Fragment Tiersprache, ‘Tiersprech’

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Eigenes antispeziesistisches Gedankengut in Kürze ausdrücken, um Tierrechte thematisch damit in den Mittelpunkt täglichen ethischen Denkens, Sprechens und Handelns zu rücken:

Thema sprachliche Aspekte auf allen tier-menschlichen Ebenen

  • Eine Lingua franca zwischen Menschheit und Tierheit, Menschsein und Tiersein
  • Eine emanzipatorische, von vorgefassten spezies-derogativen Definitionen befreite Terminologie in der Tierbefreiungssprache entwickeln
  • Anerkennung anderer tierlicher Sprachsysteme als eigenständig, vollständig komplex, nicht nach gegenwärtigen humanzentrischen linguistischen und sprachwissenschaftlichen Kriterien einzugrenzen. Das Nichtverstehen zulassen, nicht ausdeuten, Sprache als unbegrenzt komplexes System der Kommunikation zwischen Individuen anderer Tierspezies zugestehen, Freiraumschaffung durch Anerkennung von Sprachautonomie verschiedener gelebter Lebensräume. Keine Reduktion auf biologistische Verhaltenserklärungsmuster zur Ausdeutung von tierlicher Sprache anwenden.

Biologismus als Speziesismus

Biologismus als Speziesismus

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Den Begriff „Biologismus“ werden die meisten ausschließlich im Zusammenhang mit Diskriminierungsformen gegen andere Menschen kennen [1]. Ich wähle hier eine Perspektive, die Nichtmenschen mit einbezieht als Subjekte und Objekte biologistischer Betrachtungsweisen. Der Biologismus geht von einer Einteilbarkeit der Welt, ihrer Phänomene und Bewohner aus, bei der ein Teil der individuierten Welt als „Flora“ und „Fauna“ primär biologisch erklärbar ist und die andere Seite mit weitaus mehr Kriterien beurteilt wird, solchen etwa wie zum Beispiel Geist, Kultur, Transzendenz, Denken, Phantasie und Politik, Fortschritt, Macht, Identität. Die Welt wird dabei prinzipiell unterschieden in: den Raum der ‚Natur’ als biologischen Urzustand und den Raum des ‚Menschlichen’ als Ort an dem so etwas wie Kultur existiert.

Unsere strikte Trennung dessen, was ‚menschlicher Kulturraum’ ist und was ‚bloß’ Natur (bzw. so etwa “biologische, organische Materie“) ist, drückt sich in einer radikalen Entwertung nichtmenschlicher Lebenskontexte aus. Alles vermeintlich primär-biologisch-Betrachtbare wird dabei auf die Stufe eine dienstbaren „Ressource“ für den Menschen reduziert, als ein Mittel zum Zweck, und wird somit Gegenstand theoretischer und kategorischer Beherrschbarkeit und erst dadurch unterdrückbar.

Das, was die Andersartigkeit und die charakteristischen Besonderheiten von nichtmenschlichen Tieren ausmacht, so die Tierkommunikation, tierliche Verhaltensweisen, tierliche Vernunft, tierliches Denken, tierliches Dasein – all das wird zugeordnet zu Dingen, die als unter biologischen Kriterien allein beobachtbar seien. Alles Geistig-kulturelle und alle Möglichkeiten sinnvoller Handlungsebenen werden ausschließlich als in unseren (primär humanzentrischen) Gesellschaften vorkommend verortet.

Die Natur insgesamt und der Lebensraum – nicht im biologischen, sondern eher in einem andersartig kulturellen Sinne als dem menschlichen – wird als biologische Materie subsumiert. Eine Materie die weniger bedeutsam sein soll und weniger Sinnträchtig sein soll, als der Raum, den Menschen für ihr Dasein auf allen gangbaren Ebenen beanspruchen. Die Art der fundamentalen Verschiedenheit in den Prioritäten zwischen menschlichen Kulturräumen und tierlichen Kulturen, wird begründet mit dem Biologischen als schwerwiegendem Kriterium der Einteilbarkeit, im Sinne dessen das alles, was in starker Bezogenheit zum ‚Naturhaften’ steht, geistlos sei. Dabei werden die Sphären des nichtmenschlich Tierlichen und die des Pflanzlichen weitestgehend zusammengefasst und genau deren Kontextualität als biologistischen Determinismen folgend abgewertet. Die Begründbarkeit dazu wird geschaffen, sie ist aber nicht reell, denn der Fokus der Beobachtung bleibt auf bestimmte Handlungsweisen und Abläufe im Tier-Tier und Tier-Umwelt-Kontext begrenzt und zum Einsatz kommende Modelle der Analyse und Beobachtung stecken begrenzte Rahmen und richten sich an immer gleichen Parametern aus, die nichtmenschliches Sein eher der Definition als der autonomen Realität des beobachteten Gegenübers zuschreiben. Es ist schier unzulässig innerhalb der üblichen biologistischen Rahmen, die speziesitischen Unterdrückungmechanismen gleichkommen, jegliche Erscheinung und Verhaltensweise oder Existenzform einmal nicht biologistisch-reduktiv zu betrachten. Solch ein Akt würde einem Tabu gleichkommen, das gebrochen wurde und einem Beweis der Unvernunft und Irrationalität des Menschens, der von dieser vermeintlichen Ratio hierbei abweichen würde.

