Artgerecht klassifizieren

Das Anthropozän ist so verdammt artgerecht.

Tierrechtler*innen die reduktiv von “artgerechtem” Verhalten bei Tieren reden, sind selber Teil des Problems. “Artgerecht” ist ein speziesistischer Begriff, der ökologische Komplexität in ihren Zusammenhängen mit Tiersoziologie auf ein paar banale Aspekte reduziert. #biologismus

Hier die kritischen Einträge auf unsere Seite zum Begriff: “Artgerecht” > https://simorgh.de/about/?s=artgerecht&submit=Search

Unser erster englischer Kommentar/Fragment dazu: https://www.simorgh.de/objects/the-german-artgerecht-is-a-speciesist-term/

… wobei unsere Kritik am Biologismus in Bezug auf Tiere derart Begriffe gleichsam mit zu dekonstruieren sucht.

Tiere sind kein Agrarthema

Antispeciesist Animal Sociology

Tiere sind kein Agrarthema

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Die Sichtbarmachung von speziesistischen Räumen der Objektifizierung von Tieren ist wichtig, damit wir die Fälle bezeugen können und damit wir etwas dagegen unternehmen. Die Sichtbarmachung ist aber kein Garant dafür, dass alle Menschen sich ihrer den Miterdlingen gegenüber empfundenen Empathie bewusst werden müssten. Manche Menschen empfinden keine Empathie an Stellen, an denen man davon ausgeht, dass jeder hier über empathische Intelligenz verfügen müsste. Es gibt im Gegenteil genügend Segmente innerhalb menschlicher Gesellschaften, die eine offensive Form von Speziesismus kulturell propagieren oder es gutheißen, wenn andere dies tun.

Als Menschen, bei denen die Sichtbarmachung speziesistischer Gewalt ethische Betroffenheit auslöst, sollten wir uns aber fragen: Was vermitteln wir, wenn wir einen Hauptort des institutionalisierten Speziesismus erkennen, jedoch in unserer Diskussion darüber, die vielen anderen Orte an denen Speziesismus täglich stattfindet, hinter die großen Tiermord verübenden Industrien rücken und diese weiteren Orte somit aus dem Blickfeld über ein Gesamtproblem verschwinden lassen?

Dass Menschen Tiermord industrialisiert haben, die Reproduktion und das Leben von Tieren in diesem Zuge physisch und seelisch gewaltsam manipulieren, hat eine Geschichte, und diese Geschichte hat wiederum gesellschaftliche und psychologische Hintergründe und Ursachen.

Tiere sind kein Agrarthema. Hängen sie in den Fängen der Industrien, werden sie von vielen ihrer Verteidiger*innen aber tendenziell in diese Ecke gerückt oder zumindest perspektivisch dort belassen. Wahrscheinlich weil dort, in den großen Agrarindustrien, alle grauenhaftesten Orte von Tierunterdrückung schließlich im Akt eines voll-industrialisieren, perfektionierten und allein quantitativ nicht mehr greifbaren Theriozids zusammenlaufen. Dabei ist doch jeder Tiermord Teil des ganzen Problems.

Ein anderer Grund, warum man Tierverteidigung auf den Schauplatz der Agrarindustrien spezialisiert, könnte sein: man belässt Tiere in denjenigen Rahmen, in die sie die Gesellschaft selbst hineinkatapultiert hat.

Machen wir aber Speziesismus zu einem hauptsächlichen Agrarthema, differenzieren wir die Eigenschaften dieser Unorte menschlicher Gesellschaften nicht weiter aus. Wir konstatieren zwar: „Tiere müssen da raus“, und „Agrarkultur muss was anderes sein“, aber wir sehen nicht, weshalb unsere Gesellschaft die großen und die kleinen Räume ethischer Komplettentwertung von nichtmenschlichem Leben überhaupt an erster Stelle geschaffen hat. Für manche von uns ist das vielleicht schon überhaupt keine Frage mehr. Die Frage: „Warum wird dies mit den Tieren getan?“

Die Handlungen sind aber so unsäglich entsetzlich, dass die Frage nach der Ursache immer wieder im Raum steht, „warum wird jetzt dieses eine tierliche Individuum, genau dasjenige, hier und jetzt ermordet … und zu „Nahrung“ verarbeitet … .“ .

Tierthemen müssen meiner Meinung nach in einer emanzipatorischen Sprache behandelt werden, das heißt in einer Sprache der Sichtbarmachung von denjenigen Abwertungsmechanismen, die überhaupt dazu führen, dass Tiere sich an diesen Orten thematisch ansiedeln lassen (–  als bloßer „Faktor“ neben Nahrung und Wirtschaft), die Abwertungsmechanismen, die kumulativ dazu führen, dass Tiere sich an erster Stelle überhaupt in dieser speziesisten-dominierten Welt physisch unter diesen Gegebenheiten befinden müssen.

Wir sollten sprachlich zum Ausdruck bringen können, wo Tiere sich eigentlich befinden müssten. Und das heißt auch, dass sie auf unserer geistigen Landkarte nicht in dem Kontext Tierindustrien allein stehen bleiben können. Es wird aber auffallend selten über die Schaffung von Lebensräumen für die Tiere gesprochen, die wir mit dem Thema Agrarindustrien assoziieren. Sie erhalten Inseln, aber wo stehen sie im Ganzen? Die Frage nach diesen Lebensräumen betrifft aber das Tiersein generell in einer anthropozänen Welt, in der immer weniger Raum bleibt, der nicht als Ressource von Menschen zur Eigennutzung verplant wird. Die Idee und Praxis des Lebenshofes und der Schutzrefugien muss zur Idee gemeinschaftlicher ökosozial-kompatibler Lebensräume insgesamt werden.

Unorte oder Orte, die es nicht geben dürfte

Eine Konstatierung tierethischer Unorte sollte also nicht allein die großen Agrarunternehmen betreffen, sondern jeder Fall von speziesistischer Tötung und „Haltung“ von Tieren muss vom Grundsatz her in den Blickpunkt gerückt werden und gleichzeitig als Priorität des Handelns für Gerechtigkeit-gegenüber-Tieren betrachtet werden.

Was übrigens ein weiteres begleitendes Problem einer separierenden Fokussierung auf die Agrarindustrien in der Tierrechtsbewegung darstellt: wir übersehen häufig an wie viel verschiedenen Orten und auf wieviel verschiedenen Ebenen Speziesismus stattfindet und wie er sich in seiner allgegenwärtigen Vorkommnis gegenseitig stützt und auf die Weise zu einem schier unumstürzbaren Gebäude im Mensch-Tier-Verhältnis geworden ist.

Es geht darum, diese stabilen Mauern einzureißen, wo immer wir ihnen begegnen; dass wir Tierhass entgegentreten in all seinen unterschiedlichen Formen. Unter Tierrechtler*innen sollte man davon ausgehen können, dass alle sich darüber einig sind, dass Speziesismus eine Realität ist und ein Ausdruck von Ungerechtigkeit gegenüber tierlichem Leben darstellt. Wir kämpfen beispielsweise nicht einfach gegen die Betrachtung von Tieren als „essbar“, weil wir keinen weiteren Grund dahinter vermuten, weshalb man Tiere überhaupt als „essbar“ begann zu töten. Sondern wir gehen davon aus, dass es Menschen sehr wohl bewusst ist, dass sie ein – ungeschriebenes und wenn auch nicht-anthropozentrisches – ethisches Tabu brechen, in dem Moment, indem sie ein anderes Leben gezielt gewaltsam beenden aus Gründen des Eigeninteresses. Würden wir nicht davon ausgehen, hätten wir keine wirkliche eigene Antwort auf unser eigenes Denken und Empfinden als Tierrechtler*innen.

Allein, manche argumentieren, „es sei heute ja nicht mehr nötig und viele Tiere sind ja eben schmerzfähig“ (Sentiozentrismus), was meiner Meinung nach, in dieser Kombination vor allem, eine apologetisch erscheinende Begründung ist. Aber selbst dann gehen wir davon aus, dass es ethisch besser wäre, andere Lebewesen als Subjekte anzuerkennen und sie also nicht in objektifizierender Weise unseren vermeintlichen Interessen zu unterwerfen. Und so stellt sich auch dann weiterhin die Frage nach den Ursachen, weshalb die Mehrheiten menschlicher Gesellschaften diesen Anderen aber ihr Subjektsein kategorisch absprechen oder sie das ganze Problem ethisch-moralisch nicht in speziesübergreifend-sozialer Weise interessiert.

Picken wir uns in der Gegenwart das Thema Agrarindustrien als ethisches Streitfeld heraus, befassen wir uns an diesem Ort mit einem gigantischen Symptom, ein Ort an dem die äußeren speziesistischen Legitimierungen und Normalisierungen zusammenstoßen mit dem tatsächlichen Erleben von Milliarden von Opfern. Und bei jedem dieser Morde an diesen Opfern klaffen die endlos vielen Fragen nach der tieferliegenden Ursache auf, denn es gibt weder für das Opfer noch für die alliierten dieser Opfer eine Antwort auf die Frage dieses „Warum?“. Und genau deshalb müssen wir herausfinden: „Was macht Menschen eigentlich zu Speziesist*innen“?

Wir verstehen es nicht – wir können es nicht erklären, es ist einfach so und es gibt keine plausiblen Gründe für Tiermord aus unserer Sicht. Wir fühlen nicht wie Speziesist*innen. Wir können die oberflächliche, vorgegebene Logik wiedergeben, die ein speziesistischen System uns zur Beantwortung parat hält. Wir benötigen aber eine kritische Analyse, da das System ja eben keine nicht-speziesistische Perspektive auf sein eigenes Handeln aufweisen kann.

In den großen Zentren systematischen Tiermordes finden wir die gleichen Ursachen vor, die auch an den anderen Stellen und in anderen grausamen Formen in unseren anthropozänen Gesellschaften eine die Menschheitsgeschichte begleitende ethische Katastrophe darstellen.

Ich glaube wir können Tierrechte erst dann besser formulieren, wenn wir den grundlegenden Ungerechtigkeiten, die im menschlichen Denken/Handeln im Speziesismus ihren Ausdruck finden, einen Namen geben können. Es reicht dabei aber nicht, die Agrarindustrien unserer Massengesellschaften über die Schwerpunktsetzungen auf die Problemkomplexe ökologischer Schäden, nachhaltiger Nahrungsmittelerzeugung und besserer Wirtschafsformen als Aufhänger zu kritisieren, sondern es geht in der Tat um das schiere Thema Speziesismus. (An diesen Orten bündeln sich die Themen, aber im Prinzip bündeln sich die gleichen Themen überall, wo es um die Effekte geht, die „der Mensch“ auf seine Umwelt und ihre nichtmenschlichen tierlichen Bewohner hat.)

Man bedenke: Speziesismus wird in mehrheitlich speziesistischen Gesellschaften bewusst ausgeblendet und verharmlosend kleingeredet. Und Speziesismus findet gleichzeitig überall da statt, wo der anthropozäne durchschnittliche Gegenwartsmensch dominiert. Sei es in seinem verzehrendem Konsumverhalten. Sei es in seinen Sichtweisen, die er vertritt und mit denen er unsere/seine Gesellschaften mitprägt. Es braucht eine grundsätzliche Aufklärung, Thematisierung, Infragestellung von Speziesismus, um alle Problemkomplexe mitzunehmen, die Orte speziesistischer Handlung/Haltung darstellen ( –  was sich aber gegenwärtig als weniger populär gestaltet als stereotype Slogans gegen bekannte, festumrissene Feindbilder und einfach benennbare Schuldige rauszuhauen).

