Ralph R. Acampora: Auslöschung durch Ausstellung: Ein Blick auf und in den Zoo

kts8

Jahrgang 11, Nr. 2, ISSN 2363-6513, Oktober 2025

Auslöschung durch Ausstellung: Ein Blick auf und in den Zoo

Ralph R. Acampora

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Abstract: Dieser Artikel vergleicht die phänomenologische Struktur zoologischer Ausstellungsformate mit den in der Pornografie vorherrschenden Mustern. Er untersucht mehrere Diskrepanzen zwischen beiden Bereichen, stellt fest, dass diese entweder nicht vorhanden oder irrelevant sind, und kommt zu dem Schluss, dass die vorgeschlagene Analogie genug Bestand hat, um als kritische Linse zu dienen, durch die man die Institution Zoo betrachten kann. Die zentrale Idee, die sich in diesem Interpretationsprozess offenbart, ist paradox: Zoos sind insofern pornografisch, als sie die Natur ihrer Objekte gerade dadurch verschwinden lassen, dass sie sie übermäßig exponieren. Da die Tiere gerade durch die Feilbietung ihrer Sichtbarkeit degradiert oder marginalisiert werden, wird der Anspruch der „Bewahrung” kritisiert. Es wird angeregt, den Zoo, wie wir ihn kennen, durch authentischere Formen der Begegnung mit anderen Lebensformen abzulösen.

Schlagworte: Zoos, Pornografie, in Gefangenschaft gehaltene Tiere, Wildtiere, Tierschauen, Ausstellung, speziesübergreifende-/Interspezies-Ethik, Artenschutz, Biophilie

Originalfassung:
Ralph R. Acampora: Extinction by Exhibition: Looking at and in the Zoo, Human Ecology Review, Vol. 5, No. 1, 1998, S. 1–4.
https://www.humanecologyreview.org/Human%20Ecology/HER_5,1,1998.pdf [19.10.2025].
Herausgegeben von der Society for Human Ecology.
Übersetzung ins Deutsche: Gita Yegane Arani.

Die zweite Natur stellt uns vor größere Probleme als je zuvor, da wir uns plötzlich bewusst geworden sind, wie sehr wir von ihr abhängig sind und inwieweit unsere Ansprüche tödlich sein könnten. (Schwartz 1996, 173)

Im Laufe seiner Geschichte hat der Zoo eine relationale Dynamik der Herrschaft demonstriert. Ursprünglich, in seiner Zeit als privater Garten, war er ein mächtiges Symbol der Herrschaft und vermittelte ein imperiales Bild des Menschen als Monarchen – Herrscher über die Natur, Herrscher über die Wildnis. Schließlich wurde er in eine öffentliche Menagerie umgewandelt und zu einem Ritual der Unterhaltung, das ein fast trickreiches Bild des Menschen als Magier vermittelte – als Bändiger von wilden Tieren, als Beschwörer über Gefangene. Der moderne Zoo ist zu einem Wissenschaftspark und ästhetischen Ort geworden, dessen Bedeutung als erlösend gilt; er steht als Symbol für Naturschutzpolitik und vermittelt ein religiöses Bild vom Menschen als Messias – dem neuen Noah: Retter der Arten, gütiger Despot der Tiere. Vom Imperium, über den Zirkus, bis hin zum Museum oder zur Arche, wurde der Zoo nach anthropozentrischen und wohl auch androzentrischen Hierarchien und Entwürfen organisiert (Mullan und Marvin 1987).

Historisch geprägt von paternalistischen Mustern und Spuren des Patriarchats, rechtfertigen sich zoologische Einrichtungen heute mit dem Verweis auf ihre angeblich rettenden Stärken. Zoos werden als Zufluchtsorte für den Schutz wildlebender Tierarten legitimiert, als Rettungsanker für ein Tierreich, das durch die industrialisierte Zivilisation bedroht ist. In Anlehnung an John Berger (1977) behaupte ich, dass diese Selbstdarstellung eine Ideologie ist, die sich in einem Paradox verfängt – denn gerade die von Zoos geschaffene Exposition löscht die offensichtlichsten „natürlichen” Merkmale ursprünglich wilder Lebewesen aus, nämlich deren Fähigkeit, sich anderen zu entziehen oder sich frei mit ihnen auseinanderzusetzen. (Eine solche Auslöschung findet auch dann statt, wenn man sich von einer klassischen Lehre von natürlichen Arten distanziert. Meine Argumentation stützt sich nicht auf unveränderliche Wesensmerkmale von Arten als solche, sondern vielmehr auf die allgemein akzeptierten Bedeutungen von Wildheit für jedes beliebige Tier.) So löscht diese Art der Zurschaustellung für uns die existenzielle Realität dieser Tiere aus, obwohl sie vorgibt, deren biologische Existenz zu bewahren. Selbst die kluge Zoobefürworterin Emily Hahn räumt ein, dass „das Wildtier in Gefangenschaft … zwangsläufig sein Wesen verändert und nicht mehr das Tier ist, das wir sehen wollen“ (1967, 16). Berger erläutert die Ironie wie folgt: Trotz des offensichtlichen Zwecks dieses Ortes „kann ein Fremder nirgendwo in einem Zoo dem Blick eines Tieres begegnen … Höchstens flackert der Blick des Tieres auf und verschwindet wieder … Sie schauen zur Seite … Sie schauen blindlings in die Ferne … Sie scannen [a.d.Ü. ihre Umgebung] mechanisch“ (1977, 26).

Da der Zoo seine Ausstellungs-Objekte gewissermaßen einer Überexposition aussetzt, die ihre wahre Natur herabstuft, kann man ihn als Teil einer paradoxen Form der Pornografie betrachten – nicht im Sinne von etwas Sexyem, sondern als eine Institution visueller Gewalt. Daher ist „der Zoo, in den Menschen gehen, um Tiere zu treffen, sie zu beobachten, sie zu sehen, in Wirklichkeit ein Denkmal für die Unmöglichkeit solcher Begegnungen“ (Berger 1977, 19). Mögliche Parallelen zur Genderanalyse von Pornografie lassen sich pointiert anreißen, indem man „Zoo … Menschen … Tiere“ durch „Stripbar … Männer … Frauen“ ersetzt (Kappeler 1986, 75-76).

Die breitgefasste Analogie zwischen Zoos und Pornografie ist nützlich, denn wenn sie in den relevanten Punkten zutrifft (was meiner Meinung nach der Fall ist), wirft dieser Vergleich ein neues und ausgesprochen kritisches Licht auf die Debatte über die Haltung und Zucht von Wildtieren in Gefangenschaft. Betrachten wir zur Veranschaulichung die Kontroverse um Pornografie. Es gibt mehrere denkbare Rechtfertigungen für Pornografie, aber stellen Sie sich einmal vor, ein Befürworter würde die Position vertreten, dass wir diese Institution zulassen – ja sogar fördern – sollten, weil sie uns (insbesondere junge Menschen) dazu anregt oder inspiriert, die dargestellten Personen zu schätzen, weil sie uns „lehrt“, auf das Wohlergehen derjenigen zu achten, die in der Weise exponiert sind. Das ‚Centerfold‘ würde also als Symbol für Mitgefühl und Respekt angesehen werden! Jetzt muss nur noch herausgefunden werden, warum so viele von uns dieselbe Argumentation akzeptieren, wenn sie im Zusammenhang mit zoologischen Ausstellungen vorgebracht wird. Sicherlich gibt es relevante Unterschiede, die unterschiedliche Reaktionen rechtfertigen würden – oder etwa nicht?

Einerseits könnten wir versucht sein zu denken, dass Zoos wirklich bildend sind – in einer Weise, wie es Pornografie (zumindest in der Regel) nicht ist. Aber dieser vermeintliche Unterschied hält einer genauen Befragung nicht stand. Wir müssen kritische Fragen stellen, wie sie beispielsweise Paul Shepard formuliert hat: „Der Zoo präsentiert sich als Ort der Bildung. Aber mit welchem Ziel? Um den Menschen Respekt gegenüber der Wildnis, ein Bewusstsein für menschliche Begrenztheit und für die biologische Gemeinschaft, eine Welt der gegenseitigen Abhängigkeiten zu vermitteln?“ (1996, 233). Nein, wir müssen antworten, dass Zoos entweder schlecht vermitteln oder allzu gut falsche und gefährliche Lektionen erteilen. Ein Umweltforscher fand heraus, dass „Zoo-Besucher viel weniger über Tiere wissen als Rucksackwanderer, Jäger, Fischer und andere, die behaupten, sich für Tiere zu interessieren, und nur geringfügig mehr wissen als diejenigen, die behaupten, sich überhaupt nicht für Tiere zu interessieren“ (Kellert 1979). Fast zwanzig Jahre später ist sein Urteil immer noch verheerend: „Der Durchschnittsbesucher scheint nach seinem Besuch nur marginal wertschätzender, besser informiert oder interessierter an der Natur zu sein.“ Als Antwort auf Shepards Frage stellt er fest, dass „viele Besucher den Zoo mit einer noch stärkeren Überzeugung von einer Überlegenheit des Menschen gegenüber der Natur verlassen“ (Kellert 1997, 99).

Es gibt mehrere wenig überraschende Gründe für diese negativen Ergebnisse hinsichtlich des pädagogischen Werts von Zoos: Die Öffentlichkeit steht den Bildungsbemühungen von Zoos weitgehend gleichgültig gegenüber (nur wenige bleiben stehen, um sich die Erläuterungstafeln anzusehen, geschweige denn zu lesen); Tiere werden nur kurz und in schneller Abfolge betrachtet; die Menschen konzentrieren sich eher auf die sogenannten Babys und Bettler [A.d.Ü. Jungtiere und Tiere, mit „Unterhaltungswert“] – deren niedliches Aussehen und lustige Possen ziehen die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich (Ludwig 1981). Natürlich ist diese Art der Unterhaltung das Herzstück dessen, was einen Zoo ausmacht (ungeachtet wissenschaftlicher Ideologien der Selbstdarstellung). Folglich und auf tückische Weise vermitteln und verstärken Zoobesuche immer wieder die unterschwellige Botschaft, dass nichtmenschliche Tiere dazu da sind, uns Menschen zu unterhalten. Selbst wenn wir in unseren illusorischen Momenten der Aufgeklärtheit darauf bestehen, dass sie eher zur Bildung da sind – selbst dann ist ihre Präsenz im Wesentlichen immer noch uns zugewiesen oder für uns bestimmt. Somit schließt die phänomenologische Grammatik ihres Erscheinens die Möglichkeit des Aufkommens vollständiger Andersartigkeit aus; dies bedeutet es, einen lebenden Körper zur Schau zu stellen und an der Stelle zu halten (eine strukturelle Inauthentizität, die trotz der besten Absichten menschlich-ökologischer Pädagogik bestehen bleibt).

Wenn dies wiederum zu pornografisch klingt, können wir diese Assoziation vielleicht ausräumen, indem wir die relevante Disanalogie an anderer Stelle entdecken. Zweifellos wird jemand denken, dass die von mir behauptete Ähnlichkeit aufgrund des offensichtlichen Unterschieds in der Anziehungskraft – erotische versus biotische Unterhaltung – weit hergeholt ist. Hier muss ich ein wenig nachgeben, denn es ist nicht der durchschnittliche Zoobesucher, der sich tatsächlich ein Schäferstündchen mit einem Nashorn wünscht. Ich gebe zu, dass Bestialität nicht zum normalen Ablauf eines Zoobesuchs gehört (obwohl sie als indirekter Bestandteil angesehen werden kann, wie in Peter Greenaways Film Z00 aus dem Jahr 1988). Dennoch behaupte ich, dass die Analogie auch hier stark genug ist, um ihre Gültigkeit zu rechtfertigen. Die Ästhetik des Zoos unterscheidet sich meiner Meinung nach nicht wesentlich von der Pornografie. In beiden Fällen finden wir Fetische des Exotischen, eine unterschwellige Angst vor der Natur, Fantasien von verbotenen oder unmöglichen Begegnungen und eine starke Annahme von Herrschaft und Kontrolle (Griffin, 1981). Angesichts dieser Ähnlichkeiten halte ich es keineswegs für abwegig zu behaupten, dass Zoo-Bewohner und Pornodarsteller in dieser Hinsicht Ähnlichkeiten aufweisen – sie sind visuelle Objekte, deren Bedeutung weitgehend durch die Perversionen eines patriarchalischen Blicks geprägt ist (Adams 1994, 23–84, insbesondere 39–54).

