{"id":276,"date":"2013-06-10T00:08:03","date_gmt":"2013-06-10T00:08:03","guid":{"rendered":"http:\/\/simorgh.de\/about\/?p=276"},"modified":"2018-04-08T15:25:38","modified_gmt":"2018-04-08T15:25:38","slug":"liebe-zum-leben-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/about\/liebe-zum-leben-2\/","title":{"rendered":"Das Geheimnis der Liebe zum Leben. Religi\u00f6se Widerst\u00e4ndler und heidnische Modernisten."},"content":{"rendered":"<p><strong>Das Geheimnis der Liebe zum Leben: Religi\u00f6se Widerst\u00e4ndler und heidnische Modernisten<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/own_public\/liebe_zum_leben_2.pdf\" target=\"_blank\">Dieser Text als PDF<\/a> (Link \u00f6ffnet sich in einem neuen Fenster)<\/p>\n<p>Die Katharer waren eine christliche Splittergruppe des europ\u00e4ischen Hochmittelalters, die ihren Glauben an den Gut-B\u00f6se-Dualismus der aus Persien stammenden Manich\u00e4er des 3. Jahrunderts nach Christus anlehnte. Die Manich\u00e4er selbst verbanden unterschiedliche Elemente in ihrem Glauben und so findet man bei ihnen auch eine Anlehnung an das Christentum.<\/p>\n<p>Beide Glaubensgruppen teilten die Vorstellung, dass Tiere nicht geopfert werden d\u00fcrfen \u2013 weder f\u00fcr relig\u00f6se Zwecke, noch zu Ern\u00e4hrungszwecken. Man geht allerdings davon aus, dass die Katharer Fische aus dieser Vorstellung des (gewollten oder indirekten, religi\u00f6s verordenten) Lebensschutzes ausschlossen, weil sie meinten, dass sich Fische nicht geschlechtlich vermehren w\u00fcrden und aus dem Wasser entst\u00fcnden.<\/p>\n<p>Die Katharer glaubten, dass \u201eLichtteile\u201c von Engelsseelen ausversehen mit einem toten Tier mitverzehrt werden k\u00f6nnten, und die Manich\u00e4er meinten, dass Tiere-Essen h\u00e4tte zur Folge, dass die \u201eLichtteile\u201c des Tieres durch den Verzehr nicht aus dem Tierk\u00f6rper entweichen k\u00f6nnten. Beide Glaubensgruppen erwarteten eine strenge Befolgung ihrer asketischen Ideale aber nur von der Priesterschaft (bei den Katharern die <em>Parfaits<\/em>, bei den Manich\u00e4ern die <em>Electi<\/em>).<\/p>\n<p>Es gab eine Reihe von Schnittstellen beider Glaubenssysteme, eine davon scheint uns in die Gegenwart zu f\u00fchren: die H\u00fctung des Geheimnisses irdischer Existenz. Ein Stein bei den Manich\u00e4ern, ein Gral bei den Katharern.<\/p>\n<p>\u201eWolfram\u2019s Grail\/Stone bears a great resemblance to the Manichaean jewel, the Buddhist padma mani, the jewel found in the heart of the lotus that is the solar symbol of the Great Liberation and which can also be found in the Indian traditions concerning the Tree of Life.\u201d Jean Markale, <em>The Grail: The Celtic Origins of the Sacred Icon<\/em>, 1999, S. 134.<\/p>\n<p>Beim christlichen Ritter Wolfram von Eschenbach in seinem Parzival taucht der \u201eheilige Gral\u201c, der in der Mystik des Mittelalters f\u00fcr so viele Ritterorden von solch gro\u00dfer Bedeutung war, in der Form des \u201e<em>lapsit excillis \/ Lapis excilis<\/em>\u201c auf:<\/p>\n<p>\u201eDie wehrliche Ritterschaft,<br \/>\nh\u00f6ret, was ihr Nahrung schafft:<br \/>\nSie leben von einem Stein,<br \/>\ndessen Art muss edel sein.