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Robert Walser: Schneien

Unser erster Winter in Usingen und der erste Schnee, den wir hier erleben. Zum Thema Schnee und Schneien kommt mir immer auch der kurze prosaische Text “Schneien” von Robert Walser in den Sinn, den ich hier hineinposte, für diejenigen, die diesen Text und vielleicht sogar den Urheber bis jetzt noch nicht kannten. Das Foto zeigt unseren neuen Garten im leichten Schneegewand.

Robert Walser: Schneien
Es schneit, schneit, was vom Himmel herunter mag, und es mag Erkleckliches herunter. Das hört nicht auf, hat nicht Anfang und nicht Ende. Einen Himmel gibt es nicht mehr, alles ist ein graues weisses Schneien. Eine Luft gibt es auch nicht mehr, sie ist voll Schnee. Eine Erde gibt es auch nicht mehr, sie ist mit Schnee und wieder mit Schnee zugedeckt. Dächer, Strassen, Bäume sind eingeschneit. Auf alles schneit es herab, und das ist begreiflich, denn wenn es schneit, schneit es begreiflicherweise auf alles herab, ohne Ausnahme. Alles muss den Schnee tragen, feste Gegenstände wie Gegenstände, die sich bewegen, wie z.B. Wagen, Mobilien wie Immobilien, Liegenschaften wie Transportables, Blöcke, Pflöcke und Pfähle wie gehende Menschen. Kein Fleckchen existiert, das vom Schnee unberührt bleibt, ausser was in Häusern, in Tunneln oder in Höhlen liegt. Ganze Wälder, Felder, Berge, Städte, Dörfer, Ländereien werden eingeschneit. Auf ganze Staatswesen, Staatshaushaltungen schneit es herab. Nur Seen und Flüsse sind uneinschneibar. Seen sind unmöglich einzuschneien, weil das Wasser allen Schnee einfach ein- und aufschluckt, aber dafür sind Gerümpel, Abfällsel, Hudeln, Lumpen, Steine und Geröll sehr veranlagt, eingeschneit zu werden. Hunde, Katzen, Tauben, Spatzen, Kühe und Pferde sind mit Schnee bedeckt, ebenso Hüte, Mäntel, Röcke, Hosen, Schuhe und Nasen. Auf das Haar von hübschen Frauen schneit es ungeniert herab, ebenso auf Gesichter, Hände und auf die Augenwimpern von zur Schule gehenden zarten kleinen Kindern. Alles, was steht, geht, kriecht, läuft und springt, wird sauber eingeschneit. Hecken werden mit weissen Böllerchen geschmückt, farbige Plakate werden weiss zugedeckt, was da und dort vielleicht gar nicht schade ist. Reklamen werden unschädlich und unsichtbar gemacht, worüber sich die Urheber vergeblich beklagen. Weisse Wege gibt’s, weisse Mauern, weisse Äste, weise Stangen, weisse Gartengitter, weisse Äcker, weisse Hügel und weiss Gott was sonst noch alles. Fleissig und emsig fährt es fort mit Schneien, will, scheint es, gar nicht wieder aufhören. Alle Farben, rot, grün, braun und blau, sind vom Weiss eingedeckt. Wohin man schaut, ist alles schneeweiss; wohin du blickst, ist alles schneeweiss. Und still ist es, warm ist es, weich ist es, sauber ist es. Sich im Schnee schmutzig zu machen, dürfte sicher ziemlich schwer, wenn nicht überhaupt unmöglich sein. Alle Tannenäste sind voll Schnee, beugen sich unter der dicken weissen Last tief zur Erde herab, versperren den Weg. Den Weg? Als wenn es noch einen Weg gäbe! Man geht so, und indem man geht, hofft man, dass man auf dem rechten Weg sei. Und still ist es. Das Schneien hat alles Geräusch, allen Lärm, alle Töne und Schälle eingeschneit. Man hört nur die Stille, die Lautlosigkeit, und die tönt wahrhaftig nicht laut. Und warm ist es in all dem dichten weichen Schnee, so warm wie in einem heimeligen Wohnzimmer, wo friedfertige Menschen zu irgendeinem feinen lieben Vergnügen versammelt sind. Und rund ist es, alles ist rundherum wie abgerundet, abgeglättet. Schärfen, Ecken und Spitzen sind zugeschneit. Was kantig und spitzig war, besitzt jetzt eine weisse Kappe und ist somit abgerundet. Alles Harte, Grobe, Holperige ist mit Gefälligkeit, freundlicher Verbindlichkeit, mit Schnee, zugedeckt. Wo du gehst, trittst du nur auf Weiches, Weisses, und was du anrührst, ist sanft, nass und weich. Verschleiert, ausgeglichen, abgeschwächt ist alles. Wo ein Vielerlei und Mancherlei war, ist nur noch eines, nämlich Schnee; und wo Gegensätze waren, ist ein Einziges und Einiges, nämlich Schnee. Wie süss, wie friedlich sind alle mannigfaltigen Erscheinungen, Gestalten miteinander zu einem einzigen Gesicht, zu einem einzigen sinnenden Ganzen verbunden. Ein einziges Gebilde herrscht. Was stark hervortrat, ist gedämpft, und was sich aus der Gemeinsamkeit emporhob, dient im schönsten Sinne dem schönen, guten, erhabenen Gesamten. Aber ich habe noch nicht alles gesagt. Warte noch ein wenig. Gleich, gleich bin ich fertig. Es fällt mir nämlich ein, dass ein Held, der sich tapfer gegen eine Übermacht wehrte, nichts von Gefangengabe wissen wollte, seine Pflicht als Krieger bis zu allerletzt erfüllte, im Schnee könnte gefallen sein. Von fleissigem Schneien wurde das Gesicht, die Hand, der arme Leib mit der blutigen Wunde, die edle Standhaftigkeit, der männliche Entschluss, die brave tapfere Seele zugedeckt. Irgendwer kann über das Grab hinwegtreten, ohne dass er etwas merkt, aber ihm, der unterm Schnee liegt, ist es wohl, er hat Ruhe, er hat Frieden, und er ist daheim. – Seine Frau steht zu Hause am Fenster und sieht das Schneien und denkt dabei: “Wo mag er sein, und wie mag es ihm gehen? Sicher geht es ihm gut.” Plötzlich sieht sie ihn, sie hat eine Erscheinung. Sie geht vom Fenster weg, sitzt nieder und weint.