Nicht im Blickfeld

Damit das Aktivismusfeld „Tiere verteidigen in Hinsicht auf das Problem Agrarindustrien“ weiter allein als solches thematisiert werden kann, werden viele Bereiche auf unserer Landkarte des Speziesismus oftmals als weniger wichtig ausgeblendet – obgleich die Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Brennpunkten die Eigenschaften des Problems und seine Systemimmanenz in der Gesellschaft verdeutlichen:

  • Tiere auf kleinen Bauernhöfen (ich meine hier offensichtlich keine Lebenshöfe)
  • Einzelne Tiere die getötet werden zu „Verzehr-/Verwendungszwecken“
  • Jagd, Jäger, die Idee der Jagd als historisch das „Menschsein“ konstituierend
  • Tierversuche, Tiere als objektifizierte „Exemplare“ für Kultur und Forschung
  • Probleme, die wildlebende Tiere betreffen – nichtinvasive, „invasive“ Tiere, Tiere; die in Gatterjagden getötet werden, Tierhaltung „wildlebender“ Tierarten, Tiere in Zirkussen, Tiere in Zoos, Nachtzucht zu Artenschutzzwecken
  • Der Raub von Lebensraum (Natur als Menschendomäne)
  • Das Slippery-Slope „domestizierte-“/„wildlebende Tierart“
  • Probleme anderer „domestizierter“ Tiere: Esel, Pferde
  • Untypische Tierarten, die für menschliche Zwecke objektifiziert und getötet werden, z.B. Strauße, Oktopus, Pfeilschwanzkrebse …
  • Eingriffe in die Leben von Tieren, die Menschen als biologisch fern betrachten, Insekten, Wirbellose
  • Tiere, denen nur aus Biodiversitätgründen oder zu Zwecken der Bedienung menschlicher Eigeninteressen Lebensraum zugestanden wird
  • Speziesismus in menschlich kulturschaffenden/-konsumierenden Bereichen, Kunst und Speziesismus
  • Speziesismus als Denkgebäude in Geschichte, Religion, Naturwissenschaften …
  • Euthanasie als Normalität statt palliativer Hilfe, veterinärmedizinischer Ethos
  • Speziesismus und menschliche Rituale
  • Bestialität, Verstümmelungen, Spektakel, Gewaltorgien
  • Diskriminierende „Tierfreunde“, „milder“ Speziesismus …

Veganismus wird in dem Zuge (gleichermaßen wir bei seiner eigenen Verengung „vegan gleich Essen/Konsumgüter“, „Tieren helfen gleich vegane Kochrezepte, gleich Essensthemen/Konsumverhalten“) auch auf einen Ausdruck des gesellschaftlichen Speziesismus hin verengt. So kommt es zu Aufrechnungen von z.B. Pferdeleben, Giraffenleben, Hunde- und Katzenleben mit den Tierleben, die in den großen agrarindustriellen Betrieben „gehalten“ und getötet werden. Wobei ein beachtlicher Teil der Veganismus-Bewegung im Bezug auf die großen „Tierindustrien“, eine entscheidende Rolle darin einnimmt, den Blickpunkt auf die totale Entfremdung dieser Orte zu richten und dabei eine imaginierte Zukunft für die Tiere anzuvisieren. Es geht dann nicht nur um die Frage des Konsums mit der Lösung „Veganismus“ als Endpunkt, sondern es geht implizit immer auch um die weitere Hintergründe und Fragen, die gestellt werden müssen. Wobei Veganismus als Idee eine praktische grundsätzliche Lebensweise beschreibt, die alle oben genannten Probleme mit umfassen kann. Jedoch ist der Veganismus „nur“ ein praktischer Teilaspekt antispeziesistischen Handelns. Es gibt genügend Veganer*innen, die vegan sind, aber keine ausgeprägten Antispeziesist*innen sind.

Wenn man sich eine weitete wichtige Schnittmenge von Tierrechtsaktivismus in Form der unzähligen gestellten Petitionen im Internet für Tiere anschaut, die einen Teil sehr offensiver Fälle des Alltagsspeziesismus sichtbar machen, dann wird einem klar, dass es nicht reicht isoliert über die Industrien zu sprechen, die Tiere objektifizieren und töten. Speziesismus übersteigt die Dimension eines Systems. Wir müssen das Thema als Ganzes fassen können.

Für viele Menschen sind die Tierindustrien heute eher ein Problem dessen, was diese im Zuge ihres zerstörerischen Handelns mitverursachen. Die Tierindustrien sind aber in erster Linie die Unorte, an denen Tierleben grausamst genommen werden. Und in diesem Kontext sollten wir sie auch verstehen. Die Dissonanzen zwischen Tierrechten und Umweltschutz, und die Mängel, die ich aus Tierrechtssicht in der Umweltschutzbewegung wie sie heute besteht moniere, habe ich kürzlich hier notiert: https://simorgh.de/about/tierrechte-und-umweltschutz/

Was man versuchen kann, um Menschen für das Thema Speziesismus zu sensibilisieren:

  • Verdeutlichen, dass man einen genuinen eigenen Standpunkt bezieht und nicht nur die Slogans und Ideen anderer trendgemäß nachplappert
  • Verdeutlichen können, dass ethische Einstellungen Fragen der Haltungen sind, die jemand bewusst bezieht. Was im Umkehrschluss auch heißt, man muss andere nicht versuchen zu überzeugen, sondern man vertritt seine eigene Haltung, die sich mit der eines anderen sinnvoll ergänzen kann.
  • Bloggen, netzwerken, kommunikativ oder/und im Alleingang tätig sein gegen Speziesismus; Kunst, Musik, kreatives Schreiben in dem man Gedanken, Beobachtungen und Meinungen Ausdruck verleiht.
  • Nicht immer irgendwelchen tollen Vordenker*innen folgen, sondern selbst auch Output generieren, um damit im gleichen Zuge eine Vielfalt an Outputs anderer mit anzuregen.
  • Grenzen ziehen, wenn andere ein Wirrwarr zwischen speziesistischen und antispeziesistischen Inhalten generieren wollen, nicht einfach darüber hinwegsehen sondern Haltungen des Gegenübers weiter analysieren um sie klarer lokalisieren zu können. Speziesismus arbeitet oft indem er verwässernd und zersetzend auf antispeziesistische Inhalte wirken will, es ist somit immer wichtig das eigene Ziel nicht aus den Augen zu verlieren.
  • Eigenkreativität und kontextualisierender sozialer Verbundenheit Bedeutung beimessen. Zum Thema Radical-Selfcare als Tierrechtler*in hat Anastasia Yarbrough einen sehr hilfreichen Text verfasst: https://simorgh.de/about/tag/anastasia-yarbrough/
  • Aph und Syl Ko, sowie auch Breeze Harper und andere Autor*innen und Kreative, die wir auch auf diesen Seiten featuren, haben inspirierende Ansätze entwickelt zu recht differenzierten Möglichkeiten, wie wir Tierthemen und Themen, die sich an Tierthemen angliedern, thematisieren können.
  • Speziesistischen Terminologien versuchen aufzuschlüsseln, z.B. der Gebrauch von Begriffen wie „Tierwohl“ und „Artgerecht“, https://simorgh.de/about/informierter-und-uninformierter-speziesismus/
  • Weitere Tipps: https://simorgh.de/about/was-ist-effektiver-aktivismus/

Bild: Farangis G. Yegane, Text: Gita Yegane Arani

Tierrechte und Umweltschutz

Das Anthropozän ist das Zeitalter der Theriozide/Zoozide und des Ökozids: Die Lebensgeschichten von Tieren sind durch die menschliche Psychologie des Bedürfnisses speziesistischer Erniedrigung gekennzeichnet. Umweltschützende blenden Tierschicksale aus und somit auch den Großteil menschlicher Destruktivität.

Umweltschutz und Tierrechte

Trennlinien, die zwischen Tieren und Umwelt gezogen werden

Gita Yegane Arani

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Umweltschutzbewegungen sind aktuell meiner Meinung nach recht entseelt-humanzentrische Veranstaltungen und auch progressiv anmutende Kampagnen zum Schutz von Biodiversität und gegen das Artensterben sind wenig tangiert von der faktischen tagtäglichen Ungerechtigkeit gegenüber der Tierwelt und dem Tierindividuum insgesamt.

Wie erklärt sich die Vermeidung konsequent tierethischer [1] Fragen in großen Teilen der heutigen Umweltbewegung, warum werden Tierschicksale nicht in der Art mit in die Umweltthematik eingeblendet, dass damit eine unabdingbare Verknüpfung mit Tierrechtsfragen einhergehen würde?

Tierfragen werden gegenwärtig zumeist nur insoweit als relevant mit einbezogen, insofern a.) tierliche Existenz vom Menschen dahingehend manipuliert wurde, dass sie als umweltschädigend eingestuft werden kann oder aber b.) insofern man wildlebende Tierarten als Bestand einer ökologischen Gemeinschaft erhalten will.

Tierfragen denen man im Umweltschutz vorwiegend begegnet sind:

  • Schäden als Resultat industrialisierter „Tierhaltung“/Massentierhaltung zählen als Dringlichkeitsfaktor zum veränderten Handeln
  • Tierschicksale sind wenn nur von „emotionalem“ Belang, bleiben anekdotisch und es ergeben sich keine Konsequenzen in Richtung Tierrechten daraus
  • Einheimische Tierarten sind schützenswert in ihren Funktionen und ihrem Dasein, während invasive Spezies vernichtet werden dürfen [2]
  • Tierarten sollen nachgezüchtet werden (captive breeding programs / Erhaltungszucht) unter Bedingungen der Gefangenschaft in Zoos, zum Erhalt der Gattung
  • Jagdquoten sind erlaubt, Jagd wird als „naturnahes“ Menschsein begriffen
  • Tiere als Ressourcen für ökologische Produkte

Tiere jenseits ihrer Zugehörigkeit zu diesen Lagern (Farmtiere die umweltschädigend sind und wildlebende Tiere, die in ihren ökologisch angestammten Habitaten erscheinen und funktionieren sollen), denen sie hauptsächlich zugeordnet werden, spielen wegen ihrer Selbst keine wirkliche Rolle (wobei es ebenso immer noch auffallend viele vegan Lebende und selbst Tierrechtler*innen gibt, die Tiere eher als Spezies subsumieren, und die Tiere als einzelne Lebewesen mit ihren eigenen Geschichten nicht konsequent priorisieren wollen).

Aber wie soll man sich auch mit dem tierlichen Gegenüber befassen, wenn selbst die Natur, d.h. die Natur in all ihren feinen Zusammenhängen und lebendigen Komponenten, entseelt betrachtet wird – wenn auch vom Menschen „geliebt“ weil schönes und nützliches Fundament unseres biologischen Seins. Die Art, wie der Gegenwartsmensch Natur betrachtet, leitet sich in der Regel aus seinem naturwissenschaftlich dominierten Weltbild her.

