{"id":4481,"date":"2024-03-10T00:10:36","date_gmt":"2024-03-10T00:10:36","guid":{"rendered":"https:\/\/simorgh.de\/about\/?p=4481"},"modified":"2024-03-10T00:12:54","modified_gmt":"2024-03-10T00:12:54","slug":"speziesismuskompatible-veganer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/about\/speziesismuskompatible-veganer\/","title":{"rendered":"Von den speziesismuskompatiblen Veganern wegkommen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/tierrechtsethik.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/horch_farangis_sausage_eater_series_1a.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-564 size-full\" src=\"https:\/\/tierrechtsethik.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/horch_farangis_sausage_eater_series_1a.png\" alt=\"\" width=\"693\" height=\"495\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Verschiedene Ausgangspunkte &#8211; divergierende Zielsetzungen &#8211; Diskrepanzen zwischen Mainstreamdynamiken und minderheitlichen Kontinuit\u00e4ten &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Idealerweise sollten &#8216;<em>den-Veganismus-bewerbende-Menschen&#8217;<\/em> keine fleischproduzierenden tiermordenden Industrien u. Betriebe in direkter, bewusster Weise unterst\u00fctzen und dabei noch behaupten ethisch unterwegs zu sein.<\/p>\n<p>Auch sollte sich der vermeintliche vegane Mainstream fragen, wen er mit seiner konsumismusfokussierten Message eigentlich erreichen will und was er damit genau bewirken will: Wenn so stark auf Kaufkraft als Ausdruck veganen Handelns gesetzt wird, h\u00e4nge ich all die Leute ab, die \u00fcber wenig Kaufkraft verf\u00fcgen. Auch vermittle ich weitere gleicherma\u00dfen wenig hilfreiche Aussagen, wie die, dass Ver\u00e4nderung vor allen Dingen von der kaufkraftstarken Klientel in unseren Gesellschaften ausgehen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Diese Tendenzen im Veganismus haben uns bereits vor Jahren dazu veranlasst, das Label prim\u00e4r ausschlie\u00dflich zur Beschreibung einer ethischen Lebenspraxis zu verwenden, aber nicht mehr um die eigentlichen Ziele des Weges damit zu versuchen zu umschreiben.<\/p>\n<p>Vegansein sagt nicht ausreichend viel \u00fcber Dinge aus, die im Zusammenhang mit einer veganen Soziologie bedeutsam sind. Und es sagt noch nicht Weiteres dar\u00fcber aus, was ein Mensch ganz genau unter Tierrechten, unter Umweltschutz und auch unter Menschenrechten in den Zusammenh\u00e4ngen versteht.<\/p>\n<p>Allgemein begegnen wir einerseits eher links ausgerichteten Veganern und auf der einen Seite eher kapitalistisch-unkritischen oder konservativ orientierten Veganern.<\/p>\n<p>Den moralischen Impetus beziehen viele Veganer immer wieder aus der Vorgabe besonders tierethisch zu denken und zu handeln.<\/p>\n<p>(Oberfl\u00e4chlicher) Veganismus und &#8220;echter-Veganer-Sein&#8221; hat mit einem vern\u00fcnftigen Antispeziesismus erstmal so viel zu tun wie &#8220;tierliebender-B\u00fcrger-Sein&#8221; an und f\u00fcr sich. Weil: Sinn macht das Ganze erst in seinen <em>ethischen, sozialen, \u00f6kologischen und politischen Zusammenhangen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Was sind das f\u00fcr Veganer, die wenig Interesse an komplexen <em>ethischen, sozialen, (komplexeren) \u00f6kologischen und politischen Zusammenh\u00e4ngen<\/em> zeigen?