Aktivismus ist nicht immer das gleiche

Where activism for nonhumans divides: You can either name the fundamental wrong of speciesism or remain criticizing only the symptoms of a cause. The discourse about nonhuman concerns evolves through naming injustices on all the levels on which they occur.
Antispeciesist Animal Sociology

Aktivismus für nichtmenschliche Tiere unterschiedet sich: man kann das fundamental Falsche am Speziesismus benennen oder bei der Kritik an den Symptomen hängen bleiben. Der Diskurs über nichtmenschliche Belange entwickelt sich weiter, indem wir auf die Ungerechtigkeiten auf all den Ebenen hinweisen, auf denen sie stattfinden.

A habitualized recourse on speciesist thinking patterns by animal rights activists > “animals are instinctual beings” > is communicably compatible with society’s speciesist norms, yet it’s mere continued biologistic discrimination against nonhuman animality. Speciesist language stands for entire unjust worldviews – and either you opt for expressing alternative views on animality or you keep being a repeater of the echoes.
Antispeciesist Animal Sociology

Ein gewohnheitsmäßiger Rückgriff auf speziesistische Denkmuster > “Tiere sind Instinktwesen” > ist innerhalb speziesistischen Normen unserer Gesellschaft kommunikationstechnisch zwar leichter kompatibel, nichtsdestotrotz bedeutet er aber die Fortsetzung von biologistischer Diskriminierung nichtmenschlicher Tierlichkeit. Speziesistische Sprache drückt auf Ungerechtigkeit basierende Weltanschauungen aus – entweder formulieren wir alternative Sichtweisen auf die Tierheit oder wir bewegen uns stumpsinnig weiter in den alten Echokammern.

Erdenkinder statt Taxonomie

Man kann uns Lebewesen als sowas wie “Erdenkinder” betrachten – facettenreiche interagierende Existenzen, in ihrer Einzelheit und in ihrer Vielheit. Man kann dieses gemeinschaftliche Netz der Lebewesen aber auch taxonomisch unterteilt betrachten. Facettenreiche Einmaligkeit und Verschiedenartigkeit oder verallgemeinbare biologische Kategorie.
Some of us contextualize life as “earth’s children” – as interacting multifaceted existential selves, families, groups … , while others continue to project taxonomy as the predeterminant factor of social lives on earth. Multifaceted lives on one side, are seen as biological castes on the other.
Antispeciesist Animal Sociology

Biologisierung-Rassifizierung

Rückgriffe auf Verhaltensbiologie > statt Infragestellung definitorischer Rahmen zum Verständnis von Tierlichkeit > ist Teil der Biologisierung und somit auch der Rassifizierung von Tierlichkeit

A recourse to ethology > instead of challenging the existent definitory frameworks that seek to explain animality > is part of the biologization and the racialization of animality
Antispeciesist Animal Sociology

Speziesismen aufrechnen

Warum sollte man Speziesismus, der sich gegen bestimmte Gruppen von Tieren richtet, aufrechnen mit Speziesismen, die sich gegen eine andere Gruppe von Tieren richten?

Beispiele: Pferde > klassische „Farmtiere“ – „Zootiere“ > wildlebende Tierarten > „Farmtiere“ – verschiedene Spezies sind häufig mit unterschiedlichen Speziesismen konfrontiert. Es hat keinen Sinn, die eine Form von Speziesismus mit der anderen zu verrechnen, in der Hoffnung, man würde Menschen dadurch sensibilisieren: Alle nichtmenschlichen Tiere leiden unter Formen von Speziesismus.

Antispeciesist Animal Sociology

> Der Speziesismus, die Speziesismen

Speziesistische Herabsetzung: Schimpfwörter


„Sau“ und „Schwein“ werden als Schimpfwörter verwendet, weil menschlichen Mehrheiten die Nichtmenschen, die sie so benannt haben, fortwährend herabsetzen, und weil diese Tiere durch ihre intentionierte Verletzung und Tötung als uneinschränkbar vogelfrei gelten.
Antispeciest Animal Sociology

Antispeziesismus trägt in sich eine gegenläufige Verbindung

Antispeziesismus trägt in sich eine gegenläufige Verbindung:

Eine Kritik am Spezies-ismus kann heißen unsere Begrifflichkeit über “Spezies” vollständig zu dekonstruieren, im Sinne neuer Herangehensweisen um diejenigen Lebewesen zu adressieren, die wir gegenwärtig als Gruppe/n “nichtmenschlicher Tiere” subsumieren. Es kann aber auch bedeuten, an dem Gedanken festzuhalten, dass Lebewesen in “Spezies” eingeteilt werden könnten, mit dem einzigen Unterschied, dass sich Menschen nun anders im Bezug auf die Wesen positionieren würden, die sie weiterhin mit ihren hegemonischen Begriffen definieren wollten.

