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Farangis: Aus meinem Traumschreiber

Farangis:

Fingerhände
Mordgreifer
Schrei des Pfeils
Geburt der Spirale
Aus meinem Traumschreiber

Traumgeborenes

Meine traumgeborenen Kinder,
meine Silberherzenperlen,
brauchen Honig, Milch und Wärme,
Farbenspiel im Blumenzaun,
Blätterrauschen,
Schattenbaum,
bin ich Apfel,
sind sie Kerne,
bin ich Ei, berg neues Leben,
habe Schale zart und fein,
brech ich, stößt mich auf den Wegen
herzlos grobes Stiefelbein.
Schließen möchte ich meine hundert offnen Ohren,
Draußenlärm drängt schmerzend ein,
immer bin ich unverschlossen,
Schmutz und Alltagslärm hineingegossen,
bin ich doch Krug
bestimmt für Wein!

Gestricktes und Ersticktes

Klagepfeil
Sucht seinen Tröstegott,
lebensschwach
fürchtet der starken Spott,
Märchensucher
Lauscht hinterm Kerzenlicht,
Menschenbilder
Im Nebelgrau verwischt,
Flötenklang –
Marschierers Tritt erstickt,
Frauenleid
Im Monatsblut gestrickt

Tröstergott gestrickt?
Kerzenlicht verwischt?
Bei Starkenspott erstickt?
Wünsche werden abgeknickt.

Schicksalsräder

Ich habe die große Linie gesehen,
doch die nagen an ihrer Schönheit,
doch sie klagen mir ihre Zänkereien,
ich habe die große Ruhe vernommen,
doch sie lärmen mit lauten Tritten,
doch sie schwärmen wie lästige Fliegen,
müde kroch ich ins verschwiegenen Mauseloch,
doch sie finden mein letztes Zufluchtsnest,
und sie binden mich auf mein Schicksalsrad

Schlaflos

Alles in mir kariert,
Gedankenkästchenmuster,
eingefangen,
zwei Uhr Nacht –
Zukunfstgedanken,
gegen Wände laufend,
Knoten und Schlaufen,
Lichter verhangen,
Worte verloren,
dunkel und blicklos,
drei Uhr Nacht –
Traumschlafhunger,
Ringe und Schlangen gesehen,
in Bäumen gehangen,
gefallen in mein Gedankenkästchen,
gewunden, ineinandergeschlungen,
vier Uhr Nacht –
Grauschimmer in meinen Augen,
fünf Uhr Morgen –
alles in mir kariert – – – –
Zieh einen Kreis um mich
Und fülle ihn mit Wärme,
mit Bumen,
mit Lächeln
und tanzenden Menschen
und lege dich zu mir.

Großstädte

Im treibhaus
Der Stadtnächte
Lila Lippen,
mondlichtig,
zartgliedriges
Bewegungsspiel,
Spreizende Fingespitzen,
trinkend aus eigenen Schönheit,
magische Funken
aus weibmännlichen
Traueraugen
Im Fluß des Nachtgeschehens,
Treibhaus
Gepflanzter Fantasien,
getötet
im Sonnenmorgen

Punks auf Kings Road

Flatternd durch entseelte Massen,
stachelköpfig
bunte Vögel,
irrend,
auf und ab
in Neonlichtern,
früh verblüht
in Kellernestern,
lappig, zammlig,
kettenklirrigt,
schwache Herzen,
auf und ab
und stark bestiefelt,
Pulks gedrängt
Auf Bänken, Treppen,
leerer Blick
in bunten Lappen
Müdgesichter,
auf und ab
und zielverloren

Oben: Installation/Objekte, florae obscurae von Farangis.

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Dekonstruktion statt Destruktion Inspiring Säkularer Mystizismus Sichtweisen

Molavi / Rumi

MOLAVI BALKHI / مولوی

RUMI

Wenn du ein Auge hast, schau mit deinem Auge: blicke nicht durch das Auge des ignoranten Narren. Wenn du ein Ohr hast, höre mit deinem eigenen Ohr: warum solltest du dich abhängig machen von den Ohren Starrköpfiger? Übe dich darin, selber zu schauen, ohne blindlings irgendeiner Autorität zu folgen: denke gemäß der Sicht deiner eigenen Vernunft.

All wise have said this same thing: the wise man is a (Divine) mercy to created beings.

Moral und Realität — Nacherzählungen von Auszügen aus Mathnawi, nach R.A. Nicholson.

The Mathnawi, it is said, is easier than easy to the ignorant, but harder than hard to the wise …

Ich korrigiere und lade auf diesem Blog nochmal meine Übersetzungen der Nicholson-Übersetzung von Rumis Mathnawi hoch. Dazu nochmal einleitend folgende Worte:

Ich möchte Ihnen hier einige von mir nacherzählte Geschichten aus dem Mathnawi von Molavi (Rumi) nach der Übersetzung von R.A. Nicholson vorstellen. Zu der Art der Herangehensweise meiner Bearbeitung will ich folgendes sagen. Als erstes möchte ich mein Unterfangen, aus einer Übersetzung zu übersetzen, damit rechtfertigen, dass sogar die Bibel tatsächlich in ihren meisten Fassungen “eine Übersetzung einer Übersetzung” ist. Die Tiefe der Auffassungsgabe Professor Nicholsons hat mich so stark beeindruckt, dass mir seine Übersetzungsarbeit hat mir klar werden lassen, dass Tiefe im Denken nicht gebunden ist an kulturelle Lokalitäten wie Orient und Okzident. Tiefes Denken kennt keine Barrieren. Den meisten ist die Annäherung an den Orient insbesondere durch Arbeiten von Frau Professor Annemarie Schimmel bekannt, die eine Expertin auf ihren Gebiet ist. Warum es mich trotz der bestehenden Bearbeitungen anderer gedrängt hat meine Übersetzungsvarianten einiger Geschichten aus so einem so wichtigen Buch wie Molavis Mathnawi zu verfassen, hat mehrere Gründe.

