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Dekonstruktion statt Destruktion Inspiring Säkularer Mystizismus Sichtweisen

Sätze (1)

Other things equal …

Soziale Widrigkeiten erlebt man nicht nur bei Meinungsgegnern.


Gedanken ( 23 – 05 – 2012 )

Die Angst vor dem Undenkbaren:
Das Dilemma der menschlichen Agonie ist die Vorstellung der (menschlichen) Allmacht im Denken: Kein Bezug zur Welt, der sich mit dem Denken der Anderen, des All-Lebens, zusammenbringen lässt auf sinnvolle Weise. Die Isolation des Menschen ist seine Agonie.

Das Böse gegen das Böse:
Hölle als Metapher – ein Gewissen sei was schlechtes?

Bekämpfungen:
Konspirationen brauchen eine Fiktion – und wenn sie eine haben, dann enden sie in irgend einer Art Massen-/mord oder Massen-/tötung.

Eigenverantwortung:
Man ist nicht fremdbestimmt in der Seele, man ist: „man selbst“.


Zeitsprache

Wenn die Gestirne sprechen, dann heißt das nicht unbedingt, dass sie mit mir oder dir sprechen. Wir lauschen ihnen, ohne dass wir adressiert werden. Was ist das für eine sonderbare Sprache, die nicht unsere ist – so anders, wie das Rauschen von Wind in Bäumen.

Diese anderen Sprachen nennen wir Naturphänomene. Wir verstehen sie nicht und übersetzen diese Sprachen in Wissenschaften. Wir haben mit dem Adressaten dieser Sprachen nichts zu tun, außer dass wir selbst ja auch eine Sprache haben.


Freiheitssuche

A: Gedanklich gesehen, ist es nicht so, dass frei zu schreiben gleichzusetzen ist mit frei denken?

B: Welch ein langweiliger und ermüdender Gedanke. Ich bin sowieso frei, zumindest im Denken.

A: Das Denken ist frei, oder? Aber ist denn das Schreiben frei? Man kann ordentlichen Unsinn schreiben, aber man braucht sich erst gar nicht langweilig, unspektakulär beschweren …

B: Beschweren worüber?

A: Über die Art der Einengung im Denken, die als Denkfreiheit gehandelt wird.

“Kommen Sie auf den Punkt!” könnte gesagt werden. Nun gut, der Punkt ist der, dass meine Punkte anders sind als die Ihrigen. Was das für Punkte sind? Punkte, die Sie tagtäglich für Un-Punkte erklären, indem Sie die Welt entgegengesetzt verstehen möchten.

Gedanklich gesehen sind die meisten Menschen unfrei, aber nicht gezwungenermaßen. Woher ich mir da so sicher sein kann? Wenn Fragen über das tatsächlich Ungewusste gestellt werden, bleibt meist alles andere wichtiger, als die Inhalte die zu fragen vorgegeben werden.


Das Recht des Rechts

Kritik an denen, die das eigene Recht vom Recht des anderen unterscheiden.

Einer sagt, “ich habe aber das Recht, mich gegen selbst die zu verteidigen, die gar keine Bedrohung für etwas darstellen,” was heißt: Angriffskriege gegen Windmühlen sind in seinem Falle legitim.

Ein anderer sagt “und ich darf mich gegen den Angriff verteidigen, ich hätte keine Hilfe geleistet”. Wenn du siehst wie ein Lebewesen, ein Individuum, ungerecht behandelt wird, kann es sein, dass du dorthin rennst und schreist: “Was macht ihr denn mit diesem armen Ding, foltert ihn zumindest nur halb so wild!” Oder du kannst dorthin gehen und sagen: “Hört auf dieses Wesen hier zu foltern”. Alles läuft auf die Frage der Kluft zwischen Freiheit und intentionierter Ungerechtigkeit hinaus.

***

Kritik am mir selbst dafür, dass mir die Unebenheiten anderer wie Fehlgeleitetheiten scheinen, aber was ist das Ziel dessen, dem das eigene Recht die Ungerechtigkeit-gegenüber-dem-anderen schmackhaft macht? Sich zu schützen und den anderen zu entblößen in seiner Verletzlichkeit, seiner Sensibilität.

Kritik an denen, die mit Denkvorschlägen Kolonialisierung im Denken betreiben wollen. Der Denkkolonialismus den ich meine, hat sich selbst zur Aufgabe gemacht alle geistigen Ozeane trockenzulegen, um die Weltmeere endgültig verdinglichen zu können. Zuerst haben sie die Myriaden der Sprachvielfalt aller Wesen als Kakophonie bezeichnet.

