Syl Ko: Warum sollten wir unseren Blick auf Tiere richten (wenn Menschen nicht mal einander anschauen wollen)?

Jahrgang 12, Nr. 1, ISSN 2363-6513, April 2026

Syl Ko: Warum sollten wir unseren Blick auf Tiere richten (wenn Menschen nicht mal einander anschauen wollen)?

Schlagworte: Soziologie, Tiersoziologie, Tierrechte, Menschenrechte, speziesübergreifende-/Interspezies-Ethik, Gesellschaftstheorie, Tierrechtsphilosophie

Unser neuer Header stammt von C. 勒 / Pegi Freespeech.
Original siehe > C. 勒 und Tschördy zur Anregung für Mitstreiter*innen in >
Antispeziesismus und Kunst: zu Demarkationslinien, S. 21
E-Reader: Gruppe Messel, Jahrgang 6, Nr. 3, 2024
ISSN 2700-6905
Edition Farangis
https://d-nb.info/1323615423
https://d-nb.info/1323615423/34

Syl Ko: Warum sollten wir unseren Blick auf Tiere richten (wenn Menschen nicht mal einander anschauen wollen)?

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Transkript des Vortrags: ‘Why look at animals (when humans do not want to look at each other)?’ von Syl Ko, gehalten im Rahmen der Veranstaltung
(AGAINST) ANIMAL CAPITALISM
Two-day symposium on animals in society
Saturday 28 & Sunday 29 March 2026
Screening Room | Mezzanine
https://www.emst.gr/en/events-en/against-animal-capitalism#about [gesichtet am 19.04.2026]
https://www.emst.gr/web3/wp-content/uploads/2026/03/AGAINST-ANIMAL-CAPITALISM-ENG.pdf [gesichtet am 19.04.2026]

Übersetzung ins Deutsche: Gita Marta Yegane Arani, mit der freundlichen Genehmigung von Syl Ko. (Um die Genauigkeit der Übersetzung zu gewährleisten, habe ich mich entschlossen, einige meiner übersetzerischen Anmerkungen in eckigen Klammern beizubehalten. Aus Gründen der Lesbarkeit werden die A.d.Ü.-Hinweise ausschließlich in der Form ausgewiesen.)

Korrigierte Fassung: 24.04.2026
Die vorliegende Fassung berücksichtigt eine von der Autorin im Original vorgenommene Korrektur im ersten Absatz.

Die Präsentation von Syl Ko (auf Englisch) ist online verfügbar unter:
https://www.youtube.com/watch?v=8bAZSiRrOaU
sowie auf https://archive.org/
[abgerufen am 23. April 2026]
Bildnachweise: Mooni Perry (Folien 7 und 10), Wikimedia Commons, Stockbilder

Warum sollten wir unseren Blick auf Tiere richten (wenn Menschen nicht mal einander anschauen wollen)?

Verfügen wir über eine moralische Legitimierung, andere Tiere zu unserem Vorteil jedoch zu deren Nachteil zu nutzen, etwa indem wir sie essen oder zu wissenschaftlichen Versuchen gebrauchen? Diese Frage bildet nach wie vor eine Kontroverse. Der vorherrschende Ansatz zur Beantwortung dieser Frage konzentrierte sich insbesondere darauf, die Legitimität der strikten moralischen Trennung zwischen Menschen und allen anderen Tieren zu hinterfragen.

Diejenigen, die menschliche Praktiken kritisieren, die anderen Tieren Schaden zufügen, kommen häufig zu dem Schluss, dass es willkürlich und vorurteilsbehaftet ist, der bloßen Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens einen Wert beizumessen, und dass sich dies nicht von der Wertzuweisung an eine bestimmte „Rasse“, ein Geschlecht oder andere derartige Kategorien unterscheiden würde. Wir argumentieren jedoch, dass sich für diejenigen, die diese Praktiken kritisch sehen, eine zweite Frage zu stellen hätte, die der Klärung bedarf: Wie sollte man die moralische Frage bezüglich nichtmenschlicher Tiere stellen und beantworten angesichts der alarmierenden Rate, mit der Unrecht gegenüber Menschen [human injustice, menschliches Unrecht überhaupt] begangen wird?

Unser Bedenkenspunkt ist nicht einfach der strategischer Überlegungen. Diese zweite Frage stellt sich vielmehr wegen der grundlegenden Sorge darüber, dass die Allgegenwärtigkeit systematischen Unrechts gegenüber Menschen [systematic human injustice] eine ganz fundamentale moralische Geringschätzung menschlichen Lebens beinhaltet; eine Überlegung, die den Annahmen von Tierverteidigern [als alle Gruppen tierverteidigender Bewegungen umfassend] zuwiderläuft.

Wir gehen davon aus, dass wenn es Menschen systematisch der moralischen Visionskraft ermangelt, einander deutlich zu „sehen“, dass diese Art der Wahrnehmungskraft mit Sicherheit gleichermaßen versagen wird, wenn sie sich darauf ausrichtet, andere Lebewesen zu „betrachten“. Um die zweite Frage beantworten zu können, schlagen wir vor, die erste Frage – die moralische Frage nach den nichtmenschlichen Tieren – im Rahmen des Vorhabens einer Neubewertung des Menschseins neu zu formulieren.

[Folie 1]

Mein Name ist Syl Ko. Ich bin Autorin und unabhängige Forscherin. Im Kontext dieser Ausstellung würde ich mein Forschungsinteresse folgendermaßen zusammenfassen: „Warum sollten wir unseren Blick auf Tiere richten (wenn Menschen nicht mal einander anschauen wollen)?“

[Folie 2]

Seit einem Jahr arbeite ich gemeinsam mit der Autorin Lindgren Johnson, deren Buch Race Matters, Animal Matters 2017 veröffentlicht wurde, an einem Text. 2017 war auch das Jahr, in dem ich zusammen mit der Autorin Aph Ko das Buch „Aphro-ism“ verfasst habe, das sich ebenso wie Lindgrens Arbeit mit der [Art der] Verflechtung von „Rasse“ und Animalität/Tierlichkeit befasst. Lindgren und ich arbeiteten erstmals 2021 gemeinsam an einem Essay mit dem Titel „Re-Centering the Human“ [Eine Rezentrierung des Menschen]. Unser aktuelles Projekt ist eine Weiterentwicklung dieses Essays. Das Thema, das sich durch unsere Arbeit hindurchzieht, betrifft die Darstellung der moralischen Frage über nichtmenschliche Tiere.

[Folie 3]

Diese Frage befasst sich mit der Angemessenheit unserer Praktiken, Bräuche, Traditionen und Rituale, bei denen nichtmenschliche Tiere meist zu ihrem Nachteil eingesetzt werden, beispielsweise als Nahrungsmittel, für wissenschaftliche Zwecke, zur Unterhaltung, im Sport, als Haustiere usw.

In „Aphro-ism“ weisen Aph Ko und ich darauf hin, wie diese Frage üblicherweise angegangen wird, nämlich indem man sofort eine Umformulierung vollzieht zur Frage über die kategorische moralische Kluft, die zwischen Menschen und allen anderen Tieren bestünde.

Man geht davon aus, dass gerade durch das Ziehen dieser Grenze der benachteiligenden Behandlung von Tieren Vorschub geleistet wird. So wird die Debatte über die moralische Frage nach Tieren, im Hinblick auf die Angemessenheit unserer Praktiken im Umgang mit ihnen, von vornherein als Debatte darüber gefasst, ob diese kategoriale moralische Trennung überhaupt legitim ist.

