Chomsky, alles ist universell und antiautoritär sicher

Chomsky, alles ist universell und antiautoritär sicher

Chomskys Sichtweise, Sprache als einzigartige, universelle human faculty zu begreifen, wirkt in vielen Kreisen bequem als antiautoritäre Gewissheit – weil sie klare, übergreifende „Gesetze“ verspricht, die alles erklären sollen. In Wahrheit ist diese Universalität eine Form von kognitiv‑ableistischem und eurozentrischem Denken: Sie geht von einer angeborenen Struktur aus, die angeblich allen Sprachen zugrunde liegt, und vermengt kognitive Fähigkeiten mit normativem Anspruch. Moderne Forschung stellt die Universalgrammatik als einheitliches, angeborenes System infrage und rückt soziale, kulturelle und kontextuelle Faktoren in den Mittelpunkt. Beispiele aus verschiedenen Sprachgemeinschaften zeigen, wie vielfältig grammatische Strukturen und der Erwerb von Sprache tatsächlich sind [https://www.spektrum.de/news/kritik-an-der-universalgrammatik-von-chomsky/1439388 ; https://www.deutschlandfunkkultur.de/forschung-die-sprache-des-dschungels-100.html].

Indem Chomsky ein homogenes, universales Sprachprinzip vertritt, übersieht er, wie eng Sprache mit Kultur, Erfahrung und sozialer Praxis verwoben ist. Diese Reduktion auf interne Grammatik ignoriert die philosophischen Unterschiede zwischen Sprach‑ und Denkmodellen – etwa zwischen stark bildhaften oder relationalen Denkformen und solchen, die das Wort normativ in den Vordergrund stellen. Sein Ansatz bleibt in einem engen Denkraum gefangen: Er verspricht antiautoritäre Erkenntnis, liefert aber einen normativen Universalismus. Aus einer kritisch unabhängigen Perspektive ist das nicht einfach „fortschrittlich“ – es reproduziert kulturelle Machtstrukturen, nivelliert epistemische Vielfalt und reduziert komplexe Kontexte auf ein einziges Modell.

Viele Menschen reagieren, als würden moralische oder private Verfehlungen Chomskys – etwa seine Verbindungen zu Epsteins Kreisen – automatisch seine wissenschaftliche Arbeit angreifen oder ihre Bedeutung relativieren. Das ist kurzsichtig. Kritik an solchen Bindungen betrifft nicht nur individuelle Fehltritte, sondern zeigt, wie Wissen, Reputation und Macht gesellschaftlich verknüpft sind. Wer sich in soziale oder institutionelle Netzwerke einbindet, handelt nie losgelöst von gesellschaftlicher Verantwortung. Gleichzeitig gilt: Die antiautoritäre Bewegung war inhaltlich nie unfehlbar. Ihre theoretischen und praktischen Errungenschaften existieren stets im Spannungsfeld von Ideal und Widerspruch, Kritik und Selbstkorrektur – und auch das ist nicht unabhängig von privaten Fehlverhalten einzelner Akteur*innen.

 

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