{"id":2155,"date":"2026-08-01T22:38:02","date_gmt":"2026-08-01T20:38:02","guid":{"rendered":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/?p=2155"},"modified":"2026-08-01T22:38:02","modified_gmt":"2026-08-01T20:38:02","slug":"squatting-practical-ethics-gedankenfleisch-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/squatting-practical-ethics-gedankenfleisch-ii\/","title":{"rendered":"Squatting Practical Ethics &#8211; Gedankenfleisch II"},"content":{"rendered":"<p><em>Squatting Practical Ethics<\/em><\/p>\n<ol>\n<li>Ware setzt Objektstatus voraus.<\/li>\n<li>Objektstatus setzt eine bestimmte Weltordnung voraus.<\/li>\n<li>Diese Weltordnung betrifft Tiere und Natur.<\/li>\n<li>Auch progressive Systeme hinterfragen diese Voraussetzung oft nicht.<\/li>\n<li>Deshalb bleiben Jagd, Labor, Landwirtschaft usw. strukturell verbunden.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Gedankenfleisch II<\/strong><\/p>\n<p>Die blinde Stelle der Befreiung<\/p>\n<p>Ware setzt Objektstatus voraus.<\/p>\n<p>Bevor etwas zur Ware werden kann, muss es innerhalb einer gesellschaftlichen Ordnung zun\u00e4chst als etwas erscheinen, das getrennt betrachtet, bewertet, verf\u00fcgbar gemacht und \u00fcbertragen werden kann. Die Ware ist daher nicht der Anfangspunkt der Verwertung, sondern bereits das Ergebnis einer tieferliegenden Entscheidung dar\u00fcber, was \u00fcberhaupt als Objekt menschlicher Verf\u00fcgung gelten darf.<\/p>\n<p>Objektstatus setzt wiederum eine bestimmte Weltordnung voraus.<\/p>\n<p>Eine Ordnung, in der zwischen einem handelnden Subjekt und einer verf\u00fcgbaren Welt unterschieden wird. Eine Ordnung, in der bestimmte Formen des Lebens als Tr\u00e4ger eigener Wirklichkeit, eigener Interessen und eigener Anspr\u00fcche erscheinen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend andere Formen als Gegenst\u00e4nde menschlicher Gestaltung, Verwaltung oder Nutzung hervorgebracht werden.<\/p>\n<p>Diese Weltordnung betrifft daher nicht nur \u00f6konomische Verh\u00e4ltnisse. Sie betrifft das grundlegende Verh\u00e4ltnis des Menschen zu Tieren und zur Natur insgesamt.<\/p>\n<p>Denn Jagd, Tierversuche, landwirtschaftliche Tierhaltung, Wildtierhandel oder die Beherrschung von Lebensr\u00e4umen sind nicht voneinander getrennte Einzelprobleme. Sie beruhen auf unterschiedlichen institutionellen Formen derselben Grundannahme: dass nichtmenschliches Leben innerhalb menschlicher Ordnungssysteme eingeordnet, bewertet und verf\u00fcgbar gemacht werden kann.<\/p>\n<p>Gerade hier zeigt sich eine besondere blinde Stelle moderner progressiver Systeme.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sie im menschlichen Bereich gelernt haben, Objektifizierung als Herrschaftsproblem zu erkennen \u2013 also Menschen nicht auf K\u00f6rper, Funktionen, Herkunft oder gesellschaftliche Rollen zu reduzieren \u2013, bleibt die grundlegende Objektstellung von Tieren und Natur h\u00e4ufig unangetastet.<\/p>\n<p>Die Kritik an Unterdr\u00fcckung endet dort, wo die Frage beginnt, warum andere Lebewesen \u00fcberhaupt au\u00dferhalb des menschlichen Subjektbereichs angesiedelt werden.<\/p>\n<p>Damit entsteht ein grundlegender Widerspruch: Eine Gesellschaft kann immer differenziertere Formen menschlicher Gleichheit, Anerkennung und Selbstbestimmung entwickeln und zugleich an einer Weltordnung festhalten, in der Tiere und Natur weiterhin als Gegen\u00fcber menschlicher Verf\u00fcgung gedacht werden.<\/p>\n<p>Die tiefste Form des objektifizierenden Unrechts liegt deshalb nicht allein in der einzelnen Handlung der Nutzung, sondern bereits in der Unrechtseinstellung, durch die ein lebendes Wesen \u00fcberhaupt als Objekt menschlicher Ordnung hervorgebracht werden kann.<\/p>\n<p>Denn bereits dort, wo ein anderes Leben unter die Frage seiner Verwertbarkeit, seiner N\u00fctzlichkeit oder seiner Funktion gestellt wird \u2013 sei es f\u00fcr \u00f6konomische, wissenschaftliche, kulturelle, emotionale oder andere menschliche Zwecke \u2013, vollzieht sich eine grundlegende Verschiebung: Das Wesen selbst tritt hinter seine zugeschriebene Bedeutung f\u00fcr den Menschen zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Dabei handelt es sich nicht einfach um einen \u201emenschlichen Ma\u00dfstab\u201c an sich, sondern um eine bestimmte Form menschlicher Weltbeziehung: eine Ordnung, in der der Mensch sich selbst als letztes Bewertungszentrum setzt und die Welt prim\u00e4r aus der Perspektive menschlicher Zwecke, Interessen und Verf\u00fcgungsanspr\u00fcche betrachtet.