Urkolonialität
Entwurf 08.08.26
Die Umweltzerstörung zeigt, dass Wertschöpfung und Wertzerstörung sich nicht unbedingt in Geldwerten ausdrücken.
Zur Schlichtung der klaffenden Diskrepanzen werden zwar Terminologien des „gemeinsamen Fortschritts“ beschworen, aber die Realität der Umwelt und Mitwelt interessiert das wenig.
Weshalb Menschen bezüglich ihrer Destruktivität in der Hinsicht so gleichgültig sind, liegt vermutlich in der Frage dessen, wie sehr sie doch der Vorstellung verhaftet sind, sich die Welt untertan machen müssen. Es ist die Urkolonialität des „Menschen“ versus der Realitäten des Universums.
Man skaliert dabei seine eigenen Destruktionskräfte herunter – jeweils ausgerichtet auf die verschiedenen Maßstäbe, die man in der Welt antrifft – und zerstört gemeinschaftlich, eigene fragwürdige Vorteile beziehend und befindet sich dabei in Wirklichkeit in einem Raum, den man nicht mal begreift: man weiß nicht warum die Welt Teil des Universums ist.
Kosmischen Blindheit [Eine Welt in einem Sandkorn und einen Himmel in einer Blume, wie William Blake die Verhältnismäßigkeiten fasste, wäre das Gegenteil]
Die Anatomie der Urkolonialität (Mensch vs. Universum)
Das Herrschafts-Diktat: Der biblische Auftrag „Macht euch die Erde untertan“ wurde zum kosmischen Freibrief. Die Realität des Universums wird nicht als Heimat oder Gegenüber begriffen, sondern als feindliche Wildnis, die gezähmt, unterworfen und diszipliniert werden muss.
Die Trennung als Urwunde: Um die Welt kolonisieren zu können, musste der Mensch sich geistig aus ihr herausschneiden (Subjekt versus Objekt). Aus der lebendigen Mitwelt wurde die verdinglichte Umwelt – eine bloße Kulisse, ein passives Materiallager, das keine eigenen Rechte hat, dessen Wesen einem weniger bedeutsam scheint.
Gleichgültigkeit als Schutzschild: Die Gleichgültigkeit gegenüber der eigenen Destruktivität ist die notwendige psychologische Folge dieser Haltung. Wer sich im permanenten Kriegszustand („Mensch gegen Natur“) wähnt, empfindet kein Mitgefühl für den besiegten Gegner. Die Zerstörung wird als „Kollateralschaden des Fortschritts“ verbucht.
Das Herunterskalieren der eigenen Destruktionskraft
Die psychologische Verkleinerung: Der Mensch schaut nur auf den winzigen, unmittelbaren Vorteil – das abgeholzte Holz, das geförderte Öl, das gefüllte Bankkonto. Die gigantische, planetare Zerstörung, die an diesen Vorteil gekoppelt ist, rechnet er im eigenen Bewusstsein herunter. Er macht das globale Desaster im Kopf so klein, dass es in seine Tasche passt.
Die Entkoppelung vom Ganzen: Weil der Mensch nur das sieht, was er sich aneignet (seinen „fragwürdigen Vorteil“), vergisst er die Kettenreaktion. Er versteht nicht, dass er mit dem Ziehen eines einzelnen Fadens das gesamte Gewebe des Lebens zerreißt.
Das Leben in einem unverstandenen Raum
Der kosmische Analphabetismus: Der Mensch verhält sich auf der Erde wie ein Vandale in einem Palast, dessen Architektur und Zweck er überhaupt nicht begreift. Wir wissen, wie wir Ressourcen ausbeuten, aber wir haben keine Ahnung vom Warum.
Das Rätsel der Existenz: „Man weiß nicht, warum die Welt Teil des Universums ist.“
Wir begreifen die Erde als isolierte Rohstoffquelle, anstatt sie als ein unfassbares, lebendiges ‚Wunder‘ in einem unendlichen, tiefen Kosmos zu sehen. Der Mensch agiert mit der Ignoranz eines Kolonialherren, der ein Land besetzt, dessen Kultur, Geschichte und heilige Orte ihn nicht im Geringsten interessieren.
Wir reduzieren das Universum imaginär auf „unsere“ Erde, „unsere“ Erde auf „Natur und Ökologie“, und „Ökologie“ auf Fragen, die irgendwas mit Kontoständen zu tun haben. Wir haben uns perspektivisch einen künstlichen, kleinen Raum gebaut, um nicht wahrhaben zu müssen, wie monströs unsere Destruktionskraft in der tatsächlichen Realität des Kosmos ist. Ideentechnisch betrachtet sind wir mehrheitlich Wesen, die das Unendliche zerstören, um das Endliche (Geld, Macht) zu besitzen – und die dabei völlig vergessen haben, wo wir uns eigentlich befinden.
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