An dieser Stelle könnten einige der Ungeduldigen unter uns, die durch die Parallelen verunsichert, wenn nicht gar verstört sind, versucht sein, die Seriosität beider Institutionen auf einen Schlag zu retten, indem sie das zweischneidige Schwert der Freiheit schwingen. Pornografie an sich sei nicht so schlimm, so würde das Argument lauten, da sie von Profis betrieben werde, die sich für diesen Beruf „entschieden“ hätten; und was Zoos angehe, so seien Tiere ohnehin „Instinktwesen“ und daher selbst in freier Wildbahn nie wirklich frei gewesen. Dieses Gegenargument ist jedoch alles andere als überzeugend. Zunächst möchte ich darauf hinweisen, dass viele (wahrscheinlich die meisten, vielleicht sogar alle) derjenigen, die in Pornografie dargestellt werden, kaum behaupten können, sich frei für ihre Objektivierung entschieden zu haben. Darüber hinaus bin ich nicht bereit, den Instinkt zum Imprimatur zoologischer Ausstellungen werden zu lassen. Ich beiße in den sauren Apfel und möchte den Leser daran erinnern, dass einige Wale und andere Primaten offenbar an dem teilhaben, was Philosophen als positive Freiheit (grob gesagt autonome Handlungsfähigkeit) bezeichnen. Ich weiche dem sauren Apfel aus und möchte sagen, dass die meisten (wenn nicht sogar alle) anderen in der freien Natur lebenden Tiere zumindest negativ frei sind, in dem Sinne, dass sie frei sind, ihr Spezies-Sein individuell zu verwirklichen (was viele auch in qualitativer Hinsicht erleben).

Es wird den Befürwortern von Zoos an dieser Stelle nichts nützen, den Schwerpunkt zu verlagern und die Vorzüge einer Erneuerung naturalistischer Architektur zu loben, indem sie behaupten, dass die Tiere in dem schönen neuen Biodom ohne Gitterstäbe praktisch in Freiheit leben. Nein, dieser Schachzug funktioniert nicht – wenn beispielsweise die Größe des Wildgebiets eines Jaguars (25.000 Acres/10.000 ha) größer ist als die Gesamtfläche aller großen Zoos weltweit (Preece und Chamberlain, 1993)! Darüber hinaus gibt es Grund zur Annahme, dass der Anspruch auf Freiheit, mit dem wir uns hier beschäftigen, selbst mit der Struktur des Besitzbewusstseins im Zusammenhang steht. Tatsächlich zeigt die Phänomenologie von Kontrolle, von Hegel bis Sartre, dass die Dialektik der Unterdrückung ein paradoxes Bedürfnis offenbart – nämlich dass der Herr, bewusst oder unbewusst, wünscht, dass der Sklave in und durch die Ausbeutung selbst frei ist.

Es scheint also, dass das, was auf den ersten Blick als abwegig erscheinen mag – die Analogie zwischen Zoos und Pornografie – keineswegs absurd ist, sondern im Gegenteil sehr viele Gründe für ihre Stichhaltigkeit aufweist. Der Leser mag sich nun fragen, worauf das hinauslaufen soll. Schließlich, so könnte man entgegnen, ist diese vergleichende Kritik nur dann erfolgreich, wenn man im Falle der Analogie eine zweifelhafte Haltung moralistischer Prüderie einnimmt. Meine Antwort auf diesen letzten Einwand lautet, dass im Bereich der Erotik plausible Unterscheidungen zwischen der Politik der Erniedrigung und der Ästhetik der Enthüllung getroffen werden können. Eine Möglichkeit, diese Trennung zu verdeutlichen, besteht darin, wie Berger vom Unterschied zwischen Nacktheit und Blöße zu sprechen: „Nackt zu sein [A.d.Ü. im Sinne des engl. ‚naked‘, im Englischen kann man zwischen ‚nakedness‘ und ‚nudity‘ unterscheiden] bedeutet, man selbst zu sein … Nackt zu sein [im Sinne der engl. ‚nude‘] bedeutet, von anderen nackt gesehen zu werden und dennoch nicht als man selbst erkannt zu werden
… Ein nackter Körper muss als Objekt betrachtet werden, um nackt zu sein [ = im Sinne von ‚nude‘] … Nacktheit [‚nakedness‘] offenbart sich … Nacktheit/Blöße [‚nudity‘] wird zur Schau gestellt … Nackt zu sein [‚nakendness‘] bedeutet, ohne Verkleidung zu sein … Nacktheit [ = ‚nudity‘] ist eine Form der Kleidung“ (Berger 1972, 54).

Lassen Sie uns nun den zugrunde liegenden Unterschied neu bewerten, indem wir die Begriffe „gefangen” und „wild” durch „nackt” und „bloß” ersetzen. Die Umwandlung ist nicht nahtlos, aber mit ein wenig interpretatorischer Finesse ist sie aufschlussreich: Wild zu sein bedeutet, man selbst zu sein; gefangen zu sein bedeutet, von anderen als wild angesehen zu werden, aber dennoch nicht als man selbst anerkannt zu werden (warum tanzen die nachtaktiven Tiere nicht tagsüber, wenn wir vorbeikommen?); ein wilder Körper muss als Objekt gesehen werden, um gefangen zu werden; Wildheit offenbart sich (ungeachtet der Tarnung); Gefangenschaft wird zur Schau gestellt; wild zu sein bedeutet, ohne Verkleidung zu sein; Gefangenschaft ist eine Form der Kleidung (Kostüm komplett mit Identitätsplaketten und passenden Zeichen der Unternehmenssponsoren der Ausstellung). Meine Bemerkungen in Klammern sind nicht die einzigen möglichen – mit ein wenig Fantasie kann jeder, der schon einmal im Zoo war, seine eigenen Kommentare hinzufügen.

Zusammenfassend glaube ich, dass die Untersuchung zooskopischer Pornografie besonders hilfreich wäre, um die Entstehung einer allgemein visuellen Kultur kritisch zu verstehen – denn darin verzweigt sich die Politik der Wahrnehmung bis hin zur Naturgeschichte. Michel Foucault hat einmal bemerkt: „Jahrtausendelang blieb der Mensch das, was er für Aristoteles war: ein Lebewesen mit der zusätzlichen Fähigkeit zu politischer Existenz; der moderne Mensch ist ein Lebewesen, dessen Politik seine Existenz als Lebewesen in Frage stellt“ (1980, 143). Vielleicht ist der postmoderne Mensch ein Tier, dessen Wahrnehmungstechniken seine Beziehungen zu anderen Lebewesen fragwürdig machen; vielleicht brauchen wir jetzt eine Genealogie des „Zooptikons“. Wie dem auch sei, bevor ich zum Schluss komme, möchte ich Missverständnisse meiner zentralen Analogie vermeiden, und klarstellen, dass ich die Beschäftigung mit „Wildtieren“, ob biotisch oder erotisch, nicht ausschließe. Im ersten Fall glaube ich, dass es eine authentische Begegnung mit Tieren gibt, nach der wir ein biophiles Bedürfnis haben.

Die Beliebtheit von Zoos übertrifft sogar die von Profisportligen bei weitem; allein in den Vereinigten Staaten ziehen sie jährlich 135 Millionen Menschen an (Kellert 1997, 98). Es ist wahrscheinlich, dass die Werbemaßnahmen für Naturschutz, Forschung und Bildung weder notwendige noch ausreichende Bedingungen für die Existenz von Zoos darstellen. Was wir allzu leichtfertig als „Unterhaltung” bezeichnen, ist wahrscheinlich sowohl notwendig als auch ausreichend, und daher sollten wir dieses letztere Motiv neu definieren und weiter erforschen. Wenn etwas wie das, was E. O. Wilson (1984) als Biophilie beschreibt, hinter unserer Ausstellung anderer Organismen steckt, dann schlage ich vor, dass es unsere Aufgabe ist, Wege zu entwickeln, um diesen biophilen Antrieb und die damit verknüpfte Verbundenheit mit Tieren, auf eine Weise zu fördern, die über das hinausgeht und besser ist als das, was Zoos tun oder tun können.

Für manche mag es so klingen, als würde ich die Tür zu einer möglichen Verbesserung der Zoos vorschnell schließen zu wollen. Tatsächlich hat ein Beobachter bereits eine Reihe interessanter pädagogischer Reformen für diese Einrichtungen vorgeschlagen. Scott Montgomery sieht den Zoo als einen Ort, an dem man die Domestizierung von Tieren studieren, über die gängigen Vorstellungen von Animalität nachdenken, die Kulturgeschichte des Zoos selbst untersuchen und die Idee des Naturbegriffs hinterfragen kann (Montgomery 1995, 576ff.). Das sind anspruchsvolle Ziele, von denen einige im Widerspruch zur Unterhaltungsdynamik des Zoos als solchem stehen. Die tatsächliche Bildungsreform im Zoo ist bescheidener, aber dennoch interessant als mutmaßlicher Katalysator für die Neugierde der Schüler (Sunday Morning, 1998). Meiner Meinung nach würde eine echte Transformation – eine, die die Trivialität und Stereotypisierung von beispielsweise Animal Planet im Fernsehen und Disney‘s Animal Kingdom einschränkt – den Zoo so radikal verändern, dass ein anderer Name für die Anlage erforderlich wäre.

Wie könnten solche Veränderungen aussehen? Ein erster Schritt könnte darin bestehen, den Zoo von seinem Exotismus zu befreien. Das Belize Tropical Education Center beispielsweise hält nur einheimische Tiere und dann in der Regel nur solche, die verletzt oder verwaist sind (Coc et al. 1998, 389f.). Ein zweiter Schritt könnte darin bestehen, den Gedanken und die Praxis der Haltung selbst einzuschränken oder ganz aufzugeben. In Victoria beispielsweise, am südöstlichen Rand des australischen Festlands, habe ich einen Ort gesehen, der zum Schutz und zur Beobachtung von Zwergpinguinen [Eudyptula minor] eingerichtet wurde, der deren Zugang sowohl zum Meer als auch zu ihren üblichen Schlafhöhlen erhält. Meiner Meinung nach ist – unabhängig davon, was man sonst über einen solchen Ökotourismus sagen mag – einer seiner wichtigsten Vorzüge, dass er es den Tieren selbst überlässt, ob sie Kontakt zu menschlichen Besuchern aufnehmen oder diesen abbrechen. Es ist die Einhaltung dieser grundlegenden Art der „Etikette“, auf die Weston (1994) mehrfach Bezug nimmt, die sich deutlich von dem oben von mir kritisierten Muster der Pornografie unterscheidet.

Danksagungen

Ich bin dankbar für die nachdenklichen und konstruktiven Kommentare eines anonymen Rezensenten. Auch möchte ich mich für die hilfreichen Beiträge von Christa Davis Acampora und Fred Mills, sowie für die Unterstützung von Bruce Wilshire bedanken. Und schließlich bin ich Linda Kalof für ihre redaktionelle Ermutigung zur Überarbeitung zu Dank verpflichtet.

Quellenangaben

Adams, C. 1994. Neither Man nor Beast: Feminism and the Defense of Animals. New York: Continuum.
Berger, J. 1972. Ways of Seeing. London: BBC/Penguin.
Berger, J. 1977. „Why Look at Animals?“ In J. Berger (Hg.), About Looking, 1–26. New York: Pantheon, 1980.
Coc, R., L. Marsh und E. Platt. 1998. „The Belize Zoo: Grassroots Efforts in Education and Outreach.“ In R. B. Primack et al. (Hg.), Timber, Tourists, and Temples: Conservation and Development in the Maya Forest of Belize, Guatemala, and Mexico, 389–395. Washington, D.C.: Island Press.
Foucault, M. 1980. The History of Sexuality, Volume I: An Introduction. R. Hurley (Übers.). New York: Random/Vintage.
Greenaway, P. A., Regie. 1988. Zoo: A Zed and Two Noughts. Beverly Hills: Pacific Arts Video.
Griffin, S. 1981. Pornography and Silence: Culture’s Revenge Against Nature. New York: Harper & Row.
Hahn, E. 1967. Animal Gardens. Garden City: Doubleday.
Kappeler, S. 1986. The Pornography of Representation. Minneapolis: University of Minnesota Press.
Kellert, S. 1979. „Zoological Parks in American Society.“ Vortrag auf der Tagung der American Association of Zoological Parks and Aquaria.
Kellert, S. 1997. Kinship to Mastery: Biophilia in Human Evolution and Development. Washington, D.C.: Island Press.
Ludwig, E. G. 1981. „Study of Buffalo Zoo.“ In M. Fox (Hg.), International Journal for the Study of Animal Problems. Washington, D.C.: Institute for the Study of Animal Problems.
Montgomery, S. L. 1995. „The Zoo: Theatre of the Animals.“ Science as Culture 21: 565–602.
Mullan, B. und G. Marvin. 1987. Zoo Culture. London: Weidenfeld and Nicolson.
Preece, R. und L. Chamberlain. 1993. Animal Welfare and Human Values. Waterloo, Ontario: Wilfrid Laurier University Press.
Schwartz, H. 1996. The Culture of the Copy: Striking Likenesses, Unreasonable Facsimiles. New York: Zone.
Shepard, P. 1996. The Others: How Animals Made Us Human. Washington, D.C.: Island Press.
Sunday Morning. 12. April 1998. Fernsehsendung auf CBS, Segment über „Zoo Schools“ in Lincoln (Nebraska), Minnesota u. a.
Weston, A. 1994. Back to Nature: Tomorrow’s Environmentalism. Philadelphia: Temple University Press.
Wilson, E. O. 1984. Biophilia. Cambridge: Harvard University Press.