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Dekonstruktion statt Destruktion Denksperren beseitigen Farangis G. Yegane Gedichte Inspiring Säkularer Mystizismus

Farangis: Aus meinem Traumschreiber

Farangis:

Fingerhände
Mondgreifer
Schrei des Pfeils
Geburt der Spirale
Aus meinem Traumschreiber

Traumgeborenes

Meine traumgeborenen Kinder,
meine Silberherzenperlen,
brauchen Honig, Milch und Wärme,
Farbenspiel im Blumenzaun,
Blätterrauschen,
Schattenbaum,
bin ich Apfel,
sind sie Kerne,
bin ich Ei, berg neues Leben,
habe Schale zart und fein,
brech ich, stößt mich auf den Wegen
herzlos grobes Stiefelbein.
Schließen möchte ich meine hundert offnen Ohren,
Draußenlärm drängt schmerzend ein,
immer bin ich unverschlossen,
Schmutz und Alltagslärm hineingegossen,
bin ich doch Krug
bestimmt für Wein!

Gestricktes und Ersticktes

Klagepfeil
Sucht seinen Tröstegott,
lebensschwach
fürchtet der starken Spott,
Märchensucher
Lauscht hinterm Kerzenlicht,
Menschenbilder
Im Nebelgrau verwischt,
Flötenklang –
Marschierers Tritt erstickt,
Frauenleid
Im Monatsblut gestrickt

Tröstergott gestrickt?
Kerzenlicht verwischt?
Bei Starkenspott erstickt?
Wünsche werden abgeknickt.

Schicksalsräder

Ich habe die große Linie gesehen,
doch sie nagen an ihrer Schönheit,
doch sie klagen mir ihren Zänkereien,
ich habe die große Ruhe vernommen,
doch sie lärmen mit lauten Tritten,
doch sie schwärmen wie lästige Fliegen,
müde kroch ich ins verschwiegene Mauseloch,
doch sie finden mein letztes Zufluchtsnest,
und sie binden mich auf mein Schicksalsrad

Schlaflos

Alles in mir kariert,
Gedankenkästchenmuster,
eingefangen,
zwei Uhr Nacht –
Zukunftsgedanken,
gegen Wände laufend,
Knoten und Schlaufen,
Lichter verhangen,
Worte verloren,
dunkel und blicklos,
drei Uhr Nacht –
Traumschlafhunger,
Ringe und Schlangen gesehen,
in Bäumen gehangen,
gefallen in mein Gedankenkästchen,
gewunden, ineinandergeschlungen,
vier Uhr Nacht –
Grauschimmer in meinen Augen,
fünf Uhr Morgen –
alles in mir kariert – – – –
Zieh einen Kreis um mich
Und fülle ihn mit Wärme,
mit Blumen,
mit Lächeln
und tanzenden Menschen
und lege dich zu mir

Großstädte

Im Treibhaus
Der Stadtnächte
Lila Lippen,
mondlichtig,
zartgliedriges
Bewegungsspiel,
Spreizende Fingerspitzen,
trinkend aus eigener Schönheit,
magische Funken
aus weibmännlichen
Traueraugen
Im Fluß des Nachtgeschehens,
Treibhaus
Gepflanzter Fantasien,
getötet
im Sonnenmorgen!

Punks auf Kings Road

Flatternd durch entseelte Massen,
stachelköpfig
bunte Vögel,
irrend,
auf und ab
in Neonlichtern,
früh verblüht
in Kellernestern,
lappig, zammlig,
kettenklirrigt,
schwache Herzen,
auf und ab
und stark bestiefelt,
Pulks gedrängt
auf Bänken, Treppen,
leerer Blick
in bunten Lappen
Müdgesichter,
auf und ab
und zielverloren

Oben: Installation/Objekte, florae obscurae von Farangis.

(rev. 02.05.2022)

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Dekonstruktion statt Destruktion Inspiring Säkularer Mystizismus Sichtweisen

Molavi / Rumi

MOLAVI BALKHI / مولوی

RUMI

Wenn du ein Auge hast, schau mit deinem Auge: blicke nicht durch das Auge des ignoranten Narren. Wenn du ein Ohr hast, höre mit deinem eigenen Ohr: warum solltest du dich abhängig machen von den Ohren Starrköpfiger? Übe dich darin, selber zu schauen, ohne blindlings irgendeiner Autorität zu folgen: denke gemäß der Sicht deiner eigenen Vernunft.

