Ein linker Warenfetisch

Der linke Warenfetisch ist die Warenform der Emanzipation. Er bezeichnet die Verwandlung emanzipatorischer Ideen in Waren. Was gesellschaftliche Verhältnisse verändern wollte, erscheint nun selbst als Produkt, Marke und ökonomisches Kapital. Die Folge ist eine Entpolitisierung: An die Stelle gesellschaftlicher Veränderung tritt die symbolische Funktion. Emanzipation wird zur Identität, zur Ästhetik oder zum Kommunikationswert – ihre kritische und transformierende Kraft wird in die Logik von Markt, Image und Konsum integriert.

Der Haken, über den man aktuell stolpert, ist,
dass Geldwerte > Werte rauben. Heißt: Der Warenfetisch ist an dieser Stelle deshalb nicht nur die Verwandlung von Ideen in Produkte. Er beruht auf einer tieferen Verschiebung: Alles wird zunehmend danach betrachtet, welchen messbaren Wert es besitzt, während andere Formen von Wert in den Hintergrund treten. Wo der Geldwert zum Maßstab für alles wird, verliert eine Gesellschaft den Blick dafür, dass nicht alles, was einen Preis hat, auch einen Wert besitzt – und nicht alles, was keinen Preis hat, wertlos ist.

 

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