[Folie 4]

Aus diesem Grund werden von beiden Seiten der Debatte riesige Mengen an empirischen Daten und wissenschaftlichen Forschungsergebnissen über Menschen und (vor allem) nichtmenschliche Tiere ins Feld geführt.

Diejenigen, die Praktiken wie den Fleischkonsum verteidigen, stützen sich auf Daten, von denen sie glauben, dass diese beweisen, dass allen oder den meisten nichtmenschlichen Tieren jene Eigenschaft fehlt, die dem Menschen eine einzigartige moralische Stellung verleiht, und rechtfertigen damit die moralische Trennlinie zwischen Mensch und Tier.

Diejenigen, die diese Tiere beinhaltenden Praktiken kritisieren, stützen sich auf Daten, von denen sie glauben, dass sie beweisen, dass es keine dem Menschen eigene Fähigkeit oder Eigenschaft gibt, die es rechtfertigen würde, menschliche moralische Interessen gegenüber den Interessen anderer Tiere zu privilegieren, sofern diese Tiere dieselbe Fähigkeit oder Eigenschaft teilen. Die moralische Grenzziehung sei aus dem Grund nicht gerechtfertigt und müsse daher aufgeweicht werden.

[Folie 5]

Darüber hinaus sind sie der Ansicht, dass eine Infragestellung dieser Praktiken eine „Entheiligung“ des Menschseins ERFORDERT, was bedeutet: Die Menschen haben ihren Status auf mythische Ausmaße aufgeblasen, indem sie ihr bloßes Menschsein, die bloße Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens, zum höchsten Wert auf diesem Planeten erhoben haben. Die Aufwertung von Tieren oder die Sicherung der moralischen Anerkennung, die ihnen zusteht, bedeutet also, die Bedeutung und zentrale Stellung des Menschseins und damit der Menschen zu verringern.

Und was oft unerwähnt bleibt, ist, dass solche Debatten stets sehr theoretisch sind – im Sinne einer buchstäblichen Bindung an ethische Theorien. Was auch immer die bevorzugte Ethiktheorie als die besondere Fähigkeit oder Eigenschaft bezeichnet, die Lebewesen moralischen Status verleiht, entscheidet, auf welche Daten sich die beiden Seiten der Debatte konzentrieren werden. Wenn die Theorie beispielsweise besagt, dass die Fähigkeit, Schmerz zu fühlen und Freude zu empfinden, die Eigenschaft ist, die ein Wesen als moralisch beachtenswert qualifiziert, dann werden beide Seiten Daten heraussuchen und präsentieren, die belegen, welche Tiere Schmerz fühlen oder Freude empfinden und in welchem Ausmaß, und so weiter.

[Folie 6]

In dem Aufsatz „Re-Centering the Human“ [Eine Rezentrierung des Menschen] widersprechen Lindgren und ich der in dieser Debatte vorherrschenden Auffassung dessen, was es bedeutet, dass eine moralische kategoriale Trennlinie existiere, die Menschen von anderen Tieren unterscheide.

Wir bezweifeln, dass das Vorhandensein oder Fehlen einer bestimmten Fähigkeit oder Eigenschaft für diese Unterscheidung relevant ist, und wir hegen noch größere Zweifel daran, dass diese Unterteilung wesentlich mit der Aufrechterhaltung der fraglichen Praktiken zu tun hat.

Wir gehen davon aus, dass diese moralische Grenze zwischen Menschen und anderen Tieren, soweit es nichtmenschliche Tiere betrifft, weitgehend harmlos ist. Sie ist lediglich das Ergebnis davon, dass sich Menschen in ihrem eigenen Speziesbegriff verorten. Es handelt sich also lediglich darum, dass Menschen aus ihrer menschlichen Perspektive heraus handeln. Das ist nichts, was einer Rechtfertigung bedarf.

[Folie 7]

In anderen Worten: Menschen können das, was ein Mensch ist aus zweierlei verschiedenen Perspektiven heraus begreifen. Das eine ist die Perspektive, aus der wir alle anderen Tiere begreifen. Wenn Sie mir zum Beispiel eine Reihe verschiedener Tiere zeigen, kann ich sagen: „Das ist eine Fledermaus, das ist ein Elefant, das ist ein Mensch, das ist ein Fisch“ und so weiter, und ich kann zu jedem der in der Reihe aufgelisteten Tier Aussagen treffen, die durch wissenschaftliche Daten über das jeweilige Tier gestützt werden können.

Nennen wir dies die externe Perspektive des Menschseins oder eine „spezies-objektivistische“ Haltung. Mit dem Begriff „objektiv“ beziehen wir uns hier nicht auf irgendeinen Wissensanspruch. Wir meinen lediglich, dass wir die Menschlichkeit oder das Menschsein aus einem dritten, unvoreingenommenen Blickwinkel betrachten, genauso wie wir das Fledermaussein oder das Elefantsein betrachten.

[Folie 8]

Wenn wir jedoch in der Artenliste bei „Mensch“ angelangt sind, geschieht etwas, was bei keiner anderen Spezieskategorie der Fall ist. Es eröffnet sich eine zweite Perspektive, weil ich ein Mensch bin! Es findet also ein Perspektivwechsel statt, von „das ist ein Mensch“ hin zu „ich bin ein Mensch“ – also die Identifikation mit der eigenen Spezies –, und mit diesem Wechsel geht eine Veränderung der Art von Informationen einher, auf die man Zugriff hat.

Die innere Perspektive des Menschseins – oder das, was wir als „spezies-subjektivistische“ Perspektive bezeichnen – ist ein Blickwinkel, den ich bei keinem anderen Tier einnehmen kann und über den ich in Bezug auf jedes andere Tier schweigen muss.

Zwar weiß ich, dass andere Tiere eine Vielzahl von Emotionen empfinden, Freude empfinden und Schmerzen erleiden, sich erinnern, sich Dinge vorstellen, komplexe soziale Leben und Beziehungen haben und so weiter, doch bin ich nicht in der Lage, auf das Innere dessen zuzugreifen, wie diese Erfahrungen aus derer Perspektive oder für sie [selbst] sind.

Auch wenn wir uns in Tiere hineinversetzen und die Feinheiten ihres Lebens bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen können, können wir ihren Betrachtungspunkt nicht subjektiv erleben. (Übrigens: Wer sich fragt, ob diese Argumentation auch auf andere Kategorien wie ethnische Zugehörigkeit [hier „Rasse“], Geschlecht usw. zutrifft, kann mir gerne eine E-Mail schreiben, damit ich erläutern kann, warum es sich bei der Zugehörigkeit zu einer Spezies nicht wie bei diesen anderen Kategorien verhält.)

Lindgren und ich vertreten die Auffassung, dass die Umwandlung der moralischen Frage nach den Tieren in diese andere Frage nach der Legitimität der moralischen Unterscheidung zwischen Menschen und allen anderen Tieren völlig unangebracht und unnötig ist, insbesondere wenn man Praktiken kritisiert, die Tieren Schaden zufügen.

Das ist, weil die moralische Frage in Bezug auf Tiere aus einer menschlich-internen oder spezies-subjektiven Perspektive herrührt, während sich die darauf folgende, neu formulierte Debatte aus einer menschlich-externen oder spezies-objektivistischen Perspektive heraus geführt wird. Um dies zu verdeutlichen, betrachten wir ein Beispiel.

