{"id":2170,"date":"2018-06-11T13:51:05","date_gmt":"2018-06-11T13:51:05","guid":{"rendered":"http:\/\/simorgh.de\/about\/?p=2170"},"modified":"2020-08-23T22:09:32","modified_gmt":"2020-08-23T22:09:32","slug":"wrenn-kann-reiten-vegan-sein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/about\/wrenn-kann-reiten-vegan-sein\/","title":{"rendered":"Corey Lee Wrenn: Kann Reiten vegan sein?"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/human.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-3388\" src=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/human.png\" alt=\"\" width=\"772\" height=\"718\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/human.png 772w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/human-300x279.png 300w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/human-768x714.png 768w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/human-250x233.png 250w\" sizes=\"(max-width: 772px) 100vw, 772px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.coreyleewrenn.com\/\">Corey Lee Wrenn<\/a>: Kann Reiten vegan sein?<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/wrenn\/corey_wrenn_kann_reiten_vegan_sein.pdf\">Dieser Text als PDF<\/a><\/p>\n<p><em>Can horseback riding be vegan?<\/em> Ein Artikel von Corey Lee Wrenn ver\u00f6ffentlich im Examiner.com am 10. April 2012, <a href=\"http:\/\/www.examiner.com\/article\/can-horseback-riding-be-vegan\">http:\/\/www.examiner.com\/article\/can-horseback-riding-be-vegan<\/a> , nicht mehr online. \u00dcbersetzung: Palang LY mit der freundlichen Genehmigung von Dr. Wrenn.<\/p>\n<p>Ein Interview auf der Tierrechtsseite ARZone mit der Pferde-\u201eRehabilitatorin\u201c Kim Hollingsworth hat k\u00fcrzlich auf meiner Facebookseite \u201aThe Academic Vegan Abolitionist\u2019 (1) zu einer interessanten Diskussion gef\u00fchrt. In diesem Interview verteidigt Hollingsworth das Reiten, solange das Pferd sich nicht verweigert und das Reiten nicht als \u201est\u00f6rend\u201c empfindet. W\u00e4hrend ich immer dachte das sei ein typisch welfaristischer (2) Standpunkt, scheint es aber interssanterweise so, dass das Reiten, wenn es dem Bedarf des Tieres an sozialer Interaktion und Bewegung dient, von einer ganzen Anzahl von Abolitionisten akzeptiert wird, einschlie\u00dflich von Gary Francione und anderen bekannten abolitionistischen Aktivisten.<\/p>\n<p>Das Argument dabei ist, dass manche Pferde, die seit ihrer Geburt ja darauf konditioniert w\u00e4ren einen Reiter zu dulden und nun von der Interaktion mit dem Mensch anh\u00e4ngig sind, das Berittenwerden f\u00fcr ihre emotionale und physische Gesundheit tats\u00e4chlich br\u00e4uchten. Pferde k\u00f6nnten depressiv werden, unbeweglich und sogar ihr Futter verweigern, wenn ihnen die Interaktion mit dem Menschen, an die die Pferde sich bereits gew\u00f6hnt h\u00e4tten, wieder pl\u00f6tzlich entzogen wird.