Die Naturwissenschaft ist, wenn man sie als Erklärungsmodell für Leben anwendet, aber entseelend. Das Leben erklärt sich über die Zusammensetzung einzelner, zergliederbarer Bausteine und bleibt dabei nicht intakt [3]. Die Naturwissenschaft müsste in ihrer Auseinandersetzung und Berührung mit Leben und Lebensbereichen erst über den Umweg der Geistes- und Sozialwissenschaft wieder seelenrelevante Ansatzpunkte im Bezug auf ihren Gegenstand erhalten. Doch „Geist“ und „Gesellschaft“ sind der Wirkkreis menschlicher Eigendefinition, und die Natur und die Tierwelt treten dort bislang noch in erster Linie hinsichtlich anthropozentrischer Eigeninteressensfragen und immer noch aus der Perspektive naturwissenschaftlich geleiteter Erklärungsmodelle auf. [4]

Die einzige Alternative wäre vielleicht nur noch eine religiöse oder spirituelle Sicht auf die Gesamtumwelt der Menschen, die sich aber als wenig tauglich erweist um aus ihren eigenen anthropozentrischen Überlieferungen und Dogmen herauszutreten. Historisch überliefert ist genau der geistige Kanon, aus dem die Gegenwart sich abgeleitet hat und fragwürdige Sichtweisen von damals sind immer noch wiege etlicher fragwürdiger Sichtweisen von heute. Ein kultureller Bruch hat geistesgeschichtlich in Hinsicht auf anthropozentrisch geprägte Mensch-Tier-Natur-Verhältnisse noch nicht stattgefunden. [5]

Der Mensch ist kein unumstößlicher Mittelpunkt „seiner Umwelt“

Warum schafft die Umweltbewegung keine echte Bezugnahme auf die Natur als lebendige Mitwelt und Welt, die neue umweltethische Erkenntnistheorien benötigt und nicht allein naturwissenschaftliche Modelle? In der gegenwärtigen Tierrechts- sowie in der Umweltbewegung kann man interessanterweise beobachten, dass für ein Neudenken gekämpft wird, ohne dass über den Gegenstand insofern neu gedacht würde, dass man sich aus übernommenen unemanzipativen definitorischen Fesseln des Anthropozentrismus herausbewegen würde (man muss sich dazu die konkreten Thematisierungen der Problemkomplexe anschauen, ich führe diesen Punkt hier daher nicht weiter [6]).

Unter Anthropozentrismus verstehe ich nicht, dass man menschliches Dasein in seinen Besonderheiten wahrnehmen kann, sondern der Anthropozentrismus ist ein Problem, weil er gewisse Modelle menschlich-dominanten (und -destruktiven) Verhaltens gegenüber dem nichtmenschlichen Leben als legitim begreift, und Modelle, in denen der Mensch eine pazifistische, andere Haltung und Rolle in seiner Mitwelt einnehmen kann, als undenkbar von der Hand weist.

So können menschliche „zivilisatorische“ Entwicklungen tatsächlich auf natursensiblen Ebenen wachsen und gedeihen, der mehrheitsangepasste Gegenwartsmensch geht aber tendenziell in undifferenzierter Weise davon aus, dass ohne Naturzerstörung und -unterwerfung zivilisatorische Entwicklungen nicht stattfinden konnten oder können.

Daher auch der starke Mythos über die Bedeutung von Jäger- und Sammlerkulturen als Wurzel der Menschheit. Die Unterwerfung der „Natur“ sei unabdingbar für das Überleben der Menschheit gewesen und Grundlage menschlichen Selbst-Bewusstseins. Als wäre das Überleben der Menschheit ein ideologisch festgelegtes Diktum, das um jeden Preis in nur einer erdenkbaren Form geschehen musste, und aus dem heraus sich auch ableiten lässt, dass alles legitim als Mittel zum Zweck unterworfen werden kann, wenn es doch dem menschlichen Überleben und Fortschritt dient.

Das interessante dabei ist, man sieht das „Menschsein“ als solch eine homogene geistige Verfassung, in der keinerlei andere kulturellen und individuellen Lebensvorstellungen vorkommen könnten. Zu jeder Zeit wird es menschliche Auffassungen gegeben haben, die von Gewalt gegenüber ihrer Mitwelt Abstand genommen haben oder nehmen wollten – dies lässt sich meiner Meinung nach zumindest nicht vernünftigermaßen Ausschließen [7].

Das menschliche Selbstverständnis spielt eine wesentliche Rolle, wenn wir etwas an den Einstellungen unserer Mitmenschen gegenüber der gemeinsamen Mitwelt verändern wollen

Eine Veränderung in Sachen Umweltschutz betrifft alle Bereiche des heutigen Lebens, wir sind in jeder Weise eingebunden durch unsere schiere körperliche Existenz in Systeme und Mechanismen, die die Welt als Ressource nutzen und verwalten, monetarisieren und zerstören [8]. Wenn wir an dem Punkt verharren von der Politik einzufordern, dass Symptome gemildert werden sollen, ändert dies noch nichts an all den Lebensbereichen, die nicht oder nur bedingt über politische Entscheide regulierbar sind, so zum Beispiel die Dynamik von Märkten und den damit verbundenen Folgen, die sich aus der Nachfrage für „Güter“ ergeben [9].

Umweltschutz, sowie auch Tierrechte, müssen tatsächlich einen gesamtgesellschaftlichen Emanzipierungsprozess beinhalten, das heißt Bewusstsein, Aufmerksamkeit und Wachheit für bedeutsame Fragen müssen entstehen, dort wo bislang Ausblendung und Ignoranz herrschen, und das wachsende Bewusstsein muss in den täglichen gesellschaftlichen Diskurs mit einfließen. Geschieht dies nicht, finden Stagnationen statt, wie derzeit zum Beispiel im Veganismus in der BRD: dort haben wir es zunehmend mit einer Reduzierung auf Etikettierung zu tun, einem Label, statt mit der kritischen Thematisierung von Grausamkeit gegen Tiere, was ursprünglich Haupttreiber der Bewegung war [10].

In der Umweltbewegung lässt sich die Neigung zum Greenwashing häufig kaum mehr von der echten Sache unterscheiden, die natürliche Umwelt wird wegen des mangelnden Grundsatzdiskurses weiterhin als Ressource betrachten und nicht als schützenswerter Raum wegen seiner Selbst [11].

Die nichtmenschliche Welt als Ressource soll uns erhalten bleiben, zu unserem Nutzen und unserer Freude und für unser Überleben (vielleicht als Raum menschlicher Selbstverwirklichung?). Die wildlebenden Tierarten sollen im Gesamtbild unserer Vorstellung biologischer Diversität erhalten bleiben, auch wenn wir sie in Gefangenschaft züchten müssen und wir überschüssige Exemplare wieder gerne zum Abschuss freigeben [12]. Die domestizierten Tiere und deren Problematiken werden nicht als solche verstanden, sie sollen einfach kein umweltbelastender Faktor mehr sein und mehr interessiert daran nicht [13].

Die Kluft, die der Anthropozentrismus zwischen Mensch und nichtmenschlicher Mitwelt schafft, bleibt bestehen, dass nur menschlichen Leben eine besondere Wertschätzung und eine sensible Wahrnehmung zukommen darf – so vom Prinzip her zumindest. Natürlich generiert die wohlmeinende Gesamtgesellschaft auch Abgründe innerhalb ihrer Gemeinschaften, aber man gibt sich zumindest gewisse ethische Ideale als Ziele vor.

Und diese separierende Haltung, die zwischen Mensch und Natur in hierarchischer, wertender Weise scheidet, finden unhinterfragt ebenso in der Umweltbewegung statt. Es ist nicht so, dass automatisch jede*r der*die sich für „die Natur“ oder „die Tiere“ einsetzt auch ein tiefgreifend emanzipatorisches und aufgeklärtes Verhältnis der Sache gegenüber aufweist (das gleiche trifft übrigens auch auf Menschenrechtsbereiche zu). Diese Projektionen finden aber statt, vielleicht in der Hoffnung auf den neuen und aufgeklärteren ‚besseren‘ Menschen.

Da sich die Tierrechtsbewegung (wie bereits oben moniert) bislang auch fast ausschließlich an die biologistische Sichtweise hält, die man insbesondere nichtmenschlichen Tieren zukommen lässt, erhält die Umweltbewegung auch hier keinen wertvollen Impuls um eine emanzipative Herangehensweise in der selbstkritischen Analyse des Mensch-Natur-Nichtmenschen-Verhältnisses zu entwickeln.

Manch einer würde jetzt behaupten, da bliebe dann nur die animistische Sichtweise auf die Welt übrig, um nicht-biologistische Standpunkte auf die Themen einzunehmen, die normalerweise durch eine naturwissenschaftliche Sichtweise bestimmt sind. Das hieße aber geflissentlich den wertvollen Rückgriff auszuschließen auf eigene Erfahrungs- und Beobachtungswerte und die Möglichkeiten diese in kritischen Bezug zu setzen. Die Beobachtungen, die der individuelle Mensch als Subjekt über seine Umwelt und sein Mitleben macht, bleiben bislang beklagenswerter Weise vielfach ungenutzt. Spezifischer:

Wir beobachten Dinge über die Gesellschaft, über uns selbst und andere Menschen, da sind uns keine oder kaum Grenzen gesetzt, im Gegenteil der freie Spielraum subjektiven Erlebens trägt eine besondere Bedeutung … wenn der Mensch sich aber aus eigener Sicht kontextualisiert mit Tieren, mit der Pflanzenwelt, mit dem ganzen nichtmenschlichen Dasein, wie es in der Welt existiert und zu existieren versucht, dann darf der Mensch nicht seiner eigenen unabhängigen Gedankenwelt vertrauen oder diese als Maßstab der Einschätzung oder der Relationssetzung betrachten, sondern er muss immer über den Umweg bestimmter Definitionswege gehen.

  • „die Natur“: die oberste Deutungshoheit für sie trägt die Biologie; die Philosophie in Hinsicht auf spezifische Räume die der Natur angedacht sind, das gleiche gilt für spirituell religiöse Vorstellungen in Hinsicht auf Natur –> eingegrenzte Räume.
  • „die Tiere“: Biologie und das geistesgeschichtlich sehr eng definierte Terrain, dass die überlieferte Menschheitsgeschichte den Tieren zugedacht hat.

Die Leistungen im Eigendenken und der eigenen Beobachtung und Wertung sind nicht nötig. Und das nimmt man hin, und macht sich so zum Komplizen anthropozentrischer Sichtweisen, die je nach Zeitgeist ihre Ausprägungen finden.

Meine Kritik an der gegenwärtigen Umweltschutzbewegung, wie sie sich in ihrem Mainstream vermittelt, würde nach meinen Erwägungen folgendermaßen zusammenfassen:

