{"id":1904,"date":"2018-02-21T16:12:49","date_gmt":"2018-02-21T16:12:49","guid":{"rendered":"http:\/\/simorgh.de\/about\/?p=1904"},"modified":"2018-02-21T20:24:04","modified_gmt":"2018-02-21T20:24:04","slug":"autonomierechte-und-identifikation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/simorgh.de\/about\/autonomierechte-und-identifikation\/","title":{"rendered":"Autonomierechten einen Namen verleihen: Namensgebung f\u00fcr nichtmenschliche (nm-)Tiere als Zeugnis und Ausdruck sozialer Bezugnahme"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/bullgrey.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1905\" src=\"http:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/bullgrey.jpg\" alt=\"\" width=\"437\" height=\"1848\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/bullgrey.jpg 437w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/bullgrey-71x300.jpg 71w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/bullgrey-242x1024.jpg 242w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/bullgrey-250x1057.jpg 250w\" sizes=\"(max-width: 437px) 100vw, 437px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Autonomierechten einen Namen verleihen:<br \/>\nNamensgebung f\u00fcr nichtmenschliche (nm-)Tiere als Zeugnis und Ausdruck sozialer Bezugnahme<\/strong><\/p>\n<p>Palang Yeganeh Arani-Prenzel, @nonhumanism (Gruppe Messel)<\/p>\n<p>Das Bild von Farangis G. Yegane links stellt die Tauroktonie im Mithraskult in Gegen\u00fcberstellung mit der Kreuzigung Christi dar.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/autonomierechte_2d.pdf\">Dieser Text als PDF<\/a><\/p>\n<p>Ich denke wir brauchen eine Praxis der Umsetzung von Tierrechten, nicht allein im juristischen, aber auch im einem ganz grundlegenden Sinne. Wir m\u00fcssen uns dazu fragen: Erkennen wir denn selbst (auf allen Ebenen und soweit es uns m\u00f6glich ist) Tierrechte, der nm-Tiere mit denen wir leben und derer, die wir indirekt repr\u00e4sentieren wollen, an? Und wenn ja welche Rechte erkennen wir dabei an und was verstehen wir denn genau unter Tierrechten? Und damit einhergehend stellt sich auch die Frage: Wie kann die Praxis, die solchen Rechten ihr Gesicht verleiht, im allt\u00e4glichen Leben noch \u00fcber eine intersektionale ethische vegane Lebensweise hinausgehen?<\/p>\n<p>Wir werden im Vergleich miteinander feststellen, dass wir alle mitunter ein sich unterscheidendes Verst\u00e4ndnis davon haben, was entscheidend f\u00fcr die Umsetzung von Tierrechten ist und was nicht, und was wir \u00fcberhaupt unter Tierrechten beim genaueren Hinsehen verstehen. Ich pers\u00f6nlich nehme die Autonomierechte (d.h. die \u201eFreiheit von einer menschlichen Definitionshoheit \u00fcber das Tiersein\u201c) von nm-Tieren besonders wichtig. Es gibt Tierrechtler, die meinen, nm-Tiere seien \u00fcberhaupt nicht wirklich autonomief\u00e4hig, die meinen, nm-Tiere seien durch Instinktverhalten pr\u00e4determiniert.<\/p>\n<p>F\u00fcr den einen w\u00e4ren es mitunter ultimative Tierrechte, wenn er einen Lebenshof betreiben oder f\u00f6rdern und besuchen kann. F\u00fcr jemand anderen sind die politischen Tierrechte besonders wichtig, auf der Ebene verbaler Agitation und Aufkl\u00e4rung. Der eine versteht darunter dann wiederum aber beispielsweise eher den Einsatz f\u00fcr die Abschaffung von Massentierhaltungs- und Schlachtungsanlagen, der andere legt den Fokus auf die Abschaffung der T\u00f6tung aller Tiere in der Menschengesellschaft ganz grunds\u00e4tzlich.