<br \/>\nIst euch der noch unbekannt,<br \/>\nSein Name wird euch hier genannt:<br \/>\nEr hei\u00dfet Lapis exilis.<br \/>\nVon seiner Kraft der Ph\u00f6nix<br \/>\nVerbrennt, dass er zu Asche wird<br \/>\nUnd dann der Gluth verj\u00fcngt entschwirrt.<br \/>\nDer Ph\u00f6nix sch\u00fcttelt sein Gefieder<br \/>\nUnd gewinnt so lichten Schimmer wieder,<br \/>\nDas er sch\u00f6ner wird als eh.<br \/>\nW\u00e4r einem Menschen noch so weh,<br \/>\nDoch stirbt er nich denselben Tag,<br \/>\nDa er den Stein erschauen mag,<br \/>\nUnd noch die n\u00e4chste Woche nicht;<br \/>\nAuch enthellt sich nicht sein Angesicht:<br \/>\nDie Farbe bleibt ihm klar und rein,<br \/>\nWenn er t\u00e4glich schaut den Stein,<br \/>\nWie in seiner besten Zeit<br \/>\nEinst als J\u00fcngling oder Maid.<br \/>\nS\u00e4h er den Stein zweihundert Jahr,<br \/>\nErgrauen w\u00fcrd ihm nicht sein Haar.<br \/>\nSolche Kraft dem Menschen gibt der Stein,<br \/>\nDa\u00df ihm Fleisch und Gebein<br \/>\nWieder jung wird gleich zur Hand:<br \/>\nDieser Stein ist Gral genannt.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=LnUTAAAAQAAJ&amp;pg=PA40&amp;dq=%22Sie+leben+von+einem+Stein,%22&amp;hl=en&amp;sa=X&amp;ei=D8qvUe2zI43Msgb8r4GIBw&amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;q=%22Sie%20leben%20von%20einem%20Stein%2C%22&amp;f=false\" target=\"_blank\">Parzival und Titurel: Rittergedichte von Wolfram von Eschenbach, Hrsg. Karl Simrock, T\u00fcbingen, 1842, S. 40-41.<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/eschenbach_phoenix_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1236\" title=\"eschenbach_phoenix_1\" src=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/eschenbach_phoenix_1.jpg\" alt=\"\" width=\"724\" height=\"548\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=k6vw0nRCrO0C&amp;pg=PT354&amp;dq=lapsit+exillis+eschenbach+phoenix&amp;hl=en&amp;sa=X&amp;ei=OJqrUbz_AoiQtQbwwYG4BQ&amp;redir_esc=y\" target=\"_blank\">Parzival and Titurel. By Wolfram von Eschenbach.<\/a><\/p>\n<p>Siehe auch:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=DC4tAAAAYAAJ&amp;pg=PA226&amp;lpg=PA226&amp;dq=fenis+eschebach+lapsit&amp;source=bl&amp;ots=yZlX2Wzc70&amp;sig=eZxQhGkM6yebcgVuAvhqOc5B9fA&amp;hl=en&amp;sa=X&amp;ei=v8CvUfjNK83ysgaNkoHgDw&amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\">Wolfram von Eschenbach: Parzival. Mittelhochdeutscher Text. Hrsg. Karl Lachmann 1833, Berlin<\/a><\/p>\n<p>Die Sicht auf den heiligen Gral er\u00f6ffnet ein Spektrum in dem Inhalte mythischer und religi\u00f6ser Natur gemeinsam im Universalen zu entdecken sind. Anerkannte \u201eReligionen\u201c und heidnische \u201eMythen\u201c und \u201eLegenden\u201c lassen sich nicht hundertprozentig voneinander trennen.