<\/p>\n<p>Dieses Argument ist typisch f\u00fcr die vielen unl\u00f6sbaren ethischen R\u00e4tsel, die durch die grundlegend problematische Einrichtung der Domestizierung produziert wurden. Wir schaffen das Problem und ringen dann nach L\u00f6sungen, wie ethische Entscheidungen getroffen werden k\u00f6nnten in einem System das bereits in inh\u00e4renter Weise ungerecht ist. Beispielsweise haben manche Katzen Schwierigkeiten damit, mit einer angereicherten veganen Ern\u00e4hrung physisch-gesundheitlich klarzukommen und so m\u00fcssen wir die traugrige Entscheidung treffen, sie mit dem Fleisch anderer nichtmenschlicher Tiere zu f\u00fcttern. Viele Veganer m\u00fcssen mit dieser Entscheidung leben, wobei manche tats\u00e4chlich vorschlugen, dass man Katzen einschl\u00e4fern m\u00fcsse, damit die Ausbeutung von Nichtmenschen, die wegen ihres Fleisches ausgezogen werden, nicht weitergef\u00fchrt wird, und damit wir ihren Status als Besitz nicht untermauern indem wir die Tiere als \u201eHaustiere\u201c halten. Ich sehe darin keine L\u00f6sung. Ich bin der Meinung, dass es genug ist, dass wir als Menschen vegan sind, und dass wir in Richtung einer Beendigung der Nutzung von Tieren als Lebensmittel, sowohl f\u00fcr Menschen als auch f\u00fcr \u201eHaustiere\u201c und gegen die Domestizierung arbeiten sollten. Haben wir einmal eine kritische Menge veganer Menschen erreicht, dann werden diese Situationen verschwinden, da die Strukturen die sie bedingen damit auch verschwinden.<\/p>\n<p>Das gleiche betrifft auch das Leben mit angenommenen Pferden \u2013 wenn wir eine kritische Menge veganer Menschen erreicht haben, dann w\u00fcrde damit die Pferdezucht abnehmen und wir w\u00e4ren nicht mehr l\u00e4nger dazu gezwungen schwierige Entscheidungen treffen zu m\u00fcssen, die sich mitunter mit unseren nicht-spezisitischen Werten nicht vereinbaren lassen.<\/p>\n<p>Zu diesem Zeitpunkt kann ich nicht sagen, dass ich das Reiten von Pferden unter irgendwelchen Umst\u00e4nden bef\u00fcrworten k\u00f6nnte. Pferde, als eine Gruppe genommen, weisen eine Vielzahl von m\u00f6glichen \u201eFehlverhaltensweisen\u201c auf, die ziemlich klar signalisieren, dass das Pferd nicht beritten werden will. Zum Beispiel begegnen viele Pferde dem Zaumzeug ablehnend, buckeln und bl\u00e4hen ihren Bauch [beim Satteln] so auf, dass der Sattelgurt sp\u00e4ter zu locker sitzt. Und nat\u00fcrlich bedeutet der ganze Prozess des \u201eZureitens\u201c des Pferdes (im Englischen fachsprachlich \u201ebreaking a horse\u201c), im Vorgang der \u201aDomestizierung\u2019, dass diese Tiere dazu gezwungen und konditioniert werden, ihre Ausbeutung zu akzeptieren.<\/p>\n<p>Zudem unterscheidet sich der Glaube, dass Pferde einen Vorteil und Spa\u00df an ihrer Ausbeutung h\u00e4tten kaum von einer Argumentation die behauptet, Sklaven h\u00e4tten irgendeinen Vorteil von ihrer Versklavung gehabt (vor der Abschaffung der Sklaverei argumentierten viele [ihrer Bef\u00fcrworter], dass die Sklaven auf den Plantagen doch zufriedene Leben f\u00fchren w\u00fcrden, vergleichsweise zu ihrer vorherigen \u201ebarbarischen\u201c Existenz in Afrika), oder dass Frauen gerne an pornografischen Darstellungen teilhaben und einen Vorteil dadurch gen\u00f6ssen, sie gerne bei Hooters (3) Kellnern oder die Hauptarbeit beim Gro\u00dfziehen der Kinder, der Hausarbeit und dem Kochen erledigen w\u00fcrden. Wir m\u00fcssen unter die Oberfl\u00e4che blicken und die Auswirkungen von Unterdr\u00fcckung erkennen \u2013 und damit auch die Internalisierung dieser Unterdr\u00fcckung \u2013 die letzendlich solche Haltungen pr\u00e4gt.