Das Wechselspiel rund um kulturelle Eliten erhält sich selbst: Menschen streben danach, Teil dieser Strukturen zu werden, und wer den Zugang geschafft hat, trägt häufig dazu bei, den bestehenden Zustand zu stabilisieren. Gleichzeitig wird vieles, was aus diesen Eliten kommt, zwar als abgehoben, künstlich oder intellektuell überhöht kritisiert – die Vorstellung, dass es solche kulturellen Eliten geben müsse, wird aber nur selten grundsätzlich hinterfragt. Gerade in kulturellen Fragen stellt sich jedoch die Frage, ob eine solche Form von Elite überhaupt notwendig oder sinnvoll ist.

Dort, wo kulturelle Anerkennung stärker über Prestige, Institutionen und Zugehörigkeit als über offene Auseinandersetzung und Teilhabe vermittelt wird, verengt sich der gesellschaftliche Diskurs. Hierarchische Vorstellungen darüber, was als wertvoll, anspruchsvoll oder legitim gilt, werden nicht nur von oben aufrechterhalten, sondern auf allen Ebenen der Gesellschaft übernommen und weitergetragen.

Ein Aufbrechen dieses Kreislaufs würde daher nicht bloß die Verteilung kultureller Anerkennung verändern. Es würde auch beeinflussen, welche Themen überhaupt sichtbar werden, welche Formen des Ausdrucks Anerkennung finden und wie gesellschaftliche Fragen behandelt werden. Damit würde auch die Frage nach einer Kultur gestellt, die Menschen zunehmend auf Konsum, Zustimmung und das Abnicken bereits produzierter Kulturangebote reduziert.

Dabei geht es nicht allein darum, dass Menschen in eine passive Rolle gedrängt werden. Nicht selten wird diese Rolle auch angenommen, weil die Zugehörigkeit zu einer kulturellen oder sozialen Masse das Gefühl vermitteln kann, stärker und bedeutender zu sein als das einzelne Individuum. Die Orientierung an Führung, Autorität und vorgegebenen Maßstäben schafft dabei eine scheinbare Sicherheit, während zugleich die eigene Urteilskraft und die Möglichkeit, Kultur selbst mitzugestalten, zurücktreten.

Der Konsumerismus-Passivitätskreislauf besteht deshalb nicht ausschließlich in Fremdbestimmung. Er besteht auch in der Bereitschaft, jene Strukturen zu bestätigen, die Zugehörigkeit, Orientierung und kollektive Stärke versprechen – selbst wenn sie gleichzeitig die eigenständige kulturelle Teilhabe begrenzen.

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