1.) Mir gefällt, dass Nicholson die Sätze Rumis nicht strafft. Frau Prof. Schimmel zum Beispiel zwängt die persischen Verse Rumis bei der Übersetzung wieder in die Versform, während Nicholson aufgrund der Übersetzungsschwierigkeit auf Reime verzichtet.

Zur Veranschaulichung ein exemplarisches Beispiel:

Ein gewisser Mann fing einen Vogel mit Hinterlist und einer Falle: der Vogel sagte zu ihm, “Oh edler Herr,
Du hast viele Ochsen und Schafe gegessen, du hast viele Kamele geopfert;
Niemals in der Welt wurdest du durch sie gesättigt, so wirst du auch nicht durch meine Glieder gesättigt werden …”

(THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books III & IV, R.A. Nicholson, E.I.W. Gibb Memorial Series (1930), New Series, IV, 4. London, 1960, pp. 396-397.)

Die gleiche Passage in der Version von Frau Prof. Schimmel:

Ein Sperling sprach zu dem, der ihn gefangen: “Was kannst du von diesem Kopf und Bein empfangen”?

(SCHIMMEL, Annemarie, Die drei Versprechen des Sperlings: Die schönsten Tierlegenden aus der islamischen Welt, C.H. Beck, München, 1997, S. 112.)

und

Er sagte zum Papagei, “Welches Geschenk soll ich dir aus Indien mitbringen?”
Der Papagei sagte, “Wenn du die Papageien dort siehst, erzähl ihnen von meiner Notlage (und sage),
‘So-und-so ein Papagei, der sich nach euch sehnt, sitzt, durch das Schicksal des Himmels, bei mir in Gefangenschaft.
Er (der Papagei) grüßt euch und sehnt sich nach Gerechtigkeit und wünscht sich, von euch die Mittel und Wege zu erfahren, wie man dem rechten Weg folgt.
Er (der Papagei) sagt, “Ist es richtig, dass ich in meiner Sehnsucht (nach euch) meinen Geist aufgebe und hier in Separation sterbe? …'”

(THE MATHNAWÍ OF JALÁLU’DDÍN RÚMÍ, Translation, Books I & II, R.A. Nicholson, E.I.W. Gibb Memorial Series (1926), New Series, IV, 2. London, 1960, pp. 85-86.)

Die gleiche Passage in der Version von Frau Prof. Schimmel:

Den Papagei fragt’ er: “Was willst du haben?
Was bring ich dir aus Indien als Gaben?”
Der Sprach: “Gib bitte doch den Papageien,
die du dort siehst, von meinem Zustand Kunde!
Sag: ‘Einer voller Sehnsucht und Verlangen,
ist durch Beschluss des Himmels hier gefangen;
er lässt euch grüßen, und er bittet euch
um Hilfe und um gute Weisung gleich.’
Er sagt: ‘Ziemt es sich denn, dass ich voll Sehnsucht
mein Leben aushauch, sterbe in der Fremde?

(SCHIMMEL, Annemarie, Die drei Versprechen des Sperlings: Die schönsten Tierlegenden aus der islamischen Welt, C.H. Beck, München, 1997, S. 153.)

2.) Im Weiteren denke ich, dass die unmittelbare, quasi fast “anstandslose” Annäherung an die Tiefe dieser Gedanken wichtig ist. Man muss nicht erst Iranistik studieren um sich an das Denken Molavis heranzuwagen – selbst wenn jede Übersetzung nach Nicholsons Worten sowieso “ein bloßer Schatten des Originals bleibt”. In der Annäherung an diese Gedanken geht es um das selbst vollzogene Verständnis einer Idee, die einer umschriebenen Realität entspringt, und es geht nicht um enthobene Genialität, mit der man beim eigenen inneren Nachvollziehen seine Schwierigkeiten haben müsste.

3.) Ein letzter Punkt ist, dass die kulturellen Inhalte Irans zu stark unter dem Gesichtspunkt spezifisch islamischer Religiosität und zu wenig unter dem Aspekt des ureigenen kulturellen Erbes des Landes und Sprachraumes betrachtet wird. Die Gedanken Molavis sind reich an einem Verständnis über die Natur und das reelle Universum. Seine Bilder entspringen keiner wirklich religiös motivierten, aber selbstverständlich auch keiner naturwissenschaftlich-positivistisch orientierten Auffassung, sondern Molavis “Gedanken-Bilder” repräsentieren das wesenhafte und das naturhafte der Welt, wie es aus der Eigenheit der Dinge an “Göttliches” gebunden ist. Das “Göttliche” bei Molavi ist aber kein einfacher Gottesbegriff, sondern einer, der sich durch den selbst-vollzogenen mystischen Entwicklungslauf erst klären kann.

Seine Mystik ist fraglos im vorislamischen Kulturbegriffen des Irans verwurzelt, die Schwerpunktlagerungen der “Moral der Geschichten” weist darauf hin.

