” befassen.

Wenn man etwas “Wurst” nennt, auch wenn keine Tierleichenteile mehr darin vorkommen, dann bleibt man semantisch im Leichenteiluniversum. Man versucht, die “Normalität” des alten Kanons durch Nachahmung zu retten. Oder meint ein altes Übel ist damit ja abgeschafft, indem man die Begriffe neu besetzt: Aber, die Menschen, die weiter Tiermord normalisieren, werden sich auf diese Logik nicht einlassen, nicht ernsthaft, solange die Gesellschaft so funktioniert, wie sie das aktuell noch tut.

Zudem, wieso sollte man überhaupt versuchen speziesistisches Tätertum zu “gewinnen” oder “zu überzeugen”? Wie identifiziert Ihr den Speziesismus, dass Ihr meint ein Mindset, das so orientiert ist, wie das eines Speziesisten, sei durch ein wenig Dialektik zum Veganismus bekehrbar – nicht nur dazu, dass er seinen Bratling dann essen würde, sondern, dass er damit auch gegen die Jagd ist, gegen Tierversuche, gegen Speziesismus im Kulturbetrieb und alles, was seine vermeintliche menschliche Überlegenheit seiner Meinung nach untermauert?

Es bleibt dann beim Bratling oder der Wurst, weil das Gegenüber weiß, wie sehr seine geistige Heimat unhinterfragtes Maß aller Dinge bleiben kann – mit seiner Verfleischung der ganzen Welt.

Es ist keine sprachliche Nebensache, sondern eine Form kultureller Gefangenschaft, in die sich diejenigen begeben, die ihren Schritt, den sie tun, oder eben ihre Lebenspraxis, nicht mit eigenem Stolz und eigenen Vokabular bekleiden können oder wollen. Man könnte sagen: Der Promoter der “veganen Wurst” will die Welt verändern, ohne das Vokabular der Schlachtung aufzugeben. Dabei wäre es viel sinnvoller, neue, eigene Bezeichnungen zu prägen, die nicht mehr eine Geschichte > der extremsten Form von Entwürdigung getöteter Körper > effektive verharmlosen und meinen neutralisieren zu können, sondern stattdessen eigene ästhetische, sensorische, ökologische, soziale Bedeutungsfelder zu öffnen, in dem Bewusstsein über das, was man hier sprachlich vollzieht; Sprache, die ganz genau diese Differenz klar macht und die damit eine neue Kultur fördert und zugleich an wichtige, spannende gute alte kulturelle Traditionen pflanzlich-pazifistischer Ernährung anknüpft.

Das Pflanzenessen als parallele menschliche Kulturgeschichte verstehen. Tofu, Falafel, getrocknete Pflanzen und Pflanzenteile, Fermentation, usw. Klassiker pflanzlicher Ernährung, unbekannte Lebensweisen und Geschichten, Hortikultur:

Warum nicht Wörter, die von Textur, Farbe, Herkunft, Zubereitungsweise, Pflanzencharakter, Geschmack oder Empfindung ausgehen – nicht von der “Fleischform”, die man ersetzen will?

Beispielhaft:
• statt Schnitzel → Blattling, Knuschel, Bratflor
• statt Hack → Körnling, Würzstück, Mahlgrund
• statt Milch → Haferquell, Korntrank, Nusszieher
(also poetische, offene Wortfelder statt Ersatzbezeichnungen)

Das Problem ist zum einen: Die Industrie denkt zum Teil in Marketingmimikry, nicht so sehr in kultureller Sprachneuschöpfung. Sie will an das Bekannte andocken, statt eine andere Welt benennbar zu machen. Wenn man Sprache ernst nimmt, müsste man sagen: Eine nicht-tierliche Ernährung braucht nicht Ersatznamen, sondern neue Metaphernräume.

Und, was die Seite der Nachfrage anbetrifft: Tierleichenteileersatz … ist das, was man schafft durchzusetzen als ethisch denkender Mensch???

