Systemimmanenter Speziesismus als gesellschaftlicher Istzustand


Wenn man Speziesismus auf der kulturellen und nicht auf irgendeiner technokratischen Ebene betrachtet, dann ist einem klar, dass wir kulturell immer noch in einem speziesistischen System leben.
Aktivismus, der vorgibt der Faunazid wäre eine Beiwerk menschlicher Uninformiertheit, ignoriert, dass Speziesismus eine Geschichte intentionierter Abwertung von Nichtmenschen und deren Kulturen ist.
Wird auf sekundäre Symptomatiken, die infolge des Faunazids auftreten, als Argument gegen Speziesismus ausgewichen, bleibt das Verhältnis von Menschen immer noch bestehen, dass Tiersein und Tierlichkeit kulturell und gesamtethisch nonexistent und bedeutungslos wären.
Antibiologistische Tiersoziologie

Neue Fragestellungen, neue Argumentationsstränge

Entwurf und Fragment

Tierrechte und Umweltethik werfen neue Fragestellungen auf und befördern damit neue Argumentationsstränge

Was unsere Argumentationen im Bezug auf Tierrechte anbetrifft, so liegt zwischen dem „Rationalen“ und dem „Emotiven“ eine Schnittstelle, die wir argumentativ immer wieder durchdeklinieren können und sollten: Wo liegen die Fehler der anthropozentrischen Hybris, wie sind wir im Anthropozän gelandet? Das Thema Tierrechte kann nicht wirklich gesondert von dem Thema Umweltzerstörung behandelt werden, weil beide Problematiken Ausdruck eines humanzentrisch hegemonialen Denkens und Handelns darstellen.

Argument und Emotion können in Sachen Faunazid und Ökozid zusammenfallen, in dem Moment der kritischen Benennung der damit beobachteten, umschriebenen und erkannten Vorgänge. Fragen nach von Menschen begangenem Unrecht und Fehlern, die hierbei aufgeworfen werden, eröffnen Perspektiven und damit Argumente, die dem Gegenüber bislang nicht als relevant erschienen sind/erscheinen. Der emotiv gespeiste Protest drückt dabei Opposition und Widerstand zu einem (in sich noch relativ geschlossenen) System der Negierung und der Zerstörung anderen Seins auf.

Tierrechte und Umweltethik werfen neue Fragestellungen auf und befördern damit neue Argumentationsstränge. Nichtsdestotrotz machen Tierrechtler*innen sich abhängig von der Akzeptanz ihrer kritischen Fragestellungen seitens der Wissenschaften, während Umweltschützer*innen schamhaft mit ihrer Naturliebe mit Pathos umgehen und zur Technokratisierung ihrer Ethik neigen [1].

Man beachte: Keine andere emanzipatorische Bewegung, außer der Tierrechtsbewegung, hat jemals von sich selbst eine wissenschaftliche Beweisführung zur Eigenlegitimation anführen wollen (fragwürdig, allein  aus dem Grund, weil man die ‚Unterdrückung nicht mit den Werkzeugen des Unterdrückers demontieren kann‘ (Audre Lorde “the master’s tools will never dismantle the master’s house.”). Tiere sind offensichtlich seit Anbeginn der Menschheit ein Faktor gewesen, an dem sich rückblickend betrachtet Fragen menschlicher Identität abgearbeitet haben. Davon auszugehen, dass wir uns epistemologisch in neutralen Zonen bewegen würden, wenn wir uns auf Wissen und die üblichen – in jeglicher Hinsicht reduktiven – Argumentationsführungen im Bezug auf nichtmenschliche Tiere verlassen, ist naiv und für Tierrechtlerinnen fahrlässig.

Sowohl der Einsatz gegen den Faunazid als auch gegen den Ökozid, auf allen notwendigen Ebenen, kann selbstbehauptend vorgehen. Für eine verbesserte und gerechtere Sichtweise auf die Welt, werden wir nicht drumherum kommen neu zu argumentieren, und das heißt auch neue Begrifflichkeiten herauszuarbeiten. Das muss aber nicht unbedingt auf verwissenschaftlichter Ebene geschehen. Die Tierrechtsbewegung kann als eine pluralistische, nicht-elitäre Bewegung verstanden werden, denn sie betrifft alle und sie ist eine emanzipative Bewegung.

