Willensfreiheit, die abrahamitischen Religionen und die Naturwissenschaften

(Der Eintrag war ursprünglich vom Mar 29, 2013, wir rebloggen ihn jetzt aber nochmal angesichts der dauerhaften Wichtigkeit des Tierversuchsthemas.)

Snippets:

«Willensfreiheit» in Augustinus Werk De Civitate Dei > https://bkv.unifr.ch/de/works/cpl-313 , siehe auch zum Thema  http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille.

http://gellhardt.de/arendt_bluecher/7_Freiheit_u_Politik.pdf , S. 208, Freiheit und Politik1 von Hannah Arendt (1958)

versus

“Wolf Singer – dessen Credo sein Geheimnis bleibt – ist Beirat in der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung. Als Hirnforscher kam er zu dem Schluss, der Mensch habe keinen freien Willen. Weil das die Theologie seit Paulus an den Wurzeln trifft, wird Singers Position am Vatikan mit offenen Ohren gehört.” source: http://bit.ly/AtPDmh (Link funktioniert leider nicht mehr)

Als eines von 80 Mitgliedern der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften berät der Frankfurter Hirnforscher Wolf Singer den Vatikan – ein Job auf Lebenszeit, https://www.zeit.de/2005/20/Glauben-Singer

Eine Beratung für was genau?

Wolf Singer zählt zu den weltweit führenden Hirnforschern und erlangte unter anderem durch die sogenannte “Freie-Wille-Debatte” große Bekanntheit […] Mit seiner These, dass die Willensfreiheit des Menschen eine Illusion sei, sorgt Wolf Singer für Diskussionen in den Medien. Sein neuestes Buch “Hirnforschung und Meditation” ist ein Dialog mit einem buddhistischen Mönch über die Beziehung zwischen Hirnforschung und Bewusstseinstraining. https://idw-online.de/en/news287231

“Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören von Freiheit zu sprechen.” sagt der prominente Gehirnforscher, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_Singer (letzter Zugriff: 21.02.12)

1992 wurde Singer zum lebenslangen Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften in Rom ernannt. Singer gehörte bis 2012 dem wissenschaftliche Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung an. https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_Singer

Ein Spektrum “Singer Lab in the News” von Demokratie, Tierversuchen und Tierethik und unfreien Willen wird hier wohl steht upgedatet > https://www.esi-frankfurt.de/research/singer-lab/

Ein hirnzentrisches westlich geprägtes Denken, das Erklärungsmodelle in den Teilen der Summe sucht. Ein Denken, dass die Mehrheiten in der Kirche und unter den Humanisten noch immer eint.

„Unsere abendländischen Werte können nur etwa bis zum 20. Lebensjahr in ein Hirn hineinprogrammiert werden“, so Singer, „danach sei die „kritische Phase der Entwicklung“ vorbei und der Mensch müsse im Großen und Ganzen mit seiner Grundstruktur leben. https://www.ghst.de/schlink-singer-gehirn/

Man ist sich einig: “Gehirn und Demokratie gehören zusammen”.

Die Kirche setzt den Menschen als ursächlich sündig voraus, aus seinem Schuldig-Sein kann er sich über einen durch Gott induzierten Determinismus nicht hinaus bewegen, höchstens ein Glaubensbekenntnis ablegen.

Freiheit liegt aber, so denke ich, im Wirken des Gesamten. Die Diskussion den Menschen radikal zu teilkontextualisieren entspricht den Weltbildern, die das destruktive Anthropozän genährt haben.

Polemischerweise muss man auch auch fragen:

Handeln zum Beispiel Demonstranten – wie jetzt in den politischen Unruhen globalen Ausmaßes – aus einem unfreien Denken heraus? Wohl kaum. Ihre Gehirne sind aber nicht alle sezierbar und im Individuum wird sich keine absolute Regelmäßigkeit feststellen lassen, die den Grundsatz der Einmaligkeit jeden Lebens (die Individualität) in Frage stellen kann.

Zu Augustinus und dem freien Willen:

Sehr wohl wurde die Frage des Willens im Menschen auch im Christentum bejaht, wie von Augustinus, denn immerhin musste ein Mensch ja fähig sein, sich dazu entscheiden zu können – aus freiem Willen – Christ zu werden, und anderen Glaubensrichtungen oder “-verirrungen” damit abzusagen.