<\/p>\n<p>Eine andere Parallele, die diese beiden Br\u00fcckenreligionen, die der Manich\u00e4er und die der Katharer, aufwiesen, war ihr Widerstandsgeist der sich gehen die Hauptkirche richtete, der sie sich jeweils entlehnten und durch die sie letzendlich auch vernichtet wurden. Die Manich\u00e4er wurden in ihrem Urspungsland Persien vom Zoroastrismus bek\u00e4mpft, Mani in den Kerker gesteckt, wo er bald starb. Ein Zeungis der zoroastrischen Verachtung des Manich\u00e4ismus finden wir in diesem Beispiel:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/zoroastrianism_and_manichaeans_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1239\" title=\"zoroastrianism_and_manichaeans_1\" src=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/zoroastrianism_and_manichaeans_1.jpg\" alt=\"\" width=\"656\" height=\"581\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=CSTsiqEwgj0C&amp;pg=PA312&amp;dq=zoroastrian+persecution+manichaeans&amp;hl=en&amp;sa=X&amp;ei=LwyuUbOyNY_AswbVqYGADw&amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;q=zoroastrian%20persecution%20manichaeans&amp;f=false\" target=\"_blank\">Studia Manichaica edited by Ronald E. Emmerick, Werner Sundermann, Peter Zieme<\/a><\/p>\n<p>Die Katharer wurden im qualvoll lang andauernden Albigenserkreuzzug durch die Katholiken final ausgel\u00f6scht, nachdem auch die letzten friedlichen Verhandlungen zwischen ihnen und den Katholiken gescheitert waren. Der katharischen Priesterin Esclarmonde de Foix wurde bei diesen Verhandlungen vom sp\u00e4ter heiligen Dominikus der Mund verboten, sie sei eine Frau, daher stehe es ihr nicht zu sich in einen theologischen Disput einzumischen.<\/p>\n<p>(Vergleiche: Gottfried Koch, <em>Frauenfrage und Ketzertum im Mittelalter: die Frauenbewegung im Rahmen des Katharismus und des Waldensertums und ihre sozialen Wurzeln [12.-14. Jahrhundert]<\/em>, 1962, S. 52 und Giovanni Chiantore, <em>Studi medievali<\/em>, 1964, S. 748)<\/p>\n<p>Auf dieser Seite befindet sich eine praktische \u00dcbersicht \u00fcber den Verlauf des Albigenserkreuzzugs: <a href=\"http:\/\/www.okzitanien.de\/historie.htm\">http:\/\/www.okzitanien.de\/historie.htm<\/a><\/p>\n<p>Warum sich ausgerechtnet ein christlicher Ritter aus Franken, n\u00e4mlich Wolfram von Eschenbach, mit einem Geheimnis befasste, dass auch diese beiden Widerstandsreligionen besch\u00e4ftige, muss mit der geheimnisvollen Popularit\u00e4t des Mythos um den heiligen Gral gelegen haben, der in Europa besonders durch die Arthus-Legende bekannt gewesen ist.<\/p>\n<p>Die Suche und zugleich die Festlegung dessen, worum es eigentlich in dieser Suche nach dem Gral geht (was nun das Abendland und das Mittelalter anbetrifft), ist bis in die deutsche Romantik hineingetragen worden, bedeutungsvoll und mit tiefem Pathos. So band Richard Wagner in seinem Parsifal neue Ideale an die Legende, die bis heute Fragen aufwirft, die f\u00fcr immer unbeantwortbar bleiben m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Richard Wagner, der seinen Parsifal an den Eschenbachs anlehnte, befasste sich zu der Zeit als er dieses, sein letztes Werk schrieb, mit der buddhistischen Lehre der Gewaltsoligkeit gegen\u00fcber dem Leben und war fasziniert von der M\u00f6glichkeit der \u201eErl\u00f6sung\u201c durch die menschliche Anerkennung der Verantwortung gegen\u00fcber dem Leid der Tiere. Er lag damit ganz im Geiste der europ\u00e4ischen vegetarischen Bewegung seiner Zeit.