{"id":459,"date":"2013-09-17T19:15:59","date_gmt":"2013-09-17T19:15:59","guid":{"rendered":"http:\/\/simorgh.de\/about\/?p=459"},"modified":"2018-04-09T14:01:44","modified_gmt":"2018-04-09T14:01:44","slug":"nichtmensch-objekt-mehrzweck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/about\/nichtmensch-objekt-mehrzweck\/","title":{"rendered":"Ein Nichtmensch, ein Objekt, ein Mehrzweck?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/peace.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1474\" src=\"http:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/peace.png\" alt=\"peace\" width=\"1111\" height=\"1111\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/peace.png 1111w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/peace-300x300.png 300w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/peace-1024x1024.png 1024w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/peace-250x250.png 250w\" sizes=\"(max-width: 1111px) 100vw, 1111px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Palang LY<\/p>\n<p><strong>Tiere als Nummern<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/nichtmensch-objekt-mehrzweck.pdf\" target=\"_blank\">Dieser Text als PDF<\/a><\/p>\n<p>Das kontroverse israelische Projekt <strong><a href=\"http:\/\/269life.com\/\">http:\/\/269life.com<\/a><\/strong> emphatisiert und subjektifiziert das Tier, das stellvertretend f\u00fcr das Tieropfer einer karnistisch-speziesistisch funktionierenden Gesellschaft steht, w\u00e4hrend solch ein Kunst- \/ Designprojekt wie das \u201e<strong>Pig 05049<\/strong>\u201c der Niederl\u00e4nderin Christien Meindertsma, das in ihrer Arbeit tokenisierte nichtmenschliche Tier entindividualisiert und objektifiziert.<\/p>\n<p><strong>Ein Nichtmensch, ein Objekt, ein Mehrzweck?<\/strong><\/p>\n<p>Der Guardian ver\u00f6ffentliche am 27. M\u00e4rz 2010 ein Essay des amerikanischen Autoren und Journalisten Bill Buford [1] \u00fcber eine Arbeit der niederl\u00e4ndischen Designerin Christien Meindertsma, in der sie Fotografien von Nebenprodukten aus der Fleischindustrie, als all das, was aus einem Schwein so gemacht wird, zentriert auf ein Tier: \u201ePig 05049\u201c, als Rohstoffquelle, darstellt.<\/p>\n<p>Aus Tierrechtssicht halte ich die Arbeit von Meindertsma f\u00fcr bedenklich, aus Gr\u00fcnden, die ich weiter unten anrei\u00dfen will. Der Artikel aus dem Guardian jedoch, sowie auch ein Artikel aus dem Stern \u00fcber eine Ausstellung Meindertsmas im Jahr 2008 zum \u201ePig 05049\u201c [2] und das gesamte Pressebild zu Meindertsmas Studien, machen aber bereits klar, warum die Arbeit der Designerin eine zweischneidige Angelegenheit ist, wenn sie derart problemlos (und d&#8217;accord mit unserem Alltagsspzeisismus), rezipiert werden kann, als eine willkommen gehei\u00dfene Ermutierung zur Objektifizierung von nichtmenschlichen Tieren im agraindustriellen Komplex.<\/p>\n<p align=\"center\">&#8212;<\/p>\n<p>Der Tierrechtler und Vorstand des europ\u00e4ischen Zweigs des <em>Animals and Society Institute<\/em> (<a href=\"http:\/\/www.animalsandsociety.org\/\">http:\/\/www.animalsandsociety.org\/<\/a>) <a href=\"http:\/\/www.kimstallwood.com\/\">Kim Stallwood<\/a>, h\u00e4lt zum Artikel Bufords \u00fcber Meindertsma\u00a0aus dem Guardian fest:<\/p>\n<p><strong>Das kleine Schweinchen beim Guardian<\/strong><\/p>\n<p>Ein interssanter Artikel im samstags erscheinenden farbigen Wochendmagazin des Guardian. Er bestand aus einem Fotoessay als Auszug aus dem Buch <em>Pig 05049<\/em> von Christien Meindertsma und einem Essay des Autoren Bill Buford. Interessant aus zweierlei Hinsicht.