Tierrechte: Fundamentale und partikularistische Rechte

Tierrechte: Fundamentale und partikularistische Rechte

https://antispe.bandcamp.com/track/fundamentale-und-partikularistische-rechte

Transkription

Ein Freestyle-Talk über Tierrechte (von Gita Marta Yegane Arani). Also ich bin heute nicht besonders konzentriert. Ich bin ziemlich erschöpft. Ich hab heute lange gearbeitet und möchte jetzt einfach freestylemäßig über Tierrechte sprechen.

Und zwar: was versteht man unter Tierrechten? Ähm, für mich ist es natürlich total klar, was ich unter Tierrechten verstehe. Aber was verstehen andere Leute unter Tierrechten?

[Es kommt bei Rechten nicht primär auf partikulare Rechte in ihrer Angewandtheit an]

Ich bin neulich gefragt worden „Ja, Tierrechte, was ist das denn? Versteht man darunter sowas, wie haben Tiere so was wie Menschenrechte?“ Das ist natürlich Quatsch zu sagen, dass es bei Rechten auf irgendwelche partikularen Rechte in ihrer Angewandtheit ankommt, also sprich, wenn ich jetzt irgendwie Rechte in der Fortbewegung habe, im Verkehr, im Straßenverkehr, als Fußgänger, als Fahrradfahrer oder wenn ich eben mein Wahlrecht habe um bestimmte Parteien zu wählen, dann sind es eigentlich in gewisser Weise Rechte, die sich ableiten von gewissen Rechten, die wirklich fundamental sind.

[Partikulare Rechte leiten sich von fundamentalen Rechten ab]

Und wenn wir über fundamentale Rechte sprechen, dann sind eigentlich so partikularistische Rechte erst mal nicht das Wichtigste.

Also, man könnte genauso sagen … die Menschen sprechen ja von Artenschutz und von dem Begriff artgerecht: Ein Begriff, den ich ziemlich problematisch finde, weil er die ökologische Feinheit (das ökologische Finetuning) von Interaktion zwischen Lebewesen einfach nicht umfasst und ein stark von außen her bestimmender Begriff ist. Ich geh jetzt mal erst mal nicht weiter drauf ein, aber wenn wir aber jetzt von Artenschutz reden, könnten wir auch sagen ein partikularistisches Recht wäre, dass bestimmte Tiere ein bestimmtes Recht auf bestimmte Lebensräume haben oder auf eine gewisse Flora haben, auf einem gewissen ökologischen Raum, der irgendwie geschützt sein muss.

[Artenschutz impliziert aus Tierrechtssicht – neben Fragen der Grundrechte – in der Handhabung Fragen partikularistischer Rechte]

Die Frage um die es aber bei Tierrechten im Wesentlichen geht, sind Grundrechte. Also was sind einfach Grundrechte und woraus leiten sich Grundrechte ab?

[Die Frage dessen was Grundrechte sind und worauf sie sich begründen sollten/könnten]

Ähm, und da scheiden sich die Geister, und ich glaube, Sinn der Sache ist auch nicht, dass wir meinen, wir müssten irgendwie alle die gleiche Meinung teilen. Letztendlich teilen wir auch in Bezug auf Menschenrechte leider nicht immer alle die gleiche Meinung.

[Menschenrechte werden vermutlich nicht gemäß ihrer Ideale umgesetzt]

Gut, das ist jetzt ein Analogvergleich. Sollte man vielleicht unterlassen. Lassen wir das meinetwegen mal beiseite. Aber um zurückzukommen: was macht Grundrechte im Bezug auf Tiere aus?

Dazu muss man unabhängig vom Vergleich zum Menschen sehen und in den Raum stellen: die Frage von Freiheitsrechten und Autonomiefähigkeit. Dies sind für mich Punkte in den Tierrechten, die ich immer wieder betone und wo wir uns auch als Gesellschaft kritisch fragen sollten warum sprechen wir Tieren Freiheitsrechte ab?

[Freiheitsrechte und Autonomiefähigkeit]

Warum herrscht die Vorstellung, dass Tiere irgendwie instinktgetrieben wären und nicht eigene komplexe Denkvorgänge haben auf ihre ganz eigene Art und Weise? Also warum leiten wir immer alles vom menschlichen Paradigma ab? Warum meinen wir, alles müsse nach unseren Begriffen irgendwie erklärbar sein, wenn es um die Frage von Rechten anderer geht? Tiere sind faktisch gesehen andere.

[Andere müssen nicht nach unseren Begriffen erklärbar sein, um im Sinne ihrer Rechte erkennbar zu werden]

Jetzt können natürlich auch jemand völlig banal sagen „Nee, das sind nicht andere, das sind halt einfach nur Tiere“. Aber da spielt in der Tierrechtsdiskussion wieder grundsätzlich die Frage der Haltung eine Rolle. Für mich ist eine wichtige Prämisse, dass wir es eigentlich in allen wichtigen ethischen Belangen immer wieder mit Haltungen von Menschen zu tun haben. Und wenn ich die Haltung einnehme, dass ich einfach a priori voraussetze, dass Tiere vernunftbegabt sind auf ihre ganz autonome und eigene Art und Weise, dass ich keine Definitionshoheit über sie besitze, dass sie aber trotzdem Rechte haben, die sich aus ihrer Freiheitsfähigkeit und ihrer Autonomiefähigkeit ableiten lassen, und dass ich die Würde auch darin begründet sehe; indem ich Ihnen dies zuerkenne – ich glaube, wenn wir anderen Wesen grundsätzlich alles aberkennen, was ihre Besonderheit ausmacht, dann können wir diesen anderen Wesen auch keine grundlegende Würde zusprechen. Es ist also auch eine Frage irgendwie von Haltung und Perspektive.

[die affirmative Haltung in der Anerkennung der Rechte und damit einhergehend der Würde anderer, ohne eine menschliche kollektivistische Definitionshoheit zur Untermauerung vorauszusetzen]

Einen sehr schönen Ansatz hat kürzlich die Philosophin Syl Ko beschrieben. Sie hat in einem Begleittext zu einer Ausstellung einer koreanischen Künstlerin vom spezies-subjektivistischen Ansatz gesprochen. Ich habe den Text ins Deutsche übersetzt. Der Text ist auch auf unserer Seite im Englischen veröffentlicht. Beide Texte sind auch erreichbar im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.

[deutsche Fassung: https://d-nb.info/1234807912/34 ; englische Originalfassung: https://d-nb.info/1234872005/34 ]

Dort haben wir also die Texte auch hinterlegt. Der Text ist nicht so lang, aber der Text hat es wirklich in sich. Das ist wirklich für Leute, die Tierrechte nicht einfach nur verstehen als eine Art verlängertem Tierschutz – die sollten sich wirklich mal auseinandersetzen damit, was Spezies-Subjektivismus beinhaltet. Ich könnte jetzt natürlich die Inhalte beschreiben, es ist jetzt vielleicht auch blöd, wenn ich es nicht mache. Es ist aber meiner Müdigkeit geschuldet und der Text ist, wie schon gesagt, auf dieser Seite einzusehen.

Mich hat der spezies-subjektivistische Ansatz dahingehend inspiriert anzufangen, spezies-subjektivistische Gedichte zu schreiben. Ich finde insgesamt, dass der Raum, der subjektivistische Raum zwischen Menschen und Tieren, überhaupt wenig, noch viel zu wenig gedanklich gefüllt wird von Tierrechtler*innen, in kreativer Art und Weise, dass wir Tiere mit einbeziehen, dass Tiere nicht immer nur die objektiviziert-beschriebenen sind, dass wir auch nicht irgendwie nur in der dritten Person über die Tiere reden, sondern sie auch als ein poetisches Du in den Raum mit einbeziehen. Also dass wir quasi tierinklusiv sprechen.

Klingt jetzt vielleicht ein bisschen schwierig für Leute, die überhaupt sehr wenig mit Tierrechten zu tun haben. Die können das jetzt vielleicht nicht unbedingt im Moment nachvollziehen. Wobei, in dem Zusammenhang will ich doch auch Leute ermutigen, die sich nicht als Tierrechtler*in bezeichnen würden, die aber eine sehr aufmerksame, achtsame, bewusste, fürsorgliche Haltung gegenüber Tieren haben, so dass sie sich ruhig als Tierrechtler*in bezeichnen könnten. Der Begriff ist nicht irgendwie gepachtet von Menschen, die zu gewissen Demonstrationen gehen oder eine bestimmte Literatur lesen.

Tierrechte sind so etwas essentielles wie Menschenrechte. Sie betreffen uns alle. Wir alle stehen in irgendeiner Beziehung zu Tieren. Die kann positiv und negativ, konstruktiv und destruktiv sein, mehr oder weniger, und es ist definitiv an der Zeit Tierrechte nicht als Sonderthema zu sehen, sondern sie gehen jede*n etwas an.

Ich habe viele Freund*innen die sich nicht trauen sich als Tierrechtler*in zu bezeichnen, weil sie sich eben nicht in irgendwelchen einschlägigen Kreisen und Szenen bewegen, die aber definitiv Tierrechtler*innen sind, und es ist schon traurig wie dann solche gesellschaftlichen Diskurse nicht so emanzipativ sind, dass sie wirklich alle mitnehmen, die eigentlich teil an so einer Bewegung haben … .

Bei Tierrechten geht es ja letztendlich wirklich darum: wie beziehe ich mich auf die Tiere in meiner Umwelt und die Tiere im politischen Raum insgesamt. Und es gibt viele Möglichkeiten sich in seinem Verhalten und seinen Äußerungen diesbezüglich zu artikulieren und einzubringen.

Ich finde wir sollten ruhig wahrnehmen, dass wir eine sehr große Bewegung sind. Aber eben definitiv eine sehr, sehr plurale Bewegung, weil … warum ich das ganze hier sage, ist eigentlich, um nochmal deutlich zu machen: Tierrechte sind nicht irgendwie was total vereinfachbar verstehbares, sondern Tierrechte sind was völlig komplexes – und so viele Köpfe wie es gibt, so viele Gedanken und Meinungen gibt es dazu. Wir müssen den Raum füllen, wir müssen den Diskurs führen mit den vielen, vielen Gedanken, die wir alle dazu haben und die sich nicht immer unbedingt gleichen müssen. Man sollte da auch keine Scheu haben.

Ja okay, das war jetzt einfach mal Freestyle. Ich bin jetzt zwar selbst nicht so begeistert von dem was ich gerade gesprochen habe und wie ich gesprochen habe, aber dafür ist das eben freestyle. Okay das war‘s … .

(04.06.2022)

Tierrechte und Umweltschutz

E-Reader: Gruppe Messel,  Jahrgang 4, Nr. 3, Mai 2022, Edition Farangis > https://farangis.de/reader/e-reader_gruppe_messel_2022_3.pdf

Tierrechte und Umweltschutz

(Dies ist eine überarbeitete Fassung, eines Textes, der Teil des E-Readers: Gruppe Messel, Jahrgang 2, Nr. 1, Mai 2020, ist.)

Das Anthropozän ist das Zeitalter des Faunazids und des Ökozids: Die Lebensgeschichten von Tieren sind durch eine menschliche Psychologie eines Bedürfnisses nach tierobjektifizierender Erniedrigung gekennzeichnet. Umweltschützende blenden Tierschicksale aus und somit auch den Großteil und diese spezifische Form menschlicher Destruktivität.

Trennlinien, die zwischen ‚Tieren‘ und ‚Umwelt‘ gezogen werden

Umweltschutzbewegungen vermitteln aus Tierrechtssicht aktuell ein Bild recht entseelt-anthropozentrischer Veranstaltungen, und auch progressiv anmutende Kampagnen zum Schutz von Biodiversität und gegen das Artensterben sind wenig tangiert von der gesellschaftlich normalisierten Ungerechtigkeit gegenüber der Tierwelt und den betroffenen einzelnen tierlichen Subjekten.

Wie erklärt sich die Vermeidung konsequent tierethischer [1] Fragen in großen Teilen der heutigen Umweltbewegung? Warum werden die erlebten und bezeugten Geschichten von tierlichen Subjekten nicht in der Art mit in die Umweltthematik und umweltethische Fragen mit einbezogen, so dass damit eine unabdingbare Verknüpfung von Tierrechtsfragen mit umwelt- und gesellschaftspolitischen Fragen vollzogen würde?

Tierfragen werden gegenwärtig zumeist nur insoweit als relevant mit in umweltpolitische und umweltethische Fragen einbezogen, insofern

  • tierliche Existenz vom Menschen dahingehend manipuliert wurde, dass man sie infolgedessen als umweltschädigend und Umweltproblem eingestuft
  • oder aber insofern man wildlebende Tierarten als Bestand einer ökologischen Gemeinschaft erhalten will

Tierfragen denen man im Umweltschutz vorwiegend begegnet sind:

  • Schäden als Resultat industrialisierter „Tierhaltung“/Massentierhaltung zählen als Dringlichkeitsfaktor zum veränderten Handeln
  • Tierschicksale sind wenn nur von „emotionalem“ Belang, bleiben anekdotisch und es ergeben sich keine Konsequenzen in Richtung Tierrechten in Ableitung
  • Einheimische Tierarten sind schützenswert in ihren Funktionen und ihrem Dasein, während invasive Spezies vernichtet werden dürfen [2]
  • Tierarten sollen nachgezüchtet werden (captive breeding programs / Erhaltungszucht) unter Bedingungen der Gefangenschaft in Zoos, zum Erhalt der Gattung
  • Jagdquoten sind erlaubt, Jagd wird als „naturnahes“ Menschsein begriffen
  • Tiere als Ressourcen für ökologische Produkte

Tiere jenseits ihrer Zugehörigkeit zu diesen Lagern (also Farmtiere die umweltschädigend sind und wildlebende Tiere, die in ihren ökologisch angestammten Habitaten erscheinen und funktionieren sollen), denen sie hauptsächlich zugeordnet werden, spielen wegen ihrer Selbst keine wesentliche Rolle ( – wobei es ebenso immer noch auffallend viele vegan Lebende und selbst Tierrechtler*innen gibt, die Tiere eher als Spezies subsumieren, und die Tiere als einzelne Lebewesen mit ihren eigenen Geschichten nicht konsequent priorisieren wollen).