Aber genau da liegt eben noch so ein Problemchen. In dieser Ausgangslage hat die ganz gescheite Welt derer, die meinen von langer Hand her die Wirtschaft zu ihren Gunsten stabil halten zu müssen, usw. schon längt ihre “bessere Idee” entwickelt:

New Meat. Neuer Wein nicht nur in alte Schläuche, sondern verpanschten Wein in die alten Schläuche hinein …

“New Meat” klingt nach Zukunft, nach Lösung, nach Erlösung vom Töten. Doch wer verkauft es? Dieselben Firmen, die weiterhin die industriell oder von Hand durch Menschen geopferte Tierleichen in Stücke teilen. Sie stehen mit einem Fuß auf der Mordparty und stoßen fröhlich mit der rettenden Lösung im Raum an. Die Idee, dass das neue Fleisch einfach das alte ablösen könne – glatt, geschmacklich kompatibel, ohne moralische Reibung – ist die Lüge, mit der man die Revolution in ein Geschäftsmodell verwandelt. Alle neuen “Ersatzproduktmärkte und -Modelle” sind zu analysieren. Hier meine ich aber gerade den Markt, der typische pflanzliche “Ersatzprodukte” vermarken will.

Das, was eine Abkehr vom Nekrophilen sein könnte, wird zur Fortsetzung des Alten unter nachhaltigem Etikett. “New Meat” ist nicht neu. Es ist das alte System in Designerfolie: ein synthetischer Ablasshandel, bei dem Schuld in Innovation umbenannt wird. So kann man gleichzeitig Mörder und Retter sein,
Konsument und Kritiker, Täter und Therapeut seiner selbst. Der Blick auf die Wirtschaft als Ort, der im War on Animals seine Rolle einnimmt, ist hier der springende Punkt.

Wenn aber die Produkte nicht mehr Ersatzleichen sein wollen, die man neben den echten Leichenteilen auf den Grill legt, dann müssen ihre Esser in der Lage sein sich sprachlich und ästhetisch zu  emanzipieren: von der ganzen Geschichte systemischer speziesistischer Nekrophilie.

Dann erst beginnt das Eigene und damit auch die Ernährung, die dadurch, dass sie ohne Opfer funktioniert, eine alte neue Sinnlichkeit, eine verbundene Gesundheit und eine Verantwortung mit der Mitwelt entwickelt. Eine nichttierleichliche Kultur wird sich kaum mit den Resten des ewigen Übels eines Lebens auf einer Grundlage von Opferungen für den eigenen Zweck begnügen. Sie wird die Selbsterhaltung wieder denken, statt Welt zu konsumieren.

Equal Consideration for Animals (1)

Equal consideration for Animals

Insekten-Demokratie > Tierrechtedemokratie > heißt jeder kann was FÜR das tun, was im Interesse von
Tieren und deren Habitaten liegen müsste: Antispe sein.

Da muss nicht erst irgendein Leadership “von oben” Bescheid geben, keine Masse erst “mobil machen”. Einfach selber Aktivismus machen und handeln.

Es ist nicht so schön als Unhold zu gelten, wenn man eine überfällige und berechtigte Kritik übt an vermeintlichen Mitstreitern. Wir sagen es schon lange und intern ist es schon lange bekannt, wo die Unterschiede verlaufen in der Zielsetzung eines paternalistischen Tierschutzes [1], der in sich in Wirklichkeit höchst widersprüchlich ist, aber genau diese Widersprüchlichkeit ist es, die uns hier beschäftigen sollte. Ob Singer, der Mäusetode für ethisch weniger relevant für die Maus selbst hält [2], weil er ihnen damit implizit ein Mausbewusstsein, das auf solches hinausliefe abspricht, oder die Befürwortung hierarchisch gedachter Tierrechte im Westlichen oder westlich geprägten Denken – wir halten eine Diskussion über Hierarchie und Speziesismus genau an der Stelle für dringend notwendig:

Unser aktueller Beitrag dazu > Keine philosophische Beherrschbarkeit > https://tierrechtsethik.de/keine-philosophische-beherrschbarkeit/

Negative Ethics im Fokus: Schutz vor menschlicher Destruktivität.

