Gesagt: Wesenszüge

Man hat Hoffnung auf die von der Geschichte europäischer Unterdrückung gezeichneten Denkenden gesetzt, wie sie die europäische Aufklärung zum Schlüssel ihres autarken Ichs hätten machen können. Man sah darin ein Wesen und eine Gestalt. Jetzt sieht man, wie sich dahinter bei vielen auch nur die kleine bagatellhafte Lust an persönliche Siegen an echtem Sozialklassismus abzeichnet. Die gejochten sind gleichermaßen Herren. Auf wessen Kosten läuft der interne Widerstand im Rahmen von Machtgerangel und opportunistischem Streben.

Täuschung

Man hoffte still: Aus langer Nacht der Pein,
aus Fesseln, die Geschichte schwer geschmiedet,
erhebe sich ein freies, eignes Sein,
vom bunten Quell des Geistes sanft behütet.

Man glaubte, eine edle Form zu sehn,
ein Wesen, das sich aus der Not erhoben;
doch ach – wie viele, die im Schatten stehn,
sind nur vom engen Eigennutz umwoben.

Wo man den Geist als freien Hüter pries,
regiert so oft der Hunger nach dem Siege;
der Stolz, der sich als Recht und Tugend wies,
gedeiht im Schutz verborgener Intrige.

Die einst Gejochten tragen selbst den Stab,
den ihre Herren führten voller Eile;
sie werfen alte Ketten von sich ab,
und schmieden neue, Glied um Glied, in Weile.

So fragt das Herz, vom Zweifel still bewegt:
Auf wessen Schultern ruht dies laute Ringen?
Wem wird der Preis des Widerstands auferlegt,
wenn Ehrgeiz fremde Schultern tragen lässt?

So bleibt die Frage, ernst und unbeirrt:
Wer zahlt den Zoll für diese eitlen Siege?
Wenn Macht sich nur in neuer Form gebiert,
wird Widerstand zur Maske alter Kriege.

 

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