All wise have said this same thing: the wise man is a (Divine) mercy to created beings.

Moral und Realität — Nacherzählungen von Auszügen aus Mathnawi, nach R.A. Nicholson.

The Mathnawi, it is said, is easier than easy to the ignorant, but harder than hard to the wise …

Ich korrigiere nochmal meine Übersetzungen der Nicholson-Übersetzung von Rumis Mathnawi. Dazu nochmal einleitend folgende Worte:

Ich möchte Ihnen hier einige von mir nacherzählte Geschichten aus dem Mathnawi von Molavi (Rumi) nach der Übersetzung von R.A. Nicholson vorstellen. Zu der Art der Herangehensweise meiner Bearbeitung will ich folgendes sagen. Als erstes möchte ich mein Unterfangen, aus einer Übersetzung zu übersetzen, damit rechtfertigen, dass sogar die Bibel tatsächlich in ihren meisten Fassungen “eine Übersetzung einer Übersetzung” ist. Die Tiefe der Auffassungsgabe Professor Nicholsons hat mich so stark beeindruckt, dass mir seine Übersetzungsarbeit hat klar werden lassen, dass Tiefe im Denken nicht gebunden ist an kulturelle Lokalitäten wie Orient und Okzident. Tiefes Denken kennt keine Barrieren. Den meisten ist die Annäherung an den Orient insbesondere durch Arbeiten von Frau Professor Annemarie Schimmel bekannt, die eine Expertin auf ihren Gebiet ist. Warum es mich trotz der bestehenden Bearbeitungen anderer gedrängt hat, meine Übersetzungsvarianten einiger Geschichten aus so einem so wichtigen Buch wie Molavis Mathnawi zu verfassen, hat mehrere Gründe.

1.) Mir gefällt, dass Nicholson die Sätze Rumis nicht strafft. Frau Prof. Schimmel zum Beispiel zwängt die persischen Verse Rumis bei der Übersetzung wieder in die Versform, während Nicholson aufgrund der Übersetzungsschwierigkeit auf Reime verzichtet.

Zur Veranschaulichung ein exemplarisches Beispiel:

Ein gewisser Mann fing einen Vogel mit Hinterlist und einer Falle: der Vogel sagte zu ihm, „Oh edler Herr,

Du hast viele Ochsen und Schafe gegessen, du hast viele Kamele geopfert;

Niemals in der Welt wurdest du durch sie gesättigt, so wirst du auch nicht durch meine Glieder gesättigt werden …“

(THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books III & IV, R.A. Nicholson, E.I.W. Gibb Memorial Series (1930), New Series, IV, 4. London, 1960, pp. 396-397.)

Die gleiche Passage in der Version von Frau Prof. Schimmel:

Ein Sperling sprach zu dem, der ihn gefangen: „Was kannst du von diesem Kopf und Bein empfangen“?

(SCHIMMEL, Annemarie, Die drei Versprechen des Sperlings: Die schönsten Tierlegenden aus der islamischen Welt, C.H. Beck, München, 1997, S. 112.)

und

Er sagte zum Papagei, „Welches Geschenk soll ich dir aus Indien mitbringen?“

Der Papagei sagte, „Wenn du die Papageien dort siehst, erzähl ihnen von meiner Notlage (und sage),

‚So-und-so ein Papagei, der sich nach euch sehnt, sitzt, durch das Schicksal des Himmels, bei mir in Gefangenschaft.

Er (der Papagei) grüßt euch und sehnt sich nach Gerechtigkeit und wünscht sich, von euch die Mittel und Wege zu erfahren, wie man dem rechten Weg folgt.

Er (der Papagei) sagt, „Ist es richtig, dass ich in meiner Sehnsucht (nach euch) meinen Geist aufgebe und hier in Separation sterbe? …‘“

(THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books I & II, R.A. Nicholson, E.I.W. Gibb Memorial Series (1926), New Series, IV, 2. London, 1960, pp. 85-86.)

Die gleiche Passage in der Version von Frau Prof. Schimmel:

Den Papagei fragt’ er: „Was willst du haben?

Was bring ich dir aus Indien als Gaben?“

Der Sprach: „Gib bitte doch den Papageien,

die du dort siehst, von meinem Zustand Kunde!