Der Autor:

Ralph R. Acampora ist associate professor für Philosophie an der Hofstra University, New York (USA), wo er das Programm für Critical Animal Studies gegründet hat und leitet. Er ist Autor von „Corporal Compassion: Animal Ethics and Philosophy of Body” (2006), Herausgeber von „Metamorphoses of the Zoo: Animal Encounter After Noah” (2010) und Mitherausgeber von „A Nietzschean Bestiary: Becoming Animal Beyond Docile and Brutal” (2003). Acampora war Mitherausgeber der Zeitschrift ‚Humanimalia‘ und ist Rezensionsredakteur der Zeitschrift ‚Society & Animals‘. Er engagiert sich in verschiedenen Bereichen im Tierschutz und in Tierrechten und hat in der Humane Education, sowie als urban park ranger in New York City in der pädagogischen Arbeit für den Umweltschutz gearbeitet.

Anmerkung zur Übersetzung:

Aus Gründen meiner Haltung zu übersetzungstechnischer Plausibilität, hätte ich zu: „Auslöschung durch das Exponieren: Ein Blick auf und in den Zoo“ tendiert, aber den Freiraum übersetzerischer Möglichkeiten nutzend, gebe ich dem Wunsch des Autoren nach, welcher nun die Fassung präferierte, die wir schlussendlich gewählt haben und die tatsächlich prägnanter zu sein scheint und dem Original so hoffentlich näher kommt.

Das immer wieder umstrittene Thema der Legitimität von Analogieschlüssen und Brückenbildungen in der Auseinandersetzung ausgehend von ‚intramenschlichen Erfahrungen‘ und Schilderungen von Unterdrückung und derjenigen Fragen, die sich mit den Analogismen aufwerfen, greifen wir in unserer Tierrechtsarbeit immer wieder auf. Es gibt vermutlich keine finale, für alle Seiten befriedigende Antwort, ob und wie Analogien einen vermeintlich „sicheren“ Boden der Argumentation bieten – nicht wegen ihrer eigentlichen Legitimität, sondern vielmehr, weil Grenzen rund um Sachverhalte und Verhältnismäßigkeit uneinheitliches Gebiet darstellen und die arbiträren Grenzen in Arten ethischer Gewichtung wiederum hart umkämpft werden.

Genau der Aspekt der Gangbarkeit und Handhabe in Sachen Analogien, ist in dem Artikel in einer sehr differenzierten Weise ausgearbeitet. Wir sehen das Aufzeigen der Möglichkeiten, sich über Vergleiche an Problematiken, denen wir in Tierrechtsfragen begegnen, heranzuarbeiten, um zu eigenständigen Lösungen zu gelangen.

Dies bildete einen Grund, weshalb uns die Übertragung dieses Textes für unser Projekt als sehr hilfreich erschien. In Sachen > Zoos und Tierrechte ist es unumgänglich Wege und Perspektiven der Annäherungsweise überhaupt zu entwickeln. Prof. Ralph Acampora ist auf diesem Gebiet ein Pionier in der US-amerikanischen Tierrechtsbewegung.

Tierautonomie
Publisher: www.simorgh.de – ‘Society, conflict and the anthropogenic dilemma’. This reader is published by the Edition Farangis in context with the memorial fund dedicated to the work of Dr. phil. Miriam Y. Arani.

Citation
Acampora, R. R. (2025). Auslöschung durch Ausstellung: Ein Blick auf und in den Zoo. TIERAUTONOMIE, 11 (2). http://simorgh.de/tierautonomie/JG11_2025_2.pdf

TIERAUTONOMIE (ISSN 2363-6513)

We, the Gruppe Messel, are a multispecies network dedicated to > Eurohippus messelensis and the world heritage known as the Messel Formation > and with it: today’s work in Animal Rights!

© Tierrechte Messel, Edition Farangis, Usingen / Taunus, 2025

Shifting the Paradigm – Colin Jerwood’s “There is No Power Without Control”.

kts8

Jahrgang 11, Nr. 1, ISSN 2363-6513, Juli 2025

Image Source: https://www.huntsabs.org.uk/conflict-colin-jerwood-in-memorium/ [16.05.2025]

Shifting the Paradigm – Colin Jerwood’s “There is No Power Without Control”.

Gita Marta Yegane Arani [Tierrechte, Messel]

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This is difficult for me to write. The anarchist punk musician activist who stood at the center of my own activism since I was a teenager, has made his step into ‘the worlds that we cannot describe’. So this is about Colin Jerwood – May 6, 1962 – June 2, 2025 -, the founder of Mortarhate Records and singer of Conflict.

As relevant for the sake of activism, I don’t want to segregate within the work of Mortarhate as a label and Conflict’s work as a band, since the releases all encompass a politicalness, that does not put Animal Rights into a disconnected niche, but contextualize all fields of societal problematics, as they all stem from similar sources and dynamics.

Up until today, no bands – after this part of the anarcho punk [just anarcho; call it what you will, since we may be moving beyond sometimes misleading ‘category’] movement had initiated itself – programmatically had the strong impetus and enough luck to be embraced by their peers and movements surrounding them, to create and stand for Animal Rights ‘in tonality’, in punk and related genres, as did the bands whom we know these days who have been standing at the core of expressing what seemed to be a somewhat appropriate sentiment towards the ongoing faunacides, exerted by societies globally.

And of course societies that are speciesist (that is to say: the normal majorities within them) will not generate a critique of themselves in an appropriate form. What they might do is create cover ups and downplay the realities of their motives for injustice.

Animal Rights Punk in the 1980ies opens the chapter of finally expressing what society is doing to animality, to nonhuman groups and individuals – not, as society claims, out of some kind of normality, cultural habits and traditions, but what they do out of “normalities” of speciesist evilness from the onset on in the sense of utter injustice.

Had it not been for this kind of activism in punk, up until now likely nobody would have voiced a critique based on > the societal critique overall, with this kind of quality of calling people to action. Most people who are creative in music, like in other arts, want to appeal to audiences and don’t seek to seriously mobilize against society and mainstream values.

The types of rebellion that are typically sold ‘as such’ in pop culture so far mostly have represented generational shifts and breaks, but as we see in the case of Animal Rights and the thread that has taken its initials mainly with a few punk bands in the early 1980es, here we have the rare incidence where music expresses political message and stands for a basic form of taking responsibilities for damages that our societies don’t even acknowledge beyond any superficial level – and yes society puts their irresponsibilities into forms of entertainment. And albeit the independent sector too did of course not fall out of nowhere, we here clearly have a tangible turning point.

This is a huge and unique legacy that Colin held together by standing for commitments and goals, and it’s this continuity in Animal Rights activism, as part of an overall effort for paradigm changes, that may reasonably entail – as if it is a task passed on to each of us – what each of us, what we all make of our spans of living and dying.

A lot of people will not be ignorant enough to buy into that idea of putting a fellow activist and spearhead simply into a form of how-a-past-history-will-then-be-told, since as we know: histories are always or mostly to be taken with a degree of caution; relevant parts of history (in terms of “who is causing or has been causing change … “) don’t fit into the filters of society, and fitting things into certain narratives can stifle a complementary sense for the role of active participation. Own ways and methods of telling histories are important, since at the end of the day told fiction and untold realities can’t be untangled in a process of sifting out what matters and what does not.

The reason why Colin’s efforts have such a huge effect personally on his recipients is, I believe, not because friends and admirers declared him to be a “leader” type of person or anything like that, neither did he publicly aim to be representing an image. The very idea of seeking to be someone that is put on a pedestal was not only something his recipients had no need for, when they appreciated his work; the need to sort individuals into “followers” and “leaders” was virtually proven to be unnecessary here and from the participatory standpoint illogical and not compatible with the messages that Colin expressed in his lyrics and ideas.

A clear cut, serious and politically differing way is possible to live, and it’s possible in creativity, as an expression of taking responsibilities, caring, altruism, etc.

And only in such a non-hierarchical and gladly “unsaleable”, reasonable virtual practice, we get the revolutionary sense, that interestingly we lack so much in the anthropocene, in societies that claim some form of neutrality, that is nothing more but “neutrality” which excludes everything and everyone nonhuman. Majorities not only face, but equally drive ecocide, and many people see the atrocities of the human wars against animality somewhat as a matter of own survival and right, that they don’t want to be questioned.

On the creative level – in the foreground of this twist of taking passively and/or actively part in the destructive dilemmas of being human in the first place – we now know that those individuals who created/create forms of hardcore or punk (or anything) that expresses their serious opinions and feelings about the injustices against the world, that these people are contentwise randomized by a mainstream society, that is much “closer by” than all subcultures ever wanted to admit, and that thus these musicians are muted, not for being part of their “movements” but on the level of expressed meaning, their subjects and commitment is hardly pro-actively supported in social contexts which don’t really want to overcome stubborn consumerism, but rather clog up movements by pretending to be all about change where it matters, where in reality a status quo is simply prolonged.

Societies sort themselves out, by pushing messages, under the name of “we are all one”, into hierarchical orders, putting a lot of redundance at the top of how they communicate and exchange ideas and content, while serious statements and sentiments are typically to be found at the margins – so that everyone will know that it’s always gonna be these digestive processes of selecting (knee-jerk and almost ‘automatized’) that will condemn change towards all what stands outside of its processes (the world itself), to paradoxically turn into the tools of oppressing change itself – simply by projecting what is going happen (repetition) and what is “not viable” (ill logic) in the counterfeit world for which standards are set, by what is offered and what is chosen. The more you leave this process, the more invisible you will get in their perpetuum mobile like habits in communication (in the broad sense).

Colin is someone who filled a new space that he and his friends saw, with ideas, content, messages and a participatory mindset that he lived and manifested. To have “entered a new step in these galaxies” is not about someone becoming a memorial/Wikipedia page, with someone like him, I believe. The legacy we speak about here is much more about taking up the baton in a relay race, as the minimum.

On April the 11th 2025 Colin wrote on Social Media:

“I would like to sincerely apologise to one and all, that I was, unfortunately, unable to make an appearance at the last three Conflict gigs. This was due to a health condition which has floored me since November. Since I had to pull my part of that gig. In short, I can’t breathe properly. I’ve had my medication upgraded so hopefully I will be able return asap. In the meantime I am so so proud of the other Conflict members esp Fi for taking the baton.

Thank you so much for your support as ever and understanding.” [Source: Facebook, 16.07.2025]

I wrote to him asking him if we could interview him, and on April the 25th Colin replied giving me his yes.

After the shock of hearing about Colin’s passing, we expressed our condolences to his family and some of his friends. His friend David from Knockout Booking & Records replied to us on the Jun the 3rd “as far as I know Colin was working on the replies to your questions.”

We clearly hope that Colin was able to read our questions, and we hope he could see just how much we appreciate his work. We decided after the shock to put our questions on our site Tierrechtsethik.de. We wrote:

We just learned about the passing of our activist friend Conflict’s singer and huge example to a generation in Animal Rights activism and punk: Colin Jerwood. We are, like everybody else, in deep shock and wish condolences to his family and friends.

Colin had agreed, just a few weeks ago, to give us a written interview for Tierautonomie. We had heard that he had problems with his lungs, with his breathing as he let people know via facebook, hence we were worried and thought that he might now nevertheless have a pause, not making concerts for a short while, so we contacted Colin.

And to our astonishment we must say, he agreed to give us a written interview. He did not have the chance to let us know the answers to these questions. But we are glad that that we could even just ask – also as a form to give him a critical feedback and an evaluation of the current situation with activism, anarcho punk and animal rights punk in particular; and with so many people out and about every inch of the mainstream, who are more about fame and money in today’s punk spectrum.

About resistance …

Dear Colin, here are my (six) long questions. I hope they are okay and am very thrilled about this entire thing – to interview you after having been a huge admirer of your activism since I had my first Conflict record with 15 in 1983, having been deeply impressed at a gig in a pub in Stockwell London around that time, and with building my own activism from your example! If any question is weird or unclear, please let me know so that I can make the point of my question clearer. (It’s a bit stupid when the questions are very long, since it looks weird if the answer is shorter, and maybe the questions seem unnerving to you in the way in which they are written, since they are a bit complicated. I just hope I am understandable in what I say, and if not, please let me know.)

