{"id":3693,"date":"2021-02-09T15:45:26","date_gmt":"2021-02-09T15:45:26","guid":{"rendered":"https:\/\/simorgh.de\/about\/?p=3693"},"modified":"2022-11-18T21:34:55","modified_gmt":"2022-11-18T21:34:55","slug":"kein-mikroblogging-mehr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/about\/kein-mikroblogging-mehr\/","title":{"rendered":"Antibiologisitc Animal Sociology machen kein Mikroblogging mehr"},"content":{"rendered":"<p>Long overdue update: 21.05.2022<\/p>\n<p>Wir mikrobloggen wieder, versuchen aber dennoch unseren Kommunikationsschwerpunkt im Netz auf das Ver\u00f6ffentlichen sowohl von l\u00e4ngeren Texten als auch von &#8216;unabh\u00e4ngig gedachten&#8217; Kommunikationsbits zu setzen.<\/p>\n<p>Dies sollte gesagt, werden, da wir jenseits des Journalismus und von Buchpublikationen wahrnehmen, dass allt\u00e4glicher schriftsprachlicher Austausch zunehmend auf die Funktionsweisen schrumpft, die einem &#8216;soziale Netzwerke&#8217; durch ihre Strukturen vorgeben: Followership, Likes, positives Feedback &#8230;<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/we_should_leave_twitter_1c.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3699\" src=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/we_should_leave_twitter_1c.png\" alt=\"\" width=\"1738\" height=\"1022\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/we_should_leave_twitter_1c.png 1738w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/we_should_leave_twitter_1c-300x176.png 300w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/we_should_leave_twitter_1c-1024x602.png 1024w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/we_should_leave_twitter_1c-768x452.png 768w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/we_should_leave_twitter_1c-1536x903.png 1536w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/we_should_leave_twitter_1c-250x147.png 250w\" sizes=\"(max-width: 1738px) 100vw, 1738px\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Wir waren gerade noch so stolz auf unsere neue &#8216;Headline&#8217;, sie brachte unseren Standpunkt recht gut auf den Punkt: Biologism marks the most typical approach to Nonhuman issues today \u2013 both in speciesism and antispeciesism, despite the existence of other terminologies.<\/em><\/p>\n<p><strong>Warum wir &gt; <a href=\"https:\/\/twitter.com\/Nichtmenschen\">@Nichmenschen<\/a> &gt; keine Mikroblogging-Plattformen mehr aktiv nutzen werden<\/strong><\/p>\n<p>(Nach mehreren dauerhaften Troll-Attacken sind wir auf Twitter auf <a href=\"https:\/\/twitter.com\/farmtiere\/status\/1593718566083231753\">@farmtiere<\/a> zur Zeit umgestiegen.)<\/p>\n<p>Es ist schade in der Hinsicht, dass wir dort mit einigen von uns sehr wertgesch\u00e4tzten Aktivist*innen in Austausch im leicht rezipierbaren Mikrobloggingformat stehen konnten. Leute mit denen wir dort in Austausch standen, haben nicht unbedingt einen eigenen Blog oder eine eigene Webseite. Wir wollten hier zuerst eine Liste machen von den Accounts, denen wir auch weiterhin aufmerksam folgen werden. Aber das ganze Tool &#8216;Mikroblogging&#8217; ist derzeit in seiner Nutzung in Form von Plattformen in unseren Augen problematisch geworden.