Exemplarisch für ein zeitgenössisches linkes Milieu: der Musiker Yohazid Johannes Giesemann, Johannes Schwarzwälder (und weitere Pseudonyme, auf youtube u.a. hannikalypse, hanniboy] und die Hypokrisie

Der (Neo-)Spießer-Linke und die Ästhetik der Empörung

Umlandanarcho berichtet:

Thema: Doppelmoral und Kleinpopulismus in der Neospießer-Linken – bei einem weiteren „antifaschismus-approved“ Musiker, der die Pose des radikalen Gewissens mit der Routine des moralischen „Rock ist mein Leben“ Klickbetriebs verwechselt. Er inszeniert sich als Wächter irgendeiner Moralvariante, als Stimme unumstößlicher Kritik, als radikaler Beobachter, der überall Heuchelei wittern kann und sich selbst einen Freischein damit erwirtschaftet.

Der Sänger singt: „Hiha Heuchelei, Bombe drauf und gut“, rechnet ab mit Christen, Konservativen und „der Mitte“. Abschiebezentren weiß er zu verteidigen, gute Deutsche zu identifizieren, da er ein besserer Deutscher ist, Zensur kriegt ihn nicht klein und seine Szene sagt, wer die sind „die nicht mitfühlen“, an der richtigen Stelle versteht sich.

Mit einem Impetus scharfer Analyse, das der Ton konsequent ist und die Hetzrichtung klar. Nur sein Furor ist erkennbar Teil eines musikalischen Warensortiments. An einem Tag meldet sich jener Yohazid auf seinem Facebook-Profil zu Wort und in kürzerer Fassung auf Bluesky und schreibt einen Tag nachdem er ein Remake seiner Heucheleikritik auf seinen Kanlälen teilte:

„Muss man ihm posthum diese Bedeutung geben, überall sein Foto zu posten?! … selbst scheinbar aufgeklärte Accounts zeigen plötzlich so eine Lynchmob-Mentalität. Wo sind wir hier eigentlich hingekommen?“

Eine Frage, die vorgibt, Gewissen zu sein, aber nur die eigene Position absichert.

„Wo sind wir hingekommen?“ fragt Sänger und Liedermacher Yohazid.
— Als wäre das „Wir“ noch ein Ort, den man moralisch bewohnen kann.

Illusion der Differenz

Der in seiner Szene fest-installierte (Neo-)Spießer-Linke Liedermacher lebt vom geteilten Gefühl, anders zu sein, indem sein Status als Aufgeklärter ihn von den Heuchlern trennt, die er stellvertretend und musisch anklagt.

Hier soll Sprache Wirklichkeit reinigen, wenn man sie reflektiert genug zu benutzen weiß. Die Heuchelei, die er mit Yohazidsdcher Schärfe, Pointiertheit, und Präzision zum Angriff freigibt, darf, wenn selbst praktiziert in eigenen Kreisen betrieben werden, weil Heucheln tun doch eh alle, aber wie nur, betrifft es jemanden, für den er sich in affirmativer Weise interessiert, dann flüchtet er in Betroffenheit?

Das ist die neue Reinheitslehre: Bewusstsein als Ablasshandel.

Wer in der Echokammer seiner eigenen Empörung lebt, hört bald nur noch sich selbst. Und so geschieht Folgendes:

Er erhebt Forderungen, aber nicht an sich und sein soziales Milieu.
Er verlangt Reflexion, aber verwechselt sie mit Rhetorik.
Er predigt Differenz, doch kennt nur Distinktion.
Er klagt „Lynchmobmentalität“ an, um sich selbst als moralisches Zentrum zu inszenieren.

Was er markiert, ist nicht ein politischer Bruch, sondern ein kultureller Abstand. Nicht Widerstand gegen Staat und Macht, sondern die korrekte Haltung im Diskursraum der Macht. Er kämpft nicht gegen Strukturen, sondern gegen Stilbrüche. Der (Neo-)Spießer-Linke ist der, der immer schon richtig lag. Und Giesemann gebührt dafür Anerkennung.