<\/p>\n<p>Nun greife ich mein Ziel mal heraus, aus dem Wust von Zielen und Vorstellungen, die wir alle als Tierrechtler auf unsere Weise als pers\u00f6nliche Priorit\u00e4ten w\u00e4hlen. Mein Fokus ist das Recht auf Autonomie im Sinne einer weitestgehenden Selbstbestimmtheit.<\/p>\n<p>Mir w\u00e4re auf dem Weg zu diesem hohen Ziel, in der Praxis meiner sozialen Interaktionen mit nm-Tieren und Menschen, wichtig, dass nm-Tiere einen Rufnamen zur Anrede und Identifikation erhalten, ohne dabei eine \u201eVermenschlichung\u201c zu betreiben. Die Wahl des Namens entscheidet, ob ein Rufname f\u00fcr ein Tierindividuum humanzentrisch erdacht oder korresponsiv-sozial bezugnehmend auf mein individuelles Gegen\u00fcber ist. Ein Rufname ist schlie\u00dflich eine individuelle, verbal intonierte Anredeform meines Gegen\u00fcbers. Es ist eine Art Kommunikations- und Verst\u00e4ndigungscode. Mein Gedanke dabei: Ich denke die M\u00f6glichkeit besteht, nm-Tiere (ich sage im Weiteren abk\u00fcrzend nur \u201aTiere\u2019) als Familienmitglieder oder Zugeh\u00f6rige mit einzubeziehen und hier ein klares Statement abzugeben: \u201eIch lebe mit diesem Tier zusammen und wir sind Freunde, dieses Individuum ist Teil meiner Lebensgemeinschaft und unter gegenw\u00e4rtigen Umst\u00e4nden im gewissen Sinne mein Schutzbefohlener. Dieses Tier soll von meinen Rechten, soweit wie m\u00f6glich, profitieren. Ich setze meine Rechte f\u00fcr seine\/ihre Rechte ein.\u201c Das \u201eHaustier\u201c muss nicht untergeordneter Lebensgenosse sein und ich sollte mir genau \u00fcberlegen, dem\/den Tieren einen so optimalen Rahmen f\u00fcr ihr Leben in Gemeinschaft mit mir zu schaffen, wie dies auch nur m\u00f6glich sein kann, am besten in anderer tierlicher Gesellschaft.<\/p>\n<p>Meine ganzen Vorstellungen in Hinsicht auf Tierrechte, wie meine Tierfreunde in der Praxis im gemeinschaftlichen Leben in einem Hausstand mit mir leben k\u00f6nnen, sollten ein klarer Ausdruck gr\u00f6\u00dftm\u00f6glicher Wahrung der Autonomierechte, in Schutz und Geborgenheit vor speziesistischen Repressalien soweit das m\u00f6glich ist, darstellen. Und mein menschliches Umfeld sollte \u00fcber diese bewusste Haltung informiert werden. Wir m\u00fcssen, in diesen f\u00fcr Tiere widrigen Umst\u00e4nden, die in humanzentrischen Gesellschaften herrschen, nun einmal Lebensgemeinschaften bilden. Das optimale w\u00e4re, wenn wir zunehmend Gr\u00fcnfl\u00e4chen \u201enutzen\u201c k\u00f6nnten, auf denen neben einem \u00f6kozentrischen Naturschutzgedanken auch Tiere, z.B.auch befreite Tiere, beispielsweise H\u00fchner aus Haltungsh\u00f6llen, Enten, G\u00e4nse, Puten, leben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Hier muss ich einen kurzen Abstecher machen, denn das ist n\u00e4mlich \u00fcbrigens ein Punkt, der mich in einem Aspekt der Einseitigkeit an der bioveganen Landwirtschaft verwundert. Folgendes: a.) Wir nutzen Raum b.) der vegane Gedanke ist im Sinne der Tiere und ihrer Rechte angedacht worden c.) der vegane Landbau klammert die Tiere als Wesen, die gr\u00fcnen Lebensraum ben\u00f6tigen, jedoch g\u00e4nzlich aus und fokussiert auf den Anbau und die Nutzbarkeit von B\u00f6den. Wir brauchen aber im Veganismus Land auch immer als Habitat von Tieren, als gesch\u00fctzte R\u00e4ume, und dies sollte ebenso benannt werden wenn \u00fcber Landnutzung im gro\u00dfen Stil gesprochen wird. Zudem ist tierliche Diversit\u00e4t immer ein Mitleben im nat\u00fcrlichen Raum und dieser Punkt sollte nicht in den Hintergrund veganer Er\u00f6rterungen stehen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, neben