<\/p>\n<p>Zuerst: Das Fotoessay dokumentiert 185 (naja, einige) Produkte, die aus einem geschlachteten Schwein hergestellt werden, einschlie\u00dflich Apfelsaft (Gelatine), Puzzleteilen (Knochenleim) und Sandpapier (nochmals Knochenleim). Was immerhin beweist welche Herausforderung es darstellt, vegan zu leben. Einige w\u00fcrden behaupten es ist eine sinnlose \u00dcbung. Eine Unm\u00f6glichkeit. Ich w\u00fcrde sagen, dass der Weg zum Veganismus wichtiger ist, als die Ankunft am seinem Ziel.<\/p>\n<p>Der zweite interessante Punkt ist dieser: warum m\u00fcssen Menschen, die dar\u00fcber schreiben, dass sie bei der Schlachtung eines Tiere teilgenommen haben, den Akt immer romantisieren? Und das Ganze mit sentimentalem Quatsch aufladen, um den Anschein der Profundit\u00e4t zu erwecken? Buford schreibt zum Beispiel: &#8220;Das Blut sammelt sich in einem Eimer. Ich r\u00fchrte es damit es nicht koaguliert. Man gab mir eine Kelle und sagte, ich solle mal probieren. Ich war vom Geschmack \u00fcberrascht, der vital, energiespendend\u00a0und &#8216;gl\u00fccklich&#8217; war.&#8221; Was genau ist <em>gl\u00fccklich<\/em> am Probieren des Blutes eines Schweins, das man gerade get\u00f6tet hat? Und dann folgt diese pseudo-moralisierende und nichtssagende Entschuldigung f\u00fcr die Missetat. [3]<\/p>\n<blockquote><p>&#8220;Der Aufwand ben\u00f6tigte vier Mann. Das Schwein wusste was geschah. Sie war stark. Sie k\u00e4mpfte. Da gab es kein Schweinequieksen. Es war ein weit offener Schrei. Sie schrie laut und h\u00f6rte nicht auf, bis nachdem f\u00fcr einige Sekunden, und nicht mehr als einige Sekunden, in ihr Herz gestochen war. Der Schrei ging bis in die h\u00f6heren Klangregister; ein hochstimmiges, bellendes Klagen, das mein Gehirn nicht als normal herausrastern oder empfinden konnte. Dann, gerade als ich das Seil am Bein des Tieres festmachte, schaute sie mich an, ganz genau, und sah mir in die Augen. Weshalb mir? Vermittelte mein Gesicht unter den anderen Gesichtern dieser abgh\u00e4rteten Traditionalisten etwa Unbehagen? Der Halt funktionierte wie eine Klampe. Ich wollte mich abwenden. Tat es aber nicht.&#8221; [4]<\/p><\/blockquote>\n<p align=\"center\">&#8212; &#8212; &#8212;<\/p>\n<p>Wie konnten die Fotografien aus der Designarbeit von Meindertsma so problemlos in diesem Zusammenhang ihren Platz finden? Ist eine Auflistung und Darstellung von Tierk\u00f6rperteilen und der Stoffe, die aus ihnen gewonnen werden, bereits eine Stellungnahme in der einen oder anderen Weise?<\/p>\n<p>Meindertsma sieht in ihrer Arbeit &#8220;grunds\u00e4tzlich den Produktkatalog [eines] Schweins&#8221;. Das &#8220;sch\u00f6nste&#8221; findet sie, in einer TED Rede unter dem Titel: &#8220;Wie Teile vom Schwein die Welt zum Drehen bringen&#8221; (vom Juli 2010), ist die Verwendung der Herzklappe des Tieres, die eine Operation am menschlichen Herzen unter nur minimalstem Eingriff erm\u00f6glicht. Abschlie\u00dfend sagt sie, dass sie am meisten an Rohmaterialien insgesamt interessiert sei, und ein bisschen auch an Schweinen. [5]<\/p>\n<p><strong>Die \u00c4sthetik der Objektifizierung<\/strong><\/p>\n<p>Randy