Categories
Familie allgemein

Alte Kunst wahren

Aus gegebenem Anlass:

Sehr geehrter Herr Dr. Splitter,

Manucher Jamali ist das schriftstellerische Pseudonym von meinem Vater Mohammad Yegane Arani.
Meine Eltern betrieben früher eine Zeitlang die “Galerie für griechische-, römische und byzantinische Kunst”.
Herr Prof. Peter Gercke kann Ihnen bestimmt Auskunft über vermutlich relevante Zusammenhänge geben.

Antike Kunst und wie sie in welche Museen gelangte, ist ein wirklich kompliziertes Thema. Wo sie heute zu sehen sein sollte und wer darüber die Entscheidungshoheit haben sollte, wäre bestimmt sinnvoll auf internationaler Ebene, in Sinne des Welterbes, zu entscheiden, und nicht so sehr auf Grundlage heutiger nationaler Grenzen.

Mit freundlichen Grüßen

Gita Yegane Arani

Tschördy, Azadeh und Saline, Jahrgang 1, Nr. 4, November 2022, S. 42 >

Mit Grüßen an: es muss gesagt werden

Greek antiquity is considered Turkish property when excavated in their territory

… it should really belong to Greece or be world heritage. Claims based on today’s territories are questionworthy either …

#archaeology #specifics #claimsonhistory

Meine Eltern betrieben als sie jung waren mit ich finde großem Erfolg die

„Galerie für griechische, römische und byzantinische Kunst“ in Frankfurt am Main und in London.

Heute besteht der allgemeine Streit über Raubkunst, und antike Kunst wird in die Herkunftsorte zurück überführt, in erster Linie aus Museen im Westen, wo sie häufig aus unterschiedlichen Gründen landeten.

Meinen Eltern ging es damals darum, besondere Stücke, die bereits im Markt waren, an Museen zu vermitteln. Es ging um Ausnahmekunst und meine Eltern recherchierten genaustens über archäologische Zusammenhänge. Sie widmeten ihr Leben künstlerisch, schriftstellerisch und philosophisch auch ihrem Interesse an der Antike, an alten Kulturen, Kulturgeschichte und geschichtlich wechselseitigen kulturellen Zusammenhängen.

Es ging meinen Eltern immer wieder darum, Stücke in die Museen zu bringen. Viele Antiken befinden sich in Privatsammlungen, die der Öffentlichkeit keinesfalls immer „automatisch“ zugänglich sind als Leihgaben in Museen.

In einigen Ländern wurde und wird Kunst heute zerstört und in manchen Ländern und Regionen wird gedroht damit alte Kunst auszulöschen – als politisches Druckmittel. Kunst wurde und wird auch weiterhin in herabschätzender Weise aus ihren Kontexten gerissen und in den illegalen Handel überführt.

Das wichtige ist meinen Eltern damals gewesen – und das geht wahrscheinlich selbst heute Interessierten so – Kunst zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Zu sagen jeglicher Handel mit antiker Kunst sei eine Beteiligung an Raubkunst ist meiner Meinung nach zu kurz gegriffen.

Meine Eltern stellten regelmäßig auf den großen Messen aus und waren ganz offiziell gewerbetreibende Galeristen antiker Kunst.

Was kleinere oder „unspektakulärere“ Artefakte und Fundstücke anbetrifft, ist mir bekannt, dass nicht mal unbedingt Museen – weder lokale noch internationale – dafür Interesse hatten. So blieb „Volkskunst“ „Volkskunst“, wenn Bauern etwas fanden und sowieso nicht wussten wohin damit, aber sehr wohl einen Sinn für die Wichtigkeit solcher Kulturschätze hatten. Hier wäre interessant zu klären, ob es zum Beispiel in diesen Fällen überhaupt Sinn macht, das als Raubkunst zu bezeichnen wenn sich für Kunst „aus dem Volk“ nicht unbedingt jedes Museum in der Welt reißt, Kunst und Archäologie so verschüttet gegangen wäre, wenn sie sich nicht auf viele verschiedenen Interessenten verteilen darf oder durfte?

Sicher kann man heute Dinge in Museen überführen, aber auch nicht einfach auf Grundlage heutiger Landesgrenzen. Ich halte das für fragwürdig.

Von Freunden aus dem musealen konservatorischen Bereich ist mir bekannt, dass in der Tat sich Museen teilweise von lokalen oder als weniger wichtig betrachteten Fundstücken trennen mussten, aber ich lasse das jetzt erstmal hier so stehen.

Miriam hat im Nebenfach übrigens auch Archäologie studiert und es war auch ihre große Leidenschaft. Auch ich fühle mich durch die Berührung mit alter Kunst auf diese Weise, wie sie in meiner Biographie stattgefunden hat, mehr mit Geschichte als etwas altem ‚Wurzeligem‘ verbunden, als mit Fragen des Zeitgeists.

Das Thema alte Geschichte, Archäologie, Kontinuitäten und Renaissancen ist mir ein in der Orientierung helfender goldener Faden. Aber in freier, eigener und kritischer Herangehensweise.

Ganz gewiss bedarf es auch in der Geschichtsforschung und Archäologie zahlreicher perspektivischer Erweiterungen und Infragestellungen von mancherlei gängigem Geschichts- und Kulturverständnis. Man denke allein an die ewige Litanei darüber was Hochkultur und was nicht Hochkultur gewesen sei, und wie die Rahmen in Forschungen überhaupt gesteckt werden und zu welchen Ergebnissen man logischerweise und inakzeptablerweise so kaum kommen wird.

Geschichtsforscher*innen und Archäolog*innen divergieren in ihren Ansätzen und es kommt nicht unbedingt zu Zusammenführungen und Klärungen unterschiedlicher, und wirklich manchmal auch völlig entgegengesetzter Theorien (ein recht bekanntes Beispiel wäre dabei der Streit unter Ägyptologen, ob sie es mit einem echten Polytheismus oder mit einem ersten Monotheismus zu tun haben, wobei ich als Laie hier die Frage aufwerfen würde, warum z.B. das alte Ägypten nicht auf seine kulturellen allgemein-afrikanischen Elemente hin kontextualisiert wird? Eine beispielweise andere Frage wäre: waren die griechischen Statuen in der Antike nicht sensibler und/oder nuancierter bemalt als die heutigen farbflächigen Rekonstruktionen es suggerieren? Rekonstruktionen von Geschichte sind selbst in die kürzeren Vergangenheit hineinreichend immer ein wenig slippery slope, bei allem Einsatz interdisziplinärer Forschung, so finde ich.)

 

Leave a Reply