einer bioveganen Agrarfl\u00e4che kann auch Land anberaumt werden, das einen sicheren Lebensraum f\u00fcr Tiere bietet, und das nicht nur im Rahmen designierter Lebensh\u00f6fe sondern jeder veganen \u201eNutzung\u201c von Land. Die Frage, nach m\u00f6glichen Refugien f\u00fcr Tierdivestit\u00e4t ist mitnichten unkompliziert und ben\u00f6tigt ebensoviel \u00f6kopolitischen Einsatz wie die Sorge um das menschlich leibliche vegane Wohl. Es ist bedauernswert, dass die Tierrechtsfrage im Kontext mit Veganismus immer wieder \u201aEssen\u2019 (prim\u00e4r f\u00fcr Menschen) und \u201a(grunds\u00e4tzliches) Lebensrecht\u2019 (f\u00fcr Tiere) Seite-an-Seite stellt. Aber im Moment schlucke ich diesen Klotz, der K\u00fcrze halber. Das Problem ist dem Speziesismus in Hinsicht auf seine einverleibungsideologischen Aspekte geschuldet, die die nm-Tiere in die N\u00e4he von Agrarfragen ger\u00fcckt haben.<\/p>\n<p>Der Lebenshof \u201eAnimal Place\u201c in Kalifornien hat seinen bioveganen Landbau mit seinem Lebenshofprojekt verbunden. Sinnvoll, denn Tiere aus unseren Planungen und dem Bedarf an Nutzfl\u00e4chen wegzurationalisieren \u2013 auch damit die Tiere in Zukunft nicht mehr leiden m\u00fcssen (eine indirekte Implikation vieler Argumentationen \u00fcber Lebensraum-, \u00d6kologie- und Tierfragen) \u2013 kommt einer stillschweigenden Form speziesistischer Entrechtung gleich. Tiere leben auf der Welt und ben\u00f6tigen ihren nat\u00fcrlichen Lebensraum. Ich denke die Frage nach Lebensraum und der Wahrung und Schaffung dessen ist eine der ganz gro\u00dfen Priorit\u00e4ten f\u00fcr eine vern\u00fcnftige Tierethik, zumindest sollte sie das sein.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck zur Namens\u00fcberlegung. Die Benennung mit einem Rufnahmen dr\u00fcckt die lebendige, soziale, anteilnehmende Bezugnahme zu meinem Gegen\u00fcber aus. Es w\u00fcrde meiner Meinung nach perfekten Sinn machen, die Namensgebung legitim als Schritt zur fernen Utopie allgemeing\u00fcltig anerkannter Rechte mit zu etablieren. Name your beloved friend, write it down. Put it as a stance for making nonhuman animal rights become a reality in our society. Oder so.<\/p>\n<p>Ein bekannter Tierrechtler aus den USA sagte mal zu mir, Tiere k\u00f6nnten \u00fcberhaupt nie autonom sein, solange sie nicht befreit sind. Er verstand Autonomie in erster Linie allein als die nackte, leibliche Autonomie. Ich denke Autonomie ist etwas Substantielles, das sich im Sein, im rein Existentiellen, bereits befindet. Autonomie begr\u00fcndet Freiheitsf\u00e4higkeit, denn sie ist das Ich-Sein eines Individuums, und dies betrifft bei Tieren vor allen Dingen den Punkt ihres Denkens, das ihnen fortw\u00e4hrend aberkannt wird. Ich frage mich immer wieder was f\u00fcr eine merkw\u00fcrdige Tierbefreiungsbewegung wir sind, die sich aufs Leibliche aber nicht auf das Geistige der Tierwelt beziehen mag. Diesen Fokus auf die leibliche Tierbefreiung finden wir immer wieder, w\u00e4hrend wir gleichzeitig auch immer wieder feststellen k\u00f6nnen, dass Vorurteils- und Urteilsstrukturen (insbesondere) aus den Naturwissenschaften und der Philosophie kontinuierlich von Tierrechtlern selbst mit kolportiert werden, statt eigene Terminologien der Tierbefreiung zu entwickeln, zu postulieren und zu etablieren. Der grunds\u00e4tzliche Schritt zur Revolution im Denken fehlt, weg von den klassischen kausalistischen, entgeistlichten und den ans \u201aLebenssezierend-Biologische\u2019 gebundenen Beobachtungswarten, hin zur Auseinandersetzung mit dem allumfassenden Faktum des Tierseins.