Sag: ‚Einer voller Sehnsucht und Verlangen,

ist durch Beschluss des Himmels hier gefangen;

er lässt euch grüßen, und er bittet euch

um Hilfe und um gute Weisung gleich.‘

Er sagt: ‚Ziemt es sich denn, dass ich voll Sehnsucht

mein Leben aushauch, sterbe in der Fremde?‘

(SCHIMMEL, Annemarie, Die drei Versprechen des Sperlings: Die schönsten Tierlegenden aus der islamischen Welt, C.H. Beck, München, 1997, S. 153.)

2.) Im Weiteren denke ich, dass die unmittelbare, quasi fast „anstandslose” Annäherung an die Tiefe dieser Gedanken wichtig ist. Man muss nicht erst Iranistik studieren um sich an das Denken Molavis heranzuwagen – selbst wenn jede Übersetzung nach Nicholsons Worten sowieso „ein bloßer Schatten des Originals bleibt“. In der Annäherung an diese Gedanken geht es um das selbst vollzogene Verständnis einer Idee, die einer umschriebenen Realität entspringt, und es geht nicht um enthobene Genialität, mit der man beim eigenen inneren Nachvollziehen seine Schwierigkeiten haben müsste.

3.) Ein letzter Punkt ist, dass die kulturellen Inhalte Irans zu stark unter dem Gesichtspunkt spezifisch islamischer Religiosität und zu wenig unter dem Aspekt des ureigenen kulturellen Erbes des Landes und Sprachraumes betrachtet wird. Die Gedanken Molavis sind reich an einem Verständnis über die Natur und das reelle Universum. Seine Bilder entspringen keiner wirklich religiös motivierten, aber selbstverständlich auch keiner naturwissenschaftlich-positivistisch orientierten Auffassung, sondern Molavis „Gedanken-Bilder“ repräsentieren das wesenhafte und das naturhafte der Welt, wie es aus der Eigenheit der Dinge an „Göttliches“ gebunden ist. Das „Göttliche“ bei Molavi ist aber kein einfacher Gottesbegriff, sondern einer, der sich durch den selbst-vollzogenen mystischen Entwicklungslauf erst klären kann.

Seine Mystik ist fraglos in vorislamischen Kulturbegriffen des Irans verwurzelt, die Schwerpunktlagerungen der „Moral der Geschichten“ weist darauf hin.

Der Grund warum ich Ihnen gerade als Tierrechtlerin, Environmentalistin und Menschenrechtlerin Auszüge aus dem Mathnawi vorstellen will, ist, dass mir im Laufe meiner Arbeit bewusst geworden ist, dass die Ursache sämtlicher Probleme, mit denen ich mich konfrontiert sehe, der innere Konflikt des Menschen selbst ist, und zwar aus zwei Sichten heraus, einmal das Problem des Menschen als „Täter“ – als dem uninformiert oder destruktiv Handelnden, und auf der anderen Seite das Problem des Menschseins als Mensch, der sich versucht aus den Schlingen der gesellschaftlichen Zwänge (in seinem Denken und Handeln) zu befreien, dem es aber an Werkzeugen zur eigenen Loslösung zu fehlen scheint. Es ist einfach, die Gesellschaft zu kritisieren, aber ohne Gegenmodelle und ohne moralisch-ethische Stärke entwickelt zu haben, bleibt man als „Kämpfer“ kläglich in der Frustration dessen gefangen, gegen was zu sein aber keinen Mut zur „Utopie“ (zu anderen Modellen) zu haben. Sinn dessen, für eine bessere Welt zu kämpfen ist aber nicht letztendlich verzweifeln zu müssen und sich verloren fühlen zu müssen, sondern seine Kraft zu erhalten und zu entwickeln. Dazu braucht es moralisch-ethische Beispiele und ein entwickeltes viel tiefer greifendes Realitätsverständnis als das, das uns unser Mainstream heute allgemein bietet (der akademische Mainstream sowie der Spirituelle/Religiöse bilden da keine Ausnahmen – selbst die ‚Extremisten‘ zählen meiner Meinung nach zum Mainstream). Bei Molavi lässt sich Tiefe im Denken andocken, und es ist erstaunlich, aber auch sehr aufschlussreich, dass das Mathnawi von ihm bis heute noch nicht einmal komplett ins Deutsche übersetzt wurde, man nichtsdestotrotz aber allerhand Geschichten über seine Person und sein Leben zu lesen findet.