  • man fokussiert auf eine „den Menschen“ [14] in den Mittelpunkt setzende Zukunft als alleinig prioritär, die Frage nach der Zukunft, geschweige denn der Gegenwart der Tierwelt als Ganzem stellt sich nicht. Es findet keine Erweiterung sozio-ethischer Vorstellungen statt, die Tiere als Handelnde und Akteure öko-sozial mit einbindet
  • bestimmte Aspekte der Umweltzerstörung werden fokussiert und mit Forderungskatalogen politisiert, während die Umweltzerstörung aber ein umgreifender Prozess ist (eine anthropozäne Entwicklung), die CO2-Diskussion allein stellt einen verkürzten Blick dar, verschiedene Belange können und müssen aber zeitgleich Thema sein
  • der*die Bürger*in wird nicht als Schlüssel zur Lösung thematisiert, Lösungen sollen „von oben“ auf parteienpolitischer Ebene von Entscheidungsträgern verordnet werden. Der Lebensstil, den Menschen für sich jeweils praktizieren wollen ist nicht affiziert, solange keine Grundsatzdiskussionen über die Einstellungen von Menschen zur Natur angeregt werden. Das Bild von allem was Nichtmensch auf der Erde ist, sollte andiskutiert werden, damit ein Nachdenken und eine Auseinandersetzung als gesellschaftlich Relevant erkannt werden kann
  • die Protestbewegungen agieren choreographiert und fördern in dem Zuge wenig individuellen Gedankenaustausch, der wiederum eine Basis zur Bewusstseinsbildung in innergesellschaftlichen Mikrodiskursen fördern würde
  • kleine spezialisierte Initiativen werden oft nicht als wichtiger pluralistischer Baustein erkannt
  • in einer Gesellschaft, die sich vom Expertentum abhängig gemacht hat, benötigen wir konkrete Forderungen nach Fächern wie Umweltethik an mehr Unis und auch an Schulen z.B., Fächer dieser Art müssten offen wachsen können durch einen lebendigen und kritischen Diskurs in Hinsicht Mensch-Umwelt-Beziehung. Es benötigt eines weitreichend formulierten Forderungskatalogs um Diskussionen und Bewusstsein anzustoßen
  • die völlige und alleinige Autorisierung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse zum Thema „Umwelt“ begrenzt die Diskussion über „Umwelt/-zerstörung“: Gesellschaftliche, geistige, politische, wirtschaftliche Hemmnisse erledigen sich nicht automatisch aus einer Erkenntnis über die Entwicklungen des Klimawandels. Der Mensch nimmt Umweltzerstörung in Kauf, wie wir im Großen und Ganzen beobachten können. Nun eine punktuelle Wende zu vollziehen, weil die eigene, menschliche Zukunft durch die Umweltzerstörung auf dem Spiel steht, ist kein Hinauswachsen über den alten Anthropozentrismus. Man schützt die Natur dann um sich selbst letztendlich zu helfen. Ein Slippery-Slope und kein emanzipativer Prozess.
  • die Höherbewertung von konzertierter Medienwirksamkeit gegenüber weniger zentralistisch funktionierenden Kommunikationskanälen. Die höhere Wertbeimessung des Austauschs mit gesellschaftlichen Eliten, statt auf Bürgerebene Auseinandersetzung und Dialog als Möglichkeit gesellschaftlicher Evolution zu nutzen
  • Zoonosen wurden trotz Corona-Pandemie nur begrenzt in den Umweltbewegungen als Umweltproblem thematisiert, manche Umweltakteure beleuchteten die Problematik, aber die Bewegung insgesamt hat die Brücke, die hier themenübergreifend sichtbar wurde, nicht als Chance dazu betrachtet, die Umwelt auch als Lebensort der Tierwelt zu reklamieren und den gemeinsamen Schutz beider zu betonen
  • Selbst wenn es vermeintlich um Tiere (und sogar Veganismus) geht, geht es wieder um den ökologischen Aspekt ohne sich intensiviert mit Tierthemen selbst zu befassen, ein recht auffälliges Beispiel sind ‚Animal Rebellion‘, man geht davon aus, dass damit alle Tiere gemeint sind, es geht aber darum, dass die ‚landwirtschaftliche Tierhaltung‘ einen negativen Effekt auf die Umwelt hat, würde man ein einzelnes, individuelles Tier zum Verzehr töten, wäre das ein unbehandeltes und unklares Thema … und ganz naheliegend „Extinction Rebellion“, dort geht es darum wildlebende Tierarten zum Erhalt von Biodiversität zu schützen. Tiere als individuelle Subjekte bleiben, trotz allem Anspruch auf Schutz, marginalisiert im eigenen Raum. Die Folgen verschiedener Speziesismen für verschiedene Tiergruppen scheinen nicht existent, wenn der Fokus auf ökologische Fragen gerichtet sind

Ich vermisse die Feinteiligkeit in der Umweltbewegung und die Enttechnokratisierung in der erklärenden Definition vom Gesamtphänomen „Umweltzerstörung“ durch den Menschen. Umwelt und Umweltschutz sind keine allein technisch zu beantwortenden Fragen. Und es ist auch keine Frage des Gehorsams gegenüber wissenschaftlichen Daten und Erkenntnissen; sie sind Teil der Beobachtung der Katastrophe im Ganzen und in Teilen, aber sie ersetzen nicht die jedermann zugänglichen Wahrnehmungsmöglichkeiten von umweltschädlichem Verhalten auf allen nur denkbaren Ebenen. Destruktives Verhalten ist auch dann ein Problem, wenn die Zukunft der Menschheit dadurch nicht tangiert wird. Und das destruktive Verhalten gegenüber der Natur ist kumulierend, indem es sich aus tausend und einer schädlichen Handlungsnorm zusammensetzt.

Technokratischer Umweltschutz

Umweltthemen sind nicht bloß Themen, die aus den Naturwissenschaften heraus analysiert und thematisiert werden können. Die Haltungen von Menschen müssen vom Grundsatz her unter die Lupe genommen werden, die in der Menschheitsgeschichte zu der Einstellung führten, dass Umwelt schlichtweg eine „ausbeutbare Ressource“ sei. Es gibt verschiedene Einstellungen bei Menschen zu ihrer Umwelt, wir sollten uns ‚ökosozioethisch‘ orientiert anschauen, wie es dazu kommt.

Und, es ist nun eine beklagenswerte Tatsache, dass auf eben solch einem technokratischen und naturwissenschaftlichen und wenig soziologischen Boden eine Haltung besteht, Fragen der Tierethik aus der Umweltdebatte feinsäuberlich heraus zu halten.

Man drückt mit dieser Aussparung aus, dass es keine Rolle spielt, dass wir Tiere aus der Natur herausgerissen und in unsere für sie ersonnenen qualvollen Räume forciert haben, und dass die Tierwelt weiterhin von Menschen gemordet und gedemütigt werden darf, solange es in ökologisch nachhaltiger Weise geschieht.

Ungerechtigkeitsfragen in Hinsicht auf die Tierleben als „Erdenkinder“ (als gedankliches Bild oder Metapher), spielen im Umweltschutz keine Rolle. Man trennt zwischen ökologisch essentiellen Symbiosen, einheimischen und ‚nützlichen‘ Tierarten und dem Tier an sich, das eigentlich kein Thema ist, für sich selbst [15].

Warum sollten man Tiere grundsätzlich vor menschlicher Destruktivität schützen und warum soll eine Frage ethischer Verwerflichkeit über die Dominierung tierlichen Lebens für Umweltschützer eine Rolle spielen? Welcher Zusammenhang besteht für Umweltschützer im Konkreten zwischen Tierwelt und „Natur“? Man müsste darüber eine Karte zur Verbildlichung erstellen und man würden sehen, dass das Tier als erlebendes Subjekt auf dieser Karte bislang nicht explizit erscheint. [16]

Tierrechtler*innen selbst verkürzen oft die Fragen der Ungerechtigkeit und geben vor es reiche die „Instinkte“ des Nichtmenschen „artgerecht“ zu bedienen, als wären Animal Bodies von biologischen Determinanten geleitete und von uns Menschen völlig erfassbare und definierbare Leben. [17]

Freiheit und Unrecht spielen doch nur beim Menschen eine Rolle. Oder?

Nun gut, die Natur soll also geschützt werden, der Natur und ihren Bewohnern könne aber kein Unrecht geschehen (im Negativen) und Freiheit (im Positiven) sei nur was, was der Mensch erlebt – solche Vorstellungen findet man in der einen oder anderen Form immer wieder in Geistesgut von Menschen vor – die Natur selbst habe nichts mit „Freiheit“ zu tun – sie sei „geistlos“. „Geist“ (und somit eigentlich „Sinn“) bindet man an das menschliche Dasein und die menschliche Selbstreflektion, und derart Begriffe dienen als Messers Schneide zwischen Mensch und dem irdischen Rest.

Der Mensch will diese „geistlose“ Materie aber atmen, und er will, dass gewisse Tiere in Freiheit die Natur mitgestalten, Bienen und Käfer, Vögel, Nager, die Tiere auf dem Land, in der Luft und die im Meer … er zieht aber klare Grenzen wem alleine eine Domäne über „Geist“, „Freiheit“ und „Sinnhaftigkeit“ zusteht. Die Natur ist in dem Moment vom Menschen als entseelt und geistlos, und als bloße Materie verstanden worden, in dem er sie zu nutzen und zu instrumentalisieren begann [18].

Tiere stehen in gleicher Weise hinter dieser Grenze von „Geist“ und „Sinn“ (da nicht Mensch) [19], die einen reißen wir aus den Zyklen ihrer selbst gewählten und selbst gestalteten Habitate heraus, die anderen dürfen in einer verwalteten „Wildbahn“ weiterleben, alle werden in den menschlichen Eingrenzungen „im Zaum“ gehalten, wenn auch nicht zuletzt in der geistigen und theoretischen Auseinandersetzung mit ihnen. Man spricht Tieren ein autonomes Bewusstsein ab, und zwingt ihrem Sein unsere Beobachtungsparameter und die Belegbarkeit gewisser Eigenschaften auf, die immer wieder zu dem Schluss führen müssen, dass ihr Verhalten determinierbar sei und sich aus dem Instinkt heraus erklären würde. Die menschlichen Paradigmen über das Tiersein geben die Definition und das Verständnis von „Tier“ vor (eine Eingrenzung von Freiheit auf definitorischer Ebene, die wir routinemäßig vollziehen).

Umweltschützende beschweren sich teils – ich sage hier bewusst „teils“, denn Ausnahmen sind die Themen: Jagd, Native/Invasive Spezies und Captive Breeding – über die abartige Behandlung wildlebender Tierarten, aber Hühner, Schweine, Rinder … Pferde … alles hat – wenn in nachhaltigen Maße – seinen angestammten Platz in der grundsätzlichen Nutzbarmachung der menschlichen Um- und Mitwelt. Tierliches Eigenerleben, Eigenwert oder Eigenbedeutung zählen für den Menschen doch nicht, wenn sie sich durch den Menschen gegenwärtig nicht fassen lassen. Und da beginnt wieder der Anthropozentrismus.

Wir sollten stattdessen auch akzeptieren können eine pazifistischen und beschützende Einstellung gegenüber dem Leben in der Welt einzunehmen, dass wir vielleicht nicht nach uns bekannten und/oder akzeptierten Schemen fassen können. Es ist manchmal eine feine Gratwanderung, wie ein Mensch sich in der Welt einbringt. Als Freund oder als Egomane und eventuell Zerstörender.

Ich verstehe es nicht und es ist der Punkt, der mich an der Umweltbewegung fortwährend irritiert: die Aussparung von Tierschicksalen. Ich brauche keine geschützte Umwelt, in der Tiere geschlachtet und seziert, gedemütigt und verletzt werden. Natur und Tiere gehören zusammen und wir aber autorisieren uns, deren Leben und das Dasein der Natur zu, beides, zu objektifizieren. Wir erkennen keine Wege, Tiere in vernünftiger Weise als Subjekte wahrzunehmen und wir erkennen keine Wege, die Natur nicht als „Mittel zum Zweck“ und als „Ressource“ zum Dienste menschlicher Interessen zu verstehen, sondern als hochkomplexes feines „Allleben“, als ein ökologisches Miteinander, das eigene Intelligenzen manifestiert. Würden wir dieses erkennen, dann würde wir auch in der Lage sein, solch eine Sicht thematisch zu priorisieren.

Ich verstehe nicht, wie man überhaupt den Themenkomplex Umwelt von dem Themenkomplex Mensch-Tier-Beziehung und Tierwelt trennen kann. Unsere Existenzen stehen in einem Konflikt zueinander, seit der Mensch sich selbst zur Krone der Schöpfung erhoben hat. Wie kann man diesen Teil der Geschichte des Anthropozäns so dermaßen ausblenden aus der Fallanalyse von dem, was die Welt kaputt macht?

Wird Mainstream-Umweltschützenden nicht klar, dass Umweltzerstörung vor allem erstmal eine zugrunde liegende Psychologie aufweist, und dass es ebenso wenig selbstverständlich ist, Natur und Tierleben zu zerstören, wie willkürliche Gewalt gegen Mitmenschen auszuüben? Ökozid und Theriozid sind zerstörerische Herrschaftsansprüche von Menschen über Tiere und Natur.