Der Grund warum ich Ihnen gerade als Tierrechtlerin, Environmentalistin und Menschenrechtlerin Auszüge aus dem Mathnawi vorstellen will, ist, dass mir im Laufe meiner Arbeit bewusst geborden ist, dass die Ursache sämtlicher Probleme, mit denen ich mich konfrontiert sehe, der innere Konflikt des Menschen selbst ist, und zwar aus zwei Sichten heraus, einmal das Problem des Menschen als “Täter” – als dem uninformiert oder destruktiv Handelnden, und auf der anderen Seite das Problem des Menschseins als Mensch, der sich versucht aus den Schlingen der gesellschaftlichen Zwänge (in seinem Denken und Handeln) zu befreien, dem es aber an Werkzeugen zur eigenen Loslösung zu fehlen scheint. Es ist einfach die Gesellschaft zu kritisieren, aber ohne Gegenmodelle und ohne moralisch-ethische Stärke entwickelt zu haben, bleibt man als “Kämpfer” kläglich in der Frustration dessen gefangen zur gegen was zu sein aber keinen Mut zur “Utopie” (zu anderen Modellen) zu haben. Sinn dessen, für eine bessere Welt zu kämpfen, ist aber nicht letztendlich verzweifeln zu müssen und sich verloren fühlen zu müssen, sondern seine Kraft zu erhalten und zu entwickeln! Dazu braucht es moralisch-ethische Beispiele und ein entwickeltes viel tiefer greifendes Realitätsverständnis als das, das uns unser Mainstream heute allgemein bietet (der akademische Mainstream sowie der Spirituelle/Religiöse bilden da keine Ausnahmen). Bei Molavi lässt sich Tiefe im Denken andocken, und es ist erstaunlich, aber auch sehr aufschlussreich, dass das Mathnawi von ihm bis heute nicht ins Deutsche übersetzt wurde, man hier aber allerhand Geschichten über seine Person und sein Leben zu lesen findet.

Die Klammern in den Übersetzungstexten kennzeichnen die von Nicholson hinzugefügten Wörter. Wie bereits von Nicholson erwähnt, ist jede Übersetzung des Mathnawi ein bloßer Schatten des Originals. Ich habe einige Text auf Persisch gemeinsam mit meine Vater gelesen, so ist mir die originale Sprache von Molavi nicht gänzlich unbekannt.

Gita Yegane Arani, Frankfurt am Main, 29.09.2021.

Soweit:

Der Kaufmann und der Papagei, der ihm eine Botschaft an die Papageien in Indien mitgab, https://simorgh.de/biografie/molavi-der-kaufmann-und-der-papagei/

Der Mann, der es versäumte von den weisen Ratschlägen eines Vogels zu profitieren, https://simorgh.de/biografie/molavi-der-mann-und-der-vogel/

Dies sind meine älteren Fassungen gewesen noch einiger weiterer Texte, die ich derzeit bearbeite: https://www.simorgh.de/mathnawi.htm

Ein guter Ort im Netz um sich die persischen Quellen anzuschauen finde sich hier: https://ganjoor.net/moulavi

Bild oben: Farangis G. Yegane und auf dem Foto ganz oben ist Palang Yegane zu sehen!

 

 

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Dekonstruktion statt Destruktion

Das „Andere“ versus der „Verschiedenartigkeit“ von Tieren

Das „Andere“ versus der „Verschiedenartigkeit“ von Tieren

Palang LY

Wozu grenzt sich das Andere ab, d.h. zu was hin verläuft die Grenze des Anderen. Das Andere muss sich zu etwas als “anders” verhalten. Und in seiner Bezeichnetheit, in seinem Zustand des Bezeichnet-Seins, muss eine Instanz die “das Andere” bezeichnende Instanz sein. Der Kern und die Peripherie, so könnte man das Bild veranschaulichen. “Das Andere” ist keine autonomie-erkennende Konkretisierung, sondern allein eine fast räumliche Perspektive zwischen einem Zentrum das intern sein muss und einem zwangsläufig Externen.

Was macht den Begriff des “Anderen” so interessant? Das er Licht zurück auf den Bezeichnenden wirft. Wenn ich mich tatsächlich mit “dem Anderen” befassen will, muss ich mich zur Konkretisierung bereit erklären, in vorderster Linie indem ich “dem Anderen” die Autonomie des Selbst-Seins zuweise. Das andere Ding ist, als Phänomen an und für sich, und nicht erst etwas, das durch meine Perspektive erkannt wird. Dieser Wesenszug ist dem Anderen inhärent, dass er auf eine Autonomie von der Bezeichnung hin trachtet.

“Das Andere” ist das was mir nicht gleicht, sondern sich von mir unterscheidet. Wenn mir diese Beobachtung reicht, wird sich das Andere nicht zum Subjektiv erhoben haben, sondern es wird allein im Adjektiven, im anders sein als ich, verharren. Wir möchten aber hier über eben “das Andere” sprechen. Das Imperative im Begriff: Die Grenzen zu “dem Anderen” müssen kaum überwindbar sein, um zur Herstellung dieses Verhältnisses gelangt zu sein. Würden die Grenzen nicht auf allen Ebenen eindeutig sein, könnten mögliche Ähnlichkeiten oder eigenschaftsgebundene Berührungspunkte auf Gleichheiten und Affinitäten hinweisen, und das Verhältnis würde sich zur Andersartigkeit reduzieren – weg vom statisch kategorischen “Anderen” hin zu einer eher fluktuierenden Vergleichsebene. Der Begriff des “Anderen” lässt diese Fluktuation kaum zu.

Entscheidend ist das perspektivische Verhältnis, die Warte der Bezeichnung des Anderen, die auch die Grenzen in ihrer Beobachtung festlegt. Ohne die Betrachtung auch der bezeichnenden Seite jedoch, ist es kaum möglich ein Verständnis über “das Andere” als solches zu erhalten. Wie schon gesagt ist das Andere immer etwas gesehenes, etwas in einem Verhältnis stehendes; solange sich der Begriff nicht auf ein Gegenüber an und für sich beziehen will, sondern das Verhältnis in seiner ausgesprochenen Position in der Form impliziert.