Aber wie soll man sich auch mit dem tierlichen Gegenüber befassen, wenn selbst die Natur, d.h. die Natur in all ihren feinen Zusammenhängen und lebendigen Komponenten, entseelt betrachtet wird – wenn auch vom Menschen „geliebt“, weil schönes und nützliches Fundament unseres biologischen Seins. Die Art, wie der Gegenwartsmensch Natur betrachtet, leitet sich in der Regel aus seinem naturwissenschaftlich dominierten Weltbild her ab.

Die Naturwissenschaft ist, wenn man sie als Erklärungsmodell für Leben anwendet, aber entseelend. Das Leben erklärt sich über die Zusammensetzung einzelner, zergliederbarer Bausteine und bleibt dabei nicht intakt [3]. Die Naturwissenschaft müsste in ihrer Auseinandersetzung und Berührung mit Leben und Lebensbereichen erst über den Umweg der Geistes- und Sozialwissenschaft wieder seelenrelevante Ansatzpunkte im Bezug auf ihren Gegenstand erhalten. Doch „Geist“ und „Gesellschaft“ sind der Wirkkreis menschlicher Eigendefinition, und die Natur und die Tierwelt treten dort bislang noch in erster Linie hinsichtlich kollektivistisch anthropozentrischer Eigeninteressensfragen und immer noch aus der Perspektive naturwissenschaftlich geleiteter Erklärungsmodelle auf. [4]

Die einzige Alternative wäre vielleicht nur noch eine religiöse oder spirituelle Sicht auf die Gesamtumwelt der Menschen, die sich aber als wenig tauglich erweist, um aus ihrer eigenen Art anthropozentrischer Überlieferungen und Dogmen herauszutreten. Historisch überliefert ist genau der geistige Kanon, aus dem die Gegenwart sich abgeleitet hat, und fragwürdige Sichtweisen von damals sind immer noch Wiege etlicher fragwürdiger Sichtweisen von heute. Ein kultureller Bruch hat geistesgeschichtlich in Hinsicht auf destruktiv-hegemonial anthropozentrisch geprägte Mensch-Tier-Natur-Verhältnisse noch nicht stattgefunden. [5]

Der Mensch ist kein unumstößlicher Mittelpunkt „seiner Umwelt“

Warum schafft die Umweltbewegung keine echte Bezugnahme auf die Natur als lebendige Mitwelt und Welt, die neue umweltethische Erkenntnistheorien benötigt und nicht allein naturwissenschaftliche Modelle? In der gegenwärtigen Tierrechts- sowie in der Umweltbewegung kann man interessanterweise beobachten, dass für ein Neudenken gekämpft wird, ohne dass über den Gegenstand insofern neu gedacht würde, dass man sich aus übernommenen unemanzipativen definitorischen Fesseln eines hegemonialen Anthropozentrismus herausbewegen würde (man muss sich dazu die konkreten Thematisierungen der Problemkomplexe anschauen, ich führe diesen Punkt hier daher nicht weiter [6]).

Unter Anthropozentrismus verstehe ich nicht, dass man menschliches Dasein in seinen Besonderheiten wahrnehmen kann, sondern der Anthropozentrismus ist in der Gegenwart ein Problem, weil er gewisse Modelle menschlich-dominanten (und -destruktiven) Verhaltens gegenüber dem nichtmenschlichen Leben als legitim begreift, und Modelle, in denen der Mensch eine pazifistische, andere Haltung und Rolle in seiner Mitwelt einnehmen kann, als undenkbar von der Hand weist.

So können menschliche „zivilisatorische“ Entwicklungen tatsächlich auf natursensiblen Ebenen wachsen und gedeihen, der mehrheitsangepasste Gegenwartsmensch geht aber tendenziell in undifferenzierter Weise davon aus, dass ohne Naturzerstörung und -unterwerfung zivilisatorische Entwicklungen nicht stattfinden konnten oder können.

Daher auch der starke Mythos über die Bedeutung von Jäger- und Sammlerkulturen als Wurzel der Menschheit. Die Unterwerfung der „Natur“ sei unabdingbar für das Überleben der Menschheit gewesen und Grundlage menschlichen ‚Selbst-Bewusstseins‘. Als wäre das Überleben der Menschheit ein ideologisch festgelegtes Diktum, das um jeden Preis in nur einer erdenkbaren Form geschehen musste, und aus dem heraus sich auch ableiten lässt, dass alles legitim als Mittel zum Zweck unterworfen werden kann, wenn es doch dem menschlichen Überleben und Fortschritt dient.

Das interessante dabei ist, man sieht das „Menschsein“ als solch eine homogene geistige Verfassung, in der keinerlei andere kulturellen und individuellen Lebensvorstellungen vorkommen könnten. Zu jeder Zeit wird es menschliche Auffassungen gegeben haben, die von Gewalt gegenüber ihrer Mitwelt Abstand genommen haben oder nehmen wollten – dies lässt sich meiner Meinung nach zumindest nicht vernünftigermaßen ausschließen [7].

Das menschliche Selbstverständnis spielt eine wesentliche Rolle, wenn wir etwas an den Einstellungen unserer Mitmenschen gegenüber der gemeinsamen Mitwelt verändern wollen

Eine Veränderung in Sachen Umweltschutz betrifft alle Bereiche des heutigen Lebens. Wir sind in jeder Weise eingebunden durch unsere schiere körperliche Existenz in Systeme und Mechanismen, die die Welt als Ressource nutzen und verwalten, monetarisieren und zerstören [8]. Wenn wir an dem Punkt verharren, von der Politik einzufordern, dass Symptome gemildert werden sollen, ändert dies noch nichts an all den Lebensbereichen, die nicht oder nur bedingt über politische Entscheide regulierbar sind, so zum Beispiel die Dynamik von Märkten und den damit verbundenen Folgen, die sich aus der Nachfrage für „Güter“ ergeben [9].

Umweltschutz, sowie auch Tierrechte, müssen tatsächlich einen gesamtgesellschaftlichen Emanzipierungsprozess beinhalten. Das heißt Bewusstsein, Aufmerksamkeit und Wachheit für bedeutsame Fragen müssen entstehen, dort wo bislang Geringschätzung, Objektifizierung und somit Ausblendung und Ignoranz herrschen, und das wachsende Bewusstsein muss in den täglichen gesellschaftlichen Diskurs mit einfließen. Geschieht dies nicht, finden Stagnationen statt, wie derzeit zum Beispiel im Veganismus in der BRD: dort haben wir es zunehmend mit einer Reduzierung auf Etikettierung zu tun, zu einem Label das sich als Konsumgut handhaben lässt, statt mit der kritischen Thematisierung von Grausamkeit und Unrecht gegen Nichtmenschen, was ursprünglich Haupttreiber der Bewegung war [10].

In der Umweltbewegung lässt sich die Neigung zum Greenwashing häufig kaum mehr von der echten Sache unterscheiden, die natürliche Umwelt wird wegen des mangelnden Grundsatzdiskurses weiterhin als Ressource betrachtet und nicht als schützenswerter Raum wegen seiner Selbst [11].

Die nichtmenschliche Welt als Ressource soll uns erhalten bleiben, zu unserem Nutzen und unserer Freude und in erster Linie natürlich für unser Überleben (vielleicht als Raum menschlicher Selbstverwirklichung?). Die wildlebenden Tierarten sollen im Gesamtbild unserer Vorstellung biologischer Diversität erhalten bleiben, auch wenn wir sie in Gefangenschaft züchten müssen und wir überschüssige Exemplare wieder gerne zum Abschuss freigeben [12]. Die menschgemachten Problematiken „domestizierter“ Tiere, werden nicht als solche verstanden, sie sollen einfach kein umweltbelastender Faktor mehr sein und mehr interessiert daran nicht [13].

Die Kluft, die solche Formen von Anthropozentrismus zwischen Mensch und nichtmenschlicher Mitwelt schaffen, bleibt bestehen: dass nur menschlichen Leben eine besondere Wertschätzung und eine sensible Wahrnehmung zukommen darf – so vom Prinzip her zumindest. Natürlich generiert die wohlmeinende Gesamtgesellschaft auch Abgründe innerhalb ihrer Gemeinschaften, aber man gibt sich zumindest gewisse ethische Ideale als Ziele vor.

Diese separierende Haltung, die zwischen Mensch und Natur in hierarchischer, wertender Weise scheidet, finden unhinterfragt auch in der Umweltbewegung statt. Es ist nicht so, dass automatisch jede*r der*die sich für „die Natur“ oder „die Tiere“ einsetzt auch ein tiefgreifend emanzipatorisches und aufgeklärtes Verhältnis der Sache gegenüber aufweist (das gleiche trifft übrigens auch auf Menschenrechtsbereiche zu). Solche Projektionen finden allerdings statt, vielleicht in der Hoffnung auf den neuen und aufgeklärteren ‚besseren‘ Menschen.

Da sich die Tierrechtsbewegung (wie bereits oben moniert) bislang auch fast ausschließlich an die biologistische Sichtweise hält, die man insbesondere nichtmenschlichen Tieren zukommen lässt, erhält die Umweltbewegung auch hier keinen wertvollen Impuls, um eine emanzipative Herangehensweise in der selbstkritischen Analyse des Mensch-Natur-Nichtmenschen-Verhältnisses zu entwickeln.

Manch eine*r könnte jetzt meinen, da bliebe dann nur eine animistische Sichtweise auf die Welt übrig, um nicht-biologistische Standpunkte auf die Themen einzunehmen, die normalerweise durch eine naturwissenschaftliche Sichtweise bestimmt sind. Das hieße aber geflissentlich den wertvollen Rückgriff auszuschließen auf eigene Erfahrungs- und Beobachtungswerte und die Möglichkeiten diese in kritische Bezüge zu setzen. Die Beobachtungen, die ein individueller Mensch als Subjekt in Bezug auf seine/ihre Umwelt und sein Mitleben macht, bleiben bislang beklagenswerter Weise vielfach ungenutzt. Spezifischer: Wir beobachten Dinge über die Gesellschaft, über uns selbst und andere Menschen, dabei sind uns keine oder kaum Grenzen gesetzt, im Gegenteil der freie Spielraum subjektiven Erlebens trägt eine besondere Bedeutung … wenn der Mensch sich aber aus eigener Sicht kontextualisiert mit Tieren, mit der Pflanzenwelt, mit dem ganzen nichtmenschlichen Dasein, wie es in der Welt existiert und zu existieren versucht, dann darf „der Mensch“ nicht seiner eigenen unabhängigen Gedankenwelt vertrauen oder diese als Maßstab der Einschätzung oder der Relationssetzung betrachten, sondern er muss immer über den Umweg bestimmter Definitionswege gehen:

  • Im Bezug auf „die Natur“: die oberste Deutungshoheit für sie trägt die Biologie; die Philosophie in Hinsicht auf spezifische Räume, die der Natur angedacht sind, das gleiche gilt für spirituell religiöse Vorstellungen in Hinsicht auf Natur –> eingegrenzte Räume.
  • Im Bezug auf „die Tiere“: Biologie und das geistesgeschichtlich sehr eng definierte Terrain, dass die überlieferte Menschheitsgeschichte den Tieren zugedacht hat.

Die Leistungen im Eigendenken und der eigenen Beobachtung und Wertung scheinen nicht nötig. Und das nimmt man hin, und macht sich so zum Komplizen dieser Formen anthropozentrischer Sichtweisen, die je nach Zeitgeist ihre Ausprägungen finden.

Meine Kritik an der gegenwärtigen Umweltschutzbewegung, wie sie sich in ihrem Mainstream vermittelt, würde ich folgendermaßen zusammenfassen:

  • man fokussiert auf eine „den Menschen“ [14] in den Mittelpunkt setzende Zukunft als alleinig prioritär, die Frage nach der Zukunft, geschweige denn der Gegenwart der Tierwelt als Ganzem stellt sich nicht. Es findet keine Erweiterung sozio-ethischer Vorstellungen statt, die Tiere als Handelnde und Akteure öko-sozial (usw.) mit einbindet
  • bestimmte Aspekte der Umweltzerstörung werden fokussiert und mit Forderungskatalogen politisiert, während die Umweltzerstörung aber ein umgreifender Prozess ist, eine anthropozäne Entwicklung; die CO2-Diskussion allein stellt einen verkürzten Blick dar, den verschiedene Belange können und müssen zeitgleich Thema sein und priorisiert werden
  • der*die Bürger*in wird nicht als Schlüssel zur Lösung thematisiert, Lösungen sollen „von oben“ auf parteienpolitischer Ebene von Entscheidungsträgern verordnet werden. Der Lebensstil, den Menschen für sich jeweils praktizieren wollen ist nicht affiziert, solange keine Grundsatzdiskussionen über die Einstellungen von Menschen zur Natur angeregt werden. Das Bild von allem, was Nichtmensch auf der Erde ist, sollte andiskutiert werden, damit ein Nachdenken und eine Auseinandersetzung als gesellschaftlich Relevant erkannt werden kann
  • die Protestbewegungen agieren choreographiert und fördern in dem Zuge wenig individuellen Gedankenaustausch, der wiederum eine Basis zur Bewusstseinsbildung in innergesellschaftlichen Mikrodiskursen fördern würde
  • kleine spezialisierte Initiativen auf Bürgerebene, so wie beispielsweise im ‚kleinteiligen‘ Baumschutz, werden oft nicht als wichtiger pluralistischer Baustein erkannt
  • in einer Gesellschaft, die sich vom Expertentum abhängig gemacht hat, benötigen wir konkrete Forderungen nach Fächern wie Umweltethik an mehr Unis und auch an Schulen z.B., Fächer dieser Art müssten offen wachsen können durch einen lebendigen und kritischen Diskurs in Hinsicht Mensch-Umwelt-Beziehung sowie ökozentrischer Perspektivansätze. Es benötigt eines weitreichend formulierten Forderungskatalogs, um Diskussionen und Bewusstsein anzustoßen
  • die völlige und alleinige Autorisierung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse zum Thema „Umwelt“ begrenzt die Diskussion über „Umwelt/-zerstörung“: Gesellschaftliche, geistige, politische, wirtschaftliche Hemmnisse erledigen sich nicht automatisch aus einer Erkenntnis über die Entwicklungen des Klimawandels und jeglicher quantitativer Beobachtungen. Der Mensch nimmt Umweltzerstörung in Kauf, wie wir im Großen und Ganzen beobachten können. Nun eine punktuelle Wende zu vollziehen, weil die eigene, menschliche Zukunft durch die Umweltzerstörung auf dem Spiel steht, ist kein Hinauswachsen über den alten hegemonialen Anthropozentrismus. Man schützt die Natur dann, um sich selbst letztendlich zu helfen. Ein Slippery-Slope und kein emanzipativer Prozess.
  • die Höherbewertung von konzertierter Medienwirksamkeit gegenüber weniger zentralistisch funktionierenden Kommunikationskanälen: Die höhere Wertbeimessung des Austauschs mit gesellschaftlichen Eliten, statt auf Bürgerebene Auseinandersetzung und Dialog als Möglichkeit gesellschaftlicher R/Evolution usw. zu nutzen
  • Zoonosen wurden trotz Corona-Pandemie nur begrenzt in den Umweltbewegungen als Umweltproblem thematisiert, manche Umweltakteure beleuchten die Problematik, aber die Bewegung insgesamt hat die Brücke, die an der Stelle themenübergreifend sichtbar wird, nicht als Chance dazu betrachtet, die Umwelt auch als Lebensort der Tierwelt zu reklamieren und den gemeinsamen Schutz beider zu betonen
  • Selbst wenn es vermeintlich um Tiere (und sogar Veganismus) geht, geht es wieder um den ökologischen Aspekt, ohne sich intensiviert mit Tierthemen selbst zu befassen. Ein recht auffälliges Beispiel sind ‚Animal Rebellion‘; man geht davon aus, dass damit alle Tiere gemeint sind, es geht aber darum, dass die ‚landwirtschaftliche Tierhaltung‘ einen negativen Effekt auf die Umwelt hat, würde man ein einzelnes, individuelles Tier zum Verzehr töten, wäre das ein unbehandeltes und unklares Thema … und ganz naheliegend „Extinction Rebellion“, dort geht es darum wildlebende Tierarten zum Erhalt von Biodiversität zu schützen. Tiere als individuelle Subjekte bleiben, trotz allem Anspruch auf Schutz, marginalisiert im eigenen Raum. Die Folgen verschiedener Speziesismen/Formen der Tierobjektifizierung für verschiedene Tiergruppen scheinen nicht existent, wenn der Fokus auf ökologische Fragen gerichtet sind

Ich vermisse die Feinteiligkeit in der Umweltbewegung und die Enttechnokratisierung in der erklärenden Definition vom Gesamtphänomen „Umweltzerstörung“ durch den Menschen. Umwelt und Umweltschutz sind keine allein technisch zu beantwortenden Fragen. Und es ist auch keine Frage des Gehorsams gegenüber wissenschaftlichen Daten und Erkenntnissen; sie sind Teil der Beobachtung der Katastrophe im Ganzen und in Teilen, aber sie ersetzen nicht die jedermann zugänglichen Wahrnehmungsmöglichkeiten von umweltschädlichem Verhalten auf allen nur denkbaren Ebenen. Destruktives Verhalten ist auch dann ein Problem, wenn die Zukunft der Menschheit dadurch nicht tangiert wird. Und, das destruktive Verhalten gegenüber der Natur ist kumulierend, indem es sich aus tausend und einer schädlichen Handlungsnorm zusammensetzt.

Technokratischer Umweltschutz

Umweltthemen sind nicht bloß Themen, die aus den Naturwissenschaften heraus analysiert und thematisiert werden können. Die Haltungen von Menschen müssen vom Grundsatz her unter die Lupe genommen werden, die in der Menschheitsgeschichte zu der Einstellung führten, dass Umwelt schlichtweg eine „ausbeutbare Ressource“ sei. Es gibt verschiedene Einstellungen bei Menschen zu ihrer Umwelt und wir sollten uns ‚ökosozioethisch‘ orientiert anschauen, wie es dazu kommt.

Es ist nun eine beklagenswerte Tatsache, dass auf eben solch einem technokratischen und naturwissenschaftlichen und wenig soziologischen Boden eine Haltung besteht, Fragen der Tierethik aus der Umweltdebatte feinsäuberlich heraus zu halten. Man drückt mit dieser Aussparung aus, dass es keine Rolle spielt, dass wir Tiere aus der Natur herausgerissen und in unsere für sie ersonnenen qualvollen Räume forciert haben, und dass die Tierwelt weiterhin von Menschen gemordet und gedemütigt werden darf, solange es in ökologisch nachhaltiger Weise geschieht.

Ungerechtigkeitsfragen in Hinsicht auf die Tierleben als „Erdenkinder“ (als gedankliches Bild oder Metapher), spielen im Umweltschutz keine Rolle. Man trennt zwischen ökologisch essentiellen Symbiosen, einheimischen und ‚nützlichen‘ Tierarten und dem Tier an sich, das eigentlich kein Thema ist, für sich selbst [15].

Warum sollten man Tiere grundsätzlich vor menschlicher Destruktivität schützen und warum soll eine Frage ethischer Verwerflichkeit über die Dominierung tierlichen Lebens für Umweltschützer eine Rolle spielen? Welcher Zusammenhang besteht für Umweltschützer im Konkreten zwischen Tierwelt und „Natur“? Man müsste darüber eine Karte zur Verbildlichung erstellen und man würden sehen, dass das Tier als erlebendes Subjekt auf dieser Karte bislang nicht explizit erscheint. [16]

Tierrechtler*innen selbst verkürzen oft die Fragen der Ungerechtigkeit und geben vor, es reiche die „Instinkte“ des Nichtmenschen „artgerecht“ zu bedienen, als wären Animal Bodies von biologischen Determinanten geleitete und von uns Menschen völlig erfassbare und definierbare Leben. [17]

Freiheit und Unrecht spielen doch nur beim Menschen eine Rolle. Oder?

Nun gut, die Natur soll also geschützt werden, der Natur und ihren Bewohnern könne aber kein Unrecht geschehen (im Negativen) und Freiheit (im Positiven) sei nur was, was der Mensch erlebt – solche Vorstellungen findet man in der einen oder anderen Form immer wieder in Geistesgut von Menschen vor – die Natur selbst habe selbst und an sich nichts mit „Freiheit“ zu tun – sie sei „geistlos“. „Geist“ (und somit eigentlich „Sinn“) bindet man an das menschliche Dasein und die menschliche Selbstreflektion, und derart Begriffe dienen als Messers Schneide zwischen Mensch und dem irdischen Rest.

Der Mensch will diese „geistlose“ Materie aber atmen, und er will, dass gewisse Tiere in Freiheit die Natur mitgestalten, Bienen und Käfer, Vögel, Nager, die Tiere auf dem Land, in der Luft und die im Meer (und er entscheidet, welches Tier da was, wann und wie machen soll und darf) … er zieht aber klare Grenzen wem alleine eine wirkliche Domäne über „Geist“, „Freiheit“ und „Sinnhaftigkeit“ zusteht. „Die Natur“ ist in dem Moment vom Menschen als entseelt und geistlos und als bloße Materie verstanden worden, in dem er sie zu nutzen und zu instrumentalisieren begann – was gleichermaßen auch den „Nutzen“ und die Instrumentalisierung für eigenen „geistige“ und definitorische Zwecke als (kollektivistisch) hegemonialen Akt beinhaltet. [18].

Und Tiere stehen nun in gleicher Weise hinter dieser arbiträren Grenze von „Geist“ und „Sinn“ (da nicht Mensch) [19]. Die einen reißen wir aus den Zyklen ihrer selbst gewählten und selbst gestalteten Habitate heraus, die anderen dürfen in einer verwalteten „Wildbahn“ weiterleben. Alle werden in den menschlichen Eingrenzungen „im Zaum“ gehalten, wenn auch nicht zuletzt in der geistigen und theoretischen Auseinandersetzung mit ihnen. Man spricht Tieren ein autonomes Bewusstsein ab, und zwingt ihrem Sein unsere Beobachtungsparameter und die Belegbarkeit gewisser Eigenschaften auf, die immer wieder zu dem Schluss führen sollen, dass ihr Verhalten determinierbar sei und sich aus dem „Instinkt“ heraus erklären würde, weil wir sie unter Gesichtspunkten reduktiver Parameter lesen wollen. Die menschlichen Paradigmen über das Tiersein geben die Definition und das Verständnis von „Tier“ faktisch vor. Das heißt: das ist eine Eingrenzung von Freiheit auf definitorischer Ebene, die wir routinemäßig vollziehen.

Umweltschützende beschweren sich teils – ich sage hier bewusst „teils“, denn Ausnahmen sind die Themen: Jagd, Native/Invasive Spezies und Captive Breeding – über die abartige Behandlung wildlebender Tierarten. Jedoch Hühner, Schweine, Rinder … Pferde … „alles hat“ – wenn in nachhaltigen Maße und nachhaltiger „Machart“ – seinen angestammten Platz in der grundsätzlichen Nutzbarmachung der menschlichen Um- und Mitwelt. Tierliches Eigenerleben, Eigenwert oder Eigenbedeutung zählen für den Menschen doch nicht, wenn sie sich durch den Menschen gegenwärtig nicht fassen lassen. Und da beginnt wieder der tierobjektifizierende u./o. speziesistische Anthropozentrismus.

Wir sollten stattdessen akzeptieren können eine pazifistische und beschützende Einstellung gegenüber dem Leben in der Welt einzunehmen, dass wir vielleicht nicht nach uns bekannten und/oder akzeptierten Schemen fassen können. Es ist manchmal eine feine Gratwanderung, wie ein Mensch sich in der Welt einbringt. Als Freund oder als Egomane und eventuell Zerstörender.

Ich verstehe es nicht und es ist der Punkt, der mich an der Umweltbewegung fortwährend irritiert: die Aussparung von Tierschicksalen. Ich brauche keine geschützte Umwelt, in der Tiere geschlachtet und seziert, gedemütigt und verletzt werden. Natur und Tiere gehören zusammen und wir autorisieren uns, deren Leben und das Dasein der Natur, beides, zu objektifizieren. Wir erkennen keine Wege, Tiere in vernünftiger Weise als Subjekte wahrzunehmen und wir erkennen keine Wege, die Natur nicht als „Mittel zum Zweck“ und als „Ressource“ zum Dienste menschlicher Interessen zu verstehen, sondern als hochkomplexes feines „Allleben“, als ein ökologisches Miteinander, das eigene Intelligenzen manifestiert. Würden wir dieses erkennen, dann würde wir auch in der Lage sein, solch eine Sicht inhaltlich zu priorisieren.

Ich verstehe nicht, wie man überhaupt den Themenkomplex Umwelt von dem Themenkomplex Mensch-Tier-Beziehung/Tier-Mensch-Beziehung, Tiersoziologie und Tierwelt trennen kann. Unsere Existenzen stehen in einem Konflikt zueinander, seit der Mensch sich selbst zur Krone der Schöpfung erhoben hat. Wie kann man diesen Teil der Geschichte des Anthropozäns so dermaßen ausblenden aus der Fallanalyse von dem, was die Welt kaputt macht?

Wird Mainstream-Umweltschützenden nicht klar, dass Umweltzerstörung vor allem erstmal eine zugrunde liegende Psychologie aufweist, und dass es ebenso wenig selbstverständlich ist, Natur und Tierleben zu zerstören, wie willkürliche Gewalt gegen Mitmenschen auszuüben? Ökozid und Faunazid sind zerstörerische Herrschaftsansprüche von Menschen über Tiere und „Natur“.

Die Welt vermüllen: faktisch, gedanklich, materiell, immateriell

Wie wollen Umweltschützende verhindern, dass zu viele andere Menschen wie irre Waren und Güter konsumieren um mithalten zu können bei massenwirksamen Trends, dass die Menschen kein Problem damit haben endlos viel „Müll“ zu produzieren, dass Menschen keine Rücksicht nehmen auf die Naturräume, weil sie an das eigene Fortkommen denken in der Art „wie gehabt“, weil in ihrem individuellen und gesellschaftlichen Leben die Natur als Ganzes eben bloß uns zu dienende Materie ist? Sie ist auch dann „dienende Materie“, wenn Menschen die Natur wegen ihrer eigenen Zukunft schützen wollen und genau das als Argument voranstellen, statt darauf aufmerksam zu machen, dass es ja um die Zukunft der Welt selbst geht.

Der einzige Unterschied zwischen Normalos und dem klassischen Umweltschützenden besteht darin, dass die Umweltschützenden die Umwelt noch länger intakt halten wollen, damit die Menschheit weiterhin Mensch bleiben kann, so wie sie im Prinzip es schon immer war. Daher würde es ja auch reichen, wenn alles „nachhaltig“ und „bio“ wären – viel mehr gibt es zur Lösung ja eigentlich nicht wirklich zu sagen. Früher war mal alles so, dass man es als „nachhaltig“ und „bio“ bezeichnen könnte und es war immer noch gewaltsam, Zerstörung, anthropozentrischer Herrschaftsanspruch, etc.

Den Menschen, der erkennt, dass Umwelt keine Determinante und kein kausalistisch funktionierender intelligenzloser Raum ist (und auch kein Ort nach biblischer Definition), sondern Endzweck als Leben in sich selbst … – mit all den Konsequenzen, die sich aus dieser Erkenntnis ergeben – den wird man bislang in der Allgemeinheit noch zu selten finden und wenn man ihn/sie findet, spricht er/sie diese Gedanken noch zu selten aus.

Anmerkungen:

[1] Der Einfachheit halber gebrauche ich hier den Begriff „Tierethik“ in wortwörtlicher Bedeutung, ohne eine Anlehnung an andere Gebrauchsweisen des Wortes zu berücksichtigen, wie etwa der Begriff in seinen bioethischen Zusammenhängen, u.a. auch in seiner Prägung durch die Verwendung in der Tierversuchsindustrie zum Versuch eigener Legitimierbarkeit oder in seiner Umsetzung wissenschaftlicher Lektüre zum Themenkomplex.

