{"id":1677,"date":"2025-07-06T23:08:16","date_gmt":"2025-07-06T21:08:16","guid":{"rendered":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/?p=1677"},"modified":"2025-09-01T23:35:16","modified_gmt":"2025-09-01T21:35:16","slug":"soziale-gerechtigkeit-bei-der-die-masse-bestimmt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/soziale-gerechtigkeit-bei-der-die-masse-bestimmt\/","title":{"rendered":"Soziale Gerechtigkeit bei der die Masse bestimmt"},"content":{"rendered":"<p>Entwurf, 06.07.25<\/p>\n<p>rePet Unwissend:<\/p>\n<p>&#8222;Linke Buchl\u00e4den sind heute auch nicht mehr, das, was sie mal waren&#8220;<\/p>\n<p>Die oberfl\u00e4chlichen Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind hinreichend bekannt, so vermute ich mal ganz dreist, aber:<\/p>\n<p>Es liegt aber auch daran, wie die Kulturindustrie selbst heute gerade in der BRD Linkssein als besten Persilschein einer Gesellschaft erkannt hat, die aus sich selbst heraus noch viel Unklarheiten in sich tr\u00e4gt dar\u00fcber, was denn nun eigentlich das Mindset des NS Totalitarismus \u00fcberhaupt genau ausgemacht hat.<\/p>\n<p>Ein Frage die ich hier stellen will ist also:<\/p>\n<p>Existiert eine gewisse Verschiebung im Verst\u00e4ndnis von \u201elinks\u201c und eine Unaufgekl\u00e4rtheit \u00fcber die historischen Tiefen des NS, die durchaus miteinander zusammenh\u00e4ngen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p>Ist irgendetwas &#8222;links&#8220;, einfach weil es nicht &#8222;Nazi&#8220; ist. Wer hat beschlossen, dass so eine Formelhaftigkeit un\u00fcberpr\u00fcft g\u00fcltig sein soll?<\/p>\n<p>Klar kann man davon ausgehen, dass der Mainstreamer hier ein Interesse hat erstmal von nichts ernsthaft Schlimmen in seinem Verst\u00e4ndnis von &#8222;Normal&#8220; auszugehen. Aber nein, das mach noch nicht alles nicht nazim\u00e4\u00dfige zu linker Unschuld. Was ist nazim\u00e4\u00dfig und wo f\u00e4ngt das an. Gerade heutzutage, gerade undeklariert, gerade wo jeder sich als politisch vertrauensw\u00fcrdig verkaufen will, weil warum nicht, wenn man trotzdem machen kann was man will, solange es eben nicht &#8222;Nazi&#8220; ist.<\/p>\n<p>Und was den Kulturbetrieb anbetrifft:<\/p>\n<p><strong>Linkssein als Persilschein<\/strong><\/p>\n<p>In der Kulturindustrie \u2013 also Verlage, Theater, Medien, Museen \u2013 wird \u201elinks\u201c heute oft als moralische Absicherung verwendet. Eine Haltung, die man sich anheftet: gegen rechts, gegen Rassismus, f\u00fcr Vielfalt. Das Problem dabei ist, dass diese Haltung oft oberfl\u00e4chlich performativ bleibt, ohne dass tats\u00e4chliche gesellschaftliche Verh\u00e4ltnisse analysiert oder ver\u00e4ndert w\u00fcrden. \u201eLinks\u201c wird dann zur \u00e4sthetischen Marke, nicht zur praktischen Kritik. Man k\u00f6nnte sagen: \ud83d\udc49 Antifaschismus wird zur Haltung, ohne dass Faschismus tief verstanden oder seine materiellen Grundlagen angegriffen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>Weiter, da hatten wir noch:<\/p>\n<p><strong>Eine unklare Auseinandersetzung mit dem NS<\/strong><\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich hat die BRD \u2013 trotz jahrzehntelanger Gedenkpolitik \u2013 nicht konsequent mit den selbst nicht eingestandenen Aspekten eines NS-Mindset gebrochen, das ganz offensichtlich in der Gesellschaft noch als attraktiv als &#8222;urdeutsch&#8220; hin\u00fcbergerettet werden soll, und das schlichtweg mit dem Morphen arbeitet.