Bedürfnispyramiden-bekenntnismöglichkeit

Bedürfnispyramidenbekenntnismöglichkeit

Die erfolgreichste Version der Maslowschen Pyramide ist vielleicht die, bei der man ganz oben ankommt und am Ende wieder unten steht – nur halt mit besserem Essen, schönerer Wohnung und einer guten Geschichte dazu, warum genau das jetzt die große Selbstverwirklichung ist.

Der Mangel ist überwunden, und plötzlich wird die Befriedigung der Bedürfnisse zur hohen Kunst. Aus Essen wird Kultur, aus Wohnen wird Lebensentwurf, aus Genuss wird ein Projekt.

Nicht mehr: „Wie komm ich durch?“
Sondern: „Wie mach ich aus meinem erfüllten Leben noch das perfekte erfüllte Leben?“

Die Pyramide steht noch da. Nur irgendwie dreht sie sich im Kreis.

Und da stellt sich die Frage: Geht der Mensch, wenn er alle Möglichkeiten hat, wirklich über sich hinaus? Oder richtet er sich nur immer feiner in denselben alten menschlichen Bedürfnissen ein – halt mit mehr Komfort und einer besseren Begründung dafür?

Vielleicht liegt der Haken aber schon in der Pyramide selbst. Vielleicht war die Basis nie so arm an Selbstverwirklichung, wie man meint.

Der Mensch isst ja nie nur, damit der Bauch nicht knurrt. Er wohnt nicht nur, damit es nicht regnet. Er macht aus Dingen eine Welt: Er kocht, gestaltet, erinnert, verbindet, gibt Bedeutung.

Vielleicht steckt das Eigentliche nicht erst oben am Gipfel, sondern schon mitten im Alltag.

Der Unterschied ist vielleicht nicht zwischen Bedürfnis und Erfüllung. Der Unterschied ist, ob man noch mit der Welt verbunden ist – oder nur noch die eigene perfekte Version verwaltet wie ein kleines Privatunternehmen.

Vielleicht ist die Pyramide gar kein Aufstieg. Vielleicht war sie die ganze Zeit ein Kreis.

Und vielleicht ist die große Kunst nicht, ganz oben anzukommen. Vielleicht ist sie, nicht zu vergessen, dass man unten schon ein Mensch war.

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