<\/strong><\/p>\n<p>Es sind genau die gleichen Leute denen wir hier begegnen, die unter Tierrechten eine Art Mischung aus Streichelzoo und besserer Biologiestunde verstehen (wenn du Gl\u00fcck hast landest du dabei gerade mal auf dem Level einer einigerma\u00dfen gut gemachten Tierdoku im Stile multidisziplin\u00e4r erweiterter Zoologie). Es sind die gleichen Leute, die keine Argumente gegen Schlachtmobile anf\u00fchren und auch nicht gegen speziesistische Kunst.<\/p>\n<p>Es sind die Leute, die die Themen &#8220;Tiere in Agrarbetrieben&#8221; gegen &#8220;Tiere im Zoo&#8221; ausspielen; die K\u00fche, Schweine, H\u00fchner &#8230; in die Kontexte relegieren, in die Menschen diese Tiere erst hineinbef\u00f6rdert haben. Menschen, die eine vegane Landwirtschaft betreiben wollen, d.h. Land bewirtschaften und verwalten, ohne aber den Tieren Lebensraum anzubieten, die Ansto\u00df zu ihrem Veganismus waren &#8211; als sei das Leben dieser Tiere unabdingbar mit dem Gedanken der Agrarwirtschaft verbunden. Es sind die Leute, die Schutzrefugien f\u00fcr <em>alle Tiere<\/em> eben nicht grunds\u00e4tzlich einfordern.<\/p>\n<p>Es sind die Leute, denen der Speziesismus, den Pferde durchleben m\u00fcssen oder Kamele oder Emus, weniger wichtig ist, als ein veganes Mainstream-Image, das lieber erstmal \u00fcber &#8220;Tiere als Umweltproblem&#8221; und dem gegen\u00fcber &#8220;der zu erhaltenden Biodiversit\u00e4t&#8221; spricht, statt die unterschiedlichen Betroffenheiten verschiedener Tiere zu erkennen und auf der Grundlage gegebener Problematiken &#8211; jenseits eines eigenen menschlichen Nutzens &#8211; zu argumentieren und Abw\u00e4gungen\u00a0 im Sinne der Nichtmenschen zu treffen.<\/p>\n<p>Es sind auch genau die Leute, die sich dabei inszenieren, wie sie sich liebevoll einem Tier auf einem Lebenshof zuwenden. Leute, die Nichtmenschen wie einen relativ simplen Bed\u00fcrfniskatalog beschreiben und sich dabei antispeziesistisch vorkommen. Ein Weg-vom-Biologismus in Hinsicht auf Tiere ist f\u00fcr diese Leute kaum denkbar. Eine echte Tiersoziologie gibt es, jenseits von engen Definitionen, nicht in deren Denkwelten.<\/p>\n<p>Es sind die gleichen Leute, die meinen, ihre ver\u00e4nderte Lebensweise alleine w\u00e4re ein mutiges Statement. Indes trennen sie ein soziologisch relevantes Thema &#8211; den Veganismus &#8211; von all seinen wichtigen, vor allem auch global wichtigen Bezugspunkten.<\/p>\n<p>Beim Veganismus stehen zu bleiben macht Sinn, wenn man sich wichtigen sozialen und tierrechtsrelevanten Themen dabei nicht sperrt, und dabei auch noch allen Ernstes stolz behauptet, der eigene Starrsinn zeuge von einer Art Konsequenz und stringenter Meinung.<\/p>\n<p>Eine kaum nachvollziehbare Verengung und \u00fcbertriebene Vereinfachung von Zusammenh\u00e4ngen zu betreiben, w\u00fcrgt den Diskurs ab und verfehlt die M\u00f6glichkeit zur besseren Analyse &#8230; .<\/p>\n<p>Ohne den ganzen gro\u00dfen Komplex von Zusammenh\u00e4ngen in seinen politischen Dimensionen zu behandeln und damit auch zu arbeiten, ist das Gel\u00e4rme einfach weiterhin nur der Blinddarm einer Bewegung, die so oder so gesamtgesellschaftlich l\u00e4uft. Ansto\u00df sind unseres Eindruckes nach dabei keine menschlichen Eliten, sondern Ansto\u00df sind die Tierheit und die Tierlichkeit selbst.