Stell dir vor, du ziehst in eine neue Stadt und fragst deinen Nachbarn nach dem Weg zu deinem neuen Arbeitsplatz, an dem du morgen beginnst. Der Nachbar verschwindet in seinem Büro, und du hörst, wie dort ein Drucker hart arbeitet. Der Nachbar kommt wieder heraus mit …

[Folie 9]

einem beeindruckenden großformatigen Ausdruck des berühmten, atemberaubenden „Blue Marble“-Fotos der Erde, aufgenommen von der Besatzung der Apollo 17. Aber natürlich kann dir dieses Bild nicht helfen. Trotz der imposanten Größe, der Detailtreue und der Schönheit des Ausdrucks – ganz zu schweigen von einigen beeindruckenden aktuellen wissenschaftlichen Kennzahlen, die großzügigerweise am Rand beigefügt sind – lässt sich deine Frage besser anhand einer ganz anderen Art von Bild der Erde beantworten, wie zum Beispiel …

[Folie 10]

… so ein Bild, das Google Maps aus der Perspektive eines Betrachters auf der Erde bietet.

Der etwas unbeholfene Nachbar hat dir vielleicht die wissenschaftlich und kosmisch genaueste Darstellung der Erde geliefert, und vielleicht kannst du sogar seine Begeisterung dafür nachvollziehen, dieses Bild mit anderen zu teilen – angesichts der Großartigkeit und Schönheit des dargestellten Objekts, der vielen Zahlen, über die man nachdenken und in denen man versinken kann, und der vielfältigen Gedanken, die entstehen, wenn man unsere Heimat aus einer Perspektive von Außerhalb betrachtet.

Letztendlich lässt sich deine Frage aber nicht aus dieser distanzierten Sichtweise auf die Erde beantworten oder überhaupt behandeln, denn das, wonach du suchst, betrifft das, was sich auf der Erde befindet, einschließlich …

[Folie 11] … der Straßen und Wege, die wir anlegen, der Gebäude, die wir errichten, der Beförderungsdienste, die wir ausarbeiten, und der Begriffe, die diese Einheiten umschreiben: „Ortschaften“, „Städte“, „Straßen“, „Buslinien“ usw.

Deine Frage ist eine lokale Frage, zu deren Beantwortung man eine lokale Konzeption der Erde benötigt; ganz zu schweigen davon, um die Frage selbst nachvollziehbar zu machen.

[Folie 12]

Wie dieses Beispiel zeigt, legen wir Parameter dafür fest, wie unser Leben aussehen soll – und das aus der Perspektive heraus, aus der wir dieses Leben tatsächlich leben. Dabei besteht ein großer Teil dieser Parameter an Vorstellungen darüber, wie unser Leben aussehen soll, aus dem, was wir als menschliche Moral bezeichnen oder als Richtlinien dessen verstehen, wie Menschen in diesem Leben leben und sich entfalten sollten. Die Existenz der gesamten Tierrechtsbewegung setzt voraus, dass diese moralische Kluft intakt ist, denn es ist unser Menschsein begriffen im dem subjektiven Sinne, auf das sich Tierrechtsaktivisten letztendlich berufen. Aus der Perspektive des Spezies-Objektivismus ergibt die Mission der Tierrechtsbewegung kaum Sinn.

Von der Perspektive aus betrachtet sind alle Menschen Tiere. Aber viele Tiere fressen die ganze Zeit andere Tiere. Das nützt ihnen und schmeckt ihnen vermutlich gut. Warum sollte es dann ein moralisches Problem sein, wenn Menschen das tun? Diese Frage lässt sich nur aus der spezies-subjektiven Perspektive heraus beantworten, die erfordert, sich metaphorisch in die Lage eines Menschen zu versetzen und sich selbst als von anderen Tieren unterscheidend zu begreifen. Diese Haltung drückt keinen Überlegenheitsanspruch aus, sondern die Einsicht dessen, dass es die Verantwortung der Menschen und nur der Menschen ist, sich den Geboten der menschlichen Moral zu unterwerfen.

[Folie 13]

Unsere vorausgegangenen Arbeiten und unser aktuelles Projekt dienen als Beispiele dafür, wie wir die spezies-subjektive Perspektive nutzen können, um die moralische Frage über Tiere zu durchdenken und die Praktiken in Frage zu stellen, die ihnen zum Schaden gereichen.

In unseren vorausgegangenen Arbeiten setzen wir uns mit systematischen menschlichen Ungerechtigkeiten auseinander – den menschlichen „-ismen“ wie Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Homophobie, Ableismus usw. – parallel zu durch Menschen begangenen Ungerechtigkeiten gegenüber anderen Tieren.

Wir stellen diese Phänomene auf dieselbe analytische Ebene, aber nicht, um sie zu vergleichen, und schon gar nicht um zu behaupten, sie seien gleichartig.

Vielmehr tun wir dies, um aufzuzeigen, dass es sich um sehr unterschiedliche Formen des Leidens handelt und dass das Anerkennen dieses Unterschieds das Leiden der Tiere nicht herabwürdigt. Im Gegenteil. Es würdigt, wie außerordentlich einzigartig dieser Schrecken für jene Tiere sein muss, die ein ganzes Leben lang Unterwerfung und Entsetzen erleben, ohne auch nur ansatzweise einen Zugang zum Innenleben oder zu den Motiven derer zu haben, die sie vernichten.

[Folie 14]

Wenn wir systematische menschliche Ungerechtigkeit gegenüber Menschen, der systematischen [menschlichen] Ungerechtigkeit gegenüber Tieren gegenüberstellen, wird der Mechanismus, der der menschlichen Ungerechtigkeit gegenüber Menschen zugrunde liegt, deutlich. Trotz der Unterschiede, die den unterschiedlichen menschlichen „-ismen“ innewohnen, haben sie doch eines gemeinsam in ihrem Zweck: nämlich bestimmte Menschen systematisch und bereits auf der Ebene der Definition aus dem Begriff „Mensch“ selbst auszuschließen.

In einigen Fällen wird dies deutlich zum Ausdruck gebracht, in anderen Fällen nicht. Doch die meisten, wenn nicht sogar alle menschlichen Gesellschaften operieren und basieren auf einem sozialen Organisationsprinzip, das ihre Mitglieder nach Graden der Menschlichkeit entsprechend den Idealen dieser Gesellschaft einstuft: von „Mensch“ – des Spitzenranges – bis hin zu Menschen, die als „nicht Mensch [respektive nichtmenschlich]“, „Untermensch“ oder „Tier“ betrachtet werden.

Dies ist nicht nur ein Instrument das der Spaltung dient, sondern es ist auch von grundsätzlicher Bedeutung für jede Gesellschaft, da es vorgibt, was den idealen Menschen verkörpert gegenüber dem, was das Gegenteil dieses Ideals darstellt.

[Folie 15]

Es ist also genau hier, in der Kluft zwischen „Mensch“/“nicht Mensch“, die den menschlich sozialen Welten innewohnt und für das menschliche Leben spezifisch ist, wo die Vorstellung von „menschlich“ und die von „nicht menschlich“ / „tierlich/tierisch“ als Gegensätze oder Kontraste gebildet wird. Und eben dies ist der entscheidende Punkt.