In Kleine Prosa, 1917

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animal rights and empowerment In Memoriam

Aktivismus darf Aktivist*innen niemals mundtod machen

Fotos als stille Zeitzeugen mal wieder. 1996, ich mit Stefanie Haupt, geborene Stefanie Helmerich.

Stefanie, sowie Tobias Graf und Ralf Kalkowski haben insbesondere über den Handel mit veganen Produkten ihrem tierrechtsaktivistischen Denken Ausdruck verliehen – in einer Zeit, als vegane Läden noch etwas völlig pionierhaftes in Deutschland darstellten. Alle drei haben gemein, dass sie im Jahr 2014 von dieser Welt gingen.

Der erste veganen Laden, der mir in DE bekannt war, war der von Marlies Kullmann und ihrer Mutter. Stefanie half dort schon mal aus, ich half dort auch zeitweise aus. Nicht alles verlief mit allen beteiligten Parteien gut, aber das Kapitel bleibt geschlossen, da dieser Eintrag hier sowieso schon ein nachdenklicher, trauriger Eintrag ist.

Stefanie unterstützte Iris Berger (siehe auch hier), die in den 2000ern mit Freunden den Antitierbebutzungshof gründete und damals sehr mit Direct-Action zugange war. Einmal fuhren Iris und ich mit ihrer roten Ente damals Hühner, die wir aus einer Batterie gerettet hatten, nach Chemnitz, um sie dort Tierschützer*innen zu übergeben, damit sie dort in sichere Obhut gelangen. Auf der Fahrt war Iris total gestresst. Ich war froh als wir die lieben Tiere endlich übergeben konnten. Iris war eine äußerst engagierte vegane Tierrechtsaktivistin. Leider wurde ihr damaliges Projekt aufgrund interner Zwistigkeiten aufgelöst.

Ich weiß von Iris, dass sie zuvor in einer damals recht bekannten Tierrechtsgruppe sehr aktiv war, in der sie irgendwann aber massiv gemobbt wurde – teils sexistisch, teils ableistisch. Ich fand das damals erschreckend, wie wehrlos einzelne Aktivist*innen innerhalb der “Szene” sich selbst zum Teil erleben mussten. Nach außen wird äußerste Progressivität vorgegeben, während untereinander jederzeit sozialer Terror stattfinden kann, und keiner spricht offen darüber, keiner legt etwas offen, alle machen irgendwelche Strukturen mit oder tuen so als wäre alles in dieser Bewegung okay. Ist es oftmals aber nicht unbedingt.