Palang (Gita, veganswines, and other nicknames, I use palang in this interview)

The course of resistance amidst amassing causes

  1. Starting the change

Palang: Learning about your work that started in 1981 (after Crass from 1977 onwards kind of initiated the outspoken political social criticalness in what we typically term Anarcho-Punk today) I should say that you, alongside Icons of Filth and other bands, whom you also later featured on your release: “this is the ALF” [1989, reissued with updated tracklist in 1998], that you initiated and stood for Animal Rights in the Anarcho Punk movement. Conflict and the Mortarhate label have been a if not the central driver. How did you get the impetus in the early years to write tracks like Meat Means Murder on It’s Time To See Who’s Who (1983) and later other anthems like Tough Shit Mikey, Berkshire Cunt and Slaughter of Innocence (for which Steve Ignorant joined up with you)?

  1. Being inclusive in Anarcho-Punk

Palang: Standing for activism, in a form which maintains spaces of tolerance while being clear cut about messages, seems to be part of the anarcho punk movement. How do you deal with the fact that clear messages unavoidably border on sides, nevertheless, where practical ignorance or carelessness about issues are something that make up societal normalcies, in general. How can we deal with the fact that people can be positive about stuff yet still hardly change anything in their practical daily lives?

  1. What about friends/fellow activists, etc. that go along theoretically but not practically

Palang: The big pillars within the Animal Rights movement: Antivivisection, Antihunt/Hunt Sabbing, Veganism with all the Farm Animal issues and just all aspects of instrumentalization of nonhuman Animals – with these issues that drive the Animal Rights movement (on the global and on the local levels), what can we do these days – coming from an angle of being as critical of society and system as possible, with a strong culture of protest which questions power and hierarchies in a fundamental way – how can we prevent our messages from being watered down? Basically everybody considers themselves to be part of some resistance branch in society these days. And everyone praises anarcho punk for being so clear cut about Animal Rights and for being the only movement in terms of music and subculture that outstandingly made Animal Issues a visible issue of an encompassing progressiveness in terms of justice and ethics, yet it seems that people take this part of Animal Rights history for granted. Many people consider themselves to be “informed enough” and stop at that point. People who embrace Animal Rights as part of “the topics they should cover” oftentimes exclude Animal Rights on a personal daily “routine” of protest, like you get people who have thrived on the Anarcho Punk history and subculture but fully exclude practical ethical concern towards Animal issues while believing they also stand for this part of Anarcho Punk. How can we make the connection between causes clearer for people to become more decided themselves, when they basically are open to Animal Rights?

  1. Avoiding the cultural industrial complex with a self-run independent label: taking the credible path

Palang: Evading consumerism, evading the music (charts crap) market and the cultural industrial complex was a core part of the idea of resistance, to many things I suppose. People created independent labels, like you with Mortarhate (1983), and thereby showed that it was possible to communicate other messages and content and create other important spaces of communication even therewith. In a parallel contrasting manner we had bands – going along with ideas, that one would make punk accessible “to the masses” and that one would undermine the typical music industry (like mainstreaming punk) – which more or less straight forwardly produced punk content that was integrable with the mainstream. In Germany for instance today the mainstreamed punk is in fact the “kind of punk” that people consider to be the golden standard for being outspoken and even revolutionary in a sense. In the US, as a big “market” the map looks different again, but overall we seem to have virtually a division here: a branch of punk that contained and contains the message of anticonsumerism etc. etc. and another branch that does not consider the critique of the markets even as a point to really discuss it seems. What shall we make of this difference, especially these days with a huge to trend towards leftist thought? I believe consistency matters, but this really seems to be an overlooked thing in Punk. What do you think about this divide in approach?

  1. The minority change question and its hardships

Palang: The crossroads of political life that we face these days, again coming from an anarchist standpoint, facing the consequences of the anthropocene and being just an individual, being just a few, being just a perhaps suppressed political and/or social minority and standing against all those factors where we are not able to activate any levers to stop the damages done, yet again everything depends on each one to act up, to boycott, to create change, etc., to not be part of the problem. How can we keep a sensible form of resistance feasable, without having everything swallowed up by people who create questionable levers and who therewith inadvertently disable action from “bottom up”. How can we say our way to go about things makes sense, even when we look powerless in contrast to this and that?

  1. The rare alarmed, upset language, that names things as how they are

Palang: Speaking small band projects internationally: Specific examples of Hardcore and Vegan Straight Edge with their relation to the outspokenness of anarcho punk as including Animal Rights – without the basis which political Musician-Activists like you created and the consistency, we wouldn’t be as far as we are today. The political live of protest made up of solid pillars of content is here, but the power and support coming from this will probably be suppressed or watered down by the mainstream once they fully digest anarcho punk history. With this message in music being scattered, and Animal Rights needing to be appropriately expressed and evidently only these kinds of expression and languages are able to do it, do you think that independent political music that conveys Animal Rights with the impetus of resistance toward society can survive after mainstream society finds out that this type of resistance and critique is culturally indigestible in a speciesist world?

Thank you so much for all that you do!

Colin Jerwood

We close with two German translations of two important Animal Rights anthems written by Colin / Conflict.

Vom Conflict Album: It’s Time to see Who’s Who, Mortarhate, 1983.

Conflict – Meat Means Murder, Übersetzung

Fleisch bedeutet Mord

Die Fabrik stößt alles aus, verarbeitet und feinsäuberlich verpackt,
Eine obskure, gemordete Substanz auf deren Etikett FLEISCH steht,
Hinter falschen Bezeichnungen wie Schwein, Schinken, Kalb und Rind,
Ein Auge ist ein Auge, ein Leben ein Leben, ein nun vergessenes Wissen,
Und täglich wird diese Farce weiter am Fließband generiert,
Um auf einem Tisch zu landen und dann aus einem Arsch herausgeschissen zu werden,
Und weiter stehen sie Schlange und weiterhin schauen sie,
Gliedmaßen aussortierend, die sich eignen zum Schmoren,
Kadaver zu Haufen aufgetürmt,
Sortiert man die saftigen Stücke aus dem Tiefkühler,
Doch seht ihr nicht, der Saft ist Blut?
Aus neugeborenen Kehlen fließen die roten Flüsse,
Blut aus den jungen Herzen, Blut aus ihren Adern,
Euer Blut oder ihr Blut, dient dem Gleichen.

Jetzt sitzt du hier am Tisch und grinst.
Sitzt da und isst, und denkst nie über deine Speisen nach,
Alles auf sterilen Tellern serviert, denkst du dabei nicht ans Töten,
Der weiteste Gang, den dein Gehirn gehen mag ist, ob das hier zum Braten oder zum Grillen geeignet ist
Du beklagst das Robbensterben, das Abschlachten der Wale,
Aber spielt es wirklich eine Rolle, ob ein Tier am Land oder im Wasser lebt?
Du hattest noch nie einen Pelzmantel, du denkst, das ist grausam gegenüber dem Nerz,
Aber was ist mit der Kuh, dem Schwein, dem Schaf, geben die Tiere dir nicht zu denken?
Seit dem Tag, an dem du geboren wurdest, hat man mit dir nie über den fehlenden Verbindungspunkt gesprochen,
Doch du stehst immer noch in der Schlange und schaust dir alles an,
Sortierst die Gliedmaßen, die gerade richtig sind zum Schmoren,
Kadaver gestapelt in einem Haufen,
Sortierst du die saftigen Stücke aus dem Tiefkühler,
Doch siehst du nicht, dass dieser Saft Blut ist?
Aus jungen Kehlen fließen die roten Flüsse,
DEIN BLUT, IHR BLUT, dient Demselben.

Conflict – Meat Means Murder

The factory is churning out all processed packed and neat,
An obscure butchered substance and the label reads MEAT,
Hidden behind false names such as Pork, Ham, Veal, and Beef,
An eyes an eye, a life’s a life, the now Forgotten belief,
And everyday production lines are feeding out this farce,
To end up on a table, then shot out of an arse
Yet still they’r queuing and still they’r viewing,
Sawing out limbs just right for stewing,
Carcasses piled up in a heap,
Sort juicy chunks from freezers deep,
Well can’t you see that juice is blood,
From newborn throats red rivers flood,
Blood form young hearts, blood from the veins,
Your blood their blood serves the same

Now you’re at the table, sitting, grinning.
Sitting there eating you never realize the filling.
It’s served upon a sterile plate you don’t think of killing,
The furthest your brain takes you, is it for frying or for grilling?
You moan about the seal cull, about the whale slaughter,
But does it really matter whether it lives on land or water?
You’ve never had a fur coat, you think is crule to the mink,
Well How about the cow, pig or sheep don’t they make you think?
Since the day that you were born you’ve never been told the missing link,
Yet still there queuing and still there viewing,
Sawing out limbs just right for stewing,
Carcasses piled up in a heap,
Sort juicy chunks from freezers deep,
Well can’t you see the juice is blood,
From newborn throats red rivers flood,
YOUR BLOOD, THERE BLOOD, serves the same.

Vom Conflict Album: Increase The Pressure, Mortarhate, 1984.

Conflict – Tough Shit Mickey, Übersetzung

So ein Pech, Mickey!

Mutter Natur lächelt und läutet einen neuen Tag ein
Die meisten Menschen auf der Erde schlafen noch gemütlich und warm
Draußen auf den Feldern und Weiden wird es auch ein neuer Tag
Einer ohne den Krieg und den Hass, den ich und du kennen
Ein Schrei stört die Ruhe; die Katze hat gerade eine Maus getötet
sagt die Mutter gefühlvoll, während sie aus dem Haus schaut
Es ist Frühstückszeit, die Uhr schlägt neun, Schinken, Speck, ein Ei oder zwei?
Wie schade um die Maus, was gibt’s heute Abend zum Tee, Lammeintopf?

Nun, es gibt viel zu tun und die Familie teilt sich auf.
Der Vater arbeitet, um den Unterhalt zu verdienen, er ist Metzger und wird gut bezahlt.

Die Töchter gehen zur Reitschule, die Mutter wäscht den Mist ab
Ein Sohn spielt mit Soldaten, der andere ärgert die Katze
Draußen auf den Feldern spielt sich eine andere Geschichte ab
Füchse kauern mit ihren Jungen, um den Menschen zu entkommen
Kaninchen rennen um ihr Leben, Rehe gehen hinter den Bäumen in Deckung
Die Mutter seufzt ungläubig, dann bereitet sie das Fleisch zu

Denkt darüber nach, was ihr tut. Das System ist darauf ausgerichtet, alles zu zerstören
Das Leben, nicht den Profit. Wir müssen das verdammt nochmal beenden

Denn schon bald wird es kein Leben mehr geben
Nicht ein Wesen auf dem Land oder im Meer, ein Vogel im Himmel
Sie werden erschossen, harpuniert, gegessen und zur Vernichtung gejagt
Ausgelöscht von den intelligenten Menschen, die stets beweisen, dass es so etwas
wie eine gerechte Welt, mit leben und leben lassen, nicht gibt

Die königliche Familie geht auf die Jagd, wie beispielhaft für das Volk
Das Volk, das sie führen, und zu diesem gehöre ich nicht
Ich habe genug Schmerz und Folter derer gesehen, die keine Stimme haben

Also werde ich für sie im Rundumschlag sprechen
Und wenn jemand versucht mich mit seiner Peitsche zu treffen, dann schlage ich verdammt nochmal zurück

Denn ich habe genug von diesem Wahnsinn, in diesen Höllentheatern
Genug davon, dass sie die Füchse bei ihren Jagden erlegen
Von Robbenbabys, die geknüppelt werden, während man ihre Mütter zerstückelt

Sie befriedigen ihre Gier und ihr Reichtum ist auf Blut errichtet
Ihr Schlachthaus spukt in den Hinterköpfen
Es ist die Gaskammer in der Landwirtschaft, das Ende der Fahnenstange

Es ist eine Schande um diese Maus!

Conflict – Tough Shit Mickey!

Mother Nature smiles and cracks a new days dawn
Most people on the earth are sleeping comfortably and warm
Out in the fields and pastures, it’s another new day too
One without the war and hatred that is known by me and you
A shriek disturbs the peacefulness; the cat’s just killed a mouse
The mother says with feeling as she looks out from the house
It’s breakfast time, the clock strikes nine, ham, bacon, one egg or two?
What a shame about that mouse, what’s for tea tonight, lamb stew?