Antispeciesism is at least a two-way road:

A critique of species-ism could mean to completely deconstruct the notion of “species” in favor of finding new approaches to address the groups of beings we now sum up as the group/s of “nonhuman animals”. It can also mean to cling to that idea, that beings can be separated into “species”, only that we position differently towards the beings we’d keep defining in hegemonic terms.

Antispeciesist Animal Sociology

Insekten, Wirbellose, Tierrechte (Links)


If some vegans and animal rights/liberation advocates don’t manage to defend insects and other invertebrates on a basis of rights, liberation, a vegan kind of ethical praxis … , then people independent of these groups – like us – do it!
Antispeciesist Animal Sociology

Ein Fragment über Insektenmythologien und Darstellungen von Insekten, und weshalb Erklärungen mittels Symbolismus nicht ausreichen um bestehende Korrelationen zu erklären
https://simorgh.de/about/fragment-ueber-insektenmythologien/

Insekten, unsere und ihre Kultur. Ein Interview mit Inox Kapell.
https://simorgh.de/about/ein-interview-mit-inox-kapell/

Für den Lebensschutz ökopolitisch agieren
https://simorgh.de/about/fur-den-lebensschutz-oekopolitisch-agieren/

Insektenbiotope
Insektenhabitate schützen.
https://insektenbiotope.wordpress.com/

Lebensräume entprivilegisieren
https://simorgh.de/about/lebensraeume-entprivilegisieren/

Der erste Weltbienentag, und das ist was Mensch noch immer mit Bienenvolk macht
https://simorgh.de/about/das-weltbienenvolk/

Earthworms and animal rights
http://www.simorgh.de/objects/earthworms-and-animal-rights/

Aus der Zeitschrift ‘The Vegan’ zu Seidenraumen und Bienen
https://simorgh.de/yard/aus-der-zeitschrift-the-vegan

Wer ist schuld am Anthropozän?

Wer ist schuld am Anthropozän?

Es werden, so wie die vereinfachten Lösungen für Probleme historischen Ausmaßes, auch immer wieder vereinfachte Ursachen gefunden, für die Antwort darauf, wer eigentlich an allem Schuld ist:

ist es der Kapitalismus, sind es die Lobbyisten betreffender Wirtschaftszweige, sind es die Politiker, ist es letztendlich der Globalismus oder schlichtweg die allgemeine Ignoranz, und werden wiederum (…) „von oben“ zu wenig Restriktionen verhängt über eine Gesellschaft, die sich von all dem leiten lässt. Die Gesellschaft bietet einem dem zu Trotz aber immer wieder vielversprechende Allheilmittel für jegliches Desaster an. Das Mehrheitsprinzip muss funktionierende Lösungen bieten können, und die Mehrheiten nach denen gestrebt wird, sollen die sein, die nicht zuletzt lenkbaren Prinzipien folgen.

Ethische Erkenntnis ist wenig lenkbar. Wäre sie lenkbar, wäre sie manipulierbar, dann verlöre sie Wirksamkeit, Authentizität und Erkenntniskraft.

Hinter all den Gründen an denen es liegt, dass wir im Anthropozän und nicht in einem anderen Zeitalter leben, stehen immer wir selbst, in der Weise, wie wir zu den Systemen stehen aus denen dieses Zeitalter gewachsen ist. Wenden wir uns nun also den endlosen Symptomen zu oder auch vertieft der Analyse von Ursachen?

Wäre eine Lösung vielleicht eine Gesellschaft „totaler Befreiung“ von allen Herrschaftssystemen? Dabei würden wir in viel zu weiter Ferne nach den vermeintlichen Stellschrauben suchen. „Fehler im System“ kommen nicht nur in den Klassikern der Herrschaftssysteme vor. Nicht alles was sich als „frei“ deklariert, ist so progressiv wie es vorgibt zu sein.

Nun stellen wir uns z.B. einmal vor, wir hätten also endlich eine bio-vegane Landwirtschaft in dem Sinne jedoch, wie sie sich gegenwärtig tatsächlich konzipiert. Wäre dadurch gewährleistet, dass die-Nichtmenschen-unterdrückende-Spezies Mensch dem nichtmenschlichen Raum tatsächlich seine eigenen Lebensräume und Autonomie vom Menschen gewährt? Der bio-vegane Landbau schließt bislang die Fragen des Lebensraumes für Nichtmenschen (ungeachtet ihrer Spezies) aus und befasst sich mit der technisch-veganen Ernährungsdimension für Menschen. Ökosoziales Leben mit den Nichtmenschen und ihren Interessen ist kein Primärthema, ehrlich gesagt ist nichts in der Richtung dort Thema. Es geht auch dort erstmal um die Rettung unseres Systems, ohne die Systeme von Nichtmenschen mit einzubeziehen als sozialen und politischen Teilhaber. Die nichtmenschlichen Tiere, denen wir pazifistisch begegnen wollen, kommen nur vor indem sie nicht vorkommen. Sie werden gerettet, indem sie einfach nicht mehr „Teil des Problems“ sind.