<\/p>\n<p>Der Mainstream hier geht von einer <em>kapitalistisch angepassten veganen Soziologie<\/em> aus, er geht nicht davon aus, dass eine ganze Welt in vern\u00fcnftiger Weise Pflanzen anbauen und bewahren k\u00f6nnen muss und satt werden k\u00f6nnen muss, und dass es nicht wirklich um Gaumenkitzel und Lustfresserei geht. Und dass Leute die cool markenm\u00e4\u00dfig rummampfen nicht unbedingt als vern\u00fcnftiges Vorbild dienen k\u00f6nnen, einfach weil so ein unterfangen viel zu zusammenhangslos dasteht und die Botschaft cool und pflanzlich, heute nicht mehr reicht: Wo ist au\u00dfer in dem Image denn da wirklich der Antispeziesismus, die Bek\u00e4mpfung von Klassismus und ein Umdenken in Sachen Wachstum und damit auch die Frage, wie Umweltschutz am vern\u00fcnftigsten umzusetzen w\u00e4re?<\/p>\n<p>Die agrarwirtschaftlichen- und Ern\u00e4hrungsfragen kann ich zudem nicht wirklich ernsthaft, symbolisiert \u00fcber meine Essgewohnheiten und meinen Appetit, dem Unrecht gegen\u00fcber Tieren in einem Zuge gegen\u00fcberstellen. Vegane Burger, Mett und Kram haben nichts mit Nahrungsmittelgerechtigkeit zu tun und eigentlich auch nur wenig effektiv etwas mit Tierrechten.<\/p>\n<p>Viele Leute haben das mit dem veganen Lebensmittelkonsum f\u00fcr sich so gel\u00f6st, dass sie dadurch mit noch mehr \u00dcberzeugung ihre allseits bekannte kognitive Dissonanz kultivieren\u00a0 k\u00f6nnen. Wobei es bei ihnen noch nicht mal mehr eine kognitive Dissonanz ist, wenn sie beispielsweise speziesistische Kunst geil finden, gerne vielleicht auch immer vegan essen, einen tierlichen Freund haben f\u00fcr den sie hohe Tierarztkosten berappen, niedliche Tiervideos und -Bilder in freundlicher sowie in objektifizierender Weise in die Timelines ihrer Sozialmedia-Kan\u00e4le sp\u00fclen oder tierliche Probleme einfach totschweigen &#8230; bei vielen Leuten ist das keine kognitive Dissonanz, sondern eher eine speziesistische tierobjektifizierende Stringenz.<\/p>\n<p>Meint ihr wenn ihr einen veganen Burger der Fleischwirtschaft esst, dann w\u00fcrde dadurch die Unrechtshaltung gegen\u00fcber Tieren ernsthaft in Frage gestellt, w\u00e4hrend die gleichen Fleischproduzenten ein speziesistisches System am Laufen halten &#8211; auch ideologisch? Diesen Konzernen ist es egal, dass sie mit Tod Geld und Einfluss erwirtschaften.<\/p>\n<p>Ihr wollt diese Konzerne bekehren, w\u00e4hrend ihr kein Interesse habt einen sozialen Wechsel im Mensch-Tier-Verh\u00e4ltnis an ganz anderen Stellen anzusto\u00dfen. Die Wirtschaft kann sich egal wohin wenden. Und sie wird euch auch immer beteuern, dies aus Gr\u00fcnden der Aufgekl\u00e4rtheit und des Zeitgeistes zu tun. Wer w\u00fcrde denn ernsthaft noch weiter seine Finger in der T\u00f6tungsmaschienerie halten und sagen, okay wir disponieren langsam um, weil sonst gehen wir pleite. Aber genau hier liegt das Problem. Tiere sind nicht in der Weise f\u00fcr euch relevant, als dass der Tod des einzelnen Tieres Grund w\u00e4re Gerechtigkeit einzufordern. &#8220;Lasst sie, die Fleischproduzenten, noch ein bisschen t\u00f6ten. Moralisch verurteilen wir das nicht, solange sie auf unseren Zug mit aufspringen.