Wolf Singer muss qua seiner Forschung (die er selbst gewählt hat) zu dem Schluss kommen, dass es keine Freiheit im Leben / im Lebensprozess / im Sein eines biologischen Organismus an und für sich gibt. Er steht als vivisektionausübernder Gehirnforscher für Gewalt an Tieren (eigene und deligierte), und jedes fühlende Wesen, das mit Gewalt konfrontiert ist, wird unfrei, weil es Angst hat, weil ihm Schmerzen angetan werden. Das ist eine viel fundamentalere Frage für das Menschsein in der Welt, als die Frage, ob ich als Mensch der Descartschen Formel von Sein, das sich aus meinem Denken ableite, entspreche.

Macht, im Sinne von gewaltausübender Macht, kann Freiheit nicht verstehen. Niemals … .

Eine soziologische Kritik an Singers Determinismus lautet: „Es ist unumgänglich, den Menschen zugleich unter der Signatur von Natur und Kultur, von Bestimmtheit und Freiheit, von Materie und Geist zu sehen.“ S. 58 https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/1343791?originalFilename=true

 

Tierrechte, Spezies-Subjektivismus, Protest

Wenn Ihr die ökologische Bilanz menschlicher Zerstörung mitverbucht bei der nackten Existenz von Tierkörpern, indem Ihr aufrechnet, wieviel ökologische Schäden durch Tierkörper entstehen, dann macht Ihr Tierkörper verantwortlich für menschliches Handeln.

Weshalb sprecht Ihr nicht von Ungerechtigkeit, die diesen Tierkörpern widerfährt? Meint Ihr ökologische Zerstörung hätte nichts mit einer menschlich-destruktiven Haltung gegen nichtmenschliche Räume zu tun? Ihr sprecht zumindest nicht von Unrecht gegen nichtmenschliche Tiere.

Ethik ohne (Tier-)Rechte ist eine Farce.

Antibiologistische Tiersoziologie, Gruppe Messel

Tierrechte, Spezies-Subjektivismus, Protest

Repost des Eintrags vom 25.07.2021 aus fortlaufend gegebenem Anlass: Das Headquarter der Gruppe Messel zieht zur Zeit sehr aufwändig um – mit 200 Quadratmetern an Kunst- und Buchbeständen – daher die längere Pause hier. Die Pause ergibt sich aber auch deswegen, weil wir gegenwärtig beobachten, wie tief die Mehrheit von ‚fellow activists‘ in der deutschsprachigen Tierrechts- und/oder Tierbefreiungsszene noch ihre mentale Grube völliger Agrarfokussiertheit graben wollen, in denen alles Platz finden soll, was Tierlichkeit von sog. Farm-Tieren anbetrifft, statt anstelle dessen Räume ökosozialer Schnittmengen zu erkennen, zu benennen und somit darauf deutlich hinzuweisen. Wer sich in Richtung ‚artgerechter Ansätze‘ einengt in seiner Betrachtung von tierlichen Interessensbereichen, der erkennt keine ökosoziale Komplexität an, sekundarisiert die politische Relevanz dessen, dass tierliche Diversität mehr als Artenschutz ist, und dass tierliche Diversität eher Tierkulturen statt Tierspezies bedeutet. Wer sog. Farmtiere immernoch in ihren Interessen beschreibt, als hätte er/sie gerade einen Zoologie-Kurs bei Konrad Lorenz oder Professor Grzimek besucht, der sollte vielleicht nochmal überlegen, ob es sich nicht lohnt als Tierverteidiger*in auch mal seine eigene Thinking-Cap aufzusetzen und weniger chauvinistische und spezies-objektifizierende Haltungen gegenüber tierlichen Individuen und Gruppen einzunehmen.

Wessen Rechte sollen eigentlich so unwesentlich sein, dass man auf sie grundsätzlich verzichten könne?

Es gibt meines Empfindens nach viel an geistiger Sterilität unter Kulturschaffenden. Im gleichen Maße gibt es daneben auch eine Menge an geistig relativ sterilen politischen Graswurzel-Aktivist*innen. Hier eine wohlgemeine Kritik an solchen in der Tierrechteszene im deutschsprachigen Raum.

Mich wundert die aktivistische vereinfachende Gebetsmühle an der festgehalten wird, dass

a.) Umweltschutz plus Tiere die Gleichung nach einer Forderung einer sog. Argarwende ergeben müsste. Hier findet eine Verschiebung von Tieren und ihren Geschichten auf Orte statt, in die Tiere gezwungen wurden. Tiere haben nur gezwungenermaßen etwas mit dem Thema Agrar zu tun. Zudem: Eine vegane ‚Agrarwende‘ hat erstmal nichts mit der Schaffung neuer Lebensräume für Tiere zu tun und auch nicht mit der Adressierung von Tier-Objektifizierung in der Menschheitsgeschichte, die aber der unbedingten Adressierung bedarf, um so Systeme, die industrialisierten Mord überhaupt am laufen halten, logisch, ethisch zu dekonstruieren.