Die Welt vermüllen: faktisch, gedanklich, materiell, immateriell

Wie wollen Umweltschützende verhindern, dass zu viele andere Menschen wie irre Waren und Güter konsumieren um mithalten zu können bei massenwirksamen Trends, dass die Menschen kein Problem damit haben endlos viel „Müll“ zu produzieren, dass Menschen keine Rücksicht nehmen auf die Naturräume, weil sie an das eigene Fortkommen denken in der Art „wie gehabt“, weil in ihrem individuellen und gesellschaftlichen leben die Natur als Ganzes eben bloß uns zu dienende Materie ist? Sie ist auch dann „dienende Materie“ wenn Menschen die Natur wegen ihrer eigenen Zukunft schützen wollen und genau das als Argument voranstellen, statt darauf aufmerksam zu machen, dass es ja um die Zukunft der Welt selbst geht. Der einzige Unterschied zwischen Normalos und dem klassischen Umweltschützenden besteht darin, dass die Umweltschützenden die Umwelt noch länger intakt halten wollen, damit die Menschheit weiterhin Mensch bleiben kann, so wie sie im Prinzip es schon immer war. Daher würde es ja auch reichen wenn alles „nachhaltig“ und „bio“ wäre – viel mehr gibt es zur Lösung ja eigentlich nicht wirklich zu sagen. Früher war man alles so, dass man es als „nachhaltig“ und „bio“ bezeichnen könnte und es war immer noch gewaltsam, Zerstörung, anthropozentrischer Herrschaftsanspruch, etc.

Den Menschen, der erkennt, dass Umwelt keine Determinante und kein kausalistisch funktionierender intelligenzloser Raum ist (und auch kein Ort nach biblischer Definition), sondern Endzweck als Leben in sich selbst, usw. – mit all den Konsequenzen, die sich aus dieser Erkenntnis ergeben – den wird man bislang in der Allgemeinheit nicht finden.

Anmerkungen:

[1] Der Einfachheit halber gebrauche ich hier den Begriff „Tierethik“ in wortwörtlicher Bedeutung, ohne eine Anlehnung an andere Gebrauchsweisen des Wortes zu berücksichtigen, wie etwa der Begriff in seinen bioethischen Zusammenhängen, u.a. auch in seiner Prägung durch die Verwendung in der Tierversuchsindustrie zum Versuch eigener Legitimierbarkeit oder in seiner Umsetzung wissenschaftlicher Lektüre zum Themenkomplex.

[2] Eine besonders gute Darstellung des Konflikts, der sich an der Frage ‚invasiver Spezies‘ zwischen Tierrechten und Umweltschutz entbrennt, liefert Vasile Stanescu: Das „Judas-Schwein“: Wie wir „invasive Spezies“ unter der Vorgabe des „Naturschutzes“ töten, https://simorgh.de/about/stanescu_judas_schwein/

[3] Auch wenn Ortega y Gasset seinem Speziesismus mit seiner befürwortenden Haltung zu Stierkämpfen unverzeihlichen Ausdruck verlieh, so formuliert er in dieser Textstelle eine interessante Haltung zur „Natur“:  „Wir Menschen haben die Welt in Fächer eingeteilt, denn wir gehören doch zur Spezies der Klassifikatoren. Jedes Fach entspricht einer Wissenschaft, und darin eingeschlossen ist ein Haufen von Wirklichkeitssplittern, die wir im ungeheuren Steinbruch der Mutter Natur aufgeklaubt haben. In Gestalt dieser kleinen Splitterhäufchen, zwischen denen eine – bisweilen kapriziöse – Übereinstimmung besteht, besitzen wir die Trümmer des Lebens. Um zu solchem seelenlosen Besitz zu kommen, mussten wir die ursprüngliche Natur zergliedern, mussten wir sie töten.“ ORTEGA Y GASSET, JOSÉ, Gesammelte Werke in vier Bänden, Band 1, Stuttgart, 1950, S. 40.

[4] Barbara Noske stellt die Zuordnung von Tierthemen ins Biologistische in Frage, indem sie die Situation in der Anthropologie beschreibt. Sie formuliert treffend:

„Biologie und Ethologie sind irgendwie zu den Wissenschaften über die Tierheit geworden. Es ist von diesen Wissenschaften woher die Sozialwissenschaftler (die Wissenschaften über die Menschheit) ihr eigenes Bild von Tieren und Tiersein unkritisch und zum größten Teil unbeabsichtigt beziehen. Tiere sind an biologische und genetische Erklärungen gebunden worden.

Dies hat zu einer „Anti-Tier Reaktion“ unter den Gelehrten in den Humanwissenschaften geführt. Sie erklären geradewegs, dass die Evolutionstheorie der Interpretation von Tieren und tierischer Handlungen genüge tut, aber nicht für Menschen. Fast kaum ein Kritiker biologischen Determinismusses wird fragen, ob Tiere wirklich in engen genetischen und biologischen Begriffen erklärt werden können.“

in die Tierfrage in der Anthropologie, https://simorgh.de/about/noske-die-tierfrage-in-der-anthropologie/

[5] In einem Interview, dass ich mit Kim Socha zu ihrem Buch ‚Animal Liberation and Atheism‘ führte, diskutieren wir die Frage an, inwieweit Religion und Naturwissenschaften miteinander verknüpft sind – zumindest in ihrer, wenn auch sich unterschiedlich ausdrückenden, anthropozentrischen Haltung gegenüber den nichtmenschlichen Welt, https://simorgh.de/about/drei-fragen-an-kim-socha-ueber-tierrechte-und-atheismus/

[6] Das individuierte und das ganzheitliche Leben der „Natur“ selbst sind nicht der Grund sie zu schützen, sondern Grund zum Schutz ist immer die Bedeutung der Natur für den Menschen. Es kann sein, dass Menschen unter Umständen gar nicht wissen, wie sie anders über „Natur“ sprechen können. In Dichtung und Roman kann das funktionieren, aber leider noch nicht in der Argumentationsbasis für den Umweltschutz. Die diffuse „Liebe zur Natur“ ist eine wahre Fundgrube über Unterschiedlichkeiten in den Auffassungen über das eigene Menschsein in der Welt. Es muss aber noch Wege geben, Natur und tierliche Mitwelt zu achten, wertzuschätzen und schützen zu wollen, als großen menschlich-ethischem Anspruch.

[7] Vita Activa von Hannah Arendt ist ein wahre Bibel über das Verhältnis Mensch – Umwelt – wenn auch leider Arendt sich niemals wirklich mit der Tierfrage auseinandergesetzt hat. Es wundert mich, warum die Umweltbewegung Arendts Ideen und Beobachtungen niemals breitenwirksam aufgegriffen hat. Interessante Fragen zum Mensch – Naturverhältnis thematisiert Arendt auch in:

ARENDT, HANNAH, Denktagebuch 1959 – 1973, Erster Band, München, 2002.

‘Solidarität: Alle Solidaritätsbegriffe tragen noch deutliche Spuren der ersten und ursprünglichsten Solidarität aller Menschen (also des Menschen) gegen die Natur. Solche Solidarität von Einem gegen alles Andere ist aber unter Menschen nie erlaubt. Es gibt keine unbedingte Solidarität. Das “wir sitzen alle in einem Boot” ist ein Beispiel der falschen, verabsolutierenden Solidarität.

Der Gruppenbegriff mitsamt seiner Bezogenheit auf die Teil-Ganzes-Kategorie stammt aus der Solidarität des Menschen gegen die Natur.’ (S. 127)

‘ […] Das Element der Zerstörung in allem Herstellen: Der Baum wird zersört, um Holz zu werden. Nur Holz, aber nicht der Baum, ist Materie. Materie also ist gerade schon ein Produkt des Menschen, Materie ist zerstörte Natur. “The human artifice” […] entsteht, indem der Mensch lebendige Natur so behandelt, als sei ihm das Material gegeben, d.h. indem er sie als Natur zerstört. Das Holz ist der Tod des Baumes. […]

So wie Gott den Menschen geschaffen hat, aber nicht die Menschen und sicher nicht Völker, so hat Gott die Natur geschaffen, aber nicht die Materie. […]’ (S.61)

[8] Die harschen Zerstörungsmechanismen die wir beobachten, können in ihren Dimensionen am ehesten mit dem inzwischen verwendeten Begriffs des Ökozids bezeichnet werden. Für die globale Problematik menschlich destruktiven Verhaltens an der Tierwelt müsste es definitiv einen vergleichbaren Ausdruck geben. Ich selbst verwende den Begriff Zoozid. Der Professor für Green Criminology Piers Beirne prägte den Begriff des Theriozids als allgemeine Bezeichnung menschlichen Tötens von nichtmenschlichen Tieren. Gleich wie, ein Begriff ist nötig und es fragt sich, warum von Tierrechtsseite her sich bislang noch kein zusammenfassendes Wort für die Gräueltaten an Tieren gefunden hat, bei aller Erkenntnis über die ethische Katastrophe, und, es fragt sich ebenso, warum Umweltschützende diese Dimension von Zerstörung bislang nicht mit einbeziehen konnten, allein von die Symbiose Tier-Natur entscheidend für das irdische Dasein ist und wo auch das Tier in der Farm oder im Labor erst durch uns in diese Situation gebracht wurde.

[9] Ideen und Praxis alternativer Lebensweisen müssen Graswurzelartig umgesetzt werden. Parteienpolitik wird sich von etablierten wirtschaftlichen Mechanismen kaum unabhängig machen können, und daher in gehabter Form „Wohlstand“ und „Fortschritt“ versprechen, der schwieriger radikal veränderbar sein kann als eine Veränderung durch gegenseitige Aufklärung herbeizuführen ist.

[10] In den ersten Vegan News aus dem Jahre 1944 schreibt Donald Watson zur Gründung der veganen Bewegung: „Deutlich erkennen wir, dass unsere Gegenwartszivilisation sich auf der Ausbeutung von Tieren errichtet, so wie vergangene Zivilisationen auf der Ausbeutung von Sklaven aufbauten. Wir glauben, dass das geistige Schicksal des Menschen so verlaufen wird, dass die Menschheit in der Zukunft mit Abscheu daran denken wird, dass sie sich einstmals von Produkten aus Tierkörpern ernährte.“ https://simorgh.de/about/vegan-news-no-1/

[11] Steven Bartlett beschreibt humanzentrische Haltungen im Bezug auf die natürliche Um- und Mitwelt als gleichzeitige Ursache für Fremd- und Selbstzerstörung. Er erwähnt in diesem Zusammenhang folgenden meiner Meinung nach ‚in-between‘ Standpunkt eines Biologen auf den Umweltschutz:

„Einer der wenigen Ökologen die mutig oder idealistisch genug waren für diesen Grad an Spezies-Selbstlosigkeit einzutreten, ist der Biologe Dan Janzen gewesen, der an der Erhaltung der Diversität von Spezies in der Guanacaste Conservation Area in Costa Rica arbeitete […] Janzen war einer der wenigen, die die Wichtigkeit des Überlebens einer Spezies nicht mit deren Vorteilen für die Menschen verband, in ähnlicher Weise wie Christopher Stones Respekt für die legalen Rechte natürlicher Objekte in der Umwelt unabhängig von menschlichen Interessen, Vorteilen und Profiten. Janzen sagte, „ja, man will diesen Wald retten, weil man vielleicht einen neuen Wirkstoff oder eine neue Art der Schädlingsbekämpfung finden könnte oder um Touristen anzuziehen, aber keiner dieser Gründe (sic) ist der Grund, dies als wildes Land beibehalten zu wollen. Für mich gibt es nur ein Ziel: dass diese Biodiversität überlebt.“ https://simorgh.de/animallaw/bartlett_33-67.pdf

[12] Themen, die hiermit im Zusammenhang stehen sind: Canned Hunting / Gatterjagd, Jagdquoten weltweit, in Deutschland die Situation der Wölfe z.B.: https://simorgh.de/about/woelfe-und-tierrechte/

[13] Tiere und ihre Schicksale in der subjektiven Wahrnehmung ‚zwischen Subjekten‘ zu thematisieren ist ein wichtiger Weg in der neuen Entdeckung der Bedeutsamkeit von seelensprachlicher, emotiver Auseinandersetzung mit Tieren und ihren Erlebnissen. Das Projekt ‚Faunary Press‘ von Marie Houser befasst sich mit dieser Perspektive: https://simorgh.de/about/houser-erzaehlliteratur-ist-aktivismus/

