{"id":3953,"date":"2021-12-26T21:11:40","date_gmt":"2021-12-26T21:11:40","guid":{"rendered":"https:\/\/simorgh.de\/about\/?p=3953"},"modified":"2021-12-26T21:25:55","modified_gmt":"2021-12-26T21:25:55","slug":"ursachen-adressieren-tierechte-menschenrechte-umweltethik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/about\/ursachen-adressieren-tierechte-menschenrechte-umweltethik\/","title":{"rendered":"Ursachen adressieren: Tierechte, Menschenrechte, Umweltethik"},"content":{"rendered":"<p>Tierleben werden mit Agrarwirtschaft und Konsumwirtschaft gleichgesetzt. Die Frage nach dem Tiersein selbst stellt sich nicht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiere_rechte_ethik_1a.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3954\" src=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiere_rechte_ethik_1a.png\" alt=\"\" width=\"1400\" height=\"1112\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiere_rechte_ethik_1a.png 1400w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiere_rechte_ethik_1a-300x238.png 300w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiere_rechte_ethik_1a-1024x813.png 1024w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiere_rechte_ethik_1a-768x610.png 768w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/tiere_rechte_ethik_1a-250x199.png 250w\" sizes=\"(max-width: 1400px) 100vw, 1400px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Die Gleichungen, die die Zusammenh\u00e4nge zwischen &gt; Umweltsch\u00e4den, Tierleid und hungernden Menschen &gt; als &#8216;in sich&#8217; l\u00f6sbar beschreiben, greifen zu kurz &#8230;<\/strong><\/p>\n<p>Gita Yegane Arani und Lothar Prenzel<\/p>\n<p>Gleichungen zwischen Umweltzerst\u00f6rung und Umweltsch\u00e4den mit Menschenrechtsverletzungen und gesellschaftlich induziertem menschlichem- und tierlichem Leid und biopolitisch forcierter tierlicher Existenz sind problembehaftet. Sie werden normalisierend angewendet, ohne Zusammenh\u00e4nge ausreichend zu kontextualisieren und ohne der Schwere der einzelnen Problematiken gerecht zu werden. Sie vermitteln jedoch als k\u00f6nne man drei Probleme als eines l\u00f6sen und als seien <em>au\u00dferhalb dieser Gleichung stehende<\/em>, weitere globale- und regionale politische und gesellschaftliche Faktoren dabei nicht die Hebel, \u00fcber die diese Probleme angegangen werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Diese Gleichungen enthalten oftmals eine Dialektik, die vermittelt will, dass Tierleben respektiert werden sollen, und dass dabei die Problematik von Tierobjektifizierung (von Speziesismen) auf eine Waagschale gelegt werden soll mit der Komplexit\u00e4t der Problematik der von Menschen verursachten Umweltsch\u00e4den und mit dem durch Argarpraktiken und weltwirtschaftlich induzierten Hungersn\u00f6ten\/Hunger.<\/p>\n<p>Insbesondere vegane und vermeintlich \u00f6kozentrisch orientierte Argumentationen stellen die Themen Tierrechte, Umweltproblematiken und Menschenrechte in einer vereinfachenden Form dar, und umgehen dabei die Diskussionen, die f\u00fcr ein fundiertes Umdenken n\u00f6tig w\u00e4ren. Die \u00dcberlegung, man k\u00f6nne diese drei absolut gro\u00dfen Problemkomplexe wegen ihrer gegenseitigen Verquicktheit &#8216;in sich&#8217; l\u00f6sen, tr\u00e4gt dazu bei, dass wirkliche Ursachen f\u00fcr diese Problemfelder noch weniger gekl\u00e4rt werden k\u00f6nnen [&#8230;] und so weiter ungehindert operieren k\u00f6nnen:<\/p>\n<p><em>Tiere<\/em><\/p>\n<p>Im Bezug auf das, was Tieren durch die &#8216;Menschheit&#8217; &#8211; als speziesistischem oder tier-objektifizierendem Kollektiv &#8211; zugef\u00fcgt wird, macht eine vereinfachende Gleichung von \u201eTierleid, Umweltsch\u00e4den und Hunger\u201c deutlich, dass die Frage nach Gerechtigkeit gegen\u00fcber tierlichem Leben f\u00fcr diese Argumentierenden lediglich ein sekund\u00e4res Anh\u00e4ngsel ist, und sonst als st\u00f6rend in der argumentativen Zielsetzung empfunden wird, obwohl aus Tierrechtssicht Gerechtigkeit spezies\u00fcbergreifend in Zusammenh\u00e4nge gesetzt werden sollte.