{"id":772,"date":"2014-03-23T02:51:10","date_gmt":"2014-03-23T02:51:10","guid":{"rendered":"http:\/\/simorgh.de\/about\/?p=772"},"modified":"2023-02-11T00:03:13","modified_gmt":"2023-02-11T00:03:13","slug":"sinclair-wenn-du-etwas-liebst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/about\/sinclair-wenn-du-etwas-liebst\/","title":{"rendered":"Jim Sinclair: Wenn du etwas liebst, t\u00f6test du es nicht"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/palang_ly_calf_2c.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3475\" src=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/palang_ly_calf_2c.png\" alt=\"\" width=\"710\" height=\"746\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/palang_ly_calf_2c.png 710w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/palang_ly_calf_2c-286x300.png 286w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/palang_ly_calf_2c-250x263.png 250w\" sizes=\"(max-width: 710px) 100vw, 710px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Wenn du etwas liebst, t\u00f6test du es nicht<\/strong><\/p>\n<p>Eine Antwort auf Temple Grandins Berichte \u00fcber ihre Arbeit f\u00fcr die Schlachtindustrie, insbesondere wie beschrieben in ihrem Buch \u201a<i>Thinking in Pictures<\/i>\u2019.<\/p>\n<p>Von Jim Sinclair<\/p>\n<p>Quelle <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20030122143344\/http:\/\/web.syr.edu\/~jisincla\/killing.htm\">https:\/\/web.archive.org\/web\/20030122143344\/http:\/\/web.syr.edu\/~jisincla\/killing.htm<\/a>\u00a0&gt; <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/20051124203852\/http:\/\/web.syr.edu\/~jisincla\/\">https:\/\/web.archive.org\/web\/20051124203852\/http:\/\/web.syr.edu\/~jisincla\/<\/a><\/p>\n<p><i>Jim Sinclair ist Aktivist_in im Bereich der Rechte von Menschen mit Autismus und Mitbegr\u00fcnder_in des Autism Network International, <a href=\"http:\/\/www.autreat.com\/\">http:\/\/www.autreat.com\/<\/a>.<\/i><\/p>\n<p><i>Der Titel des Originaltextes lautet: \u2018If You Love Something, You Don&#8217;t Kill It (1998) \u2013 a response to Temple Grandin&#8217;s writing about her work in the slaughter industry, especially as described in \u201cThinking in Pictures\u201d.\u2019 \u00dcbersetzung: Palang LY. Mit der freundlichen Genehmigung von Jim Sinclair.<\/i><\/p>\n<p>Wenn du etwas liebst, t\u00f6test du es nicht. Ich musste dazu keine Zeit in einer Dr\u00fcck- oder Umarmungsmaschine [A.d.\u00dc.: ein Ger\u00e4t f\u00fcr Autisten, das Grandin entwickelt hat, siehe <a href=\"http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hug_machine\">http:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Hug_machine<\/a>] verbringen, um das zu verstehen. Liebe hei\u00dft Nichtt\u00f6ten. Wenn du wei\u00dft, was ein anderes Lebewesen f\u00fchlt \u2013 nicht nur wie <i>du dich<\/i> f\u00fchlst, wenn du es ber\u00fchrst \u2013 dann wei\u00dft du, dass andere Lebewesen am Leben bleiben wollen. Es ist egal ob sie sich nicht vor dem Tod f\u00fcrchten, bevor sie begreifen was mit ihnen geschieht. In dem Moment, in dem das T\u00f6ten stattfindet, wissen sie es und sie wollen am Leben bleiben. Ich habe es gesehen und ich habe den Tod geschehen gesehen. Ich habe nicht so viel vom Tod gesehen, wie jemand, der sich obsessiv zu Schlachtfabriken hingezogen f\u00fchlt. Aber ich habe genug gesehen, um das zu wissen. Das Leben willigt nicht darin ein, get\u00f6tet zu werden. Um das zu wissen, brauche ich keinen Doktor in Tierwissenschaften.