<\/p>\n<p>Auf der Seite der International Vegetarian Union findet man zahlreiche detailierte Biographien von Menschen, die in der vegetarischen Bewegung damals eine Rolle spielten: <a href=\"http:\/\/www.ivu.org\/\">http:\/\/www.ivu.org\/<\/a><\/p>\n<p>Wagner, der es selbst nicht ganz konsequent bis zum praktiziernden Vegetarier schaffte, schrieb \u00fcber seine Gef\u00fchle der Gewalt Tieren gegen\u00fcber:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/wagner_an_m_wesendonk_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1238\" title=\"wagner_an_m_wesendonk_1\" src=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/wagner_an_m_wesendonk_1.jpg\" alt=\"\" width=\"603\" height=\"574\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=WzRZb0EugxIC&amp;printsec=frontcover&amp;dq=Richard+Wagner+an+Mathilde+Wesendonk&amp;hl=en&amp;sa=X&amp;ei=SFmvUabjEYWttAbuzID4BA&amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;q=Richard%20Wagner%20an%20Mathilde%20Wesendonk&amp;f=false\" target=\"_blank\">Richard Wagner an Mathilde Wesendonk (Timokrates Verlag), S. 53<\/a><\/p>\n<p>Seine oft zitierte Ablehnung des \u201eUrfalls\u201c der Gewalt gegen\u00fcber Tieren \u2013 der biblischen Geschichte \u00fcber Kain, den Ackerbauenden, der aus Neid seinen Bruder Abel, den Hirten, erschlug, als Gott das Fleischopfer der pflanzlichen Opfergabe vorzog \u2013 erinnert intuitiv an die Ablehnung des Alten Testament der Katharer und der Manich\u00e4er.<\/p>\n<p>Der Kritik an der j\u00fcdischen Tradition seitens Wagners mag damit zusammenh\u00e4ngen. Man will ein \u00dcbel an einem vermeintlichen Schuldigen festmachen, an einer bestimmten Lehre, damit man \u201eder Sache\u201c habhaft werden kann \u2013 dabei ist jedes \u00dcbel immer an die Fehlerhaftigkeit individueller Menschen gebunden. Wagner wird sich kaum \u00fcber die Tragweite seiner Kritik bewusst gewesen sein.<\/p>\n<p>Aus Cosima Wagners Aufzeichnungen l\u00e4sst sich einiges Wichtiges ableiten \u00fcber das, was ihn zuletzt am meisten besch\u00e4ftigt haben muss:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/SOC_jost_hermand_wagner_100_1a.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1237\" title=\"SOC_jost_hermand_wagner_100_1a\" src=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/SOC_jost_hermand_wagner_100_1a.jpg\" alt=\"\" width=\"724\" height=\"548\" \/><\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=fcGpD_jrabQC&amp;pg=PA99&amp;dq=%22eine+gleichsam+h%C3%B6here+weihe%22&amp;hl=en&amp;sa=X&amp;ei=BF6vUc7KN4_ltQaDvYGwBA&amp;redir_esc=y#v=snippet&amp;q=%22und%20das%20erste%20Tier%20umbringt%22&amp;f=false\" target=\"_blank\">Jost Hermand, Freundschaft: Zur Geschichte einer sozialen Bindung , 2006, S. 100.<\/a><\/p>\n<p>Wichtig ist es festzuhalten, dass die Suche nach dem heiligen Wahrheitskern auf diesem Pfad, wenn wir ihn denn so verfolgen, so scheint, dass der <em>Lebensschutz<\/em> bewusst, direkt und unbewusst und indirekt darin zu finden ist. Im Libretto Wagners erfahren wir, dass seine Gestalten im Parsifal von der Heiligkeit des Lebens sprechen:<\/p>\n<p>KUNDRY: Sind die Tiere hier nicht heilig?<\/p>\n<p>[&#8230;]<\/p>\n<p>(Vom See her vernimmt man Geschrei und das Rufen der Ritter und Knappen.)<\/p>\n<p>RITTER UND KNAPPEN: Weh&#8217;! &#8211; Weh&#8217;! Hoho! Auf! Wer ist der Frevler?