Tierrechte, sind nicht die vom Menschen verordneten Rechte …

Tierrechte müssen sich nach Tieren ausrichten, nicht nach dem menschlichen Verständnis von ihnen. Nicht nach humanzentrischen Konstrukten. Wie erkennen wir Tiere und ihre (eigenen) Rechte?

Verlieren wir unsere spezisistischen Vorurteile, unseren Humanzentrismus (der “Mensch” als Parameter für Objektivitätsbestimmung), dann hätten wir eine Chance dazu, Tiere sich selbst sein zu lassen und zu lernen, wie wir mit ihnen statt gegen sie leben.

Wollen wir Tiere verteidigen, so müssen wir SIE anerkennen, und nicht unser Konzept vom “Tier” – sei es biologisch, religiös oder philosophisch konstruiert. Hier hilft nur der völlig “nackte” Verstand.

Mica notiert dazu: ‘Erinnert mich an ‘Haben oder Sein’ von Erich Fromm. Die drei Beispiele der Begegnung mit der Natur, mit der das Buch anfängt. Tennyson, der die Blume ausreißt und bewundert, Goethe der sie umpflanzt, weil er sich bewusst ist, dass die Pflanze sonst stürbe (…) und Basho der Zen-Dichter, der Schönheit und Sein der Pflanze “einfach nur” kontempliert und sie so nimmt, wie sie da wächst, ohne “einzugreifen” in das, was er da sieht und zu “fassen” sucht. Ui.’

Genau, und um diesen Neuraum zu definieren brauchen wir, so glaube ich, tatsächlich eine neue Terminologie, die sich einlässt auf die Verbindung von:

  • Respekt und Achtung des Anderen – in dem Fall des nicht durch den humanzentrischen Menschen erfassbaren Anderen
  • und der praktischen Notwendigkeit, zu einem ethischen und machbaren Schluss in der Mensch-Tier-Beziehung zu kommen

Alle Relativismen hin- und her. Ich weiß nicht, ob die westliche Philosophie, die aus der griechischen-römischen Antike und den judeo-christlichen und abrahamitisch geprägten Wurzeln Europas entwachsen ist, dazu reichen kann.

Willensfreiheit, die abrahamitischen Religionen und die Naturwissenschaften

«Willensfreiheit» in Augustinus Werk de civitate dei : http://bit.ly/augustinus_willensfreiheit , siehe auch allgemein http://de.wikipedia.org/wiki/Freier_Wille.

versus

“Wolf Singer – dessen Credo sein Geheimnis bleibt – ist Beirat in der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung. Als Hirnforscher kam er zu dem Schluss, der Mensch habe keinen freien Willen. Weil das die Theologie seit Paulus an den Wurzeln trifft, wird Singers Position am Vatikan mit offenen Ohren gehört.” source: http://bit.ly/AtPDmh

Der Mensch besteht also aus Sündertum / Schuldig-Sein und kann sich über irgendeinen Determinismus nicht hinaus bewegen, höchstens ein Glaubensbekenntnis ablegen?

“Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören von Freiheit zu sprechen.” so meint dieser jenige Gehirnforscher, siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Wolf_Singer (letzter Zugriff: 21.02.12)

Freiheit liegt aber, so denke ich, im Wirken des Gesamten.

Polemischerweise könnte man auch fragen: Handeln zum Beispiel Demonstranten – wie jetzt in den politischen Unruhen globalen Ausmaßes – aus einem unfreien Denken heraus? Wohl kaum. Ihre Gehirne sind aber nicht alle sezierbar und im Individuum wird sich keine absolute Regelmäßigkeit feststellen lasssen, die den Grundsatz der Einmaligkeit jeden Lebens (die Individualität) in Frage stellen kann.

Zu Augustinus und dem freien Willen: Sehr wohl wurde die Frage des Willens im Menschen auch im Christentum bejaht, wie von Augustinus, denn immerhin musste ein Mensch ja fähig sein, sich dazu entscheiden zu können – aus freiem Willen – Christ zu werden, und anderen Glaubensrichtungen oder “-verirrungen” damit abzusagen.

Auch muss man sagen es ist vorstellbar, dass Wolf Singer davon ausgeht, dass es keine Freiheit im Leben eines biologischen Organismus an und für sich gibt. Er begeht als vivisektionausübernder Gehirnforscher Gewalt an Tieren, und jedes fühlende Wesen, das mit Gewalt konfrontiert ist, wird unfrei, weil es Angst hat, weil ihm Schmerzen angetan werden.