[1] Zum Thema Technokratisierung des Umweltschutzes habe ich einige Gedanken hier, weiter unten im Text, formuliert: https://simorgh.de/about/tierrechte-und-umweltschutz/

 

Artgerecht klassifizieren

Das Anthropozän ist so verdammt artgerecht.

Tierrechtler*innen die reduktiv von “artgerechtem” Verhalten bei Tieren reden, sind selber Teil des Problems. “Artgerecht” ist ein speziesistischer Begriff, der ökologische Komplexität in ihren Zusammenhängen mit Tiersoziologie auf ein paar banale Aspekte reduziert. #biologismus

Hier die kritischen Einträge auf unsere Seite zum Begriff: “Artgerecht” > https://simorgh.de/about/?s=artgerecht&submit=Search

Unser erster englischer Kommentar/Fragment dazu: https://www.simorgh.de/objects/the-german-artgerecht-is-a-speciesist-term/

… wobei unsere Kritik am Biologismus in Bezug auf Tiere derart Begriffe gleichsam mit zu dekonstruieren sucht.

Speziesistische Herabsetzung: Schimpfwörter


„Sau“ und „Schwein“ werden als Schimpfwörter verwendet, weil menschlichen Mehrheiten die Nichtmenschen, die sie so benannt haben, fortwährend herabsetzen, und weil diese Tiere durch ihre intentionierte Verletzung und Tötung als uneinschränkbar vogelfrei gelten.
Antispeciest Animal Sociology

Antispeziesismus trägt in sich eine gegenläufige Verbindung

Antispeziesismus trägt in sich eine gegenläufige Verbindung:

Eine Kritik am Spezies-ismus kann heißen unsere Begrifflichkeit über “Spezies” vollständig zu dekonstruieren, im Sinne neuer Herangehensweisen um diejenigen Lebewesen zu adressieren, die wir gegenwärtig als Gruppe/n “nichtmenschlicher Tiere” subsumieren. Es kann aber auch bedeuten, an dem Gedanken festzuhalten, dass Lebewesen in “Spezies” eingeteilt werden könnten, mit dem einzigen Unterschied, dass sich Menschen nun anders im Bezug auf die Wesen positionieren würden, die sie weiterhin mit ihren hegemonischen Begriffen definieren wollten.

Antispeciesism is at least a two-way road:

A critique of species-ism could mean to completely deconstruct the notion of “species” in favor of finding new approaches to address the groups of beings we now sum up as the group/s of “nonhuman animals”. It can also mean to cling to that idea, that beings can be separated into “species”, only that we position differently towards the beings we’d keep defining in hegemonic terms.

Antispeciesist Animal Sociology

Segregative approaches

Question about segregative approaches, such as found in the discussion here https://www.bbc.co.uk/programmes/w3csydct, where conservationist approaches typically stand in conflict with the concepts of animal rights, for a large part by ignoring aspects affecting nonhuman life as a whole.

We come from a radical antispeciesist approach, hence we need to raise a few questions:

Question 1 about the saving biological diversity approach:

  • Are they for captive breeding programs to halt the extinction of some species? If yes, how do they see the problematics of zoos? Do such problematics matter in the discussion about extinction, its causes and how the driving forces behind natural destruction can be addressed?

Question 2 about the saving biological diversity approach:

  • Life is a net, yet equally individual lives are meaningful (with humans and nonhumans). Positively seen we understand how life is built as an interdependent net. Yet oppressive mechanism also function as a “net”, yet one of destructiveness, meaning: Wildlife stands amidst mechanisms of a systemic zoocide and ecocide. When we name the net of life, we should also discuss the destructive mechanisms of the socio-political scale and not just highlight biological functioning.

Question 3 about the saving biological diversity approach:

  • When we face destructiveness that targets and sacrifices biological diversity, why do we exclude the nonhuman lives that are barred from the natural spaces and locked into machineries? Why is the connection of destructiveness towards life being treated in a segregative way? For the sake of keeping up the notion of taxonomical richness? Definitely not for nonhuman life itself.