Etwas zu ändern an der Situation der zahllosen Tier-Individuen, die gezwungen sind in Menschengemachten agrarindustriellen oder sonstigen Agrareinrichtungen geboren zu werden, zu leben und zu sterben, ist ein tierinklusiver soziologischer Prozess und keiner, der die Thematik pflanzlicher Anbaustätten zum Primärnutzen für Menschen anbetrifft. Themen können nicht allesamt in einem simplen Aufwasch gelöst werden. Weder das der Situationen, die Tiere betreffen, noch menschliche Verhaltensweisen in ökologischer Hinsicht im Anthropozän. Ernährung, Fragen, die die Flora betreffen und dann wiederum wirtschaftliche Monopole, politische und gesellschaftliche Dis-/Funktionsweisen … das alles ist nicht einfach so als „Wust“ anzupacken, am Ende derer, die dadurch am existenziellsten Betroffen sind – und dann noch indem man das Thema Unrecht im Bezug auf diese Betroffenen ausklammert.

und

b.) dass Ethik ein von Rechten entkoppeltes Paralleluniversum sei – wie so einige Leute in der deutschsprachigen Tierbefreiungsszene argumentieren.

diesen Leuten, denen das eine oder das andere Argument bekannt ist, möchte ich folgende Punkte zu bedenken geben:

Nicht allein der industrialisierte Tiermord ist Tiermord …

  1. Ethik und Rechte sind voneinander nicht trennbar. Denkt mal an Eure eigenen Rechte und die Ethik, die Ihr für Euch in Anspruch nehmt. Stellt Euch mal vor wir hätten ethische Ansprüche und stellten Forderungen aufgrund ethischer Leitsätze, auf die wir uns geeinigt haben, aus denen dann aber keine rechtlichen Konsequenzen sich herleiten und entwachsen würden. Wir fändet Ihr das für Euch? Nebenbei: Rechte sind etwas Grundsätzliches, wodurch die Integrität eines Wesens als Ende in sich selbst anerkannt wird, generell gewisse Eigenschaften anerkannt werden müssen, um so dem Wesen einen legitimen Schutz gewährleisten zu können – vor menschlichen dritten Interessen, die die Integrität des Wesens nicht grundlegend berücksichtigen wollen im Interesse des durch die Rechte geschützten und der sich so über die Speziesgemeinschaft hinweg konstituierenden sozialen Gemeinschaft. Bei der Diskussion über Rechte abzulenken mit Partikularismen wie irgendwelche spezifischen Rechtspraktiken – wie Verkehrs- oder Wahlrechte, etc. und dann zu behaupten, das seien doch „Rechte“, die ja Tiere nicht haben könnten – geht dem Ursprung und den Fundamentalfragen von dem was ein Recht überhaupt konstituiert, nicht auf den Grund.
  2. Wenn Ihr implizit sagt: der Mord beim Biobauern oder der Hausschlachtung ist weniger relevant, dann zählt für Euch nicht das einzelne Leben und die Würde des einzelnen Wesens, Ihr vermittelt, dass Gewalt ein Problem der Quantität wäre. Wenn es Euch aber mehr um die Folgen der kapitalistischen (globalen) Märkte auf die Ökologie geht und ihr meint, dass Tiermord vornehmlich ein Problem ist, dass in der Quantität an Relevanz gewinnt, dann möchte ich fragen, was ihr eigentlich meint wie das ganze Problem überhaupt erst begonnen hat und warum Euch die Geschichte so wenig interessiert? Ich hätte da allerdings auch noch etliche andere Fragen.
  3. Und: Wenn Ihr die ökologische Bilanz menschlicher Zerstörung mitverbucht bei der nackten Existenz von Tierkörpern, indem ihr aufrechnet wieviel ökologische Schäden durch Tierkörper entstehen, dann macht Ihr Tierkörper verantwortlich für menschliches Handeln.

Ohne Rechte ist Ethik eine Farce. Weder in Sachen natürlicher Mitwelt noch im Bezug auf tierliche Subjekte sprecht Ihr von einer Ethik, die faktische und direkte Rechte konstituieren können muss. Aber wenn es um Eure eigenen Interessen geht – und diese können natürlich auch die Mitwelt berühren – dann wisst Ihr wie Ihr Rechte als Eure Domäne schützen wollt. Als menschlicher Schutz vor dem Menschen und Garant zur Durchsetzung kollektiver menschlicher ‚speziessegmentgebundener‘ Eigeninteressen. Das Kastensystem zwischen Mensch – Tier – und natürlicher Mitwelt, begründet auf einem „Recht“ und einer „Würde“, die mit Ausschließlichkeitsansprüchen operieren.