Die Klammern in den Übersetzungstexten kennzeichnen die von Nicholson hinzugefügten Wörter. Wie bereits von Nicholson erwähnt, ist jede Übersetzung des Mathnawi ein bloßer Schatten des Originals. Ich habe einige Texte auf Persisch gemeinsam mit meine Vater gelesen, so ist mir die originale Sprache von Molavi nicht gänzlich unbekannt.

Gita Yegane Arani, Usingen, 14.06.2022.

Soweit – neuere Fassungen:

Der Kaufmann und der Papagei, der ihm eine Botschaft an die Papageien in Indien mitgab, https://simorgh.de/biografie/molavi-der-kaufmann-und-der-papagei/

Der Mann, der es versäumte von den weisen Ratschlägen eines Vogels zu profitieren, https://simorgh.de/biografie/molavi-der-mann-und-der-vogel/

(Ich muss diese neueren Fassungen nochmal – als PDFS – Layouten. Werde die Texte (wahrscheinlich zusammen) später in die Reader-Form übertragen.)

Und dies sind meine älteren Fassungen gewesen, noch einiger weiterer Texte, die ich derzeit nochmal bearbeite – die neueren Fassungen sind oben:

1. Der Löwe und die Beutetiere (PDF Datei) – BOOK I
THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books I & II, R.A. Nicholson, E.J.W. Gibb Memorial Series (1926), New Series, IV, 2. London, 1960, pp. 50-76.

2. Der Kaufmann und der Papagei der ihm eine Botschaft an die Papageien in Indien mitgab (PDF Datei) – BOOK I
THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books I & II, R.A. Nicholson, E.J.W. Gibb Memorial Series (1926), New Series, IV, 2. London, 1960, pp. 85-101.

3. Das streunende Kamel des wahren Gläubigen (PDF Datei) – BOOK II
THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books I & II, R.A. Nicholson, E.J.W. Gibb Memorial Series (1926), New Series, IV, 2. London, 1960, pp. 372-377.

4. Der Lehrer der sich einbildete dass er krank sei (PDF Datei) – BOOK III
THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books III & IV, R.A. Nicholson, E.J.W. Gibb Memorial Series (1930), New Series, IV, 4. London, 1960, pp. 85-91.

5. Der Drogist und der Ton-Fresser (PDF Datei) – BOOK IV
THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books III & IV, R.A. Nicholson, E.J.W. Gibb Memorial Series (1930), New Series, IV, 4. London, 1960, pp. 306-308.

6. Der Mann der es versäumte von den weisen Ratschlägen eines Vogels zu profitieren (PDF Datei) – BOOK IV
THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books III & IV, R.A. Nicholson, E.J.W. Gibb Memorial Series (1930), New Series, IV, 4. London, 1960, pp. 396-397.

7. Der Türke und der Schneider (PDF Datei) – BOOK VI
THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books V & VI, R.A. Nicholson, E.J.W. Gibb Memorial Series (1934), New Series, IV, 6. London, 1960, pp. 350-354.

8. Die Maus und der Frosch (PDF Datei) – BOOK VI
THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books V & VI, R.A. Nicholson, E.J.W. Gibb Memorial Series (1934), New Series, IV, 6. London, 1960, pp. 403-422.

Ein guter Ort im Netz um sich die persischen Quellen anzuschauen finde sich hier: https://ganjoor.net/moulavi

Bild oben: Farangis G. Yegane und auf dem Foto ganz oben ist Palang Yegane Arani zu sehen!

 

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Dekonstruktion statt Destruktion

Das „Andere“ versus der „Verschiedenartigkeit“ von Tieren

Das „Andere“ versus der „Verschiedenartigkeit“ von Tieren

Palang LY

Wozu grenzt sich das Andere ab, d.h. zu was hin verläuft die Grenze des Anderen. Das Andere muss sich zu etwas als “anders” verhalten. Und in seiner Bezeichnetheit, in seinem Zustand des Bezeichnet-Seins, muss eine Instanz die “das Andere” bezeichnende Instanz sein. Der Kern und die Peripherie, so könnte man das Bild veranschaulichen. “Das Andere” ist keine autonomie-erkennende Konkretisierung, sondern allein eine fast räumliche Perspektive zwischen einem Zentrum das intern sein muss und einem zwangsläufig Externen.

