Demokratische Nebelkerzen

Demokratische Nebelkerzen
Genau was wird getan, von wem und wie und wo und wann?

draft 18.07.25

Warum Leute immer „recht haben“, die sich eigentlich mit nichts wirklich auseinandergesetzt haben, und die in diesem Zustand vermutlich auch aus ihrem diesseitigem Leben treten werden.

Das Interessante ist, dass Leute ja gar kein Interesse haben sich kritisch mit Themen auseinanderzusetzen. Sie meinen, wenn sie eine landläufige Haltung zu einem bestimmten Thema einnehmen, dann reiche das aus, um eine weitere Auseinandersetzung erstmal von der Hand weisen zu können.

Es entsteht die paradoxe Situation, dass Leute sich mit einem Thema nicht befassen wollen, weil sie es nicht für nötig halten, da kein äußerer Druck besteht, wie ein Trend oder eine sich offensichtlich ändernde Mehrheitsmeinung; und auf der anderen Seite ändert sich logischerweise auch gar nichts, weil Leute signalisieren, und das ganz bewusst und gezielt, dass es keinen Grund gibt, sich überhaupt mit etwas genauer auseinanderzusetzen, was „kein Thema“ ist.

So bleibt alles dabei wie es ist.

Die Legitimität des Einwurfs, dass sich in der Gesellschaft was ändern müsse, hat unter den meisten Leuten natürlich keinen Bestand.

Aber was noch bemerkenswert ist, ist dass selbst die Themen, die für Leute höchst relevant sind und als solche auch stete Erwähnung in ihrem gegenseitigen Austausch darstellen – ostentativ im Widerstand und in den offen geführten Dialogen in den sozialen Medien – dass selbst diese Themen und die Gegenstände ihrer positiven Bezugnahme in Sachen der Aufmerksamkeit, es nicht schaffen zu irgendeiner weiteren, für sie selbst befriedigenden Entwicklung zu führen:

Leadership taucht auf und geht unter, Themen werden herausgeschnitten aus relevanten Kontexten, damit man sich nicht mit zu viel Zusammenhängen, die unbequem werden könnten, auseinandersetzen muss. Wichtig ist, dass ein Unisono und ein Chor-Verhalten angestrebt wird, weil man dies in unserem gegenwärtigen System mit der Möglichkeit von Macht und Einflussnahme verbindet.

Aber was genau ist Macht, wenn sie so aufgebaut ist, und wie genau verhält sich die Macht, die über den Konsens erwirkt wird und nicht so sehr über eine genauere Entwicklung von Wertefragen und einer fortwährenden Weiterbearbeitung und Entwicklung dieser?

Wird ein Wert auf Grundlage eines Konsenses erarbeitet oder gibt es Kriterien für die Gültigkeit und den Sinn eines Wertes, die nicht dem Konsens entspringen?

Inwieweit haben es „falsche Werte“ (die bewusst auf Kosten von so neutral wie möglich machbarer Wahrheitsfindung erlangt wurden) geschafft, evtl. sogar den Konsens an die Stelle des unklaren Bereichs zu setzen, bei dem Sinn anerkannt wird, auch an den Punkten, an dem es zu keinen Konsens kommen wird, aufgrund der Interessenslage einer Mehrheit in einer Demokratie.

Ein Beispiel wäre im Großen so etwas wie das kartesische Denken im Westen. All die möglichen Gegenfragen, die immerhin den Primat des eigenen Denkens also Seins gestärkt hätten, sind entweder seinerzeit nicht in Erscheinung getreten,  als wichtige klärende Argumentationen, oder aber es sollte eine Formel eine Einheitlichkeit schaffen, die eine mehrheitliche Kompatibilität regelgleich vortäuscht.

Die Epistemik ist überhaupt ein Paradebeispiel von Szenarien mehrheitlicher Gewalt im Konsens, die sich als Machtmittel durchzusetzen versucht und dies zumindest zeitweise auch immer wieder schafft.

Der Mensch, keine größere Gruppe von Menschen, und dies zumindest nicht im uns heute bekannten Generalnarrativ über „die Menschheit“, hat es jemals geschafft, eine >  relative Neutralität als Ziel und Synthese von eigener Kultur und Politik umzusetzen, vorzuleben oder ernsthaft anzudenken. Wir finden diese Teile zwar im Denken von Menschen vor, aber eben nicht im Gemeinwesen, das sich immer am Konsens und der Mehrheitlichkeit und deren Zweckmäßigkeit und Nutzen ausgerichtet hat, statt am Denken oder der Ideenentwicklung, der Reflektion und der Beobachtung an sich.

 

 

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