Um diese Perspektivenfrage etwas einzugrenzen, möchte ich ein bestimmtes Verhältnis zu “dem Anderen” ansprechen, und zwar möchte ich das Tier-Andere hier etwas aus der rein reflektorhaften Position dessen, zum Anderen zu gehören, hinausziehen zur näheren Betrachtung.

Die (einzige) Gleichmachungsstufe zwischen dem Tier-Anderen und der bezeichnenden menschlichen Instanz, besteht gegenwärtig im Wesentlichen in dem von der Biologie als Klassifikationsmodell gegebenen Nenner des organisch-anatomischen. Der Mensch als Tier und die nichtmenschlichen Tiere haben der Biologie zufolge, stufenweise sich vermeintlich in gewissen Komplexitäten in “einfacher” und “komplexer” gliedernd, eine Reihe an physisch ähnlichen Merkmalen. Außer diesem einen hierarchisch facettierten Gleichheitsfaktor, unter dem gesehen Menschen in der biologischen Terminologie ‘biologisch-faktisch’ zu den Tieren gehören, gibt es eigentlich keine weitere im allgemeinen als gültig betrachtete Ähnlichkeitsebene zwischen Menschen und Tieren.

Die Definition der Biologie ist eine erteilte; aus dem Verhältnis Mensch-Tier selbst ist, unabhängig von biologischen Zuweisungen, bisher keine essentielle Ähnlichkeit abgeleitet worden: Das Tier-Andere ist zum einen also gleich allein auf einer hierarchischen Stufe, die nach unten und niemals nach oben rangieren kann. Auf der sozialen Interaktionsebene, die “dem Tier-Anderen” aber begegnet, ist “das Tier” das kategorisch “Andere” bis hinein in die vollständige Entsubjektifizierung.

In dem Verhältnis hierarchischer Bewertungen ist es fragwürdig, ob dem Anderen, dem Tier-Anderen, seine reelle Autonomie des Selbst-Seins zugestanden werden kann? Immerhin wird das Tier-Andere nur „nach oben oder unten“ hin zu einem feststehenden Maßstab bemessen. Der Maßstab ist die biologisch erklärte Komplexität physisch-organischer Funktionen, die innerhalb eines bestimmten Wertegeflechts eine bestimmte Bedeutung innehaben.

Das Wertegeflecht des Tier-Anderen bleibt non-existent in dieser Perspektive. Die Frage ist, ob bei der Betrachtung des Anderen, auch eine Universalität des Anderen gesehen werden kann, oder ob das Andere nur zur Kategorie eines objektifizierbaren Gegenübers erstarren soll?

Die Frage ist auch, ob das Imperative in dem Subjektbegriff “des Anderen” nicht eine Universalität geneigt ist auszuschließen, weil der Blick allein auf zwei Seiten fällt, die Seite des Internen, des Bezeichnenden, und die Seite des Externen, des bezeichneten Anderen.

Die Grenzen sind so scharf aber undifferenziert, dass es nur noch das Eine und das Andere gibt, was im Falle der Auseinandersetzung mit der Tier-Frage eine limitierende Herangehensweise darstellt. Immerhin haben wir es nicht mit etwas tatsächlich objektifizierbaren zu tun sondern mit den koexistenten nichtmenschlichen Tieren.

Verschiedenartigkeit und moralische Bezugnahme

Und die Frage ist auch, warum das unerfasste Andere am Tier-Anderen bei der menschlich bestimmenden Instanz häufig einen Destruktivitätswunsch verursacht, statt beispielsweise eine hinterfragende Reflektion über das Menschlich-Gleiche oder “das Gleichartige” anzustoßen? Man könnte denken, dass das “Unerfasste, als das Andere” immer eher eine Anziehung ausüben müsse, weil man gerne von jenem positiven Menschenbild ausgehen würde, in dem der Mensch sich tolerant dem “Unerfassten” und “Anderen” zuwendet, in positiver Neugier. Aber, stattdessen ist die Neugier allein eine Neugier darüber, Wege zu finden dem unerfassten Anderen weitmöglichst zu schaden bzw. es zu zerstören.

Das unerfasste Andere am Tier-Anderen ist die Kategorie “des Anderen”, gesehen von der Warte des menschlich Allgemeinen und eines homozentrischen Kontraktualismus. Das Tier-Andere übernimmt eine spezifische Funktion des “Anderen”. Das Verhältnis zum Anderen ist kein einhelliges: Das geschlechtliche Andere erhält eine andere Betrachtung als das ethnisch Andere beispielsweise. Es gibt eine Graduierung, in der sich die Problematik der Andersartigkeit auf verschiedenen “Schweregraden” bewegen kann. Bezüglich der Frage des Tier-Anderen kann man beobachten, dass die biologische beobachtete partielle Ähnlichkeit eine noch stärkere Polarität in der emotionalen und moralischen Bezugnahme erzeugt (man würde sich metaphorisch einem Stein in weniger problematischer Weise nah oder fern fühlen, als einem Insekt). Das heißt, dass dem Verhältnis zum Tier-Anderen eine bestimmte Komponente zukommen muss, die dieses Verhältnis noch klarer verdeutlichen wird.