<\/p>\n<p>Du musst jetzt, um z.B. Twitter nutzen zu k\u00f6nnen, Deine Handynummer angeben. Du kannst keine Festnetznummer verwenden. Das hei\u00dft, Du musst ein Handybenutzer sein und Du musst willens sein, Deine Nummer bei der Plattform anzugeben. Wir wurden bei Twitter vor\u00fcbergehend gesperrt nachdem wir eine prominente Person aus der Wirtschaft wegen ihrer Beteiligung in Tierversuchsprojekten kritisiert haben. Wir wurden schonmal vor Jahren vor\u00fcbergehend gesperrt als wir PETA wegen etwas spezifischem kritisiert hatten. Wir finden es fragw\u00fcrdig, ob man Leute wegen solcher \u00c4u\u00dferungen sperren sollte. Es finden sich so viele Sache dort, die weitaus Restriktionsw\u00fcrdiger sind, die man wahrscheinlich aber nicht so leicht als &#8220;Hatespeech&#8221; an den Pranger stellen kann.<\/p>\n<p>Auch sind uns andere Dinge bei Twitter z.B. aufgefallen, die wir nicht in Ordnung finden: so verschwanden Eintr\u00e4ge extremst schnell aus der Suchfunktion als Ergebnisse, die Plattform wimmelt vor (ich nenne es mal) &#8220;F\u00fcllstoff-Accounts und Aktivit\u00e4ten&#8221; die dem Mitl\u00e4ufer*innentrieb vieler zu entspringen scheinen.<\/p>\n<p>Die ganze Dynamik der sozialen Netzwerke mit ihren Likes und Followern passt sowieso nicht zu der Art Austausch, den wir eigentlich suchen. Wir hatten zudem auch immer irgendeine &#8216;Knallt\u00fcte&#8217;, die uns auf sozialen Netzwerken stalkte und der die Funktionsweisen dort genau zunutze kamen. So werden wir nun auch diese Person los, wenn wir die Plattform nicht mehr im Aktivmodus verwenden.<\/p>\n<p><em>Aber was auf der Kommunukationsebene stattdessen machen im Netz?<\/em><\/p>\n<p>Immerhin ist es uns wichtig das Internet als Kommunikationsplattform zu nutzen, nur eben nicht \u00fcber die von Likes, Followern und Retweets gelenkten Interaktion wie bei den so funktionierenden Mikroblogging-Plattformen. Unsere Themen und Herangehensweisen eigenen nicht nicht f\u00fcr Cluster von Zustimmenden. Wir m\u00f6chten viel lieber den Ton des &#8220;allein etwas Lesens&#8221; ansto\u00dfen.<\/p>\n<p>Der Aktivismus, der die Gruppe und deren Zustimmung ben\u00f6tigt, ist laut und auch immer wieder gerne ein Ort hierarchischer R\u00e4ngeleien zwischen Splittergruppen die an Einfluss gewinnen wollen. Das bringt nichts &#8211; uns bringt das nichts, da wir, wie Ihr vielleicht wisst, einen ganz subjektiven Aktivismus praktizieren und auch entschieden praktizieren wollen.<\/p>\n<p>Ich erinnere mich an eine Situation, die eine nachhaltig negative Wirkung auf mich hatte, und die auch mit daf\u00fcr sorgte, warum ich das klassische Vereinsleben in den 90ier Jahren, nach einigen Jahren gesammelter schlechter Erfahrungen in unterschiedlichen Aktivit\u00e4tsfeldern, schnellstens wieder verlie\u00df:<\/p>\n<p>Es ging um eine Demo bei einer &#8220;Masth\u00e4nchen&#8221;-Fabrik. Ein Tierrechtler, der in der Szene sehr bekannt war und der damals noch als Student sehr engagiert war, schlug vor bei der Demo die Polizei und eventuelle Passanten mit toten H\u00fchnern zu bewerfen. Keiner der anderen anwesenden Tierrechtler*innen kritisierte diesen Vorschlag. Ich logischerweise schon, weil Aktivismus sich aus der authentischen \u00dcberzeugung speisen sollte und man sein subjektives R\u00fcckgrat bewahren sollte, wenn auch alle anderen sich dem, der gerade diesen grauenhaften Vorschlag macht, beugen wollten. Der Vorschlag m\u00fcsse ja wahrscheinlich sehr subversiv und gut sein, da der der ihn macht doch so eine wichtige Pers\u00f6nlichkeit hier bei uns ist, so oder so \u00e4hnlich m\u00fcssen die anderen Anwesenden wohl gedacht haben.