Antispeciesist Animal Sociology

Weiße Ignoranz bremst die Pluralität im Tierbefreiungsaktivismus aus

Weiße Ignoranz bremst die Pluralität im Tierbefreiungsaktivismus aus

Aktivismus auf bestimmte Wege und Mittel zu reduzieren, halten wir nicht für zielführend. Wenn wir sagen, jede Form des Aktivismus besitzt ihre eigene Legitimität, heißt das auch, dass bestimmte Methoden nicht unter- oder überbewertet sollten. Die meisten Aktivist_innen in der BRD wählen den kollektivistischen und körperpräsenten Aktivismus, sie blenden dabei aber andere mögliche Diskurswege und kommunikative Möglichkeiten erstmal und letztendlich aus.

Dabei wird die Gesellschaft-als-solche wiedergegeben als homogenes Gebilde, in dem der Einzelne sich konform einfügen kann um effizientes Mitglied der Menge zu sein. Der/die einzelne muss sich Akzeptanz in einer wenig pluralen Menge erarbeiten, wenn er/sie mit seinen/ihren Beiträgen denn wahrgenommen werden wollte. Um so mehr er/sie selbst denkt, um so weniger Akzeptanz findet er/sie jedoch.

Herangehensweisen sind von der überwiegend weißdefinierten Menge vorgegeben, diese sind das Maß dessen, was akzeptabel, relevant und der Anerkennung würdig ist. Ein weißdominierter Objektivitätsfilter findet dabei seinen intentionierten vollen Einsatz.

Der Aktivismus spiegelt dabei die Makroebenen gesellschaftlicher Organisationsformen wieder (Rassismus). In anderen Worten: es wird strukturell das wiederholt, was methodisch ebenso im Großen und Ganzen fungiert. Andere Herangehensweisen, die individualistischer sind, weniger massengesellschaftlich, weniger machtorientiert. die von anderen kulturellen Ansätzen her Tierrechte und Tierbefreiung adressieren, bleiben als bestehende Pluralität unsichtbar und die klassischen Elemente weißer Ignoranz kommen zum Tragen.

Wir… hingegen wollen nicht einbezogen werden in diese gesellschaftlichen Konstrukte, selbst wenn das vermeintliche Ziel das gleiche ist. Doch ist es eigentlich wirklich das gleiche?

Kosmetische kulturelle Vielfalt, wie wir sie hier wenn überhaupt haben, ist noch kein intersektionaler Weg. Wenn die weiß-identifizierte Menge entscheidet, welche Thesen die richtigen sind, dann haben wir ein Problem aber keine kulturelle Pluralität in der Sicht auf die Thematiken.

Die Tierthematik mutiert so zum Gegenstand eines weiß-identifiziertem vorgegebenen Denkens, die Nichtmenschen selbst sind dort ein entkulturalisierter Gegenstand des Rettungskomplexes weißer Arroganz.

In der Vorderfront stellt man den einen oder die andere VOC als Führungspersönlichkeit um die weiße Menge als bloße Anhänger in diffuse Machtbereiche verschwinden zu lassen. Pluralität im Denken findet dort ebensowenig ihren Platz, denn die Strukturen, die Hierarchiebedürfnisse sind die Gleichen, wie wenn der kosmetische Antirassismus ausgeblieben wäre.

Wir… bügeln diese Fehler im weiß-dominierten Denken nicht heraus. Die Leute werden weitermachen, wie sie es eben tun.

Das Thema wächst dank eines gesamtgesellschaftlichen Prozesses. Die Körperpräsenz weiß-identifizierter Menschen und kosmetische kulturelle Pluralität sind nicht mehr, als ein Zerrspiegelbild global-kultureller Veränderungen, die gemeinschaftlich durch einzelne und in Minderheiten adressiert werden ( – das Prinzip herrschender Minderheiten könnte hier erkennbar sein).

Konstruktive Beziehungen sind nicht eurozentrisch monopolisierbar.

Die Definition von Nichtmenschen bleibt Definition. „Das Tier“ bleibt in seiner speziesistischen Definition erhalten, wenn nun auch geliebt und geachtet – als „das Tier“, nicht aber als weitere Kulturen. Der Ansatz von Tierkulturen zu sprechen findet nicht statt, sowenig wie die Anerkennung menschlicher kultureller Pluralität.