Rev. 26.08.2022

Versuche in Spezies-subjektiver / Spezies-subjektivistischer Dichtung

Offenkundig fällt der kritischen Beobachtenden auf, dass gerade, wenn Leute sich selbst auf kleinster Ebene subjektiv beschreiben, wie in Gedichten, Nichtmenschen ganz besonders als ‚aus objektifizierender Perspektive wahrnehmbar‘ angenommen werden. Ich möchte hier ein „ich“ und ein „du“ und ein „wir“ beschreiben, dass Menschen und Nichtmenschen auf anderer Ebene betrachtet.

***

Wir sind

Als erstes muss ich mich demontieren, nicht vor Euch, nicht vor Dir, aber von dem kollektiven Menschen – er lässt kein ganzes Ich zu, das außerhalb von ihm ist.

Sie sagen also Du seist nur ein Nebenschauplatz. Du seist schön, hässlich, ganz, Opfer, aber Dein Du gäbe es nicht.

Sie sprechen Dich nicht als Du an, außer sie übertreten Deine Grenzen.

Was für Ein Du bin ich dann für solche Exkludierenden – wo Du aber mein Du bist? Ich bin ein Du mit Dir.

Dir, der bei dem Kollektivmenschen wie er jetzt ist, nur das Du ist, dessen Grenzen übertreten werden.

***

Unsere Liebe zu Erkenntnissen

Es muss deutlich werden. Deren „wir“ muss nicht Eures sein.

Mir ist das klar und ich mache es deutlich.

Es gibt menschliche „du‘s“ die immer um ein Zentrum kreisen, das ein Bündel „Mensch“ einpackt.

Es gibt menschliche „du’s“ die mit ihrem Intellekt Dein und Mein „du“ in unserer Liebe zu Erkenntnissen nicht wahrnehmen.

Sollte ich ein Du mitansprechen in meinem Gedicht, dass jemanden einbezieht der ein Du plus Liebe in die Ecke von Sexualisiertheit packt? Warum sollte der Mensch mein allgemeines Du sein hier, auf das ich intimsten Bezug nehmen darf, ohne dass das ein Problem wäre? Warum meint der „gebündelte Mensch“ zwischen uns gäbe es kein poetisches Du? Zu Gott darf es das geben. Zu Dir nicht, meinen sie. Warum sollte unser per Du immer gleich okkupiert werden durch fremddefinitorische Deutende. Wir sind in keiner dieser Gemeinschaften einzugemeinden.

Wir sind gemeinsam und wir sprechen die Sprache, die jenseits von allem stehen kann. Und dies ist unser Banner im allgemeinen Raum.

***

Liebesgedicht

Schöne Worte sind nur für wen? Schöne Worte, die nichts sagen außer, dass da noch einer ist, der Euch verneint. Ein schönes Wort, das für mich Gift ist, wenn nicht bedeutungslos, weil Du darin nicht vorkommen darfst.

Wir sitzen hier zu dritt. Dort der Jäger oder die Jägerin, dort Du, der Xar-Gush (Hase) und hier ich. Wir befinden uns nicht in einer Fabel. Spreche ich zur Jägerin über Dich? Das ist schwer, denn sie negiert Dich. Ich schaue, ob Dein Ohrenspiel und Deine Gestik mir zeigen, ob wir vielleicht diesen Raum lieber verlassen sollten. Mich will die Jägerin physisch nicht jagen, aber sie macht unser Leben draußen kaputt. Wir wollen mit ihr also auch nicht diesen „geschützten Dreier-Raum“ hier drinnen teilen. Wir gehen raus. Zusammen.

***

Zeichenlexika

Der „abwesende Referent“ ist niemals abwesend. Sprache und Zeichen sind überall und universell. Es gibt keine Barriere ist den Codizes und den Hauchen … manche Menschenwesen nummerieren diese. Wir tun das nicht. Du tust es nicht, ich nicht. Dennoch wirst Du und werde ich mitgezählt. Wir zählen anders.

Manche Menschenwesen erleben die Börsen als Ersatznatur. Wir sehen den Wert in der Substanz von Leid, das Denken ist und Materie, die Sein ist, das wir teilen, Und das ist unsere Liebe. Und nicht die zu Euren Phantomen.