<\/p>\n<p><em>Hunger<\/em><\/p>\n<p>Folgen von Kolonialisierung und Postkolonialismus auf die \u00d6kologie, sowie auf politische und wirtschaftliche Verh\u00e4ltnisse, werden in solchen Gleichungen ebenfalls nicht thematisiert, sondern die Existenz von Tierk\u00f6rpern wird als rechnerisch-quantitatives Umwelt- und Verteilungsproblem mit der globalen Nahrungsmittelungerechtigkeit aufgerechnet.<\/p>\n<p>Hierdurch wird politisch entkontextualisiert und Tierk\u00f6rpern wird eine Form von Schuld (\u201eda existierend\u201c) zugewiesen. Um im Sinne von Tierrechten zu argumentieren, w\u00e4re es ein Leichtes zu benennen, woher die tats\u00e4chlichen Probleme r\u00fchren; das einfache Festmachen an Tieren\/Nichtmenschen als Problem, ist diskriminierend und kann daher kritisch betrachtet werden.<\/p>\n<p><em>Umwelt<\/em><\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich die \u00d6kologie als Teil dieser Art Gleichungsans\u00e4tze: Umwelt wird aus einer vom dominanten Zeitgeist gepr\u00e4gten eurozentrischen, verwestlichten Sicht her betrachtet. Die Umwelt wird auf dem Status der Ressource gehalten, wobei zwischen dem Sein von &#8220;Mensch&#8221; und &#8220;Tier&#8221; eine Art Verteilungskampf vorgerechnet wird \u2013 in dem Tierleben selbst, und nicht ihre menschlichen Unterdr\u00fccker, Wasser verschwenden; tierliche Existenzen als Nachhaltigkeitsprobleme thematisiert werden; man sieht Tiere als Gefahr durch Zoonosen, w\u00e4hrend aber das durch Menschen verursachte Kranksein der Tiere als ethisch und moralisch irrelevant in den Hintergrund ger\u00fcckt wird; Tierleben werden mit Agrarwirtschaft und Konsumwirtschaft gleichgesetzt. Die Frage nach dem Tiersein selbst stellt sich nicht, und so auch nicht die Frage nach den Erlebnissen und Geschichten, die diese Tiere haben.<\/p>\n<p>Wie Tierleben, Umwelt und Menschen in solche Systeme hineinbef\u00f6rdert wurden und dort gehalten werden, sollte unserer Ansicht nach im Vordergrund stehen. Wir fragen uns weshalb solche verk\u00fcrzten und nicht wirklich hilfreichen Gleichungen gemacht werden und dabei immer wieder vorausgesetzt wird, dass eine Vertiefung der Themenschwerpunkte nicht im breiten gesellschaftlichen Diskurs m\u00f6glich sein sollte?<\/p>\n<p>Indem wir Stillschweigen halten \u00fcber<\/p>\n<ol>\n<li>Ursachen und Wirkung wirtschaftlich-hegemonialer Prozesse<\/li>\n<li>\u00fcber Unrecht gegen\u00fcber Nichtmenschen und kompliziert funktionierende Diskriminierungsformen wie Tierobjektifizierung<\/li>\n<li>\u00fcber eine entseelte Betrachtung des unabh\u00e4ngigen Wertes \u00f6kosozialer Kontexte<\/li>\n<\/ol>\n<p>brechen wir kaum aus irgendwelchen Unrechtsgleichungen aus, die unsere globale Mitwelt anbetreffen.<\/p>\n<p>Indem man den Resetknopf der Menschheitsgeschichte an der Stelle t\u00e4tigen will, die voraussetzt, dass wir alle nur dann wirklich &#8220;f\u00fcr Tiere, f\u00fcr die Umwelt und f\u00fcr Menschen&#8221; sein k\u00f6nnen, wenn wir deren sich kreuzenden Problematiken eigentlich gleichzeitig nur in den Hintergrund r\u00fccken, auf Kosten einer notwendigen Kl\u00e4rung verschiedener Unrechtsfragen \u2013 erreicht man argumentative Verengung und lenkt vom Wesentlichen ab, n\u00e4mlich von den Fragen nach den im Hintergrund fortw\u00e4hrend wirksamen Ursachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tierleben werden mit Agrarwirtschaft und Konsumwirtschaft gleichgesetzt. 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