{"id":703,"date":"2014-02-21T02:20:08","date_gmt":"2014-02-21T02:20:08","guid":{"rendered":"http:\/\/simorgh.de\/about\/?p=703"},"modified":"2020-08-24T14:46:46","modified_gmt":"2020-08-24T14:46:46","slug":"praesentation-v-stanescu-warum-tiere-zu-lieben-nicht-reicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/about\/praesentation-v-stanescu-warum-tiere-zu-lieben-nicht-reicht\/","title":{"rendered":"Vasile Stanescu: Warum es nicht gen\u00fcgt, Tiere zu lieben: eine feministische Kritik."},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/vasile_stanescu.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/vasile_stanescu.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"720\" class=\"alignnone size-full wp-image-3488\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/vasile_stanescu.jpg 1280w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/vasile_stanescu-300x169.jpg 300w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/vasile_stanescu-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/vasile_stanescu-768x432.jpg 768w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/vasile_stanescu-250x141.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" \/><\/a><br \/>\n<strong>Warum es nicht gen\u00fcgt,\u00a0Tiere zu lieben:\u00a0eine feministische Kritik<\/strong><\/p>\n<p>Ein Vortrag, der die Ethik der \u201eTierliebe\u201c kritisiert, basierend auf feministischen und queeren Theorien. Von Vasile Stanescu.<\/p>\n<p>Originalfassung: <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nndAHEgwRmM\">http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nndAHEgwRmM<\/a><\/p>\n<p><em>\u00dcbersetzung: Palang Yegane Arani-Prenzel, mit der freundlichen Genehmigung von Vasile Stanescu.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/stanescu\/stanescu_warum_tiere_zu_lieben_nicht_ausreicht_7c.pdf\">Dieser Text als PDF<\/a><\/p>\n<p>Hallo. Mein Name ist Vasile Stanescu, und meine Pr\u00e4sentation tr\u00e4gt den Titel: \u201eWarum Tiere zu lieben nicht genug ist: eine feministische Kritik.\u201c Dies ist ein stark gek\u00fcrtzter Auszug eines Artikels, der in der n\u00e4chsten Ausgabe des <em>Journal of American Culture<\/em> erscheinen wird. \u00a0(<em>Why \u201cLoving\u201d Animals is Not Enough: A Response to Kathy Rudy, Locavorism, and the Marketing of \u201cHumane\u201d Meat<\/em>. Vasile Stanescu , <em>The Journal of American Culture<\/em>, Volume 36, Issue 2, pages 100\u2013110, June 2013,\u00a0<a href=\"http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/jacc.12017\/abstract\">http:\/\/onlinelibrary.wiley.com\/doi\/10.1111\/jacc.12017\/abstract<\/a>.)<\/p>\n<p>Dr. Kathy Rudy, eine Professorin f\u00fcr Frauenstudien an der Duke University, hat k\u00fcrzlich zwei Verteidigungsschriften f\u00fcr den Verzehr von Tieren ver\u00f6ffentlicht. Einen Artikel mit dem Titel \u201eLocavore, Feminismus und the Frage des Fleisches\u201c [<em>Locavores, Feminism, and the Question of Meat<\/em>], der im <em>Journal of American Culture<\/em> erschien, und ein Manuscript in Buchl\u00e4nge mit dem Titel: \u201eTiere lieben: Eine neue Form der Tierverteidigung\u201c [<em>Loving Animals: Toward a New Animal Advocacy<\/em>].