<\/p>\n<p>Die Zeit bleibt nicht stehen, auch nicht bei Undercurrents. Viele Fragen wurden niemals weiter verfolgt oder \u00fcberhaupt jemals in einer bestimmten Allgemeinheit \u00fcberhaupt gestellt. Gerade an die Stelle r\u00fcckte &#8222;links&#8220;, weil hier alles klar erschien und man doch deutlich eine historische Abgrenzung politischer Interessen vorweisen konnte.<\/p>\n<p>Was war aber das <em>gesellschaftliche Fundament<\/em> des Nationalsozialismus \u2013 also nicht nur die Ideologie in letzter Konsequenz, sondern die Affektstruktur, der Opportunismus, das Kleinb\u00fcrgertum, der Gleichheitszwang und Gleichheitswunsch, der Vorteil, den man im autorit\u00e4ren Charakter sah, das Ideal \u00fcber &#8222;Deutschsein&#8220; kleinteilig und in bestimmter Auspr\u00e4gung, was schied die Geister (jenseits von Klischees) auf Kulturebene, was machte Makro- und Mikrostrukturen von Identit\u00e4tsgeschichten aus, woher r\u00fchrte der Antisemitismus ideologisch, dass es sein konnte, dass es der NS-Ideologie gelang j\u00fcdische Deutsche und andere j\u00fcdische B\u00fcrger in Europa ihrer nationalen Identit\u00e4ten als Zugeh\u00f6rigkeit zu berauben?<\/p>\n<p>Wie wurde nach 1945 eigentlich weitergemacht \u2013 institutionell, personell, psychologisch?<\/p>\n<p>Welche Kontinuit\u00e4ten gibt es im Denken, wie kann man Wertvorstellungen innerdeutsch differenzieren, ohne nach rechts oder links driften zu m\u00fcssen, in der Staatsauffassung, in der Normalit\u00e4t? Wer lenkt welche Diskurse und wie? Wer ist h\u00f6rbar in B\u00fcrgerrechtsbestrebungen und auf welche Art und Weise, typischerweise in der BRD? Warum darf &#8222;links&#8220; nicht kritisch be\u00e4ugt werden?<\/p>\n<p>Wenn diese Fragen offen bleiben, wird \u201elinks\u201c zur Ersatzhandlung: Man zeigt sich als \u201eaufgekl\u00e4rt\u201c und \u201eprogressiv\u201c, ohne jede eigene Verstrickung in historische und strukturelle Gewaltverh\u00e4ltnisse reflektieren zu m\u00fcssen. Man merkt nicht mal, wie man selbst funktioniert und wird zur autorit\u00e4ren Linken.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p><strong>Die Rolle linker Buchl\u00e4den und Kulturorte<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn es mal anders war und anderes angestrebt und angedacht war. Was hat sich durchgesetzt, das alte \u00dcbel. Es ist naiv oder veraltet romantisch, linke Kulturorte oder Buchl\u00e4den heute noch &#8222;grunds\u00e4tzlich&#8220; als kritische Gegenr\u00e4ume zu idealisieren. Viele haben sich l\u00e4ngst in betriebene Milieus mit klaren Interessenlagen verwandelt, in denen politischer Gehalt oberfl\u00e4chlich, den heutigen Strukturen angepasst, Konsumbed\u00fcrfnisse erf\u00fcllen und schnelle Aufmerksamkeit, Anschlussf\u00e4higkeit und \u00f6konomische Selbstsicherung im Mittelpunkt stehen (sprich das legitimiert den sich direkt anbietenden Kl\u00fcngel, der ja auch links sein kann, G\u00fcnstlingswirtschaft, Gesch\u00e4ftlhuberei und all die Klassiker).<\/p>\n<p><strong>Was sich abbildet ist<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><strong>Ignoranz gegen\u00fcber Themen<\/strong>: Es geht oft nicht darum, Inhalte tief zu durchdringen oder gar radikal zuzuspitzen, sondern darum, dass sich Themen <em>gut verwerten lassen<\/em>. Ein neuer Trend, ein neues Diskursthema \u2013 rein ins Programm, egal ob verstanden oder nicht. Hauptsache man hat alles schonmal durch. &#8222;Wir wissen und kennen alles, was man wissen muss und was relevant ist. Uns kann keiner was erz\u00e4hlen, also weiter so &#8230; &#8222;<\/li>\n<li><strong>Vermarktung von Kritik<\/strong>: Politische Haltung wird zur