[2] Eine besonders gute Darstellung des Konflikts, der sich an der Frage ‚invasiver Spezies‘ zwischen Tierrechten und Umweltschutz entbrennt, liefert Stanescu, Vasile (2014). Präsentation: Das „Judas-Schwein“: Wie wir „invasive Spezies“ unter der Vorgabe des „Naturschutzes“ töten. TIERAUTONOMIE, 1(1), URL: https://d-nb.info/1210595222.

[3] Auch wenn Ortega y Gasset seinem Speziesismus mit seiner befürwortenden Haltung zu Stierkämpfen unverzeihlichen Ausdruck verlieh, so formuliert er in dieser Textstelle eine interessante Haltung zur „Natur“:  „Wir Menschen haben die Welt in Fächer eingeteilt, denn wir gehören doch zur Spezies der Klassifikatoren. Jedes Fach entspricht einer Wissenschaft, und darin eingeschlossen ist ein Haufen von Wirklichkeitssplittern, die wir im ungeheuren Steinbruch der Mutter Natur aufgeklaubt haben. In Gestalt dieser kleinen Splitterhäufchen, zwischen denen eine – bisweilen kapriziöse – Übereinstimmung besteht, besitzen wir die Trümmer des Lebens. Um zu solchem seelenlosen Besitz zu kommen, mussten wir die ursprüngliche Natur zergliedern, mussten wir sie töten.“ ORTEGA Y GASSET, JOSÉ, Gesammelte Werke in vier Bänden, Band 1, Stuttgart, 1950, S. 40.

[4] Barbara Noske stellt die Zuordnung von Tierthemen ins Biologistische in Frage, indem sie die Situation in der Anthropologie beschreibt. Sie formuliert treffend:

„Biologie und Ethologie sind irgendwie zu den Wissenschaften über die Tierheit geworden. Es ist von diesen Wissenschaften woher die Sozialwissenschaftler (die Wissenschaften über die Menschheit) ihr eigenes Bild von Tieren und Tiersein unkritisch und zum größten Teil unbeabsichtigt beziehen. Tiere sind an biologische und genetische Erklärungen gebunden worden.

Dies hat zu einer „Anti-Tier Reaktion“ unter den Gelehrten in den Humanwissenschaften geführt. Sie erklären geradewegs, dass die Evolutionstheorie der Interpretation von Tieren und tierischer Handlungen genüge tut, aber nicht für Menschen. Fast kaum ein Kritiker biologischen Determinismusses wird fragen, ob Tiere wirklich in engen genetischen und biologischen Begriffen erklärt werden können.“

in: Noske, Barbara (2016). Die Tierfrage in der Anthropologie: Ein Kommentar. TIERAUTONOMIE, 1(3), URL: https://d-nb.info/1210906910.

[5] In einem Interview, dass ich mit Kim Socha zu ihrem Buch ‚Animal Liberation and Atheism‘ führte, diskutieren wir die Frage an, inwieweit Religion und Naturwissenschaften miteinander verknüpft sind – zumindest in ihrer, wenn auch sich unterschiedlich ausdrückenden, anthropozentrischen Haltung gegenüber den nichtmenschlichen Welt. E-Reader: Gruppe Messel, Jahrgang 2, Nr. 4, 2020, Seite 15: https://d-nb.info/1215819366/34 und ‚Tierbefreiung, Atheismus und Widerstand‘ in Tierautonomie, Jahrgang 1, Nr. 3, 2014, S 6. https://d-nb.info/1210797186/34.

[6] Das individuierte und das ganzheitliche Leben der „Natur“ selbst sind nicht der Grund sie zu schützen, sondern Grund zum Schutz ist immer die Bedeutung der Natur für den Menschen. Es kann sein, dass Menschen unter Umständen gar nicht wissen, wie sie anders über „Natur“ sprechen können. In Dichtung und Roman kann das funktionieren, aber leider noch nicht in der Argumentationsbasis für den Umweltschutz. Die diffuse „Liebe zur Natur“ ist eine wahre Fundgrube über Unterschiedlichkeiten in den Auffassungen über das eigene Menschsein in der Welt. Es muss noch Wege geben, Natur und tierliche Mitwelt zu achten, wertzuschätzen und schützen zu wollen, als großen menschlich-ethischem Anspruch.

[7] Vita Activa von Hannah Arendt ist ein wahre Bibel über das Verhältnis Mensch – Umwelt – wenn auch leider Arendt sich niemals wirklich mit der Tierfrage auseinandergesetzt hat. Es wundert mich, warum die Umweltbewegung Arendts Ideen und Beobachtungen niemals breitenwirksam aufgegriffen hat. Interessante Fragen zum Mensch – Naturverhältnis thematisiert Arendt auch in:

ARENDT, HANNAH, Denktagebuch 1959 – 1973, Erster Band, München, 2002.

‘Solidarität: Alle Solidaritätsbegriffe tragen noch deutliche Spuren der ersten und ursprünglichsten Solidarität aller Menschen (also des Menschen) gegen die Natur. Solche Solidarität von Einem gegen alles Andere ist aber unter Menschen nie erlaubt. Es gibt keine unbedingte Solidarität. Das “wir sitzen alle in einem Boot” ist ein Beispiel der falschen, verabsolutierenden Solidarität.

Der Gruppenbegriff mitsamt seiner Bezogenheit auf die Teil-Ganzes-Kategorie stammt aus der Solidarität des Menschen gegen die Natur.’ (S. 127)

‘ […] Das Element der Zerstörung in allem Herstellen: Der Baum wird zersört, um Holz zu werden. Nur Holz, aber nicht der Baum, ist Materie. Materie also ist gerade schon ein Produkt des Menschen, Materie ist zerstörte Natur. “The human artifice” […] entsteht, indem der Mensch lebendige Natur so behandelt, als sei ihm das Material gegeben, d.h. indem er sie als Natur zerstört. Das Holz ist der Tod des Baumes. […]

So wie Gott den Menschen geschaffen hat, aber nicht die Menschen und sicher nicht Völker, so hat Gott die Natur geschaffen, aber nicht die Materie. […]’ (S.61)

[8] Die harschen Zerstörungsmechanismen die wir beobachten, können in ihren Dimensionen am ehesten mit dem inzwischen verwendeten Begriffs des Ökozids bezeichnet werden. Für die globale Problematik menschlich destruktiven Verhaltens an der Tierwelt müsste es definitiv einen vergleichbaren Ausdruck geben. Ich selbst verwende inzwischen den Begriff des Faunazids (zuvor tendierte ich zum Zoozid). Piers Beirne, Professor für Green Criminology, prägte den Begriff des Theriozids als allgemeine Bezeichnung menschlichen Tötens von nichtmenschlichen Tieren. Gleich wie, ein Begriff ist nötig und es fragt sich, warum von Tierrechtsseite her sich bislang noch kein zusammenfassendes Wort für die Gräueltaten an der Tierheit gefunden hat, bei aller Erkenntnis über die ethische Katastrophe, und, es fragt sich ebenso, warum Umweltschützende diese Dimension von Zerstörung bislang nicht mit einbeziehen konnten, allein wo die Symbiose von nichtmenschlichen/anderen Tieren mit „der Natur“ entscheidend für das irdische Dasein ist und wo auch „das Tier“ im Agrarbereich oder im Labor erst durch uns in diese Situation gebracht wurde.

[9] Ideen und Praxis alternativer Lebensweisen müssen Graswurzelartig umgesetzt werden. Parteienpolitik wird sich von etablierten wirtschaftlichen Mechanismen kaum unabhängig machen können, und daher in gehabter Form „Wohlstand“ und „Fortschritt“ versprechen, der schwieriger radikal veränderbar sein kann als das, was durch eine Veränderung mittels gegenseitige Aufklärung herbeiführbar ist.

[10] In den ersten Vegan News aus dem Jahre 1944 schreibt Donald Watson zur Gründung der veganen Bewegung: „Deutlich erkennen wir, dass unsere Gegenwartszivilisation sich auf der Ausbeutung von Tieren errichtet, so wie vergangene Zivilisationen auf der Ausbeutung von Sklaven aufbauten. Wir glauben, dass das geistige Schicksal des Menschen so verlaufen wird, dass die Menschheit in der Zukunft mit Abscheu daran denken wird, dass sie sich einstmals von Produkten aus Tierkörpern ernährte.“ E-Reader: Gruppe Messel, Jahrgang 2, Nr. 3, 2020, S. 11, https://d-nb.info/1215485026/34.

[11] Steven Bartlett beschreibt humanzentrische Haltungen im Bezug auf die natürliche Um- und Mitwelt als gleichzeitige Ursache für Fremd- und Selbstzerstörung. Er erwähnt in diesem Zusammenhang folgenden meiner Meinung nach ‚in-between‘ Standpunkt eines Biologen auf den Umweltschutz:

„Einer der wenigen Ökologen die mutig oder idealistisch genug waren für diesen Grad an Spezies-Selbstlosigkeit einzutreten, ist der Biologe Dan Janzen gewesen, der an der Erhaltung der Diversität von Spezies in der Guanacaste Conservation Area in Costa Rica arbeitete […] Janzen war einer der wenigen, die die Wichtigkeit des Überlebens einer Spezies nicht mit deren Vorteilen für die Menschen verband, in ähnlicher Weise wie Christopher Stones Respekt für die legalen Rechte natürlicher Objekte in der Umwelt unabhängig von menschlichen Interessen, Vorteilen und Profiten. Janzen sagte, „ja, man will diesen Wald retten, weil man vielleicht einen neuen Wirkstoff oder eine neue Art der Schädlingsbekämpfung finden könnte oder um Touristen anzuziehen, aber keiner dieser Gründe (sic) ist der Grund, dies als wildes Land beibehalten zu wollen. Für mich gibt es nur ein Ziel: dass diese Biodiversität überlebt.“ E-Reader: Gruppe Messel, Jahrgang 3, Nr. 4, 2021, S. 32, https://d-nb.info/1231210915/34.

[12] Themen, die hiermit im Zusammenhang stehen sind: Canned Hunting / Gatterjagd, Jagdquoten weltweit, in Deutschland die Situation der Wölfe z.B.: https://simorgh.de/about/woelfe-und-tierrechte/

[13] Tiere und ihre Schicksale in der subjektiven Wahrnehmung ‚zwischen Subjekten‘ zu thematisieren ist ein wichtiger Weg in der neuen Entdeckung der Bedeutsamkeit von seelensprachlicher, emotiver Auseinandersetzung mit Tieren und ihren Erlebnissen. Das Projekt ‚Faunary Press‘ von Marie Houser befasst sich mit dieser Perspektive: A. Marie Houser: Literaturkörper. Erzählliteratur ist Aktivismus, E-Reader: Gruppe Messel, Jahrgang 2, Nr. 4, , 2020, S 20, https://d-nb.info/1215819366/34 ; Auch Syl Ko betont den Ansatz der Intersubjektivität in: Eine Rezentrierung des Menschen, Ko, Syl/Johnson, Lindgren (2021). Eine Rezentrierung des Menschen. TIERAUTONOMIE, 8(1), https://d-nb.info/1234807912/34.

[14] Syl Ko setzt sich mit „dem Menschen“ auseinander als einem Konstrukt, das einem ausschließenden vermeintlichen Idealbild dient, dem alle Menschen, die nicht dem einen Idealbild vom „Menschen“ entsprechen, und alle Nichtmenschen, als minderwertig gegenübergestellt wurden; in: Ein Interview mit Syl Ko (2019). TIERAUTONOMIE, 6(2), https://d-nb.info/1210911817/34.

[15] Die Trennung zwischen ökologisch essentiellen Symbiosen, einheimischen und ‚nützlichen‘ Tierarten und dem Tier an sich, das eigentlich kein Thema ist für sich selbst, hat Karen Davis beschrieben in ‚Wie ein Huhn zu denken: Farmtiere und die feminine Verbindung‘, TIERAUTONOMIE, Jahrgang 2, Nr. 1, 2015, https://d-nb.info/1210905973/34.

[16] Barbara Noske hat kritische Beobachtungen über Trennungen zwischen der Tierrechts- und der Umweltbewegung gemacht https://simorgh.de/noske/noske_22-33.pdf, während beispielsweise Anthony Nocella Verbindungen zwischen den radikalen Ausprägungen beider Bewegungen beobachtet hat https://simorgh.de/about/wp-content/uploads/2014/11/kritische_tierstudien.pdf

[17] Immer wieder scheint die Rhetorik vieler Tierrechtler*innen sich nach humanzentrischen Erklärungsmodellen zu richten, statt eine eigene Terminologie zu entwickeln. Man biegt sich nach eingrenzenden Definitionen des tierlichen Gegenübers statt der eigenen neuen Erkenntnis, Beobachtung und Beurteilung neuen Raum zu schaffen. Eine Befreiung soll stattfinden, aber nicht in der grundsätzlichen Auffassung über die Mensch/Tier-Identitäten, https://www.simorgh.de/objects/what-is-an-animal/

[18] Die Welt des Pantheismus beispielsweise, die eine beseelte Sichtweise der Natur und all ihrer Mitlebewesen offenlegt, kann eigentlich nur in arbiträrer Weise einem alleinigen Schöpfergott zugewiesen werden; das Eigenschöpferische von Welt und Sein in der Welt konnte im mystischen Denken niemals ganz bedeutungslos erscheinen.