[14] Syl Ko setzt sich mit „dem Menschen“ auseinander als einem Konstrukt, das einem ausschließenden vermeintlichen Idealbild dient, dem alle Menschen, die nicht dem einen Idealbild vom „Menschen“ entsprechen, und alle Nichtmenschen, als minderwertig gegenübergestellt wurden, https://simorgh.de/about/ein-interview-mit-syl-ko/

[15] Die Trennung zwischen ökologisch essentiellen Symbiosen, einheimischen und ‚nützlichen‘ Tierarten und dem Tier an sich, das eigentlich kein Thema ist, für sich selbst, hat Karen Davis beschrieben in ‚Wie ein Huhn zu denken: Farmtiere und die feminine Verbindung‘ https://simorgh.de/tierautonomie/JG2_2015_1.pdf

[16] Barbara Noske hat kritische Beobachtungen über Trennungen zwischen der Tierrechts- und der Umweltbewegung gemacht https://simorgh.de/noske/noske_22-33.pdf, während beispielsweise Anthony Nocella Verbindungen zwischen den radikalen Ausprägungen beider Bewegungen beobachtet hat https://simorgh.de/about/wp-content/uploads/2014/11/kritische_tierstudien.pdf

[17] Immer wieder scheint die Rhetorik vieler Tierrechtler*innen sich nach humanzentrischen Erklärungsmodellen zu richten, statt eine eigene Terminologie zu entwickeln. Man biegt sich nach eingrenzenden Definitionen des tierlichen Gegenübers statt der eigenen neuen Erkenntnis, Beobachtung und Beurteilung neuen Raum zu schaffen. Eine Befreiung soll stattfinden, aber nicht in der grundsätzlichen Auffassung über die Mensch/Tier-Identitäten, https://www.simorgh.de/objects/what-is-an-animal/

[18] Die Welt des Pantheismus beispielsweise, die eine beseelte Sichtweise der Natur und all ihrer Mitlebewesen offenlegt, kann eigentlich nur in arbiträrer Weise einem alleinigen Schöpfergott zugewiesen werden. Das Eigenschöpferische von Welt und Sein in der Welt konnte im mystischen Denken niemals ganz bedeutungslos erscheinen.

[19] In der Tat ist es zum einen nicht so ganz klar, wie die Einstellung gegenüber Bedeutung/Sinn und „Mensch“ und „Tier“ immer wirklich gelegen hat, dazu sollte insbesondere über die Auseinandersetzung mit Tiermythologien einen Blick auf teilweise sehr anders geartete Sichtweise auf Tiere zulassen. Ich habe u.a. diese zwei kurzen Versuche unternommen https://simorgh.de/niceswine/mythologien-und-folklore-kroenleinnattern-und-basilisken ; https://simorgh.de/about/fragment-ueber-insektenmythologien/ aus Mythologie zu lernen. Besonders die Sprache wird als trennendes Merkmal zwischen den Identitäten verstanden, dabei wäre aber zu fragen, was wir als Sprache verstehen und unter welchen Gesichtspunkten wir Kommunikation als Sprache anerkennen, mein Fragment über eine grundsätzlichen Infragestellung dazu https://www.simorgh.de/objects/thoughts-about-animal-languages/.

 

Biologisierung-Rassifizierung

Rückgriffe auf Verhaltensbiologie > statt Infragestellung definitorischer Rahmen zum Verständnis von Tierlichkeit > ist Teil der Biologisierung und somit auch der Rassifizierung von Tierlichkeit

A recourse to ethology > instead of challenging the existent definitory frameworks that seek to explain animality > is part of the biologization and the racialization of animality
Antispeciesist Animal Sociology

Speziesismen aufrechnen

Warum sollte man Speziesismus, der sich gegen bestimmte Gruppen von Tieren richtet, aufrechnen mit Speziesismen, die sich gegen eine andere Gruppe von Tieren richten?

Beispiele: Pferde > klassische „Farmtiere“ – „Zootiere“ > wildlebende Tierarten > „Farmtiere“ – verschiedene Spezies sind häufig mit unterschiedlichen Speziesismen konfrontiert. Es hat keinen Sinn, die eine Form von Speziesismus mit der anderen zu verrechnen, in der Hoffnung, man würde Menschen dadurch sensibilisieren: Alle nichtmenschlichen Tiere leiden unter Formen von Speziesismus.

Antispeciesist Animal Sociology

> Der Speziesismus, die Speziesismen

Speziesistische Herabsetzung: Schimpfwörter


„Sau“ und „Schwein“ werden als Schimpfwörter verwendet, weil menschlichen Mehrheiten die Nichtmenschen, die sie so benannt haben, fortwährend herabsetzen, und weil diese Tiere durch ihre intentionierte Verletzung und Tötung als uneinschränkbar vogelfrei gelten.
Antispeciest Animal Sociology

Gertrud Kolmar: Tierträume


Gertrud Kolmar

Eine faszinierende Sprache. Im Kontext mit unserem Interesse an “Erzälliteratur, Dichtung und Tierrechten” haben wir die Gedichte: Tierträume von G. Kolmar entdeckt und wollen daraus einige gerne den Leser_innen, die noch nicht mit G. Komlar vertraut sind, vorstellen. In diesem Zusammenhang empfehlen wir unbedingt auch sich diesen Blogeintrag anzusehen: A. Marie Houser: Literaturkörper: Erzählliteratur ist Aktivismus.

Aus: Getrud Kolmar – Tierträume. Quelle: LiteraTisch.de. Eine sehr empfehlenswerte Seite, die sich mit den im Nazi-Regime verbotenen Schriftsteller_innen befasst und ihrer gedenkt.

Trauerspiel

Der Tiger schreitet seine Tagereise
Viel Meilen fort.
Zuweilen gegen Abend nimmt er Speise
Am fremden Ort.

Die Eisenstäbe: alles, was dahinter
Vergeht und säumt,
Ist Schrei und Stich und frostig fahler Winter
Und nur geträumt.

Er gleitet heim: und mußte längst verlernen,
Wie Heimat sprach.
Der Käfig stutzt und wittert sein Entfernen
Und hetzt ihm nach.

Er flackert heller aus dem blinden Schmerze,
Den er nicht nennt,
Nur eine goldne rußgestreifte Kerze,
Die glitzernd sich zu Tode brennt.

Der Drache

So will ich liegen – da die Hand mir schweigt,
Da sich die volle Schale zu mir neigt,
Ein einz’ger Tropfen aus der Schale fällt,
Doch mit dem Tropfen die gekrönte Welt
Der Stille.

Es schwillt, es bildet sich und nimmt Gestalt.
Das Auge leuchtet tausend Jahre alt,
Und nun ihm brauner Fetzenflügel wächst,
Der Glanzschweif sich um Sternenespe hext,
Erkenn’ ich’s.

Schon kriecht es duckig, erzgeschuppt die Haut,
Den Klumpfuß meinem Teppich eingeklaut;
Aus seiner Pferdenüster, rundgebläht,
Tanzt Flammensense auf, die Träume mäht
In Schwaden.

Mit seinem Maule zückt es manches Wort,
Und wenn es redet, heb’ den Kopf ich fort;
Denn was es weiß, ist alles seltsam wahr,
Ist, wie der Mond von totem Froste, klar
Und scheinend.

»Sie haben aus den Höhlen mich gebannt,
Sie haben mit den Büchern mich verbrannt,
In finstren Napf gestellt ihr weißes Licht;
Es steigt an meiner Glut und will mich nicht
Erschlagen.«

»Und bin ich dienstbar nicht wie Stuhl und Tisch
Und minder selbst als Fittichtier und Fisch,
Doch bin ich Kap, daran dein Schoner birst
Und das du leugnest, bis du scheitern wirst
In Stürmen.«

»Du nennst die Inseln: Tod, Unsterblichkeit.
Hörst du das Leben, das aus Steinen schreit ?
Siehst du die Zuckungen des Staubgesichts ?
Du glaubst: Hier Gottes Himmel – dort das Nichts.
Ich bin ein Drittes.«

Aquarium

Immer wieder an ein Glas zu stoßen,
Immer wieder sich im Kreis zu drehn,
Statt geschmückt in wunderbaren, großen,
Lebenden Gewässern hinzuwehn.

Immer wieder sich an schalen Happen
Wohlzutun im laulich dumpfen Tang,
Statt mit kleinem, buntem Maul zu schnappen
Grünes Licht und kühlen, frischen Fang.

Immer wieder Härte anzufühlen,
Fahlen Sandes eine dünne Schicht,
Statt dem tiefen Grunde sich zu wühlen
An das braune, wärmende Gesicht.

Immer wieder Strand mit bösen Dingen,
Da das Fischlein krank und kämpfend liegt,
Wenn es heftig, unbedacht im Springen,
Seine karge Heimat überfliegt;

Nur ein rasch gehemmtes Auf und Nieder,
Kurze Blitze, links und rechts geschnellt,
Immer wieder, ach, und immer wieder
Kennt ein Ende diese kleinste Welt!

In den Fernen lagern schwarze Teiche,
Stirbt ein regenbogener Quellenfall,
Führt das weite Strömen seine Leiche
In ein Grab von fliehendem Kristall.

Auch die Fische mögen heimlich träumen,
Was ihr Herz wie Menschenbrust befreit:
Klare blaue Welle und das Schäumen
Süßer Meere der Unendlichkeit.

Der Rosenkäfer

Es ist ein elend Sein, es ist ein Ding der Dinge,
Der Splitter, abgefeilt von Gottes Siegelringe.

Ihr nennt es Junistern, der blauen Tagen gleißt,
Ich nenn’ es Zaubertier, gezeugt im Blumengeist,

Den uns kein Kräutermann noch Wunderarzt verhandelt,
Den höchste Alchimie allein erkennt und wandelt;

Denn dies, der Rose Licht und Blut, davon es zehrt,
Ist, was sich ihm zu grün und braunem Golde kehrt.

Die Rehe

O Frauen, die in Nacht zerrinnen!
O Männer, die an Weisern stehn!
Euch bleibt ein kurzes Sichbesinnen,
Dann müßt ihr wenden und vergehn.
Mag sein, in traurigem Vergeben,
Mag sein, in trotzigem Sichheben:
Ihr sinkt doch waldwärts mit den Rehn.

Die Rehe suchen reinre Pfade
Durch Indischmoos, an Brombeerwand;
Des Waldes lieblichste Ballade
Hegt Vogelnest, spielt Buchenhand,
Doch ihnen wachsen manchmal Träume
Aus Häuptern, kleine braune Bäume
Auf einem braunen Fleckchen Land.

So sanfte Augen. Drinnen dämmert
All ihrer Monde Zug und Hauch.
Ein Quell erklingt. Ein Blauspecht hämmert.
Ein Grünes gilbt am Haselstrauch.
Dann leiden sie Geflock und Winde,
So leiden Mütter still am Kinde,
So leiden sie die Kugel auch.

Sind hingestürzt und tot gefunden
Mit stumm zerbrochenem Gesicht.
Wer löschte achtlos ihre Stunden
Und hütet seine als ein Licht ?
Ist dieses Wesen denn so nichtig,
Nur euer Leben gar so wichtig ?
Ach, wüßtet ihr’s. Ihr wißt es nicht.