<\/p>\n<p>Das wesentliche Argument in beiden Texten ist, dass die feministische Ethik die Aufzucht, T\u00f6tung und den Verzehr von Tieren zul\u00e4sst, solange man Tiere liebt, und man sie, solange sie leben, gut versorgt.<\/p>\n<p>Zudem behauptet Kathy Rudy, dass man diese Ziele der F\u00fcrsorge in den Praktiken des Locavorismus und in der \u201eHumanen\u201c\/\u201eArtgerechten\u201c landwirtschaftlichen Tierhaltung realisieren k\u00f6nnte. Hierzu f\u00fchrt sie die landwirtschaftliche Praxis der Kleinbauerin Catherine Friend als einen Beweis an; als Model daf\u00fcr, wie solch ein Bauernhof aussehen kann.<\/p>\n<p>In meiner Pr\u00e4sentation heute m\u00f6chte ich die Aussagen von Kathy Rudy und die Praktiken von Catherine Friend kritisieren, als emblematisch f\u00fcr eine gr\u00f6\u00dfere Bewegung, die den Feminismus mit Rechtfertigungen f\u00fcr einen fortgesetzten Konsum von Tierprodukten zusammenf\u00fchren will.<\/p>\n<p>Ganz in Gegenteil dazu glaube ich, dass gerade aus der Position sowohl der feministischen als auch der queeren Epistemologie heraus, wir die Aufzucht und die T\u00f6tung ganz gleich welcher Tiere, kritisieren m\u00fcssen, auch wenn solche Praktiken als \u201ehuman\u201c oder \u201eartgerecht\u201c gekennzeichnet werden.<\/p>\n<p><strong>Teil 1<\/strong><\/p>\n<p>Die landwirtschaftliche Tierhaltung verletzt die Rechte der Tiere auf die Bildung liebender Beziehungen zu anderen Tieren. In ihrem Manuskript mit dem Titel \u201eTiere lieben\u201c, stellt Kathy Rudy ihre Aussage zur Disposition, dass nichtmenschliche Tiere f\u00e4hig sind, Menschen zu lieben. Sie hebt dies auf folgende Weise lobend hervor:<\/p>\n<p>\u201eIch glaube, dass emotionale Bindungen mit echten Tieren, Verbindungen die auf Liebe und einem gemeinsamen Leben basieren, im Tierverteidigungsdiskurs mit einbeschlossen werden sollten, um eine besser Welt f\u00fcr die Tiere weiter zu erhalten und zu schaffen \u2026 bei dieser Herangehensweise an die Tierverteidigung geht es nicht nur um Menschen die Tiere lieben, sondern auch um Tiere die uns ebenso lieben. Hiermit w\u00fcrde man anerkennen, dass Tiere eine Wahl haben, und eine der vielen Walhm\u00f6glichkeiten die sie haben, ist liebend zu werden. Liebende Tiere.\u201c (Rudy, <em>Loving Animals<\/em>, xii)<\/p>\n<p>Doch wenn Tiere sich dazu entscheiden k\u00f6nnen, Menschen zu lieben (oder nicht zu lieben), dann k\u00f6nnen sie sich doch bestimmt auch dazu entscheiden, einander zu lieben? Und wenn Tiere einander lieben k\u00f6nnen (wie Rudy doch eigentlich selbst argumentieren m\u00fcsste), dann kann eine humane, \u201eartgerechte\u201c Agrarpraxis niemals wirklich existieren \u2013 auch wenn man den Tieren einen Namen oder ein wenig mehr Platz gibt.<\/p>\n<p>\u00dcber das Falsche am l\u00e4ndlichen Bild vom \u201eHappy Meat\u201c [\u201egl\u00fccklichen Fleisch\u201c], hat Alice Walker in ihrem Essay \u201eBin ich Blue? sagen meine Augen dir dies denn nicht?