Das Tier-Andere ist nicht bezeichnet durch die soziale Reibungsfläche und Faszination eines “anderen” innerhalb geschlechtlich sich ausdrückender Beziehungsspannen oder ethnisch-artikulierten sozialen “Andersseins”; das Tier-Andere ist zum größten Teil das ‚gejagte, erlegte, gehaltene, geschlachtete, gehandelte, gegessene, intrusiv medizinisch erforschte’ etc. – das soweit am stärksten moralisch objektifizierte “andere”. Am stärksten herabgesetzt, wegen der Kluft zwischen der aus homozentrischer Sicht bezeichneten Andersartigkeit und der Realität der konkreten Tier-Individuen, die in ihrer autonomen Selbstbestimmtheit unsichtbar bleiben, weil der Maßstab über ihre Andersartigkeit (im Vergleich zum Menschen) zum mindesten ihre Individualität als Wertigkeit außer acht lässt. Und in diesem Falle heißt “Individualität” das Einmalig-Sein.

Dass das Tier-Andere sich auf der Stufe des Verhältnisses zum Menschen als Opfer in dieser spezifischen Form befindet, ist dem Menschen zu verdanken und es liegt nicht an irgendeinem vermeintlichen Unvermögen seitens der Nichtmenschen. Wenn ich dem Tier-Anderen diese Position aber komplett anhaften wollte, würde ich den Blick über die Situation dahingehend verlieren, dass ich mir nicht mehr der Auswirkungen der menschlichen Handlungen am Tier-Anderen bewusst bin, sondern ich würde den Fehlschluss ziehen, dass die Situation des Tier-Anderen gleichzusetzen ist mit der tatsächlichen Qualität des Andersseins bei Tieren (der Bezugnehmende darf niemals in seiner Perspektivität außer Acht gelassen werden in einer kritischen Betrachtung einer Verhältnismäßigkeit).

Das hieße ich würde übersehen, wie die Interaktion zwischen Mensch und Tier verläuft, und würde die Situation der Tiere als in gewissen Sinne Schicksalhaft betrachten. Der Mensch als Täter wäre dann quasi frei von jeglicher Verantwortung und Schuld an der Opferposition des Tier-Anderen.

Dies ist ein Punkt in dem es wieder wichtig ist festzuhalten, das die Betrachtung oder Designierung des “Anderen”, also auch des “Tier-Anderen”, immer einen Betrachter oder Bezeichnenden mit beinhaltet, Das heißt übertragen, dass meine Sicht auf “Tiere als Opfer” dahingehen differenziert bleiben muss, dass zum Opfer auch ein Täter gehört – der wohlmöglich das Tier-Andere als Feindbild betrachtet, beispielweise, oder es als moralisch irrelevant abtut.

Das nicht-faktisch Andere

Der Begriff des “Anderen” ist eine Bezeichnung, die darüber hinwegtäuschen kann, dass sie die konkreten Eigenschaften des als anders Beschriebenen einfach zu subsumieren sucht, und dass letztendlich die Existenzbeschreibung stattfindet über den Maßstab und die Klassifikation die der Mensch schafft. Dass allein ein Verhältnis von zwei Positionen aus dem Begriff des “Anderen” ersichtlich wird, wird häufig außer acht gelassen.

Wenn das Tierreich unter einer Perspektivität des “Anderen” subsumiert wird, wird zwar zum einen ein wichtiges Verhältnis ersichtlich, und zwar, dass der Mensch hier etwas beschreibt, das er von sich in einer wesentlichsten Form als verschieden und als gegenüber betrachtet, aber zum anderen bleibt der Aspekt unerkannt, der auf die Erkenntnis über (das Selbst- sein und) das Andere-Sein hinweist, dass nämlich das Andere noch etwas ist, außer seiner alleinigen Eigenschaft des Anders-Seins, das sich aus der Beziehung zum Beschreibenden ergibt.

Dieses Verhältnis lässt sich über die biologisch-zentrierte Perspektive auf Nichtmenschen zum Beispiel überhaupt nicht erfassen. Werden Nichtmenschen biologisch beschrieben, das wird die soziale und die existenziell-philosophische Perspektivitätsdimension nicht erfasst (außer in biologisierter Weise) und die Nichtmenschen werden “faktisch-biologisch” als “Andere” physiologisch und psychologisch klassifiziert.

Ich glaube man würde sich der Frage des Anderen bei nichtmenschlichen Tieren eher über die Frage der Andersartigkeit bei Tieren annähern können. Die verhärtete Position des antithetischen Gegenübers würde dadurch aufgelöst und zur Beschreibung des Eigenschaftsreichtums hingeführt. “Das Andere” weist drohend auf ein moralisch ungeklärtes Verhältnis der menschlichen Verstandesebene zum u.a. vor allem auch animalischen Bereich hin. “Die Andersartigkeit” erlaubt die geheimnisvolle Egalität, die auf der Stufe des Unumschreibbaren herrscht, das heißt, die Egalität auf der Stufe universaler Kommunikationsebenen und natürlicher Individualitätserfahrungen, etc. statt den unumstößlichen Vergleich mit dem alleinigen Maßstab Mensch: “Das Wir und das Andere”.

“Das Andere” gleicht dem exotisierten Feindbild des sich ausschließlich Ausgrenzend-Lassenden. Das Verschiedenartige, das Andersartige hingegen ist vielfältig in seiner Eigenschaft, zeugt von Diversität, ist   bunt, bewegt sich auf der Horizontale statt auf der hierarchischen Vertikale. Der erste Schritt ist zwar zu erkennen, dass es etwas anderes im wesentlichsten Sinne gibt, aber diese Beobachtung sollte moralisch kreativ und flexibel wachsen und sich nicht im rationalen Dogmatismus eines emotionalen Entleertheitszustandes verflüchtigen.