Quelle – eine empfehlenswerte Seite:
https://www.literatisch.de/gertrud-kolmar-tiertraeume.html

Links: 30.11.2019

Ein geteilter Raum

Ich lese diesen Kommentar hier vor für Menschen mit Sehbehinderung (MP3)

Ich glaube, dass jeder Mensch nicht weniger mit einem Gegenstand, den er betrachtet, in Zusammenhang zu setzen ist, als mit einem anderen – unabhängig davon, wie sehr, wie viel oder wie wenig er sich mit einer Sache befasst. Menschen setzen sich mit Tieren auseinander, in passiver oder aktiver Weise, konstruktiv, destruktiv, ignorant oder empathisch oder irgend etwas dazwischen. Ich glaube insofern nicht, dass wir gesonderte, segregierte Bereiche für die Belange von Tieren und gleichermaßen für die Mensch Tier-Beziehung benötigen. Ganz im Gegenteil, ich glaube es gilt statt segregierter Räume zu schaffen (> pigeonholes für Tier- und Naturthemen), sinnvollere, kontextualisierende neue Perspektiven zu erlangen.

Mir fällt in diesem Zusammenhang immer wieder auf, wie wenig ein moralisches oder ethisches Bewusstsein sich nur partiell äußern kann. Wenn ein Mensch sich seiner Umwelt gegenüber verantwortlich fühlt, dann ist das in der Regel immer eine Art ganzheitlicher Prozess. Moral und Ethik funktionieren in der Praxis nicht ausschnittsweise, wenn auch in der Theorie.

Es ist schwer sich in diesen Tagen mit eigener Kreativität, eigenen Gedanken und Aktionen in den aktuellen aktivistischen Diskurs, der Tierrechte mit umfasst, mit-einzubringen und nicht nur in gedankliche Chöre mit einzustimmen. Ich denke das ist genau deswegen so, weil ständig gesonderte Räume für den nichtmenschlichen Bereich geschaffen werden. Mein menschlicher Belang, so wie er mich tagtäglich anbetrifft, gliedert faktisch den Alltagsspeziezismus aus, und meine menschliche Subjektivität soll den subjektiven Realitätsebenen der Tierheit nicht begegnen. Weshalb ist es sonst so schwer eine Brücke zu schlagen zwischen meinen menschlichen subjektiven Erlebnissen in dieser Gesellschaft und denen der Tiere und der Diskussion über sie? Segregation, die noch mehr Segregation schafft.

Durch eine Segregierung von subjektiven Räumen findet eine wenn auch theoretisch-ethische Objektifizierung statt (‘ich begegne den Tieren als Subjekten nicht selbst als Subjekt‘). Das Tierthema wird behandelt, es steht aber nicht im unmittelbar gelebten Zusammenhang mit meiner ethischen Alltagspraxis, was meine subjektiven Denk- und Erlebnisstrukturen anbetrifft. Alles, was mein Menschsein betrifft darf ich subjektiv durchstreifen, aber das Tierthema untersteht allgemeiner Definitionshoheit. Wir befragen und überlassen die Diskursräume denen, die sich dazu autorisiert fühlen. Wir wollen auch nicht hören, was Hinz und Kunz dazu zu sagen haben. Aber wenn es um uns Menschen geht, um uns selbst, dann wie bereits gesagt spielt die subjektive Urteilskraft eine ganz zentrale und befähigende Rolle.

Der Aktivismus ist eingeschränkt auf segregierte, getrennte Räume. Manche sprechen von der Problematik der Binäre ( > Mensch versus Natur, etc.). Die Trennungen und Zuordnungen sind aber noch komplizierter als die eines Binärs und sie sind auch nicht durch theoretische Standpunkte und punktuellen Aktionismus alleine zu überwinden, sondern durch eine Auflösung der Konstrukte, die solche Denkweisen überhaupt erst aus sich heraus generieren:

Ein zentrales Beispiel dessen wäre die stetige biologistische Zuordnung von Tierthemen auch unter Tierrechtsaktivist_innen, statt einer Bewusstmachung der Ursachen und möglichen Motivationen für solche kategorischen Zuordnungen auf menschlicher Seite. In der Theorie wird keine Lösung gefunden, weil die vorgefassten Argumentationsstränge teils nicht zur Hand sind, nicht formuliert werden oder teils nicht bis ins allgemeine Bewusstsein von Aktivist_innen vorrücken oder in die Praxis umgesetzt werden.

Wie durchbricht man sozial-geistige Konstrukte, die das Denken von Menschen, auch unser eigenes, beeinflussen? Im mindesten indem man selbstständig beobachtet und kanonisierte kollektive Haltungen kritisch zu hinterfragen bereit ist. Trotz allen eigenen Denkens ist es aber ungleich schwer gegenwärtig in einem allgemein als nicht-subjektiv verstandenen Raum selbst-denkend mitzuwirken.

(Ich glaube wir können “den Menschen” nur ertragen, wenn er nicht selbst denkt. Menschen schließen sich lieber allgemein formulierten Glaubenssätzen mit Teilüberschneidung zu ihrem Denken an, das durch eine Gemeinschaft gefiltert worden ist, als in einer sozialen Welt unverstanden zu bleiben weil sie allein-denkendes Individuum sind. Viele Menschen sind durch kollektivistische Ideale beeinflusst und bestimmt – auch wenn sie es sich selbst oft nicht wirklich eingestehen wollen, weil man hat ja seine eigene Meinung!)

Für mich bleibt eine Fragen offen, und das ist genau die, an der mein Aktivismus und meine eigene Meinung ansetzt, und zwar:

Wie soll unsere theoretische Ethik im Bezug auf die von uns geschaffenen compartmentalized subjects, die wir eben auch im Aktivismus reproduzieren, zu fundamentalen Veränderungen führen? Eine fundamentale Veränderung wäre für mich gegeben, wenn wir Denkstrukturen der Segregation grundsätzlich aufbrechen und im Bezug auf Tiere und die Umwelt hat das Segregierende eine ganz eigene Bedeutsamkeit und Tragweite.

“Segregation” in terms of Nonhumans and Humans implies segregated ethics, segregated subjectivity, segregated attributions, segregated environmental comprehension.

“Segregation” im Bezug auf Nichtmenschen und Menschen beinhaltet eine segregierte Ethik, eine segregierte Subjektivität, segregierte Attribuierungen und ein segregiertes Verständnis der Umwelt.

Text: G. Yegane Arani

Segregative approaches

Question about segregative approaches, such as found in the discussion here https://www.bbc.co.uk/programmes/w3csydct, where conservationist approaches typically stand in conflict with the concepts of animal rights, for a large part by ignoring aspects affecting nonhuman life as a whole.

We come from a radical antispeciesist approach, hence we need to raise a few questions:

Question 1 about the saving biological diversity approach:

  • Are they for captive breeding programs to halt the extinction of some species? If yes, how do they see the problematics of zoos? Do such problematics matter in the discussion about extinction, its causes and how the driving forces behind natural destruction can be addressed?

Question 2 about the saving biological diversity approach:

  • Life is a net, yet equally individual lives are meaningful (with humans and nonhumans). Positively seen we understand how life is built as an interdependent net. Yet oppressive mechanism also function as a “net”, yet one of destructiveness, meaning: Wildlife stands amidst mechanisms of a systemic zoocide and ecocide. When we name the net of life, we should also discuss the destructive mechanisms of the socio-political scale and not just highlight biological functioning.

Question 3 about the saving biological diversity approach:

  • When we face destructiveness that targets and sacrifices biological diversity, why do we exclude the nonhuman lives that are barred from the natural spaces and locked into machineries? Why is the connection of destructiveness towards life being treated in a segregative way? For the sake of keeping up the notion of taxonomical richness? Definitely not for nonhuman life itself.

Antispeciesist Animal Sociology

Fische und Tierrechte

Fische und Tierrechte

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Die Einstellung zu Fischen weist ganz besonders die Spezifika des Speziesismus auf, die erkennen lassen, dass sich der Speziesismus ganz überwiegend manifestiert in der Einstellung zu tierlichen Lebewesen als Nahrungsmittelobjekten.

Das heißt:

  • Nichtmenschliche (nm-) Tiere werden auf die Ebene eines Lebensmittels reduziert und kulturell in dieser Form einbezogen, in vom Menschen geprägte Lebensstrukturen, die die Nichtmenschen und deren Ökosoziologien gewaltsam dominieren und mit ihren Konstrukten von ‚Deutungshoheit‘ als menschliches Kollektiv beherrschen.
  • Wir können beobachten, dass Fische – und man muss hinzufügen auch andere in Gewässern Lebende nm-Tiere die keine Säugetiere sind – ganz besonders dieser reduzierenden Sichtweise ausgesetzt sind. Beispielsweise wird dies in der westlichen umgangsförmlichen Unterscheidung zwischen „Fisch“ und „Fleisch“ im Volksmunde erkennbar, die sich als Ausdruck dessen verstehen lässt, dass Fische zu essen seltener noch als der sonstige ‚Verzehr‘ nichtmenschlicher Tiere als ethisch problematisch dargestellt wurde. Die primäre Einordnung und Betrachtung von Fischen in unseren Gesellschaften ist immer wieder die eines (potenziellen) Lebensmittels und damit einhergehend die eines Lebewesens, dass quasi einer „Welt für sich“ zugeordnet wird, einer Welt, die mit „unserer subjektiv erlebten Welt als belebten Bewegungsraum“ sehr wenig gemein habe. Das Element der Tiere ist das Wasser, das des Menschen, das Land.
  • Folgende Haltung geht wahrscheinlich allen anderen Formen der Speziesismen, die auf Fische angewendet werden, voraus: „Was für uns ein ‚Lebensmittel‘ ist, mit dem können wir auch alles Weitere machen was unserem Gutdünken, unserem Nutzen und unserer Lust und Laune entspricht“.

Die Tierrechtsbewegung selbst hat höchst problematische Unterscheidungen unter Tieren getroffen

Als nächstes kommt die Problematik im Bezug auf Fische zu tragen, die sogar aus der Tierrechtsbewegung selbst mit herrührt. Bekannte Tierrechtsautoren haben eine seinshierarchische Sichtweise auf die Tierheit immer wieder argumentativ mit getragen und somit das Paradigma der Ähnlichkeit und Nähe zum Menschsein als Argumentationsebene „für“ Tierrechte eingesetzt. Man hat somit fortwährend die gleiche Denkweise übernommen, die durch die hierarchisierenden taxonomischen Zuordnungen der Lebewesen bereits durch die entsprechenden naturwissenschaftlichen Disziplinen festgelegt wurden. Und da sich die wissenschaftlichen Sichtweisen in Hinsicht auf Nichtmenschen mit den Speziesismen aller anderen menschlich-gesellschaftlichen Belange (wie dem religiösen und dem philosophischen Speziesismus zum Beispiel) decken, fiel dieser subtilere Speziesismus in der Tierrechtsdiskussion bei der Unterscheidung der Interessen von Säugetieren im vermeintlichen Unterschied zu anderen Tiergruppen nicht weiter als fragwürdig und arrogant auf. Säugetiere seien entwickelter als Vertebraten die keine Säugetiere sind, usw. und „entwickelter“ heißt dabei, wir ziehen sie in die Gemeinschaft des Menschen als dem-Menschen-ähnlicher als andere Tiere, welche wir somit getrost weiter objektifizieren können. Bekannte Tierrechtprojekte haben sich auf Sortierungen von tierlichen Lebewesen selbst eingelassen, so wurden im Namen der Tierrechte weiterhin künstliche und unnotwendige Unterscheidungen getroffen, die sich immer noch am Homo sapiens als Idealkriterium und dem Maße aller Dinge ausrichten.

Im Kontrast allerdings gibt es auch Herangehensweisen und Argumentationen für Tierrechte und Tierbefreiung die gerade in einer kritischen Haltung betonen, dass die Ähnlichkeit zum Menschen nicht der Maßstab sein darf, dass hingegen der Eigenwert und die Besonderheit eines nichtmenschlichen Tieres entscheidender Faktor zur Berücksichtigung dessen Interessen sein muss. Auch die ethische Praxis in der veganen Bewegung lässt sich nicht mehr auf die verkrusteten Vorstellung von höheren und niedrigeren oder vermeintlich weniger komplexeren Tierlebewesen ein. Wir finden in der Landschaft der Tierrechtsbewegung aber immer wieder diesen einen Scheidepunkt zwischen Humanzentrik und Zoozentrik, bei dem zwischen „komplexeren“ und „weniger komplexen“ Tieren in wertender Weise unterschieden wird, Lebensrechte daraus abgeleitet werden, und die Komplexität, die sich unseren Wertungskriterien entziehen mag, nicht als unbekannte Variable mit einkalkuliert wird.