\u201c geschrieben [im Englischen bedeutet \u201ablue\u2019 sowohl blau als auch traurig]. In dieser Kurzgeschichte erz\u00e4hlt Walker von der Begegnung mit einem Pferd, das jedes der Kriterien aufweisen w\u00fcrde, die Rudy f\u00fcr eine humane, \u201eartgerechte\u201c Tierhaltung voraussetzt. So tr\u00e4gt dieses Pferd beispielsweise einen Namen, es ist gut gen\u00e4hrt, es wurde nicht geschlagen oder \u201emisshandelt\u201c und es verf\u00fcgt sogar \u00fcber zweitausend Quadratmeter an \u201esch\u00f6ner\u201c Fl\u00e4che Land, in denen es umher galoppieren kann.<\/p>\n<p>Dennoch lehnt Walker (die auch glaubt, dass Tiere lieben k\u00f6nnen und Emotionen haben), die Behandlung von Blue ab, weil das weibliche Pferd in das Blue sich verliebt hat, von ihm getrennt wurde. Hier ist wie Walker das Geschehnis, nachdem Blues Partner weggebracht wurde, beschreibt:<\/p>\n<p>\u201eEines Tages, nachdem ich in der Stadt gewesen bin, ging ich hinaus um Blue ein paar \u00c4pfel zu geben. Er stand dort, wartend, so dachte ich zumindest, aber nicht unter dem Baum. Als ich den Baum sch\u00fcttelte und vor dem Apfelregen zur\u00fccksprang, bewegte Blue sich nicht. Ich trug einige \u00c4pfel hin\u00fcber zu ihm, er schaffte es gerade mal einen halben zu zerbei\u00dfen, der Rest fiel zu Boden. Ich f\u00fcrchtete mich davor in seine Augen zu schauen, denn ich hatte mitbekommen, dass Brown seine Partnerin, nicht mehr da war. Doch nun schaute ich. Wenn ich in der Sklavenschaft geboren w\u00e4re und mein Partner verkauft oder get\u00f6tet worden w\u00e4re, dann h\u00e4tten meine Augen genau so ausgesehen. Die Kinder nebenan erkl\u00e4rten mir, dass Blues Partnerin \u201ezu ihm getan wurde\u201c (derselbe Ausdruck den die alten Leute gebrauchten, so bemerkte ich, wenn sie \u00fcber eine Vorfahrin sprachen, die w\u00e4hrend der Zeit der Sklaverei lebte und die von ihrem Besitzer geschw\u00e4ngert wurde) damit sie sich paaren und sie empfangen w\u00fcrde. Da das nun geschehen war, wurde sie von ihrem Besitzer, der woanders lebte, wieder zur\u00fcckgeholt.<\/p>\n<p>Wird sie zur\u00fcckkommen k\u00f6nnen? Fragte ich. Sie wussten es nicht.\u201c (Walker, s.u. S. 4-5; auch in <em>Living by the Word<\/em>)<\/p>\n<p>Und dies ist die Erfahrung, die Alice Walker zu dem Schluss bringt, dass selbst wenn Tierprodukte als \u201ehuman\u201c und \u201eartgerecht\u201c vermarktet werden, es immer noch unethisch ist, sie zu konsumieren.<\/p>\n<p><strong>Teil 2<\/strong><\/p>\n<p>Alle Formen landwirtschaftlicher Tierhaltung funktionieren mittels sexueller Gewalt. Catherine Friend ist eine engagierte Feministin, die sich einen eigenen kleinen Agrarbetrieb errichtet hat, um damit den traditionellen Gender-Rollen und der Heteronormativit\u00e4t entgegenzutreten. Sie repr\u00e4sentiert daher auch Kathy Rudys wichtigen Aufruf an \u201ejunge Frauen, Schwule und sexuell anders orientierte Menschen\u201c sich \u201eim Nahrungmittelaktivismus wiederfinden zu k\u00f6nnen\u201c (Rudy, <em>Locavores, Feminism, and the Question of Meat<\/em>, S. 35)<\/p>\n<p>Man w\u00fcrde annehmen, dass indem hier ein \u201ehumaner\u201c, \u201eartgerechter\u201c