Well, there’s things to do, so the family divides in separate ways
Father works to earn the keep, he’s a butcher and well paid
The daughters go to riding school mother washes up the crap
One son plays with soldiers; the other aggravates the cat
Back out in the fields, a different story’s taking place
Foxes cower with their cubs to escape the human race
Rabbits run for life, deer take cover in the trees
The mother sighs with disbelief, then prepares the meat

Think what you’re doing the systems set to ruin
The life not the profit we’ve got to fucking stop it

Because before too long there will nothing left alive
Not a creature on the land or sea, a bird in the sky
They’ll be shot, harpooned, eaten and hunted too much
Vivisected by the clever men who prove that there’s no such
Thing as a fair world with live and let live
The royal family go hunting what an example to give
To the people they lead and that don’t include me
I’ve seen enough pain and torture of those who can’t speak
So I’m gonna speak for them in an all out attack
And if someone tries to whip me, then I will fucking whip them back
Because I have had enough of this madness in those theatres of hell
Enough of them hounding the fox to the kill
Of baby seals being clubbed, their mothers cut up
They satisfy their greed, their wealth’s built on blood
Of their slaughterhouse haunting the back of the mind
The gas chamber of the farm life, the end of the line

It’s a shame about that mouse!

Weitere Texte von besonderem Interesse sind:

Berkshire Cunt, This is the A.L.F, Slaughter of Innocence (mit Steve Ignorant).

Tierautonomie

Publisher: www.simorgh.de – ‘Society, conflict and the anthropogenic dilemma’. This reader is published in context with the memorial fund dedicated to Miriam’s work by the Edition Farangis.

Citation

Yegane Arani, Gita Marta, Hrsg. (2025). Shifting the Paradigm – Colin Jerwood’s “There is No Power Without Control”. TIERAUTONOMIE, 11 (1), http://simorgh.de/tierautonomie/JG11_2025_1.pdf.

The Gruppe Messel is a multispecies network dedicated to Eurohippus messelensis and the world heritage known as the Messel Formation and today’s work in Animal Rights.

TIERAUTONOMIE (ISSN 2363-6513)

Erratum:

“Und wenn jemand versucht mich mit seiner Peitsche zu treffen, dann schlage ich verdammt nochmal zurück”

“​Genug davon, dass sie die Füchse bei ihren Jagden erlegen”

 

Icons of Filth – Show us you care. Tierrechte, Punk und Antivivisektion: Anarchopunk (4)

Punk und Tierrechte > Icons of Filth

From their album: Onward Christian Soldiers, 1984 > https://www.discogs.com/de/master/217427-Icons-Of-Filth-Onward-Christian-Soldiers

Show us you care (Übersetzung weiter unten)

I’m over here in the cage
Take a real good look at my face
I smoked twenty fags today
The pain from the experiment has gone away…
But it’ll be back soon & I hope I don’t live through it
I hope I’ll die
Breathe my last breath
A way out of a fate worse than death
My pain to ease yours
It’s a raw deal my rights for your ignorance greed and vanity
But I forgot, curiosity rules
I mean nothing and you just couldn’t care
But you don’t bloody care & it just ain’t fair that I’ve got screws in my
Head
Or if I wind up dead
Or if I look pathetic
Or if I’ll get an anesthetic
Or if I meow or scream for your cosmetic cream
Or if they swap my heart
Or if I’m torn apart
They torment my brain again and again
Or if they swell up my eyes or increase my size
Or if I’m strapped and trapped to a table or chair
C’mon admit it you just don’t care
If they rip me open and just start poking around
For a remedy to an illness which doesn’t exist
Or if they start again for something they’ve missed
I must have rights and I want my share
But if only, if only you’d show us you care
You know I’ve rights & I want my share
But if only, if only you’d show us you care
’Cos you can’t understand my voice
Somehow it always leaves me no choice
I can’t expect you to voice my rights
When you don’t even voice your own
Because of your ignorance I guess we’ll always pay
We fellow beings just hope you’ll realise on day
That we’ve got lots in common
One is that were both downtrodden by the people
Who’ve got big plans for this nation
You see they even test animals with chemical warfare
Weapons effects & riot control agents & radiation & whilst you’re ignoring
There’s a big bang coming
Maybe you owe it to yourselves to show us you care
So come on and free us
Free us….. I dare

Death is the only release

Bodies clamped firmly in position
Ripped open
Animal fission
Taken beyond the pain barrier and back again
Death is the only release
Liberation please

Zeig uns, dass es Dir etwas bedeutet

Ich bin hier drüben im Käfig
Seht euch mein Gesicht gut an
Ich habe heute zwanzig Zigaretten geraucht
Der Schmerz von dem Experiment ist nun verschwunden …
Aber er wird bald zurück sein und ich hoffe, ich überlebe dies nicht
Ich hoffe, ich werde sterben
Ich hauche meinen letzten Atemzug
Ein Ausweg aus einem Schicksal, schlimmer als der Tod
Mein Schmerz, um deinen zu lindern
Es ist ein brutales Geschäft meine Rechte, für deine Ignoranz, deine Gier und Eitelkeit
Aber ich vergaß, die Neugierde hat das Vorrecht
Ich bedeute nichts und es ist dir egal
Ja es ist dir verdammt egal und das ist einfach nicht fair, dass ich Schrauben in meinem
Kopf habe
Oder wenn ich sterbe
Oder wenn ich erbärmlich aussehe
Oder ob ich eine Narkose erhalte
Oder wenn ich miaue oder wegen deiner Kosmetikcreme schreie
Oder wenn sie mein Herz austauschen
Oder wenn ich zerrissen werde
Sie quälen mein Gehirn, wieder und wieder
Oder wenn sie meine Augen anschwellen lassen oder meine Größe vergrößern
Oder wenn ich an einen Tisch oder Stuhl geschnallt und gefesselt bin
Gib es doch zu, es ist dir einfach egal
Wenn sie mich aufreißen und einfach anfangen, in mir herumzustochern
Wegen eines Mittels gegen eine Krankheit, die nicht existiert
Oder wenn sie nach etwas suchen, das sie übersehen haben könnten
Ich muss Rechte haben, und ich will mein Anerecht
Wenn du doch nur, wenn du doch nur zeigen würdest, dass es Dir etwas bedeutet
Du weißt, ich habe Rechte und ich will mein Anrecht
Wenn du doch nur, wenn du doch nur zeigen würdest, dass es Dir etwas bedeutet
Weil Du meine Stimme nicht verstehst
habe ich immer keine Wahl
Ich kann nicht erwarten, dass du meine Rechte vertrittst
Wo du nicht mal deine eigenen artikulierst
Wegen Deine Ignoranz werden wir wohl immer zu zahlen haben
Wir Mitlebewesen hoffen nur, dass Du eines Tages begreift
Dass wir so viele Gemeinsamkeiten haben
Eine ist, dass wir beide von den Leuten unterdrückt wurden
Die große Pläne für diese Nation haben
Siehst du, sie testen sogar die chemische Kriegsführung an Tieren
Waffeneffekte, Aufruhrbekämpfungsmittel und Strahlung. Und während du das alles ignorierst
gibt es den großen Knall
Vielleicht seid ihr es euch selbst schuldig, uns zu zeigen, dass es euch schert
Also kommt, befreit uns
Befreit uns … Ich wage es

Der Tod ist die einzige Erlösung

Körper fest in eine Position gezwängt
Aufgerissen
Tierzersetzung
Jenseits der Schmerzgrenze und wieder zurück
Der Tod ist die einzige Erlösung
Befreiung, bitte

 

 

Antispe und Kunst (1)

Ob Apologet oder strikter Befürworter oder vehement überzeugter Anhänger.

Leute, die mit Speziesismus in der Kunst kein Problem haben, sind, übertragen auf den Bereich Kunst, das gleiche, wie die Befürworter jeglichen anderen Speziesismus.

Die Parallele gilt auf der ganzen Ebene.

antispekunst – patriarchale und matriarchale Geflechte beenden.

Sensibilisieren Gewaltzeugnisse und Textlyrik im Tierrechtsarchiv: Anarchopunk (3)

Sensibilisieren Gewaltzeugnisse?: In welchen Kontexten ja und in welchen Kontexten fehlt der ethische Unterbau.

Gerade in diesem Punkt konnten kreative Aufarbeitungen und Botschaften gesellschaftskritischer Haltungen hilfreich sein. In Tierrechtspunk – Tracks wurden Situationen angerissen, aus eigener Sicht geschildert, umschrieben und im Ton der kritischen Meinung der gesellschaftlichen Normalität entgegengestellt.

Beispiel: Meat Means Murder von Conflict > Text mit Übersetzung, siehe weiter unten.

Ein wichtiger schwieriger Diskussionspunkt >

sensibilisieren Gewaltzeugnisse?

Fragen, die sich dazu aufwerfen:

Overall, all the images of animals (in this case) being displayed by groups, in situations of torture and suffering – at the point when you realize that the recipients of your educational message are either consciously unresponsive or even enjoying a specific destructive form of supremacy over animals, should you keep displaying the animals in the total oppression, or should you start to rather talk about what’s morally lacking and deficient in the ignorant recipients? – wir schnitten die Frage/n in “Footage or AR Snuff” an > https://www.simorgh.de/philozoe/deep_veganism/footage_or_snuff.htm

“Alles in allem, all die Bilder von Tieren (in diesem Fall), die von Gruppen in Situationen der Folter und des Leidens gezeigt werden – an dem Punkt, an dem Sie erkennen, dass die Empfänger Ihrer erzieherischen Botschaft entweder bewusst nicht reagieren oder sogar eine bestimmte destruktive Form der Vorherrschaft über Tiere genießen, sollten Sie die Tiere in der totalen Unterdrückung weiter zeigen, oder sollten Sie eher anfangen, darüber zu sprechen, was bei den unwissenden Empfängern moralisch fehlt und mangelhaft ist?”

Andere Stimmen:

“Da zahlreiche unkritische Menschen Führungspositionen in den Bewegungen einnehmen, verlässt man sich auf sehr einfache, an der Oberfläche verharrende Taktiken um Menschen zu einem politischen Lebensstil hingehend zu „schocken“. Daher hat der Veganismus auch einen entsprechend schlechten Namen erhalten … er bleibt an der Oberfläche und ist sensationalistisch. Bildlichkeit kann funktionieren, insbesondere wenn sie an ein neues Rahmenwerk gebunden wird … aber die Schaffung neuer konzeptueller Rahmenwerke ist generell genau der Teil, der übersehen wird.

Taktiken die primär Bilder nutzen, erinnern mich an so manche Feminist_innen, die sich auf eine sexualisierte Bildmetaphorik, in der Frauen dargestellt werden, stützen, um Menschen dahingehend zu schockieren, damit sie beginnen sich gegen Sexismus einzusetzen … es ist so … wenn du Menschen kein neues Rahmenwerk bietest, mit dem sie problematische Verhaltensweisen begreifen lernen können, dann ist alles was sie da sehen, einfach noch mehr Bebilderung von jeweiligen Objekten die hier objektifiziert werden.

Ich will damit nicht sagen, dass Leute ihr Verhalten nicht ändern könnten, wenn sie solche Bilder gesehen hätten; was ich sagen möchte ist, dass ich nicht gezwungenermaßen davon ausgehe, dass dadurch ein langfristiger Wechsel stattfinden wird. In unseren Bewegungen konzentrieren wir uns zu sehr auf die Opfer, ohne dabei zu verstehen, weshalb diese Körper eingangs überhaupt zu Opfern geworden sind. Sie sind schließlich nicht über Nacht zu Opfern geworden und wir müssen ebenso konzeptuell arbeiten um dieses Problem zu lösen. Viele Leute begreifen nicht, dass das Denken tatsächlich einen Teil unseres Aktivismus ausmachen sollte. Das Denken wurde schon viel zu lange von der akademischen Welt vereinnahmt und so meinen wir, dass wir Theorie und Gedankenentwicklung eben ‚diesen’ elitistischen Menschen überlassen sollten … wenn genau aber dies doch einen Teil der öffentlichen Domäne ausmachen sollte.”

Aph Ko im Interview mit Mark Hawthorne > https://simorgh.de/about/mark-hawthorne-interviewt-aph-ko/

Conflict – Meat Means Murder. Übersetzung weiter unten.

(First release: Album: It’s time to see who’s who, 1983 ; https://www.discogs.com/release/367062-Conflict-Its-Time-To-See-Whos-Who )

The factory is churning out all processed packed and neat,
An obscure butchered substance and the label reads MEAT,
Hidden behind false names such as Pork, Ham, Veal, and Beef,
An eyes an eye, a life’s a life, the now Forgotten belief,
And everyday production lines are feeding out this farce,
To end up on a table, then shot out of an arse
Yet still they’r queuing and still they’r viewing,
Sawing out limbs just right for stewing,
Carcasses piled up in a heap,
Sort juicy chunks from freezers deep,
Well can’t you see that juice is blood,
From newborn throats red rivers flood,
Blood form young hearts, blood from the veins,
Your blood their blood serves the same

Now you’re at the table, sitting, grinning.
Sitting there eating you never realize the filling.
It’s served upon a sterile plate you don’t think of killing,
The furthest your brain takes you, is it for frying or for grilling?
You moan about the seal cull, about the whale slaughter,
But does it really matter whether it lives on land or water?
You’ve never had a fur coat, you think is crule to the mink,
Well How about the cow, pig or sheep don’t they make you think?
Since the day that you were born you’ve never been told the missing link,
Yet still there queuing and still there viewing,
Sawing out limbs just right for stewing,
Carcasses piled up in a heap,
Sort juicy chunks from freezers deep,
Well can’t you see the juice is blood,
From newborn throats red rivers flood,
YOUR BLOOD, THERE BLOOD, serves the same.