Malamud, Fellow am Institut f\u00fcr Tierethik der Uni Oxford, formuliert ein wichtiges Argument im Kontext mit einem Werkzyklus der t\u00fcrkischen K\u00fcnstlerin Pinar Yolacan (Titel: &#8220;Perishables&#8221;), in der H\u00fchnerk\u00f6rper als k\u00fcnstlerisches Ausdrucksmittel und Accessoire verwendet werden:<\/p>\n<p>&#8220;Ich frage mich, wenn ich durch Yolacans Linse auf eine Frau und ein Huhn blicke, eine Frau in einem Huhn: Wo ist das Huhn? Ja, das Tier ist da, aber da gibt es kein &#8220;da&#8221;. Das einzige huhnhhafte in diesen Bildern ist ein Negativum: die Abwesenheit eines Huhns, die Verh\u00f6hnung eines Huhns, die Zerst\u00f6rung eines Huhns, die perverse menschliche Transformation eines Huhns.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte damit nicht sagen, dass es die Last dieser Kunstwerke sein m\u00fcsse, das huhnhafte des Huhns zu hinterfragen, aber ich bin \u00f6kologisch emp\u00f6rt \u00fcber das durchdringliche Versagen menschlicher Kultur [\u2026] dabei, die Intergrit\u00e4t, das Bewusstsein, die echte Gegenwart anderer Tiere in unserer Welt ernsthaft anzuerkennen.&#8221; [6]<\/p>\n<p>Wie weit darf eine \u00e4sthetisierende Objektifizierung gehen, insbesondere auch dann, wenn sie unter anderem der Veranschaulichung dient, wie im Fall des Buches <em>Pig 05049<\/em> von Christien Meindertsma sowie bei anderen Designern, K\u00fcnstlern und deren Arbeiten, im Allgemeinen?<\/p>\n<p>Was Meindertsma anbetrifft: Als Veganer kennen wir alle Listen tierlicher Inhaltstoffe und ihrer Derivate. Eine partielle Liste im sch\u00f6n gemachten Format ist eigentlich nicht zweckdienlich, auch wenn sich \u00fcber \u00c4sthetik streiten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das Buch <em>Pig 05049<\/em> wird aber f\u00fcr 44 Euro bei enem veganen Onlinehandel feilgetobten. Aufmerksam wurde ich, nachdem ich sah, dass die Vegane Gesellschaft Deutschland es auf ihrer Fcaebook-Seite bewarb und keine Veganer_In dort Ansto\u00df am Ganzen nahm. [7]<\/p>\n<p>Es fehlt selbst Veganer_innen an Speziesismus-Sensibilit\u00e4t. Entindividualisierung, Objektifizierung, die \u00c4sthetisierung von Gewalt gegen Nichtmenschen, die vorgegebene Neutralit\u00e4t die wir h\u00e4ufig in den unterschiedlichen spezisistischen Rhetoriken\u00a0antreffen &#8211; auch im k\u00fcnstlerischen Format &#8230; all das sind Themen, mit denen wir uns viel mehr auseinandersetzen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&#8212;<\/p>\n<p>[1] Bill Buford: From one pig: 185 products, The Guardian, Saturday 27 March 2010 <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/artanddesign\/2010\/mar\/27\/from-one-pig-185-products\">http:\/\/www.theguardian.com\/artanddesign\/2010\/mar\/27\/from-one-pig-185-products<\/a>. Der Text wurde inzwischen wegen Ablauf der Nutzungsrechte von der Webseite des Guardian entfernt.