Das Herrschaftskonstrukt Speziesismus in seiner Komplexität wird nicht demontiert, es wird weder der Bezug zu innermenschlichen Konflikten noch zu nichtmenschlich-tierlicher kultureller Vielfalt ausgedrückt.

@neovegan / https://derarchimedischepunkt.wordpress.com > https://derarchimedischepunkt.wordpress.com/2018/11/06/white-ignorance-stifles-animal-liberation-plurality/

Wir können uns nicht leisten, unterschiedliche Diskurse über Menschen- und Tierrechte zu führen.
Antispeciesist Animal Sociology

Das Schlachthaus als Hauptort des institutionalisierten Zoozids

kts8

Jahrgang 5, Nr. 5, Art. 1, ISSN 2363-6513, Oktober 2018

Das Schlachthaus als Hauptort des institutionalisierten Zoozids (PDF)

Hintergrund: In dieser Ausgabe der Tierautonomie stellen wir der Leserin vier Textquellen vor, die sich mit den Interna der Gewalt gegen Tiere in der Fleischproduktion und im Fleischkonsum befassen. Der erste Artikel von Michael Lebwohl adressiert die Gefahren psychischer Schäden bei Schlachthausarbeitern in Folge insbesondere eines durch die Täterschaft induzierten traumatischen Stresses. Folgend ein Auszug aus Elias Canetti Masse und Macht, in dem das Thema der Gewalt gegen Tiere in unterschiedlicher Form Gegenstand ist und Canetti das Einverleiben und Verdauen als einen im menschlichen Bewusstsein machtrelevanten Vorgang darstellt. Gail Eisnitz ist mit einer Präsentation über die Praktiken von Massentierhaltungsanlagen und Hochleistungsschlachthäusern repräsentiert, sie hat im Rahmen einer Untersuchung zahlreiche Interviews mit Schlachthausarbeitern durchgeführt. Abschließend eine Rezension des Vorsitzenden des Farm Animal Reform Movement, Alex Hershaft, von Gail Eisnitzs Buch Slaughterhouse. Die Investigationsarbeit von Eisnitz hat bis heute an Relevanz nichts verloren.

Schlagworte: Speziesismus, Schlachtbetriebe, Agrarindustrie, Ethik, Zoozid

Mit nichtmenschlichen Tieren solidarisch sein: Alltagsspeziesismus kritisch begegnen

How much “animal-machine” (Descartes) is entailed in instinct-based ethological approaches; after all if you differentiate further you come to see that ethology should be rather sociology. Again political and sociological concepts should replace biologist views of animality … .

Mit nichtmenschlichen Tieren solidarisch sein: Alltagsspeziesismus kritisch begegnen

Palang L. Yegane Arani, Gruppe Messel

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Speziesismus begegnet man jeden Tag, in unterschiedlichen Formen, überall, und alle uns bekannten menschlichen Gesellschaften bauen und bauten sich mehrheitlich auf den verschiedensten tierverachtenden Praktiken in ihrem Alltagsleben auf – gleich wie der kulturell unterschiedliche Alltag jeweils geartet ist oder war. Die Tierunterdrückung ist eine globale und zeitübergreifende Tatsache, die mit der Existenz des “Menschen” anscheinend unabdingbar in Zusammenhang stehen will.

Die Kehrseite des Verhältnisses Mensch > Tier drückt sich aber im gleichen Zuge auch in der konstruktiven Gegenseite aus. Der ethische Veganismus, als zeitgenössisch erfolgreichste antispeziesistisch motivierte Praxis [1], bezieht sich auf seiner Handlungsebene auf die Auswahl und Verwendung von Gütern, und damit auf die Konsumebene und den krassesten endemischsten Speziesismus in seiner materiellen Manifestation.