Was macht den Begriff des “Anderen” so interessant? Das er Licht zurück auf den Bezeichnenden wirft. Wenn ich mich tatsächlich mit “dem Anderen” befassen will, muss ich mich zur Konkretisierung bereit erklären, in vorderster Linie indem ich “dem Anderen” die Autonomie des Selbst-Seins zuweise. Das andere Ding ist, als Phänomen an und für sich, und nicht erst etwas, das durch meine Perspektive erkannt wird. Dieser Wesenszug ist dem Anderen inhärent, dass er auf eine Autonomie von der Bezeichnung hin trachtet.

“Das Andere” ist das was mir nicht gleicht, sondern sich von mir unterscheidet. Wenn mir diese Beobachtung reicht, wird sich das Andere nicht zum Subjektiv erhoben haben, sondern es wird allein im Adjektiven, im anders sein als ich, verharren. Wir möchten aber hier über eben “das Andere” sprechen. Das Imperative im Begriff: Die Grenzen zu “dem Anderen” müssen kaum überwindbar sein, um zur Herstellung dieses Verhältnisses gelangt zu sein. Würden die Grenzen nicht auf allen Ebenen eindeutig sein, könnten mögliche Ähnlichkeiten oder eigenschaftsgebundene Berührungspunkte auf Gleichheiten und Affinitäten hinweisen, und das Verhältnis würde sich zur Andersartigkeit reduzieren – weg vom statisch kategorischen “Anderen” hin zu einer eher fluktuierenden Vergleichsebene. Der Begriff des “Anderen” lässt diese Fluktuation kaum zu.

Entscheidend ist das perspektivische Verhältnis, die Warte der Bezeichnung des Anderen, die auch die Grenzen in ihrer Beobachtung festlegt. Ohne die Betrachtung auch der bezeichnenden Seite jedoch, ist es kaum möglich ein Verständnis über “das Andere” als solches zu erhalten. Wie schon gesagt ist das Andere immer etwas gesehenes, etwas in einem Verhältnis stehendes; solange sich der Begriff nicht auf ein Gegenüber an und für sich beziehen will, sondern das Verhältnis in seiner ausgesprochenen Position in der Form impliziert.

Um diese Perspektivenfrage etwas einzugrenzen, möchte ich ein bestimmtes Verhältnis zu “dem Anderen” ansprechen, und zwar möchte ich das Tier-Andere hier etwas aus der rein reflektorhaften Position dessen, zum Anderen zu gehören, hinausziehen zur näheren Betrachtung.

Die (einzige) Gleichmachungsstufe zwischen dem Tier-Anderen und der bezeichnenden menschlichen Instanz, besteht gegenwärtig im Wesentlichen in dem von der Biologie als Klassifikationsmodell gegebenen Nenner des organisch-anatomischen. Der Mensch als Tier und die nichtmenschlichen Tiere haben der Biologie zufolge, stufenweise sich vermeintlich in gewissen Komplexitäten in “einfacher” und “komplexer” gliedernd, eine Reihe an physisch ähnlichen Merkmalen. Außer diesem einen hierarchisch facettierten Gleichheitsfaktor, unter dem gesehen Menschen in der biologischen Terminologie ‘biologisch-faktisch’ zu den Tieren gehören, gibt es eigentlich keine weitere im allgemeinen als gültig betrachtete Ähnlichkeitsebene zwischen Menschen und Tieren.

Die Definition der Biologie ist eine erteilte; aus dem Verhältnis Mensch-Tier selbst ist, unabhängig von biologischen Zuweisungen, bisher keine essentielle Ähnlichkeit abgeleitet worden: Das Tier-Andere ist zum einen also gleich allein auf einer hierarchischen Stufe, die nach unten und niemals nach oben rangieren kann. Auf der sozialen Interaktionsebene, die “dem Tier-Anderen” aber begegnet, ist “das Tier” das kategorisch “Andere” bis hinein in die vollständige Entsubjektifizierung.

In dem Verhältnis hierarchischer Bewertungen ist es fragwürdig, ob dem Anderen, dem Tier-Anderen, seine reelle Autonomie des Selbst-Seins zugestanden werden kann? Immerhin wird das Tier-Andere nur „nach oben oder unten“ hin zu einem feststehenden Maßstab bemessen. Der Maßstab ist die biologisch erklärte Komplexität physisch-organischer Funktionen, die innerhalb eines bestimmten Wertegeflechts eine bestimmte Bedeutung innehaben.