<\/p>\n<p>Als ich also logischerweise sagte wie furchtbar so etwas ist, stimmte mir pl\u00f6tzlich eine der Anwesenden zu &#8211; immerhin. Die anderen stellten sich verschworen hinter den beliebten Aktivisten. H\u00e4tte ich jetzt gefragt: &#8220;w\u00fcrdet ihr auch mit menschlichen Leichen um euch werfen?&#8221; h\u00e4tte man mir den Unterschied in der W\u00fcrde zwischen Mensch und Tier nahegelegt und mir vermittelt, dass ich eh keine Ahnung habe. So viel zum vielger\u00fchmten Ansatz auf das &#8220;Mitgef\u00fchl&#8221; von Menschen zu setzen. Es ist entw\u00fcrdigend tote K\u00f6rper als Wurfgeschosse zu verwenden und es ist nicht okay, wenn Tierrechlter*innen sich \u00fcber ihr eigenes Thema und Anliegen in dieser Form hinwegsetzen, nur um zu beweisen, dass ihnen alles was in Richtung ziviler Ungehorsam etc. geht wichtiger ist als die W\u00fcrde der Tiere um die es hier ging.<\/p>\n<p>In der Tierrechtsszene ist mir au\u00dferordentlich viel und sehr regelm\u00e4\u00dfig Speziesismus begegnet, in milderen und ausgepr\u00e4gteren Formen. Die Tierrechtler*innen sind aber nicht die einzigen paradox Handelnden. Ich habe das auch h\u00e4ufiger von Aktivist*innen aus anderen Bereichen geh\u00f6rt und auch selbst erlebt, dass genau die Leute, die irgendetwas vehement nach au\u00dfen vorgeben und proklamieren zu tun oder nicht zu tun oder bzw. irgendetwas zu sein oder nicht zu sein, selbst inhaltlich mit der Thematik noch gar nicht so ganz im reinen sind &#8211; um es mal gelinde auszudr\u00fccken.<\/p>\n<p>Aus solchen Erfahrungen heraus entschied ich mich schon fr\u00fch f\u00fcr einen Einzelaktivismus, der\u00a0 der Gruppe nicht in der typischen Form bedarf, sondern jede*r bleibt das Individuum und das Subjekt, dass er\/sie\/es eben ist. Keine*r ist mehr, keine*r ist weniger.<\/p>\n<p><em>Kein Mikroblogging mehr &#8230; zur\u00fcck zu anderen Formaten<\/em><\/p>\n<p>Die Mikroblogging-Plattformen boten sich erstmal an und schienen allerhand kommunikationstechnische Vorteile im Netz zu haben, aber brachten eben den Nachtteil der Follower und Likes-Problematik, die wie soziale W\u00e4hrungen funktionieren, mit sich. Ein fauler Kompromiss also doch, da die Gruppendynamiken wieder ganz pr\u00e4sent waren. F\u00fcr mich also eigentlich gar keine richtige L\u00f6sung. Man begegnet auf Twitter und Co. wieder den gleichen Vereinsmeiereien im Aktivismusbereich und der gleichen Mentalit\u00e4t, wie als w\u00fcrde man den Leuten in Persona gegen\u00fcber stehen: Es geht nicht wirklich immer um die Themen um die es eigentlich gehen sollte, sondern es geht vor allen Dingen um Einfluss und Personen. Und um Personen insofern, dass es eben vermeintlich kluge und wichtige gibt, Claqueure und Mitl\u00e4ufer und unkluge und unwichtige (so wie mich und zahlreiche Leute die ich sehr sch\u00e4tze f\u00fcr das, was sie tun und sagen).<\/p>\n<p>Ich bin aber der Meinung, dass jede*r im Prinzip wichtig ist. F\u00fcr Ideen und Kreativit\u00e4t kann es im gesellschaftlichen Leben und auch sonst nie zu eng werden. Empowerment spielt in den Aktivismusbewegungen keine ausreichende Rolle finde ich. Viel zu sehr wird irgendwelchen Pers\u00f6nlichkeiten und ihren geistigen Outputs gefolgt, statt dass wir einander wichtig nehmen w\u00fcrden au\u00dferhalb der \u00fcblicher Schienen von &#8220;richtig&#8221;, &#8220;falsch&#8221;, &#8220;schwarz&#8221;, &#8220;wei\u00df&#8221;.