Ware. Auch vermeintlich linke Begriffe (\u201eDekolonial\u201c, \u201eCare\u201c, \u201eSolidarit\u00e4t\u201c, \u201eKlasse\u201c, \u201eIntersektionalit\u00e4t\u201c) werden in Veranstaltungsreihen, Buchcovern, Podien in Dauerschleife verwertet, ohne dass die Strukturen hinterfragt w\u00fcrden, die sie reproduzieren. Es geht vielmehr darum, sich selbst und andern vorzumachen, niemand auf der Welt h\u00e4tte seine eigenen Agendas (die nicht nur f\u00f6rderlich sind). Alles sei glaubw\u00fcrdig, usw. Vor allen Dingen man selbst ist durch seinen linken Wissenskonsum von jeder Kritik auszunehmen, da durch rechts ja bereits die alleinig ernstzunehmende Gefahr auf der Welt droht.<\/li>\n<li><strong>Kl\u00fcngel &amp; Gegenseitige Beg\u00fcnstigung<\/strong>: Im Kulturbetrieb \u2013 auch im sogenannten \u201elinken\u201c \u2013 gibt es Netzwerke, Vetternwirtschaft, symbolische Aufwertungsmechanismen. Wer drin ist, wird eingeladen, empfohlen, zitiert. Wer nicht anschlussf\u00e4hig oder zu unbequem ist, bleibt drau\u00dfen. Macht funktioniert hier wie \u00fcberall, nur eben im Gewand von \u201eAwareness\u201c und \u201eprogressiver Haltung\u201c. Was auch okay ist, nur gibt es jenseits dieser Wohlf\u00fchlwelten, die einem selber dienen eben nicht nur den rechten Gegner. Es gibt die Themen, die links und rechts gemeinsam \u00fcberhaupt nicht in ihre Raster f\u00fcgen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Diese Milieus reproduzieren genau das, was sie vermeintlich kritisieren:<\/p>\n<ul>\n<li>Ausschlussmechanismen<\/li>\n<li>Hierarchien<\/li>\n<li>Symbolpolitik statt realer Ver\u00e4nderung<\/li>\n<li>Anpassung an F\u00f6rderlogiken und Aufmerksamkeitseffekte<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Das ist kein Betriebsunfall. Es ist ein struktureller Zyklus.<\/strong><br \/>\nEr beginnt immer wieder neu, weil das System Kulturf\u00f6rderung, Veranstaltungsbetrieb und akademisierte Linke <em>selbst Teil der Institutionen<\/em> geworden ist, die es mal bek\u00e4mpfen wollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Entwurf, 06.07.25 rePet Unwissend: &#8222;Linke Buchl\u00e4den sind heute auch nicht mehr, das, was sie mal waren&#8220; Die oberfl\u00e4chlichen Gr\u00fcnde daf\u00fcr sind hinreichend bekannt, so vermute ich mal ganz dreist, aber: Es liegt aber auch daran, wie die Kulturindustrie selbst heute gerade in der BRD Linkssein als besten Persilschein einer Gesellschaft erkannt hat, die aus sich&hellip;<a href=\"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/soziale-gerechtigkeit-bei-der-die-masse-bestimmt\/\" class=\"more-link\"><span>Weiterlesen<\/span><span class=\"screen-reader-text\">Soziale Gerechtigkeit bei der die Masse bestimmt<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":928,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"templates\/template-cover.php","format":"standard","meta":[],"categories":[7,48,29],"tags":[28,33],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1677"}],"collection":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1677"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1677\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1764,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1677\/revisions\/1764"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/media\/928"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1677"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1677"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1677"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}