[Folie 16]

Menschen, die als „nicht menschlich“ oder „weniger als menschlich“ eingeordnet werden, stellen die lebende Verkörperung der Antithese zur Menschlichkeit dar für diese Gesellschaft. Sie gelten als moralisch unlesbar. Sie spielen also eine sehr wichtige Rolle, da als ihnen übergeordnet eingestufte Menschen ihre Überlegenheit nicht ausleben oder zur Geltung bringen können, ohne andere Menschen, die sie unterordnen können, die als Zeugen dieser menschlichen Ordnung [Human order] dienen, die in ihrer Menschlichkeit so spektakulär versagen, dass ihr Versagen a priori ist, die die Worte sprechen und von einer Realität zeugen, die den Wünschen ihres Herrn entsprechen. Allein andere Menschen können diese anti-menschliche Funktion erfüllen.

Diese parasitäre Beziehung geht über das Physische hinaus. Obwohl die sogenannten „echten“ oder „wahren“ Menschen auf die Arbeitskraft und die Körper der entmenschlichten Menschen angewiesen sind, ist es noch wichtiger, dass beide Gruppen subjektiv dazu gezwungen oder sozial dahingehend konditioniert sind, sich selbst und andere im Rahmen dieser sozialen Ordnung zu erfahren: die sogenannten „wahren“ Menschen sind optimistisch und von sich eingenommen; sie nähren sich nicht nur von den physischen und emotionalen Traumata, die entmenschlichte Menschen durchleben, sondern im weiteren Sinne auch von letzterer psychischen Schmerz, der aus einer Entmenschlichung und der Verinnerlichung von Unterlegenheit resultiert.

[Folie 17]

Wenn das als “Mensch” betrachtet zu werden, in den Fällen in denen es allein um Menschen geht, so viel bedeutet, dann wird dem Menschsein – wenn wir es im allgemeinen Sinne auffassen als als die schiere Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens – auf der Gesellschaftsebene kein großer Stellenwert beigemessen.

In fact, it appears that when humans build and shape their societies, they go out of their way to ensure that the morally operative conception of “human” is not simply belonging to the species homo sapiens.

Tatsächlich scheint es so zu sein, dass Menschen beim Aufbau und der Gestaltung ihrer Gesellschaften alles daran setzen, sicherzustellen, dass das moralisch operative Konzept vom „Menschen“ nicht einfach nur deckungsgleich ist mit der Zugehörigkeit zur Spezies Homo sapiens.

Der Aufruf von Tierrechtlern, das Menschsein zu „entheiligen“, ist also gar nicht so radikal, wie sie glauben, denn genau das tun Menschen schon seit der Entstehung großer Gesellschaften vor sehr, sehr langer Zeit.

[Folie 18]

Abschließend lässt sich sagen, dass unsere Arbeiten darauf hindeuten, dass die Frage nach dem moralischen Status von Tieren innerhalb dieses umfassenderen Problems neu verortet werden sollte, das sich um die offene Frage nach dem moralischen Status des Menschen bzw. dem Status des Menschseins dreht.

Das heißt, die Lage der Tiere scheint eine Begleiterscheinung jenes Schemas zu sein, das menschlichen Welten innewohnt und in erster Linie darauf ausgerichtet ist, das Menschsein [selbst] abzuwerten: dieses Schema der sozialen Mensch-Tier-Trennung [Human-Animal divide].

Es ist nicht so, dass Menschen wichtiger wären als nichtmenschliche Tiere und wir uns deshalb hier auf die innere Welt des Menschen konzentrieren wollen. Vielmehr spiegelt die Ungerechtigkeit gegenüber Tieren eine offenbar umfassendere moralische Krise wider, die innerhalb der Menschen und der menschlichen Gesellschaften stattfindet – eine Krise, die leider zur Normalität geworden ist.

[Folie 19]

Wir glauben also, dass das dieser Krise zugrunde liegende Schema – unsere Abwertung des Menschseins, also unseres eigenen Zustands, unserer eigenen Bedingung – möglicherweise auch verhindert, dass wir auf breiter gesellschaftlicher Ebene irgendeine andere Lebensform wertschätzen können. Was uns zurück bringt zu unserer Ausgangsfrage:

Warum sollten wir unseren Blick auf Tiere richten, wenn wir Menschen uns nicht mal einander anschauen wollen?

Und genau hier setzt unser aktuelles Projekt an.

Ich danke Ihnen. sylko@protonmail.com

Die Autorin:

Syl Ko ist Autorin und unabhängige Forscherin. Ihre Arbeit untersucht die Konzepte „Mensch“ und „Tier“, wobei sie deren abstrakte Wechselabhängigkeit und die Art und Weise hervorhebt, wie diese sowohl menschliche als auch tierliche Freiheit einschränkt. Ko hinterfragt traditionelle Ansätze der Tierverteidigung, indem sie die moralische Frage nach Tieren neu formuliert und sie im Kern als offene Frage nach dem moralischen Status des Menschen versteht. Sie betont, dass die gesellschaftliche Abwertung tierlichen Lebens aus einer vorgängigen Abwertung des Menschseins hervorgeht. Ihre Arbeit lehnt die konventionelle Orientierung an moraltheoretischen Ansätzen ab und regt stattdessen eine Form der Reflexion an, die darauf abzielt, Menschlichkeit wiederherzustellen, durch die wir Tiere mit neuen Augen sehen könnten.

Tierautonomie

Publisher: www.simorgh.de – ‘Society, conflict and the anthropogenic dilemma’. This reader is published by the Edition Farangis in context with the memorial project dedicated to the work of Dr. phil. Miriam Y. Arani.

Citation

Ko, Syl (2026). Warum sollten wir unseren Blick auf Tiere richten (wenn Menschen nicht mal einander anschauen wollen)? TIERAUTONOMIE, 12 (1). http://simorgh.de/tierautonomie/JG12_2026_1.pdf

TIERAUTONOMIE (ISSN 2363-6513)

Leser_innen dürfen diese Publikation kopieren und verbreiten, solange ein Verweis auf den/die Autor_innen und das Journal TIERAUTONOMIE gegeben wird. Die Verwendung ist ausschließlich auf nicht-kommerzielle Zwecke eingeschränkt und es dürfen keine Veränderungen am Textmaterial vorgenommen werden. Weitere Details zu dieser Creative Commons Lizenz findet sich unter http://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/. Alle anderen Verwendungszwecke müssen von dem/den Autor_innen und den Herausgeber_innen von TIERAUTONOMIE genehmigt werden.

We, the Gruppe Messel, are a multispecies network dedicated to > Eurohippus messelensis and the world heritage known as the Messel Formation > and with it: today’s work in Animal Rights!

Tierrechtsarchiv der Gruppe Messel, Edition Farangis, Usingen / Taunus, 2026

Equal Consideration for Animals (1)

Equal consideration for Animals

Insekten-Demokratie > Tierrechtedemokratie > heißt jeder kann was FÜR das tun, was im Interesse von
Tieren und deren Habitaten liegen müsste: Antispe sein.

Da muss nicht erst irgendein Leadership “von oben” Bescheid geben, keine Masse erst “mobil machen”. Einfach selber Aktivismus machen und handeln.

Es ist nicht so schön als Unhold zu gelten, wenn man eine überfällige und berechtigte Kritik übt an vermeintlichen Mitstreitern. Wir sagen es schon lange und intern ist es schon lange bekannt, wo die Unterschiede verlaufen in der Zielsetzung eines paternalistischen Tierschutzes [1], der in sich in Wirklichkeit höchst widersprüchlich ist, aber genau diese Widersprüchlichkeit ist es, die uns hier beschäftigen sollte. Ob Singer, der Mäusetode für ethisch weniger relevant für die Maus selbst hält [2], weil er ihnen damit implizit ein Mausbewusstsein, das auf solches hinausliefe abspricht, oder die Befürwortung hierarchisch gedachter Tierrechte im Westlichen oder westlich geprägten Denken – wir halten eine Diskussion über Hierarchie und Speziesismus genau an der Stelle für dringend notwendig:

Unser aktueller Beitrag dazu > Keine philosophische Beherrschbarkeit > https://tierrechtsethik.de/keine-philosophische-beherrschbarkeit/

Negative Ethics im Fokus: Schutz vor menschlicher Destruktivität.