Eine ganze Reihe von Tierrechsaktivist*innen die ich damals kannte, stießen auf außerordentlich viele Hindernisse und ihnen wurde von anderen Aktivis*innen wenig am Loyalität oder Peer-Geist entgegengebracht.

Ich hatte eine Bekannte, sie war gerade 20 geworden und vegan straight edge, und wollte sich der lokalen Tierrechtsbewegung anschließen. Sie stieß von A-Z immer wieder auf Grenzen: Eigenkreativität völlig unerwünscht, Anpassung an interne sinnlose hierarchische soziale Interaktionsmuster hingegen zwingend erwünscht. Die Bekannte schrieb sehr interessante vegane Tierrechts-Kurzgeschichten, sie schickte sie an eine Reihe anderer Aktivist*innen, kein Feedback, kein Interesse. Man hätte einer 20-jährigen neuen veganen Aktivistin seitens derer, die sich als “Insider” aufspielten, mehr entgegenkommen können, wenn man ein Bewusstsein für Tierrechts-Empowerment gehabt hätte.

In der Tierrechtsszene ging es immer vor allem um Profilierung und das Vorantreiben der Agendas eigener Netz- oder eher Klüngelwerke. Es gab ein Forum Ende der 90er Anfang 2000 das vegan.de hieß. Die Seite war ein reinster Gleichschaltungs-, Zensur- und Kampfschauplatz. Die Betreiber waren Szenen-Insider. Wenn neue Leute darauf stießen und sich nicht gleich wussten ein- und irgendwie unterzuordnen, in die dort vorherrschenden Dynamiken, dann verschwanden sie auch bald wieder, weil dort kein Platz war für freie Diskussionen.

Traurig war, das auch Leute, die selbst schlechte Erfahrungen in der TR-Szene machten, oftmals noch gegeneinander waren. Teilweise ergab sich das aus unterschiedlichen Vorstellungen, darüber, wie man Tierrechte voranbringen könnte oder wie besser auch nicht, und teilweise war dies bestimmt auch dem inneren Druck innerhalb dieser Szenerie geschuldet. Teilweise war es aber bestimmt auch die klassische Gehässigkeit, die als Pendelschlag zur schulderklopfenden Clustermentalität auftritt.

Stefanie hat im Laufe ihres Aktivismus erlebt, dass mehr Leute sich für Veganz (die damals gerade ihre Ladenkette aufmachten, die später ja scheiterte) begeisterten als für die Idee kleiner unabhängiger Idealisten-Shops. Zum einen war es gut, das Veganismus ein immer stärker werdender Trend wurde, zum anderen mündete das aber in einer a.) schleichenden Übernahme durch die Logik von Betrieben, die nach wirtschaftlich wachstumsorientierten Vorbildern arbeiteten und b.)  letztendlich endete das auch in einer Übernahme durch das Kalkül von Großbetrieben der Nahrungsmittelindustrien, die einfach einen Sektor damit marktwirtschaftlich handhabbar gemacht haben.

Leute wie Stefanie haben selbst die kleinkapitalistische Seite innerhalb des Veganismus in DE irgendwie überrascht, hatte ich den Eindruck. Der Vegetarismus war in Deutschland nicht wirklich ein Wegbereiter für den Veganismus, und die ersten lautstarken Aktivist*innen hier sahen sich einer Gesellschaft gegenüber stehend, die wirklich null Idee von Antispeziesismus hatte.

Vielleicht schrieb Stefanie wegen der desillusionierenden Erfahrungen mit dem vegan Merchandising auf Faceboook man wolle ihre Träume kaputt machen? Es ist toll, dass Stefanies Seite auf Facebook weiterhin besteht. Ich fand im Netz viel zu wenig über sie, so dass ich dachte, ich möchte ihr diesen komischen indirekten Nachruf widmen. Ihr und all den anderen Aktivist*innen, die viel zu unsichtbar geblieben sind.


Stefanie hat viel Ableimsus in ihrem Leben erlebt. Ich habe diesbezüglich in den 90ern Situationen mit ihr gemeinsam erfahren, die ich damals kaum fassen konnte. Stefanie war die erste andere vegan Person mit Behinderung die ich kennen lernte.