Conflict – Fleisch bedeutet Mord

Die Fabrik stößt alles aus, verarbeitet und feinsäuberlich verpackt,
Eine obskure, gemordete Substanz auf deren Etikett FLEISCH steht,
Hinter falschen Bezeichnungen wie Schwein, Schinken, Kalb und Rind,
Ein Auge ist ein Auge, ein Leben ein Leben, ein nun vergessenes Wissen,
Und täglich wird diese Farce weiter am Fließband generiert,
Um auf einem Tisch zu landen und dann aus einem Arsch herausgeschissen zu werden,
Und weiter stehen sie Schlange und weiterhin schauen sie,
Gliedmaßen aussortierend, die sich eignen zum Schmoren,
Kadaver zu Haufen aufgetürmt,
Sortiert man die saftigen Stücke aus dem Tiefkühler,
Doch seht ihr nicht, der Saft ist Blut?
Aus neugeborenen Kehlen fließen die roten Flüsse,
Blut aus den jungen Herzen, Blut aus ihren Adern,
Euer Blut oder ihr Blut, dient dem Gleichen.

Jetzt sitzt du hier am Tisch und grinst.
Sitzt da und isst, und denkst nie über deine Speisen nach,
Alles auf sterilen Tellern serviert, denkst du dabei nicht ans Töten,
Der weiteste Gang, den dein Gehirn gehen mag ist, ob das hier zum Braten oder zum Grillen geeignet ist
Du beklagst das Robbensterben, das Abschlachten der Wale,
Aber spielt es wirklich eine Rolle, ob ein Tier am Land oder im Wasser lebt?
Du hattest noch nie einen Pelzmantel, du denkst, das ist grausam gegenüber dem Nerz,
Aber was ist mit der Kuh, dem Schwein, dem Schaf, geben die Tiere dir nicht zu denken?
Seit dem Tag, an dem du geboren wurdest, hat man mit dir nie über den fehlenden Verbindungspunkt gesprochen,
Doch du stehst immer noch in der Schlange und schaust dir alles an,
Sortierst die Gliedmaßen, die gerade richtig sind zum Schmoren,
Kadaver gestapelt in einem Haufen,
Sortierst du die saftigen Stücke aus dem Tiefkühler,
Doch siehst du nicht, dass dieser Saft Blut ist?
Aus jungen Kehlen fließen die roten Flüsse,
DEIN BLUT, IHR BLUT, dient Demselben.

rev. 16.07.25

Antijagd-Test und Textlyrik im Tierrechtsarchiv: Oi (1)

Alle Formen der Jagd – von Canned Hunts zur Trophaenjagd zur Treibjagd zur Fallenstellung zur Entnahme zur Jagd im Namen eines speziesistischen tierobjektifizierenden humanzentrischen Naturschutzes – sind ein Thema.

Neonazinatürschützer haben übrigens grundsätzlich kein Problem mit der Jagd. Mind you! Leute immer nach ihrer Haltung zur Jagd fragen und man weiß Bescheid.

Tierschutz ist nicht immer das, was er vorgibt zu sein. Echte Tierschützer können davon ein Lied singen.

Für die konservativ geneigten daher zur Ermutigung

Oi-Musik Klassiker der Huntsab-Bewegung > https://www.huntsabs.org.uk/ >

The Business – Sabotage the Hunt von ihrem Album Suburban Rebels von 1983 > https://www.youtube.com/watch?v=HIqPBKI-4bw / https://www.discogs.com/master/39429-The-Business-Suburban-Rebels

Lying in wait they come
Dressed in red of course having fun
Trumpets blow height of their day
Fox will die if they have their way

(Chorus:)
Sabotage (x3) the hunt today
Sabotage (x3) it anyway

Here they come with horse n’ hounds
Middle class murders must be blocked
Destruction of wildlife must be stopped

Go near their houses and you’r kicked
Try to stop ’em and you’ll be nicked
They’re protected by the law
All we do is watch in awe!

Sie liegen auf der Lauer und kommen
In Rot gekleidet, natürlich mit Spaß
Trompeten blasen den Höhepunkt ihres Tages
Der Fuchs wird sterben, wenn sie ihren Willen bekommen

(Refrain:)
Sabotiere (x3) die Jagd heute
Sabotiere (x3) sie trotzdem

Hier kommen sie mit Pferd und Hunden
Die Morde der Mittelklasse müssen blockiert werden
Die Zerstörung der Tierwelt muss gestoppt werden

Geh in die Nähe ihrer Häuser und du wirst getreten
Versuch sie zu stoppen und du wirst verhaftet
Sie sind durch das Gesetz geschützt
Wir können nur staunend zusehen!

 

Soziale Ritualistik, Witchcraft und Tierobjektifizierung

Soziale Ritualistik, Witchcraft und Tierobjektifizierung:

Zur Programmatik von Speziesisten / Tierobjektifizierenden kann es auch gehören, den von ihnen gewünschten Effekt in einer “Retard”-Version quasi zu induzieren, indem durch die 1.) Verzögerung einer für jeden ersichtlichen Offenlegung der durch sie transportierten Philosophien und 2.) durch eine initiale bewusst und gezielt schlichtweg angedeutete Verborgenheit ihrer Botschaft und Agenda eine Normalisiertheit des speziesistischen, tierabwertenden Akts vermittelt werden soll. Die größte Grausamkeit in Denken und Handeln gegenüber Tieren kennzeichnet sich bei diesen Menschen in ihrem selbstbezeichnenden Ansatz dadurch, dass sie > Nebensächlichkeit und gehütetes kollektives ritualisiertes Geheimnis in einem ist.

Gruppe Messel, antibiologistische Tiersoziologie

Aus unserem Visual Opinions Workshop > https://tierrechtsethik.de/soziale-ritualistik-witchcraft-und-tierobjektifizierung/

 

 

 

 

 

Die Verbindung zwischen Tierrechten und Umweltschutz

Die Beziehung von Tierrechten und Umweltschutz / Mitweltschutz ist kein Nischen-Illusionsreich, sondern der konfliktträchtigste Ort, an dem man sich als ‚zur Gattung Homo sapiens Zählender‘ politisch überhaupt bewegen kann. „Der Mensch“ steht in seiner geschlossenen Mehrzahl aktuell den Themen > Tierrechte und Umweltrechte, in deren Kombination und wechselseitiger Relevanz, als effektiv feindlich gesinnter Ignoramus entgegen.

nichtbiologistische Tiersoziologie, Gruppe Messel

Aus unserem Visual Opinions Workshop > https://tierrechtsethik.de/die-verbindung-zwischen-tierrechten-und-umweltschutz/

Kein Antispe mehr, sondern Anti-Tierobjektifizierung

Kein Antispe mehr, sondern Anti-Tierobjektifizierung

Warum wir vom Paradigma des Speziesismus/Antispeziesismus abrücken und uns stattdessen auf die Ebenen von Tierobjektifizierung konzentrieren, die unserer Meinung nach tiefer in das perspektivische ethische Problem hineinreichen, mit dem wir uns an den Schnittstellen zwischen Tierrechten und Menschenrechten befassen müssen.

Auf welchen Ebenen und Schichten operieren diese Blickwinkel:

Speziesismus/Antispeziesismus – operiert auf der Ebene, die irgendwann in der Geschichte zu dem Fokalpunkt biologischer Marker wurde (z. B. die Ebene der Morphologie und Phylogenetik, Taxonomie). Wir müssen uns bewusst machen, wie wir den Begriff „Spezies“ verstehen, um diesen Blickwinkel im Bereich der Tierrechte sinnvoll zu nutzen.

Unter dem Gesichtspunkt von „Spezies“ können wir uns anschauen, wie menschliche Gesellschaften diesen Begriff geformt und angewendet haben – rechtlich, politisch, kulturell usw.

Opposing Animal Objectification / gegen Tierobjektifizierung zu opponieren – geht von „Animalität“ als einem bewusst „externen“, weniger die Integrität verletzenden, deskriptiven (nicht definitorischen) Begriff aus, der mehr Offenheit für eine emanzipatorische Sprache schafft.

Der Blickwinkel einer „Gegnerschaft zur Tier-Objektifizierung“ dekliniert kulturell institutionalisierte und ritualisierte Formen, in denen „Tiere“ auf den deskriptiven und definitorischen Ebenen objektiviert werden. Dieser perspektivische Ansatz versucht, in weniger themenbelastender Weise voraussetzend zu sein als der speziesorientierte Ansatz an Tierrechte.

Gruppe Messel


Repost aus unserem > Visual Opinions Workshop > https://tierrechtsethik.de/anti-tierobjektifizierung/

Wie kann ich meine menschlichen Grundrechte geltend machen zur Einforderung fundamentaler Tierrechte?

Tierrechte ABC

Wie kann ich meine menschlichen Grundrechte geltend machen zur Einforderung fundamentaler Tierrechte?

E-Reader: Gruppe Messel, Jahrgang 4, Nr. 7, 2022 > https://farangis.de/reader/e-reader_gruppe_messel_2022_7.pdf > https://d-nb.info/1270042017/34 > https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:101:1-2022101200225868900363

Tierrechte?

  1. Tierrechte auf eigene Füße stellen

Die ganzen Argumente, die gegen Tierrechte von Tierrechtsgegnern angeführt werden, bauen auf Konstrukten von Annahmen über Tiere auf, wie wir sie durch die verschiedenen (in erster Linie) naturwissenschaftlichen, philosophischen und religiösen Denktraditionen geprägt in unseren Gesellschaften und deren geschichtlichen Hintergründen vorfinden.

> Was hat zu einer Negation von Tieren, tierlichem Sein, Tierlichkeit geführt?

Wenn wir für Tierrechte argumentieren, können wir keinesfalls unerwähnt lassen, was zum einen dazu geführt hat, dass Annahmen über Tiere in der Menschheitsgeschichte kultiviert und gepflegt wurden, die Tieren jegliche Grundlagen zur Anerkennung und zum Schutz ihres Seins entzogen und verwehrt haben. Das heißt wir müssen uns das Bild, das über Tiere als Lebewesen in der Welt von Menschen generiert wurde, im Kontext mit dem Eigenbild der Menschen genau anschauen, um zu verstehen, wie die Ablehnung von Tierrechten argumentativ funktioniert und operiert.

> Menschen haben ihre Rechte formuliert, ohne die Mitwelt dabei in konstruktiver Weise einzubeziehen.

Zum anderen reicht es nicht, die Vorgehensweise in der Selbsterteilung von Rechten zu kopieren, denn der Weg zu den universellen Menschenrechten ist selbst geprägt von einer offensichtlich andauernden Geschichte der Ungerechtigkeiten und des Unrechts, und die Formulierung unserer eigenen Rechte hat sich vor einem Hintergrund gebildet, der gekennzeichnet ist durch eine ziemlich grundlegende Unkenntnis der essentiellen ethischen Zusammenhänge vom Menschsein im Kontext mit Mit- und Umwelt.

Der Mensch hat sich – vor dem Hintergrund schwerer hierarchischer Kämpfe jeglicher Form und innerer politischer Spannungen, Konflikte und Katastrophen – eine Grundlage für ein Rechtsverständnis geschaffen, das aber in Hinsicht auf die Fragen, die sich nun im Anthropozän aufwerfen, Defizite aufweist.

Weil wir unseren eigenen Konflikten erstmal entkommen mussten, so scheint es, damit wir überhaupt, mit eigenen Rechte versehen, uns auch um den Einsatz für eigene, originäre Rechte der Nichtmenschen und des nichtmenschlichen Raums einsetzten können (das heißt mithin auf ein Recht auf Schutz vor den Übergriffen seitens der Menschen und ‚der Menschheit‘ auf Tiere), sollten wir uns auch eingestehen können, wo die eigenen Rechtslagen, unsere Menschenrechte betreffend, auch an ihre eigenen Grenze stoßen, und dass wir an dieser Stelle noch um einiges nachjustieren müssen. Gerade in Sachen der Tierrechte weisen unsere Menschenrechte nämlich verschiedene besondere Defizite auf, aber dazu später.

Vor dem Hintergrund unserer Geschichte betrachtet reicht es also nicht uns als einen neutralen Blueprint für alle Fragen der Rechte und des Rechtsverständnisses zu verstehen – sondern Rechtsbegriffe, mit denen wir Nichtmenschen vor Menschen schützen, müssen grundlegend ihrer Problematik und den neuen Fragen, die sich anhand ihrer Problematiken aufwerfen, entsprechen.