<\/p>\n<p>[2] Albert Eikenaar: Eine tierisch versaute Idee, Der Stern 23. Juli 2008, <a href=\"http:\/\/www.stern.de\/kultur\/kunst\/ausstellung-eine-tierisch-versaute-idee-632030.html\">http:\/\/www.stern.de\/kultur\/kunst\/ausstellung-eine-tierisch-versaute-idee-632030.html<\/a><\/p>\n<p>[3] Kim Stallwood: Little Piggy at The Guardian, <a href=\"http:\/\/www.kimstallwood.com\/2010\/03\/29\/the-little-piggy-at-the-guardian\/\">http:\/\/www.kimstallwood.com\/2010\/03\/29\/the-little-piggy-at-the-guardian\/<\/a>. \u00dcbersetzung der Blogeintrags (ohne dem Zitat aus dem Guardian) Palang Y. Arani-May, mit der freundlichen Genehmigung von Kim Stallwood. Siehe hierzu auch: This little piggy&#8230; Christien Meindertsma photographs the 185 products that came from one pig, The Guardian, Saturday 27 March 2010, <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/theguardian\/gallery\/2010\/mar\/27\/185-products-one-pig-gallery\">http:\/\/www.theguardian.com\/theguardian\/gallery\/2010\/mar\/27\/185-products-one-pig-gallery<\/a><\/p>\n<p>[4] Bill Buford: From one pig: 185 products, a.a.O. <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/artanddesign\/2010\/mar\/27\/from-one-pig-185-products\">http:\/\/www.theguardian.com\/artanddesign\/2010\/mar\/27\/from-one-pig-185-products<\/a><\/p>\n<p>[5] TED, Christien Meindertsma: Wie Teile vom Schwein die Welt zum Drehen bringen <a href=\"http:\/\/www.ted.com\/talks\/christien_meindertsma_on_pig_05049.html\">http:\/\/www.ted.com\/talks\/christien_meindertsma_on_pig_05049.html<\/a><\/p>\n<p>[6] Randy Malamud: Vengeful Tiger, Glowing Rabbit, in: The Chronicle of Higher Education, July 23, 2012,\u00a0<a href=\"http:\/\/chronicle.com\/article\/Vengeful-Tiger-Glowing-Rabbit\/132951\/?cid=cr&amp;utm_source=cr&amp;utm_medium=en\">http:\/\/chronicle.com\/article\/Vengeful-Tiger-Glowing-Rabbit\/132951\/?cid=cr&amp;utm_source=cr&amp;utm_medium=en<\/a><\/p>\n<p>[7] Vegane Gesellschaft Deutschland, der betreffende Eintrag auf ihrer Facebookpage\u00a0<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/photo.php?fbid=589879337720155&amp;set=a.159698390738254.28272.154920631216030&amp;type=1&amp;theater\">https:\/\/www.facebook.com\/photo.php?fbid=589879337720155&amp;set=a.159698390738254.28272.154920631216030&amp;type=1&amp;theater<\/a><\/p>\n<p>Alle Zugriffe vom 17. September 2013.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Palang LY Tiere als Nummern Dieser Text als PDF Das kontroverse israelische Projekt http:\/\/269life.com emphatisiert und subjektifiziert das Tier, das stellvertretend f\u00fcr das Tieropfer einer karnistisch-speziesistisch funktionierenden Gesellschaft steht, w\u00e4hrend solch ein Kunst- \/ Designprojekt wie das \u201ePig 05049\u201c der Niederl\u00e4nderin Christien Meindertsma, das in ihrer Arbeit tokenisierte nichtmenschliche Tier entindividualisiert und objektifiziert. Ein Nichtmensch, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4,16,25],"tags":[13,7,29,39],"class_list":["post-459","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-konflation","category-speziesismus-in-der-kunst","category-veganes-selbstverstaendnis","tag-anthropozentrismus","tag-der-vegane-diskurs","tag-tierrechte","tag-von-der-heiligkeit-des-lebens"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/459"}],"collection":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=459"}],"version-history":[{"count":13,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/459\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2046,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/459\/revisions\/2046"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=459"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=459"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=459"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}