<\/p>\n<p>(Gurnemanz und die vier Knappen fahren auf und wenden sich erschrocken um. &#8211; Ein wilder Schwan flattert matten Fluges vom See daher; er ist verwundet, die Knappen und Ritter folgen ihm nach auf die Szene. Der Schwan sinkt, nach m\u00fchsamem Fluge, inatt zu Boden; der zweite Ritter zieht ihm den Pfeil aus der Brust. &#8211; W\u00e4hrenddem)<\/p>\n<p>GURNEMANZ: Was gibt&#8217;s?<\/p>\n<p>VIERTER KNAPPE: Dort!<\/p>\n<p>DRITTER KNAPPE: Hier!<\/p>\n<p>ZWEITER KNAPPE: Ein Schwan!<\/p>\n<p>VIERTER KNAPPE: Ein Wilder Schwan!<\/p>\n<p>DRITTER KNAPPE: Er ist verwundet!<\/p>\n<p>ALLE RITTER UND KNAPPEN: Ha! Wehe! Wehe!<\/p>\n<p>GURNEMANZ: Wer schoss den Schwan?<\/p>\n<p>DER ERSTE RITTER (hervorkommend): Der K\u00f6nig gr\u00fcsste ihn als gutes Zeichen, als \u00fcberm See kreiste der Schwan, da flog ein Pfeil&#8230;<\/p>\n<p>KNAPPEN UND RITTER (Parsifal hereinf\u00fchrend, auf Parsifals Bogen weisend): Der war&#8217;s! Der schoss! Dies der Bogen! Hier der Pfeil, den seinen gleich.<\/p>\n<p>GURNEMANZ (zu Parsifal): Bist du&#8217;s, der diesen Schwan erlegte?<\/p>\n<p>PARSIFAL: Gewiss! Im Fluge treff&#8217; ich, was fliegt!<\/p>\n<p>GURNEMANZ: Du tatest das? Und bangt&#8217; es dich nicht vor der Tat?<\/p>\n<p>DIE KNAPPEN UND RITTER: Strafe dem Frevler!<\/p>\n<p>GURNEMANZ : Unerh\u00f6rtes Werk! Du konntest morden, &#8211; hier im heil&#8217;gen Walde, des&#8217; Stiller Friede dich umfing? Des Haines Tiere nahten dir nicht zahm, &#8211; Gr\u00fcssten dich freundlich und fromm? Aus den Zweigen, was sangen die V\u00f6glein dir? Was tat dir der treue Schwan? Sein Weibchen zu suchen, flog er auf, mit ihm zu kreisen \u00fcber dem See, den so er herrlich weihte zum Bad. &#8211; Dem stauntest du nicht? Dich lockt&#8217; es nur zu wild kindischem Bogengeschoss?<\/p>\n<p>Er war uns hold: was ist er nun dir? Hier, schau her! &#8211; hier trafst du ihn: da starrt noch das Blut, &#8211; matt h\u00e4ngen die Fluegel; das Schneegefieder dunkel befleckt, &#8211; gebrochen das Aug&#8217;, &#8211; siehst du den Blick? (Parsifal hat Gurnemanz mit wachsender Ergriffenheit zugeh\u00f6rt; jetzt zerbricht er seinen Bogen und schleudert die Pfeile von sich.) Wirst deiner S\u00fcndentat du inne? (Parsifal f\u00fchrt die Hand \u00fcber die Augen.) Sag&#8217;, Knab&#8217;, erkennst du deine grosse Schuld? Wie konntest du sie begehn?<\/p>\n<p>PARSIFAL: Ich wusste sie nicht.<\/p>\n<p>So fast auch der Kulturgeschichtler Jost Hermand diesbez\u00fcglich zusammen:<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/jost_hermand_wagner_139.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1244\" title=\"jost_hermand_wagner_139\" src=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/jost_hermand_wagner_139.jpg\" alt=\"\" width=\"619\" height=\"579\" \/><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=_-8h2W9f6ssC&amp;printsec=frontcover&amp;dq=isbn:3412200980&amp;hl=en&amp;sa=X&amp;ei=O4u0UcT6MMm1hAfxpoCwBg&amp;redir_esc=y#v=snippet&amp;q=%22mit%20dem%20Tier%22&amp;f=false\" target=\"_blank\">Jost Hermand, Glanz und Elend der deutschen Oper, 2008, S. 139.