Standard f\u00fcr den Umgang mit Tieren entworfen werden soll, Handlungen, die ein gewaltsames Erzwingen sexueller Kopulation f\u00fcr ein Weibchen beinhalten, einen Bereich ethischen Bedenkens f\u00fcr sowohl Rudy and auch f\u00fcr Friend darstellen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Jedoch in genau dem Buch, das Rudy als Beispiel daf\u00fcr anf\u00fchrt, wie ein Bauernbetrieb ihrer Meinung nach w\u00fcnschenswerter Weise auszusehen h\u00e4tte, mit dem Titel: \u201e<em>Hit by a Farm<\/em>\u201c [etwa: \u201eAuf die Farm gekommen\u201c], halten Friend und ihrer Partnerin Melissa eine weibliche Ziege gewaltsam fest und zwingen sie zu dem, was man eindeutig als nicht-gewollten Sex bezeichnen kann, um dadurch mit ihrem Zuchtprogramm voranzukommen.<\/p>\n<p>In einem Kapitel mit dem Titel \u201eLasst uns einfach vergessen, dass dies jemals geschehen ist\u201c beschreibt Friend ihre Ma\u00dfnahme folgenderweise:<\/p>\n<p>\u201eAls wir bei Mary waren, f\u00fchrten wir Ambrosia [Friends weibliches Schaf] zu dem umgebauten H\u00fchnerhaus in einen Schuppen, der etwa 6 mal 3 Meter gro\u00df war mit einer T\u00fcr aus rohem Holz, und Bozeman [der Ziegenbock] kam herein gerauscht mit wilden Augen und hochgezogener Lippe bei der Wahrnehmung des Geruchs von Ambrosia. Unsere Ziege warf einen Blick auf diese Kreatur und begann zu laufen. Ich konnte ihr daraus keinen Vorwurf machen. Nicht nur, dass unkastrierte B\u00f6cke diesen schwer beschreibbaren unangenehmen Geruch abgeben, nein selbst der Kopf und der Nacken dieses Typen waren \u00f6lig, schmierig und \u00fcberzogen von irgendetwas Fauligem. Ambrosia nahm uns das nicht ab. Wer w\u00fcrde ihr daraus einen Vorwurf machen? Wir schauten f\u00fcnf Minuten lang dabei zu wie Bozeman sie umkreiste. \u201eIst das wie Ziegensex normalerweise funktioniert?\u201c fragte ich schlie\u00dflich. \u201eNein\u201c sagte Mary, \u201edas Weibchen steht normalerweise still. Ambrosia ist wahrscheinlich am Ende ihres Zyklus. Sie kann immernoch schwanger werden, aber sie will wohl nicht still stehen.\u201c \u201eIch glaube,\u201c seufzte Mary \u201ewir m\u00fcssen sie wohl festhalten.\u201c \u00c4rgerlich taten wir einen Schritt vor. Melissa griff nach Ambrosias Halsband, doch die riss sich fort. Mary und ich dr\u00e4ngten sie in eine Ecke, aber Ambrosia entwischte uns. Schlie\u00dflich mussten wir alle drei gleichzeitign ran, um sie zu fangen, und dann, unglaublich, hielten wir ihren Kopf und ihren Torso fest, w\u00e4hrend Bozeman durchgeknallt vor Lust, sich auf sie schwang und begann mit seinen H\u00fcften zuzusto\u00dfen. Keiner von uns sagte auch nur ein Wort, w\u00e4hrend Bozeman sich auf die vor ihm liegende Pflicht konzentrierte und Ambrosia emp\u00f6rt grummelte. Ich hielt meinen Atem an um Bozemans Geruch nicht einzuatmen. Schlie\u00dflich murmelte ich: \u201eKann ich mich nach dem, immer noch als Feministin bezeichnen?