[19] In der Tat ist es zum einen nicht so ganz klar, wie die Einstellung gegenüber Bedeutung/Sinn und „Mensch“ und „Tier“ immer wirklich gelegen hat, dazu sollte insbesondere über die Auseinandersetzung mit Tiermythologien einen Blick auf teilweise sehr anders geartete Sichtweise auf Tiere zulassen. Ich habe u.a. diese zwei kurzen Versuche unternommen https://simorgh.de/niceswine/mythologien-und-folklore-kroenleinnattern-und-basilisken ; https://simorgh.de/about/fragment-ueber-insektenmythologien/ aus Mythologie zu lernen. Besonders die Sprache wird als trennendes Merkmal zwischen den Identitäten verstanden, dabei wäre aber zu fragen, was wir als Sprache verstehen und unter welchen Gesichtspunkten wir Kommunikation als Sprache anerkennen, mein Fragment über eine grundsätzlichen Infragestellung dazu https://www.simorgh.de/objects/thoughts-about-animal-languages/.

 

Rituelle Herabsetzung


Ritual physical degradation
Die rituelle physische Herabsetzung tierlicher Integrität als Kunst ist gleichermaßen menschenverachtend. Das tierliche Opfer kann, als rechtloser Geisel, von seinen menschlichen Verteidiger*innen nicht durch deren rechtlichen Status geschützt werden. Kunstschaffende, -fördernde und -rezipierende können so juristisch legal Ohnmacht generieren und multiplizieren. Bei Menschen sowie bei Tieren.
Gruppe Messel, 2022

Oppression und Subversion


Wer geht ernsthaft davon aus, dass Subversion sich in der Gesellschaft funktional irgendwie von oppressiven Mustern unterscheiden würde? Beide verlassen sich auf die gleichen grundlegenden Annahmen über Mensch-Tier-Natur-Schismen, in erster Linie im Bezug auf die Phänomene von „existentieller Bedeutsamkeit“ und die Frage von „Eigen-Autorität“.
Antibiologistische Tiersoziologie

Buchprojekt in Kooperation mit Syl

Liebe Freund*innen,

ich bin zur Zeit beschäftigt mit einem neuen Projekt, das ich zusammen mit Syl Ko durchführe und über das ich mich außerordentlich freue. Ein Buch mit Illustrationen, bei dem der Text von Syl stammt und die Illustrationen von mir. Wie Ihr Euch denken könnt, wird es ein Tierrechtsbuch. Hier ein kurzer Blick auf einige der Protagonist*innen:

Der Eintrag vor diesem ist Passwortgeschützt, da ich hier Entwürfe teile, die aus ziemlich großen Bilddateien bestehen und die wir der Einfachheit halber lieber online teilen. Also, nicht irritiert sein. Danke!

 

Tierrechtsethik, Fleisch und Gesellschaftskritik

Tierrechtsethik, Fleisch und Gesellschaftskritik

Fleisch beinhaltet Tiermord. Dem Tiermord geht die Objektifizierung von Tieren voraus. Die Bezeichnung „Fleisch“ ist, anthropologisch betrachtet, wohl eine der am stärksten eingebetteten sprachlichen Verankerungen von Tier-Objektifizierung in der Gesellschaft. Wie thematisieren wir als Tierrechtler*innen das Thema und den Begriff „Fleisch“? Ein aktuell bekannter Ansatz stammt von der amerikanischen Psychologin Melanie Joy, die aufzeigt, dass bestimmte Tiere mit „Fleisch“ gleichsetzt werden, und dass die Menschen zu den Tieren, die diese Zuordnungen erfahren, keinerlei sensible und reflektierende Beziehung mehr in ihrem sozialen Verhältnis aufnehmen können oder wollen, während sie hingegen mit anderen Tieren, nämlich denjenigen, die designiert sind als „Haustiere“ (oder „companion animals“ respektive im Englischen) in deren Leben aufzutreten, ganz andere sensiblere Beziehungen herstellen können. Und das, ohne dass die Gesellschaft daran Anstoß nimmt oder sagen würde, dass sei „nicht richtig“ oder „nicht normal“. Bestimmte Tiere werden der Fleischproduktion zugeordnet, auch wenn diese Zuordnung kulturell und lokal unterschiedlich ausfällt.

Wir thematisieren als Tierbefreier*innen (Tierrechler*innen, Tierfreunde, etc.) primär die Tierindustrien als Orte der Fleischproduktion, ohne dabei aber klarzustellen, dass Objektifizierung und Entsubjektifizierung von Tieren nicht erst zu relevanten Problemen werden, wenn wir sie quantitativ betrachten. Wir verdeutlichen in unseren Protesten nicht, dass die ganz grundsätzliche Einstellung zu Tieren als „Fleischlieferanten“ bereits der Punkt ist, an dem mental und gesellschaftlich Tierobjektifizierung stattfindet, da wir Tierthemen nicht grundlegend in ihren gesellschaftlichen Dimensionalitäten kritisch diskutieren, sondern erst sekundär als relevant in einer Funktion von Begleitfaktoren kapitalistisch-anthopozäner Zerstörungsnormalität beleuchten. Damit blenden wir zeitgleich aus, wie die Gesellschaft in sich im Detail tierobjektifizierend aufgebaut ist. Orte, an denen Entsubjektifizierung stattfinden, sind nicht erst die Metzgereien und die Schlachtbetriebe, sondern alle Orte an denen Tiere in einer Art Antagonismus zum Menschsein angenommen werden.

In dem Punkt kann man wirklich vom abwesenden Referenten sprechen, den Carol J. Adams in sehr plakativer Weise erkannt und benannt hat in der Darstellung von Tierlichkeit als „Fleisch“ in der Werbeindustrie. Eine Diskreditierung vom Tiersein ist nicht erst dort in relevanter Weise am Arbeiten, wo sie sichtbar wird. In tierobjektifizierenden Gesellschaften ist sie bereits an den Orten mit zu lokalisieren, an denen sie unsichtbar hineinwirkt. Wenn wir akzeptieren, dass die Problematiken die Tiere erfahren erst existent sind in dem Moment in dem Tiere sich bereits an Orten befinden, in die Menschen sie über die Zeit hinweg immer wieder hineinkatapultiert haben, dann sehen wir die Tierlichkeit kaum mehr als abwesende Referenten in dem großen bestimmenden anthropozänen Raum.

Menschliche Gesellschaft ist in Hinsicht auf Tiersein jedoch nicht als unabänderlicher Monolith zu betrachten. Menschen haben ihre Gesellschaften erst so gebildet, dass Tierlichkeit darin einen untergeordneten Wert zugeteilt bekommen hat. Und wie sie dies getan haben, wirft fragen darüber auf, was verschiedene Menschen zu verschiedenen Zeiten an verschiedenen Orten über ihre tierliche Mitwelt gedacht haben. Das was der Begriff „Fleisch“ vermittelt, ist Teil einer tierobjektifizierenden Menschheitsgeschichte. Die ideologische Komponente, die sich darin abbildet, verstärkt sich selbst durch die Art und Weise wie Objektifizierung durch solch einen Begriff funktioniert. „Fleisch“ lässt keine Metaphorik zu, sondern ist die radikalste Form einem Gegenüber zu begegnen. Es ist die negierendste Form dem Subjektsein des anderen zu begegnen.

Die Menschheitsgeschichte ist in Hinsicht auf Tiere kein Automatismus gewesen und ist es auch heute nicht. Es hat immer Menschen gegeben, die keine Mehrheitsmeinungen über Tiere teilten, und selbst wenn es keine Präzedenzen gegeben hätte, so sind Menschen aber immer in der Lage individuell neu und kritisch zu denken und selbst die als am unveränderlichsten erscheinenden Normen zu hinterfragen. Dass wir diese Veränderlichkeit in Hinsicht auf Tierthemen für undenkbar halten wollten – während wir aber bei Themen die andere Menschen betreffen Änderungsmöglichkeiten denken wollen – zeigt, dass einige von uns in ihrem Denken über das Mensch-Tier-Verhältnis noch sehr dem menschlich-chauvinistischen Gewohnheitsrecht verhaftet sind.

Wir können in dem Moment über „Fleisch“ kritisch sprechen, in dem wir Gesellschaften kritisch hinterfragen können. In dem Moment geht es auch nicht mehr ausschließlich um Mißhandlungsfälle in Schlachtbetrieben, sondern es geht überhaupt um die Denkweise Tiere seien über eine „Anthropologie des Fleisches“ diskutierbar. Diese Denkweise wird von vielen Menschen schon so lange als ethisch falsch und den Tieren gegenüber ethisch ungerecht betrachtet, dass ich mich frage, weshalb wir es heute immernoch nicht wirklich schaffen, uns die Gesellschaften – eine Menschheit – die tierobjektifizierendes Denken hervorgebracht hat, kritischst zu hinterfragen, statt ausschließlich an den Symptomen objektifizierenden Denkens herumzuoperieren.

Sagen wir Menschen würden die industrielle Tierhaltung und -tötung abschaffen, und sagen wir Tiere würde nicht mehr vor ihrer Schlachtung misshandelt werden, was würden Tierbefreier*innen dann zum Tiermord selbst sagen, der immernoch genauso das Kernproblem ist, wie er es in milliardenfacher Menge ist und wie er es ist, begleitet von zusätzlichen Grausamkeiten, die jedem Theriozid noch hinzugefügt werden können?

Ich glaube selbst viele wohlwollende Menschen trauen sich nicht Gesellschaft in Hinsicht auf Tierlichkeit und Tiersein weitaus kritischer zu beleuchten als es heute selbst noch in der Tierbefreiungsbewegung getan wird. Der Mensch als Norm wird immernoch soweit vorausgesetzt, dass wir seine Geschichte als Jäger und Sammler unhinterfragt weiterhin als Argumentationsstränge leitendes Hauptnarrativ akzeptieren statt andere Narrative zu thematisieren und in den Mittelpunkt zu rücken. Das wollen die meisten Menschen nicht, gleichwohl wir vom Anthropozän sprechen und somit ja offen zugeben, dass wir das stolze zerstörende Maß aller Dinge sind.

Der Durchschnittsmensch, sowie der/die Durchschnittstierbefreierin teilen Begriffe von Vernunft als allein anthropozän bemessbaren Vorgang. Insofern sieht er/sie die Welt auch nur aus Sicht der einen vermeintlich wahren „Vernunft“. Die ganze Tierverteidigung taugt aber solange viel zu wenig, solange wir aus solchen Paradigmen nicht heraustreten können, um Dinge zu akzeptieren, die wir wahrscheinlich nicht problemlos greifen können, die uns aber gewahr sind und wegen derer wir überhaupt Tierbefreier*innen sind. Wir teilen keine Vorstellungen a la Destcartes und Followerschip, die Tiere und Maschinen in eine Ecke räumen. Doch müssen wir unseren Betrachtungsgegenstand, unsere Kritik an objektifizierenden Bildern von Tieren, erst noch genauer untersuchen, um nicht selber weiterhin in den Fußstapfen objektifizierender Normenvorstellungen über Mensch und Tier zu tappen.

Wenn Fleisch das ist, was es ist: ein Teil eines tierlichen Lebewesens, dem unvorstellbarste Scherzen zugefügt worden sind und dessen körperliche Herabsetzung als so etwas wie z.B. ein „köstliches menschliches Ernährungserlebnis“ normalisiert und zelebriert wird, auf den unterschiedlichsten anthropologisch betrachtbaren Ebenen, dann ist Fleisch der direkteste Ausdruck einer geschaffenen unüberwindbaren ethischen Kluft innerhalb der Menschheit und jenseits „der Menschheit“ Fakt der totalen Negierung. Es geht hier nicht einfach um Essen, Einverleiben und stattdessen ein anderes Bewusstsein von Essen und Lebensmitteln zu schaffen. Genau in diese Räume reicht ein Objektifizierungsmechanismus tierlichem Seins hinein. Warum packen viele Tierbefreier*innen Nichtmenschen rhetorisch in reduktive Räume hinein: Tierthemen werden als Streitthemen der Agrarwirtschaft aufgefasst, während das Recht auf Rechte nicht tierethisch angegangen wird. Die „Anthropologie des Fleisches“ wird normalisiert vorausgesetzt, indem Ideologien ruraler Rituale und Tierobjektifizierung als Kulturgut nicht dekonstruiert werden.

Tierrechtsethik kann klarmachen, dass objektifizierende Räume dekonstruiert werden müssen, statt als unumstößliche menschheitsgeschichtliche Normen, und insofern als Menschseinsbestimmend, vorausgesetzt zu werden. Räume tierlicher Objektifizierung waren, gleich wo und gleich wie, immer das gleiche. Sie waren vor allen Dingen niemals ethisch harmlos. Objektifizierende Rhetorik muss in keinem Bereich von Aktivist*innen übernommen werden, sondern adäquate Landkarten können aufgezeichnet werden, in denen Tatsachen von Tiersubjektivität als von Menschen wahrgenommen gekennzeichnet sind.

Ich setze in diesem Text das Subjektsein als ein ethisch-moralisches Imperativ voraus. Objektifizierung geht nur vom Betrachtenden aus, während Subjektivierung ein grundsätzlich sozialerer Moment ist.

Syl Ko with Lindgren Johnson: Re-centering the Human

kts8

Jahrgang 8, Nr. 2, Art. 1, ISSN 2363-6513, Juni 2021

RE-CENTERING THE HUMAN

Syl Ko with Lindgren Johnson

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Originally published:

“Re-centering the Human” by Syl Ko (with Lindgren Johnson), accompanying Mooni Perry’s exhibit 코로지엄과식탁위에카오스 (English: CoroseumAndChaosOnTheTable), featured at the Um Museum in South Korea (May 15, 2021 to June 13, 2021) and Mooni Perry’s exhibit 짐승에 이르기를 (English: As to the Beast), featured at Hapjungjigu in South Korea (April 1, 2021 to June 13, 2021).

Tags: animal rights, human rights, ecology, sociology, animal sociology

TIERAUTONOMIE,  Jg. 8 (2021), Heft 2.

RE-CENTERING THE HUMAN

Syl Ko with Lindgren Johnson

The human being as the universal frame of reference is typically considered the primary source of our current planetary ills. To be clear, it is not simply that human beings are the culprits behind the demise of Earth, a large majority of whom live or strive to live lives in which sustainability and consideration of other beings or natural landscapes are absent priorities. Rather, what is thought is that it is human beings’ general positioning of themselves as central with respect to the rest of the natural world that has inevitably set the planet or at least many of its myriad inhabitants, including humans themselves, on a course for either oblivion or abject misery. What follows, then, is the assumption that the only hope in there being a reversal of this decay partially lies in de-centering human beings, not merely as the supposed grand beneficiaries of all that the natural world has to offer, but especially insofar as the human perspective is taken to be the central one.