[1] Kollaborationen, wie mit der für ihren speziesistischen Ansatz bekannte HSUS, aber auch Institutionen, wie im Folgenden benannt, die Goodall unterstützte, spiegeln die Haltung eines hierarchischen, wenn auch wohlwollenden Weltbildes, das bei vielen im geselllschaftlich domonierenden Mainsteam bevorzugt wird: “However, she is now embroiled in a row with the group, of which she is president, after she praised a research centre that she opened at Edinburgh Zoo.” https://web.archive.org/web/20080526005435/http://www.telegraph.co.uk/news/newstopics/celebritynews/2011241/Is-Jane-Goodall-about-to-lose-her-post.html [05.10.25]

[2] Singer äußert dies in verschiedenen seiner Texte, so etwa in Practical Ethics (1979), Animal Liberation (1975) und hier: “So normally, the death of a human being is a far greater loss to the human than the death of a mouse is to the mouse — for the human, it thwarts plans for the distant future, and it does not do that for the mouse.” https://petersinger.info/faq [Zugriff 16.05.2023]

 

Ethische Perspektivitäten (1)

Tierethik / Animal Ethics zurückfordern.

Tierethik wird als Begriff von Wissenschaftspools zur Eigenlegitimation naturwissenschaftlich informierter speziesistischer Positionen gebraucht.

Gruppe Messel, neue Wurzeln

Reclaim > Tierethik / Animal Ethics

a term used by science pools to self-legitimize in natural science informed speciesist frameworks.

Im weiterläufigen Kontext:

“Im Bezug auf nichtmenschliche Tiere stehen wir also noch an ähnlicher Stelle wie die Utilitaristen. Wir begründen Rechte negativ, denn wir sprechen nicht von Besonderheiten, Einmaligkeiten, individuellen Stärken und vor allem von autonomer, eigenwertiger Bedeutsamkeit als Ausgangslage für die Anerkennung von Rechten. Wir sprechen von Leid, von fühlenden Wesen die Leiden können, der Rest bleibt erstmal zweitrangig in der Frage über Rechte. Dabei sind genau die Besonderheiten und die Autonomie des anderen Lebewesens, das, woran Recht sich bemessen können muss […].”

https://tierrechtsethik.de/eine-heraussonderung-von-leid-und-empfinden/ [18.04.2025]

“Es ist völlig üblich, dass Tierethiker*innen ihre Thesen immer noch genau auf jene Dichotomien aufbauen, die uns letztendlich das Anthropozän beschert haben.”

https://tierrechtsethik.de/the-nature-human-dichotomies-and-animal-ethicists/ [18.04.2025]

“Es tut mir leid, aber die Tierethik selbst ist wirklich auch nicht mehr als das, woraus sie zumindest in Academia geboren wurde: ein Unterfach der Bioethik. Sie erscheint wie ein defensiver Ableger der Bioethik, weil aus ihr immer nicht die Tierrechtsethik werden will.”

https://simorgh.de/about/von-fleischglaeubigen-und-relativierern/ [18.04.2025]

“Es gibt die Veganer_innen, die die gesundheitlichen Aspekte betonen, und diejenigen, die mit der ethischen Seite werben und primär argumentieren… soweit, dass Nichtmenschen ja auch fühlende Wesen sind; aber viel mehr wird auch nicht am anthropozentrischen Gerüst gekratzt … und das waren wohl auch schon beide Hauptströmungen im Veganismus. Beide sind in dem Punkt miteinander d’accord, dass sie auf die Ernsthaftigkeit der Tierunterdrückung nur mit einer Tierethik hinweisen, die Tiere immer noch als Objekte der Definitionshoheitsgebiete einer anthropozentrischen Naturwissenschaft, eines anthropozentrischen Rechts, solcher Religionen und Kulturen und Kulturverständnisse betrachten. Der eigentliche Unterdrückungsmoment ist also im weiß-zentrischen Veganismus immer noch nicht behoben.”

https://simorgh.de/about/introspektionen-und-distanz/ [18.04.2025]