&#8221; Und ihr meint das reicht?<\/p>\n<p>Ihr blendet bei euren impliziten Annahmen genau das eine hierarchische Denken aus, das als Ursache verantwortlich ist, f\u00fcr die Haltungen von Menschen, sich selbst als relevanter f\u00fcr diese Welt zu betrachten als Nichtmenschen.<\/p>\n<p>Und, nochmal, wenn ihr den Veganismus schon so auf die Ern\u00e4hrung hin ausrichtet: Mit den Erfahrungswerten kultureller Traditionen \u00fcber eine pflanzliche Ern\u00e4hrung zu arbeiten, hie\u00dfe auch einen Teil psychologischer Aspekte von menschlicher Ern\u00e4hrung zu betrachten. Was bestimmt nicht falsch sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es ist wirklich sinnvoll wenn nicht alle diesen einen gleichen Weg propagieren, den der vegane Mainstream heute f\u00fcr sich gew\u00e4hlt hat &#8211; in dem ein politisch, soziologisch und \u00f6kologisch defizit\u00e4rer Veganismus eine L\u00f6sung sein will? Im Sinne von sowohl Tier- als auch Menschenrechten sollte man da doch eher feins\u00e4uberlich trennen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tierrechtsethik.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ewigkeit_farangis_sausage_eater_series_1a.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-565 size-full\" src=\"https:\/\/tierrechtsethik.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/ewigkeit_farangis_sausage_eater_series_1a.png\" alt=\"\" width=\"672\" height=\"510\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Wenn Veganismus &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Wenn Veganismus &#8230;<br \/>\nwirklich <em>nicht<\/em> mit einbeziehen sollte, z.B. ob ich ein Nahrungsmittel von einem Fleischproduzenten beziehe &#8230; dann br\u00e4uchte es nochmal eine Abspaltung vom Veganismus hin zu einer ethisch noch sinnvolleren Lebenspraxis.<\/p>\n<p>Ich m\u00fcsste mich fragen, warum ich das tue und was ich damit bef\u00f6rdere, dass unter einem Label Mord und Anti-Mord zeitgleich vermarktet werden sollen. Mord darf eigentlich \u00fcberhaupt nicht im Zusammenhang mit Vermarktung stehen. Das ist noch so ein Problem.<\/p>\n<p>Du kauft also bei einem tiert\u00f6tenden Unternehmen ein Produkt, mit dem du Tiert\u00f6tung abschaffen willst, und weshalb: weil du evtl. meinst, dann w\u00fcrden Leute wegen ihrer Essgel\u00fcsste leichter &#8216;umsteigen&#8217; k\u00f6nnen? Diesen Leuten w\u00fcrdest du damit aber auch vermitteln, dass ein Leben weniger wert ist als eine Essgewohnheit und ein Lustgef\u00fchl.<\/p>\n<p>Du w\u00fcrdest ihnen auch vermitteln, dass man sich nicht l\u00e4ngerfristig und neu mit seiner Ern\u00e4hrung als Gesellschaft auseinandersetzen kann in solch einer schwerwiegenden Problematik.<\/p>\n<p>Was ern\u00e4hrungs-\u00e4sthetische Fragen anbetrifft: Fermentierte, gew\u00fcrzte, gebratene, marinierte &#8230; Speisen haben nicht unbedingt etwas damit zu tun, dass viele Menschen ihre Nahrung auf der Basis von Tierk\u00f6rpern aufgebaut haben.<\/p>\n<p>Schaut euch doch tiefenpsychologisch den Prozess des Fleischessens an? Meint ihr da st\u00fcnde kulturgeschichtlich nicht mehr dahinter, das immernoch kulturell hineinwirkt, als eine Geschmacksfrage?