Machenschaft, Seilschaft und Klüngel

Thema Ethno-Klüngel im zeitgenössischen Sinne jedoch.

Lehrgedicht über die Grenzen der Seilschaften

  1. Vom Aufstieg
    Wo Menschen sich in Seilen halten,
    da fällt keiner – solange der andere fällt.
    Man zieht sich hoch, man tritt sich fest,
    und nennt das dann Gemeinschaft.
    Doch Gemeinschaft, die auf Angst beruht,
    ist bloß ein Flaschenzug des Misstrauens.
  2. Vom langen Faden
    Von den Höfen der Könige
    über die Kammern der Parteien
    bis in die Büros der Gegenwart
    zieht sich der rote Faden:
    Seilschaften ändern ihre Sprache,
    nicht ihr Wesen.
    Sie heißen heute „Verband“,
    „Netzwerk“, „Gremium“.
    Doch ihr Werk bleibt das gleiche:
    den Einzelnen binden,
    damit keiner frei wird.
  3. Von der Ordnung der Lüge
    Die Machenschaft liebt das Dunkel,
    den Hinterraum, den Händedruck.
    Sie arbeitet mit Kalendern,
    mit Einladungen, mit Schweigen.
    Sie nennt es Ordnung,
    weil sie die Wahrheit nicht verträgt.
  4. Von dem, was sie nicht vermag
    Doch sie kann kein Herz ersetzen.
    Kein Klüngel macht den Zyniker warm.
    Kein Plan heilt das Gewissen.
    Sie können dich ausschließen,
    aber nicht vergessen machen,
    wer du bist.
  5. Von der Dauer
    Alles, was sie bauen,
    steht auf Sand.
    Sie halten sich für klug,
    doch sie irren:
    Die Wahrheit hat Geduld.
    Sie kommt zu Fuß,
    und sie kommt spät,
    aber sie kommt.
  6. Von den Grenzen
    Eine Seilschaft kann dich kleinreden,
    aber nicht kleiner machen.
    Sie kann dich mundtot machen,
    aber nicht stumm.
    Sie kann dich beschatten,
    aber nicht erleuchten.
    Denn was im Inneren wahr ist,
    kennt keine Zutrittsliste.
  7. Vom Ende
    Wenn die Hände müde werden
    und das Schweigen schwer,
    fällt das ganze schöne Geflecht
    in sich zusammen.
    Nicht durch Urteil,
    sondern durch Überdruss.
    Und keiner weiß mehr,
    wofür das alles war.

Lehre:
Sie mögen die Macht haben über Räume,
aber nicht über Sinn.
Sie mögen Namen aussprechen,
aber nicht die Wahrheit nennen.
Und so endet der Klüngel stets an dem Punkt,
wo einer nicht mitmacht.
Dort verliert die Macht am Sein
ihren Sinn. Denn Freiheit wird derer Macht gegenüber nur abseitig sein.

Konsequenz

Von der Demokratie
Man sprach viel von Freiheit,
doch meinte Zugehörigkeit.
Man rief nach Gerechtigkeit,
doch meinte Gleichgesinntheit.
So wurde Demokratie eine Bühne,
auf der man seine Seile farbig neu flocht.
Und niemand sah,
dass der Anfang nur immer gleiches Ende war.

Geteilte Geschichten und andere Irrtümer
Die größten Irrtümer begannen dort,
wo Klüngel sich für Vernunft hielten,
wo Macht den Platz der Einsicht nahm
und Freundschaft den der Gerechtigkeit.
Nicht die Tyrannen allein zerstörten die Freiheit,
sondern ihre stillen Verwalter –
die Seilschaften im Herzen der Demokratie.

 

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