<\/p>\n<p>Das andere Leben wird dabei nicht deshalb ausgeschlossen, weil es unsichtbar w\u00e4re. Es wird wahrgenommen. Seine Pr\u00e4senz, seine K\u00f6rperlichkeit, seine Andersheit werden erkannt. Doch diese Wahrnehmung erfolgt innerhalb eines Ma\u00dfstabssystems, in dem dieses andere Sein nicht aus sich selbst heraus anerkannt wird, sondern nur innerhalb menschlicher Kategorien Bedeutung erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Gerade darin liegt die grundherrschaftliche Entscheidung dieser Ordnung: Nicht das eigene Sein des anderen Wesens bildet den Ausgangspunkt der Beziehung, sondern seine Stellung innerhalb menschlicher Zwecke.<\/p>\n<p>Der K\u00e4fig, das Labor, die Jagd, die landwirtschaftliche Haltung oder der Handel sind konkrete Orte, an denen sich dieses Verh\u00e4ltnis verwirklicht. Doch ihnen liegt eine vorg\u00e4ngige geistige und gesellschaftliche Bewegung zugrunde: die Entscheidung, ein anderes Leben nicht prim\u00e4r als eigenes, sich selbst tragendes Sein wahrzunehmen, sondern als etwas, das unter gesellschaftliche Zwecke, Kategorien und Verf\u00fcgungsanspr\u00fcche gestellt werden kann.<\/p>\n<p>Das Unrecht besteht daher zugleich in der \u00e4u\u00dferen Ordnung und in der Haltung, aus der diese Ordnung hervorgeht. Es liegt in einer Beziehung zur Welt, in der die Existenz eines anderen Wesens nicht aus seiner eigenen Wirklichkeit heraus Bedeutung besitzt, sondern erst durch menschliche Bewertung, menschliche Interessen und menschliche Ma\u00dfst\u00e4be gesellschaftliche Anerkennung erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Deshalb geh\u00f6ren Jagd, Labor, Landwirtschaft, Wildtierhandel und Landbeherrschung strukturell zusammen. Nicht weil die Erfahrungen der betroffenen Tiere identisch w\u00e4ren und die konkreten Formen der Gewalt miteinander gleichgesetzt werden m\u00fcssen, sondern weil sie auf einer einzigen gemeinsamen Unrechtseinstellung beruhen: der Annahme, dass eine bestimmte menschliche Ordnung berechtigt sei, anderes Leben nach menschlichen Zwecken einzuordnen und \u00fcber seine existenziellen Bedingungen zu verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>Eine wirkliche Systemkritik m\u00fcsste deshalb nicht nur fragen: Wer besitzt? Wer verf\u00fcgt? Wer profitiert?<\/p>\n<p>Sie m\u00fcsste tiefer fragen:<\/p>\n<p>Warum wird Lebensrealit\u00e4t \u00fcberhaupt in eine Form gebracht, in der Besitz, Verf\u00fcgung und Verwertung m\u00f6glich werden?<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Squatting Practical Ethics Ware setzt Objektstatus voraus. Objektstatus setzt eine bestimmte Weltordnung voraus. Diese Weltordnung betrifft Tiere und Natur. Auch progressive Systeme hinterfragen diese Voraussetzung oft nicht. Deshalb bleiben Jagd, Labor, Landwirtschaft usw. strukturell verbunden. Gedankenfleisch II Die blinde Stelle der Befreiung Ware setzt Objektstatus voraus. Bevor etwas zur Ware werden kann, muss es innerhalb&hellip;<a href=\"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/squatting-practical-ethics-gedankenfleisch-ii\/\" class=\"more-link\"><span>Weiterlesen<\/span><span class=\"screen-reader-text\">Squatting Practical Ethics &#8211; Gedankenfleisch II<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":2152,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"templates\/template-cover.php","format":"standard","meta":[],"categories":[26],"tags":[12,15,55,14],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2155"}],"collection":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2155"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2155\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2156,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2155\/revisions\/2156"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2152"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}