[1] Kollaborationen, wie mit der für ihren speziesistischen Ansatz bekannte HSUS, aber auch Institutionen, wie im Folgenden benannt, die Goodall unterstützte, spiegeln die Haltung eines hierarchischen, wenn auch wohlwollenden Weltbildes, das bei vielen im geselllschaftlich domonierenden Mainsteam bevorzugt wird: “However, she is now embroiled in a row with the group, of which she is president, after she praised a research centre that she opened at Edinburgh Zoo.” https://web.archive.org/web/20080526005435/http://www.telegraph.co.uk/news/newstopics/celebritynews/2011241/Is-Jane-Goodall-about-to-lose-her-post.html [05.10.25]

[2] Singer äußert dies in verschiedenen seiner Texte, so etwa in Practical Ethics (1979), Animal Liberation (1975) und hier: “So normally, the death of a human being is a far greater loss to the human than the death of a mouse is to the mouse — for the human, it thwarts plans for the distant future, and it does not do that for the mouse.” https://petersinger.info/faq [Zugriff 16.05.2023]

 

Ethische Perspektivitäten (1)

Tierethik / Animal Ethics zurückfordern.

Tierethik wird als Begriff von Wissenschaftspools zur Eigenlegitimation naturwissenschaftlich informierter speziesistischer Positionen gebraucht.

Gruppe Messel, neue Wurzeln

Reclaim > Tierethik / Animal Ethics

a term used by science pools to self-legitimize in natural science informed speciesist frameworks.

Im weiterläufigen Kontext:

“Im Bezug auf nichtmenschliche Tiere stehen wir also noch an ähnlicher Stelle wie die Utilitaristen. Wir begründen Rechte negativ, denn wir sprechen nicht von Besonderheiten, Einmaligkeiten, individuellen Stärken und vor allem von autonomer, eigenwertiger Bedeutsamkeit als Ausgangslage für die Anerkennung von Rechten. Wir sprechen von Leid, von fühlenden Wesen die Leiden können, der Rest bleibt erstmal zweitrangig in der Frage über Rechte. Dabei sind genau die Besonderheiten und die Autonomie des anderen Lebewesens, das, woran Recht sich bemessen können muss […].”

https://tierrechtsethik.de/eine-heraussonderung-von-leid-und-empfinden/ [18.04.2025]

“Es ist völlig üblich, dass Tierethiker*innen ihre Thesen immer noch genau auf jene Dichotomien aufbauen, die uns letztendlich das Anthropozän beschert haben.”

https://tierrechtsethik.de/the-nature-human-dichotomies-and-animal-ethicists/ [18.04.2025]

“Es tut mir leid, aber die Tierethik selbst ist wirklich auch nicht mehr als das, woraus sie zumindest in Academia geboren wurde: ein Unterfach der Bioethik. Sie erscheint wie ein defensiver Ableger der Bioethik, weil aus ihr immer nicht die Tierrechtsethik werden will.”

https://simorgh.de/about/von-fleischglaeubigen-und-relativierern/ [18.04.2025]

“Es gibt die Veganer_innen, die die gesundheitlichen Aspekte betonen, und diejenigen, die mit der ethischen Seite werben und primär argumentieren… soweit, dass Nichtmenschen ja auch fühlende Wesen sind; aber viel mehr wird auch nicht am anthropozentrischen Gerüst gekratzt … und das waren wohl auch schon beide Hauptströmungen im Veganismus. Beide sind in dem Punkt miteinander d’accord, dass sie auf die Ernsthaftigkeit der Tierunterdrückung nur mit einer Tierethik hinweisen, die Tiere immer noch als Objekte der Definitionshoheitsgebiete einer anthropozentrischen Naturwissenschaft, eines anthropozentrischen Rechts, solcher Religionen und Kulturen und Kulturverständnisse betrachten. Der eigentliche Unterdrückungsmoment ist also im weiß-zentrischen Veganismus immer noch nicht behoben.”

https://simorgh.de/about/introspektionen-und-distanz/ [18.04.2025]

Ethik, eh ein stoplriges Gefilde

Thema > Tierrechtskanon, 2017 > https://simorgh.de/talks_1/tierrechtskanon_1a.mp3 [18.04.2025]

Thema > Verbindungsstellen zwischen Menschen- und Tierrechten erkennen > https://simorgh.de/about/podcast-verbindungsstellen-zwischen-menschen-und-tierrechten-erkennen/ [18.04.2025]

 

 

Progressive speciesism in bits an pieces: Jokes about Birds Eggs

Typischerweise soll Speziesismus immer ein Lappalie sein. Und Der Hinweis auf trifleness reicht als antispeziesistischer Hinweis leider überhaupt null.

Typically, speciesism is always supposed to be a trifle. And referring to trifleness is completely inadequate as an anti-speciesist claim.

Warum ist Bluesky bis dato eine progressive aber nicht tierrechtsbewusste Platform? In Sachen Tierrechten hat das vermeintliche kulturkonsumeristisch-informierte Links- und Antifasein von heute das Ende seiner Fahnenstange offensichtlich erstmal erreicht.

Why is Bluesky still a progressive but not animal rights-conscious platform? When it comes to animal rights, the presumably culturally consumerist-informed left and anti-fascists of today have obviously reached the end of the rope. English below German version, please scroll down.

Am Thema Hühner/Ei erkennt man eben wieder den Unterschied:
Leute, die vegan/teilvegan oder vegan-positiv sind, machen Witze, die de facto speziesistisch sind.
Sie meiden deswegen nicht nur rad. Antispeziesismus, sondern auch jegliche antispeziesistische Enthierarchisierung (Analogievergleiche).

Typischer Duktus auf dieser Plattform: Themen, die nicht in die Agenda passen, die aber auch nicht irgendwo in einem feindlichen politischen Lager angesiedelt sind, einfach mal lapidar unterhöhlen. Tolle Taktik. Nur was wollen diese Personen damit erreichen???

Genau diese Unsubttilitäten bilden die Substanz, auf der heutiges regressives Verhalten sich tagtäglich aufbauen und produzieren kann. Man weiß es, und man will es offensichtlich gesellschaftlich genau so. Sonst hätten wir nicht diese Undercurrents, die stets am nervig dominantesten sein können.

Stellt “Euch” mal ganz offen der Frage, wie weit Eure Werteverständnisse in Wirklichkeit gehen? Sie gehen in den Punkten, in denen Selbstdenken und unabhängigeres Denken mal angesagt wären, genauso weit, wie die eurer “Erzfeinde”.

Ihr versteht das Wort vegan, aber ihr versteht die Probleme nicht, die vegan mal versucht hat zu adressieren.
“Vegan” haben viele heute derart geschafft von Antispeziesismus zu entkoppeln, wie nur was. Es besagt nichts über die Einstellung von Personen im Bezug auf tierrechtrelevante Fragen.