<\/p>\n<p>Das Engagement von Einzelnen wird nicht wirklich wahrgenommen und wertgesch\u00e4tzt. So sah ich auf Twitter immer wieder Leute die exzellente Beitr\u00e4ge leisteten, die mit ihren Aussagen und Darstellungen ihrer Themen aber als wenig wichtig gewertet wurden und vielzuwenig Aufmerksamkeit erhielten. Das hat mich enorm gest\u00f6rt. Alle Themen und alle Leute, die ich wichtig finde, werden in der Regel (ob es in Vereinen ist oder in den Social Networking Plattformen) ignoriert. Aber die Beitr\u00e4ge und Themen bleiben f\u00fcr mich genauso wichtig auch nachdem ich merke, dass sie \u00fcbersehen werden und viel zu unbeachtet bleiben.<\/p>\n<p><em>In den sozialen Netzwerken funktionieren Personen und Hashtags wie Fokussiertrichter, durch die alles hindurch getrichtert werden muss &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Dieser Rahmen sozialer Interaktion gef\u00e4llt mir also nicht. Und genau deswegen verlasse ich ihn, wo es nun sogar soweit kam, dass eine v\u00f6llig berechtigte Kritik an einem Prominenten gleich zu einer tempor\u00e4ren Sperrung f\u00fchrt. Das ist doppelte Zensur. Einmal die geistige Schere &#8216;within&#8217; in den Leuten und einmal die Schere von au\u00dfen, der &#8216;Big Brother&#8217; von au\u00dfen.<\/p>\n<p><em>Kommunizieren au\u00dferhalb von Hypes &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Es ist also nicht allein die Werbung f\u00fcr Luxusg\u00fcter &#8211; wie oben rechts auf dem Screenshot zu sehen &#8211; die einen als Nutzer*innen angeblich interessieren m\u00fcsste, die mich grunds\u00e4tzlich irritiert &#8230; es ist, wie der ganze Content von einer wabernden Masse an Leuten, \u00fcber Hashtags sich gleichschaltend, gelenkt wird. Nicht alles was die Masse generiert, ist Abbild perfekten demokratischen Willens. Massentrends sind meiner Meinung nach nicht einfach unkritisch hinzunehmen. Und allein dass die Profile und Tweets viel an Individualit\u00e4t ausdr\u00fccken, hei\u00dft noch nicht, dass genau diese Leute sich nicht grunds\u00e4tzlich in Clustern formieren wollten.<\/p>\n<p>Verlasse ich solche R\u00e4ume nicht, dann werde ich diese Dynamiken immer wieder zu schlucken haben. In Form von irref\u00fchrenden Hashtags, die mich dazu verleiten zu schauen, ob es sich um etwas potenziell wichtiges handeln k\u00f6nnte, aber nein die wabernde Masse zeigt mal wieder das Prinzip an, nachdem dieser Raum funktioniert.<\/p>\n<p>Wir hier versuchen jetzt mal andere Wege. Und in unserem Fall m\u00fcssen sie ja nicht unbedingt so sozial sein. Der gewogene Lesende wei\u00df wo man uns findet.<\/p>\n<p>Zur Vollst\u00e4ndigkeit, das ist der abgeschnittene letzte angeheftete Tweet, auf unserem Account gewesen: Tierleben k\u00f6nnen kein Agrarthema sein.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/priorize_animal_stories_1a.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3708\" src=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/priorize_animal_stories_1a.png\" alt=\"\" width=\"755\" height=\"880\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/priorize_animal_stories_1a.png 755w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/priorize_animal_stories_1a-257x300.png 257w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/priorize_animal_stories_1a-250x291.png 250w\" sizes=\"(max-width: 755px) 100vw, 755px\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Long overdue update: 21.05.2022 Wir mikrobloggen wieder, versuchen aber dennoch unseren Kommunikationsschwerpunkt im Netz auf das Ver\u00f6ffentlichen sowohl von l\u00e4ngeren Texten als auch von &#8216;unabh\u00e4ngig gedachten&#8217; Kommunikationsbits zu setzen. 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