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Mad Studies

VerRücktheitsforschung und Betroffenheit

Statt Ökotherapie > Ökoaktivismus https://baumgemeinschaften.wordpress.com/

Links, die für mich Eye-Opener waren in der letzen Zeit …

Peter Beresford: ‘Mad’, Mad studies and advancing inclusive resistance

Ein Bericht über die Teilnahme an einem Emowerment-Training von Eva Buchholz, der mich sehr beeindruckt hat. Generell eine sehr empfehlenswerte Seite: http://www.handbuch-empowerment.de/

Info-Hub: Mad in America: Science, Psychiatry and Social Justice

Dr Lucy Johnstone: The Power Threat Meaning Framework. Towards the identification of patterns in emotional distress, unusual experiences and troubled or troubling behaviour, as an alternative to functional psychiatric diagnosis

Psyche und wie man Psyche erlebt …

Warum diese Links hier, jetzt an dieser Stelle? Meine Auseinandersetzung mit den Zusammenhängen zwischen Formen der Diskriminierung gegenüber Menschen mit vermeintlichen kognitiven “Abweichungen”, speist sich auch aus der Erfahrung an mir selbst als betroffenem Menschen. Ich frage mich immer wieder, ob ich meine Geschichte diesbezüglich offener angehen sollte oder sie weiter eher verborgen halten sollte, soweit wie möglich.

Das Problem, was sich für mich zu einer offen Thematisierung hinzugesellt ist, dass Teile meiner persönlich erlebten Diskriminierung in besonders starker Form nicht allein von einem gesellschaftlichen Vorurteilsdenken, von uniformierten oder “merkwürdig gesonnenen” Psycholog*innen und Psychiater*innen oder auch von ehemaligen Bekannten und Freund*innen herrührte. All diese Menschen waren irgendwo immer noch “draußen” – schlimm war für mich eine kontinuierliche Abwertung, die ich innerfamiliär durch eine meiner engsten Verwandten erfahren habe. Schlimm war auch, dass diese Verwandte offiziell im Bereich “Antisikriminierung” beruflich unterwegs ist/war.

Emotinal abuse, sibling abuse … das sind leider Kategorien die mir bei meinem innerfamiliären Problem von Diskriminiertheitserlebnissen nicht weiterhelfen. Es gibt viele Formen solcher Spannungsverhältnisse, die wir in kein vorgekautes Muster packen können. So sind zum Beispiel auch Eltern oft Opfer seelischer Gewalt ihrer Kinder – aber sowas ist kein Thema. Und so ist auch das Problem, das ich mit einem Geschwistetteil hatte “kein Problem”. Aber in Wirklichkeit gibt es eben doch immer mehr Probleme, als die allgemein beschriebenen und benannten.

Mein Problem in der Familie war folgendes, in Stichworten: 1990 wurde ein Mordversuch an mir begangen. Ich merke, dass ich im Detail über das Geschehen noch nach 30 Jahren ungerne offen rede. Der Täter wurde von der Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes angeklagt. Wie Ihr seht, konnte ich dem Täter damals entgehen. Sogar körperlich unverletzt. Meine Seele hat damals aber einen gewaltigen Knacks bekommen, an dem ich über zehn Jahre litt, in allen möglich Formen, die sich psychisch (und natürlich auch psychosomatisch) äußerten.

Damals war es noch nicht so “normal” oder üblich (außer man war beim Militär und dort traumatisiert … ) dass einem ein posttraumatisches Belastungssyndrom diagnostiziert wurde. Zum Teil wollte ich auch gar nicht über mein Erlebnis sprechen, weil ich auch davon ausging, dass man mir unterstellen würde, dass ich gewiss übertreibe um mich interessant zu machen oder etwas aufblasen würde. Den Leuten die reißerischen Zeitungsartikel aus der Lokalpresse über das Geschehene vorzulegen, wäre für mich absurd gewesen.

Wenn man als weiblich-identifizierte Person Opfer von einer männlich-identifizierten Person geworden ist, nimmt das Ganze sowieso kaum jemand mehr ernst, weil dieser Gender-Kampf an der Tagesordnung steht und solche Fälle, in der es zu Übergriffen kommt, in die besonders unappetitliche Ecke gerückt werden. Gendergewalt ist ziemlich durchsetzend und verhält sich nicht erkennbar linear, dass man sagen könnte, die Unterdrücker sind immer nur die Männer und es sind immer nur die unkritischen Menschen. Langes Thema.

Der Täter war zudem noch religiös (ein Thema für sich) gespeist, ich kam aus einer säkularen, aber, man kann sagen modern heidnisch-orientierten Familie, die betreffende Schwester jedoch ist und war aber auch sehr religiös motiviert, zwar von eine anderen Religion her, aber nichtsdestotrotz. Das macht die Sache auch noch schwer, … . Ethnische, kulturelle, religiöse Hintergründe, ethische weltanschauliche Haltungen, politische Einstellungen, all das.

Egal auf jeden Fall hatte mein PTBS, das mir bis heute kein*e Psycholog*in und kein*e Psychiater*in ‘zugestanden’ hat, auch die Folge, dass die Reaktionen in der Familie auf mich und meine Situation und mein Erleben völlig auseinander trifteten: Meine Eltern standen total zu mir, aber eine meiner Schwestern … und genau das ist, was mich hindert über meine Geschichte offen zu reden. Die seelische Gewalt ist konstant da, biografisch ganz nah, geht nicht weg. Es gibt Menschen, die haben in unserer Gesellschaft einen zu starken Zugang zu einem persönlich: so wie z.B. eine Schwester.

Ich darf zudem wahrscheinlich auch aus Datenschutzgründen gar nicht offen über mein Erleben diesbezüglich reden, sobald mein Name öffentlich ist und man die Identität meiner Schwester ableiten kann via Google. Also mach ich es nun so … . Ich glaube ich habe endlich meine Lobby-Gruppe gefunden. Die Mad Studies bieten einen Rahmen für eine vernünftige Diskussion – wobei ich auch für eine “Entakademisierung” solch einer Diskussion bin, das aber allgemein … denn Klugheit und Besonnenheit darf nicht an Bildungsvorgaben und Bildungsvorstellungen gekoppelt sein. Bildung kann vieles sein und auch Menschen, die sich schlecht ausdrücken können oder die nichts von Cross-References halten … haben gleichermaßen wertvolle und wichtige Beiträge zu allen Belangen in der Gesellschaft zu machen. Ganz, ganz wichtig!

Über das Empowerment, die Mad Studies und die Disability Rights Bewegung, über diesen Weg kann ich einfach mal über alles reden, indem ich eigentlich immer noch keine klinische Klarheit in meiner eigene Situation hinein-formuliere. Selbsttherapie als Kunst und “Verrücktsein” ist, wenn man Grenzerfahrungen, die von außen negativ bewertet wurden, selbst neu bezeichnet. Seelisch verletzt sein ist das, um was es mir hier gerade geht und das, was für mich psychisch Krank heißen kann.

Ein Thema über das man auch mal reden müsste ist eine neue Differenzierung von psychisch abweichendem Verhalten. Das geht aber erst wenn man weg von den Diagnosen im alten Sinne kommt.

Mehr über mich und meine geliebten Eltern und meine Schwester Miriam und den Rest meiner geliebten Familie erzähle ich hier > You and me. Das ist ein mir heiliger virtueller Ort, an dem ich meiner Liebe zu meiner Familie uneingeschränkt Ausdruck geben kann. Es ist meine autoethnografische Liebes-Map.

Dir lesendes Wesen alles Gute … !!!

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