Macht, im Sinne von gewaltausübender Macht, kann Freiheit nicht verstehen. Niemals … .

 

Freiheit und Wohlstand

Interessant

Für Hannah Arendt sind Freiheit und Wohlstand Antonyme, in dem Moment, in dem man Gefahr liefe, beide zu verwechseln. Wohlstand gewährleistet keine Freiheit. Nur die völlige nackte Armut verhindert die Chance zur Auflehnung überhaupt.

Hannah Arendt: Wahrheit, Macht, Moral By Hans-Martin Schönherr-Mann

In der Freiheit realisiert sich der Sinn alles Politischen, der sich nicht darauf reduzieren darf, Wohlstand zu gewährleisten.

http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%9Cber_die_Revolution

Unter Freiheit versteht Arendt nicht Befreiung von Not, Elend oder Furcht. Diese Befreiung sei eher negativer Art, in fast jeder Staatsform möglich und eine gute Voraussetzung für eine Revolution. Positiv verstanden bedeute Freiheit die Möglichkeit, frei zu handeln.

Auch hier Kommentare zum Begriff von der Betonung von Freiheit statt Wohlstand bei Hannah Arendt

Die Sorge um die Welt und die Freiheit des Handelns: zur institutionellen … By Jürgen Förster

+ … siehe auch diesen Auszug aus: Die Pathologie der Moderne- Hannah Arendt und der Verlust der politischen … von Andreas Bock

etc.

Herr K. der kürzlich den H. Arendt Preis erhielt, hat dieses wichtige Axiom bei Arendt politisch nicht verstanden:

http://www.fr-online.de/blob/view/11260676,8499320,data,kermani-arndt-preisrede.pdf.pdf

“Es ist im Sinne der Weltbürgerschaft, die Hannah Arendt für das politische Handeln anmahnte, eine Aufgabe auch für uns – und zwar nicht nur für politische Stiftungen. Was die arabischen Völker jetzt am dringendsten benötigen, ist nicht die Aufklärung über ihre Rechte, sondern handfeste Beiträge zum Abbau der Massenarmut, also etwa die Aufhebung von Zöllen, das Ende subventionierter Agrarexporte, die die lokale Landwirtschaft zerstören, die Entwicklung der Infrastruktur, von Strom, Wasser, Energie, Bildung, natürlich auch Wirtschaftshilfen und eher kurz- als mittelfristig die Integration in den europäischen Binnenmarkt. Ja, das würde teuer, das würde sehr viel mehr kosten als Broschüren, die an die sentimentale Sprache von Tierschutzvereinen erinnern. Aber wieviel wäre für Europa politisch, ökonomisch und strategisch verloren, wenn sich südlich des Mittelmeeres die Geschichte seiner eigenen Revolution wiederholte.”

Vielleicht hätte Herr K. sich nicht an diesem Zitat aufhängen sollen:

“Even worse was that all societies formed for the protection of the Rights of Man, all attempts to arrive at a new bill of human rights were sponsored by marginal figures– by a few international jurists without political experience or professional philanthropists supported by uncertain sentiments of professional idealists. The groups they formed, the declarations they issued, showed an uncanny similarity in language and composition to that of societies for the prevention of cruelty to animals. No statesman, no political figure of any importance could possibly take them seriously;” – hannah arendt, origins of totalitarianism, p. 289, 1954 edition.

Und zurück zu der Frage über Wohlstand oder Freiheit:

http://www.iep.utm.edu/arendt/ In the case of the French Revolution, the subordination of political freedom to matters of managing welfare (the “social question”) reduces political institutions to administering the distribution of goods and resources (matters that belong properly in the oikos, dealing as they do with the production and reproduction of human existence). Meanwhile, the American Revolution evaded this fate, and by means of the Constitution managed to found a political society on the basis of comment assent. Yet she saw it only as a partial and limited success. America failed to create an institutional space in which citizens could participate in government, in which they could exercise in common those capacities of free expression, persuasion and judgement that defined political existence. The average citizen, while protected from arbitrary exercise of authority by constitutional checks and balances, was no longer a participant “in judgement and authority,” and so became denied the possibility of exercising his/her political capacities.

also, as quoted here: also, as quoted here:

“[…] When they appeared on the scene of politics, necessity appeared with them, and the result was that the power of the old regime became impotent and the new republic was stillborn; freedom had to be surrendered to necessity, to the urgency of the life process itself. Revolutionary government became hostage to the (biological) welfare ofthe people (1963, 60). Robespierre referred to it as ‘missing the moment to found freedom.’” – Hannah Arendt, On Revolution (1963, reprint London: Penguin, 1990, pp. 60.

