Halvards Notiz zur verwalteten Tierbefreiung

(am Beispiel des Projekts „Minding Animals“)

Halvard notiert: Projekte wie Minding Animals geben sich transdisziplinär, kritisch, weltzugewandt. Sie sammeln Namen, Disziplinen, Prominenz. Was sie jedoch nicht sammeln, ist Risiko. Die Kooperationen dienen der Sichtbarkeit, nicht der Zumutung.

Man spricht über Tiere, aber nicht über die menschliche Ordnung, die Tiere erst zu Objekten macht. Speziesismus wird nicht als Grundstruktur der Gesellschaft analysiert, sondern als Randthema in verkleinerter Fassung „irgendwie“ umgangen. Die Frage, warum der Mensch sich weiterhin als überlegen, berechtigt, verwaltend versteht, wird nicht gestellt – weil sie das gesamte Projekt offensichtlich sprengen würde.

Halvard beobachtet: Auch die Einbindung der Kunst bleibt folgenlos. Künstlerische Diskurse werden integriert, ohne die Gewaltförmigkeit ästhetischer Tierverwertung offenzulegen. Taxidermie, Objektkörper, museale Aneignung – all das gilt als neutraler Ausdruck, solange es theoretisch gerahmt ist. Keine öffentliche Selbstkritik, kein Bruch, kein Innehalten. Ein malen nach Zahlen-Denkweise in Ästhetik und Projektion.

Einmal wird angedeutet, man müsse sich mit Speziesismus in der Kunst auseinandersetzen. Danach: Ausweichen. Diskussionen werden vermieden, Konflikte geglättet, Kooperationen geschützt. Das ist keine Unachtsamkeit – das ist Kuratorik der gefährlichen Harmlosigkeit, die die Türen für Nitsch-Sektentum stillschweigend offen hält.

Und sonst so. Man ist doch politisch: Gegen Rechts sein, notiert Halvard, ist hier leicht. Es kostet nichts. Es bedroht keine Netzwerke, keine Förderlinien, keine künstlerischen Selbstbilder. Speziesismus hingegen würde alles infrage stellen: Kunst, Wissenschaft, Aktivismus, den Status des Menschen selbst. Also bleibt er ausgespart – höflich, leise, konsequent, während er doch ganz im Mittelpunkt steht? Steht er das wirklich, so möchte man den Teilnehmern entgegenhalten.

Bei Minding Animals und vergleichbaren Herangehensweisen in der Machart entsteht eine Tierethik ohne Tierwirklichkeit, eine Befreiungsrhetorik ohne Befreiung […]. Tiere erscheinen als Thema, nicht als Mitwelt. Als Gegenstand des Diskurses, nicht als eigenständige Realität, die eine Dekonstruktion zurfolge haben muss.

Halvards Schluss:

Wo Tierbefreiung ohne radikale Kritik des Menschen auskommt, wo Kooperation wichtiger ist als Wahrheit, wo Prominenz schützt und Speziesismus geschont wird, dort wird nicht befreit – dort verwaltet sich das Anthropozän selbst einfach weiter.

Es ist so einfach für diese Leute, man staunt auf unserer Seite über so viel Vermessenheit.


Und bei der Gelegenheit natürlich > mehr zu Kunst und Speziesismus

THE ANIMALISTIC ISSUE > https://www.farangis.de/blog/category/animalistic-issue

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