{"id":1958,"date":"2026-02-17T19:45:37","date_gmt":"2026-02-17T18:45:37","guid":{"rendered":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/?p=1958"},"modified":"2026-02-17T19:45:37","modified_gmt":"2026-02-17T18:45:37","slug":"kurzgeschichte-kein-ethnoteufel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/kurzgeschichte-kein-ethnoteufel\/","title":{"rendered":"Kurzgeschichte: Kein Ethnoteufel"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/die_endlosschleife_1b.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1959\" src=\"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/die_endlosschleife_1b.png\" alt=\"\" width=\"1536\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/die_endlosschleife_1b.png 1536w, https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/die_endlosschleife_1b-300x200.png 300w, https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/die_endlosschleife_1b-1024x683.png 1024w, https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/die_endlosschleife_1b-768x512.png 768w, https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/die_endlosschleife_1b-1200x800.png 1200w\" sizes=\"(max-width: 1536px) 100vw, 1536px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kein Ethnoteufel<\/strong><\/p>\n<p>Er \u2013 warum zu ihm, nochmal gleich \u2013 eine Frau mit m\u00e4nnlichem Genital, die einen Kampf eingeht, sich r\u00e4cht, f\u00fcr seine\/ihre verstorbene Stiefschwester im Geiste. Oder war sie das etwa doch nicht?<\/p>\n<p>Ich \u2013 jetzt, hier.<br \/>\nBei mir ist es fr\u00fch in den 1980er Jahren, einer sagenumwobenen Zeit und wir stehen hier, nach einem Streit oder doch w\u00e4hrend eines sonderbaren Streites, inmitten auf einem Sportplatz im Nordwesten von London.<\/p>\n<p>D., meine lesbische Freundin, die mich schwerst negativ \u00fcberrascht hatte, zog w\u00fctend an meinem linken Arm. Und B., ein destro-philer Mann, seinerzeit eine Art Influenzer in der Szene, in der wir uns hier herumbewegten \u2013 B. zog besitzergreifend an meinem rechten Arm, mit D. streitend, sagend, dass ich jetzt mit ihm zu gehen h\u00e4tte, statt mit ihr.<\/p>\n<p>Jetzt k\u00f6nnte man die Situation deuten, als wolle ich hier auf ein sexualisiert konnotiertes Gehabe hinaus, da ich erw\u00e4hne, dass D. lesbisch unterwegs war und B. moralisch bankrott, usw. Aber, was mich an der Szene und dem Erlebten ber\u00fchrte war, dass zwei Menschen um mich stritten. Ich konnte nicht nachvollziehen warum und fand das sehr merkw\u00fcrdig.<\/p>\n<p>Ich hatte den Eindruck, dass D. mich als Freundin nur instrumentalisiert hatte um mal richtig Party zu machen, und von B. hatte ich den Eindruck, er wollte sein Selbstwertgef\u00fchl auf skurrile bis makabre Weise an uns hochziehen: Wir passten beide in keine klassische T\u00e4terrolle hinein. Er tat das und das gab ihm Macht.<\/p>\n<p>Also gut, der lesbische und der destro-phile Faktor spielten oder spielen eine Rolle, aber nicht wie der Lesende vielleicht meinen k\u00f6nnte. Ich frage mich bis heute, was sich eigentlich hinter deren Identit\u00e4tswahl und -Lebensentw\u00fcrfen verbarg.<\/p>\n<p>Nunmehr zur\u00fcck zum Mann vom Anfang. Ein Mann im Satanskost\u00fcm, der eine Frau mit m\u00e4nnlichem Geschlechtsorgan ist. Er verh\u00e4lt sich wie ein Mensch aus den Werbeclips der 70er Jahre in der BRD, wo die deutschen Beat-M\u00fcslis und Medien- und Werbefuzzis noch wussten, wer die Weichen im gleislosen Gleisbett zu stellen hat.<\/p>\n<p>Mein Interesse gilt hier einer \u00dcberschneidung, die ich zwischen dem Mann im Kost\u00fcm und mir ausmache, und die ich an einer typischen Lebens-Weichenstellungsfrage festmachen will:<\/p>\n<p>Da kommt ein Schicksal an, bei einer Weiche, aus der Geschichte eines Individuums. Auf der einen Seite eines Mannes, Frau-Mannes, usw. usf., das ich von au\u00dfen betrachte. Und da kommt eine erlebte Szene mit meiner lesbischen Freundin, die sich mit einem destro-philen Mann um mich streitet, ohne dass es wohl um mich ging. (Das Witzige und Unwitzige war, dass ihre gro\u00dfe Liebe, S., sie bis heute links liegen l\u00e4sst, aber sie sind immernoch zusammen. Nicht dass es mir leid t\u00e4te!)<\/p>\n<p>Der Mann im Satanskost\u00fcm sucht als Frau mit m\u00e4nnlichem Genital eine Geschichtshoheit im Kollektiv. Die Weiche: Er\/sie da lang. Ich \u2013 mit einem mich geschlechtlich pr\u00e4genden Erlebnis, dort lang. Das hei\u00dft, nimmt man das k\u00f6rperliche Sein als Existenz, als sich biographisierende Faktizit\u00e4t, beobachtet man weitaus mehr Unterschiede, als die nur auf geschlechtlich zuzuordnender Basis zugewiesenen \u2013 auf ganz individueller Abgrenzungsebene.<\/p>\n<p>Der Mann im gepunkteten Satanskost\u00fcm, oder die Frau mit m\u00e4nnlichem Geschlechtsteil im gepunkteten Satanskost\u00fcm, muss quasi aus seinem\/ihrem das Kollektive best\u00e4tigenden Sicht glauben es ginge hier um Fantasiem\u00e4rchen, wie wohl sein Satanskost\u00fcm auch nichts anderes ist als ein ethnisch-kosmologisches Abzeichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kein Ethnoteufel Er \u2013 warum zu ihm, nochmal gleich \u2013 eine Frau mit m\u00e4nnlichem Genital, die einen Kampf eingeht, sich r\u00e4cht, f\u00fcr seine\/ihre verstorbene Stiefschwester im Geiste. Oder war sie das etwa doch nicht? Ich \u2013 jetzt, hier. 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