{"id":1619,"date":"2025-05-19T01:30:39","date_gmt":"2025-05-18T23:30:39","guid":{"rendered":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/?p=1619"},"modified":"2025-05-19T01:30:39","modified_gmt":"2025-05-18T23:30:39","slug":"bushcraft-unter-schwerkraftbedingungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/bushcraft-unter-schwerkraftbedingungen\/","title":{"rendered":"Bushcraft unter Schwerkraftbedingungen"},"content":{"rendered":"<p>Erster Entwurf, 19.05.2025<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/gegen_die_romantik_des_herrschens_2c.png\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1621\" src=\"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/gegen_die_romantik_des_herrschens_2c.png\" alt=\"\" width=\"1800\" height=\"1656\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/gegen_die_romantik_des_herrschens_2c.png 1800w, https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/gegen_die_romantik_des_herrschens_2c-300x276.png 300w, https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/gegen_die_romantik_des_herrschens_2c-1024x942.png 1024w, https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/gegen_die_romantik_des_herrschens_2c-768x707.png 768w, https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/gegen_die_romantik_des_herrschens_2c-1536x1413.png 1536w, https:\/\/simorgh.de\/sprechen\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/gegen_die_romantik_des_herrschens_2c-1200x1104.png 1200w\" sizes=\"(max-width: 1800px) 100vw, 1800px\" \/><\/a><em>Im Universum, im Wald, Du \u00fcberlebst h\u00f6chstens Dich selbst. Jagd, Herrschaft, das Natur-Missverst\u00e4ndnis: Bushcraft unter Schwerkraftbedingungen<\/em><\/p>\n<p>Aus dem Tagebuch eines Druiden. F\u00fcr die, die hier nicht (mehr) mitspielen.<\/p>\n<p>In einer Welt, in der kaum noch etwas wild ist, feiert der Mensch sein \u201eSurvival\u201c.<br \/>\nNicht einmal im Jahr. Nein \u2013 regelm\u00e4\u00dfig, obsessiv. Als Lifestyle.<br \/>\nBushcraft als Hobby. Mikroabenteuer im Wald. Biwakieren auf abgek\u00e4mpfter Erde.<br \/>\nWas sich wie R\u00fcckkehr zur Natur inszeniert, ist oft nichts anderes als permanente St\u00f6rung.<br \/>\nEine Inbesitznahme. Eine weitere Kolonialisierung der letzten R\u00fcckzugsorte.<\/p>\n<p>Die Natur wird zur B\u00fchne f\u00fcr ein Ich, das sich sp\u00fcren will.<br \/>\nDiese Szene \u2013 sie kooperiert l\u00e4ngst mit der Jagd.<br \/>\nSie verbr\u00fcdert sich mit F\u00f6rstern, Wildtierbeauftragten, Kontrollinstanzen.<br \/>\nSie spricht von Respekt \u2013 und meint Reglement.<br \/>\nSie spricht von Freiheit \u2013 und meint Zutrittsrechte.<\/p>\n<p>Bushcraft, Survivaltraining, Outdoorromantik \u2013 das sind keine Ausbr\u00fcche.<br \/>\nDas sind einstudierte \u00dcbungen in Selbstvergewisserung.<br \/>\nDer Mensch, der wissen will, dass er noch kann \u2013 sich durchschlagen, dominieren, entscheiden.<br \/>\nNicht, weil es n\u00f6tig ist \u2013 sondern weil es sich gut anf\u00fchlt.<\/p>\n<p>Aber was wird da eigentlich \u00fcberlebt?<\/p>\n<p>Nicht das Tier. Nicht der bedrohte Lebensraum.<br \/>\nSondern das Bild vom Menschen, das sich immer wieder neu behaupten muss \u2013 gegen eine Welt, die er nicht versteht, und deshalb kontrollieren will.<\/p>\n<p>Und dann kommt die Jagd.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Tiere fliehen, spielen Menschen Raubtier.<br \/>\nAber der Mensch ist kein Raubtier.<br \/>\nEr will sich eines nennen \u2013 aber das ist eine Pose. Eine Fiktion.<\/p>\n<p>Der Mensch ist ein Herrschaftswesen.<br \/>\nNicht, weil es in seiner Natur liegt. Sondern weil er sich diese Natur ausgedacht hat \u2013 als Erz\u00e4hlung, als Ideologie, als Begr\u00fcndung f\u00fcr Kontrolle.<\/p>\n<p>Er glaubt, Tiere seien instinktgetriebene Maschinen.<br \/>\nEr nennt sie \u201ewild\u201c, \u201einstinktiv\u201c, \u201eniederrangig\u201c.<br \/>\nDoch was er \u00fcber Tiere wei\u00df, ist durchzogen von Jahrtausende alten Projektionen.<br \/>\nEr sieht, was er sehen will.<br \/>\nEr spricht \u00fcber sie mit den Vokabeln von Besitz, Kontrolle, Brauchbarkeit.<\/p>\n<p>Tiere \u2013wir sagen: Animal Sapiens \u2013 sind f\u00fchlende, lernende, komplexe Subjekte.