Schunkelpunk Today

„Schon skurril: Da fliegen kaufkräftige deutsche Ü50-Punks nach Blackpool, besetzen als Wohlstandstouristen das Rebellion Festival und verwandeln britische Hallen in eine deutsche Enklave. Hauptsache, man kann im Ausland seinen braven BRD-Schunkelpunk mitgröhlen. Mit der existenziellen Realität und dem Dreck des britischen Punk hat dieser Ballermann-Wanderzirkus absolut gar nichts mehr zu tun. Aber wehe, man kritisiert das – dann bricht die kuschende Wohlfühl-Blase von Ox und CoreTex sofort zusammen.“

Die Hallen bleiben warm

Im Vorübergehen
wird alles etwas kleiner,
was einmal draußen war.

Die Straßen tragen ihre Namen
wie nasse Mäntel
über fremde Schultern.

Drinnen ist es warm.
Jemand hat die Fenster
mit Erinnerungen verklebt.

Und alle singen
von einem Ort,
an dem niemand mehr steht.

Ich weiß nicht,
wem die Stimmen gehören.
Vielleicht sind sie angekommen,
vielleicht nur die Schuhe.

Unter den Sohlen
kein Schmutz,
der nicht schon
abgewaschen worden wäre.

Man nennt es Nähe,
wenn man sich
im gleichen Raum
nicht mehr widerspricht.

Draußen fällt Regen
gegen die alten Mauern.

Er kennt noch
die Risse.

Drinnen hebt sich
das Glas zur gleichen Zeit,
als wäre Gleichklang
eine Form von Freiheit.

Ich sage nichts.

Denn kaum berührt man
die dünne Haut
über diesem Abend,

beginnt alles
sich zu schützen.

Und später
fahren die Lichter
wieder über das Wasser.

Jemand erzählt,
es sei schön gewesen.

Ich glaube ihm.

Nur der Boden
unter den Füßen
hat sich nicht bewegt.

 

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