These claims sketch two sides that are neatly reminiscent in a limited but relevant way of the debate between the Roman Catholic Church and early secular humanists surrounding the position of the Earth with respect to the solar system. Briefly put, the Church decreed that the Earth sat in the center of the universe, static, with the sun and other celestial bodies revolving around it while the observations and calculations of some early astronomers painted a vastly different and striking picture; namely, that it was the Earth that revolved around the sun and, moreover, the Earth was one among many other stellar objects that ran the course. In other words, Earth is not central and Earth is not unique. The consequences of de-centering the Earth were two-fold: first, exponential advancements resulted in astronomy/astrophysics that have changed our lives and scientific thought in ways that were previously inconceivable, and second, a shift was implemented concerning the authority of scientific knowledge. The early secular astronomers effectively challenged the Church as a credible reference for matters related to the natural world, which then called into question not just the position of the Earth in the cosmos, but also the question of the position of human beings in the natural order.

However, the success achieved by the early secular humanists in de-centering the Earth also invites a different and more daunting lesson that those hoping to de-center the human are well advised to embrace, which may- at the outset- appear not only disquieting but outright contrary to their aims. This lesson involves carefully distinguishing between the act of evaluative centering and methodological centering, the former a judgment issued about the objective centrality of a particular entity or idea, the latter a starting point from which a specific project is carried out. The Church’s earlier decree that Earth is the literal center of the solar system and that all stellar objects, including the sun, move about it is an example of evaluative centering. Evaluative centering typically justifies a further moral conclusion based on the judgment about the supposed centrality of a particular entity or idea. In this case, because Earth is allegedly the center of the solar system, is made of a different substance than all other celestial bodies, and is static, therefore, Earth is the site of a special, unique moral narrative, as described in the Bible. The astronomers promoting a heliocentric model of the solar system, however, participated in centering Earth methodologically. That is, calculations were performed and observations were made with Earth as the explicit reference point. In fact, it was owing to the astronomers’ methodological centering of Earth- that is, all calculations and observations were understood to be taking place from Earth, formulas and findings referenced from Earth to Venus, and so from Venus to the sun, etc., as opposed to calculations “from nowhere” or theological observations from the literal “God’s eye perspective”- that they were capable of evaluatively de-centering Earth.

None of this is to say that natural scientific inquiries are anything like ethical inquiries. The point is simply that rarely is the question raised about what is meant when many insist the human must be de-centered, as if a human point of reference and the judgment that humans’ needs and desires are objectively central are identical claims. If we consider the case of nonhuman animals specifically, the danger in confusing these two modes of centering are apparent, though of course the general point can be applied more broadly to other cases.

“Speciesism” is the word that has come to describe and explain the lack of widespread and substantial concern for animals belonging to species other than Homo Sapiens. The term suggests that the injustices faced by affected nonhuman animals are relevantly like the injustices that humans face due to human conflict, such as racism and sexism. According to this reasoning, what makes “speciesism” like racism and sexism is that in all three cases a property which ought to be morally arbitrary-whether race, sex, or species- is included in moral deliberation to defend prejudicial thinking. Mainstream animal advocates, then, argue that species considerations in ethical thinking, especially the idea that being human can be a reason for positive moral regard, is no different than entertaining the idea that being white or being male can be a reason for positive moral regard.

I refer to views in which it is assumed that species membership ought to be irrelevant to moral deliberation species-objectivist views. The species-objectivist casts the human being from a perspective external to the human inquirer such that she can examine traits, capacities, or properties about human beings in much the same way she does when considering any other animal. For those on the side of nonhuman animals, the conclusion is that there is no trait, capacity, or property possessed by human beings that at least one other kind of animal does not share. Therefore, from this Objective, Ideal frame of reference, which finds its content informed by the natural sciences, that being human itself can be deemed morally heavy is simply a matter of prejudice.

Species-objectivists can only de-center humans evaluatively by de-centering the human methodologically. This strategy entails abstracting away from the fact that humans apprehend themselves from two perspectives; the first is, as species-objectivists note, from an external perspective, just as when we apprehend a bat or elephant. But humans also and primarily apprehend themselves from an internal perspective, a vantage point we cannot apprehend about any other animal and, so, a state about which we must remain silent with regard to other animals. Although it is true that many other animals enjoy pleasure and suffer pain, experience a variety of emotions, remember, imagine, and so forth, we are unable to access the interiority of what these experiences are like from their perspective. Simply put, we are unable to subjectively experience the vantage point of another animal.

Views that focus on the internal perspective of being human, which I refer to as species-subjectivist views, argue that the question about our obligations to nonhuman animals is better reflected upon by situating it explicitly from our perspective as humans as opposed to a supposedly neutral scientific frame of reference “from nowhere”. In other words, contrary to species-objectivists, species-subjectivists believe the best way to evaluatively de-center human beings is to center humans methodologically. There are two main motivations for this approach. First, species-subjectivism acknowledges that what attributes to human beings a moral heaviness is not some distinct property, capacity, feature or trait but rather it is the human that is the proper object of the human moral inquiry and whose subsequent behavior sets out the conditions under which other animals (and other humans) must live. This is the same reason we do not foist our moral expectations upon, say, Bruno the family cat; it is not right to say that Bruno is intellectually or cognitively disabled to a severe degree, or- on the other hand- lacks empathy and harbors antisocial tendencies, and so he cannot be reasonably asked to participate in the results of our moral deliberations, such as we might say for some humans. Instead, Bruno belongs to an entirely different form of life, which is specific to his species, subjectively closed to us and which we cannot (and ought not attempt to) take intellectual possession of or subsume under our intellectual rubrics.

This ties closely into the second motivation for a species-subjectivist approach, which is that real and substantial moral regard for nonhuman animals necessitates appreciating that other animals themselves too have species-specific ways of subjectively existing in the world and that they should have the space and freedom to set up and participate in their own forms of life without our interference or at least with only minimal interference in cases where it cannot be prevented or contributes to their flourishing for mutual enrichment. Whereas a species-objectivist approach rests on looking for commonalities between humans and other animals as the ground for an animal ethic, species-subjectivism accepts that boundaries exist between the species and that part of respecting other animals demands resisting imposition of a human idea of what is a (good) life onto them. The appreciation of there being subjective realities for all animals as the primary orientation of ethics starts with appreciating that we, as humans, have a specific subjective reality, which must be confessed (for we, too, are animals) before making claims about respecting the subjective reality and forms of life belonging to other animals.

What does it look like to center humans methodologically? To start with, a methodological centering of the human would resist describing or explaining animal injustice as “speciesism.” Since we are considering the human not from the external perspective but the internal one, we find that human injustices and injustices other animals face due to human behavior are fundamentally unlike one another. The badness of human injustices such as racism or sexism arise from the exclusion of certain human populations or individuals from the very idea of “human.” In fact, racist and sexist ideology turn on interpreting non-whites and women, respectively, as either deviations from the ideal Human or unactualized Humans. A member of the species Homo Sapiens, then, can be rendered a non-human, an animal, a subhuman, an inter-human, etc., by another human being and it is this mechanism that generates the human pernicious -isms and the subsequent negative consequences that follow. These harms are usually not only physical but constitutionally internal of a certain type, the pain of dehumanization. Under a species-objectivist model, such a mechanism cannot be explained because, from an external perspective, it makes little sense to say that a human being is not a human being. From an external perspective, any member of the species Homo Sapiens is human “proper” and so it fails to make sense of why being considered “human” matters even in cases where only human beings are involved.

If excluding human beings from the idea of “human” is the mechanism behind human injustices, then certainly this mechanism cannot explain or describe animal injustice, for it would be bizarre to assume that positive moral regard for animals must involve conceiving of them as human beings. And certainly acknowledging that other animals are not human does not, in and of itself, necessitate negative or absent moral regard for them. Re-centering the human methodologically, then, reveals an important path to de-centering humans evaluatively: animal advocates must find a way to re-articulate or reformulate to the general public and themselves animal injustice in its own terms such that parallels to human injustices are not necessary as buttresses. Though well-intentioned, the obsession with modeling nonhuman animal injustice as if it were relevantly like human injustice obscures the degree to which animal injustice is a unique form of suffering for which we are responsible. Protest aimed at human injustices necessarily (and rightly) cues sentiments of the form, how can we do this to another human being?, sentiments that cast a long shadow when the suffering of a nonhuman is set beside it.

Additionally, using human injustice as a template for understanding animal injustice logically leads to ridiculous applications of the “inclusion” narrative, which has been essential for ensuring justice for human groups historically excluded from participating in society, to the case of nonhuman animals as a salve for the wrongs we commit upon them. Though moral consideration of nonhuman animals is seldom seriously taken up, is it ludicrous to assume that encouraging their literal inclusion into spaces designed for human flourishing is the answer to what it is to include them in our moral thought.

What should be of note here is that species-subjectivism, then, hints at an incredible tension species-objectivism requires for general moral thinking. Species-subjectivists acknowledge human beings operate primarily from the internal perspective in practical matters, which include moral matters, carried out on a daily basis. The successful ethical relationships exemplified by friendships, marriages, humans with their animal companions, families, etc. provide rich grounds for investigating how the local schemas and webs of lives we build and lead intrinsically supply the parameters for how we ought to interact with one another. Asking individuals to remove themselves from this perspective, the perspective at which moral thinking occurs and in which all other positive moral relationships inhere, to take up the external perspective as means to reflect on moral matters with respect to nonhuman animals seems a foolish ambition. If we wish to effect a widespread cognitive shift about nonhuman animals, this cannot be the way forward.

I have tried to show here that there is incredible value in making salient a kind of centering that ought to vanish versus a kind of centering that is indispensable to that disappearing act. Like the de-centering of Earth in astronomy, the de-centering of the human in ethics can have profound effects, both material- insofar as we can make a difference to the health of the planet and its dwellers- as well as cognitive- insofar as we can shift the scope and range of beings that qualify as morally considerable, thus recalibrating our position in the ethical order. Although humans cannot continue to believe they are evaluatively central if the trend of our collective behaviors affecting the planet will be reversed, it is a mistake to also believe this project necessitates de-centering the human frame of reference. It is true that we are trying to change the world, but to do so mostly requires changing the human. If there is any hope that a moral revolution will come to fruition in the coming years, it will have to be a revolution of the human perspective and, as such, the human perspective must remain front and center.

Contact: sylko@protonmail.com

About the authors

Syl Ko is co-author of ‚Aphro-ism: Essays on Pop Culture, Feminism und Black Veganism‘ (2017); she studied philosophy at the San Francisco State University and at the University of North Carolina at Chapel Hill, with a focus on history of philosophy, socioontology and animal ethics. She works as an independent researcher in Portland, Maine (USA).

Lindgren Johnson is author of: ‚Race Matters, Animal Matters: Fugitive Humanism in African America, 1840-1930‘ (2018). She teaches at the University of Virginia (USA) at the Department of English and is faculty advisor for the Animal Justice Advocates of the UVa.

Tierautonomie

Publisher: www.simorgh.de – ‘Open Access in animal-, human- and the earth liberation’. Revised 06/2021. Published with the kind permission of the author and the Edition Farangis.

Citation

Ko, Syl/Johnson, Lindgren (2021). Re-centering the Human. TIERAUTONOMIE, 8 (2), http://simorgh.de/tierautonomie/JG8_2021_2.pdf.

(Rev. 06.05.2021)

TIERAUTONOMIE (ISSN 2363-6513)

by-nc-nd.eu

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

Leser_innen dürfen diese Publikation kopieren und verbreiten, solange ein Verweis auf den/die Autor_innen und das Journal TIERAUTONOMIE gegeben wird. Die Verwendung ist ausschließlich auf nicht-kommerzielle Zwecke eingeschränkt und es dürfen keine Veränderungen am Textmaterial vorgenommen werden. Weitere Details zu dieser Creative Commons Lizenz findet sich unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/. Alle anderen Verwendungszwecke müssen von dem/den Autor_innen und den Herausgeber_innen von TIERAUTONOMIE genehmigt werden.

 

Tierrechte in der sozialen Praxis (1)

Warum sollten Tierbelange allein in den ihnen bislang zugeordneten Fächern erörtert werden, statt in einer debiologisierten Haltung ihnen gegenüber? „Ein Mensch zu sein“ wird als soziologischer Zustand begriffen, während nichtmenschliche Tiere und Tierlichkeit schlechthin in Kategorien einer (vermeintlichen und kausalistisch vorgestellten) „verhaltensbiologischen” Dominiertheit gerückt werden.

  • Tierlichkeit kann debiologisiert betrachtet werden
  • Existenzielle Vielfalt zu achten, beinhaltet dass breitere Perspektiven als die des allein Anthropozentrischen nötig sind
  • Die existenzielle Vielfalt, die Menschen und nichtmenschliche Tiere mit einbeschließt, als ein „wir“ zu verstehen, heißt: Wir können gegenseitig voneinander lernen, als soziale und als in ökologischen Zusammenhängen verstehbare Lebewesen

Antibiologistische Tiersoziologie

Why treat nonhuman concerns in assigned fields, instead of debiologizing the typical stances on animality? “Being a human” is still taken as a sociological state, while “nonhuman behaviour” is routinely relegated into the categories of being biologically driven/dominated.
– Animality can be seen in debiologized ways.
– Embracing existential plurality means wider perspectives than anthropocentrism are required
We can mutually learn as social and ecological beings.

antibiologistic antispeciesist animal sociology

 

Syl Ko und Lindgren Johnson: Eine Rezentrierung des Menschen

kts8

Jahrgang 8, Nr. 1, Art. 1, ISSN 2363-6513, März 2021

Eine Rezentrierung des Menschen

Syl Ko und Lindgren Johnson

Die englischsprachige Originalfassung:

“Re-centering the Human” by Syl Ko (with Lindgren Johnson), accompanying Mooni Perry’s exhibit 코로지엄과식탁위에카오스 (English: CoroseumAndChaosOnTheTable), featured at the Um Museum in South Korea (May 15, 2021 to June 13, 2021) and Mooni Perry’s exhibit 짐승에 이르기를 (English: As to the Beast), featured at Hapjungjigu in South Korea (April 1, 2021 to June 13, 2021).