Toll war, dass wir einmal zu viert eine spontane Demo gegen einen bekannten speziesistischen Künstler-Guru ( Iitsch ) gemacht haben. Die SXE-Autorin, Iris, Stefanie und ich. Stefanie war zu solchen spontanen Aktionen definitiv immer bereit, in der Zeit in der ich sie als fellow activist erleben durfte.

Wir vier waren trotz allem gemeinsamen Interesse unterschiedlicher Ansicht darüber, wie man im Aktivismus am besten voranschreiten sollte. Stefanie war dabei, die Radix-Idee fortzusetzen, nachdem ihre Freunde in Frankenthal den Laden bereit waren an sie zu übergeben. Die Sache mit dem “Hype” und das Interesse an “Wachstum” war meiner Meinung nach noch nie ganz harmlos.  Ich war überzeugt davon, dass man sich stärker politisieren müsste, über das Entwickeln von Theorien und ich war leidenschaftlicher Anhänger eines internationalen Austausches (das hatte auch etwas mit meinen Rassismus-Erfahrungen in Deutschland zu tun), die SXE-Autorin tendierte zu der Idee veganer Communities und zu sozialen Netzwerken und Iris schwebte definitiv die Gründung eines Lebenshofes vor, und ihr Wunsch war eine politisch aufklärerisch agierende Lebensgemeinschaft von Menschen und Tieren zu initiieren.

Bemerkenswerterweise führten unsere unterschiedlichen Vorstellungen dazu, dass wir uns bald voneinander kontaktmäßig entfernten, in dieser Konstellation, die eine kurze Zeitlang für uns aber aktivistisch interessant und anregend gewesen zu sein schien.

Im Nachhinein finde ich Stefanies Ansatz gut. Damals befürchtete ich bereits, dass sich der nackte Kapitalismus und “survuval of the fittest” im kleinen vegane Gallien unabhängiger Shops und Hersteller breit machen würde. Die Frage ist allerdings selbstverständlich bis heute: der breite Markt ist nötig, aber sollte man nicht dennoch konsequent politisch korrekt Handel betreiben? Ich glaube Stefanie hätte mit der Situation heute taktisch sehr gut und klug umgehen können, mit ihren Beobachtungen, Erfahrungen und Ansichten über vegane Ideale und veganen bodenständigen “Realismus”. Sie wäre mit Sicherheit der Typ von Mensch, der die Situation klug hätte navigieren können.


Interessant war, wie viel speziesistischen Ansichten ich auf Tierrechtssdemos unter vermeintlich Gleichgesinnten begegnet bin. Das jemand Tierrechter*in oder Tierbefreier*in ist besagt noch lange nichts über dessen detaillierte Anschauungen über das Mensch-Tier-Verhältnis. Ein bekannter deutscher veganer Tierrechtsaktivist und Entrepreneur sagte mir mal, er sei sich sicher, dass Tiere im Prinzip neidisch sind auf den Menschen. Das hat mich gewundert. Denn warum sollten wir alle die gleichen Ziele oder den gleichen Lebenssinn haben wollen?

Zurück zu Stefanie: sie ist nicht nur ein Pionier in Sachen Handel und Verbreitung veganer Produkte und der veganen Lebensweise als ethisch überzeugte Tierrechtsaktivistin gewesen, sie sah sich im Leben auch der Situation als Mensch mit Behinderung gegenübergestellt. Sie erzählte mir, dass sie eine Sonderschule besuchen musste, was ich unglaublich fand. Als sie Kind und Teenager war, war Inklusion noch kein wirkliches Thema im schulpädagogischen Alltag. Trotz all dieser erlebten Exklusion in der Kindheit und Jugend hat sie im Leben, mit Unterstützung ihrer Großmutter, so wie sie erzählte, ihre beruflichen Vorstellungen umgesetzt und sich dann schließlich erfolgreich selbstständig mit dem Radixversand gemacht. Das ist in der Tat beeindruckend und sie ist damit ein beeindruckendes Vorbild in Hinsicht auf Resilienz und Selbstbewusstheit. Das sie sich für Tierrechte begeisterte und stark machte, glaube ich, gab ihr einen visionären Charakter – es ging ihr nicht einfach darum, in einer ungerechten Gesellschaft Erfolg und Anerkennung zu erlangen, sondern sie übertrug ihre eigenen Erfahrungen von Ungerechtigkeit auf das Große und Ganze, und erkannte an welchen Stellen man sich einsetzen müsste.