Revidierte Version, 21.09.2021. (Vorherige Fassung: https://www.simorgh.de/own_public/Das_Andere_210208.pdf)

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Allgemein animal rights and empowerment

Zwischen autoethnografischen Versuchen

‘Haltungen’ im Sinne von Gesinnungen sind halt so extrem verschieden …

Das Subjektive auf die Ebene zu bringen, dass es nicht mehr banal ist. Es ist banal, aber dieses Banale hat seinen Sinn. Und deswegen spreche ich auch davon, hier. Was ich schreibe wird langweilig, weil ich einfach drauflos schreibe, mir vorstelle das liest jemand, ich weiß nicht welche innere Zensur ich genau anwende, aber irgendeine wird es sein.

Stell dir vor du könntest ohne inneren Zensor schreiben, ohne vorgestellten Korrigierenden oder Kritisierenden. Die Sprache bringt diese Zwangsjacke mit sich. Würde ich in eine anderen Sprache schreiben, wäre auch der innere Zensor ein etwas anderer: So vieles ist von so vielem abhängig.

Ist das “freie Schreiben” (mit innerer Zensur natürlich) überhaupt mein Weg die Welt zu reflektieren. Ich kann mal schauen auf meiner externen Festplatte, ob ich eigene Kunst von mir finde, die auch Ausdruck meiner Subjektivität in reinstform ist. Ich nehme sie eigentlich aber nur dann wichtig, wenn sie mit in den Komplex dessen fällt, was ich unter meiner Tierrechtsphilosophie mit ansiedele. Das kann auch etwas, sein, das andere nicht mit in diese Kategorie einordnen würden. Aber deren Sicht auf Philosophie ist, das weiß ich, sowieso eine andere.

Ich komme von anderen Ufern als der rationale westlich orientiert denkende Mensch. Auch bin ich nicht in einem “orientalischen” Denken beheimatet, das mit einer geschichtlich als bedeutungsvoll gewürdigten Religionsgründung (und derer Wurzeln und Geschichte) zu tun gehabt hätte. Mein Denken ist orientalisch und europäisch geprägt, aber wie – nicht so, wie das vorherrschende Denken in diesen menschlichen Hemisphären der Welt.

***

1996 schrieb ich meine ersten “Erzählungen einer veganen Person”, denn 1996 wurde ich vegan und ich schrieb freie Fiction zu dieser Zeit. Meine Texte aus dieser Zeit sind teils ganz schön, teils aber auch sehr langweilig.

Ich glaube ich kann nicht frei schreiben. Ich bin ein durch und durch langweiliger Mensch.

Mir warf eine Bekannte aus einem Tierrechtsverein, in dem ich mal war, vor Jahren einmal vor, mit mir könne man ja “nur” über Tierrechte sprechen. Das ist gewiss so. Das Thema beschäftigt mich – als Subjekt – am allermeisten und ich mache mir meine eigenen Gedanken dazu. Ich begann damals in allen möglichen Büchern nach Aussagen über Tiere rumzusuchen. Ein Prozess, den ich als Teenager schon mal im Bezug auf das Thema Weiblichkeit und Frausein vollzog und bei dem ich natürlich erschüttert war, welch grauenhafte Aussagen ich bei den großen klassischen Philosophen (…) und Denkern (…) finden musste. Als ich Musik machte und Musik schrieb war ich über “Frausein und Musik” gleichermaßen entsetzt. Welche Musik machte wer, warum, wie und wer nicht und wie nicht? Was waren die sozialen Normen, etc. die förderten oder blockierten … ?

Das erinnert mich: Sozialisieren als Jugendlicher in den 1980ern …

Als Teenager wurde mir schnell meine eigene Identität als Individuum ausgetrieben, aber nicht von meinen Eltern – die ganz im Gegenteil meine merkwürdigen Interessen und unangepassten Eigenschaften unterstützten, da hatte ich ein verdammtes Glück … nein, eher durch Altersgenoss*innen, Lehrer*innen und eigentlich die ganze, fast die ganze Gesellschaft in der Form, wie ich ihr begegnen konnte.

Es ist schwer, wenn du einmal als Jugendliche*r von deinen eigenen Wegen abgebracht worden bist, wieder auf eigenen Wege zurück zu finden. Ich beobachte das bei vielen Altpunks, vor allen bei den weiblichen, von denen ich irgendwie mehr erwartet hätte. Irgendwo scheint bei vielen das emanzipative Denken irgendeiner Anpassung untergeordnet worden zu sein, an irgendeinem Punkt ihres Lebens – wahrscheinlich in dem Moment, in dem Punk von der Gesellschaft vereinnahmt werden konnte und seinen festen Platz in der Geschichte von “Wichtigem” und “Bedeutsamen” gefunden hat, passend in die  Gesamtgeschichte, keinen Bruch aufweisend, keinen wirklichen.

Als die Konstanten von “menschlicher Bedeutsamkeit” und “genialistischem sozialhierarchischem Sich-Aussortieren” ihre Beständigkeit beweisen konnten. Vielleicht verschwand da das originelle Eigene so mancher ehemaligen Rebellinnen und die Normalisierung, die dann vollzogen wurde, wurde statt als Anpassung eher als Weiterentwicklung erlebt. Die Rebellion fand nur im Bezug auf wenige Faktoren statt, sie fand nicht grundlegend statt – die Leute sind nicht wirklich anders geworden über die Zeit.

