{"id":1636,"date":"2025-05-31T21:15:51","date_gmt":"2025-05-31T19:15:51","guid":{"rendered":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/?p=1636"},"modified":"2025-05-31T22:05:10","modified_gmt":"2025-05-31T20:05:10","slug":"jenseits-allen-masses","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/jenseits-allen-masses\/","title":{"rendered":"Jenseits allen Ma\u00dfes"},"content":{"rendered":"<p>Totenglocke &#8211; PA sampling 1<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Totenglocke - PA sampling 1\" width=\"700\" height=\"525\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/2CJGEiIsrDM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p><strong>Jenseits allen Ma\u00dfes<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt Formen des Denkens, die riecht man quasi, bevor man sie ganz versteht. Sie kommen als Sprache daher \u2013 als Witz, als Meinung, als beil\u00e4ufige Bemerkung \u2013 und hinterlassen ein Echo aus Ekel und Ersch\u00f6pfung. Gemeint sind jene gedanklichen Konstrukte, die sich als \u201enat\u00fcrliche M\u00e4nnlichkeit\u201c gerieren. Fixiert auf Phallus, Kontrolle, Abgrenzung. Es sind keine individuellen Fehlgriffe \u2013 es sind kollektive Muster. Und sie sind alt. Z\u00e4h. Immer noch dominant.<\/p>\n<p>Diese M\u00e4nnlichkeitsbilder, gleich ob aus der Proll-Ecke oder mit akademischer Rhetorik getarnt, kreisen um dieselbe Leerstelle: den Versuch, Unsicherheit zu maskieren. Es ist ein Abwehrzauber gegen das Weiche, das Ambivalente, das Nicht-Kontrollierbare. Die Idee eines \u201eechten Mannseins\u201c wird zur Verteidigungslinie gegen das Lebendige \u2013 gegen alles, was sich nicht vermessen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Doch diese Denkweise beschr\u00e4nkt sich nicht auf nur die eine geschlechtliche Identit\u00e4t. Man findet sie auch bei etlichen Frauen, jenen, die sich dem gleichen Geist zugeh\u00f6rig f\u00fchlen: dem Geist, der der Welt nicht begegnet, sondern sie benutzt. Es ist eine Geisteshaltung, die \u00fcber der Natur zu stehen sucht, statt Teil von ihr zu sein. Die Mitwelt \u2013 Tiere, Pflanzen, K\u00f6rper, anderer Geist aber auch andere\u00a0 Menschen selber \u2013 werden zu einem Werkzeugkoffer zurechtintepretiert. Was z\u00e4hlt, ist Funktion, Nutzwert, Kontrollierbarkeit.<\/p>\n<p>Und genau da liegt der Kern: Es geht in Wirklichkeit nie nur um Geschlecht. Es geht um das Verh\u00e4ltnis zur Welt. Die Art, wie jemand spricht, ber\u00fchrt, denkt \u2013 sie verr\u00e4t, ob da ein Wesen lebt, das sich verbunden wei\u00df, oder eines, das sich in Dominanzbegriffen abgrenzt, erhebt, instrumentalisiert.<\/p>\n<p>Inmitten all dessen wird es schwer f\u00fcr diejenigen M\u00e4nner, die anders f\u00fchlen. F\u00fcr M\u00e4nner, die keine Lust haben auf Mackergehabe, auf Dauerpr\u00e4senz, auf das Rollenspiel des dominanten Subjekts. Ihnen fehlt der Raum \u2013 weil andere M\u00e4nner ihn zuschei\u00dfen mit Gebr\u00fcll,\u00a0 Gehabe und Kalk\u00fcl. Und weil die gesellschaftlichen Codes noch immer jene belohnen, die sich \u00fcber Allmachtsanspr\u00fcche und -w\u00fcnsche definieren, statt \u00fcber Tiefe und Sinn.<\/p>\n<p>Was es braucht, ist eine Emanzipation, die tiefer geht. Keine neue Pose, kein Etikettenwechsel, sondern ein echter Ausstieg. Ein Sich-L\u00f6sen aus den geerbten Normalit\u00e4ten, aus den reflexhaften Denkmustern, die Menschsein auf Verhalten und Verwertbarkeit reduzieren. So eine Emanzipation kann nicht \u00fcber den Mainstream laufen. Sie wird keinen Applaus bekommen. Und das ist gut so. Denn sie sucht keine Best\u00e4tigung, sondern ganz im Gegenteil, sie sucht Wahrheit, die den Ausbruch nunmal mit sich bringt.<\/p>\n<p>Jenseits der bekannten Muster existieren andere Formen. Ein Mannsein, das nicht im Machtraum sein muss. Ein Frausein, das sich nicht mehr definieren lassen wird. Und ein Dazwischensein, das nichts erkl\u00e4ren muss. Sie existieren bereits \u2013 im Abseits, aber da. Man erkennt sie an der Haltung: zur Welt, zu anderen, zu sich selbst.<\/p>\n<p>Wer hinsieht, wer hinh\u00f6rt, merkt schnell: Es geht nicht um Geschlecht. Es geht um die Haltungen zu den Dingen. Und dabei darum, aus dem System der Kontrolle auszutreten \u2013 geistig, emotional, politisch.<br \/>\nDas eigene Ma\u00df ist auffindbar, jenseits der Rollen, jenseits von Erwartung, Vorurteil und Anspruch.<br \/>\nMan sollte sich nicht mehr in jene Denkgruben ziehen lassen, in denen Lebendigkeit erstickt. Dieser Schritt ist f\u00fcr die, die ihn nicht tun noch unbequemer, als die, die in tun werden. Wer ihn geht, lebt vielleicht \u2013 endlich \u2013 wirklich.<\/p>\n<p>Entwurf, 31.05.25, 2<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Totenglocke &#8211; PA sampling 1 Jenseits allen Ma\u00dfes Es gibt Formen des Denkens, die riecht man quasi, bevor man sie ganz versteht. Sie kommen als Sprache daher \u2013 als Witz, als Meinung, als beil\u00e4ufige Bemerkung \u2013 und hinterlassen ein Echo aus Ekel und Ersch\u00f6pfung. 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