Grundmusterfragen

Der Nationalsozialismus und die völkische Bewegung definierten Jüdinnen und Juden explizit als „fremdrassisch“ und als das ultimative „Andere“, das den angeblich homogenen deutschen „Volkskörper“ bedrohe. Antisemitismus und Rassismus waren ideologisch untrennbar miteinander verwoben.

Im Kontext mit instrumentellem Philosemitismus …

Während Jüdinnen und Juden historisch als die „Fremden im Inneren“ galten, werden heute Muslime und Migranten aus dem Nahen Osten als das primäre „Sicherheitsrisiko“ und die Träger des Antisemitismus markiert. Jüdische Menschen werden dabei von nicht-jüdischen Deutschen quasi als Schutzschild benutzt: Man verteidigt „die Juden“, um umso härter gegen Migranten argumentieren zu können.

Die völkische Struktur des Denkens – das Aufteilen der Gesellschaft in „wir, die dazugehören“ und „die Fremden, die eine Bedrohung sind“ – wird nicht überwunden.

Wer den Antisemitismus von seinen rassistischen und völkischen Wurzeln trennt, tut dies oft, um das heutige jüdische Leben im Dienst einer nationalistischen oder anti-migrantischen Agenda zu vereinnahmen. Das historische Paradoxon ist perfekt: Die Enkel derer, die Juden als „Aliens“ vernichteten, erklären Juden heute zu „Biodeutschen“, um neue Gruppen zu „Aliens“ zu machen.

Auffällig ist, dass dies jener Geschichtsverzerrung ähnelt, die sich auch in manchen antisemitischen Diskursen findet, in denen die rassistische und völkische Natur des nationalsozialistischen Antisemitismus geleugnet oder relativiert wird. Obwohl die politischen Motive unterschiedlich sind, wird in beiden Fällen die Geschichte jüdischer Verfolgung den jeweiligen ideologischen Bedürfnissen untergeordnet.

Und schließlich gerät dabei aus dem Blick, dass der nationalsozialistische Antisemitismus nicht isoliert existierte. Er war eingebettet in ein umfassendes völkisch-rassistisches Weltbild, das sich gegen Polen, Russinnen und Russen, andere slawische Bevölkerungen, gegen als „asiatisch“ konstruierte Menschen sowie gegen weitere rassifizierte Bevölkerungsgruppen richtete. Die zugrunde liegenden Muster waren vergleichbar: die Herstellung eines angeblich homogenen „Volkskörpers“, die Konstruktion von „Fremden“ und „Feinden“ sowie die damit verbundene Entmenschlichung und Entrechtung.

 

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