Ethik, eh ein stoplriges Gefilde

Thema > Tierrechtskanon, 2017 > https://simorgh.de/talks_1/tierrechtskanon_1a.mp3 [18.04.2025]

Thema > Verbindungsstellen zwischen Menschen- und Tierrechten erkennen > https://simorgh.de/about/podcast-verbindungsstellen-zwischen-menschen-und-tierrechten-erkennen/ [18.04.2025]

 

 

Reduktion durch ein Konzept

Das Konzept “Spezies”, der Art also, ist äußerst reduktiv. Man fokussiert unter bestimmten Gesichtspunkten auf bestimmte Gesichtspunkte. Dabei könnte man viel umspannendere Überlegungen zur Auseinandersetzung mit nichtmenschlichen Tieren anstellen, die weitaus komplexer wären.

Gruppe Messel Tiersoziologie

The concept of “species” is extremely reductive. It focuses on certain aspects from certain points of view. However, one could make much more comprehensive considerations in regard to non-human animals, which would be far more complex.

Animal Sociology Group Messel

El concepto de «especie» es extremadamente reductivo. Se centra en ciertos aspectos desde ciertos puntos de vista. Sin embargo, se podrían hacer consideraciones mucho más comprensivas con respecto a los animales no humanos, lo que sería mucho más complexo.

Sociología animal, Gruppe Messel

Le concept d'”espèce”, de spécimen donc, est extrêmement réducteur. On se focalise sur certains points de vue, sur des aspects particuliers. On peut pourtant mener des réflexions beaucoup plus vastes et complexes sur la réflexion sur les animaux non humains.

Sociologie animale, Gruppe Messel

Kriege gegen die Tierheit / Begriffe

Kriege gegen die Tierheit

Das Traurige am Krieg gegen die Tierheit ist, dass die Menschen > an die reduktiven menschlichen Definitionen von Tiersein (durch die Geschichte hindurch) in erstaunlicher Komplizenschaft, Mitverantwortung und Mitschuld glauben.

Kein Paradigmenwechsel in den eigenen Systemen.

The sad thing about the war on animality is that people > believe in the reductive human definitions of animality (throughout history) with astonishing complicity, co-responsibility and complicity.

No paradigm shift in their own systems.

Lo triste de la guerra contra la animalidad es que la gente > cree en las reductivas definiciones humanas de la animalidad (a lo largo de la historia) con una complicidad, corresponsabilidad y complicidad asombrosas.

No hay cambio de paradigma en sus propios sistemas.

Ce qui est triste dans la guerre contre l’animalité, c’est que les humains > croient aux définitions humaines réductrices de l’animalité (à travers l’histoire) avec une complicité, une coresponsabilité et une culpabilité étonnantes.

Pas de changement de paradigme dans leurs propres systèmes.

Begriffe

Die Eigenbezeichnung des Bündnisses “Gemeinsam gegen die Tierindustrie” verharmlost sprachlich die Orte, die man bekämpfen will.

Der > IMPLIZIT speziesistische Diskurs > als gewählte und konstruierte Sprachform dominiert die deutsche Szene.

Bei allem guten Willen, aller Tierliebe … und so fort.

Sie wollen es nicht verstehen? Stellen Sie sich vor, ihre Diskriminierungsform besteht genau aus jenen Merkmalen, die man ihnen dann immer wie einen Schwanz an den Esel dranhängt.

Hier wird vorausgesetzt, dass die Hauptorte des systematisch organisierten Faunazids industrielle Gründe wären.

Wären wir jemals bereit Menschen so zu kontextualisieren, indem wir der Vorgabe der UNRECHTS folgen, als Programm zur Auflösung desselbigen.

Zudem: woher die Sprachsensibilität und Offenheit zur Sprachsensibilisisierung, wenn es um “eigene Primärbelange” geht.

Ich habe anhand solchen Schieflagen immer den Eindruck von einer moralischen Verkümmertheit. Man macht es sich möglichst einfach bei gewissen Themen und bei anderen dann eben nicht.