Dem Markt die „Demokratie“. Während die ihre Gelder herumwirbeln, bleibt ich gern bei Müll und Nichts.
Praktisch: Kritisierst Du einen Seilschaftler linksmärktisch, „bist wohl nicht von hier“ oder rechts, das Gleiche. Kritisierst Du beide aus ganz andern Gründen: „bist wohl nicht von hier“.
Lieber keine Ahnung als das.
Das Praktische ist auch: es gibt ja hier auf der Landkarte gar nichts Relevantes jenseits derer Seilschaftspsychologien.
Wie bei Janke, der meint, dass Mobbing die Welt sei, wenn Du Mobbingopfer bist. Die haben eine kleine Weltkarte. Also, lebst Du eh jenseits von deren Tellerrand.
Die geschlossene Gesellschaft der Selbstgerechten
Manchmal zeigt sich das Wesen einer Gesellschaft nicht in ihren Institutionen, sondern in ihren kleinsten Spiegeln – in Szenen, Netzwerken, Freundeskreisen, wo Moral zum Kapital und Zugehörigkeit zur Währung wird. Dort, wo man meint, anders zu sein, spiegelt sich am reinsten, wie geschlossen das Offene längst geworden ist.
Es gibt sie überall – diese kreisenden Szenen aus Menschen, die sich für aufgeklärt, gerecht und engagiert halten. Auf Deutschinstagramm brutzeln sie ihre Moral am Grill der Eigenwerbung: solidarisch, nachhaltig, irgendwie kritisch – aber immer marktfähig. Es ist ein seltsam warmer, selbstbezüglicher Kosmos, in dem sich alle kennen, gegenseitig bewerben und voneinander leben. Ein funktionierender Klüngel, der sich selbst als Gegenentwurf verkauft.
Doch wehe, jemand stellt die Spielregeln in Frage. Dann wird’s plötzlich eng. Denn hinter der Attitüde der Offenheit steckt meist nur eine neue Variante des Alten: geschlossene Kreise, die sich durch Geld, Status und Zugehörigkeit absichern. Man kämpft nicht mehr gegen Ungleichheit, sondern um symbolisches Kapital – Follower, Sichtbarkeit, moralische Währung.
Zivilgesellschaft, wie sie sein sollte, lebt von Durchlässigkeit. Sie entsteht nicht aus Netzwerken, sondern aus Brüchen, Widersprüchen, aus der Fähigkeit, mit dem Fremden, Nicht-Zugehörigen solidarisch zu sein. Doch hierzulande, in der BRD, wird Solidarität verwechselt mit Markenpflege.
Das Problem ist nicht allein der Verteilungskampf von oben nach unten. Das Problem ist, dass „unten“ – die Subkulturen, Szenen, Milieus – längst die gleichen Ausschlussmechanismen reproduzieren wie „oben“. Geld heilt da gar nichts. Auch nicht der Verzicht darauf, wenn er nur der eigenen Reinheit dient.
Eine offene Gesellschaft entsteht nicht, wenn alle das Gleiche wollen, sondern wenn niemand gezwungen ist, gleich zu sein.
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