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Hintergrund: Was bedeutet es zu sagen, dass der Mensch ein moralisch gewichtiger Faktor sei. Menschen sind gewichtige Faktoren in dem Sinne, dass wir von ihnen verlangen, ihr Verhalten und ihre Weltanschauungen zu ändern. Mainstream-Tierethiker*innen wenden viel Zeit damit auf darzulegen, dass ‚Spezies‘ im Punkte moralischer Erwägungen ein irrelevanter Faktor sei, was dem Aspekt widerspricht, dass Menschen selbst das Problem darstellen, dass sie es sein müssen, die sich verändern, und dass diese ethischen Argumente schließlich auf Menschen abzielen. Es kann nicht einerseits von Menschen verlangt werden sich abstrahierend von ihrem Menschsein abzuwenden, wenn es auf der anderen Seite genau das „Menschsein“ ist, das der zentrale Fokussierpunkt in der ethischen Auseinandersetzung sein muss. Dabei geht es nicht um menschliches Überlegenheitsdenken. Ungerechtigkeit gegenüber Tieren muss in seinen eigenen Begrifflichkeiten reartikuliert werden, damit Parallelen zu zwischenmenschlichen Ungerechtigkeiten als Stützpfeiler unnötig werden. Die Gleichsetzung von zwischenmenschlicher Ungerechtigkeit mit menschlicher Ungerechtigkeit gegenüber Nichtmenschen, verdeckt den Grad, in dem Ungerechtigkeit gegenüber Tieren eine einmalige Form des Leids ist, für die wir verantwortlich sind. Solche Reformulierungen sind entscheidend, um einen kognitiven Wechsel im Sinne der nichtmenschlichen Tiere sicherzustellen.

Schlagworte: Tierrechte, Menschenrechte, Ökologie, Soziologie, Tiersoziologie

TIERAUTONOMIE,  Jg. 8 (2021), Heft 1.

Eine Rezentrierung des Menschen

Syl Ko und Lindgren Johnson

Der Mensch als universeller Bezugsrahmen wird typischerweise als Hauptursache unserer heutigen planetaren Leiden betrachtet. Um dies klar zu machen: Es ist nicht einfach so, dass Menschen die Verursacher des Niedergangs der Erde sind, indem eine große Mehrheit ihr Leben in der Art leben wollen oder leben müssen, dass Nachhaltigkeit und die Berücksichtigung anderer Lebewesen oder natürlicher Landschaften abwesende Prioritäten darstellen. Sondern, man geht davon aus, dass es ist die grundsätzliche Positionierung ist, in der Menschen sich selbst als Mittelpunkt im Bezug auf den Rest der natürlichen Welt platzieren, durch die der Planet oder immerhin viele Myriaden seiner Bewohner, einschließlich des Menschen selbst, auf einen Kurs ins Vergessenwerden oder in erbärmliches Elend gesetzt wurden. Was daraus folgt, ist die Annahme, dass die einzige Hoffnung auf eine Umkehr dieses Verfalls teilweise darin liegt, den Menschen zu de-zentrieren, nicht allein als vermeintlich großen Nutznießer all dessen, was die natürliche Welt zu bieten hat, sondern vor allem insofern, als dass die menschliche Perspektive nicht mehr als die zentrale betrachtet werden sollte.

Diese Ausgangspunkte skizzieren zwei Seiten, die in begrenzter, aber bedeutsamer Weise an die Debatte zwischen der römisch-katholischen Kirche und den frühen säkularen Humanisten erinnern, als es um die Position der Erde im Sonnensystem ging. Kurz erklärt verfügte die Kirche, dass die Erde der Mittelpunkt des Universums sei, statisch, und die Sonne und andere Himmelskörper würden um sie kreisen, während die Beobachtungen und Berechnungen einiger früher Astronomen ein deutlich anderes Bild aufzeigten; nämlich, dass es die Erde war, die sich um die Sonne drehte, und darüber hinaus, dass die Erde sogar nur eines von vielen anderen stellaren Objekten war, die diese Bahnen zogen. In anderen Worten, die Erde steht nicht im Mittelpunkt und sie ist auch nicht einmalig. Die Folgen der Dezentrierung der Erde waren zweierlei: erstens wurden exponentielle Fortschritte in der Astronomie/Astrophysik erzielt, die unser Leben und unser wissenschaftliches Denken in vorher unvorstellbarem Maße veränderten, und zweitens fand ein Wechsel in der Autorität von Wissenschaftlichkeit statt. Die frühen säkularen Astronomen stellten die Kirche als eine glaubwürdige Quelle für Fragen bezüglich der natürlichen Welt in Frage, wodurch infolgedessen nicht nur die Position der Erde im Kosmos hinterfragt wurde, sondern auch die Stellung des Menschen in der natürlichen Ordnung.

Der Erfolg, der durch die frühen säkularen Humanisten durch die Dezentrierung der Erde erlangt wurde, befördert aber auch eine andere, entmutigende Lektion, mit der diejenigen, die den Menschen dezentrierten möchten, sich auseinandersetzen sollten, und die – eingangs – nicht nur beunruhigend, sondern regelrecht entgegengesetzt zu ihren Zielen erscheinen könnte. Die Lektion beinhaltet die sorgfältige Unterscheidung zwischen dem Akt der evaluativen Zentrierung und der methodologischen Zentrierung. Dabei ist ersteres eine Beurteilung, die über die objektive Zentralität einer bestimmten Einheit oder Idee getroffen wird, und das zweite ist ein Anfangspunkt, von dem aus ein bestimmtes Projekt begonnen werden kann. Die frühere Verfügung der Kirche, dass die Erde der tatsächliche Mittelpunkt des Sonnensystems sei, und dass alle stellaren Objekte, einschließlich der Sonne, sich um sie herum bewegten, ist ein Beispiel evaluativer Zentrierung. Eine evaluative Zentrierung rechtfertigt typischerweise eine weitere moralische Schlussfolgerung, basierend auf der Beurteilung über die vermeintliche Zentralität einer bestimmten Einheit oder Idee. In diesem Fall ist die Erde der Ort eines besonderen einmaligen moralischen Narrativs, wie es in der Bibel dargelegt ist, dass die Erde angeblich der Mittelpunkt des Sonnensystems ist, sie von einer ganz anderen Beschaffenheit ist als alle anderen Himmelskörper und sie ist statisch. Die Astronomen, die für ein heliozentrisches Modell des Sonnensystems plädierten, unternahmen jedoch eine methodologische Zentrierung der Erde. Das heißt, es wurden Berechnungen und Beobachtungen angestellt, bei denen die Erde der bewusste Bezugspunkt war. In der Tat war es der methodologischen Zentrierung der Erde durch die Astronomen geschuldet – das heißt all die Kalkulationen und Beobachtungen wurden als auf der Erde stattfindend verstanden, Formeln und Erkenntnisse bezogen sich auf die Erde zur Venus und so von der Venus zur Sonne, usw. anstelle von Berechnungen „aus dem Nichts“ oder aus Sicht theologischer Beobachtungen aus einer „Perspektive Gottes“ – dass sie in der Lage dazu waren, die Erde somit evaluativ zu dezentrierten.

Nichts davon soll besagen, dass Forschungen in den Naturwissenschaften sich verhalten würden wie Forschungen in der Ethik. Es geht einfach darum, die Frage aufzuwerfen, was damit gemeint ist, wenn viele darauf bestehen, dass der Mensch dezentriert werde müsse, als ob der menschliche Bezugsrahmen und die Beurteilungen, dass menschliche Bedürfnisse und Wünsche objektiv zentral seien, identische Ansprüche seien. Wenn wir uns spezifisch den Fall nichtmenschlicher Tiere anschauen, dann wird die Gefahr deutlich, die in der Verwechslung beider Modalitäten der Zentrierung liegt, obgleich der grundsätzliche Punkt hier im Weiteren auch auf andere Fälle bezogen werden kann.

„Speziesismus“ ist der Begriff, der den weitläufigen und grundsätzlichen Mangel an Berücksichtigung von Tieren, die anderen Spezies als Homo sapiens angehören, beschreibt und erklärt. Der Begriff vermittelt, dass die Ungerechtigkeiten, die nichtmenschlichen Tieren widerfahren, in relevanter Weise vergleichbar sind mit Ungerechtigkeiten, die Menschen aufgrund menschlicher Konflikte widerfahren, so wie etwa Rassismus und Sexismus. Dieser Überlegung folgend ist das, was den “Speziesismus” vergleichbar zu Rassismus und Sexismus macht, dass in all den drei Fällen eine Eigenschaft, die moralisch arbiträr sein sollte – ob Rasse, Geschlecht oder Spezies – in moralische Überlegungen einbezogen wird, anhand derer ein Vorurteilsdenken gerechtfertigt wird. Mainstream-Tierverteidiger argumentieren dann, dass die Beachtung von Spezies im ethischen Denken, insbesondere der Gedanke, dass ein Mensch zu sein ein Grund für eine positive moralische Berücksichtigung sein könne, sich nicht anders verhält, als wenn jemand die Idee vertritt, dass weiß zu sein oder ein Mann zu sein ein Grund sein könne, um als moralisch relevant bewertet zu werden.

Ich beziehe mich auf Sichtweisen, bei denen angenommen wird, dass die Spezieszugehörigkeit bei moralischen Überlegungen irrelevant sein solle, als spezies-objektivistische Sichtweisen.  Der Spezies-Objektivist betrachtet den Menschen aus einer Perspektive außerhalb des menschlichen Beobachtenden, so dass er/sie Eigenschaften, Fähigkeiten oder Züge über Menschen in so ziemlich gleicher Weise betrachten kann, wie wenn er/sie sich irgendein anderes Tier ansieht. Für diejenigen, die auf der Seite der nichtmenschlichen Tiere stehen, lautet die Schlussfolgerung, dass es keine Eigenschaft gibt, keine Fähigkeit und kein Merkmal, über die Menschen verfügen, über die nicht immerhin eine Art von Tier ebenso verfügt. Aus diesem ‚objektiven, idealen‘ Bezugsrahmen heraus, dessen Inhalte sich auf die Naturwissenschaften beziehen, ist die Betrachtung, dass das Menschsein selbst ein moralisch gewichtiger Faktor ist, schlichtweg eine Frage des Vorurteils.

Spezies-Objektivisten können Menschen nur evaluativ dezentieren, indem sie Menschen methodologisch dezentrieren. Diese Strategie beinhaltet eine Abstrahierung hinweg von der Tatsache, dass Menschen sich selbst aus zweierlei Perspektiven betrachten; die erste ist dabei – wie Spezies-Objektivisten erkennen – eine Sicht aus einer externen Perspektive, so wie wenn wir eine Fledermaus oder einen Elefanten betrachten würden. Aber Menschen betrachten sich selbst auch und primär aus einer internen Perspektive, ein Blickpunkt, den wir nicht über andere Tiere einnehmen können und somit ein Zustand, über den wir im Bezug auf andere Tiere schweigen müssen. Auch wenn es stimmt, dass viele andere Tiere Freude erleben und Schmerz erfahren, eine Vielzahl von Emotionen erleben, sich erinnern, sich Dinge vorstellen und so weiter, so sind wir doch nicht in der Lage auf die Internalität dessen zuzugreifen, wie diese Erfahrungen aus derer Perspektive erlebt werden. Einfach gesagt sind wir nicht in der Lage dazu, die Sichtweise eines anderen Tieres subjektiv zu erleben.

Sichtweisen, die auf die innere Perspektive des Menschseins fokussieren, auf die ich mich als spezies-subjektivistische Sichtweisen beziehe, zeigen auf, dass die Frage über unsere Verpflichtungen gegenüber nichtmenschlichen Tieren besser begriffen wird, indem man sie explizit aus unserer Perspektive als Menschen her lokalisiert, statt innerhalb eines angeblich neutralen wissenschaftlichen Bezugsrahmens „aus dem Nichts“. In anderen Worten, im Gegensatz zu den Spezies-Objektivisten, glauben Spezies-Subjektivisten, dass der beste Weg um Menschen evaluativ zu dezentrieren darin liegt, den Menschen methodologisch zu zentrieren. Für diese Herangehensweise liegen zwei wesentliche Motivationen vor. Zuerst erkennt der Spezies-Subjektivismus, dass das, was Menschen ein moralisches Gewicht zuschreibt, nicht eine besondere Eigenschaft, Fähigkeit oder ein gewisses Merkmal ist, sondern, der Mensch selbst ist das Objekt menschlich moralischer Hinterfragungen, und das sich daraus ergebende Verhalten, legt die Bedingungen fest, unter denen andere Tiere (und andere Menschen) zu leben haben. Dies ist der gleiche Grund, warum wir unsere moralischen Erwartungen beispielsweise Bruno, der Katze, nicht aufzwingen; es wäre falsch zu sagen, dass Bruno intellektuell oder kognitiv in schwerem Maße behindert wäre, oder – auf der anderen Seite – dass es ihm an Empathie mangeln würde oder er antisoziale Tendenzen hätte, und er somit nicht wirklich Teil der Ergebnisse unserer moralischen Überlegungen sein könne, so wie wir es vielleicht für einige andere Menschen sagen würden. Stattdessen gehört Bruno zu einer anderen Lebensform, die seiner besonderen Spezies eigen ist, die uns insofern verschlossen bleibt, über die wir intellektuell keinen Besitz ergreifen können (und es auch nicht versuchen sollten zu tun) und die sich auch nicht in unsere intellektuellen Kategorien einordnen lässt.