Das Wertegeflecht des Tier-Anderen bleibt non-existent in dieser Perspektive. Die Frage ist, ob bei der Betrachtung des Anderen, auch eine Universalität des Anderen gesehen werden kann, oder ob das Andere nur zur Kategorie eines objektifizierbaren Gegenübers erstarren soll?

Die Frage ist auch, ob das Imperative in dem Subjektbegriff “des Anderen” nicht eine Universalität geneigt ist auszuschließen, weil der Blick allein auf zwei Seiten fällt, die Seite des Internen, des Bezeichnenden, und die Seite des Externen, des bezeichneten Anderen.

Die Grenzen sind so scharf aber undifferenziert, dass es nur noch das Eine und das Andere gibt, was im Falle der Auseinandersetzung mit der Tier-Frage eine limitierende Herangehensweise darstellt. Immerhin haben wir es nicht mit etwas tatsächlich objektifizierbaren zu tun sondern mit den koexistenten nichtmenschlichen Tieren.

Verschiedenartigkeit und moralische Bezugnahme

Und die Frage ist auch, warum das unerfasste Andere am Tier-Anderen bei der menschlich bestimmenden Instanz häufig einen Destruktivitätswunsch verursacht, statt beispielsweise eine hinterfragende Reflektion über das Menschlich-Gleiche oder “das Gleichartige” anzustoßen? Man könnte denken, dass das “Unerfasste, als das Andere” immer eher eine Anziehung ausüben müsse, weil man gerne von jenem positiven Menschenbild ausgehen würde, in dem der Mensch sich tolerant dem “Unerfassten” und “Anderen” zuwendet, in positiver Neugier. Aber, stattdessen ist die Neugier allein eine Neugier darüber, Wege zu finden dem unerfassten Anderen weitmöglichst zu schaden bzw. es zu zerstören.

Das unerfasste Andere am Tier-Anderen ist die Kategorie “des Anderen”, gesehen von der Warte des menschlich Allgemeinen und eines homozentrischen Kontraktualismus. Das Tier-Andere übernimmt eine spezifische Funktion des “Anderen”. Das Verhältnis zum Anderen ist kein einhelliges: Das geschlechtliche Andere erhält eine andere Betrachtung als das ethnisch Andere beispielsweise. Es gibt eine Graduierung, in der sich die Problematik der Andersartigkeit auf verschiedenen “Schweregraden” bewegen kann. Bezüglich der Frage des Tier-Anderen kann man beobachten, dass die biologische beobachtete partielle Ähnlichkeit eine noch stärkere Polarität in der emotionalen und moralischen Bezugnahme erzeugt (man würde sich metaphorisch einem Stein in weniger problematischer Weise nah oder fern fühlen, als einem Insekt). Das heißt, dass dem Verhältnis zum Tier-Anderen eine bestimmte Komponente zukommen muss, die dieses Verhältnis noch klarer verdeutlichen wird.

Das Tier-Andere ist nicht bezeichnet durch die soziale Reibungsfläche und Faszination eines “anderen” innerhalb geschlechtlich sich ausdrückender Beziehungsspannen oder ethnisch-artikulierten sozialen “Andersseins”; das Tier-Andere ist zum größten Teil das ‚gejagte, erlegte, gehaltene, geschlachtete, gehandelte, gegessene, intrusiv medizinisch erforschte’ etc. – das soweit am stärksten moralisch objektifizierte “andere”. Am stärksten herabgesetzt, wegen der Kluft zwischen der aus homozentrischer Sicht bezeichneten Andersartigkeit und der Realität der konkreten Tier-Individuen, die in ihrer autonomen Selbstbestimmtheit unsichtbar bleiben, weil der Maßstab über ihre Andersartigkeit (im Vergleich zum Menschen) zum mindesten ihre Individualität als Wertigkeit außer acht lässt. Und in diesem Falle heißt “Individualität” das Einmalig-Sein.

Dass das Tier-Andere sich auf der Stufe des Verhältnisses zum Menschen als Opfer in dieser spezifischen Form befindet, ist dem Menschen zu verdanken und es liegt nicht an irgendeinem vermeintlichen Unvermögen seitens der Nichtmenschen. Wenn ich dem Tier-Anderen diese Position aber komplett anhaften wollte, würde ich den Blick über die Situation dahingehend verlieren, dass ich mir nicht mehr der Auswirkungen der menschlichen Handlungen am Tier-Anderen bewusst bin, sondern ich würde den Fehlschluss ziehen, dass die Situation des Tier-Anderen gleichzusetzen ist mit der tatsächlichen Qualität des Andersseins bei Tieren (der Bezugnehmende darf niemals in seiner Perspektivität außer Acht gelassen werden in einer kritischen Betrachtung einer Verhältnismäßigkeit).