Wir nehmen die stetig breitangelegte und so lückenlos Erscheinende totale Unterdrückung von nichtmenschlichen Tieren zwangsläufig als etwas gewissermaßen “normales” an, auch wenn wir gegen diese aufoktroyierte Normalität kämpfen – eine Spezifik des Speziesismus wenn man ihn intersektional vergleichend betrachtet [2] –denn dieses Unterdrückungsphänomen umgibt uns unter Menschen immer, und wir würden sonst vor Verzweiflung psychisch und geistig zerbrechen. Wir würden paradoxerweise auch den Glauben an die Menschheit verlieren, wenn wir die Realität ungefiltert durch die Ausblendungsmechanismen der „Rationalisierung“ oder „Normalisierung“ aus unserer Tierrechtssicht tagtäglich in vollen Ausmaßen und voller Tragweite konstatieren und verarbeiten wollen würden. Wir können solch eine Realität nicht wirklich verarbeiten.

Diese zwangsweise “Normalität” und “Alltäglichkeit” nun macht es uns besonders schwer dieser extremsten Form unterdrückerischer Systeme zu begegnen. Es ist in der Tat so normal Nichtmenschen alles was selbstverständlich ist abzusprechen, dass es bereits progressiv erscheinen soll, wenn jemand allein die Tatsache tierlichen Schmerzes, Leids, Intelligenz, Freude, etc. hervorhebt oder bestätigt, oftmals mit einer Beweiserklärung biologistischer Natur. Dabei sollte sich unser Sprechen, als Tierrechtler_innen [3] wohlgemerkt, über nichtmenschliche Tiere, seit dem Beginn eines öffentlich geführten Diskurses über Tierrechtsfragen und Tierbefreiung, längst von inhaltlichen aber auch von rhetorisch-sprachlichen Speziesismen schon weitaus stärker emanzipiert haben.

Interessanterweise liegt in der Ohnmacht gegenüber der Totalitarität speziesistischer Unterdrückung aber auch ein entscheidender Schlüssel, der uns immer wieder in der Geschichte unserer Bewegung begegnet, den wir aber häufig zu unterschätzen geneigt sind. Das „wie agiere ich“, „wie reagiere ich“, „wie und was spreche ich, thematisiere ich, rücke ich in den Fokus, auf welche Weise“, usw. … die Qualität meines Agierens bezieht sich auf die speziesistische Unterdrückung, die mir überall und jeden Tag begegnet, und genau das heißt auch ich muss und ich kann irgendwie, an irgendeinem Ansatzpunkt, gegen den Alltagsspeziesismus handeln und meine kritischen Gedanken in unserer speziesistischen Gesellschaft zum Ausdruck bringen.

Ethischer Treibstoff

Was wir dabei sehen ist nicht weniger als der Treibstoff, der jeden Kampf um Gerechtigkeit und jede emanzipatorische Bewegung ausmacht. In all solchen Bewegungen ist und war niemals die Sicherheit des Erreichens des Zieles Anlass zur Gewissheit über die Schlagkraft und die Fundamentalität des Vorgehens zur Erreichung des Anliegens, sondern aus der emanzipatorischen Handlung selbst führt der Weg zum Ziel. Nur das im Falle des Antispeziesismus und Anti-Humanzentrismus [4] der emanzipatorische, selbstbefreiende Prozess nicht innerhalb eines allein auf den Menschen bezogenen Kreises stattfindet, sondern der besondere Moment speziesistischer Unterdrückungsqualität [5] überwunden und seiner begegnet wird.

Da die Problematik Speziesismus bislang noch nicht als ein gesellschaftliches Problem anerkannt wird – obgleich sie genau das ist, denn das unterdrückerische System stammt aus unseren Gesellschaften und wird nur in der Folge als ökologisches Problem des Artensterbens und seiner indirekten Folgen für die Nichtmenschen [6] benannt – da der Speziesismus als ein Problem also nicht auf sozio-politischer gesellschaftlicher Ebene anerkannt wird, wird auch die Kritik an diesem System nicht wirklich anerkannt. Das macht es schwierig, ist aber nur ein Ausdruck dessen, was die Problematik Speziesismus besonders macht, im Vergleich zu anderen Unterdrückungsformen, die im Gegensatz hierzu dann zumeist Menschen als Primäraffizierte anbetreffen.