Dies bindet sich eng an die zweite Motivation für eine Spezies-Subjektivistische Herangehensweise, die beinhaltet, dass eine echte und substanzielle moralische Berücksichtigung nichtmenschlicher Tiere erfordert anzuerkennen, dass andere Tiere selbst gleichermaßen spezies-spezifische Arten und Weisen haben, subjektiv in der Welt zu existieren, und dass sie über den Raum und die Freiheit dazu verfügen sollten, ihre eigenen Arten zu Leben zu gestalten und an ihrer eigenen Form zu leben teilzuhaben, ohne unsere Eingriffe oder zumindest nur mit einem Mindestmaß an Eingriffen unsererseits, in Fällen bei denen es nicht verhindert werden kann oder durch die zu einer gegenseitigen Bereicherung in ihrem Interesse beigetragen werden kann. Während eine spezies-objektivistische Herangehensweise darauf basiert nach den Gemeinsamkeiten zwischen Menschen und anderen Tieren zu schauen, als Grundlage für eine Tierethik, so akzeptiert der Spezies-Subjektivismus hingegen, dass Grenzen zwischen den Spezies existieren, und dass ein Teil dessen andere Tiere zu respektieren erfordert, eine Aufoktroyierung einer menschlichen Idee dessen, was ein (gutes) Leben für sie sei, ihnen gegenüber zu vermeiden. Die Anerkennung dessen, dass subjektive Realitäten für alle Tiere existieren, als primäre Orientierung in der Ethik, beginnt mit der Anerkennung dessen, dass wir, als Menschen, über eine spezifische subjektive Realität verfügen, die wir offenlegen müssen (denn wir sind ebenso Tiere) bevor wir für uns behaupten können, die subjektive Realität und die Formen von Leben anderer Tiere zu respektieren.

Wie sieht es aus, wenn wir Menschen methodologisch zentrieren? Eingangs muss gesagt werden, dass eine methodologische Zentrierung des Menschen darauf verzichten würde, Ungerechtigkeit gegenüber Tieren als „Speziesismus“ zu beschreiben oder zu erklären. Da wir den Menschen nicht aus der externen, sondern aus der internen Perspektive beschreiben, erkennen wir, dass menschliche Ungerechtigkeiten gegenüber anderen Menschen, und Ungerechtigkeiten, mit denen andere Tiere sich aufgrund von menschlichen Verhaltensweisen konfrontiert sehen, sich grundsätzlich voneinander unterscheiden. Die Schlechtigkeit (zwischen-)menschlicher Ungerechtigkeiten, so wie Rassismus oder Sexismus, rühren aus dem Ausschluss bestimmter menschlicher Populationen oder Individuen aus der grundsätzlichen Idee des „Menschseins“. In der Tat greifen rassistische oder sexistische Ideologien darauf zurück, Nichtweiße und Frauen respektive, entweder als Abweichungen vom idealen Menschen oder als nicht komplette Menschen zu deuten. Ein Mitglied der Spezies Homo sapiens kann dann von einem anderen Menschen als nicht-menschlich bezeichnet werden, als Tier, als Untermensch, als halber Mensch, etc. und es ist dieser Mechanismus, der die schädlichen menschlichen Ismen und die daraus folgenden negativen Konsequenzen erzeugt. Diese Schäden sind normalerweise nicht nur physisch, sondern von ihrer Qualität in besonderer Weise innerlich, als Schmerz der Entmenschlichung. Im spezies-objektivistischen Modell kann solch ein Mechanismus nicht erklärt werden, denn aus einer externen Perspektive ergibt es kaum Sinn zu sagen, dass ein Mensch kein Mensch ist. Aus einer externen Perspektive ist jedes Mitglied der Spezies Homo sapiens ein „richtiger“ Mensch und so macht es auch keinen Sinn zu fragen, warum als „Mensch“ betrachtet zu werden, eine Bedeutung haben kann in Fällen, bei denen es ausschließlich um Menschen geht.

Wenn der Ausschluss von Menschen aus der Idee des „Menschseins“ ein Mechanismus ist, der hinter zwischenmenschlichen Ungerechtigkeiten steckt, dann kann dieser Mechanismus Ungerechtigkeit gegenüber Tieren mit Sicherheit nicht erklären, denn es wäre absurd anzunehmen, dass eine positive moralische Berücksichtigung von Tieren beinhalten müsse sie als Menschen zu betrachten. Und mit Sicherheit verursacht die Zurkenntnisnahme dessen, dass andere Tiere keine Menschen sind, nicht von selbst aus eine negative, oder nicht vorhandene moralischen Berücksichtigung ihrer. Eine methodologische Rezentrierung des Menschen lässt somit einen wichtigen Weg zur evaluativen Dezentrierung von Menschen erkennen: Tierverteidiger müssen einen Weg finden, der allgemeinen Öffentlichkeit und sich selbst gegenüber, Ungerechtigkeit gegenüber Tieren in seinen eigenen Begrifflichkeiten zu reartikulieren und zu reformulieren, so dass Parallelen zu zwischenmenschlichen Ungerechtigkeiten als Stützpfeiler unnötig werden. Auch wenn dies guten Intentionen folgt, so verdeckt die Besessenheit damit, die Ungerechtigkeit gegenüber nichtmenschlichen Tieren zu erörtern als verhielte sie sich in relevanter Weise gleich zu zwischenmenschlicher Ungerechtigkeit, den Grad, in dem Ungerechtigkeit gegenüber Tieren eine einmalige Form des Leids ist, für die wir verantwortlich sind. Proteste, die sich gegen zwischenmenschliches Unrecht richten, befördern zwangsläufig (und zu Recht) die Fragen dessen, wie wir dies anderen Menschen antun können – das sind Gefühle, die ihre langen Schatten werfen, in dem Moment, in dem wir hier das Leiden eines Nichtmenschen mit zur Seite stellen.

Zusätzlich führt die Verwendung zwischenmenschlicher Ungerechtigkeit als Schablone zum Verstehen von menschlicher Ungerechtigkeit gegenüber Tieren logischerweise zu lächerlichen Anwendungen des „Inklusions“-Narrativs, das für die Sicherstellung von Gerechtigkeit für menschliche Gruppen, die geschichtlich gesehen von der Teilhabe an der Gesellschaft ausgeschlossen wurden, essentiell war. So sollen nichtmenschliche Tiere, in Konsequenz dessen, Heilmittel für das Unrecht sein, das wir ihnen antun. Obgleich die moralische Berücksichtigung von nichtmenschlichen Tieren selten ernsthaft verfolgt wird, so ist es doch lächerlich anzunehmen, dass die Ermutigung zu ihrer buchstäblichen Inklusion in Räume, die entworfen waren, um Menschen dienlich zu sein, die Antwort auf die Frage dessen sein kann, was es heißt, sie in unser moralisches Denken mit einzubeschließen.

Was hier beachtet werden sollte, ist, dass Spezies-Subjektivismus so auf eine enorme Spannung hinweist, die der Spezies-Objektivismus für ein allgemeines moralisches Denken benötigt. Spezies-Subjektivisten erkennen an, dass Menschen in praktischen Angelegenheiten – einschließlich ihres moralischen Denkens und Handelns, das auf einer täglichen Basis stattfindet – in erster Linie aus einer internen Perspektive heraus funktionieren. Die erfolgreichen ethischen Beziehungen, deren Beispiele wir in Freundschafen, Ehen, bei Menschen im Bezug auf ihre tierlichen Freunde, in Familien, etc. finden, bieten eine reiche Grundlage, um zu untersuchen, wie die lokalen Schemata und Netze des Lebens, die wir errichten und erhalten, intrinsisch die Parameter dessen bereitstellen, wie wir uns zueinander verhalten sollten. Von Individuen zu fordern, sich aus dieser Perspektive herausnehmen – der Perspektive auf der moralisches Denken stattfindet und aus der alle anderen positiven moralischen Beziehungen her rühren – um stattdessen die externe Perspektive anzunehmen, als Mittel zur Reflektion moralischer Fragen im Bezug auf nichtmenschliche Tiere, erscheint ein unnötiges Unterfangen zu sein. Wenn wir einen weitreichenden kognitiven Wechsel im Bezug auf nichtmenschliche Tiere erwirken wollen, dann kann dies nicht der Weg sein.

Ich habe versucht zu zeigen, dass ein unglaublicher Wert in der Hervorhebung einer Art der Zentrierung liegt, die eigentlich verschwinden soll, in Gegenüberstellung zu einer Art der Zentrierung, die für den Akt des Verschwindens unerlässlich ist. So wie die Dezentrierung der Erde in der Astronomie, so kann die Dezentrierung des Menschen in der Ethik tiefgreifende Auswirkungen haben, sowohl materiell – insofern, wie wir einen Unterscheid für die Gesundheit des Planeten und seinen Bewohnern bewirken können – sowie kognitiv – insofern, wie wir den Umfang und die Bandbreite ändern können, im Bezug auf Wesen, die als moralisch-zu-berücksichtigen gelten sollten und wir so unsere Position in der ethischen Ordnung rekalibrieren. Obgleich Menschen nicht weiter davon ausgehen können, dass sie evaluativ die Mitte bilden, wenn der Trend unseres kollektiven Verhaltens, das sich auf den Planeten auswirkt, umgekehrt werden soll, so ist es doch ein Fehler im gleichen Zuge zu glauben, dass dieses Projekt die Dezentrierung des menschlichen Bezugsrahmens erfordert. Es stimmt, dass wir versuchen die Welt zu ändern, aber um dies zu schaffen, müssen wir an aller erster Stelle den Menschen selbst ändern. Wenn irgendeine Hoffnung darauf besteht, dass eine moralische Revolution in den nächsten Jahren stattfinden sollte, dann muss dies eine Revolution menschlicher Perspektiven sein, und als solche muss die menschliche Perspektive an vorerster Front stehen und die Mitte bilden.

Kontakt: sylko@protonmail.com

Anmerkungen des Übersetzenden:

Ich verwende im Übersetzungstext für einen einfacheren Lesefluss das generische Maskulinum, damit soll inhaltlich aber keine Genderform ausgeschlossen werden.

Um sowohl Tierrechtler*innen als auch Tierbefreier*innen und mögliche weitere Tieraktivist*innen zu bezeichnen, übersetze ich das englische Wort „animal advocate“ hier als „Tierverteidiger“.

Den Begriff „human injustices“, den Syl Ko und Lindgren Johnson hier explizit auf Ungerechtigkeiten bezieht, die Menschen untereinander verüben, bezeichne ich differenziert in Hinsicht auf seine Bezugspunkte zum Teil als „zwischenmenschliche Ungerechtigkeiten“.

Ich verwende das Wort „Spezies,“ und nicht den im deutschen alternativ zur Verfügung stehenden Begriff „Art“, um das englische Wort ‚species‘ zu übersetzen, da das Wort „Art“ den Menschen sprachgebräuchlich nicht problemlos oder missverständlich umfassen könnte in den Bezeichnungen: Spezies-Objektivismus und Spezies-Subjektivismus.

Über die Autorinnen

Syl Ko ist Mitautorin von ‚Aphro-ism: Essays on Pop Culture, Feminism und Black Veganism‘ (2017); sie hat Philosophie an der San Francisco State University und an der University of North Carolina at Chapel Hill studiert, mit den Schwerpunkten Geschichte der Philosophie, Sozialontologie und Tierethik. Sie arbeitet als unabhängige Forscherin in Portland, Maine (USA).

Lindgren Johnson ist Autorin des Buches: ‚Race Matters, Animal Matters: Fugitive Humanism in African America, 1840-1930‘ (2018). Sie ist Dozentin an der University of Virginia (USA) am Department of English und ist dort auch Fakultätsberaterin für die Animal Justice Advocates der UVa.

Tierautonomie

Herausgeber: www.simorgh.de – ‘Open Access in animal-, human- and the earth liberation’. Revised 03/2021. Veröffentlicht mit der freundlichen Genehmigung den Autorinnen. Übersetzung: Gita Yegane Arani.

Zitation

Ko, Syl/Johnson, Lindgren (2021). Eine Rezentrierung des Menschen. TIERAUTONOMIE, 8(1), http://simorgh.de/tierautonomie/JG8_2021_1.pdf.

(Rev. 21.03.2021)

TIERAUTONOMIE (ISSN 2363-6513)

by-nc-nd.eu

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz.

Leser_innen dürfen diese Publikation kopieren und verbreiten, solange ein Verweis auf den/die Autor_innen und das Journal TIERAUTONOMIE gegeben wird. Die Verwendung ist ausschließlich auf nicht-kommerzielle Zwecke eingeschränkt und es dürfen keine Veränderungen am Textmaterial vorgenommen werden. Weitere Details zu dieser Creative Commons Lizenz findet sich unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/. Alle anderen Verwendungszwecke müssen von dem/den Autor_innen und den Herausgeber_innen von TIERAUTONOMIE genehmigt werden.

 

Alternativen für den Begriff Speziesismus

Präambel

Wir benötigen einen Begriff, um die Diskriminierungsformen und die Ungerechtigkeiten zu beschreiben, die von menschlichen Gruppen oder Individuen im Bezug auf nichtmenschliche Tiere und gegenüber der nichtmenschlichen Welt im Ganzen ausgeübt werden – in all deren Facettenhaftigkeiten in denen solche unterdrückerischen Mechanismen, Gedanken und Handlungen in den unterschiedlichen menschlichen kulturellen Ebenen, so wie in Religionen, Wissenschaften, Recht, Kunst, etc. in Erscheinung treten.

Ebenso benötigen wir einen Begriff für das allgemeine Phänomen menschlicher Zerstörung und Destruktivität in diesem Punkte. Ich beziehe mich hierauf als Faunazid, insofern nichtmenschliche Tiere betroffen sind. Einige Kolleg*innen kritisieren den Begriff “Speziesismus” aus verschiedenen Gründen, und ich schlage daher vor, dass wir mehr beschreibende Begrifflichkeiten entwickeln sollten, für das, was wir bezeugen und vielleicht etwas unterschiedlich wahrnehmen.

antibiologistic animal sociology

Alternative Ausdrücke für Speziesismus

SPEZIES/TIER-HERABSETZUNG

SPEZIES/TIER-HERABSETZEND

-ABEWRTUNG / -OBJEKTIFIZIERUNG

-ERNIEDRIGUNG / -Diskriminierung …

-…

antibiologistic animal sociology