***

Steinliebe

Ich verehre Dich, weil ihr Euch ehrt und weil Du und Du ihr achtsam und zugewendet seid. Ich könnte Euch nicht verehren, wenn unsere Verehrung nicht im Großen voller Achtsamkeitswarnungen wäre. Dort fangen Liebes-Geheimnisse an.

***

Kriege

Ich spreche zu Dir und wir beide sprechen verschiedene Sprachen. Wie Musik. Mit Schnittmengen, mit losen Enden, wir binden sie zusammen. Ich spreche mit Dir damit wir uns beschwören können, unsere Zauberei machen können, unsere gemeinschaftlichen Gesänge und Feste. Du singst in Deiner Sprache, ich in meiner.

Da hört uns jemand zu, der meine Sprache spricht. Er bindet mich ein, sagt, war plapperst Du da. Ich spreche seine Sprache, aber spreche zu Dir, nicht zu ihm.

Höre, der du meine Sprache sprichst. Wir sprechen alle verschiedene Sprachen! Da bist nicht nur Du und ich!

Wir aber gehen und wir wenden uns im Geiste ab. Lass ihm seinen Bannkreis. Daran erkennen wir ihn.

Wir zelebrieren, tod oder lebendig, ohne diese anderen.

***

Ideen

Da hocke ich nun in dem Club von „Homo genius“, umgeben, von einem Wissenschaftsgemäuer auf Logiken und Thesen bauend.

Ich bin immernoch verneinbar. Ich teile auch deren Träume nicht. Ich will sie gar nicht teilen. Deren Logik teile ich nicht.

Wir denken an Blätter, an lange Geschichten, an die Freunde, die Tiefseefische.

Schon wird gemeldet, dass das artenfremde demonstrativ hinausgeangelt wird.

Man macht das alles einfach.

So regiert man.

 

 

Liste TH und TOS, Punkt 05: Religiöse Tierobjektifizierung


Religiöse Tierobjektifizierung >
Geht davon aus, dass menschliche Spiritualität eine Basis dafür bildet, tierliche Verschiedenartigkeit, Pluralität und Multiplizität zu entwerten.
Punkt 5; Liste über Formen des Tierhasses und verschiedener tierobjektifizierender Spezifika.
Antibiologistische Tiersoziologie, Gruppe Messel

Liste TH und TOS, Punkt 07: Die tierobjektifizierende Ideologie der Jagd

Die tierobjektifizierende Ideologie der Jagd  >

Die Herrschaft und Dominanz über „die Wildnis“ postulierend, durch völlige Lebensraumkontrolle; das erste Erscheinen des Erklärens von Nichtmenschen zu menschlicher Nahrung – als eine angenommene relative Gleichheit mit Raubtieren.

Punkt 7; Liste über Formen des Tierhasses und verschiedener tierobjektifizierender Spezifika.

Antibiologistische Tiersoziologie, Gruppe Messel

Liste TH und TOS, Punkt 06: Tierobjektifizierung und Spektakel


Tierobjektifizierung und Spektakel >
Die Zurschaustellung einer tierobjektifizierenden Handlung in der verletzt oder getötet wird, um Betrachter zu desensibilisieren – als Lektion ‚menschlicher Macht‘.
Punkt 6; Liste über Formen des Tierhasses und verschiedener tierobjektifizierender Spezifika.
Antibiologistische Tiersoziologie, Gruppe Messel

Netze des Homo sapiens mit denen anderer Animales sapiens

Netze des Homo sapiens mit denen anderer Animales sapiens

Inwieweit ist das menschliche Subjektsein dem Anthropos-Sein unterworfen
und in welchen Punkten ganz genau?

Ließe sich seine Soziologie untergliedern

  • als zwischen Subjekten liegend

oder

  • alleinig dem Anthropos-Sein zuzuordnen?

Bestimmte Handlungsebenen finden unter bestimmten Bedingungen statt. So gibt es Handlungen, die Subjekte untereinander in verschiedener Weise trennen oder zusammenbringen.

Kann ich den Anthropozentrismus annehmen als ein ‚Eigenzentrismus der Gruppe Homo sapiens‘, die im Punkte ihrer Subjektivität stärker an Handlungsebenen, etc. gebunden sind mit anderen Homo sapiens?

Behauptet Homo sapiens gar deswegen, dass nur er/sie ‚denken‘ würde und nur deswegen unter ihm Diskurse, also Erwägungen, stattfinden können und er/sie legt fest was und wie „Komplexität“ zu definieren ist?