<\/p>\n<p>Wichtig ist zu sehen, dass es verschiedene Alternativen gibt wie man ein Pferd froh und gesund halten kann \u2013 ein ad\u00e4quater Lebensraum, Freunde auf der Weide (andere Pferde, Ziegen, usw.) und Spielzeuge helfen. Pferde-\u201ehalter\u201c [\u201aguardians\u2019] k\u00f6nnen mit Pferden auch lange Spazierg\u00e4nge machen. Wildlebende Pferde ben\u00f6tigen definitiv keinen Menschen auf ihrem R\u00fccken um eine zureichende Anregung zu erhalten, und es gibt keinen Grund daf\u00fcr anzunhemen, dass sich dies bei einem domestizierten Pferd anders verhalten w\u00fcrde. In der Tat gibt es viele Pferde-\u201ebesitzer\u201c die ihre Pferde niemals reiten und die die Tiere ausschlie\u00dflich wegen ihrer Sch\u00f6nheit oder aus Gef\u00e4hrtenschaftsgr\u00fcnden halten.<\/p>\n<p>Eine anderer Bedenkenspunkt ist der, dass wir doch offensichtlich auch nicht meinen wir m\u00fcssten andere gro\u00dfe Tiere, die wir \u201ehalten\u201c [die wir bei uns aufnehmen, \u201aadopt\u2019] oder gerettet haben, \u201ereiten\u201c \u2013 keiner behauptet, dass Rinder, Elefanten, Llamas usw. zu ihrem Vorteil beritten werden m\u00fcssten. Auch setzen wir kleinere Nichtmenschen, die wir als Gef\u00e4hrten halten \u2013 wie Katzen und Kaninchen zum Beispiel \u2013 auch nicht vergleichbaren Trainingserwartungen aus. Im Endeffekt kann man sagen, wir stellen Erwartungen an Pferde. Wir reiten sie, weil wir es k\u00f6nnen. Katzen sind da zum Streicheln, Pferde zum Reiten. Unsere Beziehung mit ihnen hat als eine zwischen Reiter und Packtier \/ als Herr und Diener f\u00fcr Tausende von Jahren existiert. Das Pferd, das als ein williger, feuriger, loyaler Gef\u00e4hrte dargestellt wurde, ist lange ein wichtiges Symbol in der menschlichen Kultur gewesen. Unsere soziale Konstruktion des Pferdes ist so durch die willk\u00fcrlichen Entscheidungen geformt, die wir f\u00fcr den Grad und das Ma\u00df dessen treffen, wieviel menschliche Einmischung sie brauchen und w\u00fcnschen. Wie in so vielen anderen oppressiven Situationen ziehen wir es vor anzunehmen, dass es ihnen nichts ausmacht, dass sie es brauchen oder es ihnen sogar gef\u00e4llt von uns benutzt zu werden. Keiner w\u00fcrde dasselbe behaupten, wenn wir \u00fcber menschliche Opfer von Ausbeutung sprechen w\u00fcrden. W\u00e4re es beispielsweise akzeptabel die Mitglieder einer Minderheitsgruppe zu satteln und sie uns herumtragen zu lassen zum Zwecke ihres k\u00f6rperlichen Wohlbefindens. Es gibt daf\u00fcr mit Sicherheit weniger kompromittierende Alternativen.<\/p>\n<p>Doch kann eine lebenslang erfahrene Ausbeutung bedeuten, dass manche Pferde oder andere domestizierte Tiere eine schwere Zeit damit erleben sich daran zu gew\u00f6hnen, dass das Leben wie sie es [einst] kannten sich [mit einem Male] ver\u00e4ndert hat. Daher sage ich nicht, dass es unsere Pflicht gegen\u00fcber domistizierten Pferden w\u00e4re, allen menschlichen Kontakt zur\u00fcckzufahren, sondern ich meine, dass unsere Interaktionen dahingehend ver\u00e4ndert werden sollten, dass den emotionalen und physischen Bed\u00fcrfnisse der Pferde Rechnung getragen