Für diese radikalen Kennzeichnungen von „Natur“ versus „Mensch“ haben Menschen selbst immer wieder ethische Einbußen erlitten. Die Geschichte menschlicher Diskriminierung weist auf dahingehende Unterteilungen auf, gleich Drohungen gegen Grenzübergänge, und das nicht nur in den groben biologistischen Diskriminierungsformen, wie einem biologistisch begründeten Rassismus, Sexismus oder Ableismus beispielsweise oder auch in der Beraubung des Menschen auf sein Recht auf ‚Land’ (schon lange bevor wir es mit Kapitalismus und Neoliberalismus zu tun hatten, wie etwas im Mittelalter) als Kampf gegen „Primitivismus“ und „Unkultiviertheit“ – nicht allein in diesen Segmenten menschlicher Diskriminierung spielt die Trennung „Natur“ versus „Mensch“ und vice versa eine Rolle, sondern auch in der Sensibilitätsbildung des einzelnen menschlichen Individuums, das sich ständig an das Menschheitscredo seiner Zeit binden soll, statt eine Ausrichtung unabhängig solcher Dualitäten zu finden. Der einzige Rückzug auf das ‚Naturhafte’ bleibt in der Metapher und dem Symbolhaften, aber nicht in der entschiedenen Assoziierung mit den Subjekten der „Natur“ und den tierlichen Seinsformen und Existenzverständnissen. Das Menschliche selbst wird eingegrenzt in seiner Beziehung zu anderen Tieren und in seiner Bezugnahme auf seine nichtmenschliche Umwelt insgesamt als relevante Mitakteure in dessen Welt.

Der Gedanke das Schnittstellen existieren zwischen Diskriminierungsformen gegen andere Menschen (und untereinander) und Unterdrückungsformen die nichtmenschliche Tiere betreffen, sollte erstens in seiner Überlappung im Biologismus-als-Diskriminierungsform anerkannt werden. Zudem sollte die Natur (oder das ‚Naturhafte’, Goethe sprach hier vom ‚Allleben’) mit als instrumentalisierte, biologistisch abkategorisierte Seinsdimension einbezogen werden. Bislang wird der Begriff Speziesismus nicht in seiner Intersektionalität als ein eigentlicher Biologismus verstanden und weiterhin werden nichtmenschliche Tiere anhand von Kriterien aus der Biologie statt soziologischer Beobachtungsinstrumente beschrieben und analysiert. Es gibt keinen tatsächlichen Grund nm-Tiere immer wieder auf einen primären biologischen Beobachtungsfokus zurückzuwerfen, genauso wenig wie es einen Grund gibt, Tierkommunikationen als im Vergleich zum Menschen weniger inhaltlich komplexe Sprachsysteme zu beschreiben. Hier werden Rahmenwerke geschaffen, die bewusst Kriterien der Beobachtung und Analyse selektieren und umfassendere, komplexere Systeme der Beobachtung und Einordnung vermeiden. Es existieren bislang wirklich keine wissenschaftlichen Parameter um Tieridentitäten und den naturhaften Raum nicht-biologistisch zu beschreiben und zu verorten, aber das ist der Begrenztheit unserer Erkenntnistheorien geschuldet und darf nicht auf dem Rücken der Wahrheitsfindung in der Begegnung mit dem nichtmenschlichen Raum und Sein ausgetragen werden.

Es bleibt fragwürdig, warum Biologismus interessanterweise nicht hinreichend mit Speziesismus in Verbindung gebracht wird. Ein merkwürdiges Phänomen, dass diese Verbindung immer noch beinahe völlig unhinterfragt dasteht [2].