Arendt insists not only that politics should have nothing to do with welfare or economic justice, but also that any attention paid to such concerns will jeopardize the ability of politics to deliver the one good – freedom – that is actually in its power to provide. To saddle politics with welfare issues is utterly futile, because politics and political institutions cannot successfully adress such issues. Hannah Arendt: an introduction by John McGowan.

etc.

Der vegane Mainstream

Warum vegan mainstream ist, auch wenn noch nicht mal eine Mio Bundesbürger bislang vegan sind … ?

“Vegan” ist inzwischen wie “Vegetarier”, es ist ein mehr oder weniger technischer Begriff, der schlichtweg beschreibt was eine Person isst, anzieht und benutzt.

Vegan ist eine Lebensweise, die aber nichts über jemandes sonstige Haltungen zu anderen Themen aussagt. Ich erinnere mich an die Zeiten in den 80ern, wo viele teilweise eher interessantere Leute oder langweilige sektiererhafte Typen Vegetarier waren. Zu der Zeit gab es noch sehr wenig Veganer_innen (insbesondere außerhalb Englands – wobei es auch, technisch gesehen, “vegan”-lebende Menschen in anderen Teilen Welt immer gegeben haben kann … ). Es gab zu der Zeit keine spezifische Gruppe, die für eine besondere Haltung des “Vegetariers” schlechthin stand. Vegetarismus war das, was es war: eine Art sich zu ernähren, die man aus ethischen, gesundheitlichen, religiösen oder sonst welchen Gründen für sich als Lebensweise annahm.

Mir scheint es, dass man das Gleiche eigentlich inzwischen auch für den Veganismus behaupten kann. Menschen mit den verschiedensten Hintergründen – ethnisch, ethisch, gedanklich – sind und werden heute vegan.

Vegan ist die konsequente Erweiterung des Vegetarismus, und was das besondere in unserer Jetztzeit ist, ist dass das ethische Interesse an sowohl der Mensch-Tier-Beziehung als auch am Thema Umwelt (das heißt der Mensch und die Welt in der er/sie lebt … ) in einer vorher nicht dagewesenen Art und Weise und Dringlichkeit in unser Vorderbewusstsein gerückt ist.

Vegan sein …

Vielen sagen vegan sein hieße ein “Verzicht” …

Leben zu zerstören – zu töten – ist kein Verzicht?

Leben zu schützen, zu achten, zu respektieren, ist ein Verzicht?

Auf welcher Seite der Gleichung bewegt sich das Denken von Jemandem?

Ist er oder sie Pro-Tötung nichtmenschlichem tierischen Lebens? Oder ist er oder sie eins, zusammenfühlend, -denkend und -handelnd mit den so anderen, so bewundernswerten Lebenwesen die wir Tiere nennen?

Destruktivität ist nicht nur immer Ausdruck  der eigenen Selbstdestruktivität, Destruktivität ist auch die Folge verantwortungslosen Denkens, eines Denkens, das nicht fähig ist die großen Bezüge vom “Selbst” hin zur unbegrenzten Außenwelt herzustellen.

Vegan sein heißt Leben zu achten. Das der anderen Lebenwesen, das eigene und das Leben als Ganzes, die ganze Welt in ihrer Komplexität.

Vegan sein ist kein Verzicht.

Eine ungleiche Gleichung: Töten oder verstehen lernen wollen

Anmerkung zu der Grafik:

Die Frage warum sich das Problem des Tötens bei Raubtieren anders gestaltet als beim Menschen muss man gesondert thematisieren. Eines das ich dazu aber grundsätzlich sagen will ist, dass unsere Verantwortlichkeit und undere Rolle auf dieser Welt und unser Sinn eigen und selbstgegeben sind. Wenn nichtmenschliche Tiere andere Tiere töten, liegt das im Bereich ihrer Lebensweise und ihrer Lebensethik. Die Lebensphilosophien allen existierenden Lebens haben Schnittstellen miteinander die sich auf differenzierte und diefferenzierbare Weise zueinander verhalten können.