Outcast Punk in Germany

Als weibliche Person im Teenageralter Fan von Bands zu sein, die politisch sozialkritisch Tierrechte als Themenbereich (multiperspektivisch schon damals) in direkter Weise vertraten, brachte mir die ersten wirklichen Feinde im Leben ein. Das Thema selbst ist dafür nicht verantwortlich, sondern, dass dieses Thema (und vor allen in Kontexten) nunmal nicht auf der Infoliste anderer Alleswisser mit zu verzeichnen war, die Themen immer erst mit ihrer geistigen Schere dann anerkennen wollten, wenn ein Thema als populär genug in ihrem jeweiligen Dunstkreis es zu erscheinen schafft.

Meine favorisierten Bands waren damals Conflict, Icons of Filth und
Rudimentary Peni und ein paar weitere Bands, die sich politisch in diese Richtung gehend einordnen ließen (…). In Frankfurt am Main, die Stadt in der ich vorwiegend bis 2021 lebte, hörte man diese Bands in den Jahren 1982-1984 ich würde sagen kategorisch nicht. Punkt. Als Teenager-Anarcho-Punk hatte ich in dieser Zeit mit diversen anderen Teenager-Punkfrauen, denen ich hier und da begegnete, kontakt. Es ließ sich nicht vermeiden, in der „Szene“ in Frankfurt am Main zu dem Zeitpunkt von irgendwelchen anderen jungen Leuten wahrgenommen zu werden und meine bandbezogene Abgrenzung war tatsächlich ein Punkt, der zu offenen Feindschaften führte. Denn ich fand die frankfurter Punkszene politisch vollkommen rückständig und somit murksig und das brachte mir eine Beschimpfung ein, ich hätte von eh nichts eine Ahnung, was ich meinerseits übergriffig fand.

Aber nachvollziehbar, dass ich als „blöd“ eingestuft wurde. Die Frauen in deren Szene, waren alle mehr oder weniger Ja-Sagerinnen und für mein Empfinden wenig selbstständig in der Entwicklung und Darstellung ihrer Inhalte, und die männlichen Punks waren, so wie eben die meisten männlichen Personen dieser und anderer Generationen in DE sind – sozialisierunggeschuldet und dank
mangelndem individuellem Abgrenzungsvermögen oder allzuviel
Dazugehörvermögen, grundsätzlich eher als von sich selbst sehr eingenommene Kontrahenten einzustufen: Wichtigkeit aufgrund geschlechtlich einzuordnender Attribute und ein immer zuverlässig erteiltes gegenseitiges förderndes Feedback, dass man von seinem sozialen Pulk erhält, sind Währung, mit der man hier seine sozialen Codices bestückt hat. Wechselseitig und wie bereits angedeutet, dank der Profillosigkeit der weiblich sozialisierten Akteurinnen in deren Szenerie, laufen die Mechanismen so ganz gut. Und wie immer, bestätigen auch hier die Ausnahmen bloß die Regel.

Für mich hieß das in Folge, außer einer gravierend schlechten Erfahrung mit dem, was man grob als Zeitgenossen beschreiben würde, a.) die einstigen Freundschaften mit meinen Freundinnen ließen sich für mich nurnoch in eine Art entpersönlichter kulturanthropologische Studie umdeuten, b.) ich musste eine
Variante von Mobbing kennenlernen, die mich dauerhaft in der Stadt begleiten würde und c.) ich lernte, auf unabhängigere Weise politisch zu sein.

[Egal was irgendwelche Gruppen einem vorleben, falle niemals auf Gruppendynamiken herein, egal wie hart oder verunsichernd Diffamierungen auf der sozialen Ebene dann auch laufen mögen. Hinter der Gruppendynamik steht nicht mehr als amorpher Haufen von sozialen Rängeleien. Richte Dich alleinig an Themen und Inhalten aus.]

Aus: Tschördy, Azadeh und Saline.. Ein autoethnografisches Journal über unser (Subjekt-eines-Lebens-) Sein für Tierrechte, Vom Traum zur Realität (16), Small Change, Zehn, 2025, S. 6-7, https://d-nb.info/135635386X/34

 

 

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