Menschenrechte werden soweit anerkannt, dass der Genozid am Menschen Fundamentalthema und Alarmzeichen im gesellschaftlichen Bewusstsein über Menschenrechte darstellt. Auch der Ökozid wird, jedoch aber wegen der Verplanung und Einbeziehung der Natur als Ressource für den Menschen, als zentrales Thema ethischer Relevanz anerkannt. Die Dimension eines Zoozids, die eindeutig das Anthropozän kennzeichnet, spielt noch keine Rolle im kollektiven Bewusstsein des vermeintlich Aufgeklärten menschlichen Individuums.

Jeden Tag sehen wir die Menschen sich üben in speziesistischer Totalitärherrschaft über Natur und Tierheit, und jeden Tag wird diese Gewalt auf allen ihren Ebenen und in all ihren Facetten gleichermaßen geleugnet und als unumstößliches Herrschaftsimperativ vermeintlich menschlicher Überlegenheit durchexerziert: im Sprechen, im Beurteilen, Denken, somit dann im Konsum, in den geäußerten Meinungen und Standpunkten als alltagspolitischen sozio-ökologischen Boden.

Jede_r von uns sollte sich daher überlegen, an welcher Stelle er/sie etwas verändern kann innerhalb dieser Herrschaftsstruktur. Wenn wir meinen wir könnten auch andere Problematiken kritisch thematisieren, dann auch diese wohl allerkomplizierst verankerte Form der Unterdrückung Anderer und unseres freien Denkens und gemeinschaftlichen Seins unter allen Lebewesen.

Mit nichtmenschlichen Tieren solidarisch sein wollen und können ist die Kunst der Gegenwart und der Zukunft, bis endlich das Problem humanzentrischer Ungerechtigkeit als wohl komplexestes Unterdrückungssystem dekonstruiert sein wird!

Verweise

[1] In den ersten ‚Vegan News‘ in der Donald Watson auch die erste Definition des Begriffes ‚vegan‘ erklärt, beschreibt er die zentralen ethischen Beweggründe in Hinsicht auf nichtmenschliche Tiere als ausschlaggebenden Faktor für die Abspaltung des Veganismus vom Vegetarismus, vgl. G. Yegane Arani: Eine Übersetzung der ersten Vegan News aus dem Jahre 1944, verfasst von Donald Watson, https://simorgh.de/about/vegan-news-no-1/ , Stand 01.10.2018.

[2] Der intersektionale Ansatz im Veganismus oder in der Tierrechtsbewegung geht davon aus, dass alle Oppressionsformen, so wie Sexismus, Rassismus, Ableismus und Speziesismus miteinander in Verbindung stehen. Nichtsdestotrotz sollte zur Analyse der jeweiligen Problematik das Augenmerk auch auf die Besonderheit der Unterdrückungsform fallen. Ich habe zur Spezifik des Speziesismus vor kurzem mehrere Fragmente verfasst auf Englisch, siehe:

[3] Ich beschränke mich hier nur auf Tierrechtler_innen, meine aber hinzuzüglich auch die Tierbefreier_innen und alle weiteren Gruppen/Individuen, die sich für die Interessensvertretung der nichtmenschlichen Tiere einsetzen.

[4] Humanzentrismus oder Anthropozentrismus muss nicht zwingendermaßen speziesistisch sein, ist es zumeist aber. Auf diese Möglichkeit machte mich Can Başkent in einem Interview über Tierbefreiung und Atheismus aufmerksam, und zugegebenermaßen sind mir selbst auch zahlreiche Beispiele von nicht-speziesistischem Anthropozentrismus bekannt. Da in der Regel der Zentrismus auf „den Menschen“ aber mit der Sekundarisierung von nichtmenschlichen Tieren einhergeht, verwende ich die Begriffe in der kritischen Bedeutung. Vgl.: Tierautonomie, Jg. 1 (2014), Heft 3, Wir haben Can Başkent über Schnittstellen zwischen Atheismus und Tierrechten befragt, S. 5, http://simorgh.de/can_baskent/4b_interview_can_baskent_jkts_5.pdf , Stand 01.10.2018.

[5] Es geht wiederum um die spezifische Qualität des Speziesismus als Unterdrückungsform, der auf entsprechende und besondere Weise begegnet werden muss. Es können sich in wohlgemeinten Versuchen der Abhilfe gegen Speziesismen genau solche selbst einstellen, wegen der mangelnden Bewusstmachen der exakten Funktionsweisen der Unterdrückungsform.