So kam es bestimmt auch dazu, dass all die richtig guten unbekannten Punk-Bands aus den frühen 80iern, die politisch und musikalisch recht originelle Impulse setzten, auch dauerhaft mehr oder weniger unbekannt blieben: Statt dass man deren musikalische und politische Bedeutsamkeit später mal bewahrt hätte und wirklich das reflektiert hätte, was Underground faktisch und musikalisch “basisdemokratisch” war, hat man diese Bands allesamt unter dem bescheuerten Label “Punk” unsichtbar gemacht und Punk selbst ist zum schlechtesten und peinlichsten Klischee seiner selbst geworden, weil die Auslese nach Faktoren wie Popularität stattfand. Einzelpersonen betreffend scheinen auch die eigenen Vergangenheiten angesichts der Entwicklung der meisten “Einzelnen” ein eher schlechter Witz geworden zu sein. Die Rebellion von damals ließ sich leicht kanalisieren in die üblichen Ströme, von denen die Teil dieser Bewegung waren und der Gesellschaft als Ganzes.

Aber gucken wir uns die Laufbahnen jeglicher Musiker*innen an, die wir jemals kannten – bekannt oder unbekannt. Auf Zeit erweist sich erst und immer, ob die Rebellionen aus einer Art Strohfeuer oder aus nachhaltiger Substanz beschaffen waren. Wobei oftmals viel nachhaltige Substanz herbeigeredet wird posthum, die auch wirklich nicht mehr als herbeigeredet ist. Ich meine echte inhaltliche Substanz und nicht unbegrenzten beschönigenden Personenkult.

Ich bin ein Freund der Unpopularität muss ich dem Zufügen.

Menschsein, Menschsein und sich anders sozial zu verorten

Wenn ich regulär am liebsten über Tierrechte spreche, ist das, weil ich das Thema eben nicht einschränke auf die engen Räume, denen “die Tierwelt” zugeordnet wird. Der biologistische Starrsinn: Wir behaupten nur Menschen hätten das, was geistigen und sozialen Reichtum bedeutet. Wie kommen wir darauf? Wir zementieren genaustens ein, was das tolle ist, das nur “uns Menschen” ausmacht und wir schaffen einen Unraum, in denen wir all die Pluralität irdischen Seins hinein räumen.

Es ist so krass, dass das der Punkt ist an dem ich mich von dem “Menschsein” im ganzen erstmal verabschieden würde, wären da nicht die einzelnen Ausnahmen, die einem Überlieferungstechnisch und aus dem eigenen privaten Leben heraus zeigen würden: es gibt Menschen, die nicht einfach so “Menschen” in dem Sinne sind, sondern, die in Hinsicht auf die Würde von Tieren wirklich reflektiert denken, fühlen und handeln.

Ein Bekannter oder Freund, der eigentlich ganz anders denkt in Hinsicht auf das “Menschsein” und wie sich dieses zu Seinspluralität verhält, hat mal ein schönes Bild in Vergleich zur Situation menschlicher Vereinzeltheit beschrieben. Und zwar sagte er: es gibt hier einen Baum und dort ganz weit weg und vielleicht auch noch da einen, aber das macht noch keinen Wald. Ich fand diese Bild schön, weil es zeigt, dass auf wie vielen Ebenen Leben und erlebtes Sein miteinander verbunden sind. Er wählte das Bild vom Baum.

Ich ziehe folgenden Schluss aus dieser Art der Vereinzelung im solch einem Bild: ich brauchen gar nicht die Bestätigung einer breiten Masse von Menschen für meine Sichtweisen, sondern ich teile diese bereits mit dem Leben, unabhängig von seiner biologischen Zuordnung und der damit verbundenen Attributisierungen. Wir sind kein Wald, aber wir sind in dem gleichen Boot wie die Bäume. Metaphern sind sich ihrer eigenen Tragweise häufig zu wenig selbst bewusst und so bleiben sie allein Metapher, was ein interessantes Problem bei der Naturmetapher im Besonderen darstellt.

Sehen wir das Leben nicht mehr biologisch und nicht mehr “Seinshierarchisch”, sondern in seinen Realitäten und seiner unendlichen und endlichen Tiefe, dann sind wir zusammen eine “Waldgemeinschaft” im Geiste – aber wir sind eben bedroht, alle zusammen.

Wir sind eins in unserem mystischen Denken. Das kann ich und sollte ich gar niemanden vermitteln wollen, außer denen, die bereits ähnliche Suchen betreiben und ähnliche Erkenntnisse erlangt haben. Warum schreibt man dann also so was, autoethnografisch, wenn man sein innerstes Denken und Fühlen eigentlich gar nicht auf einer mit “allen Menschen” verbrüdernden oder verschwesternden, etc. Ebene teilen will?

Einfach nur mal um eine andere Kommunikationsebene zu erkunden und um die Fühler auszustrecken. Denn 1.) vielleicht erreicht man Menschen, die von ihren Lebensphilosophien kompatibel sind, und 2.) ich zeige meine ganz persönliche Haltung dadurch. Und indem ich meine Subjektivität so deutlich mache, manifestiere ich eine menschliche Realität.

***

Das witzige ist, man sprach mir in meinem Leben immer wieder gerne ab, echte Tierrechtler*in zu sein. Ich frage mich warum wurde genau das immer wieder so gerne von meinem weitläufigen sozialen Umfeld negiert? Meine Eltern waren die einzigen Menschen, die mich in dieser Hinsicht von Anfang an engagiert unterstützten. Sie hatten auch eine ganz andere Sichtweise auf Menschen und Menschsein, eine sehr kritische und feinfühlige Sichtweise, die mich leitet und begleitet.

