Darstellungsfreiheit

Darstellungsfreiheit

Darstellungsfreiheit bedeutet allein noch keine eine Veränderung der Wahrnehmungsordnung

Die viel beschworene Kunstfreiheit ist ein hohes Gut – aber sie ist nicht automatisch ein Gegenmittel gegen gesellschaftliche Grundannahmen. Sie kann auch dazu führen, dass Widersprüche innerhalb eines bestehenden Systems ästhetisch verarbeitet werden, ohne dass die Bedingungen ihrer Entstehung grundsätzlich verändert werden.

So können in demselben kulturellen Raum sowohl die Corporate-Welt einer entpolitisierten Verwertungslogik als auch ein Humanismus bestehen, dessen Menschenbild weiterhin den Menschen als Ausnahme- und Herrschaftszentrum begreift. Beide erscheinen unterschiedlich, können aber innerhalb derselben Ordnung zirkulieren.

Die eigentliche Herausforderung liegt deshalb tiefer: Nicht nur darin, mehr Stimmen sichtbar zu machen, sondern darin zu fragen, welche Vorstellungen vom Menschen, von Natur und von anderen Lebewesen diese Sichtbarkeit überhaupt strukturieren.

Die nächste Erweiterung ethischer Perspektive besteht nicht darin, den Humanismus abzuschaffen, sondern sein Menschenbild zu überschreiten: weg vom Menschen als Ausnahme und Herrschaftszentrum, hin zum Menschen als Teil eines sozialen und lebendigen Gefüges.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.