Es gab einiges an Stefanie, was mich an ihrem Verhalten mir gegenüber damals sehr verletzt hat, vielleicht hat sie sich auch manchmal ein Stück weit angepasst in ihrem stereotypen Denken, gegenüber so einem notorischen Außenseiter wie mir, oder vielleicht hat sie sich vereinnahmen lassen von einem alltäglichen typischen mirkoaggressiven Klima, das hier Normalität ist, und das weiß, wo es sich folgenlos entladen kann. Wir waren keine engen Freunde (dazu schien mir auch der Altersunterschied zwischen ihr und mir eh zu groß) einfach nur zwei Aktivist*innen, deren Wege sich eine zeitlang kreuzten.

Ich denke gerne an gemeinsam erlebte Aktionen und ich interessiere mich für Stefanies gelebten Aktivismus heute vor allem aus der Perspektive der Behindertenrechte und der Antidiskriminierungsfragen im Zusammenhang mit der veganen- und der Tierrechtsbewegung.

Menschen mit Behinderung sind leider noch unterrepräsentiert in der Tierrechtsbewegung. In dem Kreis von Menschen, die ich persönlich kenne, die ein Tierrechtsbewusstsein haben und die eine Form von Behinderung haben (ich und mein Mann Lothar inklusive), sehe ich zahlreiche Parallelen in der Art und Weise, dass die Annäherung an das Thema sich auch aus eigenen Erfahrungen mit Ausgegrenztheit oder des Diskriminiertwerdens in der Gesellschaft speist.

So einfach in das alles immer garnicht …

Stefanie hat auf ihrem FB-Profil eine Affiliation zu der Gruppe Animal Peace angegeben. Diese Gruppe wird von vielen Tierrechler*innen mit einem Naserümpfen kommentiert. Ich hielt immer nichts davon, wenn Mitglieder von Animal Peace mit dem Thema “Intelligenz” reduktiv und biologistisch herumargumentierten. Biologistischer Speziesismus ist aber mehr oder weniger durchgängig innerhalb der Tierrechts- und der Tierbefreiungsbewegung zu finden. Ein Punkt, gegen den ich schon lange arbeite, wobei ich aber auf erschreckend wenig kluge Resonanz stoße. Was ich aber anerkenne bei der Gruppe Animal Peace, ist dass sie sehr rege in den 90ern darüber aufklärten und darauf aufmerksam machten, was die Tierindustrien alles so treiben und wie wichtig daher Veganismus ist. Letztendlich haben Animal Peace viel dazu beigetragen, dass der Veganismus seinen Start in Deutschland erfahren hat. Das muss man einfach anerkennen. Ich habe nicht mehr beobachtet, was die Gruppe in den letzten Jahren wirklich gemacht hat. Aufgefallen war mir nur, dass eine bekannte deutsche Tierrechts-Philosophin in sozialen Netzwerken sehr abfällig über die Gruppe sprach, und anriet man solle die Gruppe meiden weil sie sei rassistisch oder antisemitisch eingestellt oder mache den Holocaust-Vergleich. Ich nahm dann wahr, dass Leute von Animal Peace versuchten sich gegen die Vorwürfe des Rassismus zu wehren. Was von der Gegenseite aber nicht weiter zur Kenntnis genommen werden sollte.

Die Sache mit dem Holocaust-Vergleich ist so eine Sache. Da man die Aufarbeitung über Ursachen und gesellschaftliche Mechanismen der Funktionsweise des typischen, deutschen NS-Rassismus wirklich noch nicht als abgeschlossen betrachten kann, kann man nachvollziehen, warum solche Vergleiche schnell als “banalisierend” und “unerhört” beurteilt werden. Wäre aber klar, wie Rassismus funktioniert – und so auch letztendlich die NS-Variante – dann könnte man die Kontextualisierung mit Varianten menschlicher Herabsetzung von nichtmenschlichen Tieren, nicht grundsätzlich als fehlerhaft und unethisch bezeichnen.