Satanismus, Punkpose und die Kunst, Außenseiterkultur mittig zu bespielen

Wenn Leute wie er dann noch mit Satanismus herumprahlen, mit Punk-Expertise ja sowieso, mit allgemeiner subkultureller Rebellion seit es Metal, Beat und die den Sticker für Antifa-Aktivismus bei Facebook gibt – dann ist das aber kein Angriff auf „die“ bürgerliche Moral – es ist ihre theatralische Wiederholung, frei nach dem Motto „Ich kenne das Spiel, und ich spiele es gegen euch“, so vermittelt sich die Eigendarstellung.

Das Spiel ist längst zur Plattform geworden. Die Provokation ist marktkonform. Die Pose ist kapitalistisch verwertbar, denn heute rebelliert man nicht gegen das System, man rebelliert innerhalb seiner Ästhetik.

Das Bild von sich, das man generiert, die eigene Distinktion, die zahmen kalkulierte Grenzüberschreitungen – das sind die Formen, in denen der neue Linke, der neospießer-„Linke“, seine Selbstachtung pflegt und durch gegenseitiges Abnicken und „wir sind ja auch mehr“ verifiziert. Und Yohazid braucht den Skandal, um sein Profil zu polieren. Die Empörung ist seine Werbung.

Heuchelei als Struktur

Heuchelei ist keine Abweichung der Moral – sie ist ihr Bauprinzip.
Der (Neo-)Spießer-Linke lebt in ihr wie im eigenen Wohnzimmer.
Er klagt andere an, um seine Reinheit zu inszenieren.
Er verurteilt, was er täglich wiederholt.
Er ruft „Bombe drauf!“ – aber die Bombe trifft nie ihn selbst.
Sie trifft die, die er sich als Spiegel sucht,
damit seine Pose nicht zerbricht.
Denn was er für Kritik hält,
ist nur das Ornament seiner Selbstentlastung.

Autonomie heißt nicht, sich moralisch sauber zu halten auf Kosten Schwächerer.
Autonomie heißt, sich nicht im Schein der eigenen arroganten Haltung einzurichten. Wer links ist, weil er sich gern gut fühlt, ist längst wieder der Spießer — nur mit Wahnsinns T-Shirt und – wer würde vagen dem zu widersprechen – bestem Soundtrack zum eigenen Film.

Die Revolution der kollektiv verspießerten Neo-Linken ist einfach deren Wellnessprogramm: gruppenorientiert, versiert im gekonnten Ausblenden, politisch obsolet aufgrund eigener Hypokrisie und so kompatibel mit dem Algorithmus, dass jeder technische Fortschritt anarchisch scheint.

Hiha Heuchelei – kommt im Überschall.
Die Bombe platzt und es war vermutlich die Wunderwaffe.

Hierarchical thinking / Hierarchisches Denken

German musician Yohazid defends paedophile Ian Watkins on his social media account, writing:

“A photo of a man, a former musician who was sentenced to a long prison term for serious crimes against children and was killed in prison, is currently circulating on social media. Is it necessary to give him this posthumous significance by posting his photo everywhere? And even though his crimes disturb me too, even seemingly enlightened accounts are suddenly displaying a lynch mob mentality. Where have we ended up?”

„Durch die sozialen Netzwerke geht gerade das Foto eines Menschen, ex-Musikers, der wg. schwerer Verbrechen an Kindern zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt wurde und im Gefängnis getötet wurde. Muss man ihm posthum diese Bedeutung geben, überall sein Foto zu posten?! Und auch wenn mich seine Verbrechen auch verstören – selbst scheinbar aufgeklärte Accounts zeigen plötzlich so eine Lynchmob-Mentalität. Wo sind wir hier eigentlich hingekommen?“

https://www.facebook.com/Giesemania/posts/pfbid02CYEKobzC1SkKczvbW4w26JwBko7aQZ8nRJx4mTcGhHNKcp5nfXjiPNSbHUxFTbEDl [12.10.25]

Now the „funny“ thing is, a day before Yohazid Johannes Giesemann the musician posted a song wishing for any hypocrisy to “get bombed” – why is he so upset when people drop their bomb on the hypocrisy of patriarchy then?