<br \/>\nSie leben in Erkenntniskontexten, so komplex, dass wir sie kaum begreifen \u2013 und nicht einmal wahrnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die vielbeschworene \u201eF\u00e4higkeit des Menschen zur Empathie\u201c ist kein Alleinstellungsmerkmal.<br \/>\nSie ist Teil seiner Wahrnehmung \u2013 genau wie bei anderen Tieren auch.<br \/>\nWas den Menschen unterscheidet, ist nicht, dass er unterscheiden kann \u2013<br \/>\nsondern wie er unterscheidet,<br \/>\nund was er daraus macht.<\/p>\n<p>Und genau hier liegt der Bruch:<\/p>\n<p>Denn sobald verschiedene Haltungen zum Leben auf dieser Erde existieren \u2013<br \/>\nwenn die einen sagen \u201eWir m\u00fcssen t\u00f6ten, um zu sch\u00fctzen\u201c und die anderen \u201eWir m\u00fcssen sch\u00fctzen, um das T\u00f6ten zu beenden\u201c \u2013<br \/>\ndann ist der Mythos einer gemeinsamen, nat\u00fcrlichen Ordnung zerbrochen.<\/p>\n<p>Es gibt eine Grunddifferenz.<\/p>\n<p>Zwischen denen, die erkennen, dass ihre eigene Landkarte \u00fcber das Leben falsch ist \u2013<br \/>\nund denen, die diese Karte zur Wahrheit erkl\u00e4ren.<br \/>\nZwischen denen, die bereit sind, Falsches\/Unrecht zu verlernen \u2013<br \/>\nund denen, die lieber verwalten, verwerten, verteidigen.<\/p>\n<p>Der Mensch ist nicht \u201eein Tier an der Spitze, das den Gegensatz zu den anderen Tieren, die an ihm zu messen w\u00e4ren, an seinen Ma\u00dfst\u00e4ben und ihm unterzuordnen w\u00e4ren, weil dieses Tier an der Spitze zu aller Herrschaftsmacht und -gewalt f\u00e4hig ist\u201c.<br \/>\nEr ist wenn dann ein Wesen unter anderen Wesen \u2013 aber eben eines, das sich selbst zum alles beherrschenden Zentrum der Welt bestimmt hat, durch gewaltsame Unterwerfung alles Lebendem.<br \/>\nDas muss nicht so bleiben und es h\u00e4tte nie so sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Wir leben nicht alle im selben Verh\u00e4ltnis zur Natur.<\/p>\n<p>Es gibt Menschen, die in den Wald gehen, um zu helfen.<br \/>\nDie sehen, was geschieht \u2013 Vertreibung, Verst\u00f6rung, Zerschneidung, Zerst\u00f6rung.<br \/>\nDie verstehen, dass \u201eWildnis\u201c heute nicht Abenteuer hei\u00dft, sondern Verantwortung.<\/p>\n<p>Und es gibt die anderen.<br \/>\nDie sich nochmal sp\u00fcren wollen, die ihre Identit\u00e4t so realisieren wollen.<br \/>\nDie Natur brauchen und missbrauchen als Projektionsfl\u00e4che f\u00fcr ihre stereotypen Konzepte von St\u00e4rke, Kontrolle, Behauptung.<br \/>\nDie nicht h\u00f6ren, nicht sehen, nicht anerkennen, dass sie Teil eines Problems sind, dass sie faktisch Antinatur sind, weil Natur nicht Kampf ist, und dass kein Utensil ein Ersatz f\u00fcr die reale Weisheit ist, die sich ihnen bestimmt nicht erschlie\u00dfen wird, mit ihrer selbstverliebten Komplott artigen, menschlich gearteten Hybris.<\/p>\n<p>Wir teilen eine Generation \u2013 aber nicht die Haltung.<br \/>\nWir begegnen uns alle auf dieser einmaligen Erde \u2013 aber euer Blick ist euer geistiges Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Und kein Tarnmittel, keine Outdoorromantik, kein naturschutzbem\u00e4ntelter Jagdschein wird \u00fcberdecken k\u00f6nnen, dass eure Wahrheit einfach nur eure Wahrheit ist.<\/p>\n<p>Die Natur braucht keine drachent\u00f6tenden Helden.<br \/>\nKeine Tierkinder ihrer Eltern beraubenden J\u00e4ger.<br \/>\nKeine \u201e\u00dcberlebenden\u201c.<br \/>\nSie braucht ganz im Gegenteil Menschen, die ihr verachten, Menschen die bereit sind, der Natur gegen\u00fcber abzur\u00fcsten.<br \/>\nInnerlich wie \u00e4u\u00dferlich.<\/p>\n<p>\u2013 F\u00fcr eine Natur jenseits der Herrschaft. Gegen Jagd. Gegen Kontrollfetisch. F\u00fcr eine radikale spezies\u00fcbergreifende Koexistenz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erster Entwurf, 19.05.2025 Im Universum, im Wald, Du \u00fcberlebst h\u00f6chstens Dich selbst. Jagd, Herrschaft, das Natur-Missverst\u00e4ndnis: Bushcraft unter Schwerkraftbedingungen Aus dem Tagebuch eines Druiden. F\u00fcr die, die hier nicht (mehr) mitspielen. In einer Welt, in der kaum noch etwas wild ist, feiert der Mensch sein \u201eSurvival\u201c. Nicht einmal im Jahr. Nein \u2013 regelm\u00e4\u00dfig, obsessiv. 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