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Monologe im Netz sind auch was

“Ratlosigkeit. Was soll man dem erzählen, den das nicht interessiert was man erzählen wird? Es gibt Leute die erzählen dann trotzdem, so wie ich jetzt – dem den das nicht interessiert und schämen sich, wenn sie dann erfahren, dass der dem sie erzählten nun sagt er hätte jetzt etwas entblödendes gegen sie in der Hand. (Und Cervantes hat uns auch erzählt das in der Begleitung Don Quixotes jeder irgendwie lächerlich wirkt.) Deshalb erzähle ich jetzt um mich zu entblöden.” – aus einem Text, den ich Mitte der 90er Jahre einmal schrieb, als ich psychisch total neben der Kappe war.

Wir haben gerade unser Statement dazu geschrieben, warum wir keine Mikroblogging-Plattformen mehr verwenden wollen. Alles was Du postest, muss Dir Likes bringen, was Du an anderen wahrnimmst ist, wie viele Follower sie haben – nicht weil Dir das was bedeutet, sondern, weil Du weißt hier ist das von Bedeutung also soziale Währung dieser Art des Netzwerkens und was weiß man schon welchen User*innen was bedeutet:

Wir (Antispeciesist Animal Sociology) machen kein Mikroblogging mehr.

Plattformen wie Twitter können damit arbeiten, dass Leute ein stetes Mitteilungsbedürfnis haben, und dass Leute sich logischerweise gerne austauschen wollen. Ich habe mich gerade gefragt, wo ich eigentlich meinen größten Teil an Input aus dem Internet her beziehe, und ich habe festgestellt, zu meiner Freude muss ich sagen: nicht von Twitter. Normalerweise such ich nach Themen im allgemeinen Netz über Suchmaschinen. Bei den Suchmaschinen stößt man selbstverständlich auch auf etliche Hemmnisse und teils Nachteile, die sich bekannterweise durch deren Rankings, Logarithmen und ihre vorgegebenen Strukturen ergeben. Aber es herrscht erstmal optisch mehr Ruhe auf dem Bildschirm und es sind nicht ganz so viele Nebenfaktoren – wie eben die Dynamik von Likes, Hashtags und irgendwelchen sich abwechselnden Hypes, die dich gerne auf andere Ebenen denkflussmäßig zerren … also ablenken. Themen nach denen man gezielt sucht sind im Kurznachrichtendienst Twitter ziemlich schlecht auffindbar trotz Hashtags, wegen der Kürze der ‘Informationssplitter’.

Ich habe eine Sehnsucht nach Gedichten, ich habe auch zugegebenermaßen eine Sehnsucht zu sehen, was andere bewegt … es geht nicht immer nur um Informationsmasse sondern auch um emotionale und bewegende Komponenten. Doch solche Räume will ich frei haben von Wertung und Gruppendynamiken. Ich möchte mit einzelnen im Austausch stehen. Gleich ob Fremd oder Freund. Aber nicht über irgendwelche noch so abstrakten Bewertungstools.

Bei diesem Eintrag hier bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich ihn eher biografisch einordnen sollte oder als eine Auseinandersetzung mit eigener emotionaler Fragilität im Kontext mit Kommunikation im Netz.

Ich erfülle jetzt mein Bedürfnis nach Dichtung durch den Versuch ein eigenes kurzes Gedicht zu verfassen > die Freude relativ wertungsfrei in den öffentlichen Raum virtuell zu schreiben, dies ist aber allein eine “entblödende” Übung und soll nichts besonderes darstellen:

Ich habe Durst nach einem Gegenüber, das kein käufliches Gesicht werden könnte, niemals. Das ist mein Wunsch. Und die Vögel haben die schönsten Gesichter, die kein Geld kompromittieren könnte.

Bin ich dumm, dass ich eine Sehnsucht habe, die niemals romantisch sein könnte? Keine romantische Liebe so wie du sie schilderst. Die Geliebten sind in ihrem ganz eigenen Sinn miteinander verwoben und sie sind endlos viele unromantisch liebenden.

Welchen Ort, an dem Du das vermeintliche Paradies in Stücken abgepackt zur Handelsware machst. An dem Ort träumst Du und freust Dich zweisamer Bestätigungen. Welche Art der Anerkennung von Dir sollte mich hier interessieren?

Bild oben aus: ‘Das Gefäß als Metapher’ von Farangis.

 

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Looking at myself: palang ly

gita yegane arani

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Zu wenig Zeit

Ich habe eigentlich kaum Zeit um zu bloggen, es gibt so viel zu sagen und es wird aber auch schon so viel gesagt. Es ist nicht unbedingt ein Verlust wenn ich irgendwelchen potenziellen Leser_innen meine potenziellen Blogeinträge hier erspare.

Was mich allerdings bekümmert ist die Einförmigkeit an Themen und Herangehensweisen an diese eine gleiche Welt in der wir alle leben. Auch das Maß an emotionaler zwischenmenschlicher Feindseligkeit ist erschreckend, wenn man sich bewusst macht, dass es genau diese menschliche Feindseligkeit ist, die jeglichen basiskulturellen Fortschritt in unserer Gesellschaft verhindert. Wir reden über alle möglichen -ismen und erleben diese auch als Opfer und als Täter, aber wir produzieren so unendlich viele mehr solcher schmerzhaften -ismen, die wohl nie eine Benennung finden werden.

Unser sozialer Fortschritt in der Gesellschaft zentriert sich auf ‘den Menschen’ – aber was sind wir für Menschen?

Wir sind Menschen, die sich in ihrer Existenz um immer kleinere Nabelkreise herumdrehen, Kreise die sich aus einer, höchstens Zwei Perspektiven festmachen: Wir und Mensch. Als ‘Individuen’ sind wir wenn überhaupt etwas dann vielleicht ein Egoist. Wir sind aber keine Individuen, die sich mit der Welt ganz unmittelbar vernetzen, auch wenn wir ‘die Natur’ bewundern. Wir betrachten diese Welt in der wir leben nur aus einem vorgefassten menschlich-pauschalisierenden Wir-Verständnis.

Es macht nichts, dass das hier niemanden interessieren muss. Ich weiß, dass Individuen, wenn sie Menschen sind, sich nicht grundlos für ein anderes Individuum Mensch interessieren. Hauptsache es ist etwas in den Raum hineingesagt, hineingeschrieben. Wenn man nur das sagt, was andere interessieren könnte, würde nie etwas neues, anderes, freies, originelles gesagt. Man würde immer nur dem versuchen genüge zu tun, was das Ohr des Gegenübers vielleicht hören wollen würde.

Abschließend sei gesagt: Ich habe ausreichend berechtigte Kritik an unserem System, dass es mir wirklich egal ist, dass es Ihnen wahrscheinlich ebenso egal ist.