Tierrechte in einer zu vereinfachten Form aufzubereiten und in der Art und Weise als große Forderung in der Raum zu stellen, beinhaltet bislang noch meist, dass Ursachen zu wenig oder garnicht adressiert werden. Die Übertragung des Themas „Grundrechte“ wird so oftmals zum ersten Stolperstein.

Tierrechtler riskieren durch eine zu vereinfachende Herangehensweise kommunikative Gräben zwischen Antispeziesismus, auf der einen, und Speziesismus und Tierobjektifizierung, auf der anderen Seite, noch zu vertiefen.

Ein Beispiel

„Zum Beispiel brauchen Tiere kein Recht auf Religionsfreiheit, aber sie brauchen ein Recht auf Leben und Freiheit, einschliesslich der körperlichen und geistigen Unversehrtheit.“ (1)

Hier haben wir einen typischen wohlwollenden Mangel an Sensibilität gegenüber den Fragen von Biologismen, die in den angeschnittenen sehr großen Themen sehr wohl eine Rolle im Bezug auf Speziesismus spielen. Es müssten Brücken geschlagen werden von humanzentrisch konnotierten Bollwerksthemen wie ‚Religion‘, zu Fragen grundsätzlicher ‚Spiritualität‘ (Geist, Denken), und dann bräuchte es wiederum interdisziplinäres Denken hin zu Fragen dessen, was „Geist“ und was auch wiederum „geistige Unversehrtheit“ mit implizieren würde. Es bleibt unerwähnt, warum wir zu einem Verständnis von körperlicher sowie geistiger Unversehrtheit in der Tierfrage noch so weit weg sind, dass wir quasi eine Forderung nach antispeziesistischen Rechtsformulierungen noch nicht einmal auskleiden mit der Beschreibung dessen, wie denn genau das Ausmaß und die Qualität des Unrechts überhaupt zu enthebeln wäre.

Die Forderung steht blauäugig im Raum: Wenn ich das Unrecht nicht benenne, wird es schwierig für uns alle eine klare Definition von Rechten, sowie auch von Grenzen menschlicher „Rechte“ in diesem Fall, einzufordern.

Alltagsspeziesismus – ein Raum ohne Tierrechte

Der „alltägliche Raum“ setzt sich als Alltagsspeziesismus zusammen, dies schlägt sich in den Schilderungen von Unrecht gegen Tiere aber wenig nieder. Selbst moralisch argumentierende Veganer meiden es Gedanken und Gefühle über Unrecht genauer auszudrücken, statt der Gegenseite nur reine Polemik entgegenzusetzen (2). Es ist ein Unterschied, ob ich Mitgefühl einfordere oder Unrecht anprangere. Unrecht anzuprangern ist auch möglich in einem Raum und Kontext, in dem legale Rechte für eine betroffenen Gruppe oder ein betroffenes Subjekt (bislang noch) fehlen.

  1. Unrecht an und gegenüber Tieren (und ihren sozialen und ökosozialen Kontexten) und tierliche Grundrechte

Kann man Tierrechte in Ableitung von Menschenrechten formulieren? (3) Das ist der allgemeine Kanon bislang. Diese Perspektive auf Tierrechte muss in der Annahme gehen, dass unser gegenwärtiges Weltbild eine ausreichend fortschrittliche Grundlage bildet, und wir nicht nochmal einen Schritt zurück treten sollten, um uns die Grundpfeiler der Identitäten (als Vorstellung, die wir uns über das ‚Wesen eines Lebewesens‘ machen) „Mensch“ und „Tier“ noch einmal neu und kritischer anzuschauen. Manche Tierbefreiungsansätze schlagen indes vor, das lästige Thema der „Rechte“ einfach ganz auszuklammern, als menschliches Konstrukt, das man nicht zwangsläufig auf Tiere anwenden müsse (4).

Was versteht man unter Tierrechten, dass sie einen doch so viel schwereren Stand haben, als Rechte ‚von Menschen für Menschen’‘?

Es gibt verschiedene Standpunkte, wie Menschen sich Tierrechte vorstellen – auf den Seiten derer, die sich für sie einsetzen, sowie auf den gegnerischen Seiten.

  • Es kommt bei Rechten nicht primär auf die partikularen Rechte in ihrer Angewandtheit an

Eine typische Frage würde so etwas lauten: „Ja, Tierrechte, was ist das denn? Versteht man darunter sowas, wie, haben Tiere so etwas wie Menschenrechte?“ Es ist natürlich bedenklich vereinfachend zu sagen, dass es bei Rechten an erster Stelle auf partikulare Rechte in ihrer Angewandtheit ankommen würde – sprich, wenn ich Rechte beispielsweise in der Fortbewegung habe, im Verkehr, im Straßenverkehr, als Fußgänger, als Fahrradfahrer oder wenn ich mein Wahlrecht habe um Parteien als Repräsentanten meiner Interessen zu wählen, dann sind dies im Prinzip partikulare Rechte, die sich ableiten von bestimmten Rechten, die wirklich fundamental sind.

  • Partikulare Rechte leiten sich von fundamentalen Rechten ab

Wenn wir über fundamentale Rechte sprechen, sind partikularistische Rechte erst mal nicht das Wichtigste. Ein Beispiel: Menschen sprechen von Artenschutz und von dem Begriff „artgerecht“. Ein Begriff, den wir in unserer Gruppe ziemlich problematisch finden, weil er die ökologische Feinheit, das ökologische Finetuning von Interaktion zwischen Lebewesen nicht umfasst, und ein stark von außen her bestimmender Begriff ist. Wir gehen an dieser Stelle nicht weiter auf die Problematik dieses Begriffes ein, aber wenn wir nun beispielsweise von Artenschutz reden, dann könnten wir sagen das dies ein partikularistisches Recht wäre, und zwar, dass bestimmte Tiere ein bestimmtes Recht auf bestimmte Lebensräume haben oder auf eine gewisse Flora, auf einem gewissen ökologischen Raum, der irgendwie geschützt sein muss, als ihr altes oder neues Habitat anerkannt werden muss, usw., usf. (Klar ist: Angrenzend sind selbstverständlich Grundrechtsfragen, nämlich, dass Tiere, die aus ihren Lebensräumen über lange oder längere Zeit herausgenommen wurde, kontextuelle und ökosoziale Rechte auf ihre neuen/alten Habitate haben müssen.)

  • Artenschutz impliziert aus Tierrechtssicht – neben Fragen der Grundrechte – in der Handhabung die Fragen partikularistischer Rechte

Die Frage, um die es aber bei Tierrechten im Wesentlichen geht, sind also die Grundrechte. Was sind und was wären diese Grundrechte und woraus leiten sich Grundrechte ab – damit sie auch wirklich dem herrschenden Unrecht entgegenwirken können?

  • Die Frage dessen, was Grundrechte sind, und worauf sie sich begründen sollten/könnten (nochmal neu deklinieren!)

Genau an der Stelle scheiden sich in Hinsicht auf Tierrechte die Geister – wie wir oben bereits konstatiert haben, und ich glaube Sinn der Sache ist auch nicht, dass wir meinen, wir müssten alle die gleiche Meinung teilen. Letztendlich teilen wir auch in Bezug auf Menschenrechte nicht immer alle die gleichen Meinungen.

  • Menschenrechte werden vermutlich nicht gemäß ihrer Ideale umgesetzt

Diese Aussage über Menschenrechte stünde im Zusammenhang mit dem oben als unzureichend beschriebenen Analogvergleich – bei dem wir davon ausgehen, dass Menschenrechte eine ideale Konstellation und Verwirklichungsmöglichkeit von Rechten, wie ein Automatismus, darstellen würden, den wir in passender und vorteilhafter Form eben als Blueprint für Tierrechte übernehmen könnten. (Wir können das nicht, ohne den Problematiken eben nicht wirklich gerecht werden zu können.)

Was könnten denn die Grundrechte im Bezug auf Tiere stattdessen im Spezifischen ausmachen?

Dazu, so glauben wir, muss man erstmal unabhängig vom Vergleich zum Menschen die Frage von Freiheitsrechten und der (Anerkennung der) Autonomiefähigkeit in den Raum stellen. Wichtig ist gerade, dass eben nicht „der Mensch“ Parameter ist (als Ideal oder Konstrukt). Das ist eine Frage der begrifflichen Perspektivwahl.

Freiheitsrechte und Autonomiefähigkeit sind Punkte in den Tierrechten, die zentral sind für die Frage der Grundrechte, weil sie das bezeichnete Gegenüber als Träger von Rechten begrifflich umschreiben, unter Berücksichtigung der Integrität der bezeichneten Subjekte.

Das heißt, das erste Grundrecht setzt voraus (beinhaltet also eine Voraussetzung), dass das Gegenüber in besonderer Weise wahrgenommen und somit ernst genommen werden muss, etc. Im Gegenzug sollten wir als Gesellschaft und als Individuen in der Lage sein uns kritisch zu fragen, warum wir Tieren Freiheitsrechte kategorisch absprechen?

  • Freiheitsrechte und Autonomiefähigkeit

Warum herrscht die Vorstellung, dass Tiere irgendwie instinktgetrieben, durch Kausalismen geleitet wären und nicht eigene komplexe Denkvorgänge haben auf ihre ganz eigene Art und Weise, eigene nicht minder komplexe und mitunter wahrscheinlich sogar komplexere Sprach- und Kommunikationskulturen, usw. usf.? Warum leiten wir alles vom menschlichen Paradigma ab, in hierarchischer und negierender Weise gegenüber der Verschiedenartigkeit tierlicher Subjekte?

Warum meinen wir, alles müsse initial nach „unseren“ (…) Begriffen erklärbar sein, wenn es um die Frage von Rechten anderer geht – ‚andere‘, durch die unsere Begriffe eigentlich eine sinnvolle Erweiterung erfahren müssten? Tiere sind faktisch gesehen solche anderen, die uns zum Nachdenken bringen sollten.

  • Die Nichtmenschen und die nichtmenschliche Mit- und Umwelt müssen nicht nach unseren Begriffen erklärbar sein, um im Sinne ihrer Rechte erkennbar zu werden

Jetzt könnte natürlich ein ziemlich banaler Einwand sein: „Nein, das sind keine ‚anderen‘, das sind halt einfach nur Tiere“. Aber an der Stelle spielt in der Tierrechtsdiskussion wieder grundsätzlich die Frage der Haltung eine Rolle. Für uns sollte eine zu beachtende Prämisse sein, dass wir es eigentlich in allen wichtigen ethischen Belangen immer wieder mit Haltungen und Haltungsfragen von Menschen zu tun haben. So kann ich die Haltung einnehmen, dass ich a priori voraussetze, dass Tiere vernunftbegabt sind, auf ihre ganz autonome und eigene Art und Weise, dass ich keine Definitionshoheit über sie besitze, dass sie aber dennoch Rechte haben, die sich eben aus ihrer Freiheitsfähigkeit und ihrer Autonomiefähigkeit ableiten lassen (beide Begriffe deuten implizit logischerweise auch darauf hin, dass ihnen genau dies in Abrede gestellt werden kann), und ich kann die Würde auch in all dem begründet sehen, indem ich ihnen dies alles eben in anerkennender Weise zugestehe.

Ich glaube, wenn wir anderen Wesen grundsätzlich alles aberkennen, was ihre Besonderheit ausmacht, dann können wir logischerweise diesen anderen Wesen auch keine grundlegende Würde als Ausdruck der Anerkennung und der ‚gutwilligen‘ Wahrnehmung ihres Daseins zusprechen. Es ist also auch eine Frage von Haltung und Perspektive.

So ist überhaupt die Idee, dass wir uns das Recht nehmen, anderen Rechte zuzugestehen oder (grundsätzlich) abzuerkennen auch lediglich begründet in Fragen meiner Haltungen, mit der ich meine ethischen Vorstellungen anderen im Guten wie im Schlechten aufoktroyiere.

  • Es besteht die Option der affirmativen Haltung in der Anerkennung der Rechte, und damit einhergehend der Würde anderer, ohne eine menschliche kollektivistische Definitionshoheit zur Untermauerung vorauszusetzen

Einen sehr schönen Ansatz hat die Philosophin Syl Ko beschrieben. Sie hat in Zusammenarbeit mit der Philologin Lindgren Johnson in einem Begleittext zu einer Ausstellung der koreanischen Künstlerin Mooni Perry vom spezies-subjektivistischen Ansatz gesprochen, der einer objektivistischen Perspektivität entgegengestellt wird. (5)

Tierrechte sind so etwas essentielles wie Menschenrechte. Sie betreffen uns alle. Wir alle stehen in irgendeiner Beziehung zu Tieren. Diese kann positiv und negativ, konstruktiv und destruktiv sein, mehr oder weniger, und es ist definitiv an der Zeit Tierrechte nicht als Sonderthema zu sehen, sondern sie gehen jeden Menschen etwas an.