Zwei Beispiele: User Volker Dohr, Journalist ; User Psilz

Das einzige Interessante ist, dass groß artikulierte Sensibilitäten bei den einen Themen und ein Mangel an Kritik (die über ein kurzes Minimalraunen kaum hinausgeht) bei den weniger von den Mehrheiten priorisierten Themen, nicht automatisch impliziert, dass “wir” in “unserer Gesellschaft” ethisch irgendwie mal wirklich über ein paar weniger relativ konstant gleichbleibende Minimalkonsense hinauskämen.

Why is Bluesky still a progressive but not animal rights-conscious platform? When it comes to animal rights, the presumably culturally consumerist-informed left and anti-fascists of today have obviously reached the end of the rope.

The chicken/egg issue shows the difference again:

People who are vegan/partially vegan or vegan-positive make jokes that are de facto speciesist.
They therefore not only avoid rad. Antispeciesism, but also any antispeciesist de-hierarchization (analogy comparisons).

Typical style on this platform: simply succinctly undermine topics that do not fit the agenda, but which are also not located somewhere in a hostile political camp. Great tactics. But what are these people trying to achieve?

It is precisely these unsubtleties that form the substance on which today’s regressive behavior can be built and produced on a daily basis. We know it, and this is obviously what society wants. Otherwise we wouldn’t have these undercurrents, which can always be the most annoyingly dominant.

Ask “yourselves” quite openly how far your understanding of values really goes? It goes just as far as that of your “arch-enemies” in areas where self-thinking and more independent thinking would be needed.

You understand the word vegan, but you don’t understand the problems that vegan once tried to address.
Today, many have managed to decouple “vegan” from anti-speciesism like nothing else. It says nothing about people’s attitudes towards animal rights issues.

The only interesting thing is that widely articulated sensitivities on some topics and a lack of criticism (which hardly goes beyond a brief minimal murmur) on the topics less prioritised by the majorities does not automatically imply that ‘we’ in ‘our society’ would somehow really get beyond a few relatively constant minimal consensuses.

 

Reduktion durch ein Konzept

Das Konzept “Spezies”, der Art also, ist äußerst reduktiv. Man fokussiert unter bestimmten Gesichtspunkten auf bestimmte Gesichtspunkte. Dabei könnte man viel umspannendere Überlegungen zur Auseinandersetzung mit nichtmenschlichen Tieren anstellen, die weitaus komplexer wären.

Gruppe Messel Tiersoziologie

The concept of “species” is extremely reductive. It focuses on certain aspects from certain points of view. However, one could make much more comprehensive considerations in regard to non-human animals, which would be far more complex.

Animal Sociology Group Messel

El concepto de «especie» es extremadamente reductivo. Se centra en ciertos aspectos desde ciertos puntos de vista. Sin embargo, se podrían hacer consideraciones mucho más comprensivas con respecto a los animales no humanos, lo que sería mucho más complexo.

Sociología animal, Gruppe Messel

Le concept d'”espèce”, de spécimen donc, est extrêmement réducteur. On se focalise sur certains points de vue, sur des aspects particuliers. On peut pourtant mener des réflexions beaucoup plus vastes et complexes sur la réflexion sur les animaux non humains.

Sociologie animale, Gruppe Messel

Antispe und Kunst (1)

Ob Apologet oder strikter Befürworter oder vehement überzeugter Anhänger.

Leute, die mit Speziesismus in der Kunst kein Problem haben, sind, übertragen auf den Bereich Kunst, das gleiche, wie die Befürworter jeglichen anderen Speziesismus.

Die Parallele gilt auf der ganzen Ebene.

antispekunst – patriarchale und matriarchale Geflechte beenden.

Sensibilisieren Gewaltzeugnisse und Textlyrik im Tierrechtsarchiv: Anarchopunk (3)

Sensibilisieren Gewaltzeugnisse?: In welchen Kontexten ja und in welchen Kontexten fehlt der ethische Unterbau.

Gerade in diesem Punkt konnten kreative Aufarbeitungen und Botschaften gesellschaftskritischer Haltungen hilfreich sein. In Tierrechtspunk – Tracks wurden Situationen angerissen, aus eigener Sicht geschildert, umschrieben und im Ton der kritischen Meinung der gesellschaftlichen Normalität entgegengestellt.

Beispiel: Meat Means Murder von Conflict > Text mit Übersetzung, siehe weiter unten.

Ein wichtiger schwieriger Diskussionspunkt >

sensibilisieren Gewaltzeugnisse?

Fragen, die sich dazu aufwerfen:

Overall, all the images of animals (in this case) being displayed by groups, in situations of torture and suffering – at the point when you realize that the recipients of your educational message are either consciously unresponsive or even enjoying a specific destructive form of supremacy over animals, should you keep displaying the animals in the total oppression, or should you start to rather talk about what’s morally lacking and deficient in the ignorant recipients? – wir schnitten die Frage/n in “Footage or AR Snuff” an > https://www.simorgh.de/philozoe/deep_veganism/footage_or_snuff.htm

“Alles in allem, all die Bilder von Tieren (in diesem Fall), die von Gruppen in Situationen der Folter und des Leidens gezeigt werden – an dem Punkt, an dem Sie erkennen, dass die Empfänger Ihrer erzieherischen Botschaft entweder bewusst nicht reagieren oder sogar eine bestimmte destruktive Form der Vorherrschaft über Tiere genießen, sollten Sie die Tiere in der totalen Unterdrückung weiter zeigen, oder sollten Sie eher anfangen, darüber zu sprechen, was bei den unwissenden Empfängern moralisch fehlt und mangelhaft ist?”

Andere Stimmen:

“Da zahlreiche unkritische Menschen Führungspositionen in den Bewegungen einnehmen, verlässt man sich auf sehr einfache, an der Oberfläche verharrende Taktiken um Menschen zu einem politischen Lebensstil hingehend zu „schocken“. Daher hat der Veganismus auch einen entsprechend schlechten Namen erhalten … er bleibt an der Oberfläche und ist sensationalistisch. Bildlichkeit kann funktionieren, insbesondere wenn sie an ein neues Rahmenwerk gebunden wird … aber die Schaffung neuer konzeptueller Rahmenwerke ist generell genau der Teil, der übersehen wird.

Taktiken die primär Bilder nutzen, erinnern mich an so manche Feminist_innen, die sich auf eine sexualisierte Bildmetaphorik, in der Frauen dargestellt werden, stützen, um Menschen dahingehend zu schockieren, damit sie beginnen sich gegen Sexismus einzusetzen … es ist so … wenn du Menschen kein neues Rahmenwerk bietest, mit dem sie problematische Verhaltensweisen begreifen lernen können, dann ist alles was sie da sehen, einfach noch mehr Bebilderung von jeweiligen Objekten die hier objektifiziert werden.

Ich will damit nicht sagen, dass Leute ihr Verhalten nicht ändern könnten, wenn sie solche Bilder gesehen hätten; was ich sagen möchte ist, dass ich nicht gezwungenermaßen davon ausgehe, dass dadurch ein langfristiger Wechsel stattfinden wird. In unseren Bewegungen konzentrieren wir uns zu sehr auf die Opfer, ohne dabei zu verstehen, weshalb diese Körper eingangs überhaupt zu Opfern geworden sind. Sie sind schließlich nicht über Nacht zu Opfern geworden und wir müssen ebenso konzeptuell arbeiten um dieses Problem zu lösen. Viele Leute begreifen nicht, dass das Denken tatsächlich einen Teil unseres Aktivismus ausmachen sollte. Das Denken wurde schon viel zu lange von der akademischen Welt vereinnahmt und so meinen wir, dass wir Theorie und Gedankenentwicklung eben ‚diesen’ elitistischen Menschen überlassen sollten … wenn genau aber dies doch einen Teil der öffentlichen Domäne ausmachen sollte.”