[6] Die Tragödie und die Implikation von grenzenloser Ungerechtigkeit gegenüber nichtmenschlichen Tieren wird nicht als Zoozid, das heißt als gezieltes Vernichten der Tierheit und ihrer Untergruppen benannt, sondern die Vereitelung menschlicher Interessen wird in zahlreichen Argumentationen z.B. auch häufig für den Veganismus, in den Mittelpunkt gerückt; selbst die Empathie sei eher relevant in Hinsicht auf uns, aber nicht in Hinsicht auf die Bedeutsamkeit für die Biographie des tierlich-andersseienden in der vollen Tragweite.

Priorisierungen als Machtmittel

Gesinnungsmord und
geistige Brandstiftung
machen die Zerstörung der Natur
und den Zoozid aus
im Anthropozän.

Podcast: Priorisierungen als Machtmittel (MP3)

Entscheidend sind die Prioritäten …

Wir beeinflussen Dinge über die Wahl unserer Prioritäten. Wenn mir das Konsumieren und Vanity das Wichtigste sind, wähle ich Inhalte, ich entscheide mich mehr oder weniger bewusst für diese – auch wenn ich mir der genauen Konsequenzen meiner Entscheidungen nicht unbedingt bewusst sein muss, ich bin es teilweise. Mit der Wahl die wir treffen, treffen wir die Aussage: das ist uns/mir wichtig.

Das Priorisieren findet ständig statt und und wir machen fortwährend Interessenspolitik mit der Entscheidung über Wichtig und Unwichtig. Ich meine wir tragen dadurch eine direkte und offensichtliche Verantwortung dafür, was unser Umfeld als Impuls von uns mitgeteilt bekommt über „wichtig“ und „unwichtig“. Wir werben quasi für Lebensmodelle, wir nutzen die Kraft unseres Seins um unsere Umwelt zu manipulieren in unserem Sinne. Wir sind nicht frei von Verantwortung über die Umweltzerstörung, über die Negation von nichtmenschlichem Leben.

Wir übernehmen gerne Verantwortung für Problematiken in denen wir Unmenschlichkeiten orten im Bezug auf Menschen als eine Art Gesamtheit, als politische Spezies. Wir priorisieren Menschenrechtsproblematiken indem wir ihre Zusammenhänge mit den Problematiken anderer Formen von Ungerechtigkeit und Gewalt ausklammern, oftmals bis zu dem Punkt, an dem es scheinen mag, dass ohne die Priorisierung von Menschenrechten wirklich keine anderen Bestrebungen für Freiheit und Gerechtigkeit Sinn hätten – als funktioniere Gerechtigkeit nicht auf allen Ebenen gleichermaßen, als bestünden keine unabdingbaren Zusammenhänge und keine Gleichheit in dem was und wer wichtig ist. Wir schaffen ständig Hierarchien.

Wir untermauern den Grund unserer Priorisierungen wenn wir politisch erwachsen sein wollen. Wir können nicht mehr zugeben, dass uns ein Denkfehler unterlaufen ist. Die Kluft zwischen Verantwortung für die Umweltzerstörung und den Tiermord, zur Gewalt gegen Menschen und der Nichtachtung von Menschrechten, klafft in unseren gelebten Verständnissen weit und offen. Unschließbar. Unsere Denkfehler sind Kulturgut.

Es ist nicht automatisch gegeben, dass das eine Thema auf die eine reduzierende, minimalisierende Art und Weise, das andere Thema aber umfassend und wichtig vorgestellt wird, immer wieder. Nein, die Gesellschaft reproduziert ihre Priorisierungen, wie ein Diktum. Auf solchen Ebenen finden die Gessinungsherrschaften statt, mit denen wir es heute zu tun haben, geht es um Mensch, Tier, Natur. Banale Egozentrik wird gleich einer aristokratischen Perversion als Menschsein von Clustern gesellschaftbildender Gleichtaktender als Selbstverwirklichung durchexerziert. Das Unrecht gegenüber den anderen und dem Anderen schlechthin wird dabei in die Lächerlichkeit und in die Unsichtbarkeit gestoßen.