Gruppe Messel, antibiologistische Tiersoziologie

Liste TH und TOS, Punkt 09: Tierobjektifizierung und Logik


Tierobjektifizierung und Logik >

Wenn Unrecht als „sinnvoll“ definiert wird, mittels einer begrenzten Objektivität – die Leben der Willkür von „Relevanz“, „Nützlichkeit“, „Rationalität“ und Kalkulation unterwirft.

Punkt 9; Liste über Formen des Tierhasses und verschiedener tierobjektifizierender Spezifika.

Antibiologistische Tiersoziologie, Gruppe Messel

Liste TH und TOS, Punkt 10: Naturwissenschaft und Tierobjektifizierung

Naturwissenschaft und Tierobjektifizierung >

Eine abstrakte Perspektive auf die Welt, von einem menschlichen Blickpunkt, der „das Denken“ und „die Fähigkeit Freiheit zu erleben“, in bestimmten Körperteilen und deren Funktion (als komplex oder primitiv) lokalisiert; ein Standpunkt, der vom basso continuo sinnvoller evolutionärer „natürlicher Selektion“ – des Überlebens der Geeignetsten, begleitet wird.

Punkt 10; Liste über Formen des Tierhasses und verschiedener tierobjektifizierender Spezifika.

Antibiologistische Tiersoziologie, Gruppe Messel

Prämisse Tierobjektifizierer:in

Prämisse Tierobjektifizierer:in

Die pastorale Landwirtschaft, der klassische kleine Bauernhof, u.ä. waren mit der Wegbereiter zur Einstellung: Man könne Tiere nicht nur mental und physisch so weit herabsetzten, dass man behaupten kann diese Tiere töten zu können, im Sinne von ‚dürfen‘. Nein, man konnte daraus eine ganze Weltgeschichte in die Vergangenheit und in die Zukunft reichend über Mensch und Tier gestalten.

Die weiteren Schikanen und effektiven Foltermethoden, die man im Zuge industrialisierter Tierhaltungsvarianten als Praktiken eingeführt hat und an denen immer weiter gearbeitet wird, bauen alle auf dieser einen gleichen Prämisse auf. Wir legen hier unsere Geschichte, und wir legen hier die Geschichte der Tierheit fest. Wir praktizieren das, was wir wünschen.

Die modernen kleinen und großen Hochleistungsfolterbetriebe vor allem als Problem ihrer sekundären Auswirkungen auf die Ökologie hin zu kritisieren, heißt das ethische Kernproblem unangetastet zu lassen. Und so kommt es auch dazu, dass die Koppelung von Tiermord mit kultureller menschlicher Wertvorstellung weiter unangetastet bleibt.

Die Grundhaltung zu Deinem Gegenüber als ermordbar und als verzehrbare Tierleiche, als verwertbar, ist die ungerechte Prämisse des speziesistischen / tierobjektifizierenden Menschseins.

 

Tierrechte: Fundamentale und partikularistische Rechte

Tierrechte: Fundamentale und partikularistische Rechte

https://antispe.bandcamp.com/track/fundamentale-und-partikularistische-rechte

Transkription

Ein Freestyle-Talk über Tierrechte (von Gita Marta Yegane Arani). Also ich bin heute nicht besonders konzentriert. Ich bin ziemlich erschöpft. Ich hab heute lange gearbeitet und möchte jetzt einfach freestylemäßig über Tierrechte sprechen.

Und zwar: was versteht man unter Tierrechten? Ähm, für mich ist es natürlich total klar, was ich unter Tierrechten verstehe. Aber was verstehen andere Leute unter Tierrechten?

[Es kommt bei Rechten nicht primär auf partikulare Rechte in ihrer Angewandtheit an]

Ich bin neulich gefragt worden „Ja, Tierrechte, was ist das denn? Versteht man darunter sowas, wie haben Tiere so was wie Menschenrechte?“ Das ist natürlich Quatsch zu sagen, dass es bei Rechten auf irgendwelche partikularen Rechte in ihrer Angewandtheit ankommt, also sprich, wenn ich jetzt irgendwie Rechte in der Fortbewegung habe, im Verkehr, im Straßenverkehr, als Fußgänger, als Fahrradfahrer oder wenn ich eben mein Wahlrecht habe um bestimmte Parteien zu wählen, dann sind es eigentlich in gewisser Weise Rechte, die sich ableiten von gewissen Rechten, die wirklich fundamental sind.

[Partikulare Rechte leiten sich von fundamentalen Rechten ab]

Und wenn wir über fundamentale Rechte sprechen, dann sind eigentlich so partikularistische Rechte erst mal nicht das Wichtigste.