\u201c (Friend, <em>Hit By a Farm<\/em>, S. 146)<\/p>\n<p>Der blinde Fleck in sowohl Rudys als auch Friends Denken ist, dass sie die zentralen Punkte des Feminismus, der homosexuellen und qeeren Rechte (wie die der eigenen Kontrolle \u00fcber das eigene reproduktive Leben und die eigene sexuelle Wahl) nur auf menschliche Tiere beziehen. Doch, wie Carol Adams mit gro\u00dfem Nachdruck betont, sollte der Feminismus nicht einfach an der Speziesbarriere enden, und so sollten es auch nicht schwule, lesbische oder queere Rechte. Weiblichen nichtmenschlichen Tieren sollte die Wahl zustehen, selbst zu entscheiden, wer ihr sexueller Partner sein soll. Punkt!<\/p>\n<p>Lassen Sie uns keine Haarspaltereien betreiben oder in Euphemismen verfallen: jedes Tierprodukt, ungeachtet dessen ob es gekennzeichnet ist als \u201eFreiland\u201c-Erzeugnis, Bio, Regional oder \u201eartgerecht\u201c, jedes Tierprodukt beinhaltet sexuelle Gewalt. Alles Fleisch und alle Milchprodukte und Eier, sind Produkte vom Menschen sanktionierter sexueller Gewalt, und daher liegt hier ein Versto\u00df gegen die grundlegendsten Gedanken und Werte feministischer oder queerer Theorie vor, ganz gleich wem solch ein Bauernhof geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Wie Carolyn Zaikowski in einem Essay mit dem Titel \u201eDie Werkzeuge des Herrschers werden niemals auch des Herrschers \u201aRape Rack\u2019 demontieren\u201c geschrieben hat. [Ein \u201aRape Rack\u2019 bezeichnet eine Vorrichtung, in der Tiere zu \u201aZuchtzwecken\u2019 fixiert werden]<\/p>\n<p>(<a href=\"http:\/\/liferoar.wordpress.com\/2012\/05\/16\/the-masters-tools-will-never-dismantle-the-masters-rape-rack-feminism-and-animal-rights\/\">http:\/\/liferoar.wordpress.com\/2012\/05\/16\/the-masters-tools-will-never-dismantle-the-masters-rape-rack-feminism-and-animal-rights\/<\/a>)<\/p>\n<p>\u201eUnd hier ist die gro\u00dfe Frage. Die Frage, die ich nicht wirklich stellen will, weil sie mich zusammenzucken l\u00e4sst, meine Haut gefrieren l\u00e4sst und mein Herz mit Schrecken f\u00fcllt. Dies ist das Thema, durch das ich sowohl mit Feministinnen als auch mit dem Herrschenden immer und immer wieder in Konflikt gerate, vielleicht weil es das Ultimative so klar macht, das wir aber nicht bemerken sollen, n\u00e4mlich diese erschreckende Verbindung zwischen den \u00dcnterdr\u00fcckungsformen: Wusstet ihr, dass viele Bauern den Ort, an dem unsere nichtmenschlichen Schwestern k\u00fcnstlich besamt werden, informell ein \u201eRape Rack\u201c nennen?<\/p>\n<p>Das \u201aRape Rack\u2019 [etwa: \u201aBock zur Vergewaltigung\u2019].<\/p>\n<p>Sie nennen es tats\u00e4chlich das \u201aRape Rack\u2019. Dies ist kein Begriff, den ich konstruiert habe um zu schocken. Dieser Begriff entstammt unserer kollektiven Psyche, und derer der Landwirte. Und irgendeine Variante dieses Ger\u00e4ts, egal wie es genannt wird, ist ganz zentraler Bestandteil aller landwirtschaftlichen Tierhaltung; ob in der Permakultur oder in den Fabrikfarmen, regional oder weit abgelegen, \u201eartgerecht\u201c, human, ganz gleich wie. [\u2026] Feministische Visionen k\u00f6nnen in einer Welt, in der es \u201aRape Racks\u2019 gibt, keine Realit\u00e4t werden. Eine feministische Welt kann keine Welt sein, in der irgendwer, irgendein Leben, ob Mensch oder Tier, m\u00e4nnlich oder weiblich, schwarz oder wei\u00df, mit zwei oder vier Beinen, jemals, einfach aufgrund seiner Konstellation zu solch einem Paradigma definiert werden kann.