<\/p>\n<p>Sterben als ein nat\u00fcrlicher Prozess, ist nicht dasselbe, wie das T\u00f6ten eines gesunden Lebewesens. Ich habe pl\u00f6tzliches Sterben durch Verletzungen gesehen, und das langsame stufenweise Sterben durch das Alter oder Erkrankungen. Diese Dinge sind nicht dasselbe. (Ich bin niemals Zeuge eines absichtlich zugef\u00fcgten Todes gewesen, weil ich niemals parteilos dabeistehen und eine T\u00f6tung in meiner Gegenwart geschehen lassen w\u00fcrde.) Es ist irrelevant, ob eine Wissenschaftlerin mittleren Alters sagt, sie f\u00fcrchte den Tod nicht, und dass sie ihn als einen nat\u00fcrlichen Teil des Lebens verstehe. Fast alle der Lebewesen, bei deren gewaltsamen Lebensende sie mithilft, sind noch nicht ausgewachsen oder gerade erst ausgewachsen. Fast keines dieser Leben, ist seinem nat\u00fcrlichen Tode nah. Sie sind nicht dazu bereit zu sterben. Wenn jemand die Wissenschaftlerin mittleren Alters heute erschie\u00dfen, erstechen oder mit einem Elektroschock t\u00f6ten w\u00fcrde, dann w\u00fcrde sie vielleicht auch wissen, dass sie zum Sterben noch nicht bereit ist.<\/p>\n<p>Wenn man das Leben versteht, dann wei\u00df man, dass es weiterleben will. Wenn du das Leben unter deiner Ber\u00fchrung pulsieren f\u00fchlst, dann wei\u00dft du es ist ein Vergehen deine Hand anzusetzen um diesen lebendigen Puls zu beendigen. Wenn du etwas liebst, t\u00f6test du es nicht.<\/p>\n<p>Es gibt eine spezielle Technik, mit der der Henker seinen Knoten bindet, damit das Opfer durch einen Genickbruch sofort get\u00f6tet wird, statt langsam durch Strangulation. Ich nehme an, es ist ein Teil des beruflichen Wissens eines Henkers diesen Knoten richtig binden zu k\u00f6nnen. Diese Expertise macht den Henker aber nicht zu einer mitf\u00fchlsamen oder f\u00fcrsorglichen Person.<\/p>\n<p>Die Henkerschlinge, die Guillotine, der elektrische Stuhl, die Gaskammer und die t\u00f6dliche Injektion wurden alle dazu erfunden, um einen beabsichtigt zugef\u00fcgten Tod f\u00fcr das Opfer weniger schmerzhaft zu machen. Ich habe aber noch nie geh\u00f6rt, dass die Erfinder oder die Nutzer dieser Technologien als gro\u00dfe Humanitaristen gepriesen wurden. Ich habe niemals geh\u00f6rt, dass man sie f\u00fcr ihre gro\u00dfe Empathie gegen\u00fcber denen, deren Leben sie beendeten, pries.<\/p>\n<p>Es braucht mit Sicherheit einiges an Einfallsreichtum um neues Equipment zu erfinden. Ich bin ein recht intelligenter Mensch, aber mein Wissen \u00fcber Knoten beschr\u00e4nkt sich darauf meine Schuhe binden, einen Laufknoten und einen Kreuzknoten machen zu k\u00f6nnen. Ich binde diese Knoten so, wie andere es mir beigebracht haben; ich habe selber niemals eine eigene Art Knoten erfunden. Wenn ich versuchen wollte einen Knoten zu erfinden, der jemanden schnell und schmerzlos t\u00f6ten k\u00f6nnte, w\u00fcsste ich niemals wie ich das tun sollte. Wer auch immer diesen Knoten erfunden hat, verf\u00fcgte \u00fcber eine Art der Kreativit\u00e4t und Geschicklichkeit, \u00fcber die ich nicht verf\u00fcge.<\/p>\n<p>Aber wenn ich sie h\u00e4tte, dann w\u00fcrde ich sie f\u00fcr anderes gebrauchen. Ich h\u00e4tte es nicht n\u00f6tig einen Weg, wie man mit einem Knoten t\u00f6ten k\u00f6nnte zu erfinden, weil ich niemals bereit dazu w\u00e4re in irgendeiner Weise an der T\u00f6tung einer gefesselten und wehrlosen Person teilzuhaben. Geschick und Einfallsreichtum sind nicht dasselbe wie Empathie und F\u00fcrsorge.<\/p>\n<p>Und Liebe ist nicht das gleiche wie t\u00f6ten. Wenn du etwas liebst, t\u00f6test du es nicht. Es ist genau so einfach.<\/p>\n<p>1998 Jim Sinclair<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn du etwas liebst, t\u00f6test du es nicht Eine Antwort auf Temple Grandins Berichte \u00fcber ihre Arbeit f\u00fcr die Schlachtindustrie, insbesondere wie beschrieben in ihrem Buch \u201aThinking in Pictures\u2019. Von Jim Sinclair Quelle https:\/\/web.archive.org\/web\/20030122143344\/http:\/\/web.syr.edu\/~jisincla\/killing.htm\u00a0&gt; https:\/\/web.archive.org\/web\/20051124203852\/http:\/\/web.syr.edu\/~jisincla\/ Jim Sinclair ist Aktivist_in im Bereich der Rechte von Menschen mit Autismus und Mitbegr\u00fcnder_in des Autism Network International, http:\/\/www.autreat.com\/. 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