Faschismus war mehr Lametta

Mehr Triangulation im Tagesgeschehen

Heutige Debatten wirken zunehmend so, als würde man über Macht reden, ohne noch denselben Boden unter den Begriffen zu teilen. Was da als Kritik auftritt, zerfällt in getrennte Sprachräume, in denen jeweils eigene Logiken gelten – je nach akademischer Tradition, geopolitischem Standort oder theoretischer Schule.

Sowohl gewisse postkoloniale Zugänge als auch ihre gegenkritischen Pendants bleiben dabei oft an der Oberfläche hängen: Entweder wird vieles in Identitätsfragen (auch religiösen) und Zuschreibungslogiken aufgelöst, oder in einen Abwehrkampf gegen andere, neue Theoriesprachen überführt. Wir sehen: Die eigentlichen Herrschafts- und Gewaltverhältnisse werden unterschiedliche verstanden. Das kann man erstmal so kosntatieren.

Kritik selbst ist längst auseinandergezogen und auch das kann man, darf man benennen. Lateinamerikanische, nordamerikanische und europäische Diskurse reden nicht mehr über dasselbe Problem, sondern über ähnliche Wörter in unterschiedlichen Bedeutungswelten.

Ergebnis ist eine neue wichtige Kluft, nicht zwischen „ja“ und „nein“, sondern zwischen parallel laufenden Semantiken, die einander nur noch teilweise erreichen.

In so einer Lage werden auch klassische Figuren wie „Täter = Macht“ und „Opfer = Ohnmacht“ instabil.

Sie sind keine festen verlässlichen operativen Konstanten mehr, sondern wandern verschieden gefühlt durch diese Diskursräume, werden je nach Kontexten umgerahmt, verschoben, beleuchtet, verdrängt. Man könnte sagen: Hier tritt Triangulation in den Raum, ohne dass klar wäre, von welchem Punkt aus eigentlich noch gemeinsam gemessen wird.

Und genau da liegt das Interessant: Nicht alles lässt sich nunmehr in alte Kampfparadigmen zurückübersetzen.

Wer heute noch so tut, als gäbe es eine klare Frontlinie der Kritik, übersieht, dass sich der Raum der Kritik selbst verschoben hat. Notwendig wäre daher weniger die nächste große Abgrenzung, sondern stattdessen eine gewisse sachliche Nüchternheit und die Bereitschaft, unterschiedliche Erkenntnisräume nebeneinander auszuhalten, ohne sie vorschnell auf einen gemeinsamen theoretischen Nenner pressen zu wollen.

Kurzum ist der Welt immernochnicht weniger komplex geworden. Nur die Begriffe haben aufgehört, sich dabei als das gleiche Oeuvre zum Gedankenfraß servieren zu lassen.

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