Bei Tierrechten geht es letztendlich darum: wie beziehe ich mich auf die Tiere in meiner Umwelt und auf die Tiere im von Menschen in hegemonialer Weise geprägten politischen Räumen insgesamt, etc.

  1. Das eigene Recht im Kontext mit der Realisierung von Tierrechten

Ein Problem besonderer Natur ist, dass ich als Mensch effektive keine in direkter Weise wirksam zu machenden Rechte habe mich für den nichtmenschlichen Raum in unabhängiger Weise von gesellschaftlichem tierobjektifizierendem und „die-Natur“-objektifizierenden Denken und den daraus folgenden Handlungsweisen einzusetzen.

Unter Menschen ist es leichter, dass Menschen sich (typischerweise) für Menschen einsetzen. Dieser Einsatz wird allgemeinhin als vom Grundsatz her wichtig erachtet, wobei selbst hier soziologisch betrachtet allerhand Hindernisse hemmend fungieren.

Sich als Mensch aus dem Territorium des Menschseins, als „unbedingter Gemeinschaft“, im Sinne der Tiere (in neuer Betrachtungsweise) und des nichtmenschlichen Raums (wegen seiner Selbst und nicht als Ressource für „unsere“ Zukunft, etc.) einzusetzen, wird in der Regel nicht ernst genommen. Das heißt:

Ich habe als Mensch, der ich von der Gesellschaft mit gewissen Rechten ausgestattet bin, keine Möglichkeit auf die Rechte, die ich in meiner Wahrnehmung bei Tieren anerkenne (denen nach unseren Begrifflichkeiten bislang keine effektiven Rechte zugestanden wurden) zu pochen, und diese im menschlich-hegemonialen Raum einzuklagen, solange keine grundlegenden Rechte für Tiere (…) verbildlich in den menschlichen Gesellschaften formuliert und überhaupt gedacht wurden (wobei an dieser Stelle eine besondere Hinterfragung über das Thema der Negation des Tierseins und der ‚Negation von Rechten‘ seinen Platz finden könnte.) In Hinsicht auf „die Natur“ wird ein Eigeninteresse des Genus „Mensch“ als wichtigerer Dreh- und Angelpunkt gedacht als es ein Recht von Tieren auf „die Natur“ als ihrer Heimat sein dürfte.

Selbst in der Kommunikation über Tiere stoße ich auf Hindernisse, dass Gesprächspartner, Leser, Zuhörer, meinen Standpunkt nicht in wesentlicher Weise ernst nehmen müssen, denn man kann sich auf vorherrschende Übereinkünfte in der allgemeinen Haltung ‚Mensch > Tier‘ berufen, und die Relevanz der tiefergründigen Hinterfragung in Zweifel stellen, ohne sich dabei ‚speziesistische Ignoranz‘ vorwerfen lassen zu müssen, etc. Es besteht schlichtweg keine Sensibilisierung in der Gesellschaft (auch nicht in den hörbareren Mehrheiten von Minderheiten) – gleich wie diese sich gebildet hätte haben können.

Im Prinzip enden meine Menschrechte-als-Tierrechtler an der Grenze, an der ich mich als Mensch mich für Tiere einsetzte, im Sinne dessen, dass ich kein Recht habe, eine von der gesellschaftlichen Mehrheit stark abweichende Sicht auf Tiere zur Disposition zu stellen. Das Bild über Tiere, das wir besprechen, darf nicht von dem in der Gesellschaft herrschenden Bild abweichen – obgleich dieses Bild dazu führt und geführt hat, dass wir Tiere schlichtweg objektifizieren. Meine Haltung zu Tieren muss sich irgendwo im Rahmen des Spektrums bewegen, dass uns in der Gesellschaft geläufig ist als irgendeine der bekannten Haltungen zu Tieren.

Wenn ich eine freie konstruktive Herangehensweise einfordere, existiert dafür schlichtweg kein ‚freier konstruktiver‘ Raum im Gedankenvokabular zivilgesellschaftlicher Kategorien sozialer Relevanz. Unsere explizite Thematisierung einer antibiologistischen Tiersoziologie als Herangehensweise können wir also lediglich auf philosophischer Ebene beitragen. Eine soziale Wirksamkeit ist dank der festen Fremddefinitionen über den nichtmenschlichen Raum bislang nicht möglich.

Als letztes Halten wir also fest, dass meine Menschenrechte sich als Tierrechtler relativieren. Mit der Rechtslosigkeit von Tieren kippen meine Rechte als menschliches Subjekt. Die Bedingtheit von Tierrechten in ihren Zusammenhängen mit den Rechten der natürlichen Umwelt ist das weitere entscheidende Kapitel, dass aber perspektivisch genau aus dem Grund so schwer zu beschreiben ist, gerade weil das Thema „Tiere“ von Grund auf in unzureichender reduktiver Weise behandelt wird.

Es werden nicht nur Tiere selbst und die nichtmenschliche ‚natürliche‘ Welt selbst menschlich-arbiträren Willkür-Entscheidungen untergeordnet, sondern auch überhaupt die Diskussionsbasis über sie finden wir in den gängigen Diskursen inhaltlich stärkstens eingeengt vor.

  1. Mögliche Handlungsebenen

Jedoch, da Tierechte effektiv in der Form auch über die (zivil-)gesellschaftliche Ebene entzogen, und kaum, verzerrt oder auch gar nicht in Betracht gezogen werden, habe ich die Möglichkeit erstmal über die soziologische Ebene, durch Sprache und Handeln, dem kulturellen Geflecht der Negation (die wir beobachten und die wir kritisieren) entgegenzuwirken. Festzuhalten ist, dass sich der Widerstände bewusst zu sein, zum Teil der Fallanalyse werden muss.

So schlägt anscheinend in der Suche gerade danach, wie man die großen gesellschaftlichen Hindernisse umschiffen könnte, die Philosophin Lori Gruen vor, dass wir (aber) statt die Rechtslage miteinander auszukämpfen, uns auf unseren moralischen Kompass stützen sollten. So würden wir auch die Hürde von Hierarchisierungen (aufgrund bestimmter kognitiver und sensueller Fähigkeiten und der Nähe zum Menschen hin) in den populäreren, bislang diskutierten Tierrechtsansätzen in kluger Weise umgehen können:

„Wenn wir stattdessen auf das fokussieren, was wir einander und anderen Tieren schuldig sind, dann werden unsere Beziehungen zu einem zentraleren moralischen Belang.“

Und

„Darauf zu fokussieren, wie sehr andere Tiere uns ähneln, zwingt uns dazu, sie in unser, sich nach dem Menschen orientierenden Rahmenwerk einzugliedern; wir erteilen ihnen Beachtung im Punkte dessen, was wir glauben, dass sie mit uns teilen, statt wegen dem, was ihr eigenes Leben bedeutsam und wertvoll im eigenen Lichte macht.“ (6)

Wobei Gruen das Kind mit dem Bade beinahe auszuschütten scheint, indem sie, aufgrund der Konfliktpotenzials so scheint es uns, Rechte im nichtmenschlichen Bereich für redundant zu halten scheint, was unlogisch ist, da man den Schutz vor menschlichen Übergriffen, nur auf der Rechtsebene realisieren kann – genau wie bei den geschichtlich anders gewachsenen Menschenrechten, wird man Übergriffe von Menschen gegenüber Tieren und der Natur (…) nur mittels juristischer Regulierung und kollektiven Übereinkünften verhindern können.

Die Negation von Tiersein und Tierlichkeit, und die Relegation tierlicher Belange in die „Nichträume der Irrelevanz“ durch die Operationsmodi von Terminologien der Fremddefinition, die genau mein Recht unwirksam machen wenn ich über den menschlichen Rahmen hinaus Rechte thematisieren und einklagen will, sind zugleich Zeugnis dessen, dass Entrechtung in der Gesellschaft selbst ihre Wirksamkeit generiert.

Und genau an dieser Stelle kann ich somit die Gesellschaft nach dem „warum“ befragen und sollte gezielt Grenzen zu den Vorgehensweisen der „Solidaritätsstiftung“ und „Einhelligkeit“ ziehen, die das Netz an Fehlbeobachtungen und Fehlschlüssen über die Mensch-Tier-Beziehung eher noch enger knüpfen, statt es aufzulösen.

  1. https://animal-rights-switzerland.ch/themen-tierrechte/ (Zugriff: 11.10.2022)
  2. In sozialen Netzwerken ist immer wieder zu beobachten, dass Veganer moralische Vorwürfe und Forderungen kaum mit einem Diskurs koppeln, der Fragen über Unrecht aufwirft und/oder Ursachen analysiert. Stattdessen dominiert eine Rhetorik der eingeforderten oder demonstrierten Mitfühlsamkeit/Compassion als Basis, des Altruismus, des Sentientismus (mit biologistisch-reduktiver Ausdeutung, die die Verneinung von „Denken“, Sentienzdiversität, … nicht angeht), Themen aus der ‚Umweltbewegung‘ (die Tiere primär in die Rubriken Artenschutz und „Tierfabriken“ einteilen. Tiere werden zur abhandelbaren „Spezies“ ohne Faktizität eigener Geschichte und ohne eigene Geschichten, Sprache, Denken, etc.)
  3. Hierzu gehören Argumente wie das der Vergleichbarkeit mit Menschen, Abweichungen von ableistischen Kontraktualismen, Analogievergleiche zu Menschenrechtsverstößen, wie beispielsweise https://www.tierimrecht.org/de/ueber-uns/publikationen/argumentarium/tierrechte/ (Zugriff: 11.10.2022)
  4. Die Philosophin F. Schmitz führt an: „Was eine Einführung von Grundrechten für Tiere praktisch bedeuten und inwieweit sie Tiere wirklich effektiv schützen könnte, ist unklar“ in ihrem Text: Tierschutz, Tierrechte oder Tierbefreiung?, Seite 95, online einsehbar auf https://publishup.uni-potsdam.de/opus4-ubp/frontdoor/deliver/index/docId/9491/file/mrm2015_02_S87-96.pdf (Zugriff: 11.10.2022). Dem müssen wir entgegenhalten: diese Frage würde man in Sachen (universeller) Menschenrechte nicht stellen, warum tun wir dies bei Tieren?!
  5. Ich habe Syls exzellenten Text, den sie in Zusammenarbeit mit Lindgren Johnson verfasst hat, ins Deutsche übersetzt. Der Text ist auch auf unserer Seite im Englischen veröffentlicht. Beide Texte sind auch erreichbar im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. deutsche Fassung: https://d-nb.info/1234807912/34 ; englische Originalfassung: https://d-nb.info/1234872005/34
  6. https://simorgh.de/gruen/lori_gruen_sollten_tiere_rechte_haben.pdf, die Übersetzung müssen wir noch archivieren, der englischsprachige Originaltext befindet sich auf https://www.thedodo.com/should-animals-have-rights-396292655.html (Zugriff: 11.10.2022)

Notiz: Wir können nicht einerseits Analogievergleiche tabuisieren und andererseits eine Formulierung von (Tier-)Rechten vorschlagen, die über das Vehikel der Vergleichbarkeit arbeitet, ohne dabei in beiden Fällen nicht über unser Hierarchiedenken zu stolpern, etc.

Notiz: die Mensch-Tier-Beziehung ist im Mindesten Triangulär: Als Mensch-Mensch-Tier-Beziehung oder auch Mensch-Menschen-Tier-Beziehung, darüber hinaus auch als Mensch-‚gestörtes-Verhältnis-zur-nichtmenschlichen-Welt‘-Mensch-Tier…-Beziehung. Es gibt keine neutrale „Mensch-Tier-Beziehung“ in gegebener Situation.

Angliedernd

Tierobjektifizierung / Speziesismus und seine Spezifika, https://farangis.de/reader/e-reader_gruppe_messel_2022_6.pdf

Tierrechte: zentrale Begriffe und Begriffserweiterungen, https://farangis.de/reader/e-reader_gruppe_messel_2021_2.pdf

Fokus Menschenrechte im Verhältnis zu Tierrechten:

Tierrechte und antibiologistische Tiersoziologie: Der Tierrechtsdiskurs kann nicht weniger komplex geführt werden, als Diskurse über Menschenrechte, https://simorgh.de/about/tierrechte-und-tierrechte/

Gruppe Messel Reader https://simorgh.de/about/gruppe-messel-reader/

Die Identitäten „Mensch“ und „Tier“ > https://www.simorgh.de/objects/what-is-an-animal/ > dieser Text auf Deutsch: Mensch-Maschine? Tiervernunft!, S.7 > https://farangis.de/reader/e-reader_gruppe_messel_2021_7.pdf

Zum Thema Verschiedenartigkeit von Tierlichkeit > https://farangis.de/tas/tschoerdy_azadeh_und_saline_2022_3.pdf, S.3


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