Wäre die Gesellschaft weniger humanzentrisch, wenn sie eher sozialistisch, weniger bürokratisch, weniger korrupt wäre? Ist die Lösung im eigenen Denkgebäude unserer Gesellschaft zu finden? Ratlosigkeit – denn die meisten würden behaupten, es existieren gar keine Alternativen zu unseren Vorstellungen von Mehrheits- und Minderheitspositionen. Ein wirklicher Ausstieg aus dem System menschlicher Herrschaft müsste sich meiner Meinung nach an uns bislang eher unbekannten Modellen ausrichten, die wir im Zuge unserer eigenen Veränderung erst neu verstehen lernen und erlernen würden.

All das, woraus sich eine neue Kulturform entwickeln könnte, wurde über Jahrtausende akribisch unterdrückt und bewegt sich nicht an den Stellen, die informativ Systemkompatibel wären. Es ist möglich, von ökosozialen pazifistischen Gedanken anderer und alter Kulturen und „Subkulturen“ (1) zu lernen, von denen wir bislang nicht viel wissen, weil wir deren Gedankengebäude unsichtbar gemacht haben. Wir könnten lernen von Tierkulturen, deren eigene Vernünfte und eigenes Denken wir ihnen immer noch in Abrede stellen – insbesondere dadurch, dass wir sie biologistisch objektifiziert verorten.

Die Mehrheit der Leute suggeriert sich gegenseitig, man könne nur von allgemein „bewährten Konzepten“ lernen und schafft den Switch nicht, ihre wirkliche Umwelt wahrzunehmen: weder die anderer tierlicher und nichtmenschlicher Kulturen, noch die anderer menschlicher Kulturen/und „Subkulturen“. Sie wollen aber zugleich, dass die „Welt“, die nicht Teil ihres Systems ist, bestehen bleibt – und das zur weiteren Beherrschbarkeit.

‚Who is to blame for the Anthropocene … ‘

[1] Es gibt mMn auch eine chronologische Diversität; man müsste bestimmt noch weiter auf den Punkt “Subkulturen” eingehen.

Malerei: Farangis G. Yegane

Text: G. Yegane Arani

Gertrud Kolmar: Tierträume


Gertrud Kolmar

Eine faszinierende Sprache. Im Kontext mit unserem Interesse an “Erzälliteratur, Dichtung und Tierrechten” haben wir die Gedichte: Tierträume von G. Kolmar entdeckt und wollen daraus einige gerne den Leser_innen, die noch nicht mit G. Komlar vertraut sind, vorstellen. In diesem Zusammenhang empfehlen wir unbedingt auch sich diesen Blogeintrag anzusehen: A. Marie Houser: Literaturkörper: Erzählliteratur ist Aktivismus.

Aus: Getrud Kolmar – Tierträume. Quelle: LiteraTisch.de. Eine sehr empfehlenswerte Seite, die sich mit den im Nazi-Regime verbotenen Schriftsteller_innen befasst und ihrer gedenkt.

Trauerspiel

Der Tiger schreitet seine Tagereise
Viel Meilen fort.
Zuweilen gegen Abend nimmt er Speise
Am fremden Ort.

Die Eisenstäbe: alles, was dahinter
Vergeht und säumt,
Ist Schrei und Stich und frostig fahler Winter
Und nur geträumt.

Er gleitet heim: und mußte längst verlernen,
Wie Heimat sprach.
Der Käfig stutzt und wittert sein Entfernen
Und hetzt ihm nach.

Er flackert heller aus dem blinden Schmerze,
Den er nicht nennt,
Nur eine goldne rußgestreifte Kerze,
Die glitzernd sich zu Tode brennt.

Der Drache

So will ich liegen – da die Hand mir schweigt,
Da sich die volle Schale zu mir neigt,
Ein einz’ger Tropfen aus der Schale fällt,
Doch mit dem Tropfen die gekrönte Welt
Der Stille.

Es schwillt, es bildet sich und nimmt Gestalt.
Das Auge leuchtet tausend Jahre alt,
Und nun ihm brauner Fetzenflügel wächst,
Der Glanzschweif sich um Sternenespe hext,
Erkenn’ ich’s.