Das hieße ich würde übersehen, wie die Interaktion zwischen Mensch und Tier verläuft, und würde die Situation der Tiere als in gewissen Sinne Schicksalhaft betrachten. Der Mensch als Täter wäre dann quasi frei von jeglicher Verantwortung und Schuld an der Opferposition des Tier-Anderen.

Dies ist ein Punkt in dem es wieder wichtig ist festzuhalten, das die Betrachtung oder Designierung des “Anderen”, also auch des “Tier-Anderen”, immer einen Betrachter oder Bezeichnenden mit beinhaltet, Das heißt übertragen, dass meine Sicht auf “Tiere als Opfer” dahingehen differenziert bleiben muss, dass zum Opfer auch ein Täter gehört – der wohlmöglich das Tier-Andere als Feindbild betrachtet, beispielweise, oder es als moralisch irrelevant abtut.

Das nicht-faktisch Andere

Der Begriff des “Anderen” ist eine Bezeichnung, die darüber hinwegtäuschen kann, dass sie die konkreten Eigenschaften des als anders Beschriebenen einfach zu subsumieren sucht, und dass letztendlich die Existenzbeschreibung stattfindet über den Maßstab und die Klassifikation die der Mensch schafft. Dass allein ein Verhältnis von zwei Positionen aus dem Begriff des “Anderen” ersichtlich wird, wird häufig außer acht gelassen.

Wenn das Tierreich unter einer Perspektivität des “Anderen” subsumiert wird, wird zwar zum einen ein wichtiges Verhältnis ersichtlich, und zwar, dass der Mensch hier etwas beschreibt, das er von sich in einer wesentlichsten Form als verschieden und als gegenüber betrachtet, aber zum anderen bleibt der Aspekt unerkannt, der auf die Erkenntnis über (das Selbst- sein und) das Andere-Sein hinweist, dass nämlich das Andere noch etwas ist, außer seiner alleinigen Eigenschaft des Anders-Seins, das sich aus der Beziehung zum Beschreibenden ergibt.

Dieses Verhältnis lässt sich über die biologisch-zentrierte Perspektive auf Nichtmenschen zum Beispiel überhaupt nicht erfassen. Werden Nichtmenschen biologisch beschrieben, das wird die soziale und die existenziell-philosophische Perspektivitätsdimension nicht erfasst (außer in biologisierter Weise) und die Nichtmenschen werden “faktisch-biologisch” als “Andere” physiologisch und psychologisch klassifiziert.

Ich glaube man würde sich der Frage des Anderen bei nichtmenschlichen Tieren eher über die Frage der Andersartigkeit bei Tieren annähern können. Die verhärtete Position des antithetischen Gegenübers würde dadurch aufgelöst und zur Beschreibung des Eigenschaftsreichtums hingeführt. “Das Andere” weist drohend auf ein moralisch ungeklärtes Verhältnis der menschlichen Verstandesebene zum u.a. vor allem auch animalischen Bereich hin. “Die Andersartigkeit” erlaubt die geheimnisvolle Egalität, die auf der Stufe des Unumschreibbaren herrscht, das heißt, die Egalität auf der Stufe universaler Kommunikationsebenen und natürlicher Individualitätserfahrungen, etc. statt den unumstößlichen Vergleich mit dem alleinigen Maßstab Mensch: “Das Wir und das Andere”.

“Das Andere” gleicht dem exotisierten Feindbild des sich ausschließlich Ausgrenzend-Lassenden. Das Verschiedenartige, das Andersartige hingegen ist vielfältig in seiner Eigenschaft, zeugt von Diversität, ist   bunt, bewegt sich auf der Horizontale statt auf der hierarchischen Vertikale. Der erste Schritt ist zwar zu erkennen, dass es etwas anderes im wesentlichsten Sinne gibt, aber diese Beobachtung sollte moralisch kreativ und flexibel wachsen und sich nicht im rationalen Dogmatismus eines emotionalen Entleertheitszustandes verflüchtigen.

Revidierte Version, 21.09.2021. (Vorherige Fassung: https://www.simorgh.de/own_public/Das_Andere_210208.pdf)