Also, man könnte genauso sagen … die Menschen sprechen ja von Artenschutz und von dem Begriff artgerecht: Ein Begriff, den ich ziemlich problematisch finde, weil er die ökologische Feinheit (das ökologische Finetuning) von Interaktion zwischen Lebewesen einfach nicht umfasst und ein stark von außen her bestimmender Begriff ist. Ich geh jetzt mal erst mal nicht weiter drauf ein, aber wenn wir aber jetzt von Artenschutz reden, könnten wir auch sagen ein partikularistisches Recht wäre, dass bestimmte Tiere ein bestimmtes Recht auf bestimmte Lebensräume haben oder auf eine gewisse Flora haben, auf einem gewissen ökologischen Raum, der irgendwie geschützt sein muss.

[Artenschutz impliziert aus Tierrechtssicht – neben Fragen der Grundrechte – in der Handhabung Fragen partikularistischer Rechte]

Die Frage um die es aber bei Tierrechten im Wesentlichen geht, sind Grundrechte. Also was sind einfach Grundrechte und woraus leiten sich Grundrechte ab?

[Die Frage dessen was Grundrechte sind und worauf sie sich begründen sollten/könnten]

Ähm, und da scheiden sich die Geister, und ich glaube, Sinn der Sache ist auch nicht, dass wir meinen, wir müssten irgendwie alle die gleiche Meinung teilen. Letztendlich teilen wir auch in Bezug auf Menschenrechte leider nicht immer alle die gleiche Meinung.

[Menschenrechte werden vermutlich nicht gemäß ihrer Ideale umgesetzt]

Gut, das ist jetzt ein Analogvergleich. Sollte man vielleicht unterlassen. Lassen wir das meinetwegen mal beiseite. Aber um zurückzukommen: was macht Grundrechte im Bezug auf Tiere aus?

Dazu muss man unabhängig vom Vergleich zum Menschen sehen und in den Raum stellen: die Frage von Freiheitsrechten und Autonomiefähigkeit. Dies sind für mich Punkte in den Tierrechten, die ich immer wieder betone und wo wir uns auch als Gesellschaft kritisch fragen sollten warum sprechen wir Tieren Freiheitsrechte ab?

[Freiheitsrechte und Autonomiefähigkeit]

Warum herrscht die Vorstellung, dass Tiere irgendwie instinktgetrieben wären und nicht eigene komplexe Denkvorgänge haben auf ihre ganz eigene Art und Weise? Also warum leiten wir immer alles vom menschlichen Paradigma ab? Warum meinen wir, alles müsse nach unseren Begriffen irgendwie erklärbar sein, wenn es um die Frage von Rechten anderer geht? Tiere sind faktisch gesehen andere.

[Andere müssen nicht nach unseren Begriffen erklärbar sein, um im Sinne ihrer Rechte erkennbar zu werden]

Jetzt können natürlich auch jemand völlig banal sagen „Nee, das sind nicht andere, das sind halt einfach nur Tiere“. Aber da spielt in der Tierrechtsdiskussion wieder grundsätzlich die Frage der Haltung eine Rolle. Für mich ist eine wichtige Prämisse, dass wir es eigentlich in allen wichtigen ethischen Belangen immer wieder mit Haltungen von Menschen zu tun haben. Und wenn ich die Haltung einnehme, dass ich einfach a priori voraussetze, dass Tiere vernunftbegabt sind auf ihre ganz autonome und eigene Art und Weise, dass ich keine Definitionshoheit über sie besitze, dass sie aber trotzdem Rechte haben, die sich aus ihrer Freiheitsfähigkeit und ihrer Autonomiefähigkeit ableiten lassen, und dass ich die Würde auch darin begründet sehe; indem ich Ihnen dies zuerkenne – ich glaube, wenn wir anderen Wesen grundsätzlich alles aberkennen, was ihre Besonderheit ausmacht, dann können wir diesen anderen Wesen auch keine grundlegende Würde zusprechen. Es ist also auch eine Frage irgendwie von Haltung und Perspektive.

[die affirmative Haltung in der Anerkennung der Rechte und damit einhergehend der Würde anderer, ohne eine menschliche kollektivistische Definitionshoheit zur Untermauerung vorauszusetzen]

Einen sehr schönen Ansatz hat kürzlich die Philosophin Syl Ko beschrieben. Sie hat in einem Begleittext zu einer Ausstellung einer koreanischen Künstlerin vom spezies-subjektivistischen Ansatz gesprochen. Ich habe den Text ins Deutsche übersetzt. Der Text ist auch auf unserer Seite im Englischen veröffentlicht. Beide Texte sind auch erreichbar im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.