Schon kriecht es duckig, erzgeschuppt die Haut,
Den Klumpfuß meinem Teppich eingeklaut;
Aus seiner Pferdenüster, rundgebläht,
Tanzt Flammensense auf, die Träume mäht
In Schwaden.

Mit seinem Maule zückt es manches Wort,
Und wenn es redet, heb’ den Kopf ich fort;
Denn was es weiß, ist alles seltsam wahr,
Ist, wie der Mond von totem Froste, klar
Und scheinend.

»Sie haben aus den Höhlen mich gebannt,
Sie haben mit den Büchern mich verbrannt,
In finstren Napf gestellt ihr weißes Licht;
Es steigt an meiner Glut und will mich nicht
Erschlagen.«

»Und bin ich dienstbar nicht wie Stuhl und Tisch
Und minder selbst als Fittichtier und Fisch,
Doch bin ich Kap, daran dein Schoner birst
Und das du leugnest, bis du scheitern wirst
In Stürmen.«

»Du nennst die Inseln: Tod, Unsterblichkeit.
Hörst du das Leben, das aus Steinen schreit ?
Siehst du die Zuckungen des Staubgesichts ?
Du glaubst: Hier Gottes Himmel – dort das Nichts.
Ich bin ein Drittes.«

Aquarium

Immer wieder an ein Glas zu stoßen,
Immer wieder sich im Kreis zu drehn,
Statt geschmückt in wunderbaren, großen,
Lebenden Gewässern hinzuwehn.

Immer wieder sich an schalen Happen
Wohlzutun im laulich dumpfen Tang,
Statt mit kleinem, buntem Maul zu schnappen
Grünes Licht und kühlen, frischen Fang.

Immer wieder Härte anzufühlen,
Fahlen Sandes eine dünne Schicht,
Statt dem tiefen Grunde sich zu wühlen
An das braune, wärmende Gesicht.

Immer wieder Strand mit bösen Dingen,
Da das Fischlein krank und kämpfend liegt,
Wenn es heftig, unbedacht im Springen,
Seine karge Heimat überfliegt;

Nur ein rasch gehemmtes Auf und Nieder,
Kurze Blitze, links und rechts geschnellt,
Immer wieder, ach, und immer wieder
Kennt ein Ende diese kleinste Welt!

In den Fernen lagern schwarze Teiche,
Stirbt ein regenbogener Quellenfall,
Führt das weite Strömen seine Leiche
In ein Grab von fliehendem Kristall.

Auch die Fische mögen heimlich träumen,
Was ihr Herz wie Menschenbrust befreit:
Klare blaue Welle und das Schäumen
Süßer Meere der Unendlichkeit.

Der Rosenkäfer

Es ist ein elend Sein, es ist ein Ding der Dinge,
Der Splitter, abgefeilt von Gottes Siegelringe.

Ihr nennt es Junistern, der blauen Tagen gleißt,
Ich nenn’ es Zaubertier, gezeugt im Blumengeist,

Den uns kein Kräutermann noch Wunderarzt verhandelt,
Den höchste Alchimie allein erkennt und wandelt;

Denn dies, der Rose Licht und Blut, davon es zehrt,
Ist, was sich ihm zu grün und braunem Golde kehrt.

Die Rehe

O Frauen, die in Nacht zerrinnen!
O Männer, die an Weisern stehn!
Euch bleibt ein kurzes Sichbesinnen,
Dann müßt ihr wenden und vergehn.
Mag sein, in traurigem Vergeben,
Mag sein, in trotzigem Sichheben:
Ihr sinkt doch waldwärts mit den Rehn.

Die Rehe suchen reinre Pfade
Durch Indischmoos, an Brombeerwand;
Des Waldes lieblichste Ballade
Hegt Vogelnest, spielt Buchenhand,
Doch ihnen wachsen manchmal Träume
Aus Häuptern, kleine braune Bäume
Auf einem braunen Fleckchen Land.

So sanfte Augen. Drinnen dämmert
All ihrer Monde Zug und Hauch.
Ein Quell erklingt. Ein Blauspecht hämmert.
Ein Grünes gilbt am Haselstrauch.
Dann leiden sie Geflock und Winde,
So leiden Mütter still am Kinde,
So leiden sie die Kugel auch.

Sind hingestürzt und tot gefunden
Mit stumm zerbrochenem Gesicht.
Wer löschte achtlos ihre Stunden
Und hütet seine als ein Licht ?
Ist dieses Wesen denn so nichtig,
Nur euer Leben gar so wichtig ?
Ach, wüßtet ihr’s. Ihr wißt es nicht.

Quelle – eine empfehlenswerte Seite:
https://www.literatisch.de/gertrud-kolmar-tiertraeume.html

Links: 30.11.2019