<\/a><\/p>\n<p>Es wird einen Grund haben, warum die Katharer und die Manich\u00e4er bis heute daf\u00fcr bekannt sind, dass sie es als eine Vollendung ihrer Glaubensmission betrachteten in der Askese zu leben, die Gewalt gegen Tiere vermeidet. Und es wird einen Grund haben, warum wir das Motif des Lebensschutzes in anderer Form, aber gebunden an den Mythos der Gralslehre, wieder finden in der deutschen Romantik.<\/p>\n<p>Der Wert solcher Botschaften ist ein fragiler. Der sensible Sinn entweicht schnell denen, die zweifeln an der M\u00f6glichkeit des Menschen als transspezies-empathisches Wesen. Aber gerade an dieser Zerbrechlichkeit mag das Geheimnis einer Erkenntnissuche liegen \u2013 an dem zu halten, was kaum zu greifen ist, was aber tief in das Herz f\u00fchrt. Weder Religion noch wahre Kunst ist ohne Sensibilit\u00e4t und Reverenz f\u00fcr das Leben denkbar und wenn sie diese nicht aufweisen, werden sie zu Zerst\u00f6rern.<\/p>\n<p>Es geht hier nicht darum, ob ein Mensch, der durch sein Talent und sein Schaffen besonders hervorragt, nun mit gutem Beispiel voranging und wie genau. Wagner schaffte es selbst nicht ganz hin zum zumindest dauerhaft gelebten Vegetarismus, aber er bem\u00fchte sich um eine Botschaft des All-Lebensschutzes, die die Forderung beinhaltete, dass Tiere nicht gejagt, gegessen, get\u00f6tet werden d\u00fcrften. Worum es geht ist, dass die Erinnerung und das Bewusstsein \u00fcber Zeit und Geschichte hinweg erhalten bleiben. Das besondere ist, von welchen Seiten her Fragen aufgeworfen wurden am menschlicher T\u00f6ten von Tieren f\u00fcr den Fleischverzehr und f\u00fcr das Opfern, gleichwohl wir Zeugnisse dieser Art in den Irrg\u00e4rten menschlicher \u00dcberlieferung nur wie Fragmente zusammentragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>So existierte der Manich\u00e4ismus beispielsweise in einer Zeit, in der er als \u201aLichtreligion\u2019 schon durch eine innere menschliche Spaltung zwischen einem absolut Guten und einem absolut B\u00f6sen belastet war. Hier konnte man die Sinnlosigkeit und die ethische Verwerflichkeit der Verursachung von Leid durch den Menschen als eine eigene Verantwortlichkeit, der im menschlichen Handeln Rechnung getragen werden muss, nicht mehr ohne Weiteres thematisieren, denn sowohl die Macht des B\u00f6sen, als auch die des Guten waren so gewaltig, dass das eigene Handeln nicht mehr als ein dienen oder gehorchen (der einen oder der anderen Seite) sein konnte.<\/p>\n<p>Dort wo Mensch und Tier in ihrer Problematik und in ihrer Heiligkeit ihres Lebens als Eins genommen werden, wird es f\u00fcr uns aber immer schwierig bleiben das anhand der weltanschaulichen Hinterlassenschaften solcher kulturellen Begebenheiten nachweisen zu k\u00f6nnen. Zum einen wird man hier keine direkte Hervorhebung der Tierproblematik finden, zum anderen, gehen wir zu stark davon aus, dass alle menschlichen Lebensvorstellungen im Bezug auf die Mitwelt eigentlich \u00e4hnlich gewesen sein m\u00fcssten wie unserer heute.