<\/p>\n<p>Man sollte eine klare Trennlinie zu speziesismuskomtpatiblen Veganern aufzeichnen, denn ihr Kurs verh\u00e4rtet Fronten, genau indem er zentrale Fragen und Aspekte des gesellschaftlichen Fleischkonsums, Milchkonsums, allgemein des Konsums tierlicher Produkte und derer Derivate sowie tiersch\u00e4digende Praktiken (und man muss dem eben hinzuf\u00fcgen -Denkweisen, -Ideologischer Systeme, usw. usf.) ausblendet &#8211; die f\u00fcr alle Menschen ethisch relevant sind, weil sie Elefant im Raum ethischer Fehlerhaftigkeit unserer Philosophien und politischer Systeme darstellen.<\/p>\n<p>Auszugehen davon, dass Fleischverzehr bei Menschen eingangs eine Frage des Geschmacks h\u00e4tte sein sollen, erkl\u00e4rt wohl kaum auf welcher Grundlage und <em>wie<\/em> Menschen eine f\u00fcr sie &#8220;ethisch vertretbare Entscheidung&#8221; getroffen haben, Leben f\u00fcr eine Geschmacksangelegenheit zu opfern.<\/p>\n<p>Diese Form eines Veganismus, der mit einfachen Antworten und einfachen L\u00f6sungen hausiert, geht von einer Vorstellung \u00fcber die Mensch-Tier-Beziehung in der Geschichte aus, die nicht ohne Einw\u00e4nde belegt werden kann und die er aus reinem Eigeninteresse auch nicht vertreten sollte. Er negiert dabei selbst alte wertvolle Gedanken, die die Grausamkeit und die Blutr\u00fcnstigkeit des Fleischverzehrs betonten, und tut stattdessen so, als w\u00e4re den Menschen eigentlich garnicht bewusst gewesen, dass sie da Leben opfern.<\/p>\n<p>Im Bezug auf die Gegenwart \u00fcbersieht dieser Veganismus fahrl\u00e4ssig in welcher Form der kleine Biobauer\/-Metzger und die &#8220;Tierfabriken&#8221; und Gro\u00dfschlachtereien die Nachfrage noch in gleicher Weise nach genau dem gleichen Verlangen decken, dass tiefenpsychologisch in unsere speziesistischen Gesellschaften und Kulturen eingebrannt ist, als eine endlos erschreckende &#8220;Kulturanthropologie des Fleisches&#8221;.<\/p>\n<p>Die Augen vor den Ursachen speziesistischer Praktiken zu verschlie\u00dfen und sanktionierte Tiert\u00f6tung in der Breite ihres Geschehens &#8211; sei es die Troph\u00e4enjagd bis zum Tierversuch &#8211; nicht wirklich hinterfragt zu belassen, liegt wohl kaum in der Linie, die Menschen ethisch verfolgt haben \u00fcber die Geschichte des ethischen Vegetarismus, Veganismus und jeglicher pazifistischen Lebensweise hinweg, die Tiere in den respektvollen wertsch\u00e4tzenden Fokus gesetzt hat.<\/p>\n<p>Die meisten Leute die Fleisch essen, tun dies mit einer tierobjektifizierenden Inbrunst. Die, die dies nicht tun, bestehen auch nicht auf eine Ern\u00e4hrung, die die pflanzenessende Tierwelt bestimmt kaum f\u00fcr nachvollziehbar halten w\u00fcrde! Diese Menschen w\u00fcrden auch eine explizit pflanzliche Nahrung essen wollen, ohne dabei eines &#8220;wichtigen Gef\u00fchls&#8221; verlustig zu werden. Wichtig ist das &#8220;Fleischige&#8221; f\u00fcr den, der damit weitaus mehr verbindet als allein einen bestimmten Geschmack\u00a0 &#8211; wenn auch das &#8220;Schmecken nach totem Fleisch&#8221; gewiss ein wichtiger mentaler Faktor zu sein scheint beim \u00fcberzeugten karnivoren Menschen.