<\/p>\n<p><strong>Nicht explizit verortete Tiefreundlichkeit: Tiere vorf\u00fchren, um sich f\u00fcr ihre Rechte stark zu machen<\/strong><\/p>\n<p>Was zeige ich hiermit: ein Tier und ich als Retter mit auf dem Foto. Der Haltungsansatz Tiere zu zeigen, auf Fotos, Videos, in der bildenden Kunst, in unseren Texten, sie zu diskutieren, als seien sie selber nicht-denkende passive, nicht mitreflektierende, nicht den Menschen mitbeobachtende Rezipienten. Tiere sind andere Kulturen. Sie sind keine evolution\u00e4r reduzierten Wesen in Hinsicht auf ihr soziales Reziproksein und ihr Denken. Das w\u00e4re eine hierarchische Sichtweise auf unsere Freunde, zu meinen, nur wir k\u00f6nnen \u00fcber sie reden, aber sie nicht \u00fcber uns. Tiere haben ihre Sprachen. Und um klarzustellen, dass Tiere schlichtweg andere Kulturen sind (eben nichtmenschliche tierliche Kulturen) m\u00fcssen wir noch nicht einmal den R\u00fcckgriff auf Darwins Evolutiontheorie vornehmen und uns br\u00fcsten, dass wir diese \u201eVerwandten\u201c halt leider durch \u201esurvival of the fittest\u201c intellektuell im Anthropoz\u00e4ns hinweg evolutioniert haben und schon lange geistig \u00fcberholt haben. Nein, sie sind in ihrer Entwicklung historisch in ihren Lebenszyklen an der Stelle, an der sie sind, sie haben ihre Kulturen \u00fcber Jahrmillionen entwickelt und tradiert, sie praktizieren allesamt ein Leben, das einen tiefen, ultimativen Bezug zum Naturhaften hat. Sie sind nicht auf das Biologische zu reduzieren.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/nonhuman_evolution_1a.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1912\" src=\"http:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/nonhuman_evolution_1a.png\" alt=\"\" width=\"1046\" height=\"676\" srcset=\"https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/nonhuman_evolution_1a.png 1046w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/nonhuman_evolution_1a-300x194.png 300w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/nonhuman_evolution_1a-768x496.png 768w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/nonhuman_evolution_1a-1024x662.png 1024w, https:\/\/simorgh.de\/about\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/nonhuman_evolution_1a-250x162.png 250w\" sizes=\"(max-width: 1046px) 100vw, 1046px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die menschlichen Kulturen haben sich in letzter Konsequenz darauf geeinigt, die Natur als entseelt zu betrachten und ihr objektifizierend und verdinglichend zu begegnen. Alles Beseelte ist f\u00fcr uns an mehr oder weniger religi\u00f6se Vorstellungen gebunden, und unsere Religiosit\u00e4t haben wir als Machtmittel und als Mittel menschlicher Vereinheitlichung hingenommen. Sehen wir Spiritualit\u00e4t freier und ungebundener, wird klar, dass unsere Bez\u00fcge zur Natur \u00e4hnlich wertsch\u00e4tzend und bedeutungsvoll sein k\u00f6nnen, wie die der Tierkulturen. Dass auch wir f\u00e4hig sind das All-Leben zu wahrzunehmen, vernunftsm\u00e4\u00dfig zu begreifen, statt es als Ressource auf ein Mittel zum Zweck zu degradieren. Und der starke Bezug der Tiere zum \u201aNaturhaften\u2019 weist weder auf eine Entseeltheit noch auf eine fundamentale \u201aMaterialit\u00e4t\u2019 hin. Denken wir \u00fcber das Universum nach, stellt die Materialit\u00e4t (oder aber auch das nicht Vorhandensein von Materie respektive) ja auch keinen Mangel in den Zuordnungen von Komplexit\u00e4t dar. Unseren Gesellschaften ermangelt es an der Anerkennung der Natur als Seinsvielfalt. Tierliche Individuen praktizieren aber eine solche interaktive, wertsch\u00e4tzende Lebenspraxis mit dem naturhaften Raum.