Wenn wir jemandem seine Sichtweise in Abrede stellen, dann negieren wir diesen Teil an ihm/ihr. Und weshalb tun wir das? Unter Umständen um sie/ihn zu “entmächtigen” oder zu “entschärfen”. Wenn du dies und jenes nicht an mir siehst oder zulässt, dann bin ich das nicht, dann ist dies gar nicht mein Standpunkt und meine Aussage, dann ist das zu guter Letzt gar nicht Ausdruck meiner echten Haltung? Dann habe ich deiner Ansicht nach gar keine wahrnehmbare Haltung? Dann stehe ich als Person in meinem ureigenen Subjektsein gar nicht hinter dieser ganz konkreten Haltung, die ich zu vermitteln suche? Dann soll ich Massenmensch sein und in der Masse, mit ihren Meinungen, verschluckt werden. Dann hat gar das Gegenüber eine Meinung, ich aber nicht.

Ich kann also nur denken und eine Haltung haben, in dem Moment, in dem ein anderer mir diese Haltung auch zugesteht, selbst wenn er sie nicht teilt oder gar komplett ablehnt. Er/sie muss sie mir aber sogar zugestehen um sie dann an mir abzulehnen zu können.

Vielleicht ist das ein Grund warum ich so vehement und unerschütterlich philosophisch, wenn auch freistil-philosophisch blogge, um faktisch, rein faktisch darzustellen: doch – ich habe diese Haltung. Und zwar genau diese, die ich hier schriftlich, grafisch in Metatextform beschreibe!

Eine Haltung ist immer vom Individuum getragen, vom einzelnen, interagierenden Subjekt.

Man sollte sich das nicht nehmen lassen.

***

Da ich mich zur Zeit endlich mehr den Tiermythologien widmen will, finde ich ist es auch Zeit dem subjektiven Geist meiner Selbst mehr expressiven Raum zu schaffen. Das Mythologische und das Tiersein, beide sind stark mit dem Subjektsein verbunden und eine – wenn auch so oft negierte – sehr individuelle Angelegenheit, die von eigenen Erfahrungsprozessen und Erkenntnisprozessen geprägt ist … .

Ich würde eigentlich gerne ein paar Beiträge von meinen Blog zu Tiermythologien hier verlinken, merke dabei aber – und mir wird dies vollkommen klar – dass meine ganze Arbeit damit verwoben ist.

Zuletzt: Vielleicht kann man mich als “esoterisch” bezeichnen. Das ist auch völlig korrekt. Was mich aber an der Esoterik im allgemeinen stört, sind sinnentleerte Erkenntnisprozesse, bei denen die Leute ihr eigener Selbstzweck werden.

 

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In Memoriam

My beloved Martha Lück


My grandmother Martha Johanna Lück born König, later Flender in her second marriage. My grandfather Wilhelm Lück passed away in 1945. My grandfather Wilhelm always secretly listened to the BBC on the radio, which was of course a quite risky thing to do if you were spotted. My grandfather suffered from asthma since childhood, and he also passed away because of his condition being so feeble from the asthma.

I have a deep bond with my grandmother Martha, also with my other grandmother Cobra Yeganeh Arani. I still have to upload and add a picture of her too here, so that my both beloved grandmothers are one at this place. They did meet, and they did have a friendly and positive relationship, which I am very happy about.

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At this point on this personal blog of mine I want to express my sadness about close family members who prove to me that family means closeness to some members and total distance to other ones.

I have a sibling who along with the family she created for herself totally broke with the core family she came from, while betraying them morally and sucking out financial means … This sibling has been discrminating against me since I was twentytwo when I suffered a traumatic experience. She victim-blamed me and ever since calls me mentally disabled – unisono alongside her dauther.

What happend to me with 22 yeas old was that a person attempted to murder me by entering our house with an axe and by setting the house on fire. I could gladly flee the scene but I came very close to be caught by that person. I developed a post-traumatic-stress-disorder. I don’t extend on this here right now, this PTSD is also a reason why I am interested in mental “illness” as a disability and why I sympathize with other people who suffer or have suffered from being discriminated against for any type of cognitive abberations (I started to blog on that kind of issues here: https://simorgh.de/disablismus/ – where I touch on themes relating to cognitive disabilites).

These days this sibling tries to damage me still and the legacy of my other sibling. She called my other sibling mentally feeble too, for unbelievable reasons. Basically she called our entire family mentally crazy, just because of a lot of idealism we shared, which she semeed to have found outlandish and outcastish.

My parents, my other sibling and I did idealistic work, the other sibling prefered to go for being adapted, being hipocritically religious, beings around “important” people and issues. I feel she created a fassade by working publicly against discrimination while discriminating against my sibling, me and my parents.

She called my parents old and senile when they were only 60 yet, and she and her friends called me and my other sibling mentally retarted. For being “weird” in their eyes, not fitting in their normalcies.

This is so gross, It’s too gross to talk about really. Yet I don’t want to keep it to myself for the rest of my life, so I note it down here … while I pray to my grandmothers that they keep their sacred hands on my parents spiritual and material legacy.

Sibling abuse is not a subject being discussed in Germany so far on any visible scale. Sadly. It’s a big issue in reality. I am sure that sibling feels abused by us too, but I have proof that she crossed a line of decency. I will probaly write about this at some point, because I don’t accept to be bullied by a sibling/relative anymore. Being closely related is no free pass for social/emotional abuse.

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Farangis G. Yegane

Ein Brief von M.A. Jamalzadeh an Farangis Yegane

Ein Brief des persischen Schriftstellers M.A. Jamalzadeh an Farangis G. Yegane über ihre Bilder: Persisches Dorf und Die Frauen im Nachtgarten.

A letter by the Iranian writer M.A. Jamalzadeh to Farangis G. Yegane about her paintings: Persian Village and Women in the Night-Garden.