Kulturanthropologisch sollten wir uns fragen, warum gerade das „Fische essen“ in der Menschheit eine beinahe „geheiligte“ Aktion, wie im Christentum beispielsweise, dargestellt hat, warum man bei allerhand Lebewesen aus dem Meer auch überhaupt von „Meeresfrüchten“ spricht, warum das Meer und das Leben im Meer aus seinen beherbergten Lebewesen etwas dem Menschen so „nützliches“ ohne der Herausforderung jeglichen schlechten Gewissens bei Verletzung dieses Lebens darstellen soll? Woher rühren solche Vorstellungen und Assoziationen?

Interessanterweise finden wir die Vorstellung, der Gebrauch von tierlichen Produkten sei etwas „reines“ und quasi „rituell heilsames“, dem besondere Heilsamkeitsattribute zugesprochen werden, aber auch bei Insektenprodukten wie Honig, Seide oder bei Vögeln deren Eier, Vorstellungen von Blut, einzelnen Organen, Hormonen, Drüsenabsonderungen als etwas dem Menschen als pflegend-heilsam beschiedenes. Eine ganze Landschaft speziesistisch-grausamer Praktiken und ihrer damit verbundenen menschlichen Selbstfürsorgeerwartungen lässt sich als kulturanthropologisches Mapping erfassen.

In Kunst- und Kulturräumen, als Ausdruck menschlicher Selbstverständnisse, sehen wir in gleicher Weise tragische „interessante“ Speziesismen in ihrer besonderen Bezogenheit auf die menschliche Wahrnehmung und Objektifizierung von Fischen, bis hin zur Innendekoration der Räume einiger Menschen, in der der Aquaristik als Hobby und in Zoos mit ihren Aquarien – Fischgefängnisse als menschliche subjektive Erlebnisorte ästhetisierter physischer Reduktion und Beraubung von Tierfreiheit.

Der Fisch, ganz grundsätzlich, gilt dadurch, dass er in der Sphäre des Wassers lebt anscheinen ganz besonders als objektifizierbar, ohne dass man eine Hinterfragung der Objektifizierung befürchten müsse. Es wird sich darauf berufen, dass das „Fische essen“ ja seit aller Ewigkeit in der Menschheitsgeschichte seinen festen ethisch völlig integren Platz gehabt habe. Aber war dieser Platz ethisch wirklich immer gänzlich unhinterfragt? Wenn wir uns die Geschichte des Vegetarismus anschauen, sehen wir, dass Fische genauso in die gleiche ethische Rubrik eingeordnet wurden, wie andere Tiere, welche eben als tierliche Subjekte nicht essbar und einverleibbar sind. Der Vegetarismus, hat keine mysteriöse Unterscheidung zwischen „Fisch und Fleisch“ getroffen.

Der Veganismus und der Vegetarismus unterscheiden sich in ihrer ethisch-praktischen Haltung im Bezug auf Fische und die meisten anderen im Wasser lebenden nm-Tiere nicht – eine Ausnahme bilden die Schwämme, die im Veganismus aber auch in ihrer natürlichen Integrität geachtet werden, denn sie gelten als Tiere und der Veganismus schließt kategorisch alle intentionierte Nutzung von Tierorganismen aus.

Die Haltung Fische seien etwas anderes in ihrem Status als andere Tiere denen Menschen objektifizierend begegnen, hat im Bezug auf die Geschichte des Vegetarismus niemals gestimmt. Die Verharmlosung der Fische-Esserei stammt allein aus dem gleichen speziesistischen Denken, aus dem auch jeder andere ‚Verzehr‘ von Tieren her rührt, nur dass die Speziesismen im Bezug auf Fische ihre ganz eigentümlichen Besonderheiten aufweisen.

Fürsrpecher_in sein für Fische und Tierrechte

Allein andere überzeugen zu wollen mit der ethischen Unhaltbarkeit des Verzehrs von Fischen (und anderen im Wasser lebenden Tieren) auf einer Grundlage der aus den Naturwissenschaften gewonnenen neusten Erkenntnissen, hilft bedingt, denn hier muss zuerst wieder ein nach biologischen Kriterien gültiger Beweis erbracht worden sein auf den ich mich beziehe. Bei dieser Art der Beweisführung wird der Nichtmensch aber kategorisch objektifiziert. Die qualitative Forschung setzt in der Biologie auch immer die Objektifizierung als Instrument zur Annäherung an den Untersuchungsgegenstand voraus ober schließt sie zumindest mit ein.

Im Bezug auf Menschen haben solche Beweisführgen in den emanzipatorischen Bewegungen gegen Unterdrückung und unterdrückerische Systeme niemals eine tragende Rolle gespielt. Frauen hätten kaum widerlegen müssen, dass sie allein biologischerweise erwiesenermaßen „gleichwertig“ oder „nicht minderwertig“ oder „minder fähig“ sind als Männer, das gleich gilt für Menschen mit Behinderung oder für Menschen die aufgrund ethnischer Verschiedenheiten ausgeschlossen wurden von dominanten unterdrückerischen Gruppen von Menschen.

Nichtmenschen nun immer wieder primär ins biologisch Erklärbare und in die biologischen speziesistischen Deutungshoheitsgebiete zu rücken, um sie stückchenweise als dem „Homo sapiens“ in einem oder dem anderen Aspekt ähnlich zu beschreiben, ist noch kein emanzipatorisches Tierrechtsdenken. Denn wieder wird der Maßstab am Menschsein gesetzt, wieder wird die Besonderheit, das Einmaligsein des Nichtmenschen nicht in den zentralen Fokus ethischer Relevanz und Bedeutsamkeit gerückt.

Leider lehnen sich auch die meisten Tierrechtskampagnen noch an die Vergleichsebene der Ähnlichkeit zum Menschen in biologischer Sichtweise als Kriterium an. Es geht aber in Wirklichkeit darum Argumentationsebenen herauszuarbeiten, die die Nichtmenschen wegen ihrer selbst rehabilitieren statt im Vergleich zum Menschen, als Individuen und Gruppen die vor menschlicher Destruktivität geschützt werden müssen durch ethische Übereinkünfte und juristische Rechte. Dazu müssen Nichtmenschen nicht wie Menschen sein. Aller aktivistischer Einsatz sollte den Knackpunkt, an dem die geistig-epistemologische Ebene der Unterdrückung stattfindet, aushebeln, denn sonst bleibt die im Hintergrund wirkende Psychologie des Speziesismus im gesellschaftlichen Selbstverständnis unhinterfragt, unkritisiert und weiterhin wirksam. Es muss möglich sein, den anderen in seiner Besonderheit und auch Verschiedenheit zu erkennen, anzuerkennen, und in dieser Besonderheit, in seiner Einmaligkeit also, zu achten und zu schützen.

Wenn wir über Fische und Tierrechte reden, sollten wir folgende Eckpunkte mit einbeziehen:

  • Fischkonsum: Der Veganismus bietet die Alternativlösungen zum Fischkonsum, im Rahmen ethisch-veganer Diskussionen findet man relevante Berichte, Dokumentationen und Informationen über die Fischindustrien und den Fischkonsum als solchen. In der veganen Bewegung treffen wir praktische Vorstellungen und Reflexionen darüber an, wie Menschen sich vom Fischkonsum in ihrer Lebenspraxis unabhängig machen können, d.h. auch aus gewohnten kulturellen, gesellschaftlich tradierten Praktiken im Alleingang aussteigen zu können.
  • Die Fischerei in all ihren Formen: Die Fischerei sollte nicht allein als ökologisch-nicht-nachhaltig oder in Hinsicht auf die ‚Möglichkeiten unbegrenzter oder hingegen eingeschränkter Ausbeutung durch den Menschen‘ diskutiert werden. Die Fischerei als System und althergebrachte Praxis im kleinen wie im industriellen Maße ist eine Verletzung der Lebensrechte der Fische und der im Wasser lebenden Lebewesen. Es geht um den grundsätzlichen Fehler im menschlichen Denken, dass andere Lebewesen „Lebensmittel“ und „Nutzware“ sein könnten, und dass das Leben anderer Tierarten dem Eigeninteresse der Menschheit unterzuordnen wäre. Diese Haltung ist eine Kampfansage an jegliche pazifistische ethische Vernunft – außer man würde in humanzentrischer Weise den Pazifismus (oder eine „Liebe zum Frieden“) allein als ein im menschlich-sozialen Bereich relevanten Aspekt des Zusammenseins betrachten; eine Haltung der leicht widersprochen werden kann.
  • Angeln: Wird als Freizeitsport betrieben, wird stark romantisiert, ist gleich einen Initiationsritual des humanzentrischen Menschseins.
  • Aquaristik: die private Gefangenschaft, die in der Regel niemals nötig ist und bei der das Leben und der Lebenskontext der im Wasser lebenden Tiere den Wünschen und Privatbedürfnissen von Menschen untergeordnet wird, ohne dabei über die Situation der betroffenen Tiere nachzudenken. Das Lebensziel, die ganze Lebensdimension soll mit ihren Lebensraum minimalst in die eines Menschen verschachtelt werden. Der Mensch nimmt eine omnipotente Rolle ein, die Wasserlebewesen sind völlig abhängig von ihm um zu überleben und sie sind vollständig die Opfer seiner Entscheidung sie gefangen zu halten.
  • Fische und ihre Ökosysteme: Fische gehören in ihre Ökosysteme, dort sind sie zu schützen und nur dort können sie ihren eigenen Lebenszielen (gleich ob diese uns unbekannt sind) nachgehen. Ökosysteme sind nicht unser Besitz, Ökosysteme haben ihre ganz eigene Bedeutung und Relevanz für diejenigen Tiere, die anders leben als Menschen (wenn wir in die Gruppe der Tiere mit einordnen), und sind als solche zu verteidigen und zu schützen.
  • Fische sind Mitlebewesen: Fische spielen in unserem Leben eine Rolle, in dem Leben anderer Tiere, und wir und die anderen Tiere und anderen Lebewesen … spielen in dem Leben der Fische eine Rolle. Es gilt diese Interaktionsebene pazifistisch, respektvoll und fundamental-pluralistisch als Lebensgemeinschaft anzuerkennen und zu fördern.
  • Wasserökologie und Wasserverunreinigung in ihrer Auswirkung auf Fische: Wasser ist das Element der Fische und ihrer Ökologien. Wasser ist niemals einfach unsere „Ressource“, sondern ist Erdelement und Lebensraum der Tiere und Pflanzen im Wasser. Wiederum geht es darum, die Welt in ihren Schwerpunkten für andere Lebewesen zu sehen und somit das Thema Wasser nicht einfach als „Ressourcenfrage“ zu diskutieren, sondern als Lebenselement der Fische und der anderen Lebewesen im Wasser. Alle Lebewesen sind abhängig von der Wasserökologie. Nichtmenschen und die Natur bilden einmalige Kulturräume, die wir als solche anerkennen müssen, um unsere humanzentrische und verheerende Destruktions- und Thanatopolitik in Hinsicht auf die Tierheit, auf Zōon (ζῷον) aufzugeben.

G. Yegane, Gruppe Messel

Links auf unserer Seite zu Fischen und im Wasser lebende Tiere:

Der Tierrechtansatz in unseren gefeatureten Texte impliziert alle Tiere und schließt Fische und andere im Wasser lebende Tiere somit immer mit ein.