Aph Ko im Interview mit Mark Hawthorne > https://simorgh.de/about/mark-hawthorne-interviewt-aph-ko/

Conflict – Meat Means Murder. Übersetzung weiter unten.

(First release: Album: It’s time to see who’s who, 1983 ; https://www.discogs.com/release/367062-Conflict-Its-Time-To-See-Whos-Who )

The factory is churning out all processed packed and neat,
An obscure butchered substance and the label reads MEAT,
Hidden behind false names such as Pork, Ham, Veal, and Beef,
An eyes an eye, a life’s a life, the now Forgotten belief,
And everyday production lines are feeding out this farce,
To end up on a table, then shot out of an arse
Yet still they’r queuing and still they’r viewing,
Sawing out limbs just right for stewing,
Carcasses piled up in a heap,
Sort juicy chunks from freezers deep,
Well can’t you see that juice is blood,
From newborn throats red rivers flood,
Blood form young hearts, blood from the veins,
Your blood their blood serves the same

Now you’re at the table, sitting, grinning.
Sitting there eating you never realize the filling.
It’s served upon a sterile plate you don’t think of killing,
The furthest your brain takes you, is it for frying or for grilling?
You moan about the seal cull, about the whale slaughter,
But does it really matter whether it lives on land or water?
You’ve never had a fur coat, you think is crule to the mink,
Well How about the cow, pig or sheep don’t they make you think?
Since the day that you were born you’ve never been told the missing link,
Yet still there queuing and still there viewing,
Sawing out limbs just right for stewing,
Carcasses piled up in a heap,
Sort juicy chunks from freezers deep,
Well can’t you see the juice is blood,
From newborn throats red rivers flood,
YOUR BLOOD, THERE BLOOD, serves the same.

Conflict – Fleisch bedeutet Mord

Die Fabrik stößt alles aus, verarbeitet und feinsäuberlich verpackt,
Eine obskure, gemordete Substanz auf deren Etikett FLEISCH steht,
Hinter falschen Bezeichnungen wie Schwein, Schinken, Kalb und Rind,
Ein Auge ist ein Auge, ein Leben ein Leben, ein nun vergessenes Wissen,
Und täglich wird diese Farce weiter am Fließband generiert,
Um auf einem Tisch zu landen und dann aus einem Arsch herausgeschissen zu werden,
Und weiter stehen sie Schlange und weiterhin schauen sie,
Gliedmaßen aussortierend, die sich eignen zum Schmoren,
Kadaver zu Haufen aufgetürmt,
Sortiert man die saftigen Stücke aus dem Tiefkühler,
Doch seht ihr nicht, der Saft ist Blut?
Aus neugeborenen Kehlen fließen die roten Flüsse,
Blut aus den jungen Herzen, Blut aus ihren Adern,
Euer Blut oder ihr Blut, dient dem Gleichen.

Jetzt sitzt du hier am Tisch und grinst.
Sitzt da und isst, und denkst nie über deine Speisen nach,
Alles auf sterilen Tellern serviert, denkst du dabei nicht ans Töten,
Der weiteste Gang, den dein Gehirn gehen mag ist, ob das hier zum Braten oder zum Grillen geeignet ist
Du beklagst das Robbensterben, das Abschlachten der Wale,
Aber spielt es wirklich eine Rolle, ob ein Tier am Land oder im Wasser lebt?
Du hattest noch nie einen Pelzmantel, du denkst, das ist grausam gegenüber dem Nerz,
Aber was ist mit der Kuh, dem Schwein, dem Schaf, geben die Tiere dir nicht zu denken?
Seit dem Tag, an dem du geboren wurdest, hat man mit dir nie über den fehlenden Verbindungspunkt gesprochen,
Doch du stehst immer noch in der Schlange und schaust dir alles an,
Sortierst die Gliedmaßen, die gerade richtig sind zum Schmoren,
Kadaver gestapelt in einem Haufen,
Sortierst du die saftigen Stücke aus dem Tiefkühler,
Doch siehst du nicht, dass dieser Saft Blut ist?
Aus jungen Kehlen fließen die roten Flüsse,
DEIN BLUT, IHR BLUT, dient Demselben.

rev. 16.07.25

William Blake: Weissagungen der Unschuld

Aus: William Blake: Ausgewählte Dichtungen. Übertragen von Adolf Knoblauch, Berlin, 1907
> https://archive.org/details/ausgewhltedicht00knobgoog (Zugriff 22-07.2024)

Englische Fassung, z.B. auf > https://simorgh.de/thequest.html

William Blake: Weissagungen der Unschuld

0, sieh in einem Sandkorn eine Welt
und in einer wilden Blume einen Himmel,
halte das Unendliche in der Palme deiner Hand
und Ewigkeit in einer Stunde.

Ein Rotkehlchen mit roter Brust in einem Käfig setzt den ganzen Himmel in eine Wut.

Ein von Tauben erfüllter Taubenschlag schaudert die Hölle durch all ihre Tiefen.

Ein Hund, an seines Herrn Tür erfroren, sagt den Untergang des Staates vorher.

Ein Kampfhahn, beschnitten und zum Gefecht bewaffnet, erschreckt die aufgehende Sonne.

Ein Pferd, missbraucht auf der Landstrasse, ruft gen Himmel nach menschlichem Blut.

Jedes Wolfes und jedes Löwen Geheul hebt aus der Hölle eine menschliche Seele.

Jeder Schrei des gejagten Hasen reisst eine Faser aus dem Gehirn.

Eine Feldlerche, am Flügel verwundet, hält einen Cherub im Singen auf.

Wer den kleinen Zaunkönig verletzt, wird niemals von Menschen geliebt;

Wer den Ochsen zum Zorn erregte, wird niemals vom Weibe geliebt.

Wer das Ross für den Krieg abrichtet, soll niemals die Pol-Schranke überschreiten.

Der mutwillige Knabe, der die Fliege tötet, soll die Feindschaft der Spinne fühlen.

Wer des Käfers Lebensgeist quält, webt eine Laube in endloser Nacht.

Die Raupe auf dem Blatt ruft dir den Schmerz deiner Mutter zurück.

Der wilde Hirsch, hier und da wandernd, erhält die menschliche Seele vor Kummer.

Das missbrauchte Lamm brütet öffentlichen Zwist und vergibt noch dem Messer des Schlachters.

Töte nicht die Motte und den Schmetterling, denn das letzte Gericht zieht dicht heran.

Des Bettlers Hund und der Witwe Katze: füttere sie und du sollst fett werden.

Jede Träne aus jedem Auge wird ein Kindlein in Ewigkeit.

Das Blöken, das Bellen, das Heulen und Brüllen sind Wogen, die an die Küste des Himmels anschlagen.

Die Fledermaus, die bei Abendende flattert, hat das Ge-hirn verlassen, welches nicht glauben will.

Die Eule, die die Nacht heraufruft, spricht den Schrecken des Ungläubigen aus.

Die Mücke, die ihres Sommers Sang singt, erhält Gift von des Verleumders Zunge.

Das Gift der Schlange und des Molchs ist der Schweiss vom Fuss des Neides.

Das Gift der Honigbiene ist die Eifersucht des Künstlers.