<\/p>\n<p><strong>Schlussfolgerung<\/strong><\/p>\n<p>Von Liebe zur Gerechtigkeit<\/p>\n<p>Was mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet, ist, dass dieser Ausdruck des Gef\u00fchls der F\u00fcrsorge f\u00fcr Tiere dazu dient, die schlichte Realit\u00e4t zu maskieren, dass diese Tiere f\u00fcr die vollst\u00e4ndige L\u00e4nge ihres Lebens, allein als eine k\u00e4ufliche und verk\u00e4ufliche Ware leben, und g\u00e4nzlich nach der Laune ihrer sogenannten Besitzer zu existieren haben. Solch eine Sichtweise macht ein Thema sozialer Gerechtigkeit, das in den Gedanken der Tier-\u201eRechte\u201c einbegriffen ist, zu einem Thema blo\u00dfer Wohlt\u00e4tigkeit, die schlie\u00dflich kompromittiert und nach Willen aufgegeben werden kann.<\/p>\n<p>Diese Position stellt einen ganz besonders besorgniserregenden Fehler in der feministischen Theorie dar, die mich eigentlich gelehrt hat, der Rhetorik der \u201eLiebe\u201c und \u201eF\u00fcrsorge\u201c zu misstrauen, wenn strukturelle Gewaltsysteme und Unterdr\u00fcckung ungehindert weiter operieren k\u00f6nnen. Wie Catharine MacKinnon geschrieben hat, bez\u00fcglich der Gleicheit zwischen der \u201eLiebe\u201c zu Frauen und der \u201eLiebe\u201c zu Tieren:<\/p>\n<p>\u201eMenschen dominieren Tiere, M\u00e4nner dominieren Frauen. Beides ist eine Beziehung der Hierarchie, eine Ungleichheit, mit darin- und dazwischenliegenden Besonderheiten und Variationen. Jede Ungleichheit hat ihre eigenen Wurzeln, wird anders ausgespielt und ihr wird mit einem anderen Widerstand begegnet, aber Parallelen und \u00dcberschneidungen k\u00f6nnen hier aufschlussreich sein. Eine auffallende Entsprechung zwischen diesen beiden Hierarchien, ist eine ideologische: trotz der Beweise dessen, dass M\u00e4nner Frauen sozial dominieren, und Menschen andere Tiere, wird die Tatsache, dass Verkn\u00fcpfungen zwischen Dominierung und Unterordnung bei diesen beiden bestehen, zumeist negiert. [\u2026] Die Verneinung von sozialer Hierarchie innerhalb dieser beiden Beziehungen wird durch eine Sprache von Liebe und Schutz weiter aufrechterhalten, einschlie\u00dflich bei dem, was wir als die \u201ehumanen Bewegungen\u201c bezeichnen [A.d.\u00dc. \u201e<em>humane<\/em>\u201c ist eine Bezeichnung f\u00fcr \u201aTierschutz\u2019 und \u201atiersch\u00fctzerisch\u2019 im Amerikanischen]. Der Gedanke hierbei ist, dass die Liebe von M\u00e4nnern zu Frauen oder die der Menschen zu Tieren, die sie zu einem vermeintlich besch\u00fctzerischen Verhalten motiviert, die Dominierung mildert. [\u2026] Weder im Falle von Frauen noch im Bezug auf Tiere, hat die Abschaffung einer Missbrauchsform, an der zugrunde liegenden Verteilung von Macht irgendetwas ver\u00e4ndert. Frauen zu lieben, ist ein Fortschritt dem gegen\u00fcber, sie zu hassen, und ein liebevolles Verhalten zu Tieren, ist ein Fortschritt gegen\u00fcber der Gewalt gegen sie, aber nichts von