[deutsche Fassung: https://d-nb.info/1234807912/34 ; englische Originalfassung: https://d-nb.info/1234872005/34 ]

Dort haben wir also die Texte auch hinterlegt. Der Text ist nicht so lang, aber der Text hat es wirklich in sich. Das ist wirklich für Leute, die Tierrechte nicht einfach nur verstehen als eine Art verlängertem Tierschutz – die sollten sich wirklich mal auseinandersetzen damit, was Spezies-Subjektivismus beinhaltet. Ich könnte jetzt natürlich die Inhalte beschreiben, es ist jetzt vielleicht auch blöd, wenn ich es nicht mache. Es ist aber meiner Müdigkeit geschuldet und der Text ist, wie schon gesagt, auf dieser Seite einzusehen.

Mich hat der spezies-subjektivistische Ansatz dahingehend inspiriert anzufangen, spezies-subjektivistische Gedichte zu schreiben. Ich finde insgesamt, dass der Raum, der subjektivistische Raum zwischen Menschen und Tieren, überhaupt wenig, noch viel zu wenig gedanklich gefüllt wird von Tierrechtler*innen, in kreativer Art und Weise, dass wir Tiere mit einbeziehen, dass Tiere nicht immer nur die objektiviziert-beschriebenen sind, dass wir auch nicht irgendwie nur in der dritten Person über die Tiere reden, sondern sie auch als ein poetisches Du in den Raum mit einbeziehen. Also dass wir quasi tierinklusiv sprechen.

Klingt jetzt vielleicht ein bisschen schwierig für Leute, die überhaupt sehr wenig mit Tierrechten zu tun haben. Die können das jetzt vielleicht nicht unbedingt im Moment nachvollziehen. Wobei, in dem Zusammenhang will ich doch auch Leute ermutigen, die sich nicht als Tierrechtler*in bezeichnen würden, die aber eine sehr aufmerksame, achtsame, bewusste, fürsorgliche Haltung gegenüber Tieren haben, so dass sie sich ruhig als Tierrechtler*in bezeichnen könnten. Der Begriff ist nicht irgendwie gepachtet von Menschen, die zu gewissen Demonstrationen gehen oder eine bestimmte Literatur lesen.

Tierrechte sind so etwas essentielles wie Menschenrechte. Sie betreffen uns alle. Wir alle stehen in irgendeiner Beziehung zu Tieren. Die kann positiv und negativ, konstruktiv und destruktiv sein, mehr oder weniger, und es ist definitiv an der Zeit Tierrechte nicht als Sonderthema zu sehen, sondern sie gehen jede*n etwas an.

Ich habe viele Freund*innen die sich nicht trauen sich als Tierrechtler*in zu bezeichnen, weil sie sich eben nicht in irgendwelchen einschlägigen Kreisen und Szenen bewegen, die aber definitiv Tierrechtler*innen sind, und es ist schon traurig wie dann solche gesellschaftlichen Diskurse nicht so emanzipativ sind, dass sie wirklich alle mitnehmen, die eigentlich teil an so einer Bewegung haben … .

Bei Tierrechten geht es ja letztendlich wirklich darum: wie beziehe ich mich auf die Tiere in meiner Umwelt und die Tiere im politischen Raum insgesamt. Und es gibt viele Möglichkeiten sich in seinem Verhalten und seinen Äußerungen diesbezüglich zu artikulieren und einzubringen.

Ich finde wir sollten ruhig wahrnehmen, dass wir eine sehr große Bewegung sind. Aber eben definitiv eine sehr, sehr plurale Bewegung, weil … warum ich das ganze hier sage, ist eigentlich, um nochmal deutlich zu machen: Tierrechte sind nicht irgendwie was total vereinfachbar verstehbares, sondern Tierrechte sind was völlig komplexes – und so viele Köpfe wie es gibt, so viele Gedanken und Meinungen gibt es dazu. Wir müssen den Raum füllen, wir müssen den Diskurs führen mit den vielen, vielen Gedanken, die wir alle dazu haben und die sich nicht immer unbedingt gleichen müssen. Man sollte da auch keine Scheu haben.

Ja okay, das war jetzt einfach mal Freestyle. Ich bin jetzt zwar selbst nicht so begeistert von dem was ich gerade gesprochen habe und wie ich gesprochen habe, aber dafür ist das eben freestyle. Okay das war‘s … .

(04.06.2022)