<\/p>\n<p>Resultierend aus der Dichotomie, die wir zwischen Mensch und Natur geschaffen haben, sprechen wir immer wieder \u00fcber Tiere in aller Liebe, aber in entm\u00fcndigender und vorf\u00fchrender Art und Weise. Wir weisen hin auf ihre F\u00e4higkeiten und Sensibilit\u00e4ten (gemessen an Dingen, die menschlichen Kollektiven vorrangig wichtig sind) als m\u00fcsste man nochmal darauf hinweisen. Wir sprechen \u00fcber sie in einer speziesistischen Gesellschaft, als wollten wir eine Beschwichtigungstaktik gegen\u00fcber den speziesistischsten aller Argumente betreiben. Nein, der Speziesismus negiert selbst dies alles, und er tut das ganz offenkundig, und nur wir harmlosen Tierrechtler meinen die Welt sei gerade aus dem Ei geschl\u00fcpft und wir m\u00fcssten die anderen Menschen nochmal erweckenderweise darauf aufmerksam machen, dass Tiere sensibel und klug sind, in dem Ma\u00dfe aber bittesch\u00f6n nur, wie die Biologen es ihnen momentan attestieren.<\/p>\n<p>Ich denke es gibt noch andere M\u00f6glichkeiten um f\u00fcr Tierrechte aktiv zu sein, statt in dem erkl\u00e4renden Modus zu verharren, in dem ich als Mensch, zu den anderen als Menschen und Gleichgestellten, \u00fcber \u201edie Tiere\u201c als die spreche, \u00fcber deren K\u00f6pfe hinweg wir nun einmal sprechen wollen. Ich kann das dritte beteiligte Gegen\u00fcber durch meinen Ansatz bewusst mit einbeziehen und seine Rechte, auch wenn dieser Andere abwesend ist, in jedem Punkte mit ber\u00fccksichtigen und verteidigen (das hei\u00dft also auch kein Appeasement gegen\u00fcber den speziesistischen Klassikern: Religion, Naturwissenschaften und Philosophie), oder ich kann prim\u00e4r einen Meinungsstreit zwischen zwei unterschiedlichen Positionen austragen, bei denen der Kontrahent im Mittelpunkt steht, die Argumentation dabei aber zu kurz greift, weil ich das Gegen\u00fcber ja nicht \u00fcberfordern kann und dieses Gegen\u00fcber ja sowieso meint die Welt sei eine Scheibe. Ich kann in dem Moment die Wahrheit postulieren, auch wenn das Gegen\u00fcber in wirklich fast jedem Punkte widersprechen mag. Und ich sollte dies tun.<\/p>\n<p>Denn wollen wir tats\u00e4chlich an der Stelle stehen bleiben, an der wir behaupten, wir h\u00e4tten die Definitionshoheit als menschliches Kollektiv \u00fcber das Tiersein und die Tierlichkeit (in all ihren individuellen Auspr\u00e4gungen und inklusive der Spezies Mensch)? Oder schaffen wir es mit den Speziesismen in Religion, Recht, Philosophie, Soziologie, usw. kategorisch zu brechen und uns mal die feinen Details aller m\u00f6glicher existenter Speziesismen anzuschauen? Indem wir dies t\u00e4ten, w\u00fcrden wir die Enge, die der Anthropozentrismus allem Sein verordnet, blo\u00dfstellen und zumindest unser eigenes Denken und Handeln w\u00fcrde sich grundlegend ver\u00e4ndern und somit auch anderen einen Ansto\u00df auf einer ganz grundlegenden Handlungsebene geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Rev. 21.02.2018<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Autonomierechten einen Namen verleihen: Namensgebung f\u00fcr nichtmenschliche (nm-)Tiere als Zeugnis und Ausdruck sozialer Bezugnahme Palang Yeganeh Arani-Prenzel, @nonhumanism (Gruppe Messel) Das Bild von Farangis G. Yegane links stellt die Tauroktonie im Mithraskult in Gegen\u00fcberstellung mit der Kreuzigung Christi dar. 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