Kein Ethnoteufel

Er – warum zu ihm, nochmal gleich – eine Frau mit männlichem Genital, die einen Kampf eingeht, sich rächt, für seine/ihre verstorbene Stiefschwester im Geiste. Oder war sie das etwa doch nicht?

Ich – jetzt, hier.
Bei mir ist es früh in den 1980er Jahren, einer sagenumwobenen Zeit und wir stehen hier, nach einem Streit oder doch während eines sonderbaren Streites, inmitten auf einem Sportplatz im Nordwesten von London.

D., meine lesbische Freundin, die mich schwerst negativ überrascht hatte, zog wütend an meinem linken Arm. Und B., ein destro-philer Mann, seinerzeit eine Art Influenzer in der Szene, in der wir uns hier herumbewegten – B. zog besitzergreifend an meinem rechten Arm, mit D. streitend, sagend, dass ich jetzt mit ihm zu gehen hätte, statt mit ihr.

Jetzt könnte man die Situation deuten, als wolle ich hier auf ein sexualisiert konnotiertes Gehabe hinaus, da ich erwähne, dass D. lesbisch unterwegs war und B. moralisch bankrott, usw. Aber, was mich an der Szene und dem Erlebten berührte war, dass zwei Menschen um mich stritten. Ich konnte nicht nachvollziehen warum und fand das sehr merkwürdig.

Ich hatte den Eindruck, dass D. mich als Freundin nur instrumentalisiert hatte um mal richtig Party zu machen, und von B. hatte ich den Eindruck, er wollte sein Selbstwertgefühl auf skurrile bis makabre Weise an uns hochziehen: Wir passten beide in keine klassische Täterrolle hinein. Er tat das und das gab ihm Macht.

Also gut, der lesbische und der destro-phile Faktor spielten oder spielen eine Rolle, aber nicht wie der Lesende vielleicht meinen könnte. Ich frage mich bis heute, was sich eigentlich hinter deren Identitätswahl und -Lebensentwürfen verbarg.

Nunmehr zurück zum Mann vom Anfang. Ein Mann im Satanskostüm, der eine Frau mit männlichem Geschlechtsorgan ist. Er verhält sich wie ein Mensch aus den Werbeclips der 70er Jahre in der BRD, wo die deutschen Beat-Müslis und Medien- und Werbefuzzis noch wussten, wer die Weichen im gleislosen Gleisbett zu stellen hat.

Mein Interesse gilt hier einer Überschneidung, die ich zwischen dem Mann im Kostüm und mir ausmache, und die ich an einer typischen Lebens-Weichenstellungsfrage festmachen will:

Da kommt ein Schicksal an, bei einer Weiche, aus der Geschichte eines Individuums. Auf der einen Seite eines Mannes, Frau-Mannes, usw. usf., das ich von außen betrachte. Und da kommt eine erlebte Szene mit meiner lesbischen Freundin, die sich mit einem destro-philen Mann um mich streitet, ohne dass es wohl um mich ging. (Das Witzige und Unwitzige war, dass ihre große Liebe, S., sie bis heute links liegen lässt, aber sie sind immernoch zusammen. Nicht dass es mir leid täte!)

Der Mann im Satanskostüm sucht als Frau mit männlichem Genital eine Geschichtshoheit im Kollektiv. Die Weiche: Er/sie da lang. Ich – mit einem mich geschlechtlich prägenden Erlebnis, dort lang. Das heißt, nimmt man das körperliche Sein als Existenz, als sich biographisierende Faktizität, beobachtet man weitaus mehr Unterschiede, als die nur auf geschlechtlich zuzuordnender Basis zugewiesenen – auf ganz individueller Abgrenzungsebene.

Der Mann im gepunkteten Satanskostüm, oder die Frau mit männlichem Geschlechtsteil im gepunkteten Satanskostüm, muss quasi aus seinem/ihrem das Kollektive bestätigenden Sicht glauben es ginge hier um Fantasiemärchen, wie wohl sein Satanskostüm auch nichts anderes ist als ein ethnisch-kosmologisches Abzeichen.

 

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