Biologism as Speciesism
gets blurred out
despite
it’s obvious
interrelatedness

Animal reasoning,
meaningful interrelatedness
with the entire natural
space
ought not to be
recognized

Under the umbrella
of the separation
between
humanity
and
animality

Music credits: Soundbits from Rudimentary Peni: Rotten to the Core (1983).

[1] Eine gut dargestellte Übersicht zur Geschichte menschlicher Diskriminierung unter dem Vorwand ‚biologistischer’ Kriterien gegen andere Menschen und daraus folgender Ideologien, findet sich bei: Franz M. Wuketits: Biologismus, Lexikon der Biologie, https://www.spektrum.de/lexikon/biologie/biologismus/8707 , Stand 24.05.2018. „Von Biologismus spricht man, wenn Phänomene eine Deutung durch biologische Tatsachen, Theorien und Modelle erfahren. In der Biologie ermittelte Gesetzlichkeiten werden dabei als einheitliche Gesetze der realen Welt verallgemeinert und gleichsam zu durchgehenden ‚Weltprinzipien: erhoben.“

[2] In der Tat wird der Rekurs auf das Biologische auch in Tierrechtskreisen und ihren Autor_innen immer wieder vollzogen und keine erweiterte und emanzipatorische Terminologie entwickelt. Nichtbiologistische Ansätze im Bezug auf nichtmenschliche Tiere finden sich bei verschiedenen Autor_innen die wir gefeatured haben, siehe http://simorgh.de/overview/autor_innen/ , insbesondere bei Barbara Noske und Anastasia Yarbrough. Auch bei Aph und Syl Ko finden wir ähnliche Diskussion in ihrem Buch ‚Aphroism’.

Der erste Weltbienentag, und das ist was Mensch noch immer mit Bienenvolk macht

Radierung: Farangis G. Yegane

Metamorphosis; Is your pain the same, is it more than pain (MP3)

Der 20 Mai 2018 ist der erste Weltbienentag, und das ist was Mensch noch immer mit Bienenvolk macht

Der syrische Skeptiker Al-Ma’arri (973 – 1057 n. Chr.) schreibt:

“Nehmt nicht den Honig, den die Bienen mit Mühe von den Blumen und den duftenden Pflanzen sammeln; sie trugen ihn nicht zusammen damit er für andere sei, auch haben sie ihn nicht als Gabe und Geschenk gesammelt.”

Kaum einer mag sich das vorstellen, aber die Realität dessen, wie wir Menschen mit den fleißigen Baumbestäuber_innen umgehen, bedeutet Bienentod. Und wer außer radikale Antispeziesist_innen und ethische Veganer_innen spricht darüber als tatsächliche Gräuel, die wir an diesen Nichmenschen begehen. Argumentiert wird vom anthropozentrischen Mainstream-Bürger ungefähr so: Es seien ja nur Invertebraten und das ist doch nichts, wenn man ihnen Schmerz zufügt und ihr Dasein objektifiziert. Deren Lebensdimensionen in ihrem eigenen Recht seien ja komplett irrelevant.

Viel an vermeintlicher menschlicher Bienenliebe und -bewunderung drückt sich in einem fortlaufenden Wunsch aus die Tiere auszubeuten als ‘Nutztiere’, ihre Leben und ihre Populationen zu “verwalten” und sie in ihrer gesamten Existenz auf dieser Welt tatsächlich als eine Ressource für menschliche Zwecke zu betrachten. Die Illusionen über den guten Imker sollten schon lange zerstört sein. Und die Inspektion über den “richtigen Umgang” mit den Arten, je nach Zweck, dient auch weniger den Tieren selbst als den Industrien, die schlichtweg ihre Forschungsinteressen (für Elfengebeintürme und Kommerz) vorantreiben. High-Tech invasive Forschung an Bienen ist nicht weniger ethisch dubios als jede andere manipulative und invasive Forschung an Tieren.

Wir brauchen Lösungen im Sinne einer ‘Bee Liberation’, alles andere sind Mogelpackungen

Der Bienenalltag ist nicht nur der Mangel an Wäldern und Wiesen, sondern, schaut – solltet Ihr es noch nicht wissen – mal bei Google nach unter den Suchbegriffen z.B.:

Biene Flügel abschneiden

Biene künstliche Besamung

oder dies hier:

“Die Technik der Spermagewinnung bei den Drohnen. Die verschiedenen Besamungsstationen für Bienen verwenden unterschiedliche Methoden zur Gewinnung von Drohnen-Sperma. Der Kopf des Drohns wird durch Drehen vom Körper getrennt und der Drohn so getötet. [1]

“The drone is stimulated by decapitation” [2]

Oder das Sperma des Drohns wird herausgepresst und dabei stirbt dieser kleine Nichtmensch dann. Wer dazu noch ein Video sehen will, der folge diesem Link auf Youtube (nur zu dokumentationszwecken verlinkt). Es existieren noch weitere Methoden.