<\/p>\n<p>Wenn ein Mensch etwas als falsch erkennt, wird sich sein &#8220;Geschmack&#8221; auch ver\u00e4ndern. Der &#8220;Geschmack f\u00fcr Fleisch&#8221; liegt vermutlich in letzter Konsequenz in der Haltung dieser Menschen zu Tieren. Und diese Haltung werden sie nicht \u00e4ndern aufgrund eines Burgers, der nach Fleisch schmeckt. Selbst wenn diese Art Konsument mit einem Geschmack zufrieden ist und die Produkte h\u00e4ufiger ist, seine speziesistische Einstellung wird er dennoch in unendlich vielen weiteren Haltungen und Praktiken und Entscheidungen seines Lebens weiterleben.<\/p>\n<p>Die Tierfrage liegt viel tiefer als die Fragen menschlicher Befindlichkeiten &#8230; ob jemand sich cooler oder geschmacklich befriedigter f\u00fchlt. Hedonistische Redundanz auf die gleiche Waagschale mit Ungerechtigkeit und Negation von Tierleben zu stellen, mag f\u00fcr Speziesisten Sinn machen. Wenn Veganer dies tun, dann haben sie einfach nicht gr\u00fcndlich genug nachgedacht oder es fehlt ihnen an Empathie oder sie sind schlichtweg immernoch Speziesisten light, denn Leute schnell vom Fleischkonsum wegzubekommen ist vergleichbar mit Leuten zu Umweltsch\u00fctzenden oder zu Menschen zu machen, die Menschenrechte wirklich oder nicht so ganz wirklich wichtig nehmen: all diese Einstellungen sind eine Frage zivilgesellschaftlicher Entwicklung! &#8230;<\/p>\n<p>Und<\/p>\n<p>Die marktwirtschaftliche Logik der veganen Linken erstaunt mich dabei indes auch: &#8220;Tierfabriken abschaffen\/enteignen&#8221; &gt; Kapital derer bleibt in deren H\u00e4nden f\u00fcr Investments und neue Profite \u00fcber den veganen Absatzmarkt &gt; Gro\u00dfkapital lohnt sich. Kleine, vom Gro\u00dfkapital unabh\u00e4ngige(re) vegane Betriebe auf die Beine stellen und betreiben? &#8216;Not viable&#8217; oder was? Wirtschaftspolitische Kontexte &#8211; uninteressant aus veganer Sicht??? Vor allem auffallend ist die Ausnahme, die hier seitens der Linken im Bezug auf Ausbeutung gemacht wird. Ich glaube nicht, dass sie das bei anderen Themen so bringen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">***<\/p>\n<p><strong>Veganismus ist eine ethische Praxis. Die Verbindung zwischen der veganen ethischen Praxis und Tierrechten besteht aus antispeziesistischen, aus anti-tierobjektifizierenden Ans\u00e4tzen. Tierrechte, Menschenrechte und Erdrechte sind eins.<\/strong><\/p>\n<p>Zuvor hatten wir eine Horde von Leuten, die einen Veganismus propagiert haben, der Tierrechte ausblendet und eine bestimmt Herangehensweise der Umweltpolitik bewarb, die greenwashing-unkritisch positioniert ist.<\/p>\n<p>Jetzt tritt der vegane Typus hervor, der Tiermord zugunsten einer apologetischen Haltung der Fleischindustrie gegen\u00fcber relativiert, zugleich aber moralisch imperativ auftreten will.<\/p>\n<p>Autonome Tierrechtler*innen: Vegane Soziologie hei\u00dft auch die Vorgehensweisen veganer Aktivist*innen zu beobachten und auf ihre ethische Hieb- und Stichfestigkeit hin abzuklopfen.<\/p>\n<p>Der aktuell beliebte vegane fleischindustrie-affine Typus (und selbstdefinierte &#8220;gute Kumpel des lokalen Metzgers, welcher schlie\u00dflich gute vegane Optionen anbietet und sich dadurch als sehr unterst\u00fctzendwert kennzeichnet&#8221;) hausiert erfolgreich damit herum, dass er felsenfest zu der \u00fcberaus intelligenten \u00dcberzeugung steht, wir alle sollte Fleischkonzerne f\u00f6rdern, solange sie versprechen ganz vegan zu werden und ihm und uns Pflanzen in Wurstform liefern.