beidem hat sie befreit oder ihrer Existenz in ihrem eigenen Sinne Anerkennung teilwerden lassen. (MacKinnon, <em>Women&#8217;s Lives, Men&#8217;s Laws<\/em>, S. 92)<\/p>\n<p>Solange Tiere Besitz sein k\u00f6nnen, gekauft, verkauft und nach den Launen ihrer sogenannten Besitzer behandelt werden k\u00f6nnen, wird das Konzept der Tierliebe kaum Auswirkungen haben. W\u00e4hrend einige sogenannten \u201eBesitzer\u201c entscheiden m\u00f6gen ihre Tiere besser zu behandeln als andere, so verst\u00e4rkt der Gedanke, dass Tiere \u00fcberhaupt \u201ebesessen\u201c werden k\u00f6nnen, doch die Ansicht, dass sie allein als ein menschliches Eigentum existieren, und, als solches, verliert das Konzept der Tierliebe [in jeglicher Form], seine Kraft als eine gesellschaftliche Kritik. Nur wenn wir in Begriffen des nicht allein Tiere liebens denken, sondern auch in Begriffen sozialer <em>Gerechtigkeit<\/em> f\u00fcr Tiere, k\u00f6nnen wir damit beginnen, die komplizierten Themen, die die nichtmenschlichen Tiere umgeben, zu navigieren.<\/p>\n<p>Wie bell hooks im Bezug auf den Feminismus schrieb:<\/p>\n<p>Ohne Gerechtigkeit kann es keine Liebe geben. (hooks, <em>Feminism Is for Everybody<\/em>, S. 149)<\/p>\n<p>Und dasselbe trifft zu, so w\u00fcrde ich argumentieren, f\u00fcr unsere Beziehung mit nichtmenschlichen Tieren.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>Adams, Carol J. <em>The Sexual Politics of Meat: A Feminist-Vegetarian Critical\u00a0<\/em><em>Theory<\/em>, Continuum : New York, 1990. Print.<\/p>\n<p>Friend, Catherine. <em>The Compassionate Carnivore, or, How to Keep Animals Happy, Save<\/em><\/p>\n<p><em>Old Macdonald&#8217;s Farm, Reduce Your Hoofprint, and Still Eat Meat<\/em>. Cambridge,\u00a0Mass.: Da Capo Lifelong 2009. Print.<\/p>\n<p>&#8212; <em>Hit by a Farm: How I Learned to Stop Worrying and Love the Barn.\u00a0<\/em>New York: Marlowe &amp; Co, 2006. Print.<\/p>\n<p>hooks, bell. <em>Feminism Is for Everybody: Passionate Politics<\/em>. Cambridge, MA: South End\u00a0Press, 2000. Print.<\/p>\n<p>MacKinnon, <em>Catharine A. Women&#8217;s Lives, Men&#8217;s Laws<\/em>. Cambridge, Mass: Belknap Press\u00a0of Harvard University Press, 2005. Print.<\/p>\n<p>Rudy, Kathy. \u201c<em>Locavores, Feminism, and the Question of Meat<\/em>,\u201d The Journal of American Culture. Volume 35, Issue 1, March 2012. Print.<\/p>\n<p>&#8212; <em>Loving Animals: Toward a New Animal Advocacy<\/em>. Minneapolis: University\u00a0of Minnesota Press, 2011. Print.<\/p>\n<p>Walker, Alice. <em>&#8220;Am I Blue?&#8221; Through Other Eyes: Animal Stories by Women<\/em>. Ed. Irene<\/p>\n<p>Zahava. Freedom, Calif: Crossing Press, 1988. Print.<\/p>\n<p><em>&#8212;<\/em><\/p>\n<p>Die Anmerkungen in den eckigen Klammern stammen von der \u00dcbersetzerin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Warum es nicht gen\u00fcgt,\u00a0Tiere zu lieben:\u00a0eine feministische Kritik Ein Vortrag, der die Ethik der \u201eTierliebe\u201c kritisiert, basierend auf feministischen und queeren Theorien. Von Vasile Stanescu. 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