The Message
Kapitalismus als Anti-Love
Kritiker bemängeln, dass im modernen Mainstream-Rap der Kapitalismus nicht mehr hinterfragt, sondern wie eine Religion gefeiert wird.
Ach
Der Wert des Menschen: Der eigene Status und Erfolg werden fast ausschließlich über Luxusgüter definiert (Sportwagen, Rolex-Uhren, Designerkleidung).
Abkehr von den Wurzeln: Hip-Hop verstand sich historisch oft als Protestbewegung gegen das Establishment und soziale Ungerechtigkeit. Durch die totale Fokussierung auf Geld und Statussymbole wird diese ursprüngliche DNA der Kultur laut Kritikern komplett ausgehöhlt.
Als das Gleiche
Deutschrap hat sich von einer reinen Musikrichtung zu einer gigantischen Produkt-Maschinerie entwickelt. Rapper verkaufen heute eigene Eistees, Pizzen, Modemarken oder eröffnen Barber-Shops und Tätowierstudios.
Dann
Die Argumentation, dass die Kommerzialisierung der Rhetorik des Schwarzen Hip-Hop (insbesondere im westlichen Mainstream oder im weißen Deutschrap) neokoloniale Züge trägt, stützt sich im Kern auf folgende Mechanismen:
… und wenn erfolgreiche Deutschrapper mit familiären Wurzeln in mehrheitlich muslimischen Ländern (wie der Türkei, dem Libanon, Marokko oder Tunesien) diese Rhetorik des US-amerikanischen, Schwarzen Hip-Hops eins zu eins übernehmen, entsteht eine doppelte Verschiebung.
Sie tun oft so, als sei ihre Situation exakt dieselbe – und diese Argumentation greift aus mehreren Gründen zu kurz …
Sie nutzen die Rhetorik z.B. der Black-Lives-Matter-Bewegung oder des US-Ghettos („Hustle“, „Gegen das System“, „Unterdrückung“), um ihre eigenen Erfahrungen in Deutschland zu beschreiben.
Das setzt die Erfahrung der transatlantischen Sklaverei, der Segregation und des tief verankerten institutionellen Rassismus in den USA mit den Bedingungen von Gastarbeiter- und Geflüchteten-Generationen in Westeuropa gleich, was kulturgeschichtliche sowie historische Spezifika komplett verwischt.
Der kapitalismusverherrlichende Teil des Deutschraps hat die politische Kritik aber nicht überwunden, sondern monetarisiert. Das Narrativ der Ausgrenzung erzeugt Authentizität, Authentizität erzeugt Reichweite, Reichweite erzeugt Kapital. Die Emanzipation endet beim Statussymbol.
Hier zeigt sich auch das größte Paradoxon: Diese Rapper inszenieren sich oft als „Staatsfeinde“ oder „Outlaws“ außerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft. In Wahrheit sind sie jedoch die am besten integrierten Akteure des kapitalistischen Marktes.
Für Jugendliche ist diese Erzählung extrem attraktiv. Sie bietet eine Projektionsfläche: Man kann sich gleichzeitig als „Rebell“ fühlen (weil man die Musik der vermeintlich Unterdrückten hört) und dennoch dem Traum von maximalem materiellen Wohlstand nacheifern.
Es ist eine Sache, sich bewusst dafür zu entscheiden, Musik rein als Geschäft zu betrachten und damit Millionär werden zu wollen. Eine völlig andere Sache ist es jedoch, sich gleichzeitig das moralische Gewand eines Rebellen, Staatsfeinds oder Sprachrohrs der Unterdrückten überzuwerfen.
Mich persönlich interessieren die Lebensentwürfe dieser Szene lediglich in Bezug: 1. Fakeness und 2. Was wird hier an Konsumgesellschaft verstärkt, statt was zu mindern.
Peinlich, dass „der Deutschrap“ sich in seiner Realität nie zu einem würdigen Ableger entwickeln konnte. Zu brav, wohl.
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