<\/p>\n<p>Veganer*innen die die Fleischindustrie bewerben, und das als ethischen Aktivismus verstehen, haben den Schuss nicht geh\u00f6rt, indem sie letztendlich Veganismus auf eine kontraproduktive Konsumierebene reduzieren und die allgemeine Marktwirtschaft mit einer wirklich vegan-sinnmachenden Marktwirtschaft zu verwechseln scheinen. Die konkreten Tiere, der konkrete Speziesismus ist f\u00fcr sie nur Begleitwerk. Es gibt keinen, aber auch wirklich keinen Grund die Fleischwirtschaft zu unterst\u00fctzen. Solch ein Handeln ist schlichtweg unvegan &#8211; solange die alte Definition von Veganismus noch steht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-578\" src=\"https:\/\/tierrechtsethik.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/tiermord_1a.png\" alt=\"\" width=\"1696\" height=\"988\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-579\" src=\"https:\/\/tierrechtsethik.de\/wp-content\/uploads\/2022\/09\/fleischfabriken_1a.png\" alt=\"\" width=\"808\" height=\"908\" \/><\/p>\n<p>Dieser fleischindustrie-affine vegane Typus meint anscheinend, dass dem globalen Veganismus nichts mehr im Weg st\u00fcnde, wenn alle seiner Idee folgen. Nach seiner Logik bewegt das Gro\u00dfkapital mehr, als es Leute schaffen k\u00f6nnen, wenn sie ihren Veganismus \u00fcber mehr als Fressalien definieren. <em>The fun&#8217;s going on.<\/em><\/p>\n<p>So etwa: &#8220;Tiermord ist schlimm, aber ich f\u00f6rdere die schlachthausbetreibenden Firmen direkt&#8221;. <em>Die Blanks jubeln mit.<\/em><\/p>\n<p>Solche Leute sekundarisieren wirklich keine Opfer. Nein, sie leben einfach mit einer v\u00f6lligen Doppelmoral. Sie meinen &#8220;lasst euch noch ein bisschen t\u00f6ten, liebe Tiere, wir sehen euch und wir unterst\u00fctzen eure M\u00f6rder nur in bester Absicht und in eurem Interesse&#8221;. <em>Sick, sick, sick &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Eine nichtexistierende Form des Boykotts. Man kann gezielt Firmen, Konzerne, Einrichtungen, usw. boykottieren, um damit auch eine politische Botschaft zu senden. Man kann anscheinend aber auch sagen, zeigt euch reuig oder einsichtig und ich bewerbe und unterst\u00fctze euch.<\/p>\n<p>Dies scheint ein ziemlich apologetischer Standpunkt zu sein. Aber das Gerechtigkeitsempfinden funktioniert bei manchen Menschen, die Forderungen stellen, im Sinne einer Beg\u00fcnstigung derer, die die tiefgreifendsten Sch\u00e4den erst generieren.<\/p>\n<p>Der Konsument w\u00e4hlt zwischen Boykott oder Beg\u00fcnstigung. Und er w\u00e4hlt auch, ob er neuen Betrieben, Einrichtungen, usw. vielleicht lieber eine Chance geben sollte und sich die alten Profiteure lieber mal genauer anschauen sollte (statt in eine Art Stockholmsyndrom zu f\u00e4llen, falls er ethisch wirklich so naiv sein k\u00f6nnte &#8211; was eigentlich tats\u00e4chlich nicht sein kann).<\/p>\n<p>Das sind die &#8220;Werbung-f\u00fcr-Konsumismus-statt-einer-Dekonstruktion-von-Speziesismus&#8221;-Veganer mit schematischen &#8216;schlanken&#8217; Slogans statt diskursiver Systemkritik. Zumindest vermitteln sie sich genau so!