Translation below …

Yohazid aka Johannes Giesemann aka Hannikalypse [zumindest aktuell auch https://www.youtube.com/@hannikalypse ,  https://www.youtube.com/@yohazid134 , am 25.10.25] > „Hi Ha Heuchelei (2025-Version)“ > https://www.youtube.com/watch?v=48gTrGCQOoE , upload date 11.10.25, that is, and that’s the real interesting part here, uploaded a day before he complains about people being what he considers to be mean about the murder of Ian Watkins …

Gute Christen sorgen sich um ungeborene
Föten, aber sind sie am Leben, darf das
Mittelmehr sie töten. Gute Christen
sorgen sich um behindertes Leben, aber ist
es auf der Welt, dann wollen sie nichts
geben. Gute Christen predigen, liebe
deine nächsten wie dich selbst. Gute
Christen bauen riesengroße Kirchen von
deinem Geld. Gute Christen gegen Schwule
sind sie auch, aber halten brav das Maul,
wenn der Pastor Kinder missbraucht und
niemand ist der Täter, jeder ist nur
Opfer. Geht es um sie selbst, dann sehen
sie es locker, denn hiha Heuchelei gibt
es überall. Hiha Heuchelei komm im Überschall.
Hiha Heuchelei, was kann man nur tun?
Hiha Heuchelei, Bombe drauf und gut.

Gute CDUler hassen arme Menschen, denn
sie sollen nicht nur an sich selber
denken und sie gehen mit gutem Beispiel
voran und passen sich denen, die ihnen
am meisten zahlen an. Konservative
schreiben canceler, wenn man ihre
Menschenfeindlichkeit nicht so geil
findet. Doch sind sie an der Macht wird
Zensur Alltag und sie sind auf dem
rechten Auge erblindet. Doch niemand ist
der Täter, jeder ist nur Opfer. Geht es
um sie selbst, dann sehen sie es locker,
[chorus, refrain]

Gute Deutsche sind stolz auf die Würde
des Menschen. Gute Deutsche bauen
Abschiebezentren. Gute Deutsche
schreiben, aber okay, wenn irgendwas von
Verbrechen der Wehrmacht steht. Gute
Deutsche bezahlen 1 € für 1 Kilo
Fleisch, aber wenn die anderen Tiere
schächten ist es Tierquälerei. Gute Deutsche
haben niemals Schuld. Gute Deutsche
haben keinen Führerkult. Na ja. Und
niemand ist der Täter. Jeder ist nur
Opfer. Geht es um sie selbst, dann sehen
sie es locker. Denn die Heuchelei gibt es
überall.
[chorus, refrain .,,]

Yohazid’s song > “Hi Ha Heuchelei (2025-Version)” in English would be:

Good Christians care about unborn
fetuses, but once they are alive, the
Mediterranean Sea is allowed to kill them. Good Christians
care about disabled lives, but once
they are in the world, they don’t want to
give anything. Good Christians preach, love
your neighbor as yourself. Good
Christians build huge churches with
your money. Good Christians are also against gays,
but they keep their mouths shut when
the pastor abuses children and
no one is the perpetrator, everyone is just
a victim. When it comes to themselves, they take
it easy, because hiha hypocrisy is
everywhere. Hiha hypocrisy comes at supersonic speed.
Hiha hypocrisy, what can you do?
Hiha hypocrisy, bomb it and be done with it.

Good CDU members hate poor people, because
they shouldn’t just think of themselves,
and they set a good example
and adapt to those who pay them
the most. Conservatives
write canceler if you don’t find their
misanthropy so cool.
But when they are in power,
censorship becomes everyday life and they are blind in the
right eye. But no one is
the perpetrator, everyone is just a victim. When it comes
to themselves, they take it easy,
[chorus, refrain]

Good Germans are proud of human dignity.
Good Germans build deportation centers.
Good Germans write, but it’s okay if something
about crimes committed by the Wehrmacht
is mentioned. Good Germans pay €1 for 1 kilo
of meat, but when other animals are slaughtered,
of meat, but when others slaughter animals
it’s animal cruelty. Good Germans
are never to blame. Good Germans
don’t worship leaders. Well, anyway. And
no one is the perpetrator. Everyone is just
a victim. When it comes to themselves, they take
it easy. Because hypocrisy is everywhere.
[chorus, refrain .,,]

Eine Antwort auf „Hierarchisches Denken und Einzelne (1)“

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