wird, ohne ihnen dabei unsere spezisistischen Forderungen aufzuzw\u00e4ngen. Ich bin der festen \u00dcberzeugung, dass Pferdepsychologen, die so viel Ziet damit verbringen Pferde f\u00fcr den menschlichen Gebrauch zu \u201erehabilitieren\u201c, ihre Herangehensweise rekonfigurieren k\u00f6nnten und damit beginnen k\u00f6nnten Pferde in die Richtung zu rehabilitiereen, dass sie mit Menschen in einer egalitaristischeren Weise leben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Gleich welche Einstellung man hegt \u00fcber das Reiten von Pferden, die es angeblich f\u00fcr ihr Wohlergehen br\u00e4uchten, es ist niemals in Ordnung die Pferdeindustrie zu unterst\u00fctzen, Pferdeveranstaltungen (z.B. Dressur, Rennen oder Rodeos), Streichelzoos, Kutschfahrten, Trailreiten, usw. Jede Situation, in der ein Pferd als Besitz betrachtet wird, ihre Existenz darauf reduziert wird dem Menschen zu dienen und in der ihre \u201eBesitzer\u201c sie als G\u00fcter behandeln, ist speziesistisch, und wir sollten dies ohne Umschweife ablehnen. Auf der anderen Seite brauchen tausende Pferde ein Zuhause. Hier zum Beispiel im Roanoke Valley sind zahllose Pferderettungseinrichtungen. Wir d\u00fcrfen genausowenig mit der Zucht und dem Kauf von Pferden zu tun haben, wie mit der Zucht und der Kauf von Katzen oder Hunden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend dieser Artikel zu keinen letztendlichen Schlussfolgerungen kommt, dringe ich meine veganen Leser, die Pferde angenommen haben oder planen in Zukunft anzunehmen, darauf, \u00fcber weniger speziesistische Alternativen zum Reiten nachzudenken. W\u00e4hrenddessen w\u00e4re es f\u00fcr unsere Bewegung auch f\u00f6rderlich auf die Erfahrungen von Experten zur\u00fcckzugreifen, die eine gr\u00f6\u00dfere pferdepsychologische und -biologische Kenntnis haben, um damit die weniger oppressive Alternativen zu erkunden.<\/p>\n<p>Anmerkungen:<\/p>\n<p>(1) A.d.\u00dc. diese Facebookgruppe existiert nicht mehr.<\/p>\n<p>(2) A.d.\u00dc. der Welfalismus bezeichnet im Tierschutz eine \u201eVerbesserung\u201c von Tierhaltungsbedingungen in den Agrarindustrien, ohne einen rechtlich ver\u00e4nderten Status der Tiere mit Hinsicht auf deren Rechte auf Leben, Freiheit usw. einzufordern.<\/p>\n<p>(3) A.d.\u00dc. Hooters ist eine amerikanischen Gastronomiekette, die bewu\u00dft mit dem \u201esex appeal\u201c bevorzugt junger Kellnerinnen wirbt.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfende Anmerkung des \u00dcbersetzers: die von der Autorin beschriebene Idee einiger Abolitionisten, Tiere zu t\u00f6ten, weil sie nicht als Haustiere leben sollen, ist nat\u00fcrlich extrem und w\u00fcrde eigentlich einer kritischeren und str\u00e4rker distanzierten Diskussion bed\u00fcrfe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Corey Lee Wrenn: Kann Reiten vegan sein? Dieser Text als PDF Can horseback riding be vegan? Ein Artikel von Corey Lee Wrenn ver\u00f6ffentlich im Examiner.com am 10. April 2012, http:\/\/www.examiner.com\/article\/can-horseback-riding-be-vegan , nicht mehr online. \u00dcbersetzung: Palang LY mit der freundlichen Genehmigung von Dr. Wrenn. 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