<\/p>\n<p>Gute Metzger, schlechte Metzger &gt; 2021 &#8211; T\u00f6nnies setzt auf Veggie-Wurst <a href=\"https:\/\/faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/toennies-setzt-auf-veggie-wurst-17217934.html\">https:\/\/faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/unternehmen\/toennies-setzt-auf-veggie-wurst-17217934.html<\/a>\u00a0[Zugriff: 10.03.24]<\/p>\n<p>Die vegane Bewegung hat mal daf\u00fcr gek\u00e4mpft, dass es eine vegan economy gibt &#8211; von Leuten gepr\u00e4gt, die mit einem echten Idealismus und \u00f6kopolitischer Vernunft an die Sache herantreten.<\/p>\n<p>Auch heute kann man entscheiden, welchen Betrieb man konkret mit seinem veganen Eink\u00e4ufen f\u00f6rdern und erhalten will. Mehr Nachfrage nach Produkten von idealistischeren Kleinbetrieben ist wichtig und klug.<\/p>\n<p>Dass das Bewusstsein f\u00fcr Veganismus w\u00e4chst, ist eine allgemeine Entwicklung. Wenn diese Entwicklung mehr auf die finanzstarken und dominanten Player im Markt (regional sowie \u00fcberregional) schaut, statt auf konkrete \u00f6konomische, \u00f6kologische und antispeziesistische Kontexte, dann geht es halt um Wirtschaft, die mit pflanzlichen Produkten ihr veganwashing verwirklicht, aber nicht um vegan im Sinne der Sache.<\/p>\n<p>Ja, Vegansein beinhaltet auch \u00fcber Nahrungsmittelgerechtigkeit nachzudenken und somit in der Tat \u00fcber politische und weltwirtschaftliche Zusammenh\u00e4nge &#8211; und somit \u00fcber die neuen Seiten, die wie als vern\u00fcnftige gangbare Alternativen der anthropoz\u00e4nen destruktiven Maschinerie gegen\u00fcberstellen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>rev. 10.03.24<\/p>\n<hr \/>\n<p>Repost &gt; <a href=\"https:\/\/tierrechtsethik.de\/speziesismuskompatible-veganer\/\">https:\/\/tierrechtsethik.de\/speziesismuskompatible-veganer\/<\/a><\/p>\n<p>Will be issued in the Gruppe Messel reader these days!<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/tierrechtsethik.de\/visual-opinions-workshop\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-4479\" src=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/visual_opinions_workshop_1e.png\" alt=\"\" width=\"2688\" height=\"1806\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/visual_opinions_workshop_1e.png 2688w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/visual_opinions_workshop_1e-300x202.png 300w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/visual_opinions_workshop_1e-1024x688.png 1024w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/visual_opinions_workshop_1e-768x516.png 768w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/visual_opinions_workshop_1e-1536x1032.png 1536w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/visual_opinions_workshop_1e-2048x1376.png 2048w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2024\/03\/visual_opinions_workshop_1e-250x168.png 250w\" sizes=\"(max-width: 2688px) 100vw, 2688px\" \/><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Verschiedene Ausgangspunkte &#8211; divergierende Zielsetzungen &#8211; Diskrepanzen zwischen Mainstreamdynamiken und minderheitlichen Kontinuit\u00e4ten &#8230; Idealerweise sollten &#8216;den-Veganismus-bewerbende-Menschen&#8217; keine fleischproduzierenden tiermordenden Industrien u. Betriebe in direkter, bewusster Weise unterst\u00fctzen und dabei noch behaupten ethisch unterwegs zu sein. 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