Zwar sterben die Drohnen nach der natürlichen Paarung, aber der Unterschied ist klar.

Honig und andere ‘Bienenprodukte’ werden gepriesen und vermarktet als etwas harmloses, sogar als etwas was den Bienen gegenüber eine zweifelhafte “Wertschätzung” ausdrücken würde. Tatsache ist: es die vollständige Ausbeutung und Versklavung dieser Invertebraten.

Bienenvölker (MP3)

they cut your wings of
your artficially inseminated
they electroejeculate you
and they steal your food, your house

they oppress you
and we won’t accept it
no we won’t accept it

you’re more than me
they don’t mind our lives
they kill us for taking our lives

they call us with their names
they call us with their words

** Die zwei Songs als MP4s

Is your pain the same

[wonderplugin_video videotype=”mp4″ mp4=”http://www.simorgh.de/thesectinsect_2/the_independence_of_bees_is_sarced_2.mp4″ keepaspectratio=1 videocss=”position:relative;display:block;background-color:#000;overflow:hidden;max-width:100%;margin:0 auto;” playbutton=”https://simorgh.de/about/wp-content/plugins/wonderplugin-video-embed/engine/playvideo-64-64-0.png”]


Bienenvölker

[wonderplugin_video videotype=”mp4″ mp4=”http://www.simorgh.de/thesectinsect_2/bienenvoelker.mp4″ keepaspectratio=1 videocss=”position:relative;display:block;background-color:#000;overflow:hidden;max-width:100%;margin:0 auto;” playbutton=”https://simorgh.de/about/wp-content/plugins/wonderplugin-video-embed/engine/playvideo-64-64-0.png”]

[1] Keiner-Stoehr, Wiebke, Versuche zur Eignung verschiedener Puffer bei der instrumentellen Besamung der Bienenkönigin (Apis mellifera). Giessen 2004, http://geb.uni-giessen.de/geb/volltexte/2004/1613/pdf/Keiner-StoehrWiebke-2004-06-18.pdf , Stand 18.05.2018.

[2] D.P. Abrol, Beekeeping: A Compressive Guide To Bees And Beekeeping, 2013, S. 379.

Tiermutter, Muttertier …

Viele Menschen denken, nur Menschinnen seien Mütter und Töchter.

Die Hartnäckigkeit, mit der die meisten Menschen sich gegen eine Anerkennung nichtmenschlicher Würde stellen, ist eklatant. Besonders scharf und gnadenlos wird das erkennbar in den Unterschieden, die zwischen tierlicher Elternschaft und tierlicher Kindheit, gegenüber der eigenen Spezies Mensch beschrieben werden. Eine Grenze wird gezogen, da wo nicht Gleiches sondern Anderes vorliegt. Was nicht genau ist wie bei einem selbst, ist auf der ethisch-moralischen Ebene uninteressant und das braucht keine Berücksichtigung, so scheint es.

Das Interessante ist, den Menschen ist ihre Willkür bewusst, zum größten Teil zumindest. Die Abwertung anderer tierlicher Individuen findet absichtlich statt und ist auch keine alleinige kognitive Dissonanz. Das Besondere an den psychologischen Herabsetzungsmechanismen gegenüber nm-Tieren ist etwas ideologisch Eingepflanztes und vom individuellen menschlichen Individuum stetig aufs neue Wiederholtes, denn alle Menschen sehen die gleiche Realität.

Wo ich ein Tierkind sehe oder die Fürsorglichkeit nichtmenschlicher Eltern, ist es genau das, was ich bewusst zur Kenntnis nehme. Ich handle trotzdem nicht gemäß meiner Erkenntnis und meines Wissens, sondern gemäß der Richtlinien, die mir meine Mitmenschen, meine Geschichte, meine vermeintliche Kultur als Mensch eben und nicht als denkendes Individuum vorgibt. Ich mache mit oder bin ein Bystander.

Wieso wehren sich Menschen nicht gegen die, die die Realitäten verzerren zugunsten gesellschaftlich-moralischer spezies-egozentrischer Normen?