Welche Gruppenzugehörigkeit hast Du so von der Gesellschaft vermacht bekommen?

Gesellschaft als Wirrwarr: Macht, Anpassung und das Trugbild geordneter Strukturen. Dass Besitzverhältnisse völlig ohne Akteure im Raum ständen und gestrebt wird im sozialdarwinistischen Kampf, ist eine Sache. Und dann ist da noch die Sache mit dem Bürger.

Die gängige Vorstellung, unsere Gesellschaft sei in Hinsicht zivilgesellschaftlicher Mitten eine geordnete Zivilisation, in der Normen, Ordnung und Verantwortung konsistent wirken, ist ein relatives Trugbild. Tatsächlich entstehen gesellschaftliche Strukturen nicht primär durch Einsicht, sondern durch Macht, Anpassung und die subtilen Dynamiken des Mitläufertums auf der ganzen vertikalen Trittleiter. Soziale Macht ist das gegenseitige Fressen von allem, was so hinter und unter sich gelassen werden soll.

Wer sich in bestehende Wissens- und Machtgebilde einpasst, soziale Signale korrekt deutet und Netzwerke bedient, wird seine Privilegien erhalten und verteidigen – gerade nicht durch ethische Einsicht, sondern durch Status, Gratifikation und institutionelle Anerkennung. In diesem Sinne funktionieren soziale „Eliten“ und Mittelschichten vor allem auch über ihre Fähigkeit, konform zu agieren und sich wechselseitige verdiente Vorteile zu sichern.

Soziale Gerechtigkeit dient dabei eben auch als ein hohles Alibi: Sie überdeckt reale Mechanismen von Konformität, Gatekeeping und gegenseitiger Absicherung.

Gleichzeitig wird technisches Können (MINT-Fächer, Effizienzdenken) als Maßstab gesellschaftlicher Intelligenz gefeiert, obgleich es in ökologischen, umweltethischen oder tierethischen, also mitweltethischen Fragen an Grenzen stößt – solange menschliche Systeme primär auf Selbsterhalt und Konsum ausgerichtet bleiben, und das bleiben sie mehrheitlich, weil das Denken nicht mehr hergeben möchte, die Haltung nur in diese Richtung will.

Die gesellschaftliche Realität ist ein komplexes Wirrwarr aus Macht, sozialen Rollen, „psychologischen Anreizen“ und normativen Trugbildern. Die Ordnung, die wir für selbstverständlich halten und vorgeben auch immerfort fortzuführen zu wollen, existiert nur als Annahme – als Projektion eines immerhin doch selektiv geordneten Systems, das zugleich die ethische Verantwortung gegenüber der Welt und ihren Lebewesen sowieso nicht abbildet.

 

 

 

 

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