<\/p>\n<p>St. Augustinus , der erst begeistert vom Manich\u00e4ismus war, wendete sich sp\u00e4ter von ihm ab in Emp\u00f6rung und \u00fcberlieferte uns in seiner Kritik viel \u00fcber die Gr\u00fcnde, warum die Manich\u00e4er Tiere nicht t\u00f6ten, opfern oder essen wollten: <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=lHZPAAAAYAAJ&amp;redir_esc=y\">http:\/\/books.google.de\/books?id=lHZPAAAAYAAJ&amp;redir_esc=y<\/a>, + <a href=\"http:\/\/www.animalrightshistory.org\/animal-rights-antiquity-ce\/mani\/mani.htm\">http:\/\/www.animalrightshistory.org\/animal-rights-antiquity-ce\/mani\/mani.htm<\/a>)<\/p>\n<p>Im persischen Mythos gibt es den Humaay \/ Homa, den Ph\u00f6nix, der im Schahnameh und im iranischen Sch\u00f6pfungsmythos auch Simorgh genannt wird, in prominenter Weise. Dieser mythische Vogel trug im gesamten Kulturraum zahlreiche, fast unz\u00e4hlige Nahmen, denn er stand f\u00fcr ein Seins-Prinzip.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/simorgh_picture.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-1245\" title=\"simorgh_picture\" src=\"http:\/\/simorgh.de\/niceswine\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/simorgh_picture.jpg\" alt=\"\" width=\"538\" height=\"491\" \/><\/a><\/p>\n<p><em>Abbildung, Miniatur eines unbekannten K\u00fcnstlers aus dem Schahnameh von Firdausi: Simorgh tr\u00e4gt das Kind Zal zu seinem Nest um es vor dem Tode zu retten.<\/em><\/p>\n<p>Die bekanntesten Erz\u00e4hlungen \u00fcber diese Vogelgestalt ist die von Far\u012bd ad-D\u012bn \u02bbA\u1e6d\u1e6d\u0101r: <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=7OI9AAAAIAAJ&amp;printsec=frontcover&amp;dq=simorgh++vohuman&amp;hl=en&amp;sa=X&amp;ei=vha1UeDBJ8PBhAfk0oHQDw&amp;redir_esc=y#v=onepage&amp;q&amp;f=false\" target=\"_blank\">The Conference of the Birds<\/a>\u00a0und die des im Gebirge nistenden Vogels Simorgh, der das ausgestzte Kind Zal rettet und aufzieht, im Schahnameh von Firdausi.<\/p>\n<p>Nach der Vorstellung im iranischen Mythos teilte sich das Sein in drei Bereiche auf:<\/p>\n<p>1. Die verletzliche Leiblichkeit auf dieser Erde, die \u201eTankard\u201c; der Raum der Sichtbarkeit und Greifbarkeit.<\/p>\n<p>2. Gab es den Bereich des Sichtbaren aber Ungreifbaren, der durch Simorgh dargestellt wurde. Simorgh konnte nur auf der Erde verletzt werden, aber auch niemals \u201aget\u00f6tet\u2019 werden, sie war der Vogel der Wiedererstehung. Sobald sie vom Boden abhob, konnte man sie auch nicht mehr verletzen.<\/p>\n<p>3. Und es gab den Bereich des Unsichtbaren und Ungreifbaren, den Bereich der Gottheit Vohuman, in der das Sein \u00fcberging, wenn es auf der Erde verletzt wird und sich nicht mehr sch\u00fctzen kann.<\/p>\n<p>Diese drei Bereiche waren untrennbar Verbunden. In dem Buch: <em>Das Denken beginnt mit dem Lachen: die unsterbliche Kultur der Iran<\/em> von M. Jamali und G. Y. Arani-May wird der Mythos des Simorgh in seinem Kontext er\u00f6rtert. Das Buch ist <a href=\"http:\/\/jamali.info\/ikp\/das-denken-beginnt-mit-dem-lachen\/\" target=\"_blank\">hier<\/a> abrufbar.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Geheimnis der Liebe zum Leben: Religi\u00f6se Widerst\u00e4ndler und heidnische Modernisten Dieser Text als PDF (Link \u00f6ffnet sich in einem neuen Fenster) Die Katharer waren eine christliche Splittergruppe des europ\u00e4ischen Hochmittelalters, die ihren Glauben an den Gut-B\u00f6se-Dualismus der aus Persien stammenden Manich\u00e4er des 3. Jahrunderts nach Christus anlehnte. 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