Das stärkste, je bekannte Gift kam aus der Lorbeerkrone Caesars.

Nichts kann die menschliche Rasse entstellen wie der Eisentragriemen des Waffenschmieds.

Der Soldat, bewaffnet mit Schwert und Flinte, trifft gelähmt des Sommers Sonne.

Wenn den Pflug Gold und Edelsteine schmücken, soll Neid sich vor friedlichen Künsten beugen.

Die Bettlerlumpen, die in der Luft flattern, zerreissen die Himmel in Lumpen.

Die Prinzenkleider und die Bettlerlumpen sind Giftpilze auf den Säcken des Geizhalzes.

Ein Pfennig, von des Arbeiters Händen gepresst, soll die Lande des Geizhalzes kaufen und verkaufen.

Oder, wenn von hoch oben beschützt, soll er jene ganze Nation verkaufen und kaufen.

Der Pfennig des armen Mannes ist mehr wert als all das Gold an Afrikas Küste.

Die Dirne und der Spieler, vom Staat erlaubt, bauen das Geschick jener Nation.

Der Ruf der Hure von Strasse zu Strasse soll des alten England Leichentuch weben;
Der Jauchzer des Gewinners, der Fluch des Verlierers sollen vor des toten England Bahre tanzen.

Wer den Glauben des Kindes verspottet, soll im Alter und Tod verspottet werden.

Wer das Kind zweifeln lehrt, soll niemals dem modernden Grab entrinnen.

Wer den Glauben des Kindes achtet, triumphiert über Hölle und Tod.

Das Kindchen ist mehr als Wickelbande durch all diese Menschenlande.

Werkzeuge wurden gemacht, und geboren wurden Hände: jeder Bauer versteht das.

Der Frager, der so schlau sitzt, soll niemals wissen, wie er antworten soll.

Wer den Worten des Zweifels antwortet, löscht das Licht des Wissens aus.

Ein Sumpf oder der Ruf der Grille sind eine passende Antwort auf Zweifel.

Des Kindes Spielzeug und die Vernunft des alten Mannes sind die Früchte von den zwei Jahreszeiten.

Der Ameise Zoll und des Adlers Meile bringen lahme Philosophie zum Lächeln.

Eine Wahrheit, die mit schlechter Absicht gesagt ist, schlägt all die Lügen, die du erfinden kannst.

Wer an dem zweifelt, was er sieht, wird niemals glauben,
tu, was dir beliebt.

Wenn die Sonne und der Mond zweifeln sollten, würden sie sofort ausgehen.

Jede Nacht und jeden Morgen sind Einige zum Elend geboren.
Jeden Morgen und jede Nacht sind Einige zu süssem Entzücken geboren.

Einige sind zu süssem Entzücken geboren, Einige sind zu endloser Nacht geboren.

Freude und Schmerz sind schön gewebt zu einem Kleide für die göttliche Seele.
Unter jedem Schmerz und jeder Pein läuft eine Freude mit seidenem Faden;
es ist recht, es sollte so sein : der Mensch wurde zu Freude und Schmerz gemacht.
Und, wenn wir dies richtig wissen, gehen wir heil durch die Welt.

Wir werden verleitet, eine Lüge zu glauben, wenn wir mit dem,
nicht durch das Auge sehen,
welches in einer Nacht geboren wurde, um unterzugehen

in einer Nacht, als die Seele in Lichtesstrahlen schlief.
Gott erscheint und Gott ist Licht für jene armen Seelen,
die in Nacht wohnen,
aber entfaltet sich eine menschliche Form für jene, die in
den Reichen des Tages wohnen.

WILLIAM BLAKE

AUSGEWÄHLTE DICHTUNGEN
ÜBERTRAGEN VON ADOLF KNOBLAUCH

OESTERHELD & CO. VERLAG • BERLIN 1907

Nur Mut

Nur Mut

Unsichtbare Tiere, Tierobjektifizierung und der Begriff des “abwesenden Referenten” … wäre was für eine Einführung für hartgesottene Tierschützer, denen Tierrechte noch nicht plausibel erscheinen wollen, und die daher zum Teil des Problems werden können, weil zu antiprogressiv.

Zu wenig Vertrauen, aber aus privilegierter Position heraus, in Homo sapiens, als vernunftbegabte Wesen? Über alles können sie reden, nur die verschiedenen Stränge im Interesse der Tiere – die missing links – werden nicht mal offen zusammengeführt. Wo ein Wille wäre, wäre ein Weg. Innerhalb der Tierschutzszene sollten Tierrechtsorientierte nicht alleine dastehen müssen, zudem; das wäre das sich anschließende chapter. Wir erleben gegenwärtig eine Spaltung diesbezüglich unter Aktiven, die auch offen wahrgenommen werden muss.

Eine Bewegung sperrt sich der nächsten, in Sachen Progressivität. Da braucht man kein Infighting mehr. Und wie immer: wer wartet, dass die vermeintlichen “Bildungs-Eliten” da erst mit irgendwelchem Überwissen die Menschheit bekehren oder “eines besseren Belehren”, der unterstützt nicht mehr als einem antidemokratischen nicht-partizipativen Diskurs, der in dieser Sache “von unten”, sprich “von überall”, kommen muss. Weder Menschenrechtsbelange noch Tierrechtsbelange können jemals Nischenthemen oder “Experten”-abhängige Themen sein. Wer Demokratie und Gesellschaft ohne Hierarchien will, der soll sie auch machen.

Nur Mut.

 

Kein Antispe mehr, sondern Anti-Tierobjektifizierung

Kein Antispe mehr, sondern Anti-Tierobjektifizierung

Warum wir vom Paradigma des Speziesismus/Antispeziesismus abrücken und uns stattdessen auf die Ebenen von Tierobjektifizierung konzentrieren, die unserer Meinung nach tiefer in das perspektivische ethische Problem hineinreichen, mit dem wir uns an den Schnittstellen zwischen Tierrechten und Menschenrechten befassen müssen.

Auf welchen Ebenen und Schichten operieren diese Blickwinkel:

Speziesismus/Antispeziesismus – operiert auf der Ebene, die irgendwann in der Geschichte zu dem Fokalpunkt biologischer Marker wurde (z. B. die Ebene der Morphologie und Phylogenetik, Taxonomie). Wir müssen uns bewusst machen, wie wir den Begriff „Spezies“ verstehen, um diesen Blickwinkel im Bereich der Tierrechte sinnvoll zu nutzen.

Unter dem Gesichtspunkt von „Spezies“ können wir uns anschauen, wie menschliche Gesellschaften diesen Begriff geformt und angewendet haben – rechtlich, politisch, kulturell usw.

Opposing Animal Objectification / gegen Tierobjektifizierung zu opponieren – geht von „Animalität“ als einem bewusst „externen“, weniger die Integrität verletzenden, deskriptiven (nicht definitorischen) Begriff aus, der mehr Offenheit für eine emanzipatorische Sprache schafft.

Der Blickwinkel einer „Gegnerschaft zur Tier-Objektifizierung“ dekliniert kulturell institutionalisierte und ritualisierte Formen, in denen „Tiere“ auf den deskriptiven und definitorischen Ebenen objektiviert werden. Dieser perspektivische Ansatz versucht, in weniger themenbelastender Weise voraussetzend zu sein als der speziesorientierte Ansatz an Tierrechte.

Gruppe Messel


Repost aus unserem > Visual Opinions Workshop > https://tierrechtsethik.de/anti-tierobjektifizierung/