Mein eigene These zu den Vergleichen mit Vergehen gegen Menschenrechte finden sich hier insbesondere auf Seite 6 in: https://farangis.de/reader/e-reader_gruppe_messel_2018_5.pdf , eine Thematisierung von Kim Socha kann man hier lesen: https://simorgh.de/socha/socha_the_dreaded_comparisons_and_speciesism.pdf , und selbst Alex Hershaft z.B., als Holocaust-Überlebender, macht seine Vergleiche an dieser Stelle beispielsweise https://simorgh.de/about/hershaft-rezension-von-einsnitz-slaughterhouse/ . In dem Zusammenhang müsste ich eigentlich auch nochmal dieses Interview von Richard Schwartz von Jewish Veg mit Charles Patterson über dessen Veröffentlichung “Eternal Treblinka” reposten; hier deren Gespräch aus dem Jahre 2002: https://simorgh.de/ar/eternaltreblinka.pdf

Wenn jemand diesen Text hier liest und an meiner Wahrnehmung der Vergangenheit Anstoß nimmt, dann gebe ich zu bedenken, dass  Perspektiven nicht unbedingt deckungsgleich verlaufen müssen.

Ich sehe Menschen wie Stefanie, d.h verstorbene Aktivist*innen, nicht als “abgeschlossene Kapitel” mit ihrem Idealismus und Zutun, sondern ich finde ihr Sein wirkt – so esoterisch das für manche klingen mag – weiterhin auf das diesseitig Geschehende mit ein, durch das, was diese Menschen taten, dachten und fühlten und mit Sicherheit auch durch das geheimnisvolle, das sie heute irgendwoanders im Universum weiterhin sind.

rev. 12.09.2021

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In Memoriam

My beloved Martha Lück


My grandmother Martha Johanna Lück born König, later Flender in her second marriage. My grandfather Wilhelm Lück passed away in 1945. My grandfather Wilhelm always secretly listened to the BBC on the radio, which was of course a quite risky thing to do if you were spotted. My grandfather suffered from asthma since childhood, and he also passed away because of his condition being so feeble from the asthma.

I have a deep bond with my grandmother Martha, also with my other grandmother Cobra Yeganeh Arani. I still have to upload and add a picture of her too here, so that my both beloved grandmothers are one at this place. They did meet, and they did have a friendly and positive relationship, which I am very happy about.

***

At this point on this personal blog of mine I want to express my sadness about close family members who prove to me that family means closeness to some members and total distance to other ones.

I have a sibling who along with the family she created for herself totally broke with the core family she came from, while betraying them morally and sucking out financial means … This sibling has been discrminating against me since I was twentytwo when I suffered a traumatic experience. She victim-blamed me and ever since calls me mentally disabled – unisono alongside her dauther.

What happend to me with 22 yeas old was that a person attempted to murder me by entering our house with an axe and by setting the house on fire. I could gladly flee the scene but I came very close to be caught by that person. I developed a post-traumatic-stress-disorder. I don’t extend on this here right now, this PTSD is also a reason why I am interested in mental “illness” as a disability and why I sympathize with other people who suffer or have suffered from being discriminated against for any type of cognitive abberations (I started to blog on that kind of issues here: https://simorgh.de/disablismus/ – where I touch on themes relating to cognitive disabilites).

These days this sibling tries to damage me still and the legacy of my other sibling. She called my other sibling mentally feeble too, for unbelievable reasons. Basically she called our entire family mentally crazy, just because of a lot of idealism we shared, which she semeed to have found outlandish and outcastish.

My parents, my other sibling and I did idealistic work, the other sibling prefered to go for being adapted, being hipocritically religious, beings around “important” people and issues. I feel she created a fassade by working publicly against discrimination while discriminating against my sibling, me and my parents.

She called my parents old and senile when they were only 60 yet, and she and her friends called me and my other sibling mentally retarted. For being “weird” in their eyes, not fitting in their normalcies.

This is so gross, It’s too gross to talk about really. Yet I don’t want to keep it to myself for the rest of my life, so I note it down here … while I pray to my grandmothers that they keep their sacred hands on my parents spiritual and material legacy.

Sibling abuse is not a subject being discussed in Germany so far on any visible scale. Sadly. It’s a big issue in reality. I am sure that sibling feels abused by us too, but I have proof that she crossed a line of decency. I will probaly write about this at some point, because I don’t accept to be bullied by a sibling/relative anymore. Being closely related is no free pass for social/emotional abuse.

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In Memoriam

Meine lieben, lieben Großväter

Mein Großvater Wilhelm Lück, geboren in Siegen (Westfalen), Darbystischer Prediger der Brüdergemeinde in Stendal, Sachsen-Anhalt.

Mein Großvater Hossein Yeganeh Arani, geboren in Kashan, Iran. Privatier, Gartenenthusiast, Dichter, Freidenker mit ‘baha’iischem’ Background.